Ausgabe 
29.4.1925
 
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Churchills Zinanzprogramm.

Englands Rückkehr zum Goldstandard.

Ermäßigung der Einkommensteuer.

London. 28. April. (21L) Das llrfter- Haus hatte beut' wegen der Einbringung des Haushaltsplanes ' urch Churchill feinen groben Tag. Schon sehr .üh war das Haus überfüllt. Als das Unterhaus um 8 Uhr früh geöffnet wurde, waren sch i 50 Abgeordnete da, die auf Einlaß warteten, ie Räumlichkeiten des Unter­hauses find sehr brgrenzi , nur etwas mehr als die Hälfte der Abgeordneten haben Sitzplätze. Heute war der Andrang so stark, daß nicht ein­mal die Platze zwischen den Danken ausretchter. und daher einige Mitglieder genötigt waren, auf die Seitengalerie zu gehen. Churchill wurde mit lautem Beifall begrüßt. Ec kündigte tn ferner Bede an, daß die Einrommensteuer um sechs Pence ermäßigt werden würde, daß aber anderer- seits die einkommensteuerfrcie Einlommensgrenze auf 250 Pfund Sterling im Jahre Heraufgeseht würde, das bedeutet praktisch eine viel größere Ermäßigung als in den sechs Pence zunr Aus- 2/tur* kommt.

Churchill führte weiter aus. jetzt sei der günstigste Zeitpunkt für die Rückkehr zum G o d st a n d a r d. Wan sei auf beiden Seiten des Atlantischen Ozeans in eine Periode getreten, in der die Politik und die Wirtschaftsstabilität mehr gesichert schienen, als dies leit mehreren Zähren der Fall gewesen sei.

England habe demnach seine internationale Stellung als G o ld st anda r d land von heute ab wieder eingenommen. Dies sei ein sehr wichtiges Ereignis. Als diese Rückkehr vor meh­reren Monaten beschlossen worden sei, habe das Schatzamt begonnen, sich mit Dollars einzudecken. Es Hobe gegenwärtig insgesamt 166 Millionen Dollars aufgehäuft, die für die amerikanischen Schuldverpflichtungen in diesem Jahre zur Ver­fügung stehen. Es treffe auch Vorkehrungen, um Kredite in den Vereinigten Staaten von nicht weniger als 300 Mill oneix Dollar zu erhalten mit der Möglichkeit, s e zu erweitern. Aber diese Kredite würden nur benutzt werden, sow'it und wenn sie erforderlich seien, was nicht zu rwarten wäre. In der Politik der Rückkehr zum Goldstandard stehe England nicht allein. Di' beiden größten Industrieländer auf beiden Seiten Englands, nämlich die Vereinigten Staaten und D eu t sch l a nd. hätten ent= w der eine internationale Goldwährung oder stunden doch in Beziehung zu ihr. Schweden habe eine Goldwährung und Oesterreich und Ungarn seien bereits auf Gold basiert oder auf Pfund Sterling, was gleichbedeutend sei mit Gold. Er habe Grund zu der Annahme, daß Holland und Holländisch-Ostindien wie England handeln würden.

Die Regierung sei überzeugt, daß sich für England eine RüLehr zum Goldstandard unter den von ihm dargelegten Bedingungen recht- fertige. England habe eine Goldreserve von 153 Millionen Pfund angesammelt. Diese Gold­reserve werde ohne -Zögern benutzt werden, wenn möglich mit dem Bankdiskont, um die neue Stel­lung zu verteidigen und zu schützen. Er glaube, daß die Schaffung eines großen Gebietes gemein­samer Vereinbarungen ein Wiederaufleben des internationalen Handels und des Hordels innerhalb des britischen Reiches her- beifüjren werde.

Deutscher Reichstag.

Poftetat.

Berlin, 28. April. Präsident Lobe er» öffnet um 2Vt Uhr die schwach besuchte Sitzung mit einem von den Abgeordneten stehend an- gehörten Rachruf für die verstorbenen Abg. Gerstenburger, Dr. Höfle. Dr. Paafche und Brömel. Der Präsident teilt weiter mit, daß er dem Präsidenten der bulgarischen S o b r a n j e die Teilnahme des Reichstags aus Anlaß des Ablebens so vieler Parlamentarier bei dem letzten Attentat in Bulgarien übermittelt habe. Der Präsident beglückwünscht dann unter allseitig em Beifall dem Alterspräf ibenten Dock, der heute seinen 80. Geburtstag feiert Dor Dock, dec von Abgeordneten aller Parteien beglück- .scht wird, ist ein großer Strauß roter Rosen ausgestellt

Der Reichstag seht hierauf die zweite Be­ratung des Reichshaushalts fort, und zwar beim Haushalt des Reichspostministeriunrs.

Reichspo st Minister Stingl leitet die Besprechung ein durch eine längere Dar­stellung des jetzigen Standes der Reichspost­verwaltung. Der Kraftwagenverkehr bei der Post habe sich durchaus bewährt. Der Post» scheckverkehr habe sich der Vorkriegszeit gegen­über verdoppelt und auch der Fernsprechver­kehr habe sich erfreulich aufwärts entwickelt. Der B.iefverkehr allerdings habe den Stand von 1913 noch nicht erreicht. Ser Paketverkehr habe dagegen seine alte Höhe wieder erlangt. Als neues Arbeitsgebiet der Post sei der Funk­verkehr hinzugelommen, der sich über­raschend schnell fortentwickelt habe. Für das Personal der Reichspost werde erstrebt ausreichende Bezahlung, erträgliche Beförde­rungsverhältnisse, günstige dienstliche Arbeits­bedingungen und eine möglichst ausgedehnte so­ziale Fürsorge. Zur Beschaffung von rund 2000 Wohnungen sind für 1925 18 Millionen Mk. vorgesehen. Das Rechnungsjahr 1924 wird mit mindestens 29 Millionen Mart lieberschuß ab­schließen. Im Vergleich zu 1924 ist in diesem Jahre die Finanzlage der Post etwas ge­spannter. weil die Gebührenermäßigungen und die Lohnerhöhungen sich auswirken. Die Postreklame wirft einen Reingewinn von 2,7 Millionen Mack ab.

Das Ziel der Tarifpolitik ist, die Gebühren so niedrig zu halten, wie es die wirtschaftlichen Interessen irgendwie zulassen.

Für absehbare Zeit ist aber eine weitere Er­mäßigung der Gebühren ausgeschlossen, weil tue Ausgaben gestiegen sind und der Aufgabenkreis der Reichspost sich erweitert hat. Das Post- finanzgeseh hat sich tn jeder Hinsicht bewährt.

Abg. Seppel (Soz.) hält es für notwen­dig, daß der jetzige, viel zu starke Einfluß des Reichsfinanzministers auf den Derwaltungsrat der Reichspost eingeschränkt werde. Für die gute Entwicklung des Rundfunks gebü)re besonderer Dank dem Staatssekretär Bre dow. Es müsse aber mehr darauf geachtet werden, daß die Heberparteilichkeit des Rundfunks gewahrt bleibe. Es war nicht angebracht, daß bei der setzten Wahllampagne der Berliner Sender im Amchluß an die Meldung von der Wahl Hindenburgs große Schlachtmusik gebracht habe Hätte Mai

gesiegt, so hätte man wahrscheinlich einen Trauer- marsch gespielt. (Sehr wahr! links.)

Abg. Körner (Dntl.) begrüßt die Ausfüh­rungen des Ministers, die ein erfreuliches Bild des Wiederaufbaues gezeigt hät­ten. Es habe sich bei der Post das Verfahren be­währt, einen hervorragenden Fachmann an dieSPihe derVerwaltung zu stellen. Eine Verbesserung der Landbestellung sei wünschenswert. Andererseits sei das Bestreben zu unterstützen, dem Personal den Genuß der Sonntagsruhe zu ermöglichen, soweit es dte Be­dürfnisse des Verkehrs erlauben. Die Entwtck- lung des Rundfunks sei zu begrüßen: aber zur Reklame dürfe diese Einrichtung nicht benutzt werden Der Redner äußerte das Vertrauen für den Minister, daß er mit dem Personal ein har­monisches Verhältnis Herstellen und den guten Ruf der Reichspost erhalten und wahren werde.

Abg. A l l e f o 11 c (Ztr.) bringt Beschwerden der Beamtenschaft über die Besoldungs- und De- örderungsverhältnisse vor. Die Verantwortung dafür treffe den Reichsfinanzminister, d r für die Beamten seines eigenen Ressorts weit besser gesorgt habe als für die der anderen Re, > orts. Das wirke noch jetzt auf die Beamten der Reichs­post nach Man sollte die Einstellung un­geübter Hilfskräf te einschränken und dafür besonders die -mgünftigen Beförderungs- Verhältnisse der mit Foren Beamten ver- bessern.

Abg. M o r a h t (Dl- Dpt.) wünscht cine Ver­stärkung des Einflusses des Reichstags >i Ver­waltungsrat der Reichspost. Der erfreuliuje Auf­stieg im Postbetrieb sei in erster Linie durch OpferderPo st beamtenschafter reicht worden. Dafür sollte man den Beamten Dank wissen und sich ihren berechtigten Forderungen nicht verschließen. Besonders die Sonntags- besteliung dürfe nicht verschlechtert werden. Die Briefkasten solle man n.cht mehr durch geschmacklose Rellame verunzieren. Die Post hat, das sagte schon Friedrich der Große, in erster Linie die Aufgabe, der Wirtschaft zu dienen.

Abg. R aschig (Dem.) richtet an die Post- verwaltung die Aufforderung, dafür zu sorgen, daß der Rundfunk recht bald auch i in b e - setzten Gebiet Eingang findet. Die Einfüh­rung des Postautoverkehrs ist an sich erfreulich. In manchen Bezirken machen die Postautos aber den früher bestandenen Linien eine geradezu unlautere Konkurrenz. Die Fcrnsprech g e - bühren sind in Deutschland unverhältnismäßig höher als in anderen Ländern Der deutsche Fernsprechtarif ist heute dreimal bis sechs­mal so hoch als vor dem Kriege. Eine weitere Einschränkung der Sonntagsbestellung muß abgelehnt werden. Die Reichspost darf nicht die Bahnen verlassen, die ihr der Generalpost- melfter Stephan gewiesen hat.

Abg. Lucke (WirttchaftSpartei) wünscht tech­nische Verbesserungen im Post- und Telegraphen­dienst. Die Automatisierung des Fern- prechwesens müßte mehr gefördert werden. Die Gebühren im Fernsprechwesen sind viel zu hoch, während das Briefporto nicht die Hn» kosten deckt. 2m Verwaltungsrat der Reichspost sollten auch die kleinen Fraktionen des Reichstags besser vertreten sein. Den Beamten muß aus­reichende Bezahlung und ein angemessener Ur­laub gewährt werden.

Hochfchulnachrichten.

Das Rheinland und seine Hochschulen.

Anläßlich bet Immatrikulation an der Donner Untoerfität wies der Rektor auf die tausendjährige Zugehörigkeit der Rheinlande zum Deutschen Reiche hin und betonte, wenn sich das Rheinland jetzt in ähnlichen Verhältnissen be= ände wie zur Zeit Napoleons, so sei es für ihn ein besonderes Bedürfnis und seine besondere Pflicht, zu bekunden, daß man hier deutsch denke, deutsch fühle und deutsch bleibe. Mit Waffen aus Stahl und Eisen könne man indes diese Zuge­hörigkeit nicht mehr unterstützen, sondern mit den Waffen des Geistes, die zum größten Teil an den deutschen Hochschulen geschmiedet würden. Am Schlüsse seiner Ausführungen kam der Rektor auf das Verhalten zu sprechen, das die Stu­dierenden grgenüber der Besatzung zu beobachten hätten und wies die Kritik zurück, die man im unbesetzten Deutschland am Verhalten der rheini­schen Hochschulen übte. Ob und welche Rücksichten die rheinischen Hochschulen auf de Besatzung zu nehmen hätten, das zu beurteilen seien allein die Hochschulen des besetzten Gebietes in der Lage, nicht aber unverantwortliche Leute aus dem un= besetzten Gebiet, deren unüberlegtes Gerede den rheinischen Hochschulen höchstens zum Schaden gereiche.

Aus aller Welt.

Das Baden-Badener Schachturnier.

Die zehnte Runde des internationalen Ächach- meisterturniers brachte folgendes Ergebnis' Dr. Treybal-Tschechoslowakei gewann eine spanische Partie gegen Te Kolste-Holland in 63 Zügen Thomas-England verlor gegen Aljechin-Frank­reich in 53 Zügen. Rabinowitsch-Rußland gewann ein Damengambit gegen Tarrasch-Deutschland nach 60 Zügen. Sämisch-Deutschland gewann gegen Riemzowitsch-Dänemark in 50 Zügen. Spielmann- Oesterreich gewann ein Läuferspiel gegen Vates- England in 45 Zügen. Carl-Deutschland gewann eine englische Partie gegen Torre-Mexiko in 33 Zügen. Remis wurden die Partien Dogol- juboto-ilfratne gegen Rubinstein-Polen und Mar- shal-Amerika gegen Tartakower-Oest erreich. Ab­gebrochen wurde die Partie Mieses-Deutschland gegen Colle-Belgien. Spielfrei war Reti-Oester- reich.

Hygicncausftellunq in Wien.

Lei der feierlichen (Eröffnung der Hygiene- auc-ftdlung durch den Bundespräsidenten in Gegen- nrnrt der Spitzen der städlifchen Behörden, des deut­schen Gesundren Pfeiffer und des sächsischen Staoisininisters R e ib I) o l b hielt nach der Begrü­ßung durch den Sektionschef Helly der Obmann des Ausstellnngs - Komitees, Oberbürgermeister B l ü h e r - Dresden eine Ansprache, in der er den Wunsch ausdrückte, daß das Unternehmen feinen Zweck, nämlich die F ö rd e r u n g der Gesund­heitspflege und der deutschen Kultur, erfüllen möge. Bundeskanzler R a in c k würdigte die Aus­stellung des Dresdner MuseumsDer Mensch" und erklärte, daß bereits vor mehreren Jahrzehnten das deutsche Volkstum seinem steigenden Wohlstand einen Tribut in der Form jener bahnbrechenden Einrichtungen anferlegt habe, die von Staats wegen dec Gesundheit und dem Wohle der Bevölkerung ge­widmet geniejen seien. Einer der beachtenswertesten

und schönsten Teile der Hygieneausstellung verdankte diesem Umstande seine Entstehung und verpflichte Oesterreich zu innigstem Danke. Abends gab der Ge- andte Pfeiffer aus Anlaß der 'Ausstellung unter Anwesenheit von Vertretern aus Deutschland einen Empfang.

Der Kongreß für innere Mission.

Die erste Hauptversammlung des Kongresses für innere Mission hat folgende E n t- chließung angenommen: Der 41. Kongreß für innere Mission fordert im Anschluß an das Referat Prof. Dr. KirchsteinS-Dremen von der Reichsregierung im Hinblick auf die Ehenot und den daher drohenden Untergang unseres Dolles grundlegende umfassende Gesetze 1. zur Siche­rung der christlichen Schule, 2. zum Schuhe der kinderreichen Familieir, 3. zur Erhaltung rein ländlicher Bevölkerung sind industriefreie Schutz­bezirke zu schaffen. 4. zur Fernhaltung fremd­ländischer Einwanderung, um den Kindern des eigenen Volles Raum zu geben, 5. zur Be­steuerung von Junggesellen und kinderlosen sowie kinderarmen Ehen bis zum zweiten lebenden Kinde einschließlich, 6. zur wirksamen Dekämp-- fung der Prostitution, sowie ?. des weite Kreise unseres Volkes immer mehr schädigenden Alko­holmißbrauches. In Sonderheit fordert sie so­fortige Vorlegung des Schankstättengesetzentwur­fes einschließlich des Gemeindebestimmungsrechtes.

Jubiläum des preußischen Observatoriums Lindenberg.

Das preußische Observa.orium in Lindenberg (Kreis Beeskow), das der Leitung des Geheun- rats Prof. Hergesell untersteht, hat am Dienstag die Feier seines 25jährigen Bestehens begangen. $u der außer zahlreichen deutschen Persönlichketten Vertreter der meteorologischen Institute von England, der skandinavi­schen Staaten, Holland und Rußland er» chienen waren. Die Festrede hielt Prof. Her­gesell. der ausführlich die Entwicklung des Instituts schilderte. Weitere Ansprachen wurden gehalten von Kultusminister Becker, Verkehrs­minister Kröhne und Dr. Eckener. Die Ver­treter der ausländischen meteorologischen Institute würdigten in Ansprachen die Bedeutung des In- tituts, das als das bedeutendste der Welt gelte. Internationale Kunslgewerbeausslellung in Paris.

In Anwesenheit des Präsidenten der Republik und der Mitglieder der Regierung sowie des diplo­matischen Korps ist am Dienstagnachmittag die Internationale Kunstgewerbeausstellung eröffnet worden.

AusstellungLicht und Jarbe*.

Vom 1. Mai bis 24. Mai 1925 findet in Esse n ein AusstellungLi cht und Farbe" statt, für die namhafte Fachkreise seit langem ein in allen Ein­zelheiten vorbereitetes Programm ausgestellt haben. Die Ausstellung umfaßt die physikalische Erkenntnis des Lichtes, der Beleuchtung, des technisch-optischen Gebietes, der Photographie, das Licht in der Heil­kunde und die Bedeutung der Farne in Kunst und Gewerbe.

Anwetter in Italien.

Aus Oberitalien werden verschiedene Schäden des Anwetters der letzten Tage gemeldet. Bei Verona ist ein schweres Wüter mit Hagel-- schlag niedergegangen. Bei Adine habenW i I d- bäche zahlreiche Verkehrsstörungen ver­ursacht. Die Straße von Tolmein ist unterbrochen und in der Aähe davon eine Galerie infolge einer Lawine eingestürzt. In einem Bergdorf ist die Kirche cingestürzt und hat zwei Häuser in Trümmer verwandelt. Mehrere andere Häuser sind durch Regengüsse beschäd'gt worden und drohen ebenfalls einzustürzen. Bei Ancona hat gestern nachmittag ein heftiger Wollenbruch mit Hagelschlag schwere Flurschäden angerich­tet. Aeberall ist die Temperatur bedeutend ge­fallen. Der Apennin ist bei Pistoja tief verschneit.

Unfall bei einem Kidjtfcff.

Im Garten eines Ausflugslokals in Johan - nisthal bei Stettin war ein neuer Musikpa­villon errichtet worden. Beim R i ch t s e st, als der Polier gerade mit der Ansprache beginnen wollte, stürzte plötzlich das G e r ü ft zusom- m e n und begrub eine große Anzahl von Personen unter sich. Sechs Schwerverletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Einige Leichtver­letzte konnten nach Anlegung von Notverbönden ihre Wohnung aussuchen.

(Ein Todesurteil.

Das Schwurgericht G l o g a u hat den 23jiih- rigen Arbeiter Hermann edjrötcr aus Guhrau wegen vorsätzlichen Totschlages zu lebens­länglichem Zuchthaus verurteilt. Schröter wird zur Last gelegt, am 21. Dezember den Re- oierförster Wecke ans Iitppendorf (Kreis Guhrau), der ihn beim Wildern an traf, erschossen zu haben. Der Anklagevertreter hatte wegen Mordes aus Todesstrafe plädiert.

Mit der Familie in den Tod.

In Lübeck wurden am Sonntagmorgei, der Arbeiter Lage, seine Fran und deren fünfjähriges Enkelkind tot im Bette ausgesunden. Wie fest- gestellt wurde, schraubte einer der Ehegatten den Berschliißstöpsel der Gasleitung ab, um durch Gas­vergiftung aus dem Leben zu scheiden. Lage ver­lor bei einem Unglückssall beide Füße und neigte seitdem zur Schwermut.

Das launische Glücksrad.

Der Häusler P u s k a c z in Pretzburg , der gemeinsam mit seiner Geliebten seine Gattin ermordet hatte und deshalb zu lebensläng­lichem Kerker verurteilt worden war, hat nach einer Meldung aus Prag in der K 1 a s f e n 1 o 11 e r i e den f) a u p 11 r e f f e r von 500 000 tschechischen Kronen gewonnen. Er beauftragte seinen Rechts­vertreter, das Geld für feinen 5jährigen Sohn in einer Bank zu hinterlegen.

von einem Stier ausgespießt.

Nach euer Meldung aus Augsburg wurde in Engishausen (Schwaben) wurde der dem Bayr. Bau Engishaufen (Schwaben der dem Bayer. Bauern­bund angehörige Landtagsabgeordnete Steg- in a n n von einem wütenden Stier angefallen und mit den Hörnern aufgespießt. Mit ledens- gesährlichen Verletzungen wurde Stegmann ins Krankenhaus gebracht.

Wettervoraussage.

Vorwiegend wolkig, kühl, vereinzelt R.'gen- schauer.

Der schnelle Durchgang des gestern morgen noch über Frankreich gelegenen Teil- tiefs durch unser Gebiet bewirkte allenthalben beträchtliche Riederschläge, die vor der Hand Nachlassen. Der Wirbel zieht nordöstlich, jedoch ist mit durchgreifender Aufbesserung noch nicht zu rechnen, da m seinem Rücken Randbildungen sich zeigen, die für morgen einen unbeständigen Witterungschar aller erwarten lasten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. April 1925.

** Die Mai-Mlcte in Hessen. Rach einer Dekannttnachung des hesfifchen Ministeriums für Arbeit unb Wirtschaft bleibt der für den Monat April festgesetzte Mietsah von 80 v. H. der Friedensmiete auch für den Monat Mai bestehen.

* * Landes-Universität und Stu­dentenwohnungen. Wie das Rektorat der Landes-Universität mitteilt, fehlen zur Zeit noch etwa 30 Wohnungen für Studierende. Es ist drin­gend notwendig, diesen Wohnungsbedarf schnell­stens zu decken, da andernfalls Gefahr besteht, daß die bereits zugereisten Studenten unserer Universi­tät wegen Mangel an Wohnung den Rücken kehren und damit auch dem Erwerbsleben in Gießen wie­der verloren gehen. Drs Rektorat bittet, ihm durch Anmeldung von Zimmern bei der Behebung die­ser Schwierigkeiten behilflich zu fein.

" D i e formelle Gründung des Dolkshalle-Bereins E. D. wurde gestern in einer Bersammhung der AnteilscheinHvichner im Stadthaus Bergstraße vollzogen. Der Vorstand wurde in der am Freitag von uns berichteten Zu­sammensetzung bestätigt. Den Vorsitz führte Beig. Seib als Vertreter der Stadt, zum stellvertreten­den Vorsitzenden wurde vtadto. ch. W i n n be­stimmt. Die Eintragung des Vereins in das Ver­einsregister beim Amtsgericht wird in den nächsten Tagen erfolgen. Mit dem Bau der Halle dürste ui den ersten Tagen der nächsten Woche begonnen werden.

* * Der Straßenbahnbetrieb durch die Bahnhof st raße wird am 1. Mai eben­falls wieder aufgenommen.

* * Die staatliche Grundsteuer, die für bas Rj. 1924 veranlagt war, ist als vorläufige Zah­lung aus die staatliche Grundsteuer für das Rech­nungsjahr 1925 weiter zu entrichten. Näheres in der heutigen Bekanntmachung des Finanzamtes.

* * Fortbildungsschulunterricht für Taubstumme. Das Kreisfchulamt Gießen teilt im neuesten Amtsverkündigungsblatt mit, daß auf Anregung aus den Taubstummenkreisen den Schulvorständen empfohlen wird, die aus der Taubstummenanstalt entlassenen, aber noch im fortbildungsschulpflichtigen Alter stehenden Taub» stummen, soweit als angängig, am Unterricht der Fortbildungsschule teilnehmen zu lassen. Der Be­such soll zunächst freiwillig sein. Wo gewerb­liche Fortbildungsschulen bestehen, sind die taub­stummen Schüler möglichst den Fachabteilungen ihres Gewerbes zuzuführen, wo sie von einzelnen Fächern, wie Zeichnen u. dgl., jedenfalls bemer­kenswerte Vorteile erzielen können. Die Mädchen können mit Erfolg am Unterricht in den weib­lichen Handarbeiten und der Hauswirtschaft teil­nehmen. Darüber hinaus soll versuchsweise wöchentlich an einem Rachmittag in etwa zwei bis vier Stunden durch einen Taubstummcn- lehrer besonderer Unterridit erteilt werden. Der Unterricht soll in Gemeinden eingerichtet wer­den, in denen sich eine einigermaßen ausreichende Schülerzahl (etwa drei bis acht) aus den Orten der näheren Umgebung zusammenfindet. Das Landesamt für das Dildungswesen hat sich mit den sttummenlehrern in Verbindung gesetzt und ausgebildete Taubftummenlehrer für den Un­ter. . eiDonncn. ,

Vogelsberger Höhen-Club. Die Iugendgruppen des Vogelsberger Höhen-Clubs (V. H. C.) batten auf dem Iugcndtag in Geln­hausen den Beschluß gefaßt, auf der Horchen- Hainer Höhe, wohin das Ehrenmal für die Gefallenen des V. H. C. kommt, ein Jugend­heim mit Jugendherberge zu bauen. Der Gesamtverein hat sich hinter^ dieses Vorhaben gestellt, das nun in diesem oomnxer zur Ver­wirklichung kommen wird. Aufenthalts», Schlaf- und Waschräume für Jugendliche und eine Woh­nung für den Herbergsleiter wird das Hein» ausnehmen, ein Schuppen zum Einstellen der Schneeschuhe usw., sowie ein Stall werden cm- gebaut. Die Jugendherberge wird der gesamten deutschen Jugend zugänglich fein. Führerausbil­dungen und mehrtägiges Gemeinschaftsleben sollen dort auf einsamer Höhe ermöglicht werden. Heber 70 Betten kommen zur Aufstellung. Es ist ein großzügiges, gemeinnütziges Al ater nehmen, das die Unterstützung aller Kreise verdient Eine Warenlotterie mit wertvollen Gewinnen, wie Opel--Auto, Zweizimmer-Einrichtung. Piano, Fuchswallach, zum Reiten und Fahren verwend­bar, Fahrräder usw. soll das Unternehmen finarn zieren helfen.

RDV. Einführung der Zugtele-- p ho nie. Wie die Reichszentrale für Deutsche Ve'kehlswerbung erfährt, find die Arbeiten so­weit vorgeschritten, daß mit der ilebergabc dieser Einrichtung für den öffentlichen Verkehr noch im Lanfe.de s Juni gerechnet werden kann. Ebenso sind die 2[rbcUcn' für den Ausbau der Strecke Berlin-München in Angriff genommen worden, und man hofft, noch zur Deutschen Ver­kehrsausstellung in München die Teilstrecke Mün­chen-Nürnberg in Betrieb nehmen zu können. Als Gebühren für die Ferngespräche vom fah­renden Zuge aus kommen die üblichen Fern­sprechgebühren mit geringen Anf sch lägen in Frage. Sie werden jedoch so be­messen fein, daß weitesten Kreisen die Benutzung möglich sein wird. Da stündlich ungefähr 15 biS 20 Ferngespräche bzw. Telegramme «hgifcrttgt werden können, scheint die Wirtschaftlichkeit Der Zugtelephonie gewährleistet.

c- Der Zirkus Straßburger, dessen hervorragende Leistungen wir gestern schon un­seren Lesern zur Inaugenscheinnahme empfehlen konnten, hat sich mit seinen Darbietungen in der gefiriqcn zweiten Vorstellung ein neues An recht auf beste Anerkennung erworben. Die Tau­fende von Menschen, die grstern abend das weite Zelt mit den zwei Manegen wieder füllten, tarnen voll und ganz auf ihre Rechnung, wie der andauernd außerordentlich starke Beifall be­wies. Es ist nicht möglich, bei der großen Fülle des Gebotenen hi'r auf Einzelleistungen einzugehen, wir muffen uns daraus beschränken, festzu'stellen. daß dieses ZirkuSunternehmen nach jeder Richtung hin eine Gipfelleistung in Deutsch­land ist und daß sein Besuch in unserer Stadt als ein zirzensisches Ereignis angesehen werden muß. Wer sich einige Stunden guter und span­nender Unterhaltung bereiten will, besuche diesen Zirkus.

Wiederaufnahme des Postüber- w e isu ng s ve r ke h rs mit Oesterreich. Am L Mai wird der Postüberweisungsverkehr mit dem Postsparkassen-Amt in Wien in beiden Richtungen wieder ausgenommen. Demgemäß kön­nen Postscheckkunden Beträge von ihrem Post­scheckkonto bei dem Postsparkassen-Amt in Wien und umgekehrt die österreichischen Postscheckkunden