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29.8.1925
 
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Nr. 202 Erstes Blatt

125. Jahrgang

Samstag. 29. August 1925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Ungelöste Probleme.

Die neueste französische Note in der Paksirage 'st in liebenswürdigster Form abgcsaht, für uns Deutsche, die jahrelang aus Paris nur laute Drohungen und anmaßende Borwürfe au hören gewohnt waren, immerhin bemerkenswert. Aber diese -onzilianz im Ton darf beileibe nicht darüber hin- vcgtäuschen, datz in der Sache selb st kei - terle i Fortschritte zu verzeichnen sind. Um tos au verschleiern, greift man eben in der äuße- en Form in alle Register liebenswürdigster lieber- edungskunst. Schon wenn die Note mit der etwas wmbastifchen Feststellung einer Uebereinstimmung er Anschauungen beginnt, so mutz man diese Ueber- instimmung auf den ersten Satz der Note, der die Möglichkeit einer (Einigung zugibt, beschranken. In allen sachlichen Punkten weicht Briand den deutschen Einwendungen aus, tänzelt mit liebens- würdigen Phrasen über sie hinweg, um im Grunde ftarr «an seinem eigenen Standpunkt festzuhalten.

Die ganze Sicherheitsdebatte wendet sich mehr amd mehr dafür ist diese Note ein neuer Be­weis von der Diskussion des Sicherheitspaktes selbst zu einer Erörterung der beiderseitigen Vor- cussetzungen für Den Abschluß eines der- artigen, die Politik der beteiligten Länder einschnei, tenb festlegenden Vertrages. Wenn man nun vom »rotenwechseln zu der Form mündlicher Verhand- fingen übergehen will, bevor über diese Boraus- fttzung-n allerseits Klarheit geschaffen ist, und dazu mit einer Konferenz der juristischen Sachverständigen beginnt, so wählt man den l m gekehrten Weg wie sonst üblich. Im all- gemeinen pflegen doch erst einmal die leitenden Staatsmänner sich über d i e Sache f e l b ft klar K werden, ehe sie ihre Juristen mit der Formulier ! rung, dem Insreinebringen des Vereinbarten be- | auftragen. Aber soweit ist cs in unserem Falle noch lange nicht, und so hat es fast den Anschein, als ob be(e Iuristenkonferenz eingeschoben wird, um über einen toten Punkt Hinwegzukommen. Man I icht die Aussichtslosigkeit eines weiteren Noten- Wechsels ein, für bindende Verhandlungen ist die Sache noch nicht reif, man möchte aber auch an- brrerfeits die Verhandlungen nicht ohne Ergebnis »dbrechen und bleibt nun durch die Juristen in Aühlung miteinander.

Etwas anderes kann diese Zusammenkunft m London nicht bedeuten. Und darf sic auch nicht! Dtnn je klarer die letzte Note trotz allen Entgegen- emmens in den Ausdruckformen die außerordent- lichen Schwierigkeiten erhellt, die einer Ver- -tänbigung über den Sicherheitspatt entgegen- 'tehen, um so bedrohlicher ist die Gefahr, daß wir j Jiß bei einer Uebereilung der Verhandlungen auf ein für uns geradezu katastrophales Glatteis be­heben.

Man erinnere sich der Ersten Haager Frie- ) enskonferenz aus dem Jahre 1899, auf der zwar im Grunde ihres Herzens alle beteiligten Mächte gegen eine Beschränkung der Rüstungen u nb gegen eine Konvention über ein obligatorisches Schiedsgericht für alle internationalen Streitfälle Duren, auf der es aber D e n t s ch 1 a n d vorbehal- en-blieb, aus seinem Herzen keine Mördergrube zri machen und für seine Ehrlichkeit als La b o <u r einer Bejriedung Europas an den Pranger lefteUi zu werden, ein Vorwurf, der übrigens auch i*ute noch in den meisten entenüstischen Zusammen n.eUungen über den deutschen Imperialismus und Militarismus prompt wiederkehrt. In der diplo- 'rutifchen Regie derart unangenehmer Situationen i|t man eben non jeher auf der anderen Seite ge­blickter gewesen. Aber daraus müssen wir lernen mb uns nicht übereilt in Verhandlungen stürzen, n denen wir nicht wissen, wohin sie letzten Endes 'uhren und wie wir wieder auf anftqn'öige Weise ijtrausfommcn. Für unsere künftigen Vertrags- gertner unb das gilt sowohl für ,Frankreich wie i ir England ist Deutschland und die Rheingrenze f n cht die einzige Karte und nicht jederzeit die Haupt- ! fartc in ihrem politischen Spiel. Die internatio- n :len Konstellationen wechseln rasch und die An- j f' ijten über den praktischen Wert eines Sicherheits- P eftes ebenso schnell auf beiden Seiten. Bin- b*n wir uns also nicht übereilt an Dinge, die uns Zukunft einmal höchst unbequem werden können, mirmetben wir aber auch, bas Odium einer nackten lvlehnung auf uns zu laben, das den Kontra- bunten willkommenen Anlatz gibt, uns wiederum eäicmoralische Schuld" zuzuschieben, die uns für ^4ihrzehnte, wenn auch nur propagandistisch äutzerst i 'angenehm werden kann. Darum nochmals größte Vorsicht und Zurückhaltung unsererseits! Heute Icqon schreibt derTemps" mit leisem Triumph- ? -fühl.Herr Stresemann hat sich schon zu weit r rgewagt, als datz es ihm noch möglich sein wird, sich zurückzuziehen. Denn was er auch unternehmen tmrb, es wird ihm nicht mehr gelingen, die Ver- c itroortung für ein Scheitern der Verhandlungen e lf Frankreich zurückfallen zu lassen". Eine Offen h-nt, die zu denken gibt, und die uns eine ernste Sarnung sein sollte, nicht zuviel des Guten'zu tun. Etr in seinem Zukunftswert ohnhin sehr pröble irutische Sicherheitspakt dürfte uns leicht zu kost fpielig werden.

Die französische Antwortnote ballt den ganzen 8 :agenkomplex in drei Punkte zusammen, die ein- gehender behandelt werden, alle anderen deutschen Anwendungen aus den früheren Unterhaltungen Dtrben unbeachtet beiseite geschoben. Renis,on der Fri-cbensocrträge, Deutschlands Eintritt in bei Völkerbund und die obligatorischen schiedsgerichtsoerträge werden in den IFuttelpuntt gerückt, nur der letzte Punkt bezieht sich M den Inhalt des künftigen Sicherheitspaktes. Im ® runbe hat sich Frankreichs Meinung von der Auf- ref)ierhaltung des Versailler Vertrages in keiner Mise geändert, man drückt diesen stören Standpunkt nur in der neuen Note nicht ganz so schroff aus,

Die Stockholmer Kirchenkonferenz.

Am 29. August nehmen bie Beratungen der Stockholmer Kirchenkonferenz ihr Ende. Damit erreicht eine Tagung ihren Abschluß, die ihrem ganzen Charakter nach von allen den vielen Kon­gressen und Konferenzen sich eindrucksvoll abhebt, die wir in der Nachkriegszeit in so reicher Anzahl miterlebt haben. An sich schon durch die Tat­sache bedeutsam, daß zum ersten Mal seit dem Bestehen der Resormationskirchen die Dertreterder Geistlichkeitund Laien aus allen Weltteilen sich zusammen­gesunden und daß sich mit ihnen d e Ver­treter der alten orientalischen Kirche ortho­doxen Bekenn tnisses sich vereinigt hatten, gibt diese Kirchenkonserenz in ihrem überstaat­lichen ökumenischen Charakter der Welt ein be­redtes Zeugnis von dem kraftvollen Geist prak­tischen Christentums, wie wir ihn in so starkem Ausdruck bisher noch nirgends zutage treten sahen.

Bedeutungsvoll für alle christlichen Länder und für die Versammlung selbst war die besonders stark hervortreten de Anteilnahme der

deutschen Dertreter. Vicht nur aus den engeren Grenzen unseres Staatsgebiets, sondern aus allen Teilen Europas und aus jenen Ge­bieten vor allem, in denen chauvinistischer Vatio- nalitätenhaß der deutschen Minderheit ihr natür­liches Recht auf freie Betätigung in Kirche un Schule verkümmern will. Die Bekenntnisse sührer der deutscher Persönlichkeiten, Bekenntnisse eine Haren und aufrechten Christentums, werden nid nur den Teilnehmern aus den anderen Staate unvergeßlich fein: sie werden auch überall dor Vachhall finden, wo ein christliches Gewissen iw; im Leben des Volkes wach geblieben ist. Di. verschiedensten Probleme des kulturellen und wirt­schaftlichen Lebens der Arbeit auf dem fajialen Gebiet, der großen SrziehungSfragen in Schule und Kirche gaben überall unseren deutschen Dele­gierten den erwünschten Anlaß, an die Erfah­rungen anzuknüpsen, die die letzten Jahrzehnte vor allem uns gebracht haben und dabei ein­drucksvoll den Willen zu der großen friedlichen Gemeinschaftsarbeit der christlicheir Vationen kundzugeben. Lagen diese Probleme mehr auf dem Gebiet des inner­staatlichen, so mutzte die Erörterung deS Frie­densproblems unmittelbar die großen nutzer- politischen Probleme berühren, deren drückende Last die Siegerstaaten weniger zu spü­ren hbben als das durch den Vernichtungswillen der Sieger zum Abschluh des Versailler Vertrags gezwungene Deutschland. Das Trennende in der Anschauung trat bei den Verhandlungen selbst­verständlich stark hervor. Aber es war gleich­zeitig ein Geist der Versöhnung, der die Gegensätze milderte, und in gewisser Hinsicht überall zu einem Ausgleich beitrug, der in den gesamten Verhandlungen vorherrschte. Unb dieses wahrhaft Christliche muh als ein G e w i n n gebucht werden. Ebenso wie es den deutschen Vertretern unbenommen blieb, ohne jede Be­schönigung die Dinge so darzustellen, wie sie sind, sand auch auf der anderen Seite diese Darstellung immerhin ein genügendes Verständ­nis für die durch den Krieg und die Vachkriegs­zeit geschaffene besondere Votlage Deutschlands.

Lind noch eines muß als bleibender Ge­winn der Stockholmer Tagung gezählt werden: Die von allen Vertretern christlicher Kirchen Deutschland als Vorkämpferin höch- ster Protest antisch er Ideale entgegen- gebrachte Achtung und Bewunderung. Cs ist doch z. B. dem Anglo-Amerikaner um so sehr viel leichter gemacht, für die Pflege allein nu< der christlichen Liebestätigkeit der innern und äußern Mission aus reichen unerschöpften Mit­teln die größten Spende:, aufzubringen. Wie leicht konnte die Vorstellung in diesen von der äußersten Vot des materiellen Lebens unberührt gebliebenen Kirchen entstehen, datz man in dem verelendeten unb verarmten Deutschland nicht mit der gleichen Üpferbereitfchaft unb Hingabe an christliche Ideale Luthers weltumgestallendes Vermächtnis betreue. Daher ein freudiges Er­kennen in der Gemeinschaft der in diesem Geiste tätigen Protestanten der anderen Vationen, als

ihnen überall unb auf jedem Gebiet die über­raschende Erscheinung entgegentrat, datz d i c deutsche Mitarbeit immer noch mit der gleichen Liebe zur Sache, Macht des Gefühls unb Stärke des inneren Aufbaus weitergeführt worden sei. Daraus muh in der Folge ein Gefühl des Welt- und Geist- verbunden seins erwachsen, dessen moralische Kraft nicht unterschätzt zu werden braucht.

War nicht in ben letzten Phrasen, mit denen der Welt Gerechtigkeit so oft verkündet wurde, während höchste älngerechtigkeit am Werke war, immer wieder die Formel enthalten von dem .Appell an das Gewissen der Völler"? Wurde nicht in den Kriegskundgebungen unserer Feinde in Dersallles unb zuletzt noch in Genf mit biefem .Mahnruf" das unchristlichste Vorgehen über­deckt und bemäntelt? Wenn jetzt von Stockholm aus die Kirchenvertreter eine Botschaft erlassen haben, in der sie auf die Notwendigkeit Hin­weisen, in allen Beziehungen der Völler, in allen wirtschaftlichen unb kulturellen Angelegenheiten unb Aus einanders etzu ngen nicht den großen Einigungsgedanken des Christen­tums zu vergessen unb zu unterdrücken, so Hingt hier zum erstenmal von überparteilicher Warte die Stimme mahnender Wahrheit hinaus in alle Welt. Unb nur solch eine im Geist ber Versöhnung unb bes Bekenntnisses erlassene ,'unbgebung kann es vielleicht noch ermöglichen, bet Geist von Stockholm sich friebbringenb swirkt. Die anglo-amerikarasche Well hat jeden- 'ls diese neue Berührung mit dem ihm in ckholm gegenübergetretenen wahren Deutsch- i als ein Erlebnis besonderer Art aufgenom- < und gewürdigt. So ist für die befreiende hrheit, der wir Deutschen von neuem den -akg bahnen wollen, ein geackertes Feld ge­wonnen worden, in das die nächste Zeit ber Zu­kunft guten Samen legen möge.

ver Abschluß der Tagung.

Stockholm, 28. Aug. (I. U.) Die Weltkonfe­renz beriet gestern das Problem der christ- l i ch e n Erziehung. Die Frage der Erziehung zur brüderlichen Gesinnung im eigenen Volke und unter den Völkern sowie die Frage der Erziehung zu einem besseren Verständnis zwischen dem Osten und dem Westen wurden von Rednern aller Sektionen behandelt. Es kam allgemein zum Ausdruck, daß die Kirchen, die jetzt noch in ihren Erziehungs­bestrebungen durch die Entwicklung des modernen Kutturbewußtseins eingeschränkt sind, eine wichtige Aufgabe der Erziehund sowohl dem ein­zelnen wie dem Volke Gegenüber zu erfüllen hoben, denn von allen Einflüssen, die auf die Bildung der menschlichen Persönlichkeit wirksam sind, sei der einer wahren Religion der stärkste. Die Religion berühre das menschliche Leben auf bas tiefste. Sie sei deshalb der Grund und der Inbegriff jeder wahren Erziehung. Der Führer der holländischen Christlichsozialen, Professor S l o - tenaker de Broine, wandte sich gegen das Mißverständnis, dos man der Erziehung zur christ- lichen Persönlichkeit entgegenbringe. Christentum heiße nicht nur Hingabe und Selbstverleugnung.

Das Ideal einer christlichen Persönlichkeit sei nicht das eines weichlichen kraftlosen Menschen, wenn es so wäre, könnte man von keinem verlangen, ein Christ zu werden. Eine christ­liche Persönlichkeit schließe auch die werte eines gesunden kraftvollen Idealismus in sich ein.

Cs komme darauf an, die Individualismen und den Kosmopolismus miteinander zu verbin­den. Das aber fei nur von den hehren Stufen des christlichen Erziehungsideals aus möglich.

Die Weltkirchenkonferenz wandte sich dann der Beratung über eine Reform der Schul­bücher und des Geschichtsunterrichts im Sinne des Sichverstehens der Völker zu. Prof. Nordenfkjöld, Gotenburg, erklärte: Vieles ist namentlich an den Schulbüchern, die dem Ge­schichtsunterricht dienen, auszusetzen. Ganze Völker dürfen hierin nicht als dekadent und barbarisch be­zeichnet werden. Oberlehrerin Barth verwies auf die preußische Schulreform, die inne­

res Verstehen fremder Dolkskulturen betont, und beantragte den Austausch päda­gogischer Literatur unter den einzelnen Ar- beitsgemeinschaften der Länder und den Austausch von Lehrern. Herbert Corbet- Englonb schlug die Bildung einer Dektblbllothek vor. Meh­rere Redner verlangten, daß die Jugenderziehung auf eine Völkerverständigung geruhtet werde.

Heute nachmittag beriet die Konferenz über die für die Auswirkung des Konzils außer­ordentlich wichtige Frage der praktischen unb organischen Zusammenarbeit der Kirchengemeinschaften.

Die Kommission hatte forpfältig die verschie­denen Anregungen geprüft, eine Organisa­tion zu schassen, die auch nach ber Kon­ferenz bestehen bleiben soll.

Sie glaube allerdings nicht, wie es in ihrem Bericht heißt, daß es tunlich wäre und in der Kompetenz der Konferenz liege, irgendeine dau­ernde Organisation mit autoritativem Charakter zu schaffen. Es wäre bedauerlich, wenn sich eine Konferenz in bloßer Diskussion verflöchten würde, nachdem sie selbst für die Teilnehmer so bedeutsam und inspirierend gewesen ist. Die Kommission empfiehlt daher

1. daß die Konferenz ein Fortsetzungs­komitee einsetzt, das auf der Konferenz gewählt wird und internationalen Charakter haben soll, so repräsentativ als möglich sein und sich mit folgen­den Aufgaben befassen soll, den Geist ber Gemein­schaft in ber Konferenz fortzusetzen unb zu stärken, bie Akten ber Konferenz in offizieller und populärer Form zu veröffentlichen, bas Werk der Konferenz weiterzuführen unb zu prüfen, uie bie praktischen Vorschläge Der Konferenz wirksam gemacht werben können, alle Infor­mationen über Methoden der Zusammenarbeit in den Kirchen in verschiedenen Ländern zu sammeln und mit den Kirchen zu beraten, wie eine engere internationale Zusammenarbeit her- gestellt werden kann, die Bildung solcher Organi­sationen durch Zusammenarbeit zu fördern in solchen Ländern, wo sie noch nicht existieren und von Zeit zu Zeit die Kirche selbst über die Arbeit bes Komitees zu informieren, enblich zu prüfen, ob eine neue Kon­ferenz für praktisches Christentum in absehbarer Zeit wünschenswert unb möglich ist.

2. Die Kommission emHiefjlt, datz das Fort­setzungskomitee aus 67 Mitgliedern bestehen soll, die in geographischer und konfessioneller Hin­sicht, soweit alS möglich, die Kirchengememschäf­ten vertreten. Dabei sollen die einzelnen Gruppen folgende Mitgliederzahl haben: Amerikanische Gruppe 13, britische Gruppe 10, europäische kon­tinentale Gruppe 20, östliche orthodoxe Gruppe 12, Kirchen in anderen Ländern, die in diesen Gruppen nicht vertreten sind, 12.

Hebet den Tharatter deS Fortsetzungslomi« tees wird gesagt, bah sich die Organisation durch­aus aus die Aufgaben des praktischen Chri­stentums und besonders auf die Betonung und Anwendung christlicher Prinzipien im internatio­nalen, ökonomen, sozialen und öftentlichen Le­ben beschränken soll. Der Ausschuß sott eine Vollmacht haben, im Hamen der Kirchen oder für sie zu sprechen oder bringenbe Beschlüsse zu fassen. Seine Aeuherungen föraten nur seine eigene Meinung ausdrücken, nämlich die besondere Billigung der betreffenden Kirchen, die für alle Aeußsrungen ausdrücklich gegeben wird.

Der Gustav-Adolf-Verein am Grabe Gustav Adolfs.

Stockholm, 28. '21 ug. (TU.) Die Dertreter der deutschsprachigen Diaspora- Bezirke und Ge­meinden, die als Delegierte oder Gäste auf der Welt» konserenz anwesend sind, haben am Grabe Gustav Adolfs in der Ribdarholms- kirche einen Lorbeerkranz niebergelegt, ber bie Inschrift trägtDem Retter der Glaubensfreiheit. Der Gustao-Adolf-Ver- ein und die deutsche Diaspora." Professor Rend- t o r s f - Leipzig, der Vorsitzende des Zentralvor­standes des Gustav-Molf-Vereins, hielt bei die­ser Feierlichkeit eine kurze Ansprache.

macht viele Worte und überläßt cs jedem, das ihm Wünschenswerte herauszukommentieren. Daß ein Sicherheitsoakt, der bie Rheingrenze im wesentlichen zum Gegenl'tanb hat, auf die jetzt beliebte Beiatzungs- praris nicht ohne einfchneibenben Einfluß bleibt, liegt boch klar auf ber Hand. Achtung vor ben Verträgen, also Räumung ber feit mehr als acht Monaten widerrechtlich besetzt gehaltenen Kölner Zone, ist auch das mindeste, was wir als Voraussetzung für eine weitere Bindung im Westen fordern müssen. Das muß scharf betont wer­den und ebenso unser Recht auf Anstrengung einer Revision, wie sie im Völkerbundsstatut festge- legt ist, worüber aber Herr Briand mit einer nichts­sagenden Geste hinwegjongliert.

Auf Deutschlands Eintritt in den Völker­bund legt die Briandsche Note bas Hauptgewicht, eine bemerkenswerte Wandlung, nachbem vor noch nicht allzu langer Zeit gerade Frankreich dem Bei­tritt Deutschlands den hartnäckigsten Widerstand entgegensetzte. Das hat auch das offiziöse Kommen- tar der Reichsregierung wirkungsvoll unterftriihen und damit den französischen Vorwurf zurückgewiesen, als ob Deutschlands Fernbleiben die allgemeine Ab- rüftung verzögert habe. Wenn schließlich Briand die Erledigung ber deutschen Wünsche auf die Zeit nach Deutschlands Beitritt zum Völkerbund verschieben will und sich für diese nicht zuständig hält, so ist bas ein Spiel mit Worten, solange Frankreich

und England den Völkerbund als ein ihnen jederzeit gefügiges Instrument beherrschen. So gut Deutsch­land vor seinem Eintritt eine Vertretung im Völ- terbunbsrat zugesagi wurde, so gut kann Deutsch­land auch heute schon von den Alliierten bin­dende Zusagen verlangen, daß in ber Aus­legung des Artikels 16, ber bas Durchmarsch recht bei kriegerischen Konflikten regelt, Deutsch­lands geographische unb militärische Lage berück­sichtigt wird. Ebenso kann es heute schon Zusiche­rungen für bie Gewährung von Kolonialman- baten forbern. Wenn Brianb sich in biefen Fra­gen hinter Formalitäten verschanzt, so ist bas ein Trick, ber als solcher mit aller Rücksichtslosigkeit Mar- gestellt werben muß.

Schließlich bie Sdjiebsgeridjtsoerträge. Aus sie verwendet Briand zwar in feiner Note am meisten Raum, aber ber langen Rebe kurzer Sinn: es bleibt alles beim alten. Frankreich will nicht auf ein ielbftänbiges Vorgehen bei Verstößen gegen ben Versailler Vertrag verzichten, ebenso will es als Garant ber Verträge mit unserem östlichen Nach­barn nach eigenem Ermessen handeln. Hier tritt deutlich die praktische Unmöglichkeit der britisch-französischen Kompromißfvrmel zutage.: die innere Uneinigkeit der beiden Verbündeten, von denen Frankreich seine Sanklionsansprüche auf- rechterhält, während England deren Berechtigung leugnet. Hier isi allo am allerwenigsten eine Grund

läge für bindende Verhandlungen gegeben.

Alles in allem also eine Ucberfüllc u n gelöster Probleme, dessen Klärung die unbe­dingte Voraussetzung für den Eintritt in die eigent­lichen Verhandlungen bildet. Die juristische Konferenz, die am Montag in London zusam- mentritt, soll dieser Klärung dienen, nichts mehr. Don dem, was der deutsche Delegierte Dr. Go u ß aus London zurückbringt an Informationen, wird es abhängen, ob die Fortsetzung ber Erörte­rung eines Sicherheitspaktes unb gar ber Eintritt in förmliche Derhanblungen mit dem Endzweck eines festen Abkommens Zweck hat und Erfolg verheißt.

Die deutsche Antwortnote

Berlin, 28. Aug. (ZDIB.) Die ber franzö­sischen Regierung am 27. August überreichte Antwort ber beutschen Regierung Hot folgenben Wortlaut:

Die beutsche Regierung beehrt sich, ben Emp­fang ber französischen Rote vom 24. August zu be­stätigen. Die. zum Schluß ber französischen Rote ausgesprochene Ansicht, daß eine Fortsetzung bes Notenwechsels kaum geeignet wäre, zu einer weiteren Klärung ber mit bem Ab­schluß eines Sicherheitspaktes zusammenhängenden 3tagen zu führen, wirb von 6er deutschen Regie­rung, die dem Wunsche nach möglichster Beschleu-