Montag, 28. Dezember (925
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhessen)
Nr. 392 Zweites Blatt
Ser Mßlerkalender für 1926
Meeresboden
traKX.*
Atlantischen Ozcans habe sich in den letzten Jahrzehnten fo auf» fa llend verändert, daß zu befürchten sei, Europa gehe einer riesigen Erd- und Meereskatastrophe entgegen, die bereits für die allernächsten Jahre erwartet werden müsse. Durch diese Ereignisse würden ganz England und große Teile der norddeutschen, belgischen und nord- frairzösischen Küste unter Wasser gesetzt werden, wobei die ersten kontinentalen Ansätze der Katastrophe für
gelang! am Zl.Irzrmder und an den folgenden Lagen kostenlos zur Ausgabe. Auch aste neu hlnzulrelenden Sez eher haben An- spruch daraus; sie bestellen deshalb den Gießener Anzeiger für Januar 1926 zweckmäßig sofort bei der GeschSfirstelle oder den Trägerinnen, auswärts bei den örtlichen Vertriebsstellen. Der
Gießener Anzeiger
mit seinen anerkannt ausgezeichneten, regelmäßigen Beilagen Gießener IamitienhWer Aeimai im Rld
Die Scholle
ist die größte, am weitesten verbreitete Ta'eszeiiung Sberheffens und des benachbarten Lahngeb.etes. Auch im neuen Zahre w.st er sein und bleiben die Zeitung der Familie, das große Seimatblait.
sondern auch jede Erleichterung zu gewähren. Sich an mich (Elliot) wendend, meinte er, da der französische Gesandte von der Ankunft alliierter Truppen gesprochen und wir (die Engländer) solche Einwände gegen einen formellen Protest hätten, würde er keinen anderen Protest als den an meinen Kollegen gerichteten ergehen lassen."
Der weitere Verlauf ist bekannt. Drei Tage später demissionierte Venizelos und das Saloniki- Unternehmen hing politisch in der Luft. Es brachte auch den Serben keine Hilfe gegen den Ansturm der Oeslerrcicher, D tischen und Bulgaren. Es ließ aber die Basis von Saloniki bestehen, die im Herbst l*il8 der Ausgangspunkt für jene Offensive der Alliierten wurde, die das erste Glied — Bulgarien — aus dem Ringe der Mittelmächte brach.
Die deutschen Großstädte.
Rach einer soeben erfolgten Veröffentlichung des Statistischen Reichsamts gibt es nach dem vorläu-
1927 zu erwarten wären.
Lim feftzustellen, was es mit diesen Rachrichten für eine Bewandtnis habe, bat unser Berliner Mitarbeiter den Leiter des Seismolog. Instituts des Zentralbureaus der Internationalen Crdmessung in Potsdam. Geheimrat Prof. Dr. E. K o h l s ch ü t t e r . um eine Unterredung, wobei der Gelehrte ausführte:
..Die Meldungen sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß vor etwa Jahresfrist ein französischer Kapitän im Golf von Biskaya angeblich eine Erhebung des Meeresbodens bei seinen Lotungen festgestellt haben will. Diese Feststellungen hat der Seemann dem französischen Marineamt mit^eteilt. das seinerseits ein Vermessungsschiff an jene Stelle entsandte, welches jedoch, wie damals Zeitungsmeldungen besagten, wegen des ungünstigen Wetters keine positiven Feststellungen machen konnte und deshalb unverrichteter Sache nach Hause zurücklehren mußte. Seitdem ist es von dieser Angelegenheit still geworden. Es gibt nun in dieser Sache meiner Ansicht nach drei Möglichkeiten: Entweder ist tatsächlich eine Veränderung des Erdbodens beobachtet worden, oder der Kad'.Iän ist bei seinen Lotungen auf ein Wrack gestoßen, oder es liegen an jener Stelle des Golfes von Biscaya Vermessungsfehlcr von früher vor. Mir scheint die letzte Möglichkeit die wahrscheinlichste zu sein, da die Vermessungen in jener Gegend in mancher Beziehung nicht so vollständig sind, wie sie sein könnten. Messungen des Erdbodens sind stets besonderen Schwier.gleiten ausgesetzt, da man bei jeder Wiederholung einer
figen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 gegenwärtig 45 Großstädte, davon 22 mit einer Einwohnerzahl von 100 000 bis 200 000, acht mit einer Einwohnerzahl von 200 000 bis 300 000, acht mit einer solchen von 300 000 bis 500 000, fünf von 500 000 bis eine Million und zwei über eine Million. Durch Bildung der Stadtgemeinde Groß-Berlin sind fünf Großstädte (Charlottenburg, Neukölln, Schöneberg, Wilmersdorf und Spandau) von der Bildfläche verschwunden: dagegen sind vier Großstädte, München-Gladbach (dieses infolge der Vereinigung mit der Nachbarstadt Rheydt), Wiesbaden, Oberhausen und Ludwigshafen a. Nh. neu hinzugekommen.
Die Entwicklung der deutschen Großstädte in den letzten 15 Jahren zeigte folgendes Bild:
Berlin: 3 931 071 (1. Dez. 1910: 3 734258), Hamburg: 1053 983 (953 103), Köln: 693 266 (600 291), München: 671548 (607 592), Leipzig: 660 140 (644 644), Dresden: 608 025 (608 841), Breslau: 553 029 (514 979), Essen: 466 133 (410 214), Frankfurt a. M.: 458 422 (414 576), Düsseldorf: 42.8 999 (358 728), Hannover: 414 108 (381 678), Nürnberg: 384 272 (343142), Stuttgart: 337 643 (298 462), Chemnitz: 323153 (301 338), Dortmund: 319 933 (258 962), Bremen: 289 667 (257 248), Magdeburg: 286 752 (279 629), Königsberg: 274 575 (245 994), Duisburg: 272 174 (229 483), Stettin: 250 603 (237 403), Mannheim: 242 236 (206 049), Kiel: 211687 (226 560), Gelsenkirchen: 205 543 (191 378), Halle a. d. S.: 192 330 (180 843), Barmen: 184 923 (187 342), Altona: 182 071 (172 648), Kassel: 168 289 (153 196), Elberfeld: 165 074 (170 195), Augsburg: 162 135 (147 530), Bochum: 156 047 (136 931), Aachen: 155 296 (156824),
griechischen Zögerns. Um dieses Bedenken zu überwinden und Griechenland zur Hilfe für Serbien zu bewegen, wurde vorgeschlagen, französische und englische Truppen nach Saloniki zu senden, die die griechische Armee in der Zurückweisung des bulgarischen Angriffes auf Serbien unterstützen sollten.
Venizelos, damals Premierminister, war dazu bereit, aber angesichts des Zwiespaltes und des Zauderns der griechischen öffentlichen Meinung wurde ein formaler Protest bei gleichzeitiger Erleichterung der Landung französischer und britischer Truppen in Saloniki vorgeschlagen. Um den König für den Anschluß an diese Politik zu gewiicnen, schlug Venizelos vor, die Heranziehung der griechi- schen Truppen zu Operationen der Alliierten gegen Konstantinopel in Aussicht zu stellen.
Auf diesen Gedanken wurde nicht ein gegangen. Der Entgegennahme eines auch nur formalen Protestes widerstrebte Grey, da das nicht in Einklang zu bringen gewesen wäre mit der englischen Stellungnahme gegenüber der deutschen Neutralitätsverletzung in Belgien.
Wie diese Meinungsverschiedenheit ausgetragen wurde, zeigt ein Bericht des englischen Gesandten in Athen, Sir F. Elliot, an Grey vom 2. Oktober 1915. In diesem heißt es:
„Er (Venizelos) las uns (dem französischen und dem englischen Gesandten) den an den französischen Gesandten gerichteten Protest gegen die Verletzung der griechischen Neutralität, die das Begehren um das Durchzugsrecht für unsere Truppen vor Eintritt des casus foederis gegenüber Serbien involvierte, vor, sagte uns aber zur selben Zeit, daß nach Saloniki der Befehl ergangen sei, der Landung nicht nur keinen Widerstand entgegenzusetzen.
Pflicht, Serbien im Kriege gegen Oesterreich beizustehen: aber es hätte eine Verpflichtung zur Unterstützung Serbiens gegen einen bulgarischen Angriff bestanden. Die Westmächte und Rußland (? — Die Greysche Darstellung ist natürlich in manchen Punkten anfechtbar) halten mit der Allianz zwischen Griechenland und Serbien nichts zu schassen, aber sie waren besorgt, Serbien jede nur erdenkliche Hilfe zu gewähren. Sie drängten daher Griechenland, den Serben die, wie angenommen wurde, schuldige Hilfe zu leisten. Die griechische Anschauung über die Natur der Verpflichtung war geteilt) Bulgarien zu bekämpfen, tonnte für Griechenland einen Krieg mit den Zentralmächten bedeuten. Der Buchstabe des Vertrages mochte wohl das be- maffnete Einstehen Griechenlands für Serbien gegen Bulgarien erfordern: aber verlangte der Geist des Vertrages den Eintritt Griechenlands in einen Krieg, in dem der Konflikt zwischen Serbien und Bulgarien ein Gegenstand von nur sekundärer Bedeutung war? Das war nach Greys Vorstellung der Grund des
Es zeigt sich nun, daß die zornige Erregung von Menschen über Tiere sehr oft auf der Dummheit der ersteren beruht, weil sie die Eigenschaften der Tiere nicht genügend kennen unB die letzteren falsch behandeln. Ich habe vielfach Gelegenheit gehabt, solche Beobachtungen, besonders bei Kohlenfuhrwerken, zu machen, die bei schlechtem Wetter und ungenügender Bespannung stecken blieben. Als Beispiel greife ich folgenden Fall heraus: In meiner Wohnung höre ich von der Straße her lautes Schreien und Peitschenknallen und sehe durch das Fenster, wie ein vollbeladener Kohlenwagen bei nassem Wetter auf der schmutzigen Straße festsitzt. Dor das eine Pferd, das den Wagen ziehen sollte, ohne ihn aus dem Schmutz herauszubringen, ist schon ein anderes gespannt, und zwei Männer sind eben tätig, mit lebhaften Rufen und Peitschenschlägen die Tiere au zutreiben. Ab r es fehlt die richtige Zusammenordnung ihrer Bemühungen, die sich hauptsächlich auf das vordere Pferd richten. Der Wagen rührt sich nicht von der Stelle. Da rufe ich sie oben aus dem Fenster an und erkläre ihnen, daß sie die Sache falsch machen. Ich lasse jeden von ihnen einen Pferdekopf am Zügel fassen und auf Kommando die beiden Tiere gemeinsam nach vorn führen, während sie mit Anruf die Peitsche schwingen, ohne die Tiere zu schlagen. Der Wagen kommt sofort ins Rollen, und die Tierquälerei ist beseitigt.
Hier war es der Mangel an richtigem Zusammenwirken zwischen den beiden Wagenführern, wodurch das gleichzeitige Anziehen.ber Pferde verhindert wurde. Aehnliche Vorgänge habe ich öfter beobachtet und war manchmal erstaunt, daß Menschen, die schon länger in einem solchen Berufe tätig gewesen sind, so wenig Sinn für einfache Mechanik und Energie haben, Es beruht dies darauf, daß meist eine geregelte Anleitung zur Behandlung von Tieren
nahm.
Zu Anfang des Krieges war es, wie uns Lord Grey zu unserer Ueberraschung sagen kann, Gric- chenland, bas den Alliierten das Anerbieten machte, sich ihnen anzuschließen. Das war, besonders bevor die Türkei in den Krieg eingetreten war, eine Verlegenheit für die Alliierten-, nach dem Eintritte der Türkei aber gestaltete die Empfindlichkeit der Russen wegen Konstantinopels dieses Hllfsangebot zu einer gar heiklen Sache. Später, als Rußland wegen Kon- stantinopels beruhigt war und Serbien sich in einer verzweifelten Lage befand, waren es die Alliierten, die Griechenland drängten, sich ihnen anzuschließen. Wenn man sich diese Grundzüge vor Augen hält, wird man verstehen, baß die Einheit der Alliierten auf diesem diplomatischen Schlachtfelde gar oft auf eine harte Probe gestellt war, und die Stellungnahme Griechenlands eine schwankende war. (Nicht nur wegen des Gegensatzes zwischen König Konstan- tin und Venizelos.)
Bald nach Kriegsausbruch lancierte Venizelos die Idee, den Balkanbkock ober bie Balkanföberation auf neue Grundlagen au stellen. Sie sollte von nun ab Rumänien, Griechenland, Serbien und Bulgarien umfassen. Diese Konföderation wäre natürlich auf feiten der Alliierten und gegen Oesterreich gestanden, denn Serbien befand sich schon im Kriege mit Oesterreich, und Rumänien war den Verbündeten ebenso freundlich gesinnt wie Venizelos. Um aber Bulgarien zum Anschlüsse zu bringen, hätte es — nach Greys Meinung — zu großer Zugestand- niste, besonders seitens Griechenlands und Serbiens bedurft. Die Idee der Konförderation fiel ins Was- fer, weil keiner dieser Staaten zu Konzessionen bereit war. Es zeigte sich der Landhunger dieser Stoa- len. Venizelos machte dann am 18. August 1914 das formelle Angebot des Anschlusses Griechenlands an bie Alliierten. Diesem Angebot lag bamals zweifellos der — auch später wieder aufgetauchte — Gedanke einer Teilnahme Griechenlands an Operationen gegen Konstantinopel zugrunde. Aber während Griechenland aus diesem Grunde den Eintritt der Türkei in den Weltkrieg herbeisehnte, wollte ihn Großbritannien wegen der Inder und lange auch wegen der Ueberfiihrung ägyptischer Kontingente nach dem europäischen Festlande hinausgeschoben wissen. Deshalb und wegen der russischen Empfindlichkeit, die dann doch durch bie spezifisch englische Darbanellenaktion geweckt würbe, widerstrebte Grey der Annahme des griechischen Angebots. Es wurde bankend abgelehnt.
Mit der Gefahr eines bulgarischen Angriffes auf Serbien trat aber — im Jahre 1915 die Notwendigkeit einer Kooperation der Griechen in eine neue und dringende Phase. Griechenland hatte ein Bündnis mit Serbien. Es deckte nach der Annahme Großbritanniens nur Kriege zwischen den Balkanstaaten. War dem so, bann bestand für Griechenland Feine
In der Preise waren kürzlich Meldungen verbreitet, die besagten, daß französische Geologen von anerkanntem Range die Anzeichen für eine nahe bevorstehende europäische Erd» iatastrophe festgestellt hätten. Die gestaltung des Ozeans habe sich
Der Kampf um Konstantinopel.
Nach Lord Greys Memoiren.
Am Balkan entzündete sich bie Flamme, die schließlich ganz Europa versengte. Am Balkon verlosch auch zuletzt der Brand. Auf der Balkanhalbinsel stießen auch die Interessen der verschiedenen Mächte am heftigsten zusammen — nicht nur die der verschiedenen Gruppen, sondern auch bie ber Aliierten. Es gab einen Kampfpreis, um den so viele
* rangen: Konstantinopel. Wir wissen, daß die rus- * fischen Aspirationen auf diesen Ausgang zum warmen Meere allezeit an dem Widerstande Großbritanniens gescheitert waren. Wir wissen auch, daß sogar schwächere Mächte, wie Bulgarien oder Griechenland, aus diesem Gegensätze ber Großen Vor- ieil zu ziehen trachteten. Diese Jnteressenkonflikte bauerten im Weltkriege fort, nur einigermaßen verborgen und verbeckt burch die vor der Welt behauptete Solidarität der Alliierten. Nun hat es nord Grey unternommen, den Schleier zu lüften, ber das Ringen um Konstantinopel deckte. Auch er jagt natürlich nicht alles: er schweigt, wenn von England die Rede fein sollte. Er läßt uns aber ahnen, wie -schwer es gerade vor diesem Tore der Welt gewesen sein muß, die Alliierten zusammen- zuhalten. In seinen Memoiren, die das ungeheure Geschehen eines Vierteljahrhunderts um- ipannen (deutsche Ausgabe im Verlage der F. Bruckmann - A.-G. in München) macht er uns mehr, als es bisher durch andere Autoren geschah, mit dein Ringen um die Seelen der Balkanmächte vertraut, und so erfahren wir aus diesem diplomatischen Kampfe gar manches, was uns zeigt, wie nahe der Block der Alliierten gar oft dem Zerfallen war.
Wenn im nachstehenden aus der Greyschen Darstellung einige Stellen fjerausgegriffen werden, die sich mit der Haltung Griechenlands und der Alliierten gegenüber Griechenland befassen, so geschieht es, weil diese Politik die Saloniki-Front schuf, von der das Unheil des Jahres 1918 seinen Ausgang
Karlsruhe. 144700 (134 411), Braunschweig: 111677 (143 552), Erfurt 134837 (123 548), Krefeld: 130 048 (129 406), Mülheim an ber Ruhr: 126 350 (113 627), Hamborn: 125 767 (104 341), Lübeck: 120 299 (109 824), München- Glabbach: 114 787 (110 784), Plauen: 109 953 (121 272), Main z: 109388 (118 107), Münster (Wests.): 104 250 (90 254), Oberhausen: 104 737 (94 667), Wiesbaden: 104 177 (109 002), Ludwigshafen: 100 070 ($3 301).
Insgesamt haben die 45 Großstädte eine Einwohnerzahl von 16 377 667 gegen 15 196 136 am 1. Dezember 1910. Zu den 45 Großstädten kommt außerdem noch Saarbrücken als 46. Groß- tabt mit einer Bevölkerung von 125 000 hinzu.
Die stärkste verhältnismäßige Zunahme unter ben 45 brutschen Großstädten hat Dortmund er-- cchren (23,5 Prozent), es folgen Hamborn (20,5 Prozent), Ludwigshafen a. Rh. (20,1 Proz.), Düs- eldors (19,5 Proz.), Duisburg (18,6 Proz.), Mannheim (17,5 Proz.). Eine geringere Bevölkerung als 1910 hatten insgesamt acht Großstädte aufzuweisen, und zwar: Dresden, Kiel (—6,5 Proz.), Barmen Elberfeld, Aachen, Plauen i. V. (—9,3 Proz.), Mainz (7,3 Proz.) und Wiesbaden (—4,4 Proz.). Bei einzelnen Großstädten scheint die Verminderung auf das Verschwinden des Militärs zurückzuführen sein.
Der gesamte Flächeninhalt ber 45 deutschen Großstädte umfaßt 4060 Quadratkilometer (gleich 0,86 Proz. der gesamten Reichsfläche). Berlin besitzt einen Flächeninhalt von 878 Quadratkilometer und ist damit fast so groß als das Land Waldeck bzw. fast dreimal so grofe_ als das Land Schcnnn- bnrg-Lippe. Die zweite Stelle nimmt Köln mit 251 Quadratkilometer ein; dann folgen Hamburg mit 136 und Frankfurt a. M. mit 135 Quadratkilometer Flächenraum. Den geringsten Flächen- raum besitzen Altona und Ludwigshafen mit je 22 Quadratkilometer. •
Steht (EuropasUntergang durch Erdbeben bevor?
Die Abwehr gegen Tierquälerei liegt einerseits bei den Gerichts- und Polizeibehörden, anbererfeits, besonders im Sinne der Vorbeugung, bei den Tierschutzvereinen. Das sozial wirksamere Moment bilden dabei nach meinen Erfahrungen die letzteren. Sie entfalten meist eine stille, ober doch sehr wirk- fame Tätigkeit, auch durch aufklärende kurze Auf- sätze und Aufrufe in ber Presse. Aber es erscheint möglich, ihnen gerade van feiten der Tierxfycho- logie neues Leben zuzuführen. Unter den Person- lichkeiten, die in Tierschutzvereinen die Führung haben, finden sich einerseits öfter ebelbenfenoe Menschen, die sich aus Mitleid mit ben Tieren dieser Sache annehmen, anderseits interessieren sich manche gerade für die tierpsychologischen Fraaen, öfter sind beide Motive oereintgi. Ich mochte jeden- falls vorschlagen, daß zwischen den Tierschutzoer- einen und den tierpsychologisch Interessierten eine möglichst nahe Verbindung hergestellt wird.
Unbedingt notwendig erscheint es, daß in den Schulen, mehr als es bisher in der Regel ber Fall ist, auf den Schutz ber Tiere hingewiesen wird. Am besten kann das im Zusammenhang mit dem naturwissenschaftlichen Unterricht geschehen, in dem be« sonders auch das seelische Leben ber Tiere behanbelt werben muß. Dabei ist das Hauptgewicht auf bie Beobachtung ber lebenben Tiere zu legen. Vom Standpunkt der Sozialpsychologie liegt eine Haupt- quelle der Tierquälerei darin, daß die Tiere immer noch in ber Nachwirkung ber Eartesianischen, re-n mechanistischen unb materialistischen Auffassung als Maschinen ohne Empfinbungen und Vorstellrmgen betrachtet werben. In dieser Beziehung soll ber Schulunterricht mit Betonung der bei ben Tieren vorhanbenen seelischen Vorgänge eingreifen.
Dieser naturwissenschaftlich-psychologisa)- Unterricht muß vom ethischen Stanbpunlt ergänzt werden, von dem aus als wichtigste Forderung das Mitleid mit Menschen und Tieren erscheint.
selbst bei Menschen, die mit diesen beruflich zu tun haben, fehlt.
Auch sonst ist Mangel an ckleberlegung bei den Menschen oft die Ursache von schlechter Behandlung von Tieren. Der Grundsatz, den ich tierpsychologisch durchgeführt habe, daß die Beschaffenheit der Extremitäten jeder Tierart genau beachtet werden muß, gilt auch für die Verwendung von Tieren. Wenn z. B. Hunde als Zugtiere benutzt werden, wie dies besonders bei dürftigen sozialen Verhältnissen immer noch geschieht, so wird übersehen, daß die Füße oes Hundes im Gegensatz zu denen des Pferdes nicht zum Stemmen gegen eine feste Grundlage und zum Ziehen vpn Lasten eingerichtet sind. Wenn also Hunde überhaupt für solche Zwecke verwendet werden, muß bei der Wahl der Straße und bei der Gröhe der Last darauf Rücksicht genommen werden.
In Deutschland ist merkwürdigerweise trotz der im allgemeinen gedrückten sozialen Lage der Bevölkerung nach meinen Deobachningen die Verwendung von Hunden als Zugtiere aus zwei Gründen eher geringer geworden. Erstens hat sich das Volk, wie o'e Tausende von Handkarren zeigen, während des langen Krieges daran gewöhnt, selbst Hand an den Wagen zu legen, wie man dies bis in die oberen Schichten des Bürgertums beobachten kann, zweitens hat sich die Verwendung der kleinen Pferde, besonders der in den ersten Kriegsjahren massenhaft eingeführten Russenpferde, außerordentlich verbreitet. Diese Tiere leisten, im Verhältnis zu den Unterhaltungskosten, beim Ziehen von Lasten und beim Fahren mit kleinen Wagen außerordentlich viel, und es ist sehr wünschenswert, daß sich diese Gewohnheit weiter hält, da sie eines der besten Dorbeugungsmittel gegen die Verwendung von Hunden als Zugtiere dar- stellt.
Tierquälerei und Tierschutz.
Don
Geh. Medizinalrcrt Prof. Dr. Rob. Somme r*).
Wenn man die vielfachen Beziehungen des seelischen Lebens der Menschen und Tiere ins Auge saßt, erscheint es kaum verständlich, daß es überhaupt Tierquälerei gibt Aber schon, wenn man daran denkt, wo oft sich die Menschen untereinander quälen, wird die Erscheinung verständlicher. Dazu kommt, wie in dem Wtitel- gebiet zwischen Psychiatrie und Kriminalität leider hervortritt. daß es Menschen gibt, denen ein angeborener oder erworbener Hang zur Grausamkeit innewohnt, der sich in der Regel gegen Mensch und Tier gemeinsam richtet. Man muß also aus diesen Gründen mit einer gewissen Summe von Tierquälereien rechnen, ohne sie deshalb entschuldigen oder als unforrtgter- bare Tatsache anerkennen zu wollen.
LIntersucht man die Reihe einzelner Fälle, so stellt sich heraus, daß nur ein kleiner Teil auf wirklichem Hang zum Quälen beruht, meist handelt es sich um zornige Erregung über das Versagen von Tieren, besonders von Zugtieren bei Anforderungen, die von den betreffenden Menschen an sie gestellt werden. Im psychopatho- logischen Sinne ist es also oft eine unter bestimmten Umständen, d. h. reaktiv ausgelöste Wut, die zur Tierquälerei führt. Dom ethischen Stand- puntt ist dieses Motiv etwas milder zu beur- teilen, als der eigentliche Hang zur Quälerei, der zu den schweren Formen der Kriminalität gehört.
•) A',s dem hier schon besprochenen Werk „Tierpsychologie" (Derlag Quelle & Meyer, Leipzig).


