Die Berliner Presse zur inner- politischen Lage.
Berlin, 28. Oft. (Priv.-Tel.) Die „Dcut- sche Tageszeitung" weist in einem Kommentar zu der Entschließung der volksparteilichen Reichstagsfraktion den darin zum Schluß ausgesprochenen Vorwurf, die Deutschnationalen träfe die Verantwortung für die innen- und außenpolitischen Folgen ihres Derhalteirs. zurück unb sagt' Will man von einer Verantwortung überhaupt sprechen, so kann es höchstens die sein, ob wir zum zweiten Male Bindungen schaffen, die denen von Versailles ähneln. Diese Verantwortung tragen aber Höch- stens diejenigen, die sich und dem Volke einen Friedensgeist vortäuschen, der tatsächlich auf der Gegenseite nicht vorhanden ist.
Der „Berliner L o k a l n n z e i g c r" schreibt, daß bei den Fraktionsberatungen der Deutschen Volkspartei die Frage einer Neukonstruktion der Negierung z u r ü ck g e st e l l t worden sei, bis zu einem Zeitpunkt, an dem man auf Grund der außenpolitischen Resultate zu einer endgültigen Entscheidung über das Werk von Locarno gelangen könne. Bis auf weiteres sehe man keine andere Möglichkeit als die einer Minderheitsregie'- r u n g , denn die "Anregungen der demokratischen Presse auf Wiederherstellung der Großen Koalition sielen in der Deutschen Volkspartei keineswegs auf einen günstigen Boden.
Das „Berliner Tageblatt" sagt: Die Oppositionsparteien, Demokraten und Sozialdemokraten, müssen volle Klarheit verlangen, bevor der Reichstag Zusammentritt, und bevor die Frage des Paktvertrags zur Abstimmung gestellt ist. Zwar sind auch diese beiden Parteien für die Annahme des Vertrags, aber es handelt sich nicht nur um die Annahme eines Vertrags, sondern auch um die Bildung einer f e st e n R e -- gierungskoalition, welche die in Locarno cingeleitete Verständigungspolitik durchführen und fortsetzen kann.
Die „Voss. Ztg." erklärt, das volkspartei- liche Comunique ende mit einem großen Fragezeichen und lasse alle Möglichkeiten offen. Diese gewollte Zurückhaltung der Deutschen Volkspartei sei nur geeignet, das bei den Linksparteien bestehende Mißtrauen zu steigern, das Mißtrauen, daß der Linken lediglich die Rolle des Lückenbüßers zugedacht sei, daß sie mit ihren Stimmen die ausfallenden deutschnationalen Stimmen ersetzen solle, daß aber, wenn der Mohr seine Schuldigkeit getan, die alte Liaison mit den Deutschnationalen wre- der aufgenomen werden solle.
Auch die „G e r m a n i a" überschreibt ihren Artikel nrit „Unklarheit" und erllärt, daß die herrschende Unklarheit weder innen- noch außenpolitisch zu ertragen sei. Deutschland brauche eine stabile Regierung mit starkem parlamentarischem Rückhalt, wie Dr. Luther sie selbst bei der Bildung feines Kabinetts für nötig gehalten habe.
Auslandsstimmen zur Berliner Kabinettsbrists.
Moskau, 27. Oft. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Sn den von der Sowserpresse gebrachten Kommentaren zum Rücktritt der deutschnationalen Minister sieht die »Iswestija" die Zwecke des Rücktritts in dem Bestreben, durch Schaffung von Schwierigkeiten für die Politik Stresemaims die Erfüllung der von der Entente in Locarno gegebenen Versprechungen zu erzwingen. Das Blatt sagt: Ein endgültiger Verzicht auf Ministersitze seitens der Deutschnationalen. die ihren Einfluß auf die innere und insbesondere auf die Wirtschaftspolitik allzusehr schätzen, ist ausgeschlossen. Rach Erreichung des von ihnen angestrebten auhenpoli» tisch en Zweckes einer evtl, allgemeinen Regierungskrise werden die Deutschnationalen triumphierend in die Regierung zurückkehren und ihren Einfluß dort verstärken. Das Blatt betrachtet den Rücktritt der deutschnationalen Minister als ein Ereignis, das keine irgendwie bedeutenden A-nderungen in der allgemeinen Linie der Haltung Deutschlands gegenüber den Ergebnissen von Locarno bewirken tbime.
Die englischen Blätter üben bei der Besprechung der deutschen Regierungsumblldung nach wie vor die größt« Zurückhaltung. Jede Konzession, so schreibt der Berliner ..T i m e s"-Korrespondent, die die "Alliierten in dem gegenwärtigen Stadium der Ungewißheit machen würden, würde in Berlin als Zeichen der Schwäche ausgelegt und als ein von den Deutschnationalen durchgesehtes Zugeständnis begrüßt werden. Solange bi« deutsche Regierung nicht eine Majorität hinter sich hab«, die fest entschlossen sei, die Abmachungen von Locar,w zu erfüllen, müßten alle versöhnlichen Maßnahmen zurückgestellt werden.
Sitzung der Bolschasterkonferenz
Paris, 27. Okt. (Wolff.) Die Botschafterkvnfe- renz hat heute von 11 bis 1 Uhr unter dem Vorsitz von 3u[es (Sam b n n über die deutsche Abrüstungsnote vom 23. Oktober beraten. Marschall Fach wohnte der Sitzung in seiner Eigenschaft als Präsident des Interalliierten Militärkomitees bei. lieber die Sitzung ist folgendes Kommunique ausgegeben worden: Die Konferenz hat über die Note der deutschen Regierung vom 23. Oktober verhandelt und das Internationale Militärkomitee aus Versail- les gebeten, ihm schleunigst über diverse Fragen, die die Noto aufwirft, Auskunft zukommen zu lassen. Die Botschasterkonferenz hat andererseits die Prüfung der Maßnahmen beschloßen, die, sobald der Zeiivunkt der Räumung der Kölner Zone durch die alliierten Regierungen festgesetzt werden könnte, durchzuführen sind, namentlich was die Frage der neuen Verteilung der Truppen in den Gebieten betrifft, die noch besetzt bleiben.
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neuen Sorvjetbotschafler in London und Paris.
Moskau, 28 Oft (TU.) Die Gerüchte wegen der Ernennung Krassins zum Bvt- schallcr in London und Rakowskis zum Botschafter in Paris werden hier bestätigt. Diese UmbesiMng muh als Sieg der rechtsstehenden Kreif e der- russiscym kommunistischen Partei und als eine Reuorientierung der Sowfctpolitik in Europa nach bei Locarno» Konferenz angesehen werden. Die Ernennungen sind ein Versuch zur Annäherung zwischen Rußland und Frankreich und Rußland und England. Die Zustimmung Ehamber- Iains und Driands zur Ernennung Krassins und Rakowskis ist hier bereits eingetroffen.
Vie Beschießung von Damaskus Lchreckenötage in der syrischen Hnnpt- ftadt. - Kritische Lage der Franzosen.
Kairo, 27. Okt. (Reuter.) Obwohl die Nachrichten über die letzten Ereignisse in Damaskus auv- einandergchen, ist doch ersichtlich, daß die Stadl zwischen dem IS. und 20. Oktober eine furchtbare Heimsuchung erlitten hat. Am Tage vorher war eln Vandensührer in eines der Stadtviertel eingedrungen mit dem Rufe, die Drusen wären da. Er forderte die Einwohner zum Ausstand auf. Daraufhin wurde ein Polizeiposten angegriffen und ein französischer Einwohner erschossen. Die Einwohner schlossen sich daraufhin den Eingeborenen an. In dem Gefecht, das sich entspann, fielen 100 Franzosen in tgpferem Kampfe. Die französischen Behörden warfen Tanks und Panzsrautos ins Gefecht, von denen den Auf- ständifchen schwere Verluste zugefügt wurden. Diese setzten trotzdem, hinter Barrikaden gedeckt, das Feuer fort und steckten verschiedene Stadtviertel in Bra«d. Die sranzösische Beschießung der Stadt dauerte von Sonntag nacht bis Dienstag, viele ösfenlliche Gebäude wurden zerstört. Die Zahl der auf den Straßen liegenden Leichen wird auf mehrere Hundert geschäht, während ungefähr 2000 unter den Trümmern verschüttet liegen müssen. Es wird behauptet, daß die Aufständischen in der Umgebung von Damaskus geblieben seien, und daß mit weiteren Kämpfen zu rechnen fei. Frauen und Kinder haben die Stadt geräumt. Gestern sind zwei Kavallerieregimenter von der marokkanischen Fron! nach Syrien abgegangen.
Das Vorgehen der Franzosen in Damaskus hat in der englischen Oeffentlichkeit viel stärker gewirkt als es vorausgesehen werden konnte. Selbst amtliche Stellen sind geradezu entsetzt. 3m Publikum herrscht offene Empörung über das beispiellose Vorgehen des französischen Militärs. Insbesondere bezeichnet man die Schaustellung der erschossenen Rebellen auf einem öffentlichen Platze in Damaskus als eine unerhörte Provokation der Bevölkerung, während die Tatsache, daß das französische Militär nur die französische Kolonie von Damaskus von dem bevorstehenden Bombardement unterrichtet hat, tiefe Entrüstung erregt. Die Schaustellung der toten Rebellen, so schreibt der liberale „Star", war ein schwerer Fehler, aber der Verrats an der europäischen Gemeinde war ein Verbrechen. Der „(Stenins Standard" ist kühler und meint bedächtig, wer selbst int Glashaus säße, solle, nicht mit Steinen werfen, womit er sagen will, baß England in eine ähnliche Lag« kommen könnt«, ebenso rigoros vorgehen zu müssen wie Frankreich. Doch sind solche Meinungen vereinzelt. Rach gestern eingetroffenen Meldungen ist das britische Konsulat in Damaskus durch das Bombardement nicht beschädigt worden, doch ist anderes britisches Eigentum vielfach schwer beschädigt troeben. Man rechnet damit, daß die englische R^ierung Schadenersatzansprüche stellen wird.
Die „Time 5* veröffentlicht einen sehr ausführlichen Bericht ihres Sonderberichterstatters in Da. maskus über die Beschießung von Damaskus. Der Berichterstatter schreibt: Niemand, der diese drei furchtbaren Tage miterlebt hat, wird sie je vergessen. Die abstoßende Paradierung von zwei Dutzend Bri- qantenleichen, die zuerst auf Kamelen durch die Hauptstraßen geführt und dann auf einem Platz ausgestellt wurden, hatten nicht die beabsichtigte Wirkung, als Warnung zu dienen, sondern v e r. mehrte nur noch d i e Wut der Bevölke» rung. Drei Tage später wurden die Leichen von zwölf Tscherkessen, die von den Franzosen als irreguläre Trupepn verwandt wurden, aufgefunden. In der Nacht vom 17. Oktober wurden französische voll baten nngegrifen und verstümmelt. Am anderen Morgen traten in ollen Tellen der Stadt mehrere Briaantenbanden auf und begannen, unterstützt von Daotgesindel, zu plündern. Die Franzosen schien neu zu glauben, dckß ein wichtiger Schritt der Bevölkerung beoorstand, und daß größere Kräfte am Werk waren, und es war wirklich der Fall.
Am Mittag des 18. Oktober sandten die Franzosen Tanks durch die Stadt, die mit furchtbarer Geschwindigkeit unaufhörlich nach rechts und links feuernd die Straßen durchfuhren. Der Mob errichtete Barrikaden und verwundete zahlreiche Mannschaften der Tanlbesatzung. Hm 6 Ahr abends begannen die Franzosen, die Altstadt zu beschießen. Am nächsten 'Morgen wurden plötzlich ohne Warnung alle Truppen aus der Altstadt einschließlich derr christlichen Stadtteile zurückgezogen und von 10 Uhr vormittags an wurde von der Artillerie die Beschießung der Stadt 24 Stunden lang fortgesetzt, während Flugzeuge aus der Luft Bomben abwarfen und mit Maschinengewehren schossen. Ein ganzerc Stadtteil wurde in Trümmer gelegt. Auch der Dom der Moschee weist ein riesiges Loch aus. Die Zerstörung des Azm-Palastes bedeutet einen unwiderherstellbaren Verlust, da er das Institut für mohammedanische Kun st und Aechäologie war, dessen Schätze fast alle zerstört wurden. Es fehlen die Worte, um das Schauspiel zu beschreiben, das die alte heilige Stad tjeht bietet. Der finanzielle Verlust durch die Zerstörung von Eigentum wird auf 1 bis 2 Millionen türkische Pfund geschäht.
,.M o r n i n g P o st" betont, daß die Lage in Syrien, vor allem in Damaskus insbesondere durch die letzte Beschießung der Stadt sehr ernst sei. Der Vertreter der „Morning Post" erfuhr von amtsicher Seite, daß General Sarrail wahrscheinlich von Syrien abberufen und Marschall W e h g a n d ersucht werden wird, die Stellung des Oberkommandierenden wieder zu übernehmen. Der diplomatische Berichterstatter der „Westminster Gazette" fragt, wer die Beschießung von Damaskus angeordnet habe und warum keine Schritte unternommen worden seien, um die Ausländer in Damaskus zu warnen und ihnen Zeit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen. Der Berichterstatter nimmt an, daß die französi'chen Behörden d i e Rerven verloren haben und bemerkt, die Frage könne wohl gestellt werden, ob der Völkerbund, der Frankreich mit de n Mandat über Syrien betraut habe, nicht eingeladen werden soll, di« Lage von neuem zu erwägen^
Meine politische Nach richten.
Am 31. Oktober wird das von Professor Beter Behrens entworfene Grabdenkmal für öen verstorbenen Reichspräsi- denten Friedrich Ebert auf dem Fried
hof in Heidelberg von der Reich sregierung in feierlicher Handlung der Stadt Heidelberg übergeben werden. Da der Reichskanzler am persönlichen Erscheinen verhindert ist, wird der dienst- älteste Reichsminister, Reichswehr Minister Dr. G e ß l e r, der zu dem Verstorbenen als dem Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht besonders nahe dienstlichie Beziehungen hatte, die Reichsregierung vertreten. Als weiteres Mitglied des Reichskabinetts wird sich Reichsarbeits- Minister Dr. Brauns an den Feierlichkeiten beteiligen. Ferner wird der Staatssekretär beim Reichspräsidenten, Dr. Meißner, teilnehmen.
Zn Ehren des in Berlin weilenden früheren britischen Premierministers Macdonald gab der Reichsminister des Auswärtigen ein Frühstück', an welchem u. a. der englische Botschafter Lord d'A b e r n o n , der Reichskanzler a. D. Dr. Marx, die Minister a. D. Koch, Scholz und Müller- Franken sowie die Abgeordneten Wels und Drewitz, ferner führende Persönlichkeiten der Wirtschaft und eine Anzahl höherer Beamter des Auswärtigen Amts teilnahmen.
In der Zeit von Anfang bis Mitte Oktober stieg die Zahl der H a u p t Unterstützungsempfänger in der Erwsrbslosenfürsorge von 266 000 auf 298 000, d. h. um rund 12 Prozent.
Die Zahl der Arbeitslosen in England betrug am 19. Oktober 1 237 000, das sind 20 925 weniger als in der Vorwoche, jedoch 33 222 mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahrs.
Der neugewählte schweizerische Nationalrat weist folgende Zusammensetzung auf: Sozialdemokraten 49 (bisher 43), Kommunisten 3 (2), Sozialpolitische Gruppe 3 (3), Freisinnige und Demokraten 60 (58), Katholische Konservative 42 (44). Dauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei 30 (34), Liberal-demokratische Partei 8 (10), Parteilose 3 (4).
Aus aller Welt.
Schwere Eisettbahukatastrophe in Amerika.
Ein Schnellzug entgleiste in der Räh« von Viktoria <Mississippi) und stürzte einem Eisen- bahnöamm hinunter. 20 Personen wurden teils direkt getötet, teils erlagen Jie ihren Verletzungen vor dem Eintreffen eines Hilfszuges. Anscheinend hat der mit 50 bis 60 Meilen Stunden- geschwindigkeit fahrende Zug d i e S ch i e n e n 200 Fuß vor einer Hochbrücke von den Schienenstühlen losgerissen. Zunächst stürzten die Lokomotive und der erste Gepäckwagen von der Brücke. Dec Zug bestand aus drei Gepäck-, neun Personen- und einem Pullmannwagen. Alle Wa- geir, mit Ausnahme des am Schlüsse folgenden Pullmannwagens, rollten von der 40 Fuß hohen Böschung herab. Drei Personenwagen schoben sich KU einem wirren Trümmerhaufen zusammen. Ein anderer Wagen rannte kopfüber in eine Lchmbank längs der Eisenbahnlinie. Entdeckung einer versunkenen Stadt
Moskau, 28. Oft. (Funkspruch der Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Ein Handelsdampfer der Sowjetunion, der auf dem Weg« vonPerfien nachBaku seinen gewöhnlichen Kurs ändert«, entdeckte zufällig auf dem Meeresgrund« in der Räh« der Halbinsel S ch a s ch o w a eine altertümliche Stadt. Infolge des ruhigen Wetters waren die Straßen und Gebäude in altasiatischer Architektur deutlich erkennbar. In der Rähe dieser neu entdeckten Stadt befinden sich die bereits früher entdeckten unterseeischen Ruinen jener Stadt die den Flamen Charaabafcheger trug, von der eine auf dem Meeresgrund« deutlich sichtbare Straße bis zur Festung Baku führt. Die vorläufige Vermutung der Gelehrten geht dahin, daß die Städte auf dem Meeresgründe infolge von Erdbeben gesunken seien, die eine starke Aenderung der Küstenlinie herbeiführten.
schweres Emsturzunglück in Paris.
Im 23. Bezirk der otabt Paris ist ein altes Gebäude zusammengestürzt, besten Bewohner jüngst von der Stadt aufgefordert worden waren, das Haus zu räumen. Es waren aber trotz der festgeftellten Baufälligkeit noch zahlreiche 'Hl i e t e r im Hause zurückgeblieben, von denen b i s jetzt sieben Leichen unter den Trümmern hervorgezogen wurden.
Wolkenbruch über Palermo.
In Palermo hat am Montag ein Wolkenbruch von fünf Stunden Dauer die Stadt teilweise unter Wasser gefetzt und die elektrische Lichlleitung unterbrochen. Eine allgemein« Panik wurde heroor- gentfen. Mehrere Fabriken und Lager, auch ein großer Bücherverlag, wurden völlig überschwemmt. Vielfach erreichte das Wasser eine Höhe von zwei Meter. Der schaden beträgt viele Millionen Lire.
Hochschulnachrichten.
Ein Konflikt zwischen der Technischen Hochschule in Darmstadt und der Hessischen Regierung.
Darmstadt. 27. Okt. (Eigen. Drahtmel- dung.) Vor kurzem hat die hessische Regierung unter Umgehung der Vorschläge der Technischen Hochschule den Professor dar Philosophie Di'. Julius G o l d st e i n zum außerordentlichen Professor der Philosophie an der Technischen Hochschule ernannt. Professor Goldstein stand nicht auf der Vorschlagsliste der Hochschule. Wegen dieses Eingriffes in das Selbstbestimmungsrecht der Hochschule wurrde von Rektor und Senat die für Mittwoch angekündigte feierlich« 11 e ergbabe des Rektorates abgesagt. Ein Rundschreiben an die bereits Geladenen besagt" „Rektor und Senat der Technischen Hochschule Darmstadt bedauern, die Einladung auf Mittwoch den 28. Oktober 1925, zur feierlichen Ucbsrgaöe des Rektorats zurückziehen zu müssen. Durch eine Verrfügung der- Regierung ist die Hochschule in eine Lage versetzt worden, die es ihr untunlich erscheinen läßt, dir Feier abzuhalten."
Wettervoraussage.
Meist wolkig, vorwiegend westliche Wmde. glcichbleibe-dr Temperaturen, Rirdrrschlags- neigung und Rebelbildung.
Die Kette der Tiefdruckgebiete, di? im Ror- den vorüberziehen, ist noch nicht abgeschlossen. Während das alte Fall gebiet ostwärts gegen Skandinavien vorrückt, tritt bereits westlich von Irland ein neues in Erscheinung. Die Wetterlage wird sich nicht wesentlich ändern.
Gestrige Tagestcmpcrat.'.ren: Marimum 13,2 Grad C., Minimum 8 2 Grad E. Riederschläge I 3,4 Mm. Heutige Morgentemperatur 10,8 Grad C.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 28. Oktober 1925.
Gießener Wochemnarktpreise.
Es kosteten auf dem gestrigen Wochenmartt Dutter 200 bis 210, Matte 40, Käse 70, Wirsinq 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 20, Unter» Kohlrabi 7, Grünkohl 20. Rosenkohl 40 bis 50, Feldsalat 100, Tomaten 40, Zwiebeln 12, Meerrettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 60. Kürbis 6, Kartoffeln 4, Aepfel 15 bis 20, Dirnen 40, Russe 45 bis 50 Pf .das Pfund,' Eicr 17 bis 18, Blumenkohl 10 bis 100. Salat 15. Endivien 15 bis 20, Lauch 5 bis 15. Rettich' 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch Sladttheater, 7' '•> Uhr: „Haus Rosenhagen' (Ende nach 10 Uhr). — Lichtspielhaus, Bahnhof» st raße: „Die vom Riederrhein".
— Die Zentrumspartei beruft im heutigen Anzeigenteil auf morgen, Donnerstag, abend eine öffentliche Versammlung in das Kath. Vereinshaus ein. (Siehe Anzeige.)
— Das Madrigal-Konzert der Darmstädter Madrigal-Vererstigmrg, das morgen Abend die Vortrags-Vereinigung in bet Reuen Aula veranstaltet, sei hiermit nochmals allen Musikfreunden in Erinnerung gebracht. Das Konzert beginnt bereits um 71/2 Uhr, ba die Künstler noch am Abend weiterfahren müssen. (Siehe heutige Anzeige.)
O Herabsetzung der hessische« Verzugszuschläge für rückständig« S t a a t s st e u e r n. Rachdem durch Verordnung des Reichsministers der Finanzen die Verzugs- Zuschläge für rückständige Steuern auf halbmonal- sich 3/4 Prozent herabgesetzt worden sind, Hai das Hessische Finanzministerium angeordnet, bah die erwähnte Reichsverordnung mit Wirkung vom 15. Oktober an auch auf die hessischen Staats» steuern anzuwenden ist.
** DieRovember-Miete in Hessen Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft gibt bekannt: Di« Miete für den Monat Rovember , wird für das ganze Land einheitlich auf 88 | v. H. der Friedensmiet« festgesetzt. Iw übrigen wird an den bisherigen Bestimmungen nichts geändert.
Warnung vor Falschgeld. -De: Polizeibericht in Frankfurt meldet: Folgende Sorten falschen Geldes sind im Berkchr feftgestelli Warden: Roten zu zehn Reichsmark bet Ausgabe vom 11. Oktober 1924, kenntlich ar verschwommenen Bild und den aufgedruckten Fasern. Ferner R e n t en 5 a nkschei n e zu lv Mark mit der Zkusgabe vom 1. Roveinber IM und der Reihenbezeichnung: E. 9395 ..., NV 03$ F. 0396, A. 0399. Diese Falsch,sch eine haben tritt aufgeLructte Fasern, teils ausgeprägte Wasserzeichen und sind teilä schlecht nachgeahmt. Auch falsche Dreimarkstücke tai-.chen wieder "auf, die teils kenntlich sind an dem Rand ohrre Randzeichen, teils an der schlechten Randinschrist „Einigkeit und Recht und Freiheit", sowie daran, daß statt dieses Spruches teils in wiederkebren- der Folge das Wort ..Einigk" in den Rand geprägt ist.
RDD. Nochmals: Personalausweis mit Lichtbild erforderlich! Wie aus dem Rheinland mitgeteilt wird, kommen noch immer Br- ; ftrafungen solcher Personen vor, die in das besetzt ■ Gebiet ohne Pah bzw. polizeilichen Ausweis ein- ■ reifen. Der Rheinische Verkehrsverband weist baljer , mit Nachdruck darauf hin, daß zum Aufsuchen dv besetzten Gebietes alle über 16 Jahre alten Person«! im Besitze eines mit Lichtbild versehenen Personalausweises ober eines Reisepasies sein müssen. 2)it Ausstellung eines der beiden Ausweise erfolgt durch die Ortspolizeibehörde.
S a n i t ä t e r b e f u ch i n G i e h e n. 2L-? Bad-Rauheim wird uns geschrieben: Tw des verdienstvollen Kolonnenarztes, Sanitätsratt kolonnc Bad--Rmlheim einen Lehrausflug und) der Universitätsstadt Gießen. Unter Führuns des verdienstvollen Kvlonnenarztes, Sanitätsra: ! Dr. Hahn, nahmen 41 Karner ab en daran teil Mitglieder der Gießener Frerwillige- Sanitätskolonne vom Roten Kreuz empfingen die Bad-Rauheimer Kameraden im 8 Uhr vormittags am Gießener Bahnhof. Aü einen kurzen Rundgang durch die Stadt schlaf sich zunächst die eingehende Besichtigung btf Anatomie an, die in cntgegenkommenbstv Weise gestattet worden war. Unter sachkunbige Führung des Ehrenkolonrrenführers und lang- jährigen Anatomiedieners Balser, Gießen, die fast zweistündige Besichtigung des lehrreiche'.: Instituts viel Anregung und WissensbcreichermiK und gab zu dem allgemeinen Wunsch Veranlassung, im kommenden Frühjahr die Besicht!" gung zu wiederholen. Der nächste Besuch galu dann der Hautklinik, woselbst im Hörsac^
Nicht die Farbe machts!
Bei der Wertschätzung der Dinge läßt man sich leicht von äußerlichen 6mörütken bestimmen. Maßgebend aber ist der innere Schalt. So ist auch die Farbe eines Bieres kein Mahstab für seinen Reichtum an Sxlrakt. Ls gibt sehr dunkle Biere, die als Sesundheitsbiers angepriesen iverben, jedoch keinen anderen Nährwert besitzen als normale Exportbiere.
‘Dagegen ist es vor einiger Zeit nach jahrelangen Versuchen und (Erfahrungen durch Amvenbimg eines besonderen Verfahrens gelungen, ein vollkommen neues Bier her?::stellen, loekbes die im Maß enthaltenen Sxtraktroerte in einem bisher unbekannteil Höchstmaße erhält und die bei der Sährnng sich vollziehend« llmwandlung derselben in Kohlensäure und Alkohol auf ein Minimum beschränkt. Das auf diese Weise hergestellis neue Bier kommt unter dem Romeo
in den Handel und hat sich bereits bank dieser Ligen- schäften als ein ausgezeichnetes Röhr- und Kräftigungsmittel für Gesunde und Kranke bewährt. Ls regt den Appetit an, ist vollmundig, von angenehmem Sc- schmack und erinnert im Trunk an schwer eingefottene alte ooijerische Viere. Das Harker-Rährbier ist zu haben in allen durch Schilder und Plakato^kenntlich gemachten Apotheken, Lebensmittel- und ZeinKost- geschaftsn. ‘2Han verlange ausdrücklich Hacker-Rahr- vier, nicht irgend ein Bier, welches nur mit Forbmah schioarr gefärbt ist und auch nicht annähernd den gleichen Rährwett hat. Alleinige HelstellcriniActien' gesellschoft Hackerbräu München, 500 Fahrs bestehendes Brauhaus.
Alleinvertrieb für Gießen u. Umgebung: Firma • Georg Hebstrei't,Gießen, Klmilstr.2i, Fernruf 163.
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