Ausgabe 
28.12.1925
 
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Der neue Danziger Oberkommisiar.

Ein Fehlgriff des Völkerbundes.

London, 27. Dez. Zu der von uns schon ge­meldeten Ernennung des Hollanders van Hamel zum Oberkommissar für Danzig schreibt Ne tu Statesman": Die Ernennung eines ausgesprochenen Deutschenfeindes für ein Amt, dessen Inhaber eine Art Richter» rolle zwischen Deutschen und Polen zu spielen hat, ist eine sehr ernste, um nicht zu sagen s k a n - d a l ö s e Sache. Der Völkerbund hat einen hoch­wichtigen schiedsrichterlichen Posten einem Manne übertragen, gegen den bei einer der Parteien ein tiefes Mist trauen bestellt. Ob diese deutsche Auffassung begründet ist, bleibt gleichgültig. Das bloste Vorhandensein dieser Stimmung hätte ge­nügen müssen, um Hamel sofort auszuschliesten. Indem der Völkerbund die energischen Einwen­dungen einer Partei unbeachtet liest, hat er etwas getan, was geeignet ist, wieder die ernsten Zweifel zu rechtfertigen, die man in Deutschland über die Fähigkeit des Völkerbundes, unparteiisch zu handeln, hegt. Zweifellos wird man noch vieles von dieser Sache hören.

Die französische Hinanzrefürm.

Keine Fortschritte.

LA. Paris, 28. Dez. der innetpoliti- schen Lage ist keine wesentliche Veränderung eingetreten. Vis Dienstag sind feine neuen Ent­wicklungen vorauszusehen Das Linkskartell wird das Finanzprogramm heute in der Kammer ein­bringen, womit es zum mindrsten einen 24*- stündigen Vorsprung gegenüber dem Finanzmi­nister gewinnt. D o n m e r hat erklärt, dast er aus dem Gegenprojekt des Linkskartells Vorschläge beachten werde, die mit den von ihm geplan­ten Maßnahmen sich in Einklang bringen lassen und dast er einen Teil der Projekte in sein Pro­jekte aufnehme, die Ersparnisse von 800 Millionen einbringen würden, so z. V. eine Revidierung der Einkommensteuer, die 'Desteue- rung der Ausländer, der landwirtschaftlichen Ge­winne usw. Der Finanzminister hält an seinem Plan, die Geschäftsumsatz st euer zu ver- doppeln fest und zwar mit der Begründung. dast nur diese Steuer einen sofortigen Ertrag von monatlich 400 Millionen einbringe, während die andern in Aussicht genommenen Steuern erst imch einiger Zeit eine Wirkung zeigen würden. 3m Hinblick auf die Finanzlage sei jedoch eine sofortige Wirkung der Steuern dringend ge­boten.

Schliehung der Porta Santo.

Vom, 24. Dez. (WTD.) Der Papst schloß heute vormittag die Porta Santa von St. Peter und damit das Jubeljahr. Der Schliehung wohnten in der Umgebung des Papstes die Kardinale, zahlreiche italienische und ausländische Bischöfe und Würdenträger des päpstlichen Hofes bei. Oluf besonderen Tribünen nahmen An­gehörige der ehemaligen Herrscherhäuser von Oesterreich, Bayern, Bourbon und Kalabrien, der römische Adel und andere hervorragende Persönlichkeiten teil. Die Peterskirche war von Zehntausenden bis auf den letzten Platz gefüllt.

Kunst und Wissenschaft.

Paul Ernst.

Freunde des Dichters Paul Ernst erlassen folgenden Aufruf: Am 7. März 1926 wird Paul Ernst 60 Fahre alt. Ohne je durch Mode und Pressegunst gefördert worden zu fein, hat er sich eine Führerstellung in der deutschen Literatur errungen. Wir verehren in ihm den Dichter, der in einer Zeit der willkürlichen Experimente die groß en, zeitlosen, klassischen Formen des Dramas und der Novelle wiederfmrd und mit dem leben­digsten Gehalt erfüllte, dec in der grenzenlosen Verzerrung und Unnatur der Gegenwart wieder richtige, natürliche unb vorbildliche Gefühle bar» stellte, der, statt zielloser Auflösung zu dienen, den Weg zur Gesundung des Menschen und zu einer neuen religiösen Haltimg zeigte. Sein kühn­stes und dichterisch bedeutendstes Werk ist das zum größten Teil schon vollendeteKaiser- b u ch, eine große epische Darstellung der deut­schen Kaiserzeit von den Sachsenkaisern bis zu den Hohenstaufen: an Reichtum der Farben und Lebendigkeit übertrifft es alle feine früheren Werke und stellt die Krone seines Schaffens dar. Bisher konnte nur der erste Halbband erscheinen: die Ungunst der Zeitverhältillsse verhinderte die Fortsetzung des Drucks. Der 60. Geburtstag Paul Ernsts ist uns ein willkommener Anlaß, den Dich­ter zu ehren: aber nicht seiner Person soll die Gabe gelten, die ihm überreicht werden soll das wäre nicht in seinem Sinne sondern seinem Werk. Wir eröffnen eine Sammlung, die ben Druck des ganzen Kaiserbuchs ermöglichen soll, und betrachten es als Ehrensache für jedermann, dem das Lebenswert Paul Ernsts, dem die Schöpfung eines deutschen Aational-Epos am Herzen liegt, dazu nach seinen Kräften beizu­tragen.

Unter den Unterzeichnern sind: Prof. Dr. Peter Behrens, Wien: Prof. Dr. Frederik Book, Stockholm: Prof. Paul Nikolaus Eoßmann, Her­ausgeber der Süddeutschen Monatshefte, Mün- ch?n: Prof. Dr. Max Dessoir, Berlin: Guidotto Fürst Donnersmarck. Egern am Tegernsee: Graf Hermann Keyserling. Darmstadt: Prof. D. Dr. Friedrich Lienhard. Herausgeber des ..Türmers", Weimar: Dr. Rudolf Pechel, Herausgeber der Deutschen Rundschau. Berlin: Geh.-Rat Prof. Dr. Eduard Schwartz. München: Prof. Dr. A. Hoergel, Chemnitz: Erzbischof Dr. Nathan Soeder- bloem, Upsala: Gras Solms-Rödelheim, Schloß Assenheim bei Friedberg: Prof. Dr. Werner Sombart, Berlin: Otto Freiherr v. Taube, Gauting bei München: Geb.-Rat Prof. Dr. Hans Baihinger, Halle a. d. S.: Prof. Dr. Walter Bogel. Berlin.

Kaiser und Grotzherzog".

Das christlich-historische DramaKaiser und Großherzog", von Oberamtsrichter Bonhard- Wöllstein, das im Rovember 1924 in Kreuznach feine Uraufführung im Kreuznacher Kurtheater

erlebte, ist zwar seither noch nicht auf einer an­deren Bühne aufgeführt worden, aber es hat große Anerkennung bereits im Auslande gefun­den, da das Drama das umfassendste Geschichts- wcrk der neueren Zeit über die letzten Jahre des byzantinischen Kaiserreichs ist, neben das nur noch das Buch des Serben Matschjowitz über den letzten Kaiser Konstantin, das aber in englischer Sprache geschrieben und bereits ver­griffen ist. gestellt werden kann. Kein Wunder, daß das Werk namentlich bei den Neugriechen, die sich als Nachkommen und Rechtsnachfolger der alten Bhzanllner fühlen, reichen Beifall and.

Don der Marburger Universität

Der ordentliche Professor für Kirchen- geschichte an der Universität, Geh. Konsistorial- rat Dr. Friedrich Wiegand, in Greifswald, früher langjähriger Professor an der Univer­sität Marburg, ist in den Ruhestand getreten. Wiegand, der ein Sproß einer schon im 16. Jahrhundert in Hessen ansässigen Familie ist, ist in Hanau geboren, besuchte ein Kasseler Gymnasium und studierte in Marburg und Göt­tingen. Den hessischen Verhältnissen bewahrte er stets großes Interesse. Wie verlautet, beabsich­tigt Prof. Wiegand, wieder in die alte Heimat zurückzukehren.

Kerschensteiner-Medaille.

Zu Ehren des Pädagogen Georg Kerschen- fteiner in München hat das Z e n t r a I i n ft i t u t für Erziehung und Unterricht eine silberne Medaille gestiftet. Die von dem Bild­hauer Alexander O p p l e r entworfene Medaille trägt auf der Vorderseite das Bild Kerschrn- teiners und auf der Rückseite die Inschrift: ..Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. Für Verdienste um die Pädagogik." Die Denk­münze in ihrer ersten Ausführung wurde Pro­fessor Kerschensteiner zu Weihnachten überreicht.

Eine neue Aerztesrganisation.

In Bremen hat sich ein Deutscher Ac-rzteausschuß für wirtschaftliche Fachvertretungen gebildet, der im Rah» men der Leipziger ärztlichen Zentralorganifatioir die Wahrung der Lebensnotwendigleitmr der ein- zelnen ärztlichen Fachgebiet? mit Einschluß des Betätigungsfeldes des praktische Arztes erstrebt. Der Arcsschuß arbeitet in Anlehnung an die deutschen ärztlich'wissenschastlichen Gesellschaften. Dem Verbände der Praktischen Aerzte Deutsch­lands, Sitz Braunschweig, ist ein Sih in dem Aus­schüsse eingeräumt.

3lus aller Welt.

Lchlägerci im Berliner. Chinesenreftaurant.

Berlin, 27. Dez. (TU.) Eine Schlägerei mit politischem Hintergrund spielte sich im chi­nesischen Restaurant in Charlotten - bürg ab. Die Anhänger des General FengS feierten die Einnahme Tientsins durch diesen General, die bis dahin noch nicht bestätigt war. Die Anhänger Tschang-Solins wollten die glückliche Abwehr des Angriffes von Feng auf Tientsin feiern. Dabei kam cs zwischen An­hängern deS Kuomintangs, der kommunistischen revolutionären Gruppe in China mit demokrati­schen Republikanern zu einem Konflikt. Die Chi­nesen begannen auseinander loSzuschla- gen und mit Biergläsern, Tellern und Schalen zu Wersen. Auch sonstige Einrichtungsgegen­stände des Lokals wurden zertrümmert. Es gab einige Verletzte. Der WarnungsrufPolizei" genügte jedoch, um die Solidarität der Streiten- en wieder herzustellen.

Lawinen-Kataftrophen.

Beim A u f st i e g zur Zugspitze ist am Schneeserner eine aus neun Skifahrern b^- ftebenbe Partie durch eine Lawine ver­schüttet worden. Drei Münchener sind lot, die übrigen sind zum Teil in verletztem Zustand in der Knorrhütte untergebracht. Von Parten­kirchen ist eine auS Bergführern zusammengestellte RettungSekpedition zur älnfallstelle abgegangen. Nach einer weiteren Meldung aus Schlad- m i ng in Stelermarc verschüttete eine Schnre- lawine unterhalb Giglachseehütte vier Wiener Touristen. Einer wurde gerettet, die drei andern, darunter eine Frau, muffen als verloren gelten.

Hochwassergefahr an Rhein und Mosel.

Nachdem zu Weihnachten der Wasserstand des Rh e i n s etwas zurückgegangen war, war nach einer Blättermeldung aus Koblenz am gestrigen Sonntag wieder ein Ansteigen zu verzeichnen. In­folge der Echneeschmelze in den Vogesen und im Schwarzwald ist der Oberrhein seit vorgestern um einen Meter gestiegen. Da zudem neue Regenfälle niedergeyen, ist mit weiterem Ansteigen zu recynen. Auch der Wasserstand der Mosel, der in den Weihnachtsfeiertagen auf 3 Meter zurück- gegangen war, ist infolge der anhaltend starten Niederschläge um einen Meter gestiegen. Da die Niederschläge unvermindert stark anbauern und bei der warmen Temperatur der in der Eifel und in den Vogesen liegende Schnee schnell schmelzen wird, ist die Hochwassergefahr in unmittelbare Nähe ge­rückt.

Verbrüht.

In Mannheim ist ein zwei Iahre alter Knabe in der Küche beim Spielen in einen mit heißer Waschbrühe gefüllten Topf gefallen. Den erlittenen Brand­wunden ist der Iunge im Krankenhaus erlegen. In der Schüpflinstraße fiel ein dreieinhalb- jähriger Knabe ebenfalls in einen am Boden stehenden Topf mit heißer Wäsche und verbrühte sich derart, daß er gleichfalls im Krankenhaus den schweren Brandwunden erlag. Beide Leichen sind von der Staatsanwaltschaft befchlagnahmt worden.

Neve Titel in Bahren.

Am Donnerstag vormittag sind anläßlich des Weihnachis« und Neujahrsfestes zahlreiche Titelverleihungen von der bayerischen Staats­regierung veröffentlicht worden. Als neu ein- geführte Titel kam zur Verleihung: Der Land- arbeitZrat, der Arbeitsrat, der Verllcherungs- rat, der Pharmazierat, her Veterinärrat und Geheimer Veterinärrat, sowie der technische Ge­werberat. Die Gesamtzahl der mit Titel aus­gezeichneten Personen beträgt mehrere Hundert.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 28. Dezember 1925.

** Die Weihnachtsfeiertage haben die Hoffnungen auf einen winterlichen Charak­ter des Festes leider nicht erfüllt; statt weiße Weihnachten mit Frost und lustigem Schellen­geläute der Schlitten hatten wir die unangenehme Herrschaft des Drecks und der Regenschirme. Zwar 'war in der Nacht zum ersten Feiertage Schnee gefallen, aber schon gegen Mittag des ersten Festtages trat Tauwetter und dann Regen ein, der bis heute früh mit nur kurzen Unter­brechungen anhielt. Unter diesen Umständen wur­den die geplanten Festtagsspaziergänge in win­terlichen Wald zu Wasser, und auch im hohen Vogelsberg war bei dem Tauwetter und Regen von Wintersport natürlich nichts zu bemerken. Das schlechte Wetter und wohl auch die Geld­knappheit wirkte ebenfalls ungünstig auf den Reiseverkehr auf der Eisenbahn ein, der bei recht mäßig besetzten Zügen sehr schwach war. Die Bevölkerung blieb eben daheim. Die Kirchen wurden, wie gewohnt, zum Sammelpunkt großer Scharen von Mitbürgern, die ihre Weihnachts­freude durch das Gotteswort noch erhöhten. Don zahlreichen Vereinen waren die üblichen Weih­nachtsfeiern veranstaltet worden, deren stinr- mungsvoller Verlauf den Besuchern genußreiche Stunden bereitete. Bei Den ungünstigen Wege- veryältnisfen hatten lediglich die Straßenbahn und vor allem der Wiesecker Autobusverkehr regen Zuspruch. Erfreulicherweise konnte auch d'.c Poli.ci sehr ruhige Feiertage halten, denn sie hatte in diesen Tagen auSnahnrsweise wenig Veranlassung zu irgendwelchem Einschreiten.

*" D i e Rückzahlung der Notstands- kredile. Nach einer Entscheidung des Ministe­riums sind die r ü ck st ä n d i g e n Beträge aus dem e r ft c n Drittel des gewährten Notstands- krediis bis spätestens 10. 3 a n u a r 1 926 znrück- zuzahlen. Soweit die Rückzahlung bis zu diesem ioge nicht erfolgt ist, sind die Beträge rückwirkend mit 12 Proz. zu verzinsen. In gleichem Sinne sind die r ü ck st a n d i g e n Zinsen für den gesam­ten Kredit bis zu dem genannten Termin zu er­ledigen, andernfalls auch für diese 12 Proz. Zinsen in Anrechnung fomnten.

Einziehung der alten Renten- b a n k s ch e i n e zu 10 R e n t e n m a r k. Die Deutsche Rentenbank ruft die Rentenbank­scheine z u 10 Renten nt ar k ohne Kopf­bildnis mit dem Ausfertigungsdatum l.No- vember 1923 zur Einziehung auf. Die auf- gerufenen Scheine löirrcen bet den öffentlichen Kassen itoch bis 31. Dezember 1925 in Zahlung gegeben, bei 6en Kassen der Reichsbank aber bis 30. April 1926 gegen andere Rentenbankscheine oder gegen gesebliche Zahlungsmittel umgetauscht werken. Mit Ablauf des 30. April 1926 werden die aufgerufenen Reittenbankscheine kraftlos', und es erlischt damit auch die älmtausch- und Ein­lösungspflicht der Deutschen Rentenbank. An Stelle der aufgerufenen Rentenbankscheine ge­langen neue Scheine zu 10 Rentenmarl vom 3. Iuli 1925 mit dem Kopfbildnis einer Landfrau, wie solche sich bereits seit Sep­tember 1925 im Verkehr befinden, zur Ausgabe.

O D i e Arbeitszeit in den Backe­reien und Kondritoreien. Das Arbeits- miniUetium hat. wie wir hören, unter Vor­behalt jederzeitigen Widerrufs bestimmt, daß für die Zeit bis zum 30. September 1926 auf Antrag die Verschiebung der Lage der acht- ftünbigen Betriebsruhe in Bäckereien und Kon­ditoreien auf die Zeit von 9 Ufjr abends bis 5 Uhr morgens unter folgenden Bedingungen genehmigt werden kann: 1. Backwaren jeder Art dürfen vor 7 Uhr morgens nicht ausgetra- gen oder abgegeben werden; 2. die Arbeitgeber haben durch Oftenhaltung der Zugänge vom Be­ginn der Betriebszeit an dafür zu sorgen, daß die Arbeitsräume jederzeit während des Be­triebs von den zuständigen Aussichtsbeamten be« sichllgt werden können^ 3. Abschrift der ergehen­den Genehmigungsverptgung ist in dem Betrieb auszuhängen.

*" Personalien. Durch Entschließung des Hessischen Landesamts für bas Bildungsrnesen wurde der Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Gießen Dr. Gustav Aubin zum Mit­glied der Historischen Kommission für Hessen er­nannt. Ernannt wurden die Lehrer Adolf D u n- tenberger zu Rohrbach, Kreis Büdingen, Adolf Mayer zu Kaichen, Kreis Friedberg, Friedrich P a e g zu Rodheim v. b. H., Kreis Friedberg, Georg Röder zu Riebet-Seemen, Kreis Schotten, Reinhorb S ch m o 11 zu Elpenrob, Kreis Alsfeld und der Schulamtsanwärter Karl Wörner aus Rod- henn d. d. H., Kreis Friedberg, zu Lehrern an der Volksschule zu Offenbach a. M.

Bornotizen

Tagestalender für Montag: Lichtfpielhaus, Bahnhofstroße:Die drei Portiers- möbel". Astoria-Lichtspiele:Der Ueberfall auf die Virginia-Post".

Weihnachtsfeiern in Metzen.

3m knabenhort.

Auf Nächstenliebe aufgebaut sind immer wieder die Weihncichtsbescherungen im Knabenhort. Zu bem Zuschuß, den die Stadtverwaltung stiftete, legten Freunde der Hortfache kleine und größere Beträge, und die Bescherung war gesichert. Der Hort muß vielen Jungen 82 sind es heuer an allen Schulnachmittagen das Elternhaus er fegen. Die Hortleiter müssen in dieser Zeit bei ihren Zog- Imgen die Elternstelle versehen. Sie lassen.es sich deshalb auch angelegen fein, ihnen alljährlich eine Weihnachtsfeier zu bereiten und die Bescherung schon aliszuqestalten. Sie finden dabei stets treue Heiser. Die Hortkinder und ihre Gäste, die die Turn­halle der Knabenschule bis aus den letzten Platz füllten, wurden durch den wundervollen Gesang uoii Frau D r. Müller-Baitgert und durch die Meisterklänge der Violine des Herrn Mom- berget in die rechte Weihnachtsstimmung ver­setzt. Ein reizendes Weihnachtsspiel führte bann in all ben Zauber der Weihnacht hinein. Die lautlose Stille während der ganzen Dauer der Feier war wohl der beste Verveis für die wohlgelungenen Darbietungen. Allen, die zum Gelingen der Besche­rung und der Feier beitrugen, ist herzlicher Dank gewiß. Mögen blc Kinderhorte im neuen Jahre zu ben alten Freunben recht viele neue gewinnen!

Die Ortsgruppe Stehen des Zentralverbanbcs deutscher Kriegsbeschädigter und kriegerhinler- bliebener

hielt, so schreibt man uns, am vorigen Sonntag im Saalbau Sauer am Oswaldsgarten ihre dies­

jährige Weihnachtsfeier ab. Der Nachmittag war nur den Kindern gewidmet. Nach einem von Kindern gespielten 'Weihnachtsstück fand die Bescherung von etwa 200 Kindern der Mit­glieder stakt, zu der sich auch der Dezernent des Fürsorgewesens der Stadt Gießen, Bei­geordneter Dr. Frey, eingefunden hatte. Neben einer geschmackvollen Weihnachtstüte erhielt je­des Kind ein praktisches Geschenk in Gestalt eines Gebrauchsgegenstandes. Theatervorsüh« tungen und Musikdarbietungen unterhielten am Abend die Mitglieder mit ihren Angehörigen. Man trennte sich in dem Bewußtsein, eine wür­dige Feier verlebt zu haben. Hervorgehoben sei, daß die gesamten Kosten der Feier, einschl. derjenigen dcr Bescherung der Kinder, von den Mitgliedern selbst aufgebracht wurden.

Turnverein 1846, Schüler-Weihnachtsfeier.

Man berichtet uns:

Nicht oft hat die Turnhalle so viele Menschen zu fassen, wie dort am Montagabend bei her Weih­nachtsfeier der Schülerabteilungen beisammen waren. Leuchtende Kinderaugen und froh erwar­tungsvolle Gesichter der Aelteren zeugten bafür, daß ber Verein mit bieser seit einigen Jahren ein- geführten besonderen Weihnachtsfeier für srine Schuler diesen sowohl, wie auch den Eikern eine große Freude macht. Eine reichhaltige Dor- ftihrungsfolge sorgte für gute Unterhaltung und ausgezeichnete Stimmung. Cingeleitet wurde die Feier durch einen finnigen, von einer Schülerin gut vorgetragenen Vorspruch. Vier prächtige le­bende Bilder das Wandern, Spielen, Schwim­men und Turnen darstellend verkörperten die Hauptgrbietc der Leibesübungen deutscher Turnvereine, und dann folgten in buntem Wech­sel Freiübungen der Kleinsten. Barren- und - Stabübungen der älteren Schülerinnen, Lang­stabübungen, ©emcintumen an 2 Barren und Pferdspringen der Schüler und ein reizender Volkstanz von Schülerinnen. Alle gaben ihr Bestes und ernteten reichen Beifall; der Volks­tanz muhte wiederholt werden. Daß im Turn­verein über die Ausbildung deS Körpers der jungen Menschenkinder nicht die Plldung des Geistes vernachlässigt wird, bewies das am Schluß aufgeführte Märchenspiel. In munterem Spiel bewegten sich Schülerinnen und Schüler auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und zeigten, daß sie hier ebenso zu Hause sind, wie an den Turngeräten. Dann kamen Nikolaus und Knecht Rtiprecht und brachten freudig be­grüßt jedem eine kleine Gabe. Zu erwähnen bleibt noch die aus jungen Turnern bestehende Hauskavelle. die die einzelnen Vorführungen mit gut vorgetragenen Musikstücken umrahmte und damit zeigte, daß auch die schönen Künste eine Pflegestätte im Turnverein haben. Zum Schluß noch ein Lob und Dank den fleißigen Leitern, die sich so große Mühe mit der Vorbereitung und Durchführung der wohlgelungenen Veran­staltung gemacht haben. Möge sie aber auch für den Verein insofern von Erfolg sein, als sie ihm weiteren Zuwachs an Freunden und Gönnern, insbesondere aber auch an tätigen Mitgliedern bringt, dürften doch die Eltern fest- gestellt haben, daß sich ihre Kinder bei dem Verein in guten Händen befinden.

Männcr-Turnderein.

Eine recht stimmungsvolle WeiHnachtsfei. r vereinigte am zweiten Weihnachtsseiertagc die Mitglieder mit ihren Familienangehörigen auf der Liebigshöhc. Daß die Veranstaltung leb­haften Anklang gefunden, bewies der außeror­dentlich starke Besuch, der den großen Saal bis aufs letzte Plätzchen füllte. Schönste Weih­nachtsstimmung beherrschte groß und klein, und allenthalben sah man frohgemute Gesichter, leuch­tende Augen der vielen Kleinen, hörte man Worte des festlichen Frohsinns und der erwar­tungsvollen Spannung. Die Festfolge wies eine geschmackvolle und geschickte Zusammenstellung auf, sie vermischte in köstlicher Weise den weih­nachtlichen Charakter der Darbietungen des ersten Teils mit öem vertrefflichen UnterhaltungSstofs tes zweiten Teils, der die Eigenart eines guten Familienabends hervorkehrte. Nach zwei In- fin.mientalbariieiungen leitete eine Schülertur- nertn mit einem feingestimmten Dorspruch den Abend ein, anschließend folgte der gemeinsame Gesang vonStille Nacht, heilige Nacht". Die feinsinnig mit guten stimmlichen Mitteln zum Dortrag gebrachten Lieder einer jungen Sopra­nistin, ein ausgezeichnetes Diolin-Solo, ein rei­zender Wiener Walzer-Tanz zweier junger Tur­nerinnen, die prächtig dargestellten Märchen- spieleDor ber Himmelstür" undDie Heinzel­männchen", beide mit Gesängen und allerliebsten Reigen, der flott und schneidig gegebene Schank Die letzte Rettung" und zwischen all diesen buntschillernden Genüssen die trefflichen Leistun­gen der Kapelle machten den Abend nach jeder Richtung hin zu einem sehr genußreichen. Dah sämtliche Darbietungen mit starkem Beifall be­lohnt wurden, versteht sich von selbst, war aber auch nur recht und billig. Eine Verlosung zahl­reicher Wertgegenstände, unter denen sich sehr viele außerordentlich gute Sachen befanden, be- 1 reitete weiterhin viel Vergnügen. Nach der Ab­wickelung der Dortragsfolge hielten einige Stun­den des Tanzes den ausdauernden Teil der Be­sucher noch in bester Stimmung beisammen. Für den wohlgelungenen und genußreichen Verlauf der Feier gebührt neben den Kräften des Pro­gramms den unvermeidlich schaffenden Organi­satoren Dank und Anerkennung.

In der Herberge zur Heimat.

Etwa 30 fremde Wanderer waren am Hei­ligen Abend in der Herberge eingekehrt und konnten dort, dank der Freundlichkeit der Gieße­ner Bürgerschaft, vor allem der Zigarren-In- dustriellen und der Bäcker- und Metzger-Innung, nicht allein bewirtet, sondern auch reichlich be­schert werden. Im festlich erleuchteten und er­wärmten Dereinsiaal, geschmückt mit einem mäch­tigen Weihnachtsbaum, fand die Feier statt. An reichlich gedeckten Tischen nahmen die Jun­gen und die Alten Platz. Pfarrer Adolph hielt eine zu Herzen gehende Weihnachtsandacht. Anschließend daran wurde gemeinsam gegessen; bei dem Gesang unserer alten lieben Weih- nachtSlieder und bei fröhlichem Geplauder blieb man dann bei Tee und Zigarren oder Zigaretten zusammen, bis die Glocke zum Zubettgehen rief. Am 1. Feiertag fand Kleiderparade statt, wo­bei manches Stück, bas ergänzungsbedürftig war, ersetzt werden tonnte. Durch eine Spende von Fleisch war es möglich, auch am 1. Feiertag allen Anwesenden neben einem Frühstück mit Wurst ein reichliches Mittagessen zu geben. Alle Geber dürfen des aufrichtigsteit Dankes llcher fein.