Nr. 228 Zweites Blatt
d.eusiag, September (925
Gietzener Anzeiger (ivenerat-rtnzelger jur wvecyetze»,
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und Westen läuft auf den
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die Dinge in Persien eine Aend.
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Maggis FlÄschbrüh.Würfel
1 ä,- (Romfifp und delikate Soften henuftel
ermöglichen- es, kräftige Suppen, schmackhafte Gemüse und delikate Sohen herzustellen.
1 Würftl mir 4 Pfennig.
l Achtung auf den Namen Maggi und die rot-gelbe Packung.]
aus der Welt die Wende des farbide Armee
die im Westen Europas zwar aber immer wieder in die
Seitdem Ri^a Khan 1921 |i schäft mit Qlloslau gegen den
ch binau*. die
wachsenden deutschen Volke nicht räumen. Deshalb wird die um Jahrhunderts ausgestellte stärkere dauernd zu vergrößern versucht.
weltliche'' chfll fd>-
Frankreichs farbiges Heer
Don Rittmeister a. D. Wilh. v. Trotha.
Die weltbewegenden Ereignisse, die sich in Nord asrika und Vorderasien anzuspinnen beginnen, sind legten Endes mehr ober weniger auf die Schaifung und den Ausbau der französischen Militarmachl Aurudjuführen. Diese ist eng verknüpft mit seiner Kolonialpolitik und deren Ausgeburt des „farbigen französischen Heeres".
Französischer Machthunger und französische Län- beraicr einerseits unb die sich für Frankreich allmählich zur Katastrophe auswachsende Verminderung der Bevölkerund auf der anderen Seite sind die Triebfebern, bie zur Behebung des Geburtenrückganges zu geradezu grotesken Erscheinungen sühren. Mütter mit reichem Kindersegen werden dekoriert. So hat z. B. eine Frau die Ehrenlegion erhalten, weil sie zahlreiche Kinder hat, und man denkt allen Ernstes daran, kinderreichen Müttern in Frankreich eine besondere Medaille zu verleihen. Immerhin dürfte das die Angst der Franzosen vor dem ständig
Man erinnerte sich, daß Madras an der Ost- tüfte von Vorderindien liegt, damals eine kleine Handelsniederlassung der Osttndienkoinpanie, wo die Engländer ein unsicheres durch einjährlichen Tribut berechtigtes Leben führten. Aber keineswegs mehr. Etwas südlich davon liegt Pondicherry, damals wie jetzt noch Sitz der Franzosen. Dort herrschte, wesentlich beweglicher und weitsichtiger als die Engländer der Gouverneur Douplaix, der sich mit gigantischen Plänen zur Eroberung von ganz Indien für die französische Krone abgab, zugleich aber ein gigantisches Vermögen aus dem Goldlande an sich zog. Er griff an, Madras und das dabei- liegende Fort St. George wurde erobert, die Leute der Companie als Gefangene schmählich vor Hunderttausenden von Eingeborenen in Pondicherry ein- gebracht. Elive war vorher geflohen und hatte sich nach einem anderen Fort, nach St. David begeben, wo er aus der Schreibstube in den Soldatendienst übertrat, und mit 21 Jahren Fähnrich wurde. Damals begann Duplair seine Intrigue, um das ganze Reich des Großmoguls von Delhi mit all seinen Vasallenstaaten in seine, d. h. die französische Gewalt zu bekommen. Durch eine siegreiche Schlacht und diplomatische Künste fegte er eine Schattenfigur auf den Thron des Vizekönigs von Karnatik. Er ließ sich dafür mit vier Millionen Mark in Gold bezahlen, 30 Millionen Menschen beherrschte Duplair auf diese Art. Da griff Robert Clive, der unterdessen mit dem Ranae eines Hauptmannes die Truppen der Kompagnie befehligte, ein und stürzte durch Belagerungen,' die er gegen zwanziykache Uebermacht ausbielt', durch unvermutete Angriffe und kühne Züge in Feindesland das Reich Karnatik, so daß es fi* durch bedeutende Landabtvetungen und em Weingelb von 60 000 Pfund lösen muhte (wie viel Clive an sich nahm, ist nicht bekannte Duplair war geschlagen, es rächte sich, das; er, ber größte Diplomat und weitblickende Politiker, kein Krieger war, sondern Pulver wohl nicht riechen konnte. Aber er spannte neue Rege um die Engländer unb fein nächster Stof; galt ihrer Wiebcdaffung im (Bang.es-- bclta, in Kalkutta. Der Vizekömg non Bengalen Surebscha Dowla, ein Zwanzigjähriger, hyfterych ober epileptisch, babei von schwachsinnig gtaiijamen Instinkten, griff bei einem belanglosen Anlaß em, eroberte bie von kopflosen Hanbelsleuten besegle Faktorei unb nahm 146 Engländer gefangen. Er versprach, sie nicht hinHurichlen, sperrte sie aber in der glühendsten Nacht Bengalen:- ohne Waster und Luft in einen zwanzig Duadratfuß großen Raum, dessen Fenster verstopft waren. Die Bengalen standen an ben Fenstern unb freuten sich über bie Dualen ihrer nerburftenben, erstickenden Opfer. 23 schlichen am
zwischen beiden liegenden Lände, dort P: r - s i e n, hier Deutschland, von |:,4) noch weiter abhängig zu machen.
Robert Clive.
(Zum 200. Geburtslage, am 29. September.) Don Dr. van Bleuten.
Es läßt sich nicht leugnen, unsere berühmte geschichtliche Ausbildung ist Wege gegangen, bie zwar interessant unb humanistisch waren, bie aber grunb- verschieben sinb von dem, was uorroärtsftrebenbe Völker kennen lernen müssen unb kennen gelernt haben von ihrer unb anberer Staaten Vergangen- heil. Wir wissen über Themistokles, Aristibes, Pom- pejus genau Bescheid, wie aber z. B. die Eng. lönder ihr Weltreich in Indien grünbeten, ist selbst sehr Gebildeten saft unbekannt. Und dabei ist Aristides für uns eine hübsche Geste, während die Tatsache, daß z. B. die Schlacht bei Dlassey gewonnen wurde und England sich ein Jahrhundert die Taschen mit indischem Golde und Diamanten füllte, letzten Endes unsere Niederlage im Weltkriege bedeutete. Denn ein England, bas nicht reicher gewesen wäre, als wie wir selbst, hätte nicht ausgehalten.
So lohnt es sich, heute einen Blick zu werfen auf das Leden des Gründers der englischen Macht in Indien, heute an dem Zage, da seit seiner Geburt am 29. September 200 Jahre vergangen sind. Es lohnt sich um so mehr, etwas über Robert Clive, ben späteren Baron von Plafsey, Peer von Irland, zu hören, ba bas Schicksal bieses Aden- teurer» sich wie die Inhaltsangabe eines schlechten * Kolportaaeromans ausspinnt. Bobby war ein verlorener Sohn; der Schrecken aller Schulen in der Umgebung seines Wohnortes, denn von jeder wurde er wegen Unbänbigteit, Unbotmäßigkeit unb wilden Taten wieder entfernt. Sein Vater, ein Rechtsgelehrter aus alter Familie, scheint auch nicht gerade durch besondere Begabung hervorgetreten zu sein, das Erbgut war bis zum letzten Dachziegel verschuldet. Bobbys Eigenart war es, mit (Blcidwe- flnnten eine Bonde zu bilden, die von den Geschäftsinhabern der nahen Stadt einen regelrechten Tribut in Lebensrnitteln, Leckereien und auch in Geld einzog, als Ablösung dafür, daß ihnen die Fen- sterscheiden nicht eingeworfen ober sonst Schaben xugefügt würbe. Den Siebzehnjährigen schob die Familie ab, als Schreiber der ostindischen Kompanie in Madras fand er eine Stellung, deren Gehalt so knapp bemessen war, daß man zum Leben in bescheidenster Weise etwa das Doppelte nötig hatte: das Fehlende waren die AngeftcUten durch Privat- geschäfte zu verdienen angewiesen und gezwungen, durch Reiswucher ober noch anrührigere Verdienst- möglichkeiten. Bobby, ber sich zunächst auf solche Weise nicht verstanb, hungerte unb schrieb fentimen- täte Briese nach Hause. „Wenn ich so großen Segen erfahren sollte, mein teures heimisches England wiederzusehen, ganz besonders aber Manchester, so würde alles, worauf ich hoffe, in e i n e m Augenblick vor mir stehen." In dieser Bedrängnis fand er beim Gouverneur von Madras eine Bibliothek unb begann zu arbeiten. Aber bie Rot stieg, zweimal fehle ber junge, aussichtslose Schreiber bie gelabene Pistole an bie Stirn, beide Male versagte sie: da ging es ihm ähnlich wie dem jungen Wallenstein: nachdem er sich überzeugt hatte, daß die Pistole wirklich gut und richtig geladen war, sah er einen Wink des Schicksals darin, daß es ihn zu Großem bestimmt habe. Unb wirklich, es wartete schon auf ber Schwelle.
anberen Morgen, kaum noch am Leden, aus biesem Loch, bie anderen 123 wurden in eine Grube geworfen und zugeschüuet. Suradscha saß in seiner Größe und hielt in Maurschedabad Hof.
Da landete Clive mit einem Heer von etwa dreitausend Mann, eui Drittel davon Weihe, • nahm mdjrere feste Pläge im Gangesdelta und Kalkutta selbst, lieh sich dann aber in Verhandlungen mit Suradscha ein, bie zu einer Einigung führten, bie aber in Wirklichkeit auf die Vernichtung des benga- fischen Herrschers zielten. Ein glänzendes, verwert' liches Spiel von Betrug begann, Suradscha wurde sozusagen bei lebendigem Leibe ausgehvhlt, Clive zettelte eine Verschwörung an, deren Gegenspieler ein einflußreicher Bengale Omichund und der Minister Dschasfir waren. Suradscha begannn etwas zu merken und verhandelte wieder mit Duplah in Pondicherry. Omichund verlangte nun fünf Millionen. wenn er das Gefpinnft des Verrates, den Clive wob, feinem Herrn nicht verraten solle. Clive griff zu einem Theatereffekt plumper Art, etwa als wenn ein schwörender Dftlänber bas Wörtchen „nicht" einfchiebt ober ben Daumen einbiegt. Er stellte zweierlei 'J3crtraqc her, in dem einen wurde Omi- djunb das Ausbedungene versprochen, im zweiten stand nichts davon, unb biefer war ber richtige. Als ber englische Admiral Wettson den Schwindel nicht mitmachen wollte, sälschte Bobby kurzerhand die Unterschrift. Dann kam sein Vorstoß gegen Su- radscha, Dschasfir, auf den er fest gerechnet hatte, war aber vorsichtig unb abwartend und ging nicht zu ihm über. Gegen 65 000 Inder hatte Clive etwa 3000 Mann zu fetzen, darunter 1000 Engländer. Im geeigneten Augenblick griff er an und zersprengte die ganze Macht. Allerdings: nur 500 Feinde waren getötet, die anderen nach indischem Brauche fort- gelaufen. Clive hatte 22 Mann verloren. Suradscha floh aus seiner Hauptstadt, sein Iuwelenkästchen im Arme, und Dschasfir wurde zum DizekÖnig ein- gesetzt. Nun wies Omichund seinen Vertrag vor, Bobby erklärte ihm in sachlicher Weise, daß er betrogen worden sei. Nun kommt wieder ein Kolportageeffekt, Omichund sinkt um, erhebt sich und ist wahnsinnig. In wenigen Monaten siecht er hin, selbst dem hartgesottenen Bobby ein tiefer Vorwurf. Die Engländer erhielten von Dschasfir den annehmbaren Betrag von 16 Millionen, von denen aber etwa fünf in den klugen Händen Bobbys blieben. Im Grunde nichts anderes als der Tribut, den er als Junge mit feinen Genossen für Fensterscheiben, die er nicht ein- warf, zu erheben pflegte. Dabei bekam er noch eine Rente von etwa 600 000 Mark jährlich, Einkünfte aus einem „Lehen", bas Dschasfir ihm verleihen mutzte. Zunächst wirkte nun Clive auch für ihn: als es bem Groß-Mogul von Dehli plötzlich einfiel, wahrscheinlich auf Anstiften Douplaix', Dschaffirs Hauptstabt mit einem großen Heere zu bebrohen, eilte Clive mit 2500 Mann herbei, unb lebiglich ber Schrecken seines Namens zersprengte die Macht bes Großmoguls gänzlich, baß er nichts bavon übrig blieb. Dann begann Dschasfir — wohl nicht mit Unrecht — bie Englänber zu fürchten, unb zettelte im Geheimen eine Verschwörung mit ben Hollänbern an. Ehe noch eine offene Vereinigung zwischen diesen und Dschasfir möglich war, besiegte sie Clive im Gangesdelta vollständig. Dann fuhr er nach England. Hier beginnt der für bie Kenner englischer Verhältnisse köstliche Eiertanz um bie Wohlanftan- bigfeit. 1762 ernannte ihn der König zum irischen Peer unter dem Titel eines Barons von Plassey. Schon wurden Stimmen laut, daß er wie ein römischer Prokonsul Gold und Juwelen geraubt unb gerafft habe, ba brachen in Inbien wieder Unruhen aus, und Clive wurde als einziger, der dies Land beherrschen könne, hingeschickt, diesmal als Gouverneur von Bengalen. Er fand, als er kam, die kriegerischen Händel fast schon beendet, wirkte aber als "Diplomat und erlangte die Belehnung der Ost- indienkompagnie mit Bengalen, Bihar unb Orissa, bas waren wieder 15 Millionen Menschen. Unb nun sorgte Clive in vorbildlicher Weise für die Verwaltung, schuf auskömmliche Gehälter und verbot jede Art' von Bestechung (seine eigenen Gelder gab er allerdings nicht wieder heraus). Heimgekehrt nach Enoland, wurde ihm eine Art Prozeß gemacht. Er mufye sich vor einem Ausschuß des Unterhauses verteidigen, er tat es in einer ganz meisterhaften Rede, die erhalten ist. Wie aber zog sich der Ausschuß aus der Klemme? Sehr englisch: man beschloß dreierlei: erstens, Erwerbungen, die durch die Waffen des Staates gemacht worden sind, gehören dem Staate allein. Zweitens: diese heilsame Regel sei von manchen englischen Beamten in Indien verletzt worden, und Clive habe durch Erfolge englischer Truppen finanzielle Vorteile für sich selbst erlangt. Drittens, Lord Clive habe bem Vaterlanbe aroße unb wertvolle Dienste aeleiftet ... So beschlossen unb verkünbet. Unb bie Geschichtsschreiber Englands sind über dies Urteil baß enzückt. Clive aber hatte feine Reichtümer sicher, von denen er übigens, ab- gesehen von einer gewissen Verschwendungssucht, besonders für Verwandte, seinen Vater und sein Fa- miliengut lobenswerten Gebrauch machte.
Aber nun kommt die innere Rache. Wir sehen ihn als Jungen unbändig, wir würden sagen psy- chopathisch. Als junger Mann wurde er von Anfällen von Verstimmung heimgesucht, die ihm zweimal die Pistole in die Hand drückten. Nun, als er alles hatte, was ein Mensch sich wünschen kann, verdüsterte die Enge ber englischen Kluft und die Dual, fidi nichts Unerreichbares wünschen zu können, feine Taae. Er kam zum Ovi'.immißbrauch, womit er schon in Indien begonnen hatte. Der Schatten Omichunds ging in seinem Schlosse um, ber Baron von Plalley verfiel in Unruhe und Trübsinn und am 22. No- nember 1774 lud er zum dritten Male die Pistole unb traf diesmal besser. Das Schicksal hatte nichts für ihn zu tim unb warf ihn weg. Wie er feinen großen Gegner Duplair weggeworfen hat: ihm nahm Frankreich seine ungeheuren indischen Reichtümer und ließ ihn als ärmlichen, gebrochenen Greis in einer dunkelen Seitenstraße sterben.
In der Erschaffung dieser „farbigen Armeen" muß man vier Perioden unterscheiden.
Die erste fällt in die Zeit von 1830 bis etwa um 1900 herum. In dieser wurden eigentlich nur bie Vorläufer der heutigen, ungemein starken französischen Armee, Turkos und Zuaven, geschaffen, die mannigfaltige Veränderungen durchgemacht haben.
Die zweite Periode ist die vor dem Weltkriege. In dieser erkennen wir den bereits stark durch- geführten Willen der Franzosen, eine große farbige Armee zu schaffen, die bei einem europäischen Fest- lanbsfriege Verwendung finden sollte. In der zweiten Periode stellte Frankreich zunächst in seinen Kolonien farbige Truppenteile auf, und zwar in Nordafrika 54 000 Mann in 9 Eingeborenen-Schützen-Regimen- lern — ben sogenannten Turkos — mit zusammen 39 Bataillonen und 4 Eingeborenen-Reiter-Regi- meutern, den sogenannten Spahis. In den übrigen Kolonien, Afrika, Madagaskar, Mozambique und I n d o ch i n a hatten sie 52 000 Mann in 64 Eingeborenen Bataillonen formiert.
Die dritte Periode fällt in die Zeit des Welt- krieges. Nach Kriegsausbruch wurde sofort eine marokkanische Division gebildet und nach Frankreich auf den Kriegsschauplatz herangezogen, der sehr bald sieben erstklassige weitere Divisionen aus Nordafrika folgten.
Bis zum Kriegsende hat Frankreick)t folgende farbigen Soldaten farbigen ober gemifchen Formationen auf den Kriegsschauplätzen verwendet: 173 000 Algerier, 80 000 Tunesier, 40 000 Marok- kaner, 181 000 Senegalneger, 41 000 Madagassen, 49 000 Jndvchinesen, 3500 Somalincger. Das macht zusammen als Kampffoldaten 567 500 Farbige, von denen 68 000 Mann gefallen ober vermißt sind. Zu diesen Kampffarbigen kamen noch 310 000 farbige Arbeitssoldaten, so daß die nunmehr endgültig feststehende Zahl der gesamten, von Frankreich verwendeten Farbigen sich auf 877 500 Mann beläuft.
In der jetzigen vierten Periode haben die Franzosen, aufbauend auf die Erfahrungen des Weltkrieges bei der Neuausstellung und Formierung ihr Nachkriegsfriedensheer auf 700 000 Mann, davon 200 000 für die farbige Armee, festgelegt, und zwar Algerier 73 000, Tunesier 14 000, Marokkaner 17 000, West- und Aequatorial-Afrika 48 000, Indochina 18 500, Madagaskar 13 500, Syrien 6000 Mann. In Summa find also bei der Fahne rund 200 000 rein eingeborene Farbige.
Nach Truppengattungen sind sie formiert in 31 nordafrikanische Tirailleur-Regimenter, 5 Saharakompagnien, 15 gemischte Kolonial-Jnfanterie- Regimenter, 2 farbige Kolonial-Infantereie-Regi- menter, 21 Kolonial Schützen-Regimenter, 11 selbständige Kolonial-Schützen-Bataillone und 5 selbständige Kolonial-Schützen-Kompagnien in zwe >i Bataillonen.
An Kavallerie sind 13 reine Spatji-fRegimenter und zwei gemischte Reiter-Regimenter Vorhand n.
Außerdem besitzen die Franzosen noch 9 Ma- schlnengewehr-Bataillone von Farbigen, die aber alle nebst 17 Tirailleur-Reaimentern und 4 Späh - Regimentern in 40 französischen Garnisonen längs ber verschiebenen französischen Grenzen auf bem Festlanbe liegen! Die Zahl ber somit in Frankreich liegenden farbigen französischen Soldaten kann man mit 60 000 Mann annehmen, zu denen noch 9 Ti- raiUeur- und 2 Spahi Regimenter kommen, die in Deutschland im besetzten Gebiet Verwendung fin- den und nach Abmarsch ber hierin nicht eingered)» rieten marokkanischen Division aus ber Pfalz noch immer mit etwa 12—15 000 farbigen Franzosen angegeben werben können, von benen aber oor- übergehenb immer roieber Truppenteile nach Marokko unb Syrien entfanbt werden.
Deutsche, die ins alte Reichsland, z. B. nach Metz unb Straßburg im Elsaß kommen, mutet es eingenartig an, wenn sie z. B. farbige Vorgesetzte weiße französische Soldaten auf Wache in ben Festungstoren fommanbieren sehen. Ein Zeichen dafür, baß das französische Volk schon derartig entartet ist, bah es kein Rasseempsinben mehr hat.
Der Teheraner „Brot-llrawall".
Richt gerade zur unrechten Zeit wird über London auS Persien gemeldet, daß in der Residenz Riza Khans. des schneidigen Resor- mators. Unruhen ausgebrochen sind, b;e. obwohl sie ihre Ursachen in CScotfalamitäten haben sollen, nicht ohne politische Färbung sind. Richt zur unrechten Zeit deshalb, weil in Verbindung mit dem Sicherheitspakt die beiden Konkurrenten In Mittel- und Dorderasien, der russische Staat und daS britische Imperium, in drastischer Weise von sich reden machen. Die Gleichheit der Gegensätze zwischen den beiden im Osten
russischen Beziehungen Hine nge'p. i d auch die russischen Hoffnungen auf e.ne allmähliche Verschlingung Persien» stark in den . -b
gedrückt haben. Die Sowjet-Univ', batte sich von der Kündigung der alten Ukrträge ; 'dien Teheran und Öonbon sowie zw. scheu Zcbcran und der Zarenregierung ein H i n ü b e > s chw e n- f e n der persischen Entwicklung nach der Moskauer Seite versprochen. Wie es ihr aber in Afghanistan ergangen ist. toc dort die neue Regierung des reformierenden Emirs Qlina- nullab schließlich doch eigene Wege ging, ohne Rücksicht auf russische Gegenforderungen für Vertragsaufhebungen, so hat sie auch in Persien ein Fiasko nach d^m anderen erlitten. Der Drang des russischen Staates jeder Fasson nach den sprichwörtlich gewordenen ..natürlichen Grenzen" entpuppt iid> tagtäglich deutlicher auch bei den Bolschewisten als Imperialismus der gewöhnlich^en Marke. Die Londoner Meldungen über die Unruhen in Teheran wollen wissen, daß auf feiten der Aufständischen d e Sympathien der verdrängten persischen Dynastie seien, daß die russisch? Gesandtschaft in Teheran von Militär geschützt norden muß. Auch die bloße Andeutung solcher MDglich- feiten — die Berichterstattung aus jenen Tetten Asiens läßt noch immer manches zu wünschen übrig — beleuchtet die Lage sehr kraß.
Die innerpolitische Lage Riza Khans zeigt sicherlich eine Reihe schwacher Stellen, an beneit Las Kabinett überaus leicht verwundbar ist. 'Roch bis heute ist es nicht zu einem Ausgleich zwischen den Anhängern des alten Qtci mes und den Freunden eines steten und sicheren Fortschrittes gekommen. Gesellen fio Einflüsse von außen her hinzu, so ist es nicht *r- wunderlich, wenn das Kabinett seine Armee ur Hilfe heranzieht. Belastend für diese trotz a ler Festigung noch unsichere Stellung ist die bolschewistische Propaganda, die sich aus den mittelasiatischen Gebieten Rußlands, über den Kaukasus und die persischen Häfen am Kaspischen Meer auf tausend Schleichpfaden nach Persien vordrängt.
Auf der anderen Seite glauben die Engländer Grund zu der Befürchtung zu haben, daß sich auch in Persien da« afghanische Beispiel toieberbDlt. Rachdem ber junge afghanisch Emir 1919/20 das englische Protektorat von sich abgeschüttelt hatte, ging der Boykott alles c . gli- schen Interesses soweit, daß Amannlla Khan eigenhändig mit der Schere Löcher in die Anzüge seiner Beamten schnitt, toemi ihnen bi? englische Herkunft anzusehen war. Die Wirtse',sittliche und 8um Teil auch finanzielle Abhä.'.^gkeit Afghanistans von Indien aber schob be.i Emir allmählich auf den Weg der Kompromiss»', die für England aber so unbedeutend sind, daß es bis heute an dem Bestreben festhält, die Frvmde des alten afghanischen Regimes gegen Ama' (la Khan zu mobilisieren. Die Aufstände in jenen (Segenben. von denen man von Zelt zu Zeit Kenntnis erhält, finden fast immer ihre Erklärung in dieser Richtung.
So sehr der persische Rachbar milden englisch- amerikanischen Interessen an Petroleum, Handel und Berkehr auch liiert ist, das Haudtrie! seiner vor Jahren begonnenen Umgestoktlmg. die g hl- mögliche Unabhängigkeit von den G oN- mächten, verliert er nicht au- dem A ige d-e fortschreitende Stabilisierung Persiens, b : Steigerung der persischen Äauftraft unb Pro on reizen das englische Kapital noch mehr dnu, feine Tätigkeit politisch zu intensiviere. D-mn das darf im Westen nicht überleben werden, daß die Staaten Border- und Mittelasiens ebenso toio die im fernen Osten auf dem Wege sind ist- ? iichustrielle Produktion so zu ftrigern. daß Fe nur in geringem Maße auf Me Ginfuhr ans dem AuÄand angewiesen sind. Wen -, solche PI ' z'm Teil auch noch in die Zukunft ceueren, so acht der englische Weitblick, daran doch nicht vorüber, Borbereitungen auf weite Sicht sind schon immer bai besondere Merkmal englischen Vordringens gewesen.
Alle diese Vorgänge brauchten uns letzt, kurz vor einer der wichtigsten Entscheidungen im Westen, nicht sonderlich zu interessieren, wenn f:e nicht auch hinter den Kulissen der europä - schen Diplomatie mitsprächen. Hat doch de polnische Presse z. D. erst txr wenrn-n Dänen in pompöser Aufmachung erklärt. d'ß Polen dem russischen Drang nach Osten in ied-r Weile -Entgegenkommen woste ymal ia aruy d e russilch-f ran , ösifchen Interessen in Do der- und Mtttelasien gleich liefen.
Kunst und Mffenst'st.
Neuere archäolon sche " unde in Italien und Tripolis.
Am nächsten Freitag w rd Professor Dr. Walter Amelung aus Rom über neuere archäologische Funde in Italien und Tripolis sprechen ls. den Qln^e G»nteif; Gs handelt sich, wie man uns mitteilt, um - eine ganze Reihe neuer Funde, d e vom 5. vorchr. Jahrhundert bis inS 3. nachchr. reichen, und um die sich daraus ergebenden Fragen. En ge D'nk- mäler, an die der Vortragende anknüptm w'rd, hat er selbst in den Magazinen des vatikanischen Museums, wo sie unter einer dicken Stautzschrcht


