Samstag, 28. November 1925
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Nr. 219 Drittes Blatt
Das telegraphische Herz Deutschlands.
Pt- Von Heinrich Gesell, Chefredakteur der Telegraphcn-Union.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Berlin und Königswusterhausen, Ende Nov.
Zweimal hintereinander in wenigen Tagen hat der Berliner sich wieder einmal als Mittelpunkt Europas fühlen und darauf stolz sein können. Das H a u p t t e l e g r a p h e n a in t in Berlin feierte seinen 7 5. Geburtstag und die Haupt- f u n k st e l l e Königswusterhausen in nächster Nachbarschaft Berlins hatte zur Einweihung und Inbetriebnahme ihres neuesten Funkturmes eingeladen, der nach seinem völligen Ausbau der höchste Funkturm der Welt sein wird. Der Berliner hatte also wirklich ein belegbares Recht dazu, den Pulsschlag des Weltverkehrs in seinen Adern zu fühlen und für sich in Anspruch zu nehmen, daß er das telegraphische Herz Europas sein eigen nennt.'
Was wir mit Freude und Genugtuung zur Zeit auch auf anderen Gebieten erneut erleben, ist nämlich, daß die zentral-europäische Lage Deutsch- l a nch s zum Schwerpunkt unseres Erdteils Europa macht und damit die Welt zwingt, verkehrsmätzig zu allererst mit Deutschland zu rechnen. Das hat das Haupttelegraphenamt in den 75 Jahren seines Bestehens schon seit Jahrzehnten innerlich gefühlt und dem hat die Rcichspost mit dem Ausbau des H. T. A. und auch mit dem Ausbau der Hauotfunkftelle Königswusterhausen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln Rechnung getragen. Mit Recht konnte der Staatssekretär des Reichspoftmini- steriums S a u t t e r in seiner Jubiläumsrede darauf hinweisen, daß das Haupttelegraphenamt eine Anstalt von ungewöhnlichen! Format darstelle und als Mittelpunkt des deutschen und als Knotenpunkt des europäischen internationalen Telegraphenbetriebes anzusehen sei. Wer durch die Riesensäle des während des Krieges endgültig fertiggestellten H. T. A. in der Oranienburger Straße geht und in dem Ticken der zahllosen Apparate und in dem Brummen der dort arbeitenden Motore den Pulsschlag und Blutumlauf dieses Weltverkehrs hört und empfindet, der kann Staatssekretär Sautter, der kann aber auch dem Festredner bei der Einweihung des neuen Funk- turmes, Staatsekretär Dr. Bredow, zustimmen, der mit Recht auf die ungewöhnliche Bedeutung der Hauptfunkstelle Königswusterhausen als einer in der Welt noch nicht zum zweiten Male vorhandenen Funkzentrale hinwies. Ein Haupttelegraphenamt in- der Hauptstadt eines Landes gibt es ja schließlich überall und — so imponierend es für den Besucher auch sein mag, in dem Saal nebeneinander die Schilder fast aller europäischen Hauptstädte zu lesen, mit denen direkte umschaltungsfreie Drahtverbindung besteht, — sicherlich wird der englische General- postmeister auf seine Landeszentrale nicht weniger stolz sein, als die Reichspost auf das H. T. A. Der Unterschied liegt nur darin, daß die, man kann wohl sagen, geniale Kombinatton zwischen H. T. A. und Königswusterhausen heute einen Mittelpunkt geschaf- fen hat, wie ihn London und Paris nicht mehr dar- stellen, wenn sie es je getan haben. Daß alle Drähte und Kabel einen einzigen Mittelpunkt haben, ist weder neu noch war es nach Ueberwindung der Kinderkrankheiten der Telegraphie je etwas Besonderes. In Amerika hat man zwar auch das verschmäht und an Stelle des Monopols dem freien Wettbewerb feinen Lauf gelassen. Aber für den inner- staatlichen Verkehr kennt Europa nur das Monopol und England hat nach Ueberwindung vieler Schrote- rigkeiten außerdem erreicht, daß die vielen englischen und fremden Kabelgesellschaften ihren Landeszen- tralpunkt in organische Zusammenarbeit mit der staatlichen Telegraphenzentrale brachten.
Aber Deutschland bat mehr. Die Reichspost ist um einen großen Schritt weitergegangen und hat in mühevoller Organisationsarbeit erreicht, daß ohne Rücksicht auf den staatlichen oder privaten Charakter des europäischen und überseeischen Funk-
Pelzmartel.
Ein Nürnberger Spielzeugroman.
Nach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein.
Copyright 1925 bh QL Scherl G. m. b. H., Berlin. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Aber der Tag ging hin und Meister Leopold schien sein Versprechen ganz vergessen zu haben. Gr machte Kasse, schloß die Bücher, mummelte sich bis zur Nasenspitze ein, weil draußen eine Bärenkälte herrschte, und, den zwei Gehilfen guten Abend wünschend, ging er früher weg als sonst. Auch er hatte Weihnachtseinkäufe zu machen.
Peter war etwas betroffen. „Er wird es mir morgen abend geben", tröstete er sich. „Wenn er es nur nicht vergißt, am Weihnachtsabend ist immer so viel zu tun.“ Dann fiel ihm ein, Daß es doch besser gewesen wäre, wenn er das Geschenk gleich bekommen hätte; denn wenn es etwa nicht eine Puppe oder ein Regiment Soldaten sein sollte, sondern Geld, 10 oder 20 Mark, besser 20, würde er noch Zeit gehabt haben, für Otto und Liesel etwas zu kaufen. Cs ist immer besser, vorher zu wissen, welche Geschenke zu machen man in der Lage ist.
Kaum war der Meister weg, als Abraham den Puppenpeter bat, ihn nach Hause gehen zu lassen. Er habe vergessen, sagte er, seinen Vögeln zu fressen zu geben, und gewiß wären die armen Tierchen schon nahe daran, Hungers zu sterben. Abraham hatte sonst nichts in deü Welt als diese zahmen Vögelchen, und Peter wußte das. Er ließ ihn daher ohne weiteres gehen. Bald darauf kam Abraham jedoch zurück und sagte harmlos: „Ich bin dem Meister begegnet."
„Oh," sagte Peter bestürzt, „wie konntest du dich nur erwischen lassenl Olun wird er dich gescholten haben, weil du den Laden verlassen
Abraham lächelte ein Lächeln, das gutmütig sein sollte, es aber nicht war. „Er gab nichts Darauf", antwortete er. „Ich bin gerade recht gekommen, um ihm ein Stück Weg zu ersparen, Denn er wollte ins Geschäft zurück."
dienstes auch dieser einheitlich im H. T. A. zu» sammengefaßt ist und soweit er staatlich betrieben wird, über Königswusterhausen, soweit er privater Initiative entspringt, durch die mil dem H. T. A. zusammenarbeitende Trans-Radio-Aktien-Gesellschaft über die Weltfunkstation Nauen Eilvese betrieben wird. Die Reichspost hat hier in jahrelangem Weiterbohren an dem einmal gesoßten Gedanken die seit längerer Zeit in physikalischen Laboratorien schon technisch erreichte Fernsteuerung der Funksen- der und den Fernempfang der Funksprüche soweit vervollkommnet, daß es nunmehr möglich ist, auch den gesamten Funkverkehr von den Sälen des H. T. A. aus zu betreiben. Der Laie kann sich wohl kaum eine Vorstellung von den Schwierigkeiten machen, die überwunden werden mußten, bis der heutige Zustand erreicht worden ist. Zwischen zwei im Dublexverkehr genannten gegenseitigen Verkehr stehenden Großfuntstationen, beispielsweise Königswusterhausen und Budapest, spielt sich nunmehr der Dienst von einem Tisch des H. T. A. so ab, daß an zwei nebeneinanderliegenden Plätzen der Dienst Nach Budapest durch Fernsteuerung über Königswusterhausen gesandt und durch Fernempfang über die Empfangsstation Zehlendorf empfangen wird. Hat Budapest ein Wort des abgesandtsn Telegramms nicht verstanden oder liegt eine atmosphärische Störung vor, so kann die Budapester Sendestation, falls der dortige Empfänger in unmittelbarer telephonischer ober telegraphischer Verbindung mit einem Sender steht, sich über den Budapester Sender durch entsprechende Zeichen sofort an dem Tisch des H. T. A. in Berlin melden und der danebensitzende Beamte kann die nicht verstandenen Worte sofort wiederholen. Die Feinheit dieser Organisation geht soweit, daß es heute sogar schon möglich ist (z. B. mit Lettland) diesen funkentelegraphischen Verkehr mit Siemens Schnelltelegraphie zu betreiben, obwohl diese den vollkommenen Gleichlauf eines Elektromotors in Berlin und bei dem Empfänger in Lettland, wie auch bei dem Sender in Lettland und bei dem Fernempfänger im H. T. A. in Berlin voraussetzt. Der Dublexverkehr arbeitet hier so glänzend, daß auf drahtlosem Wege der synchrone Gleichlauf der vier Motoren ermöglicht und die Uebermittlung von 600 Buchstaben oder Zeichen in der Minute gewährleistet ist. Dabei sieht der für diesen Dienst verwendete Sender in Königswusterhausen nicht an- bers aus als jeder andere mit Handsteuerung betriebene Ferntastatursender; alle Zusatzeinrichtungen befinden sich ausschließlich im telegraphischen Herzen Europas, dem H. T. A., das sozusagen nur seine Nervenstränge über Europa ausbreitet.
Trotz dieser Konzentration des eigentlichen telegraphischen Dienstes ist die Hauptfunkstelle Königswusterhausen eine technisch ungewöhnlich hervorragende Dettiebsstelle. Besitzt sie doch zur Zeit nicht weniger als zwanzig in Betrieb befindliche Sender, die in drei verschiedenen Sendemaschinenhäusern untergebracht sind und zwanzig verschiedenen Antennen, die in dem Antennenturmwald spinnwebartig ausgebreitet sind. Der festliche Anlaß der Besichtigung war die Inbetriebnahme des höchsten dieser Antennentürme, der im Gegensatz zu seinen fast zwanzig kleineren Geschwistern freistehend errichtet worden ist, während alle anderen Türme in ?in Netz von Verspannungskabeln eingespannt sind und zur Vermeidung unnötiger Spannungen leicht beweglich auf ihrer Spitze stehen. Der neue Turm, von der Honnefwerken-Aktten-Gesellschaft in Dinglingen in Baden in weniger als einem Jahr errichtet, ist ein imponierendes Werk deutscher Technik. Jetzt ist er 243 Meter hoch und trägt in seinem zweistöckigen Turmmaschinenhaus auf seiner jetzigen Spitze nicht nur die Maschine zum Betrieb des Personenaufzuges, der die 2j Hundert Meter in knapp 2 Minuten aufwindet, sondern zugleich ein besonderes Maschinenhaus, in dem ein Kurzwellensender untergebracht werden soll, mit dem gleich nach seiner Fertigstellung wichtige Versuche im überseeischen Verkehr gemacht werden sollen. Auf der Plattform dieses hochstehenden Maschinenhauses soll außerdem nochmals ein fast 50 Meter hoher Hartaluminium- turm aufgesetzt werden, dessen freitragende Spitze
„2ns Geschäft zurück?" fragte Peter erstaunt.
„3a, um dir Dein Weihnachtsgeschenk zu geben."
Peter riß di« Augen auf und das Herz' klopfte ihm vor Freude. Abraham hatte inzwischen einen viermal zusammengelegten, mit Bleistift geschriebenen Zettel aus der Tasche gezogen und glättete ihn nun ganz langsam zurecht, indem er immer jenes Lächeln zur Schau trug, das gutmütig sein sollte und es doch nicht war.
„Da, lies, er hat es selbst beschrieben, damit du nicht glaubst, ich mache mir einen Scherz mit dir. Er hat das Blatt aus seinem Notizbuch herausgerissen und darauf geschrieben:
„3ch ermächtige Peter Tand, sich als besonderen Lohn für seine Dienste ein vollständiges Kindertheater aus meinem Geschäft auszusuchen und dazu die Puppe Kunigunde.
Leopold Kramer.“
Peter wollte feinen Augen nicht trauen. Die Puppe Kunigunde? Den Stolz des Geschäfts? Mehr als 200 Mark wert? Das war, um außer sich zu geraten. Tlnd doch sprach der Zettel deutlich genug und trug die Unterschrift des Meisters...
Peter scheute sich fast, ein so fürstliches Geschenk anzunehmen. Es stand in keinem Verhältnis zu seinen bescheidenen Diensten.
„Viel zuviel“, stammelte er. „3ch verdiene es nicht, wirklich nicht. 3ch wage mich nicht heran...“
Abraham lächelte von neuem.
„Sei nicht dumm. Ich an deiner Stelle hätte ja 200 Mark vorgezogen. Aber du kannst ja die Puppe verkaufen."
„Kunigunde verkaufen!" entrüstete sich Peter. Er glaubte schon die Augen seiner kleinen Liesel vor Freude glänzen zu sehen.
Abraham machte sich die Verwirrung und den Glücksausbruch Peters, der wie ein Kind lachte und herumtollte, zunutze, um ihm unter dem Vorwand, die frohe Botschaft des Meisters Leopold noch einmal lesen zu wollen, den Zettel aus der Hand zu spielen. Peter merkte es gar nicht, so sehr hatte er den Kopf verloren. Er fühlte sich in einer anderen Welt, vergaß Zettel
höher als der Eiffelturm in bas Weltall ragen wird. Auch diese Hartaluminiumspitze wird für Antennen- zwecke Verwendung finden und Deuischland wird damit den höchsten ituntturm sein eigen nennen. Und dieses ganze gigantische Bauwerk wird trog erhöhter Festigkeit nur den zehnten Teil des Eiffelturms, seines älteren Bruders, wiegen. Noch stolzer ist Reichspost und Baufirma auf die Tatsache, daß der fertige Turm sogar nur 7 Proz. des Eiffelturms an Kosten verschlingen wird. Um diesen Giganten stehen fünf Türme von 210 Meter Höhe und viele kleinere, sie alle sind durch Spinnwebnetze der Antennen verbunden, jede einzelne gegen die nächste scharf isoliert mit dem ihr zugeordneten Sender verbunden. Noch vor wenigen Jahren hätte man diese Häufung von Sendern ohne gegenseitige Störung für unmöglich gehalten, und es ist bas Verdienst des Telegraphisch- technischen Reichsamts, durch dauernde llaborato- riumsversuche so gute Zwischenkreisschaltungen gefunden zu haben, daß bei richtiger Abstimmung alle zwanzig Sender reibungslos nebeneinander arbeiten. Dabei darf man nicht vergessen, daß unter die- sen Sendern sich nicht weniger als vier mächtige Grvßtelephvniejender befinden, nämlich der bekannte Deutschlandsender auf Welle 1300 und drei für die Pressenachrichten und den Wirtschaftsdienst bestimmte Zehn-Kilowattsender, die Tag und Nacht ihre mächtige Stimme in ganz Deutschland hören lassen.
So ist die Hauptfunkstelle Königswusterhausen gewissermaßen die Krone des H. T. A. und man kann bas H. T. A. bei der Feier seines 75. Bestehens zu einem solchen Geburtstagsgeschenk nur beglückwünschen; man soll dabei aber auch der unsäglichen Kleinarbeit und des Erfindergeistes deutscher Technik nicht vergessen, der an beiden Stellen, man kann wohl sagen, einen hervorragenden friedlichen Sieg errungen hat.
Oberhessen.
Landkreis (tiicßcn.
£ Wieseck, 27. Nov. Don zuständiger Seite erhalten wir folgende Mitteilung: Nachdem die Hauptschwierigkeiten aus dem Wege geräumt find, die der Eröffnung der Äutolinie Wieseck—Gießen entgegenstandcn, wurde für heute oder morgen mit dem Eintreffen der Wagen gerechnet. Leider hat sich in letzter Stunde die Notwendigkeit herausgestellt, die Eröffnung nochmals um einige Tage zu verschieben, da die mit der Lieferung der Autohalle beauftragte Spezialfirma nicht in der Lage ist, vor der ausbedungenen Lieferfrist zu liefern. Die Wagen, idie für die Gemeinde doch einen sehr hohen Derntögenswert darstellen, müßten dann wohl vder übel die Nächte über im Freien stehen. Diese Tatsache könnte bei der plötzlich eingetretenen Kälte, die ja in den nächsten Tagen noch zunehmen kann, recht nachteilige Folgen haben, außerdem sind die Wagen jede Nacht der Gefahr irgendeiner böswilligen Beschädigung ausgesetzt. Um all diesen Gefahren aus dem Wege zu gehen, einigte man sich dahin, die Wagen noch einige Tage an ihrem jetzigen Standort zu belassen. Wenn diese einer vorsichtigen Verwaltung aufgezwungene Verzögerung auch unangLnehm empfunden werden wird, so bedeutet diese kurze Spanne Zeit dem seitherigen langen Warten gegenüber nichts, sie machte sich aber notwendig, um alle vermeidbaren Gefahren dem Unternehmen von vornherein fernzuhalten. — Der kürzlich ftatt- gefundenen Gemeinderatssitzung legte der engere Ausschuß den Entwurf eines vorläufigen Fahrplanes vor, der nach einigen geringfügigen Aenderungen die Zustimmung der Versammlung fand. Daß der vorgesehene Fahrplan auch für die Zukunft so bestehen bleibt, ist allerdings nicht gesagt, denn die Erfahrungen, die sich aus der Praxis heraus ergeben, müssen gegebenenfalls berücksichtigt werden. Der vorläufig vorgesehene Fahrplan ist in einen solchen für den Werktags - und einen solchen für den Sonn»
und Abraham, und, wenn er nicht so sehr an Ordnung und Pünktlichkeit gewöhnt gewesen wäre, hätte er auch noch vergessen, das Geld zu zählen, das er an diesem außergewöhnlichen Geschäftstag eingenommen hatte.
Als es Zeit war, den Laden zu schließen, nahm er das vollständige Kindertheater, das er aus Bescheidenheit nicht unter den aller- schönsten ausgesucht hatte, legte die Puppe in eine Schachtel, die er sorgsam einwickelte, und barg, damit sie ja nicht unter dem Schneegestöber litten, Theater und Puppe unter seinem Mantel. So unter jedem Arm ein großes Bündel, sah man ihn die noch menschenbelebten Straßen nach Hause eilen. Er ähnelte ganz dem berühmten» Gänsemännchen, wie es, unter jedem Arm ein» Gans, auf dem Brunnen hinter der Liebfrauen-- kirche steht. Nur, daß jener kleine Mann aus Erz seine Gänse nicht versteckt, die im Gegenteil Wasser speien, wie es sich für eine Brunnengans gehört. Und wißt ihr, warum der kleine Mann seine Gänse sehen läßt? Natürlich bloß deshalb, weil er sie nicht gestohlen hat.
Peter Tand dagegen---
So tuschelten die Einwohner von Nürnberg, als sich am nächsten Morgen, am Tage vor Weihnachten, plötzlich das Gerücht in der Stadt verbreitete, Peter Tand sei wegen Diebstahls verhaftet und ins Gefängnis gebracht worden.
Zweites Kapitel.
Luginsland beobachtet einen Spitzbuben, Bringglück und Wiesenstelz sind empört, auch Schnabel- spitz macht mit, um ein Unrecht aufzudecken — aber die Nürnberger sind so dumm, daß sie nicht einmal die einfache Storchensprache verstehen und sich baß auf die Weihnachtsbescherung freuen.
Ihr werdet alle schon zu der Ueberlegung> gekommen sein, daß es Abraham selber war, der den Zette! des Meisters Leopold ge chrieben hat e Er verstand es ausgezeichnet, die Handschrift seines Herrn nachzumachen. Mit der Hand wußte er zu lügen wie mit der Zunge, und wenn ich der arme Peter den verhängnisvollen Zettel nicht hätte herauslocken lassen, wäre seine Unschuld klar zutage getreten; denn die winzige und zittrige Schrift war Schwung für Schwung und Schnörkel für Schnörkel genau diejenige des Meisters. Unglückseligerweise hatte sich aber
tagsdienst gegliedert. Der Plan für die Wochentage sieht im ganzen 20 Fahrten nach dem Bahnhof und ebensoviel ab Bahnhof vor. Bei der Einteilung ist versucht worden, den hauptsächlichsten Erfordernissen gerecht zu werden, dabei war es allerdings nicht möglich, alle eventuellen Einzel- und Sonderwünsche zu berücksichtigen. Der erste Wagen, der 5.25 morgens von Wieseck abfährt, sott in der Hauptsache der Beförderung der Eisenbahn- und Postangestellten dienen, deren Dienst um 6 Uhr beginnt. Weitere Wagen folgen um 5.50, 6.15, 6.40, 7.05, 7.30, 8.15. Diese Wagen sotten der Beförderung der übrigen Arbeiter und Angestellten dienen. Der Fahrdienst weist dann längere Pausen auf. es folgen Wagen um 9.00, 10.00, 11.30, 12.40, 1.35, 3.00, 4.30. Zur Rückbeförderung der Arbeiterschaft setzt nun wieder lebhafterer Fährbetrieb ein, es fahren Wagen um 4.40, 5.35, 5.45, 6.40, sodann wieder um 8.00, der letzte Wagen geht ab Wieseck um 9.30. Als Abfahrtzeiten ab Bahnhof wurden festgelegt: 5.50, 6.15, 6.40, 7.05, 7.30, 7.55, 8.40, 9.30, 10.30, 12.00. 1.10 2.00, 4.00, 5.10, 5.20, 6.00, 6.10, 7.30, 8.30 und 10.15. Der Sonntagsfahrplan weist 11 Abfahrtzeiten auf, und zwar ab Wieseck 5.25, 6.15, 7.30, 9.00, 11.50, 12.35, 2.30 (die beiden letzteren Wagen fahren nach der Klinik), 4.40, 6.40, 8.30 und 9.40. Ab Bahnhof in Richtung Wieseck sind die Abfahrtseiten: 5.50, 6.40, 8.15, 10.00, 12.15, 1.30 3.30 (diese beiden Wagen ab Klinik), 5.30, 7.40, 9.15, 10.15. Bei der Ausstellung des Fahrplans ist den Theater- und Kinobesuchern dahingehend Rechnung getragen, daß sie nach Schluß der Vorstellungen nach Hause fahren können. Wenn sich aus der Praxis heraus Abänderungen notwendig machen, soll dies natürlich geschehen, damit der vorläufige. Fahrplan zu einem endgültigen wird. Die schon'in einer früheren Sitzung festgesetzten Fahrpreise erfuhren insofern eine Abänderung. als der Preis der Monatskarten von 15 auf 12 Mk. herabgesetzt wurde. Der Preis der Wochenkarte, deren Ausgabe sehr weitherzig erfolgen soll, beträgt bis Walltor 1.50 Mk., bis Bahnhof 1.80 Mk. Die Fahrscheinhefte erfuhren ebenfalls eine anderweitige Regelung in ihrer Preisgestaltuna. Danach soll das Heft mit zwölf Fahrscheinen bis zum Watttor 2 Mk., bis zum Bahnhof 3.50 Mk. betragen. Für eventuelle Gesellschaftsfahrten ist ein Kilometerpreis von 3 Mk. bei einer Besetzung bis zu 50 Personen vorgesehen. Hoffentlich erfüllen sich alle an das Unternehmen geknüpften Erwartungen, und es stellt sich bald heraus, daß die beiden vorhandenen Wagen nicht in der Lage sind, den an sie gestellten Anforderungen bezüglich des Der- kehrsandranges zu genügen.
s. Trohe, 27. Nov. Als dieser Tage ein hiesiger Einwohner in seinem Garten ein Baumloch machte, stieß er bei 40 Zentimeter Tiefe auf Mauerwerk. Lebhaft interessiert arbeitete er weiter in die Tiefe und Breite, und es war kein Ende des Mauerwerks abzusehen. Wahrscheinlich handelt es sich um T e i l e der alten Befe st i» gung unseres Dorfes. Der Besitzer des Gartens will nun das ganze Gemäuer freilegen, um vor allem eine große Steinplatte zu finden, die vor Jahren sein Vater bloßgelegt, aber in abergläubi- scher Furcht wieder zugeworsen hatte. Fünf Minuten von dem Dorf muß noch ein Vorwerk gewesen fein, denn dort liegt eine Wiese, die W e i ß- bürg genannt wird. Auch, hier werden noch die Mauern erhalten fein; denn das Regenwasser steht hier wochenlang und dringt nur langsam in den Boden ein. D^? eigentliche Burg lag mitten im Dorf. Dort erhebt sich noch heute ein gewaltiger Hügel, der Burgberg. Auch dort ist schon gegraben und einige Funde sind gemacht worden.
:=: Beuern, 28. Nov. In erschreckender Weise haben in unserem Dorfe die Masern um sich gegriffen. Sie treten recht bösartig auf und sind von einem trockenen Husten begleitet, der die Patienten Tage und Nächte quält, einige bis zum Hervortreten des Blutes
Abraham mit dem Brieflein die Pfeife an* gezündet, und nun schwor er Stein und Bein, nie den Laden verlassen, nie die Worte gebraucht zu haben, die ihm Peter in den Mund legte. Die ganze dumme Geschichte gehe ihn überhaupt nichts an.
So erschien Peter, der versicherte, getäuscht worden zu sein, nicht nur als Dieb, sondern auch als unverfrorener Lügner und Verleumder. Die Entrüstung der guten Nürnberger erreichte ihren Höhepunkt, als bei einer Haussuchung in der Wohnung Peters, die nur aus zwei Dachkammern bestand, in einer Mauerrihe unter dem Fensterbrett die berühmte, von Peter Flötner gravierte Münze vorgesunden wurde, die Meister Leopold vor einigen Tagen abhanden gekommen war, obwohl er sie wie seinen Augapfel hütete. Da hatte man also den Dieb, der ihm seit geraumer Zeit Geld und Juwelen stahll Lind wer war es? Sein goldtreuer Gehilfe!
Die Entdeckung der Münze war ein furchtbarer Schlag für Peter. Er konnte sich nicht erklären, wer sie unter dem Fensterbrett versteckt haben mochte. Abraham hatte nie seine Wohnung betreten. Der einzige Mensch, der hineinkam, war die brave Gevatterin Cornelia, bia als alte Freundin und dienstfertige Nachbarm die zwei Kämmerchen in Ordnung hielt, kochte und die Wäsche flickte. Auf sie konnte wahr^ hastig kein Verdacht fallen. Gevatterin Cornelia hatte Otto und Liesel tief in ihr Herz geschlossen und empfand daher das Unglücf, das Peter, und mit ihm die Kinder, heimsuchte, wie ihr eigenes. Auch Gevatter Franz, ihr Mann, war sehr bekümmert, und zur Ehre Peters darf gesagt werden, daß im ganzen Haus Bestürzung herrschte. Aber niemand wußte den Schlüssel zu diesem Rätsel zu finden. Abraham leugnete mit solcher ileberjeugung, Peter den schlimmen Streich gespielt zu haben, daß auch die besten Freunds des Puppenpeters zu zweifeln anfingen und sich fragten, ob er nicht vielleicht ein Opfer seiner Einbildung geworden fei, als er einen Brief von Meister Leopold in Händen zu haben glaubte. Vielleicht ist er ein Nachtwandler, mutmaßten einige, der die ihm zur Last gelegten Diebstähle, ohne es zu wissen, im Halbschlaf begangen hat.
(Fortsetzung folgt.)
KRAUSE-STEINHÄGER
höchste Auszeichnung anerk. erstklassige Qualität iii32l) einwandfrei doppelt abgebrannt in der Brennerei zu Großen-Linden


