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>h verpachtet, Ihnen dah ich mit Ihrer -Mage*) sehr zu- t. Seit Jahren litt sehr schmechchen gerkrankung.die Berus mich zu einer Lebensweise zwingt, hlimmerte. Mit sehr efühlen lieh ich mir neumette verord- ?r (Erfolg? (Oleine nti) verschwunden, btt tzrvtzere W mehmen, habe wieder gelernt. Dafür danke ;erzlichst und werbe lassen, bei Gelegenheit zette zu emsehlen.

H.D., W-

iette, die weltbekannte }e Fußstütze, ist d>e bch gegen Übermüdung und feien daraus aufmerksam le Pneumette an ieder

Probe abgegeben wird

aus Metropol ltersweg 19.jm

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jjgnzplatz 9

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m. 255 Drittes Blatt

ttirche und öffentliches Leben.

Von

Generalsuperintendent Professor D. Dr. Schian Breslau.

Zwei Anschauungen stehen sich, sofern es sich um die Stellung der evangelischen Kirche zum öffentlichen Leben handelt, schroff gegenüber. Die eine will, daß die Kirche nur Evangelium predige; die andere will, daß sie auch mit kräftigem Nach­druck in den Lauf des öffentlichen Lebens eingreife. Welche Anschauung hat recht?

Di« erste scheint die innerlichere zu sein. Tat­sächlich wird sie vielfach von pietistischen Strö­mungen vertreten. Wichern fand sie in süddeutschen 'Pietistenkreisen. Heute nehmen die religiös-sozialen Kreise eine ähnliche Haltung ein. Die Kirche hat das Kreuz zu predigen; olles andere, was sie tut, ist vom Uebel: so etwa hat sich vor kurzem einer aus dieser Gruppe geäußert. Man kann non diesem Standpunkt aus gegen Veräußerlichung' des kirchlichen Betriebes, gegen Zersplitterung der pfarramtlichen Arbeit, gegen Einmischung in die Dinge dieser Welt" ganz trefflich und beweglich polemisieren. In der Tat: Je mehr sich die Kirche in das öffentliche Leben hjneinwagt, um so mehr entsteht die Gefahr, daß ihr Augenmerk vom Zen­trum der Frömmigkeit abgelenkt werde. Es wird auch nicht ganz zu leugnen sein, daß die Gefahr der Verstrickung in die Kämpfe der wirtschaftlichen Gruppen, der Stände und Berufe, ja, der Parteien damit verbunden ist. Und das sind wirkliche Ge­fahren.

Aber mir kommt es vor, als ob, wer diese Mei­nung verficht, sich ein wenig (alle Gleichnisse hin­ken) schuldig mache jener Torheit, die einen Gold­schatz, um ihn ja nicht zu profanieren, sorglich verhüllt und versteckt. Ich gebe zu: Das Beispiel trifft an einem wichtigen Punkte nicht zu. Das Evangelium wird ja allemal in der einzelnen Seele, die es ergreift, etwas wirken; es wird sie mit Kräften der Ewigkeit erfüllen. Aber das Gleichnis trifft aufs ganze gesehen doch zu. Die Auswir­kung des Evangeliums wird auf den engften Kreis persönlichen Lebens und religiöser Gemeinschaft be­schrankt. Es wird der großen Wirksamkeit entzogen, die es haben kann, wenn es nicht nur vom einzelnen gelebt, sondern auch von großen Organisationen, zumal von der Kirche, als sittlicher Maßstab für das Leben des Volkes und seine Ordnungen geltend gemacht wird. Wer will die Verantwortung dafür übernehmen, wenn es versäumt wird? Soll die Sorge davor, daß jene oben geschilderten Gefahren eintreten können, wirklich maßgebend sein? Läßt sich wirklich Innerlichkeit mit einer Wirkung nach außen verbinden? Würden Gefahren Hemmnisse für notwendige Arbeit werden? Sind sie nicht dazu da, daß sie überwunden werden?

Wir spüren heut noch mehr als früher, wie eng der einzelne in das Wesen, Werden und Leben seines Volkes verflochten ist. Betonen wir noch so sehr die Selbständigkeit des einzelnen: er gehört doch zum großen Ganzen, ist von ihm abhängig. Wir haben das, wenn wir es nicht bereits wußten, im Kriege gelernt. Der BegriffVolk" wurde uns in seiner ganzen Wucht deutlich. Und nun sollten wir uns begnüaen, lediglich auf den einzelnen zu wirken (dem übrigens mancher um des Christen­tums willen dann auch noch die Betätigung feiner christlichen Anschauungen in öffentlichen Angelegen- Heiken versagen will)? Sollten den andern Weg ver­schmähen, auf die öffentliche Meinung zu wirken und durch die öffentliche Meinung auf die ein­zelnen? Wir sollten erkennen, daß es nicht bloß einen Weg von einem zum andern gibt, sondern auch einen Weg vom ganzen zum einzelnen, vom Volk zum Menschen, von der Oeffentlichkeit in die Stille? Warum sollte dieser $ßeg der Kirche ver­schlossen fein? Warum soll sie nicht zu ganzen Stän­den und Gruppen, zu Klassen unb Richtungen, zu Parteien und Regierungen reden dürfen? Würde sie damit ihrer eigentlichen Aufgabe untreu? Hört sie auf, Evangelium zu predigen? Nein, sie macht ge­rade das Evangelium für das Volksganze wirksam.

Durch das ganze Volk hindurch gehe», wenn auch nicht überall in gleicher Stärke, dieselben gro­ßen Strömungen auf den Gebieten des religiösen, sittlichen, geistigen Lebens. Ganze Schichten des Volkes werden zur selben Zeit von gesteigerter Ver­gnügungssucht erfaßt; in weiten Kreisen erschlaffen wie mit einemmal die von früher her überkom­menen sittlichen Anschauungen. Soll da nicht öffent- lich geredet werden? Soll nicht die evangelische Kirche dabei ihre Stimme lautschallend erheben?

Das ganze Volk leidet unter der Schärfe der sozialen Spannungen. Angesichts der fraglos vor­handenen Not unter den Arbeitnehmern drängt sich die Notwendigkeit auf, zu ernster Prüfung oufzu- rufen, wie dieser Not abzuhelfen sei. Angesichts mangelnden Verständnisses weiter Schichten der Ar- beitnehmer für die bitteren Erfordernisse unserer wirtschaftliche» Lage meldet sich die Forderung, ihnen über diese Lage ein ausklärendes Wort zu sagen. Das ist Sache der Kirche, gerade- weil sie das Evangelium zu verkündigen hat.

Für das Volk als Ganzes ist es von höchster Be­deutung, ob feine Gesetze den religiösen und sitt­lichen Einfluß bei der Jugenderziehung zu feinem Recht kommen lassen. Soll die Kirche die Gesetz­gebung in diesen und anderen für sie lebenswich­tigen Fragen denen allein überlassen, die nicht vom Christentum bestimmt sind. Nichts wäre verkehrter nls das.

Nein! Die evangelischen Kirchen müssen in die Oeffentlichkeit hinein wirken. Sie müssen das Ge- famtleben des Volkes im Sinn evangelischer Fröm­migkeit und Sittlichkeit beeinflussen. Sie müssen die Gesichtspunkte des sozialen Verständnisses, der Nächstenliebe, der sittlichen Reinheit zur Geltung bringen. Täten sie es nicht, so machten sie sich schwerer Unterlassung schuldig.

Ihre Zurückhaltung in Öen sozialen Frage» ist den evangelischen Kirchen zum schwere» Vorwurf gemacht worden. Zumal die Arbeiterschaft, die von den Kirchen forderte, daß sie Anwalt ihrer Be­drängnis würde», haben der Kirche, weil sie nicht nach dieser Forderung tat, vielfach abgesagt. Nun fernn selbstverständlich die evangelische Kirche nicht einem Stand zu Willen sein. Aber daß es Sache der evangelischen Kirche ist, für soziale Gerechtigkeit (die ja nicht einseitig fein darf) einzutreten, das darf nicht bestritten werden. Und es ist doch wohl richtig, daß dis evangelischen Kirchen nach dieser

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

Mittwoch, 28. GNober (925

Jugend und Hochschule.

Der Vertretertag des deutschen Hochschulringes.

Hohensyburg, 25. Ott. In der Dienstag­abendsitzung der Führerschaft des DHR. wurden lediglich formale Vorbereitungen getroffen. Der Lanze Mittwoch und Donnerstagvormittag standen außerdem im Zeichen vertraulicher Aussprachen der 6Ührerschaftsrnitglieder aus den verschiedene» Gauen sowie der Vorsitzenden der hochschulpoli- tischen Ausschüsse der einzelnen Verbände, die sämt­lich schon eingetroffen waren. Den ganzen Don­nerstag tagte alsdann der Führerausschuß, um zu den Punkten der Tagesordnung Stellung zu neh­men. Trotz mehrfacher Schwierigkeiten, die zuerst ewer glatten Abwicklung der Verhandlung im Wege standen, kam man bald zu einer roeitgehen- ben Einigung. Eingehende Beratung erforderte eigentlich nur die grundsätzliche Frage, ob ange- f*d)t5 des großen Arbeitsstoffes mancher Aemter und angesichts der Tatsache, daß eine möglichste Stetigkeit unb Führung gegenüber ben Ortsver­banden in den Arbeiten der einzelnen Gebiets vor­handen fein muß, eigene Geschäftsführer statt ehrenamtlicher studentischer Mitarbeiter zur Mitarbeit herangezogen werden sollen. Diese Frage wurde verneint, da die studentische Arbeit ihren Charakter als Arbeit junger Studenten nicht »er­steren soll. Dagegen war sich die Führerschaft einig, daß nur in der Hochschulpolitik bewährte und er­fahrene Mitarbeiter mit der Führung der einzelnen Aemter betraut werden sollen. Am Spätnachmittag vertagte sich der Führerausschuß, um für die Sit­zungen der Gaue ihre Mitglieder frei zu geben.

In ben am Donnerstagnachmittag abgehaltenen Gaufitzungen hatte die Sitzung des Verbändebei- rats des Deutschen Hochschulrings eine befonbere Bedeutung. Hier wurde die Stellung des Deutschen Hochschulringes vom Standpunkt der Verbände ein- Kehendst betrachtet. Anlaß dazu bot der neue Satzungsentwurf, der von dem Verfassungs- ausschuß dem Führerausschuß unterbreitet worden war unb nach dessen Genehmigung von ihm dem Verbänbebeirat zur Stellungnahme weitergeleitet würbe. Wie bei der Beratung Herr Dr. Gerlofs (WSC.) in einer großen Rebe barlegte, offenbarten sich zwei Einstellungen innerhalb ber Verbänbe. Die eine, deren Exponent insbesondere Herr Dr. Dam rau, der Vorsitzer des Hochschulpolitischen Ausschusses der Deutschen Burschenschaft war, zielt darauf hin, dem Deutschen Hochschulring möglichste Handlungsfreiheit zu sichern und den Einfluß der Verbände zug> 'ten möglichster Führung des Vor­standes unb bcv Führerausschusses zurückzudrängen. Der anberen Richtung gaben mehrere Rebner, ins» befonbere Dr. Gerlofs, Ausbruck, inbem er mehr Einfluß ber Verbänbe anerkannt wissen wollte.

Am Freitagmorgen wurde die

erste Vollversammlung

des Vertretertages durch den Tagesleiter, Dr. Somrau, eröffnet. Alsdann erteilte er dem der- zeitigen Vorsitzenden des Deutschen Hochschulrings, Dr. Kolbe, das Wort zu feinem Bericht über das vergangene Arntssahr.

Der Redner ging dabei von der letzten Ver- tretertagung in Spandau (Oktober 1924) aus. Bei dieser Tagung habe sich erwiesen, daß der Aktivis- mus des Deutschen Hochschulrings, wie er sich in den vorhergehenden Jahren stets gezeigt habe,

nicht mehr vorhanden war und einer Krisen- ft i m m u n g Platz gemacht habe. Der Gegensatz zwischen Sollen unb Sein sei beutlich zum Aus­druck gekommen, unb man habe sich ernstlich über die Daseinsberechtigung des Deutschen Hochschul- ringes Gedanken gemacht. Das Berichtsjahr 1925 habe nun die Aufgabe gehabt, eine Entscheidung über die Zukunft dieser Akademikerbewegung her- beizüführen. Heute könne er mit Genugtuung sest- stellen, daß sich die Zukunftsberechtigung des Deutschen Hochschulrings erwiesen habe. Die Orts­verbände seien zu neuer Tätigkeit erwacht und, was besonders wertvoll sei, auch die Verbände hätte» ihr erneutes Interesse der Hochschulring bewegung entgegengebracht. Besonders erfreulich sei es gewesen, daß der Deutsche Hochschulring an­läßlich des Elberfelder Akademikertags mit Erfolg auftreten und eine starke Stellung ein­nehmen konnte. Die Vitzendurger Tagung des HHRS. habe alsdann den Konflikt mit ber A 11 h e r r en f ch a f t aus dem Wege geräumt, so daß für Hohensyburg lediglich Zukunftsarbeiten zur Beratung ständen. Dr. Kolbe streifte nun die allgemeine Lage der völkischen und vaterländischen Bewegung und wies auf die Krise hin, in der sich alle Bewegungen befänden. Aber, führte er aus, diese Krise sei eine gesunde, und man könne mit Zuversicht an die weitere Arbeit' gehen.

Im Lause des Nachmittags waren die sachlichen Beratungen des Vertretertages abgeschlossen wor­den. Dr. Kolbe hielt hierbei ein ausführliches Referat über die studentische Auslandarbeit. Der Redner, der eingangs ausführlich auf die Entwick­lungsgeschichte studentischer Auslandar- arbeit eingegangen roar^ forderte, daß insbeson­dere die national gesinnte Studentenschaft sich dieses Arbeitsgebietes annehme und draußen in der Welt zeige, wie die heutige Studentenschaft, die die Generation von morgen sei, denke. Der Leiter des Grenzlandamts, Friedrich Heiß, legte dem Ver- tretertag einen mit großem Beifall aufgenommenen Plan für die großdeutsche Arbeit des Deutschen Hochschulrings vor. Es wurde beschlossen, teils durch Schulungswochen, teils durch Arbeit in den einzel­nen Verbindungen den großdeutschen Gedanken, besonders mit Betonung der Anschlußsrage, durch- zuardeiien und als Abschluß eine Wiener Kund­gebung des Deutschen Hochschulrings zu veranstal­ten. Zum Schluß wurde einstimmig Dr. I o ch - mann (Breslau) zum Vorsitzenden für bas kom­mende Arbeitsjahr gewählt.

Am Samstag hielt in einer Nachmittagsoer» fammlung Professor Henning (Düsseldorf) einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Rhein und Ruhr in der Politik der Gegenwart, in dem er die 1000jährige Geschichte des großdeuffchen Rheins beleuchtete.

Am Sonntag fand mit einer großdeuffchen Kundgebung der diesjährige Vertretertag des Deut­schen Hochschulrings auf ber Hohensyburg sein Enbe. Nachbem aus allen Gauen ber Grenzgebiete Rebner ihr Treuegelöbnis zum Reich abgelegt hat­ten, faßte ber ehemalige Vorsitzenbe, Dr. Kolbe, bie gesprochenen Worte zu einem Bekenntnis zu dem großbeutschen Reich ber Zukunft zusammen. An seiner Aufgabe wolle bie nationale junge Aka- bemikerschaft mit Ernst unb Pflichtbewußtsein Mit­arbeiten.

Richtung hin ihre Stimme früher lauter hätten er­heben sollen.

Ei» Einwand, ben man früher oft horte, war ber: bie Stimme ber evangelische» Kirche werde ja doch nicht gehört werden; die Zersplitetrung in viele einzelne Landeskirchen bewirke, daß jede Aeußerung verhallen müsse. Nun, die Dinge liegen jetzt anders. Seit 1923 sind die deutschen evangelischen Landes­kirchen im Kirchenbunb zusammengeschlossen. So hat jetzt ihre gesammelte Stimme mehr Gewicht. Bereits hat auch der Kirchenbund in Sachen der soziale» Gerechtigkeit im Frühjahr 1924 eine große Kundgebung erlassen, die wen» sie auch noch größere Beachtung wert gewesen wäre doch keineswegs wirkungslos verpufft ist.

Nehmen wir diese Kundgebung als ein Zeichen eines neuen Anfangs! Die evangelischen Kirchen müssen hinein in bie volle Oeffentlichkeit! Sie müssen helfen, baß bas evangelische Christentum bas gesamte Leben des deutschen Volkes durchdringt.

Universitäten in Amerika

Von Elisabeth Koffka-Ahlgrimm.

Ich komnie von einer deutschen Universität: ein Gebäude, wo zu bestimmten Zeiten die Studenten aus» und eingehen. Alles Leben spielt sich innerhalb der vier Wände ab, draußen merkt man nicht viel.

Und setzt bin ich auf einer amerikanischen. Ich gehe über den Campus, jenen grünen Park mit den alten Bäumen, in dem verstreut bie Universi- tätsgebäube liegen. Fahr- unb Fußwege durch­kreuzen ihn, auf denen Autos hin- und hersause», Menschen stehen und entlang schlendern. Meist in Gruppen, schwatzend und lachend. In einem Auto, das normalerweise Platz hat für zwei, sitzen sie zu fünf unb sechs, teils draußen auf ben Trittbretter» hängenb, in weißen Oxfordhemden unb bunten Wollsweatern. Stubenten. Fröhliche, junge, »nver- ftubierte Gesichter. Irgenbwie sehen sie sich alle ähnlich. Drüben steht eine Gruppe in grau- unb rotgestreiften Jacken. Anbere tragen kleine graue Iockeymützen schief über bem rechten Ohr. Auch Stubentinnen sieht man. In (eibenen Strümpfen unb auf Sockelschuhen, in kurzen Kleibern nach ber neuesten Mobe, mit gepuderten Gesichtern unb rot gemalten Lippen. Ab unb zu werde ich ange­halten und mir eine Zeitschrift oder ein Flugblatt aufgenötigt. DieGraphic", auf bem Titelblatt ist eine große Aufnahme von bem Fußballtrainer der Universität, auf Öen Innenseiten Lanösckafts- ausnahmen der llmgegcnö, Stuöenten, öie sich auf irgenöeine Weise ausgezeichnet, «meistens im Sport, Professoren, die besonders populär oder von ciher Reise zurückgekehrt ober neu berufen worben. lieber mir im Turm ber Bibliothek beginnen jetzt bie Glocken zu spielen, eineMelobie nach ber anbern,

darunter auch deutsche. Ich suche mir eine Bank, um mich etwas auszuruhen. Die Eindrücke sind so zahlreich und verwirrend. So sieht also eine ameri­kanische Universität aus. Mir ist, als wäre ich in Öen Parkanlagen eines Kurorts oöer in einem Lanb» erziehungsheim ganz großen Stils, so farbig ist bas Bilb unb locker!

Wie kommt bas?

Ich habe schon gesagt, ich bin auf einer Unioer- sität Cornell Univerlity in Jthaca im Staate Neuyork. Die amerikanische Universität ist heroor- gegangen aus bem College, unb viele amerikanische Universitäten finb auch heute noch bloße Colleges. In ber Universität finb mehrere Colleges vereinigt, die ungefähr unseren Fakultäten entsprechen, aber nicht mit ihnen zusammenfallen. Dem alten College entspricht das College fürarte and Sciences (philosophische Fakultät), bazu kommen bann bie Fachcolleges (Mebizin, Landwirtschaft usw.) unb bie sog.graduate-school.

Die ..graduate-school ist bem Wese» nach unserer Universität sehr ähnlich; eine Fachschule für Gelehrte unb solche, bie sich auf einen akademischen Beruf Dorbereiten. Sie umfaßt diegraduate-stu- dents, das sind solche Studenten, bie schon brei ober vier Jahre Stubium hinter sich haben, schon ben B. A. (baccalaureatus), ben niebrigften akade- mischeu Grab erworben unb sich in weiteren brei Jahren unb länger auf bas Doktorexamen vorberei­te». Ganz anbers bas alte College, bas sich in ber Universität als College fürarts and Sciences er­halten hat. Es ist eine Erziehungs» unb allgemeine Bildungsanstalt für bie breiten Massen. Jeder, der es irgend möglich machen kann, einerlei, was er später werden will, geht drei oder vier Jahre aufs College, um sich eine allgemeine Bildung anzu- schaffen und abgesehen davonhave a good time (sich gut zu amüsieren). Am Schlüsse dieser drei oder vier Jahre graduiert er, b. h. er wirb B. A., unb gewöhnlich verläßt er bann bie Universität. 90 Pro­zent gehen, nur 10 Prozent bleiben unb rücken nun in biegraduate-school, werben also Stubenten in unserem Sinn. Das Wesen der Universität aber unb ihr Leden wird nicht von diesen 10 Prozent graduales, sondern von den 90 Prozentunder- graduates bestimmt, von denen rede ich hier des­halb auch vor allem. Es gibt in ben Vereinigten Staaten 780 Universitäten unb Colleges, 618 000 Slubierenbe (ein Drittel weibliche), 50 000 Lehr­kräfte. Diese Zahlen wären selbst in Amerika nicht möglich, wenn die Universität ausschließlich ober auch nur in erster Linie Forschungsinstitut fein würde. Die meiste Forschungsarbeit wird auf den aus Privatmitteln geschaffenen Universitäten geleistet (wie z. B. Chikagv, Columbia, Harward), die des­halb auch die größte Anzahl vongraduate-stu- dents haben (allerdings überwiegen auch dort die ..undergraduates). Das Ziel ber Staatsuniverfi-

taten (110 von ben 780), also bei weitem die kleine re Zahl) ist vor allemeducalion (Erziehung) des Volks, darauf ist ber Betrieb eingestellt, obwohl natürlich auch auf ihnen rein wissenschaftlich gear­beitet wirb.

Es ist kein Zufall, daß sich gerade in Amerika die Universität zu einer Masfenbildungsanstalt ent­wickelt hat. Es gibt eine kleine Anekdote aus den » ersten Jahren der Cornell-Universität. Eines Tages kommt ein junger Mann in bas Zimmer von Ezra Cornell, bem Gründer ber Universität. Ezra Cornell fragt ihn, was er ftubieren will. Die Antwort:Ich möchte lesen lernen." Das ist kraß unb ein komi­scher Ausnahmefall (ber Mann würbe felbftoer- ständlich wieder nach Haufe geschickt). Aber es zeigt die Situation. Die amerikanische Bevölkerung ist zusammengeworfen aus allen Erdteilen, ein großes Dölkergemisch, mit ganz verschiedenem kulturellem Hintergrund. Wenn es einen gemeinsamen habe» will, muß es sich erst einen schasse». Und daß es sich einen schafft, ist notwendig, um das Gefühl der Einheit in diesem Gemisch zu kräftigen und zu ver tiefen. Man könnte einroenben, bas ist doch Sache ber höheren Schulen, bie Leute mit einer Allgemein- bilbung zu versorge», bas geht doch bie Universität nichts an. Aber die höheren Schulen in Amerika finb nicht bas, was unsere finb, soviel steht wohl fest. Das Lehrmaterial ist schlechter, ferner gibt es kein Abiturientenexamen. Es hat also schon seine Grünbe, baß sich bie Universität ber Allgemeinbilbung an nimmt. Der beutsche Akabemiker -sieht leicht etwas hochmütig auf ihrenschulmäßigen Betrieb" herab wgs er gewöhnlich nicht siebt, baß bie Bedingun gen für bie Hochschulen in Amerika sehr anbers finb unb waren als bei uns, sie sich folglich auch anbers entwickeln mußten.

Ein paar Einzelheiten ber Organisation: Der Lehrplan entspricht ungefähr bem unserer höheren Lehranstalten, er ist eingeteilt in mehrere Gruppe», unb jede Gruppe muß der Student mit einer be­stimmten Anzahl don Stunden belegen, den andere» bars er sich selbst wählen. Währenb unb am Schluß jedes Semesters werben Arbeiten angefertigt, für die es Zeugnisse gibt. Eine Reihe schlechter Zeugnisse unb ber weitere Besuch ber Universität kann ver­boten werben. Zum Beispiel mußten am Schluß bes Wintersemesters 200 Stubenten Cornell verlassen, weil sie nicht genügenbKredit" hatten. (Verbum­melte Stubenten trifft man daher auf amerika­nischen Universitäten kaum.)

Dieses.Arbeiten nach Vorsd)rift und unter Auf­sicht gibt ber amerikanischen Universität dasSchul­mäßige". Die verschiedenen Jahrgänge unter ben Stubenten bilben verschiebenc ftjafien, bie sich durch Namen und zum Teil auch durch äußere Merkmale voneinander unterscheiden. In Cornell tragen die freshmen (Studenten in den ersten zwei Seme­stern) kleine graue Mützen, die bann am Schluß des 7 Jahres auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt werden. Die einzelnen Klaffen haben auch ihre be­sonderen Veranstaltungen. In Cornell ist besonders bekannt dassenior-singing. Jeden Donnerstag und Samstag in den letzte» Wochen des akade mischen Jahres versammeln sich dieseniors (bie ältesten unter denundergraduates) in ihre» farbigen Jacken vor einem Gebäude auf dem Cam­pus und fingen Studentenlieber vor einer Schar von Zuhörern.

Aus solchen paar Beispielen sieht man schon, baß das Leben auf dieserSchule" alles eher als eng unb gebrückt ist. Ja, in mancher Beziehung ist es sicher weiter unb bunter als auf unseren Unioerfi täten, obwohl bort jeber so ziemlich mache» und lassen kann, was er will. Gründe gibt es dafür eine ganze Reihe ;einer ber wichtigsten scheint mir, baß der Begriff ber Allgemeinbildung so sehr weit ge­faßt wird. Aufgabe der Universität ist, den Gesamt- menschen zu erziehen mit all seinen Kräften: gei­stigen, moralischen, religiösen, soziale» usw. Gerade aus Öie sozialen roirö besonderes Gewicht gelegt. Die Veranstaltungen der einzelnen Klassen z. B., von denen ich oben gesprochen, sind nicht nur Vergnü­gungen, sondern zugleich Mittel, Gruppentätigkeit Zu entwickeln. Eine ganze Reihe anderer Einrich­tungen haben denselben Zweck. Um nur ein paar zu nennen: das Studententheater in Cornell, das regel­mäßig an bestimmten Tagen spielt eine aus­schließlich von Studenten geleitete Zeitung, bie «Daily Sun", welche täglich erscheint (abgesehen von den Examenswochen) oder der Papier- und Bücherlaben oben auf bem Campus, auf koopera­tiver Grunblage aufgebaut unb hauptsächlich von Stubenten betrieben. In gewisser Weise gehört auch ber Sport hierher, trotzbem ber sicher darüber hin aus noch starken Eigenwert besitzt. Was ber sport für Amerika bebrütet, würbe mir zuln erstenmal ganz klar bei ben großen Fußdallwettspielen im Herbst in Cornell. Das Stabion, bas 30 000 Per­sonen faßt, war bis zum letzten Platz gefüllt, babei hat bie Universität nicht mehr als 5000 Stubenten! Don weit her kamen bie Leute, Extrazüge waren eingelegt, unb bieNeuyork Times" brachte am nächsten Tag auf ber ersten Seite einen langen Be­richt über den Verlauf bes Spiels.

Ich habe zu fchilbern versucht, wie bie amerika­nische Universität heute für einen unbefangenen Menschen aussieht. Wie sie sich weiter entwickeln wirb, läßt sich noch nicht voraussagen. Es gibt Strömungen, sie mehr unb mehr ausschließlich zu einem wissenschaftlichen Forschungsinstitut zu machen unb bie Erziehungsarbeit auf bie Colleges zu oeschränken. Wann unb ob überhaupt solch eine Trennung je möglich, weiß hettte wohl noch keiner. Wenn bie amerikanischen Universitäten Bolksbil- bungsanftalten bleiben, so besteht natürlich immer bie Gefahr, daß der große Zustrom ihre Qualitäts­arbeit beeinträchtigen und die öffentliche Meinung in ihren verschiedenen Organen von außen Einfluß auf sie zu gewinnen sucht. Der Fall Scopes und der Kampf gegen die Entwicklungslehre ist dafür ein schlagender Beweis. Um aber diesepolitischen" Schwierigkeiten der Universität wirklich verständlich zu machen, muß man die gesellschaftliche Schichtung Amerikas beschreiben, unb das würde hier zu weit führen.

Der Akademische Fliegerring.

Am 23. November 1919 wurde in Breslau von heimgekehrten Fronffliegern die Akademische FliegerschaftDädalia" an der Universität gegrün­det. Bold wurde sie auch an der Technische» Hoch­schule angemeldet und der Rektor und andere Pro­fessoren traten der Altherrenschaft bei. Nach Jahres-