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iette, die weltbekannte }e Fußstütze, ist d>e bch gegen Übermüdung und feien daraus aufmerksam le Pneumette an ieder
Probe abgegeben wird
aus Metropol ltersweg 19.jm
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m. 255 Drittes Blatt
ttirche und öffentliches Leben.
Von
Generalsuperintendent Professor D. Dr. Schian Breslau.
Zwei Anschauungen stehen sich, sofern es sich um die Stellung der evangelischen Kirche zum öffentlichen Leben handelt, schroff gegenüber. Die eine will, daß die Kirche nur Evangelium predige; die andere will, daß sie auch mit kräftigem Nachdruck in den Lauf des öffentlichen Lebens eingreife. Welche Anschauung hat recht?
Di« erste scheint die innerlichere zu sein. Tatsächlich wird sie vielfach von pietistischen Strömungen vertreten. Wichern fand sie in süddeutschen 'Pietistenkreisen. Heute nehmen die religiös-sozialen Kreise eine ähnliche Haltung ein. Die Kirche hat das Kreuz zu predigen; olles andere, was sie tut, ist vom Uebel: so etwa hat sich vor kurzem einer aus dieser Gruppe geäußert. Man kann non diesem Standpunkt aus gegen Veräußerlichung' des kirchlichen Betriebes, gegen Zersplitterung der pfarramtlichen Arbeit, gegen Einmischung in die „Dinge dieser Welt" ganz trefflich und beweglich polemisieren. In der Tat: Je mehr sich die Kirche in das öffentliche Leben hjneinwagt, um so mehr entsteht die Gefahr, daß ihr Augenmerk vom Zentrum der Frömmigkeit abgelenkt werde. Es wird auch nicht ganz zu leugnen sein, daß die Gefahr der Verstrickung in die Kämpfe der wirtschaftlichen Gruppen, der Stände und Berufe, ja, der Parteien damit verbunden ist. Und das sind wirkliche Gefahren.
Aber mir kommt es vor, als ob, wer diese Meinung verficht, sich ein wenig (alle Gleichnisse hinken) schuldig mache jener Torheit, die einen Goldschatz, um ihn ja nicht zu profanieren, sorglich verhüllt und versteckt. Ich gebe zu: Das Beispiel trifft an einem wichtigen Punkte nicht zu. Das Evangelium wird ja allemal in der einzelnen Seele, die es ergreift, etwas wirken; es wird sie mit Kräften der Ewigkeit erfüllen. Aber das Gleichnis trifft — aufs ganze gesehen — doch zu. Die Auswirkung des Evangeliums wird auf den engften Kreis persönlichen Lebens und religiöser Gemeinschaft beschrankt. Es wird der großen Wirksamkeit entzogen, die es haben kann, wenn es nicht nur vom einzelnen gelebt, sondern auch von großen Organisationen, zumal von der Kirche, als sittlicher Maßstab für das Leben des Volkes und seine Ordnungen geltend gemacht wird. Wer will die Verantwortung dafür übernehmen, wenn es versäumt wird? Soll die Sorge davor, daß jene oben geschilderten Gefahren eintreten können, wirklich maßgebend sein? Läßt sich wirklich Innerlichkeit mit einer Wirkung nach außen verbinden? Würden Gefahren Hemmnisse für notwendige Arbeit werden? Sind sie nicht dazu da, daß sie überwunden werden?
Wir spüren heut noch mehr als früher, wie eng der einzelne in das Wesen, Werden und Leben seines Volkes verflochten ist. Betonen wir noch so sehr die Selbständigkeit des einzelnen: er gehört doch zum großen Ganzen, ist von ihm abhängig. Wir haben das, wenn wir es nicht bereits wußten, im Kriege gelernt. Der Begriff „Volk" wurde uns in seiner ganzen Wucht deutlich. Und nun sollten wir uns begnüaen, lediglich auf den einzelnen zu wirken (dem übrigens mancher um des Christentums willen dann auch noch die Betätigung feiner christlichen Anschauungen in öffentlichen Angelegen- Heiken versagen will)? Sollten den andern Weg verschmähen, auf die öffentliche Meinung zu wirken und durch die öffentliche Meinung auf die einzelnen? Wir sollten erkennen, daß es nicht bloß einen Weg von einem zum andern gibt, sondern auch einen Weg vom ganzen zum einzelnen, vom Volk zum Menschen, von der Oeffentlichkeit in die Stille? Warum sollte dieser $ßeg der Kirche verschlossen fein? Warum soll sie nicht zu ganzen Ständen und Gruppen, zu Klassen unb Richtungen, zu Parteien und Regierungen reden dürfen? Würde sie damit ihrer eigentlichen Aufgabe untreu? Hört sie auf, Evangelium zu predigen? Nein, sie macht gerade das Evangelium für das Volksganze wirksam.
Durch das ganze Volk hindurch gehe», wenn auch nicht überall in gleicher Stärke, dieselben großen Strömungen auf den Gebieten des religiösen, sittlichen, geistigen Lebens. Ganze Schichten des Volkes werden zur selben Zeit von gesteigerter Vergnügungssucht erfaßt; in weiten Kreisen erschlaffen wie mit einemmal die von früher her überkommenen sittlichen Anschauungen. Soll da nicht öffent- lich geredet werden? Soll nicht die evangelische Kirche dabei ihre Stimme lautschallend erheben?
Das ganze Volk leidet unter der Schärfe der sozialen Spannungen. Angesichts der fraglos vorhandenen Not unter den Arbeitnehmern drängt sich die Notwendigkeit auf, zu ernster Prüfung oufzu- rufen, wie dieser Not abzuhelfen sei. Angesichts mangelnden Verständnisses weiter Schichten der Ar- beitnehmer für die bitteren Erfordernisse unserer wirtschaftliche» Lage meldet sich die Forderung, ihnen über diese Lage ein ausklärendes Wort zu sagen. Das ist Sache der Kirche, gerade- weil sie das Evangelium zu verkündigen hat.
Für das Volk als Ganzes ist es von höchster Bedeutung, ob feine Gesetze den religiösen und sittlichen Einfluß bei der Jugenderziehung zu feinem Recht kommen lassen. Soll die Kirche die Gesetzgebung in diesen und anderen für sie lebenswichtigen Fragen denen allein überlassen, die nicht vom Christentum bestimmt sind. Nichts wäre verkehrter nls das.
Nein! Die evangelischen Kirchen müssen in die Oeffentlichkeit hinein wirken. Sie müssen das Ge- famtleben des Volkes im Sinn evangelischer Frömmigkeit und Sittlichkeit beeinflussen. Sie müssen die Gesichtspunkte des sozialen Verständnisses, der Nächstenliebe, der sittlichen Reinheit zur Geltung bringen. Täten sie es nicht, so machten sie sich schwerer Unterlassung schuldig.
Ihre Zurückhaltung in Öen sozialen Frage» ist den evangelischen Kirchen zum schwere» Vorwurf gemacht worden. Zumal die Arbeiterschaft, die von den Kirchen forderte, daß sie Anwalt ihrer Bedrängnis würde», haben der Kirche, weil sie nicht nach dieser Forderung tat, vielfach abgesagt. Nun fernn selbstverständlich die evangelische Kirche nicht einem Stand zu Willen sein. Aber daß es Sache der evangelischen Kirche ist, für soziale Gerechtigkeit (die ja nicht einseitig fein darf) einzutreten, das darf nicht bestritten werden. Und es ist doch wohl richtig, daß dis evangelischen Kirchen nach dieser
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Mittwoch, 28. GNober (925
Jugend und Hochschule.
Der Vertretertag des deutschen Hochschulringes.
Hohensyburg, 25. Ott. In der Dienstagabendsitzung der Führerschaft des DHR. wurden lediglich formale Vorbereitungen getroffen. Der Lanze Mittwoch und Donnerstagvormittag standen außerdem im Zeichen vertraulicher Aussprachen der 6Ührerschaftsrnitglieder aus den verschiedene» Gauen sowie der Vorsitzenden der hochschulpoli- tischen Ausschüsse der einzelnen Verbände, die sämtlich schon eingetroffen waren. Den ganzen Donnerstag tagte alsdann der Führerausschuß, um zu den Punkten der Tagesordnung Stellung zu nehmen. Trotz mehrfacher Schwierigkeiten, die zuerst ewer glatten Abwicklung der Verhandlung im Wege standen, kam man bald zu einer roeitgehen- ben Einigung. Eingehende Beratung erforderte eigentlich nur die grundsätzliche Frage, ob ange- f*d)t5 des großen Arbeitsstoffes mancher Aemter und angesichts der Tatsache, daß eine möglichste Stetigkeit unb Führung gegenüber ben Ortsverbanden in den Arbeiten der einzelnen Gebiets vorhanden fein muß, eigene Geschäftsführer statt ehrenamtlicher studentischer Mitarbeiter zur Mitarbeit herangezogen werden sollen. Diese Frage wurde verneint, da die studentische Arbeit ihren Charakter als Arbeit junger Studenten nicht »ersteren soll. Dagegen war sich die Führerschaft einig, daß nur in der Hochschulpolitik bewährte und erfahrene Mitarbeiter mit der Führung der einzelnen Aemter betraut werden sollen. Am Spätnachmittag vertagte sich der Führerausschuß, um für die Sitzungen der Gaue ihre Mitglieder frei zu geben.
In ben am Donnerstagnachmittag abgehaltenen Gaufitzungen hatte die Sitzung des Verbändebei- rats des Deutschen Hochschulrings eine befonbere Bedeutung. Hier wurde die Stellung des Deutschen Hochschulringes vom Standpunkt der Verbände ein- Kehendst betrachtet. Anlaß dazu bot der neue Satzungsentwurf, der von dem Verfassungs- ausschuß dem Führerausschuß unterbreitet worden war unb nach dessen Genehmigung von ihm dem Verbänbebeirat zur Stellungnahme weitergeleitet würbe. Wie bei der Beratung Herr Dr. Gerlofs (WSC.) in einer großen Rebe barlegte, offenbarten sich zwei Einstellungen innerhalb ber Verbänbe. Die eine, deren Exponent insbesondere Herr Dr. Dam rau, der Vorsitzer des Hochschulpolitischen Ausschusses der Deutschen Burschenschaft war, zielt darauf hin, dem Deutschen Hochschulring möglichste Handlungsfreiheit zu sichern und den Einfluß der Verbände zug> 'ten möglichster Führung des Vorstandes unb bcv Führerausschusses zurückzudrängen. Der anberen Richtung gaben mehrere Rebner, ins» befonbere Dr. Gerlofs, Ausbruck, inbem er mehr Einfluß ber Verbänbe anerkannt wissen wollte.
Am Freitagmorgen wurde die
erste Vollversammlung
des Vertretertages durch den Tagesleiter, Dr. Somrau, eröffnet. Alsdann erteilte er dem der- zeitigen Vorsitzenden des Deutschen Hochschulrings, Dr. Kolbe, das Wort zu feinem Bericht über das vergangene Arntssahr.
Der Redner ging dabei von der letzten Ver- tretertagung in Spandau (Oktober 1924) aus. Bei dieser Tagung habe sich erwiesen, daß der Aktivis- mus des Deutschen Hochschulrings, wie er sich in den vorhergehenden Jahren stets gezeigt habe,
nicht mehr vorhanden war und einer Krisen- ft i m m u n g Platz gemacht habe. Der Gegensatz zwischen Sollen unb Sein sei beutlich zum Ausdruck gekommen, unb man habe sich ernstlich über die Daseinsberechtigung des Deutschen Hochschul- ringes Gedanken gemacht. Das Berichtsjahr 1925 habe nun die Aufgabe gehabt, eine Entscheidung über die Zukunft dieser Akademikerbewegung her- beizüführen. Heute könne er mit Genugtuung sest- stellen, daß sich die Zukunftsberechtigung des Deutschen Hochschulrings erwiesen habe. Die Ortsverbände seien zu neuer Tätigkeit erwacht und, was besonders wertvoll sei, auch die Verbände hätte» ihr erneutes Interesse der Hochschulring bewegung entgegengebracht. Besonders erfreulich sei es gewesen, daß der Deutsche Hochschulring anläßlich des Elberfelder Akademikertags mit Erfolg auftreten und eine starke Stellung einnehmen konnte. Die Vitzendurger Tagung des • HHRS. habe alsdann den Konflikt mit ber A 11 h e r r en f ch a f t aus dem Wege geräumt, so daß für Hohensyburg lediglich Zukunftsarbeiten zur Beratung ständen. Dr. Kolbe streifte nun die allgemeine Lage der völkischen und vaterländischen Bewegung und wies auf die Krise hin, in der sich alle Bewegungen befänden. Aber, führte er aus, diese Krise sei eine gesunde, und man könne mit Zuversicht an die weitere Arbeit' gehen.
Im Lause des Nachmittags waren die sachlichen Beratungen des Vertretertages abgeschlossen worden. Dr. Kolbe hielt hierbei ein ausführliches Referat über die studentische Auslandarbeit. Der Redner, der eingangs ausführlich auf die Entwicklungsgeschichte studentischer Auslandar- arbeit eingegangen roar^ forderte, daß insbesondere die national gesinnte Studentenschaft sich dieses Arbeitsgebietes annehme und draußen in der Welt zeige, wie die heutige Studentenschaft, die die Generation von morgen sei, denke. Der Leiter des Grenzlandamts, Friedrich Heiß, legte dem Ver- tretertag einen mit großem Beifall aufgenommenen Plan für die großdeutsche Arbeit des Deutschen Hochschulrings vor. Es wurde beschlossen, teils durch Schulungswochen, teils durch Arbeit in den einzelnen Verbindungen den großdeutschen Gedanken, besonders mit Betonung der Anschlußsrage, durch- zuardeiien und als Abschluß eine Wiener Kundgebung des Deutschen Hochschulrings zu veranstalten. Zum Schluß wurde einstimmig Dr. I o ch - mann (Breslau) zum Vorsitzenden für bas kommende Arbeitsjahr gewählt.
Am Samstag hielt in einer Nachmittagsoer» fammlung Professor Henning (Düsseldorf) einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Rhein und Ruhr in der Politik der Gegenwart, in dem er die 1000jährige Geschichte des großdeuffchen Rheins beleuchtete.
Am Sonntag fand mit einer großdeuffchen Kundgebung der diesjährige Vertretertag des Deutschen Hochschulrings auf ber Hohensyburg sein Enbe. Nachbem aus allen Gauen ber Grenzgebiete Rebner ihr Treuegelöbnis zum Reich abgelegt hatten, faßte ber ehemalige Vorsitzenbe, Dr. Kolbe, bie gesprochenen Worte zu einem Bekenntnis zu dem großbeutschen Reich ber Zukunft zusammen. An seiner Aufgabe wolle bie nationale junge Aka- bemikerschaft mit Ernst unb Pflichtbewußtsein Mitarbeiten.
Richtung hin ihre Stimme früher lauter hätten erheben sollen.
Ei» Einwand, ben man früher oft horte, war ber: bie Stimme ber evangelische» Kirche werde ja doch nicht gehört werden; die Zersplitetrung in viele einzelne Landeskirchen bewirke, daß jede Aeußerung verhallen müsse. Nun, die Dinge liegen jetzt anders. Seit 1923 sind die deutschen evangelischen Landeskirchen im Kirchenbunb zusammengeschlossen. So hat jetzt ihre gesammelte Stimme mehr Gewicht. Bereits hat auch der Kirchenbund in Sachen der soziale» Gerechtigkeit im Frühjahr 1924 eine große Kundgebung erlassen, die — wen» sie auch noch größere Beachtung wert gewesen wäre — doch keineswegs wirkungslos verpufft ist.
Nehmen wir diese Kundgebung als ein Zeichen eines neuen Anfangs! Die evangelischen Kirchen müssen hinein in bie volle Oeffentlichkeit! Sie müssen helfen, baß bas evangelische Christentum bas gesamte Leben des deutschen Volkes durchdringt.
Universitäten in Amerika
Von Elisabeth Koffka-Ahlgrimm.
Ich komnie von einer deutschen Universität: ein Gebäude, wo zu bestimmten Zeiten die Studenten aus» und eingehen. Alles Leben spielt sich innerhalb der vier Wände ab, draußen merkt man nicht viel.
Und setzt bin ich auf einer amerikanischen. Ich gehe über den Campus, jenen grünen Park mit den alten Bäumen, in dem verstreut bie Universi- tätsgebäube liegen. Fahr- unb Fußwege durchkreuzen ihn, auf denen Autos hin- und hersause», Menschen stehen und entlang schlendern. Meist in Gruppen, schwatzend und lachend. In einem Auto, das normalerweise Platz hat für zwei, sitzen sie zu fünf unb sechs, teils draußen auf ben Trittbretter» hängenb, in weißen Oxfordhemden unb bunten Wollsweatern. Stubenten. Fröhliche, junge, »nver- ftubierte Gesichter. Irgenbwie sehen sie sich alle ähnlich. — Drüben steht eine Gruppe in grau- unb rotgestreiften Jacken. Anbere tragen kleine graue Iockeymützen schief über bem rechten Ohr. — Auch Stubentinnen sieht man. In (eibenen Strümpfen unb auf Sockelschuhen, in kurzen Kleibern nach ber neuesten Mobe, mit gepuderten Gesichtern unb rot gemalten Lippen. — Ab unb zu werde ich angehalten und mir eine Zeitschrift oder ein Flugblatt aufgenötigt. Die „Graphic", auf bem Titelblatt ist eine große Aufnahme von bem Fußballtrainer der Universität, auf Öen Innenseiten Lanösckafts- ausnahmen der llmgegcnö, Stuöenten, öie sich auf irgenöeine Weise ausgezeichnet, «meistens im Sport, Professoren, die besonders populär oder von ciher Reise zurückgekehrt ober neu berufen worben. — lieber mir im Turm ber Bibliothek beginnen jetzt bie Glocken zu spielen, eineMelobie nach ber anbern,
darunter auch deutsche. Ich suche mir eine Bank, um mich etwas auszuruhen. Die Eindrücke sind so zahlreich und verwirrend. So sieht also eine amerikanische Universität aus. Mir ist, als wäre ich in Öen Parkanlagen eines Kurorts oöer in einem Lanb» erziehungsheim ganz großen Stils, so farbig ist bas Bilb unb locker!
Wie kommt bas?
Ich habe schon gesagt, ich bin auf einer Unioer- sität — Cornell Univerlity in Jthaca im Staate Neuyork. Die amerikanische Universität ist heroor- gegangen aus bem College, unb viele amerikanische Universitäten finb auch heute noch bloße Colleges. In ber Universität finb mehrere Colleges vereinigt, die ungefähr unseren Fakultäten entsprechen, aber nicht mit ihnen zusammenfallen. Dem alten College entspricht das College für „arte and Sciences“ (philosophische Fakultät), bazu kommen bann bie Fachcolleges (Mebizin, Landwirtschaft usw.) unb bie sog. „graduate-school“.
Die ..graduate-school“ ist bem Wese» nach unserer Universität sehr ähnlich; eine Fachschule für Gelehrte unb solche, bie sich auf einen akademischen Beruf Dorbereiten. Sie umfaßt die „graduate-stu- dents“, das sind solche Studenten, bie schon brei ober vier Jahre Stubium hinter sich haben, schon ben B. A. (baccalaureatus), ben niebrigften akade- mischeu Grab erworben unb sich in weiteren brei Jahren unb länger auf bas Doktorexamen vorbereite». Ganz anbers bas alte College, bas sich in ber Universität als College für „arts and Sciences“ erhalten hat. Es ist eine Erziehungs» unb allgemeine Bildungsanstalt für bie breiten Massen. Jeder, der es irgend möglich machen kann, einerlei, was er später werden will, geht drei oder vier Jahre aufs College, um sich eine allgemeine Bildung anzu- schaffen und abgesehen davon „have a good time“ (sich gut zu amüsieren). Am Schlüsse dieser drei oder vier Jahre graduiert er, b. h. er wirb B. A., unb gewöhnlich verläßt er bann bie Universität. 90 Prozent gehen, nur 10 Prozent bleiben unb rücken nun in bie „graduate-school“, werben also Stubenten in unserem Sinn. Das Wesen der Universität aber unb ihr Leden wird nicht von diesen 10 Prozent „graduales“, sondern von den 90 Prozent „under- graduates“ bestimmt, von denen rede ich hier deshalb auch vor allem. Es gibt in ben Vereinigten Staaten 780 Universitäten unb Colleges, 618 000 Slubierenbe (ein Drittel weibliche), 50 000 Lehrkräfte. Diese Zahlen wären selbst in Amerika nicht möglich, wenn die Universität ausschließlich ober auch nur in erster Linie Forschungsinstitut fein würde. Die meiste Forschungsarbeit wird auf den aus Privatmitteln geschaffenen Universitäten geleistet (wie z. B. Chikagv, Columbia, Harward), die deshalb auch die größte Anzahl von „graduate-stu- dents“ haben (allerdings überwiegen auch dort die ..undergraduates“). Das Ziel ber Staatsuniverfi-
taten (110 von ben 780), also bei weitem die kleine re Zahl) ist vor allem „educalion ’ (Erziehung) des Volks, darauf ist ber Betrieb eingestellt, obwohl natürlich auch auf ihnen rein wissenschaftlich gearbeitet wirb.
Es ist kein Zufall, daß sich gerade in Amerika die Universität zu einer Masfenbildungsanstalt entwickelt hat. Es gibt eine kleine Anekdote aus den » ersten Jahren der Cornell-Universität. Eines Tages kommt ein junger Mann in bas Zimmer von Ezra Cornell, bem Gründer ber Universität. Ezra Cornell fragt ihn, was er ftubieren will. Die Antwort: „Ich möchte lesen lernen." — Das ist kraß unb ein komischer Ausnahmefall (ber Mann würbe felbftoer- ständlich wieder nach Haufe geschickt). Aber es zeigt die Situation. Die amerikanische Bevölkerung ist zusammengeworfen aus allen Erdteilen, ein großes Dölkergemisch, mit ganz verschiedenem kulturellem Hintergrund. Wenn es einen gemeinsamen habe» • will, muß es sich erst einen schasse». Und daß es sich einen schafft, ist notwendig, um das Gefühl der Einheit in diesem Gemisch zu kräftigen und zu ver tiefen. — Man könnte einroenben, bas ist doch Sache ber höheren Schulen, bie Leute mit einer Allgemein- bilbung zu versorge», bas geht doch bie Universität nichts an. Aber die höheren Schulen in Amerika finb nicht bas, was unsere finb, soviel steht wohl fest. Das Lehrmaterial ist schlechter, ferner gibt es kein Abiturientenexamen. Es hat also schon seine Grünbe, baß sich bie Universität ber Allgemeinbilbung an nimmt. Der beutsche Akabemiker -sieht leicht etwas hochmütig auf ihren „schulmäßigen Betrieb" herab — wgs er gewöhnlich nicht siebt, baß bie Bedingun gen für bie Hochschulen in Amerika sehr anbers finb unb waren als bei uns, sie sich folglich auch anbers entwickeln mußten.
Ein paar Einzelheiten ber Organisation: Der Lehrplan entspricht ungefähr bem unserer höheren Lehranstalten, er ist eingeteilt in mehrere Gruppe», unb jede Gruppe muß der Student mit einer bestimmten Anzahl don Stunden belegen, den andere» bars er sich selbst wählen. Währenb unb am Schluß jedes Semesters werben Arbeiten angefertigt, für die es Zeugnisse gibt. Eine Reihe schlechter Zeugnisse unb ber weitere Besuch ber Universität kann verboten werben. Zum Beispiel mußten am Schluß bes Wintersemesters 200 Stubenten Cornell verlassen, weil sie nicht genügenb „Kredit" hatten. (Verbummelte Stubenten trifft man daher auf amerikanischen Universitäten kaum.)
Dieses.Arbeiten nach Vorsd)rift und unter Aufsicht gibt ber amerikanischen Universität das „Schulmäßige". Die verschiedenen Jahrgänge unter ben Stubenten bilben verschiebenc ftjafien, bie sich durch Namen und zum Teil auch durch äußere Merkmale voneinander unterscheiden. In Cornell tragen die „freshmen“ (Studenten in den ersten zwei Semestern) kleine graue Mützen, die bann am Schluß des 7 Jahres auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt werden. Die einzelnen Klaffen haben auch ihre besonderen Veranstaltungen. In Cornell ist besonders bekannt das „senior-singing“. Jeden Donnerstag und Samstag in den letzte» Wochen des akade mischen Jahres versammeln sich die „seniors“ (bie ältesten unter den „undergraduates“) in ihre» farbigen Jacken vor einem Gebäude auf dem Campus und fingen Studentenlieber vor einer Schar von Zuhörern.
Aus solchen paar Beispielen sieht man schon, baß das Leben auf dieser „Schule" alles eher als eng unb gebrückt ist. Ja, in mancher Beziehung ist es sicher weiter unb bunter als auf unseren Unioerfi • täten, obwohl bort jeber so ziemlich mache» und lassen kann, was er will. Gründe gibt es dafür eine ganze Reihe ;einer ber wichtigsten scheint mir, baß der Begriff ber Allgemeinbildung so sehr weit gefaßt wird. Aufgabe der Universität ist, den Gesamt- menschen zu erziehen mit all seinen Kräften: geistigen, moralischen, religiösen, soziale» usw. Gerade aus Öie sozialen roirö besonderes Gewicht gelegt. Die Veranstaltungen der einzelnen Klassen z. B., von denen ich oben gesprochen, sind nicht nur Vergnügungen, sondern zugleich Mittel, Gruppentätigkeit Zu entwickeln. Eine ganze Reihe anderer Einrichtungen haben denselben Zweck. Um nur ein paar zu nennen: das Studententheater in Cornell, das regelmäßig an bestimmten Tagen spielt — eine ausschließlich von Studenten geleitete Zeitung, bie «Daily Sun", welche täglich erscheint (abgesehen von den Examenswochen) oder der Papier- und Bücherlaben oben auf bem Campus, auf kooperativer Grunblage aufgebaut unb hauptsächlich von Stubenten betrieben. In gewisser Weise gehört auch ber Sport hierher, trotzbem ber sicher darüber hin aus noch starken Eigenwert besitzt. Was ber sport für Amerika bebrütet, würbe mir zuln erstenmal ganz klar bei ben großen Fußdallwettspielen im Herbst in Cornell. Das Stabion, bas 30 000 Personen faßt, war bis zum letzten Platz gefüllt, babei hat bie Universität nicht mehr als 5000 Stubenten! Don weit her kamen bie Leute, Extrazüge waren eingelegt, unb bie „Neuyork Times" brachte am nächsten Tag auf ber ersten Seite einen langen Bericht über den Verlauf bes Spiels.
Ich habe zu fchilbern versucht, wie bie amerikanische Universität heute für einen unbefangenen Menschen aussieht. Wie sie sich weiter entwickeln wirb, läßt sich noch nicht voraussagen. Es gibt Strömungen, sie mehr unb mehr ausschließlich zu einem wissenschaftlichen Forschungsinstitut zu machen unb bie Erziehungsarbeit auf bie Colleges zu oeschränken. Wann unb ob überhaupt solch eine Trennung je möglich, weiß hettte wohl noch keiner. Wenn bie amerikanischen Universitäten Bolksbil- bungsanftalten bleiben, so besteht natürlich immer bie Gefahr, daß der große Zustrom ihre Qualitätsarbeit beeinträchtigen und die öffentliche Meinung in ihren verschiedenen Organen von außen Einfluß auf sie zu gewinnen sucht. Der Fall Scopes und der Kampf gegen die Entwicklungslehre ist dafür ein schlagender Beweis. Um aber diese „politischen" Schwierigkeiten der Universität wirklich verständlich zu machen, muß man die gesellschaftliche Schichtung Amerikas beschreiben, unb das würde hier zu weit führen.
Der Akademische Fliegerring.
Am 23. November 1919 wurde in Breslau von heimgekehrten Fronffliegern die Akademische Fliegerschaft „Dädalia" an der Universität gegründet. Bold wurde sie auch an der Technische» Hochschule angemeldet und der Rektor und andere Professoren traten der Altherrenschaft bei. Nach Jahres-


