Ausgabe 
29.8.1925
 
Einzelbild herunterladen

u§ der Erörterungen in ihrer Rote vom 20. 7. ch ihrerseits Ausdruck gegeben hatte, durchaus Geteilt Die deutsche Remerung begrüßt deshalb die von dem französischen Botschafter mündlich mitge­teilte Anregung, daß juristische Sachoer- st ä n d i g e Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und Großbritanniens m ö g l i d) ff bald ; u s ammen- lressen, um dem deutschen Sachverständigen Ge­legenheit zu geben, sich von den Ansichten der alli­ierten Regierungen über die juristische und technische Seite der zur Erörterung stehenden Probleme zu unterrichten.

Unter diesen Umständen glaubt die deutsche Re­gierung, nachdem sie ihren Standpunkt zu einer Reihe der wichtigsten Fragen in ihrer Rote vom 20. 7 Sargelegt Hot, von einer weiteren schriftlichen Erläuterung dieses Standpunktes und von einer Stellungnahme zu den Ausführungen der franzö­sischen Rote jetzt a b f e h e n zu sollen.

Der amtliche britische Funkdienst meldet: Die Verhandlungen' zwischen den Rechtssachverstän- digen der deutschen, belgischen, französischen und englischen Außenministerien beginnen am Mon­tag in London. Die Länder werden wie folgt vertreten sein: Gauß-Deutschland, Rollin- Delgien. Fromageot - Frankreich und Cecil Hurst- Großbritannien. Der Zweck der Zusam­menkunft ist. die deutsche Regierung durch ihren Sachverständigen von den Ansichten der Alliier­ten über die rechtliche und technische Seite der Probleme in Kenntnis zu sehen, die in dem vorgeschlagenen Sicherheitspakt enthalten sind. Hier herrscht allgemeine Befriedigung, daß nun­mehr die Verhandlungen durch Notenwechsel zwi­schen den in Frage kommenden Regierungen beendet sind, man glaubt zuversichtlich, daß diese Zusammenkunft der technischen Berater eine baldige Konferenz der Außenmini­ster am runden Tisch zur Folge haben wird.

Friedrich Weinhausen t-

Barlin, 29. Aug. (TU.) Am Freitag nach­mittag starb plötzlich der demokratische Politiker Friekwich Weinhausen im Alter von 58 ^fahren unmittelbar nach seiner Rückkehr von einem Kur­aufenthalt in Kudowa. Geborener Hesse, wandte er sich zunächst theologischen Studien zu und kam dann in den Kreis FriÄÜnch Raumanns, mit dem zusammen er die »Hilf e" leitete. Seit 1912 war er Mitglied des Reichstags für den Wahlkreis Danzig, den er auch noch in der Rationalversammlung vertrat. Seit der Abtren­nung Danzigs von dem Deutschen Reich legte er seine parlamentarische Tätigkeit nieder. Zuletzt war er Herausgeber der demokratischen Partei- korresprmdenz.

Die Lohnverhandlungen bei der Reichspost vertagt.

Berlin, 29. Aug. (I. U.) Die Verhandlun­gen zwischen Tarifgemeinschaften der Arbeitnehmer und der Reichspostoerwaltung wurden nach mehre­ren Stunden, in denen keine Einigung über die Lohnhöhe zu erzielen war, mit Rücksicht auf die von der Regierung eingeleitete Preissen­kungsaktion bis zum 1. September ver­tagt, da zu diesem Zeitpunkt ein Ergebnis dieser Maßnahmen zu überblicken sein dürfte.

Die Umbildung des Stinneskonzerns.

CB erlitt, 28. Aug. (WTB.) Die Leitung des Stinnes-Konsortiums hat heute den Konsorten einen eingehenden Bericht erstattet mit_ folgen­dem Ergebnis: 3m Einvernehmen der führenden Banken mit der Familie Stinnes werden die Kohleninteressen des Konzerns zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebilde vereinigt Es wird eine neue Kohlenhandels-Aktien- ges ellschaft mit einem Aktienkapital von 25 Millionen Mark gegründet, die das Kohlen- bandelsgeschaft übernimmt 3n diese Aktiengesell­schaft werden diejenigen Werte eingebracht wer­den, die die Grundlage für diesen Zweig der Stinnesschen Interessen bilden, d. h. die Grund­stücke und Gebäude, die in den verschie­denen Städten dem Kohlenhandelsbetrieb dienen: 42000 To. Rheinschiffe, etwa 50000 To. Tonnage enthaltende See- und Kohlen- dampßer. Hafenanlagen und Umschlagplähe, sowie mit dem Kohlengeschäft zusammenhängende Beteiligungen und Debitoren. Die Gesell­schaft wird ferner die Majorität des Mül­heimer Dergwerksvereins übernehmen, die für die Aufrechterhaltung der bisherigen Basis des Kohlengeschäfts von Bedeutung ist. Die Gesellschaft erhält außerdem eine Option auf die Majorität der Kuxe der Zeche Ma­thias Stinnes, um in her Lage zu sein, diese in ein em späteren Stadium der Entwick­lung zu einem festen Preise zu übernehmen.

Es ist beabsichtigt, industrielle Kreise an dieser Kohlenhandels-Aktiengesellschaft zu beteili­gen, und es sind aussichtsreiche Verhandlungen nach dieser Richtung hin eingeleitet worden. Man wird eine Beteiligung der Familie Stinnes Vorbehalten, die nach Tilgung aller Derbindlich- keiten für sie frei wird. Die Tragfähigkeit und angemessene Rentabilität dieser Kohlenhandels- Aktiengesellschaft kann auf Grund eines ein­gehenden Studiums aller Verhältnisse als nach- gewie'en angesehen werden. 3m "Zusammenhang mit dieser Transaktion und auf Grund der ge­tätigten Verkäufe gelangt das Garantie» konsortium zur Auflösung, und der von der Deehandlung unter Bürgschaft des Garantie­konsortiums gegebene Kredit wird zurück- gezahlt. Die seinerzeit auf Grund der von der Firma Stinnes dargelegten Dermögens- ziffern mit dem Garantiekonsortium vereinbarte Provision von 1,6 Millionen Mark wird auf Anregung der führenden Danken zunächst nicht zur Auszahlung gelangen. Die Banken werden erst am Schluß der Liquidation sich end­gültig darüber schlüssig werden, ob und intoie» eit deren Ergebnis unter Berücksichtigung der Dermögensverhaltnisse dec Firma Stinnes eine olche Provisionszahlung zuläßt

Die Banken haben, wie in diesem Zusammen­hang festgestellt wird, auch aus den bisher ge­tätigten DerKufen von ^tinneswerten weder un­mittelbar noch mittelbar Provisionen oder sonsttge Gewinne erziett und sind auch in keiner Form auf der Kaufsette beteiligt. Die bisher führenden drei Banken haben sich bei der schwierigen Li­quidation bemüht, in erster Linie denjenigen Aktienbesitz ab zu stoßen, der für die nächste Zeit keine ober nur geringe Erträge ver­sprach und den länger zu halten angesichts der

großen Schulden- und Zinsenlast des Konzerns | nicht verantwortet werden konnte. Der Erlös aus den bisher erfolgten Realisierungen entspricht den ursprünglichenSettertungen. Rur das Aktien­paket Deutsch-Luxemburg mußte billiger abgegeben werden. Ein besserer Preis für diese Aktien war nicht zu erreichen, da der vorhandene Besitz weder eine Dkajorität noch eine qualifizierte Minorität darstellte und daher nur ein Kaprtal- intereffe für den Käufer hatte. Alle Versuche, durch anderwettige Verhandlung en einen höheren Preis zu erzielen, waren vergeblich, und die Realisierung geschah in einem Augenblick stärk­ster Geldanspannung des Stinneskonzerns, so daß die direkten Vorteile für die Liquidation sehr wesentlich waren. Diese Polttik der ruhigen und sachgemäßen Abwicklung wird von den vier Dan­ken fortgesetzt werden. Der Status des Kon­zerns zeigt heute noch eine Gesamtschuld von cd. 112 Millionen Mark, zu denen ca. 8 Millionen Mark Bürgschaften hinzutreten. Diesen gesamten Verpflichtungen stehen Werte gegenüber, die man auch unter Berücksichtigung der schwierigen Zeitverhältnisse mit rund 140 Millionen Mark annehmen kann, so daß die Befriedigung aller Gläubiger gesichert ist.

Die Wahrheit über Marokko.

Eine englische Darstellung der Lage.

London, 29. Aug. (WTB. Funkspruch.) Times" berichtet aus Tanger, noch vor 10 Ta­gen schien es, als wenn die französische Offen­sive gegen die Rifkabylen nur auf geringen Widerstand stoßen werde. Berichte, nicht nur von der Front, sondern auch aus dem Rifgebiete selbst, führten zu der Annahme, daß Abd cI Krim seine regulären Truppen aus der Front zurückgezogen habe und es den aufständischen Stämmen im Rorden des fran­zösischen Protektorates überlassen wolle, sich zu verteidigen oder sich zu unterwerfen. Als letzte Woche General Boichat die Tsuls erfolgreich an- riff und ihre Untertoerfung erreichte, schienen keine Zweifel über Abd el Krims Absicht zu bestehen, die aufständischen Protektoratsstämme ihren eigenen Anstrengungen z u überlassen. Dieses sei jedoch nicht der Fall, denn die französischen Angriffe auf den benachbarten Dranes-Stamm haben die Tatsache enthüllt, daß die regulären Riftruppen wie­der in beträchtlicher Stärke zurück- ge k ehrt sind und hartnäckig Wider­stand zu leisten beabsichtigen.

Die Kämpfe am letzten Mittwoch in diesem Bezirk waren sehr schwer, und es gelang den französischen Truppen nur mit großen Anstrengungen, ihr Ziel zu erreichen. Die Hoffnung, daß die Operationen bald beendet sein werden, scheint jetzt wenig erfüllbar.

Es sei z. B. unwahrscheinlich, daß ein allgemei­ner Vormarsch auf der ganzen Front stattfinden werde. Verschiedene Gelegenheiten würden jedoch ausgenutzt werden, um zu bestimmten Zeitpunkten an verschiedenen Stellen vorzurücken, je nach dem Widerstand, aus den man stoße. Es werde gehofft, durch dieses Mittel die Riskabnlen zu veranlassen, sich zurückzuziehen. Die Absichten der Rifkabylen seien in großes Dunkel gehüllt. Der Berichterstatter fragt, ob sie nicht letzten Endes doch beabsichtigten, die Tetuan- und Melilla front anzu­greis e n , oder ob dies nur eine Finte sei. Es sei unmöglich, über diese oder irgendwelche anderen Punkte zuversichliche ^Informationen zu erhalten. Wenn jedoch die Pläne Abd el Strims unbestimmt seien, so seien es die der Spanier eben­falls. Würden wi:''ich Vorbereitungen im Hin­blick auf eine spavqche Offensive getroffen ober seien es vielleicht nur Vorsichtsmaßnahmen gegen einen drohenden Angriff der Rifkabylen? Dem Be­richterstatter zufolge fei nur bekannt geworden, daß die Franzosen entschlossen seien, jeden Rifkabylen aus dem Protektoratsgebiet hinauszutreiben, und daß sie dabei auf keine Hilfe von außen rechnen. Die französischen Streitkräfte seien auch stark ge­nug, um ihr Programm durchzuführen.

Französische Verstärkungen für Marokko.

Paris, 29. Aug. (TU.) Das französische LinienschiffParis" eines der größten Einheiten der französischen Kriegsflotte, wird in Begleitung zweier Torpedobootszerstörer heute abend von Toulon nach der marokkanischen Küste in See gehen. Weitere Torpedoboote und Torpedobootjäger haben Befehl er­halten, ebenfalls nach Marokko abzudamfen. Von Rizza wurden zwei Bataillone Alpen­jäger nach Marseille in Marsch gesetzt, von wo sie sich noch heute nach Marokko einschiffen werden.

Die Kollektivnote der Mächte an China.

London, 28. Aug. (TU.) Die Kollektiv­note der Mächte an China, die vor der Zoll- konferenz in Peking überreicht werden soll, wird die Politik gegenüber China und die grundsätzliche Bereitwilligkeit, das Washingtoner Pro­gramm hinsichtlich der Zollkonferenz auszusühren, erklären. Die Zollkonferenz wird am 26. Oktober in Peking zusammentreten. Die Rote wird jedoch nicht verfehlen, die chinesische Regie­rung an ihre Verantwortung für die Ruhe und Ordnung in China zu erinnern..

Meldungen aus Hongkong bestätigen, daß in Kanton heftige Kämpfe ousge- brochen sind, an denen auch Militär be­teiligt ist. Die Abfassung der Telegramme läßt auf eine starke Zensur schließen. 3n den Berichten wird immer wieder auf die bolsche­wistischen Elemente hingewiesen, die die ganze Lage in Kanton in Händen ha­ben. Offenbar glaubt man durch den Hinweis auf das Vorhandensein der Bolschewisten für den Fall künftiger militärischer Aktionen die Mög­lichkeit für eine wirksame moralische Rechtferti­gung zu besitzen. ,

Regierungskrise in Polen.

Warschau, 29. Aug. (TU.) Die vor einiger Zeit verbreitete Nachricht, baß Ministerpräsibent G r a b f t i zurücktreten wird, bestätigt sich. Die Regierungskrise ist akut geworben. Die Derhand- lungen zwischen den Parteien sinb in vollem Gange. Der Umftanb, baß Kriegsminister S i - k o r s k i, der bis jetzt keiner Partei angehörte, gestern offiziell seinen Beitritt zur Partei Piast bekannt gab, beweist, baß Sikorski sich zur Uebernahme ber Regierung vorderei- t e t. Außerbem ist gestern ber Sejmpräsident

Rataj zur Berichterstattung nach Spa zum Prä- fibenten ber Republik gefahren. Als künftiger Fi- nanzminister wirb jetzt ber Piast-Deputant Sirte genannt.

Die Uedersührung Hötzendorffs.

Wien, 28. Aug. (WB.) Die Leiche Konrad v. Hohendorfs ist heute nachmittag in Wien eingetroffen. Am Westbahnhof hatten sich u. a? als Vertreter der Regierung Bundes- Minister Dr. Resch und als Abgesandter des Bundesheeres der rangälteste General Berger eingefunden. ferner der frühere Kriegsminister K r o b a t i n, der gewesene Landesverteidigungs- rninister Georgi, zahlreiche Generäle der allen Armee sowie die in Wien weilenden Maria Theresien- Ordensritt er Rach der Auswaggonie- rung wurde der Sarg auf einer mit Kränzen geschmückten Lafette durch die Mariahilfstraße und den Ring an dem zahlreichen Spalier bil» denden Publikum vorbei in das Militärkasino am Schwarzenbergplatz übergeführl, wo die Auf­bahrung erfolgte.

Bundeskanzler Ramek richtete an die Gattin des verstorbenen Feldmarschalls folgende Depesche: Anläßlich deS Hinscheidens des Feld- Marschalls bitte ich die Versicherung aufrich­tiger Teilnahme der Dundesregie- rung entgegenzunehmen. Die ausführliche Wür­digung des großen Patrioten bleibt der Geschichte Vorbehalten. Heute aber bewegt fein Schicksal jeden, der sich des tiefen Ernstes und der rest­losen Hingabe bewußt ist, mit denen sich der Heimgegangene einer übermenschlichen Aufgabe gewidmet hat.

Vergarbeiterstreik in Amerika.

Paris, 29. Aug. (WTB Funkspruch.) Wie Quotidien" aus Reuyork meldet, sind alle Be­mühungen, den Kohlen streik zu oermeiben, vergeblich gewesen. Der Vorsitzende der Berg­arbeitervereinigungen Amerikas, Lewis, hat die formelle Anordnung ausgegeben, am 31. August um Mitternacht in den Streik zu treten. Rach dem Reuyork Herald" wird die Zahl der streikenden Arbeiter auf 150200 000 in 325 verschiedenen Organisationen angegeben.

Aus aller Welt.

Jubiläumstagung des deutschen Handwerks.

Lübeck, 28. Aug. (WTB.) Gestern nach­mittag trat im Lübecker Bürgerschaftssaal die Vertreterversammlung des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages zusammen. Der stell­vertretende Präsident, Geh. Gewerberat Mürz, München, eröffnete die Versammlung und be­grüßte sodann den neu ernannten Reichskom­missar für das Handwerk, Ministerialrat Dr. Hoppe, wobei er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Zusammenarbeit zwischen diesem und dem Handwerk stets gedeihlich sein möge. Reichskommissar Hoppe sprach in seiner Ent­gegnung seine Freude über die vielen Beweise des Vertrauens des Handwirks, die er feit seiner Ernennung schon erhalten habe, aus. Rach einer Begrüßungsrede des Bürgermeisters von Lübeck, Dr. Reumann, feierte Staatssekretär Dr. Trendelenburg für die Reichsregierung die gute Zusammenarbeit zwischen Regierung und Handwerk. Der preußische Handelsminister Dr. Schreiber ergriff darauf das Wort im Ramen der deutschen Länderegierungen. Das Telegramm des Reichspräsidenten wurde mit stürmischen Beifall aufgenommen. Dr. Meusch erstattete sodann einen Tätigkeits­bericht des Kammertages für das abgelaufene 3ahr, in dem er ü. a. sagte:3m Vordergründe des 3nteresses stehen jetzt wirtschaftspolittsche Fragen, besonders Preis- und Kredit­fragen. Zur Preisfrage wird in der Festsitzung eine Erklärung abgegeben. Darauf erstattete Syn­dikus Völker den Rechenschaftsbericht, der ge­nehmigt wurde. Als nächster Tagungsort wurde unter allgemeiner Zustimmung Danzig gewählt. Es wurde sodann noch mitgeteilt, daß die sächsische Gewerbekammer dem Obermeister Plate und dem Gewerksekretär Dr. Mensch die g o l d n e Ehrenmedaille der sächsischen Kammer ver­liehen hat. Den ersten Tag der 3ubiläum8= lagung beschloß ein Begrühungsabend im Städt. Saalbau, in dessen Verlauf der Präsident des Handwerks- und Gewerbekammertages, Ehren- vbermeister Plate, der Gewerbekammer Lübeck sowie der Stadt für den freundlichen Empfang dankte und ein Hoch auf das deutsche Vaterland und das deutsche Volk ausbrachte.

Tagung deS deutsch-österreichischen Alpenvereins.

3nnsbruck, 28. Aug. (WB.) Die Tagung des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins nahm heute nachmittag ihren Anfang mit einer Sitzung des Hauptausschusses und einer Versammlung der Berg steig er gruppe und des Vereins zum Schuhe der alpinen Pflanzen. Abends fand im großen Stadtsaal ein Begrüßungsabend statt 3m Rahmen der Tagung findet eine Ausstellung alpiner Lichtbilder, eine Gemäldeausstellung Ti­roler Künstler, eine Ausstellung von alpiner Literatur und eine Ausstellung alpiner Aus­rüstungen statt.

Opfer der Berge.

Der Bergführer E. von Allnen fand auf dem Wege nach dem Petersgrat die Leichen von drei Bergsteigern, die am Mittwoch von 2al- liap im Lötschental (Kanton Wallis) her- übergelomme.i waren und einem Schnee- sturm zum Opfer gefallen sind. Rach einem aufgefundenen Tagebuch heißt der eine Richard Müller und stammt aus Leipzig: die anderen wurden noch nicht identifiziert. Die Leichen lagen eine halbe Stunde oberhalb der Mutthornhütte und waren vom Schnee fast ganz zugedeckt.

fileine Ursachen, große Wirkungen.

Durch die Schnur eines Kinderdrachens, die sich in den Hochspannungsdrähten der Fernstromleitung GolpaBerlin verfangen hatte, entstand in Martendorf bei Berlin Kurz­schluß. Die Drähte brannten durch und fielen auf die Erde. Die Fernstromleitung GolpeBerlin wurde unterbrochen und die südlichen Vor­orte der Reichshauptstadt waren von 7 Uhr abends an ohne Strom. Erst gegen 9 Uhr konnte ihnen durch Umschaltung wieder Elektrizität zugeführt werden.

lob durch einen Wespenstich.

In Landsberg an der Marche wurde ein junger Mann van einer Wespe in die Lippe und in die Zunge gestachen. Trotz fofortiger ärzt­licher Hilfe De r ft a r b er unter großen Schmerzen an Blutvergiftung.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 29. August 1925.

Früher Abend.

Man spürt das frühe Dunkelwerden von Tag zu Tag. Jeden Tag ist es nur ein kleiner Schritt, aber am Wochenende ist es viel, und mit einem Monat fällt es jedem auf. Selbst Menschen, die sonst ganz gleichgültig sind, spre- chen davon, daß es so früh dunkel wird.

So früh? Was'werdet ihr in drei Monaten sagen, wenn gleich nach 4 Uhr die Dämmerung hereinbricht und die Gaslaternen und die Bogen­lampen zu sinnieren anfangen: die ganze liebe lange Rächt hindurch? Wenn wir so ohne wei- teres ohne. Ucbergang in diese Veränderung i, hineingestellt würden, könnten wir es wohl kaum ertragen; es wäre, als ob wir in ein fernes Land verpflanzt seien, wo uns das liebe Licht fehlt. So aber wächst man langsam hinein, merkt es wohl, aber findet sich damit ab. Die leicht wir uns doch eigentlich mit all bieten Dingen abfinden, die unser Schicksal findl Soll­ten wir nicht schreien und uns empörend auf- lehnen gegen die kommende Rächt des Winters? Warum ertragen wir es so gleichmüttg wi« Sklaven? Ach. es geht eben, nicht anders, und wir müssen. Die Alten sagen^s den Jungen, daß wir müssen. Die Jungen verstehen es bald, daß wir müssen. Wir müssen, wir müssen ....

So genießt man denn die letzten zärtlichen Liebkosungen des Sommers an einem warme« Abend, der auch ein Maiabend fein konnte, freut sich an dem fernen Blau der Berge, an dem Spiegel eines Wässerleins, an dem voll» bebuschten Gipfel der Bäume. 3ft es auch Spät­sommer, so ist doch noch Sommer. Man kaim noch ins Freie hinaus, geht morgens noch bei Tageslicht zur Arbeit, kehrt abends zurück, wen« es hell ist. man hat doch noch etwas vom Tage, ganz anders als im Winter!

ilnb dann denkt man jener geselligen Abende, wo man im Freundeskreis um einen Tisch her­umfitzt und vergißt, daß ber Regen durch die Straßen jagt und der Wind an den Blättern zerrt. Es ist ein anderes Leben, nur bei künst­lichem Licht, aber doch auch ein Leben, weil man es sich selbst schafft, weil es ein Spiegel unseres Wesens ist.

Gießener Wochenmarktpreise.

am 29. August (Händlerpreise).

Es kostete auf dem heutigen Wochenmattt das Pfund: Butter 220 bis 230 Pfennig, Matte 30, Käse 70. Wirsing 15. Weißkraut 10 bis 12. Rotkraut 20, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Römischkohl 15, Bohnen 30 bis 35, Mischgemüse 15, Zwiebeln 20, Tomaten 25, Rhabarber 20, Kürbis 8, Pilze 50, Kartoffeln, 5, Frühäpfel 15 bis 25, Falläpfel 5 bis 8. Birnen 40, Zwet« scheu 30. Mirabellen 50 bis 55, Reineclauden 45, Honig 35, Weintrauben 45; das Stück: Suppen­hühner 120, junge Hahnen 100, Eier 15 bis 16, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 10 bis 15, Salat­gurken 20 bis 30, Einmachgurken 2 bis 5, En­divien 20, Oberkohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20; das Bund. Radieschen 20, gelbe Rüben 20 Pfennig.

Wettervoraussage.

Wenig Aenderung der herrschenden Witte«, rung.

Gestrige Tagestemperaturen: Minimum 10,5, Maximum 19,7 Grad Celsius. Riederschläge: 0,2 Millimeter.

L.Tl. Von der L a n de su.n i ve r s i t. Der ordentliche Professor für Hygiene und Bakte­riologie an der Medizinischen Fakultät unsere: Universität Dr. Emil Gotschlich hat vom fa dischen Ministerium für Kultus und ilnterriifri die ehrenvolle Berufung auf den Lehrstuhl für Hygiene an der Tlniversität Heidelberg er­halten. *

** Von der Landesunioersität. $tt Prosektor am anatomischen Institut der Unioersiföl Würzburg, Professor Dr. Philipp S t ö h r aut Würzburg, wurde mit Wirkung vorn 1. Oktober cn zum außerordentlichen Professor und Prosekwr ai dem anatomischen Institut der LandesuniverM Gießen ernannt. Der Privatdozent an ber Universität Frankfurt a. M. Dr. W. 21 u t e r aus Frankfurt a. M. wurde zum außerplanmäßigen Professor an der Landesuniversität Gießen er- nannt.

** Außenpolitische Umschau. Unser außenpolitischer Mitarbeiter, Prof. Dr. Hoetzsch Mitglied des Reichstags ist für mehrere Wochen beurlaubt. An seiner Stelle werden andere arbeitet über außenpolitische Fragen z» Wortt kommen.

'* Dcr Vieh markt in Gießen Dienstag, 1. September, findet, wie wir Dto amt soeben erfahren, entgegen allen anbed enden Gerüchten bestimmt statt.

* 116er-Tage in Gießen. Wenig« Tage noch, dann werden wir sie wieder in un­seren Mauern sehen: Käiypfer aus Ost und und West, junge und alte 116er, überhaupt alt, die jemals Gießen chre Garnison nannten, wil­den sich hier ein Stelldichein geben.. 3n Schir­ren kommen sie aus nah und fern, nach 3ahrL» wieder einmal die Hand zu drücken, die vielleicht in den Granattrichtern Flanderns den letzten Bissen mit ihnen teilte, an rumänischen Brunn» die Feldflasche füllen oder im Feuer von Cßerbir. die Wunden verbinden half. Rückschauend wil­den sie ihren Toten einen Teil der Dankesschuld abtragen, die in ihrer Größe völlig überbaut nicht beglichen werden kann; danach der Gegen­wart lebend werden ihre alten und doch eW3 jungen Soldatenlieder in Straßen und widerhallen, bis der Festplah sie auf genommen- der Pkah, der manchem in nicht allzu guter H ' innerung, in kurzer Zeit ein so völlig anbei?( Aussehen bekommen hat. Unverändert gebliefr?- aber ist die Gastfreiheit der alten Garnism die sich voll Eifer rüstet, ihre Gäste festlich empfangen. Möge es für die. die heute noch V1 kommen zögern, ein Ansporn sein!

** Die beiden freiwilligen Feuer­wehren, die heute und morgen ihr 70jährixÄ Bestehen feiern, haben Bilder aus ihrer -Erl' stehungszeit im Schaufenster der Firma ONv Göbel, Schulstraße, ausgestellt.

** Personalien. Mit Wirkung vom 1. April 1925 sind zu Oberleutnants befördert die ßeutnanis Gebb, Scheuerpflug und Engerosf, säM' lich im 1. (Hess.) Bataillon.

Eine große öffentliche Elter«' Versammlung findet am Freitag, dem t

bürg

sii «atoill"

«i-Ve

frinben 8er Kösters unter Mv« »inigM m flill für den ! Drudcrstam tenbeSN Dienst U verband^ 6inlerÄ helfen N® undHfro^ ^joNliche ®e vir y kurzer'

Sw»«" tbeater rU 1 Borbereitune rischm M üch zur Ders Cßorbereitun gutes zur licher und k Wend eto( Ar. Popelal SteirHd des veltbei Megger, kurze W TRunbartlid Aernstock ui Ar. Hafner, den gemütPi Scütmeiflct länze in Dar Hreylag von dargeboten n tung wird WNvrck bei Mein m 1 ganisalivn n ländischen 1

GieBi

Füi nahm Kinde innigs

Für c dem Hi wie für trosfreicj ich

Ir

titt

Setteigt,

1 II f

ÄS

«'M

Ä