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meinen Verkehrswegen an ges ch lof sen und die Entwicklung unseres Gemeinwesens tritt damit in eine neue Phase.

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

+ Grünberg, 28. Sept. (Eigener Draht­bericht desGieß. Anz.".) Bei der gestrigen Bürgermcisterwahl wurde der Kandidat des Vauernbundes und Sozialdemokratie, Karl Georg Södel mit 626 Stimmen gewählt. Auf den Kandidaten Magel entfielen 297, auf den Kandidaten Seifert 239 Stimmen, un­gültig waren 6. Von 1408 Stimmberechtigten übten 1168 = 83 Prozent ihr Wahlrecht aus. Das Snteresse der Bürgerschaft an der Wahl war außerordentlich groß, das Resultat wurde mit brausenden Hochrufen ausgenommen.

2) Sich, 25. Sevt. Vor einigen Tagen hielt Dr. jur. Ruckelshausen-Gießen einen öffent­lichen Vortrag in der Gastwirtschaft von Sakob Stein dahier über das Thema: Die Aufwer­tungsgesetze und die A n l ei h e a b i o - sungsgesehe unter besonderer Berücksicytt- gung der Fälle, in denen Anträge oder Anmel­dungen zur Aufwertung von Seiten der Gläubl- ger wie Schuldner erforderlich sind. Bürger­meister Volker begrüßte die Versammlung und stellte den Vortragenden vor. Dieser brachte Ein­gangs seines Vortrages zum Ausdruck, daß ö'.c Versammlung nicht erwarten dürfe, daß er Kritik an der Arbeit des Gesetzgebers üben werde, son­dern daß seine Ausführungen streng sachlicher Aatur seien und sich eng an das geschaffene Gesetz halten würden. Dieser Aufgabe wurde der Redner in jeder Hinsicht gerecht. Die sach­lichen Aussührungen des Redners, die von der Beherrschung der Materie ein glänzendes Zeug­nis ablegten, fanden den verdienten Beifall. Die Versammlung erfreute sich eines guten Be­suches uni) ließ durch Bürgermeister Volker dem Redner für den Vortrag besten Dank aus­sprechen.

töreis ^riesherg.

pb. Butzbach, 25. Sept. Gemeinde- ratssitzung. Vor Eintritt in die Tagesord­nung bringt Stadtv. D r e l l e r einen dringlichen Antrag des Technischen Ausschusses über An­schaffung eines Motors für die Uni forme ranlage im Elektrischen Werk ein. Die Kosten betragen etwa 4000 Ml., die nach längerer Aussprache bewilligt werden. Die Vergebung der Bauarbeiten des Ü1 m b a u e s des Elektrizitätswerkes werden nach öem Vorschlag des Bauausschusses genehmigt. - Der Ortssahung über Kanal- und Müll­abfuhr wird nach einigen vom Ministerium vorgenrmmenen Aenderungen zugestimmt. Auf Antrag Dreller wird den beiden städtischen Ar­beitern, die die Müllabfuhr besorgen, ein Zuschlag von 25 Proz. des Tagelohns bewilligt - Für die Mädchen-Fortbildungsschule wird die Anschaffung von zwei Röderherden genehmigt. Der seither benutzte größere Herd soll öffentlich verkauft werden. Die Vergebung der städtischen Wohnungen in den neuen Reihenhäusern an der Solmserstraße erfolgt mit einigen Abänderungen nach den Vorschlägen des Wohnungs- und Finanzausschusses. Die Miete für eine Dreizimmerwohnung wird auf 360 Mk., die für eine Zweizimmerwohnung auf 258 Mk. jährlich festgesetzt. Die Beschlüsse des Finanz­ausschusses hinsichtlich: a) des Geländeaus­tausches zwischen Stadt und Sa?. H ei l, b) der Verpschtung der Gärten anWilh. Reitz und Ehr. Hoffmann zum Preise von je ' 10 Mk. jährlich, c) der Bewilligung eines Ehrenpreises für den Polizei- und Schuh­hundeverein in Hohe von 20 Mk., d) der Be­nutzung der Kochküche in der Stadtschule für auswärtige Fortbildungsschülerinnen, e) der P achtfest sehung für Wilh. Fenchel für die in der Gemarkung Griedel gelegene städtische Wiese in Hohe von 100 Mk. jährlich, f) der Er­höhung der Gebühr für die Verpflegung der Obdachlosen in der Herberge von 0,60 auf 1 Mk. pro Kopf, g) des Gesuchs des Kino- besihers Sean Henrich um Erlaß der Steuer für einen Kulturfilm werden genehmigt. Das Gesuch des Sean Henrich um Erlaß der Vergnügungssteuer aus 1924 wird abgelehnt. Der Verkauf eines Bauplatzes der E i ge n ° heim- Ballgesellschaft an Frau Müller w'-d genehmigt. Der Preis für den

Der gefesselte Str om.

Roman von Hermann Stegemann.

21 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Ein todblasses Knabengesicht bog sich über Bord und riß die Kette aus Los verkrampften Fingern.

Zwei Schläge brachten Hanns in die Hohe, links von ihm trieb die schwarze Masse des Kahns vorbei, rechts spülte die Flut das unter­waschene Ufer.

Da rauschte vor ihm die Fifchwage aus der Tiefe, und halb bewußt, halb unbewußt, schob er das Kind in das ausgebreitete Reh.

Dann riß ihn die Strömung darunter hinweg.

Tief bog sich das Retz, so köstlichen Fang hatte der Fischmeister von Rheinau noch nie getan.

Er warf nur einen einzigen Blick auf seine Buben, sah Hanns hinter dem Kahn das Wasser pflügen und Hermann nun mit der Hakenstange Grund gewinnen, und hob vorsichtig die Last, die leblos die Maschen füllte, aus dem wilden Strom. Ein nasses, Weißes Kleid, ein toten- blasses Gesicht mit erstorbenen Zügen, ein Mäd­chen. so feingliedrig, wie er nach keins gesehen hatte.

Er hob es aus dem Retz und legte es auf den Rücken, kniete sich daneben, schob ihm den Arm unter die Schultern und richtete es auf auf, ab, auf, ab, Wohl zehnmal. Dann suchte er den Schluß des Kleides, öffnete es, kniete sich hinter das Püpplein, ergriff die dünnen Arme und bewegte sie im Takt auf und nieder.

..Der Hanns war zu schnell, er behält dich nicht, der grüne Würger" murmelte er und schoß einen langen Blick auf den glitzernden Rhein.

Da kamen feine Buben. Er blickte sie nicht an.

Geh nach St. Soseph um Hilfe, Hermann." sagte et kurz,und den Hanns, den brauch' ich auch nicht hier."

Quadratmeter ^oird auf 3 Mark festgesetzt. I Für Anschaffung von Matratzen ufw. für daS Hospital wird ein Kredit von 1000 Mk. bewilligt. Am Schluß der Sitzung weist Stadt- verordnetere P l o ch darauf hin, daß Bürger- meister Kohler heute gerade 3 2 Sabre im Dienste der Stadtverwaltung tä­tig sei. Herr Kohler trat am 25. Sept. 1893 als Gehilfe ein, wurde 1900 Stadtsekretär, und im Sabre 1919 nach der Amtsniederlegung des in­zwischen verstorbenen Bürgermeisters Flach zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Er hat es verstanden, das Steuer der Stadt in der Rach­revolutionszeit ohne besondere Anstände weiter­zulenken. Dafür gebühren ihm besonderer Dank. Stadtverordneter P l o ch bittet den Stadtvorstand um sein Erscheinen am kommenden Dienstag abend 8 älhr zu einer kurzen Abschiedssitzung. Bürgermeister Kohler dankt dem Stadtvorstand für die ihm gewidmeten Worte, für die ihm wäh­rend seiner Tätigkeit gewährte Unterstützung. Er versichert, daß er auch nach seinem Ausschei­den der Stadtverwaltung gern mit Rat und Tat zur Seite stehen werde. Die Einführung des neuen Bürgermeisters Dr. Saufen aus Köln erfolgt am Mittwoch, 30. Sept., abends 7 Ähr, durch den Kreisdirektor Gebhardt, Friedberg.

: : P o h I - G o n s. 27. Sept Bei der heute dahier stattgehabten Beigeordneten Wahl wurde der derzeitige Beigeordnete Konrad Kollmer IV.. her Kandidat des Bauernbundes, mit 186 Stimmen Wiedergew ä h l 1. Der von der Sozialdemokratischen Partei ausgestellte Gegenkandidat Sohannes Röhrig erbiet' 140 Stimmen.

Kreis Büdingen.

!! Büdingen, 26. Sept. Gemeinde- ratssihung: Die Beratungen über die Ka­na l i s i t i o n des verlängerten Steinwegs, sowie beim Schulhans in der Brunostraße und auch am Reuen Weg wurden fortgesetzt. Der Kredit hierfür im Betrag von 8500 Ml. wurde be­willigt und soll bei der Kommunalen Landesbank in Darmstadt ausgenommen werden. Gleichzeitig wurden die Bestimmungen des Statuts über die Kanalisation bemängelt und beschloßen, das Orts­statut der Baukommission zur Rachprüfung zu überweisen, ob nicht Erleichterungen hinsichtlich der Hausanschlüsse eintreten konnten. Sodann wurde über die älnterhaltungsar beiten an den alten ©taötbefeftigungen ge­sprochen. Es sollen vorerst die Besitzer der ein­zelnen Teile beim Grundbuch amt festgestellt wer­den. Weiter lag ein Hilfsbedürftig leit s- fall vor, der vorerst der Berwaltungs- und Rechtskommission zur Rachprüfung überwiesen wurde. Das gleiche Schicksal fand das Gesuch des Gärtners Traumülier um Genehmigung zur Aufstellung eines Blumenverkaufs» Häuschens an dem Untertor, das zuerst der Baukvmmission vorgelegt werden soll. Für die weiteren Punkte der Tagesordnung lverschiedene Baukreditgesuche) wurde die Oeffentlichkeit aus­geschlossen. Die Arbeiten am neuen Kreisamt sind in letzter Zeit sehr gefor­dert worden. Bereits am 21. September konnte Kreisdirektor Dr. G a ß n e r in seine neue Woh­nung einziehen. Die übrigen Wohnungen, näm­lich für den Kreisamtmann, Regierungsassessor ufw. sollen im Laufe des Winters fertiggestellt und bezogen werden. Das Bureau selbst wird erst am 1. April 1926 seinen Einzug halten können. Wie wir bereits früher mitteilten, waren in unserem Kreise verschiedene Autolinien geplant. So einmal von Bü­dingen nach Hanau und eine andere in den Vogelsberg. Beide ßtnien konnten bis jetzt noch nicht eröffnet werden, da sich immer noch nicht alle beteiligten Gemeinden zur Tragung des geforderten Garantiebetrags bereit erklärt haben.

Kreis Schotten.

; Schotten, 27. Sept. Das von den Ver­bänden hessischer Forst beamten ihren im Weltkriege gefallenen Kameraden errichtete Ehrenmal auf dem Altenburgskopf ist soweit fertiggestellt, daß die Weihe am 2. Oktober erfolgen kann. Das aus heimischem Basalt er­baute schlichte Denkmal, von Wald umsäumt, ist eine äußerst finnige Ehrung für die 71 gefallenen Forstbeamten. Die amtliche Konferenz der Lehrer unseres Kreises findet am nächsten Mittwoch in der hiesigen Turnhalle statt. Dabei wird Kreisschulrat Lorenz aus Lauterbach unter Vorführung eines Films über Lichtbild und Kinowesen im Dienste der Schule sprechen.

Lebt sie?" fragte Hermann und tastete mit zerschundenen Fingern nach ihr.

Geh, sorg' ihr zum Leben", antwortete der Vater.

Gehorsam stob er davon.

Ein leiser Seufzer kam über die bläulichen Lippen des Mädchens.

Hanns nahm still Rock und Schuhe und ging auf die Bloße, um sich zu trocknen. Am Waldrand rollte schwarz sein Zug und ließ eine weiße Rauchschleppe zurück.

Die groben Hände Christian Sngolds streif­ten das Gewand von Los Schultern und rieben sanft die feuchte kalte Haut, bis sie sich rötete, Wo die Sonne einen goldenen Kreis auf dem Boden zeichnete, bettete er Lo sorglich ins Gras und deckte sie mit seiner Sacke zu. Er rieb ihr jetzt die kleinen weihen Füße.

Sie atmete, blickte verstört um sich und sank wieder zurück.

Dann Hermann mit einer wollenen Decke gerannt, hinter ihm die Pflegerin, Soseph und Engelhart.

Zieht sie aus und wickelt sie in die Wolle, dann tragt sie unters Dach."

Der Fischmeister befahl und sie gehorchten stumm. Sm Kampf mit dem Rhein waren sie an rasches Handeln gewohnt.

Das tolle Mädel! Sngold, wenn sie im Rhein geblieben wäre."

Krampfhaft schüttelte Engelhardt dem Fischer die Hand.

Schicken Sie lieber dem Hanns ein Hemd und ein Paar Hosen", erwiderte Sngold trocken und machte sich an der Fischwage zu schaffen.

Als er wieder aufblickte, war nur noch Hermann bei ihm. Er stand regungslos, mit krampfhaft zuckenden Lippen, und starrte in den Strom, der unbekümmert in ewig gleichem Drang vorbeizog.

Seht sollt' ich dich in die Beize nehmen. Erzähl'!"

Sch bin schuld, Vater Sie hat nur darin sitzen wollen."

älnd du steckst nicht einmal die Ruder in die Krampen, ehe du die Kette losest, und weißt doch, daß heute das Wasser toll ist!"

X1X Burkhards. 28. Sept. (Eigener Drahtbericht desGieß. Anz.".) Die erste Bür­germeisterwahl in unserem Dorfe, die vor einigen Wochen stattfand, brachte das Ergebnis, daß der bisherige Bürgermeister Kneipp eine Stimme mehr erhielt als sein Gegenkandidat Kunkel. Diese Wahl wurde angefochten und vom Kreisausschuh Schotten für ungültig erklärt. Gestern fand nun eine neue Bürger- mei st erwähl statt. Diesmal kam's umgekehrt, denn jetzt erhielt der Kandidat Kunkel eine Stimme mehr als sein Gegenkandidat Bürger­meister Kneipp. Ob die jetzige Wahl unun­gefochten bleibt, steht noch nicht fest.

Kreis Wetzlar.

]:[ Hochelheim, 26. Sept. Dieser Tage wurde das hiesige Gemeindeobst versteigert. Da­bei wurden gute Preise erzielt, obwohl die Obst­ernte gut ausgefallen ist. Besonders gesucht waren edlere Aepfelsorten, wie Wintergoldparmäne, Re­netten, Schöner von Boskoop und außerdem die kleinenRotäpfel", da man aus letzteren einen vor­züglichen Apfelwein bereitet. So kam ein Baum dieser Sorte mit reichern Behang über 60 Mark. Die Gemeinde kann das Geld in jetziger Zeit sehr gut gebrauchen, zumal ihr durch die Feldbereinigung und der Wegeneubauten und dergl. ganz erhebliche Unkosten entstanden sind. Augenblicklich sind zwei neue Brücken über den Schwindbach im Bau, eine an dem Weg nach Lützellinden, die andere an der Straße HochelheimRechtenbach. Durch den Bau dieser letzteren wird einem großen Uebelstandc hoffentlich für immer abgeholfen. Dort war bisher wohl eine neue steinerne Brücke. Doch hatte man sich bei dem Bau derselben nur nach dem Lauf des Baches und nicht nach der Straße gerichtet, so daß letztere an dieser Stelle eine Krüm­mung hatte. Dadurch staute sich das Wasser bei Ge­wittern und starken Regenfällen und floß über die Straße, wodurch diese bann manchmal längere Zeit unpassierbar war. Außerdem litt die Straße durch das Wasser so, daß sie öfters gedeckt werden mußte. Diesen Uebelftanb will man badurch beseitigen, daß man ber Brücke eine andere Richtung gibt, bas Bachbe11 verlegt und in dem Wehr eine Schleuse eingebaut. Letztere ist nötig, weil der Bewässerungsgraben für die Wiesen in den Gräben" hier beginnt. Da derKreisan dem Neu­bau ein großes Interesse hat, hat er der Gemeinde einen namhaften Beitrag zur Deckung der Unkosten in Atissicht gestellt.

Hessen-Nassau.

fpd. Marburg, 27. Scpt. Zahlreiche Kin­der auS Harle zündeten beim Kartoffel­roden ein Feuer an, um sich Kartoffeln zu braten. Dabei fingen die Kleider des achtjährigen Schmiedstöchterchens Lengemann Feuer. Sm Augenblia glich das Kind einer lodernden Feuer­säule. Ehe Hilfe zur Stelle war. hatte das Kind den Flammentod gefunden.

fpd. Herborn, 26. Sept. Die bekannte W a l z e n mÜh l e der Firma Martin Dek- ker in Riederfischbach wurde durch ein mächtiges Grohfeuer völlig zerstört. Auch das Eelreidelager wurde ein Raub der Flammen. Die älrfache wird auf Kurzschluß zurück- geführt.

bl. Dillenburg, 26. Sept. Im Kreise haben die Db ft oer ft eigerungen eingesetzt. Der Preis für Aepsel und Zwetfchen stellt sich auf 12 bis 15 Mark pro Rentner. Die Apfelernte ist im Durch- schnitt gut, Pflaumen und Birnen gibt es dagegen weniger. Der ber Stabtverwaltung vor- liegenbe Antrag auf Bau von Wohngebäuden in größerem Umfange erfordert 5 6 0 0 0 0 Mark. Mit diesem Betrage können in vier Jahren etwa 200. Wohnungen hergestellt werden. Ob ber an unb für sich beachtenswerte Plan in Erfüllung geht, erscheint im Hinblick auf die Finanznot zweifelhaft.

fpd. Frankfurt a. M., 27. Sept. Unter neuen zehn falschen Namen hat ber ocht- unbvierzigjährige Kaufmann Julius Jacoby aus Königsberg in Frankfurt, Wiesbaben, Gießen, Kassel, Leipzig, Nürnberg, Marburg unb vielen anderen Städten große Schwindeleien ver­übt. Der elegant und sicher auftretende Gauner suchte in diesen Städten Tauschwohnungen und verübte, wenn er die Zimmer besichtigte, dabei ausgedehnte Diebstähle. Auch bemühte er sich, Lehrerinnen ober Studenten zu engagieren unb stahl hierbei nach Herzenslust. Jacoby, ber wegen ähnlicher Taten schon schwer vorbestraft ist, konnte noch nicht ergriffen werden. Seinen neun­zehn falschen Namen setzte er natürlich stets den Dr." vor. Der vielfach mit Zuchthaus vorbe-

Ich habe die Kette nicht gelöst, aber Lo ist doch nicht schuld. Sch hab' ihr von Da­maskus vorgelesen, und da sind wir auf einmal ins Treiben gekommen, ich weih nicht, wie!"

Und wenn sie jetzt verloscht wie ein Licht", antwortete der Vater.Mein Lebtag hab' ich kein Kind gesehen wie dies. So fein, daß Sonne und Mond hindurchscheinen."

Keine Miene zuckte in Hermanns Gesicht, er beherrschte sich, preßte die Lippen zusammen und schwieg.

Sm stillen aber sagte er trotzig voller Sn- bruftft: Gott im Himmel, ich weiß nicht, wo du bist und wie du bist, ich weiß auch nicht, ob es nützt, wenn ich bete, aber ich teilt, daß Lo lebt. Sie ist nicht schuld. Sie hat nicht gewußt, daß der Rhein so ein älnhold ist. Rimm mich, wenn eins büßen fofi. Sch bitte dich, lieber Gott, nimm mich! Sie ist zu zart und fein, nimm lieber mich!

Die Sonne in den Augen, blickte er un­verwandt in den flimmernden Himmel.

Christian Sngold sah den inbrünstigen Aus­druck in dem erklärten Gesicht seines Buben und erkannte den mageren, sommersprossigen Knaben nicht mehr. Leise tauchte das Reh wieder in den Rhein. Doch blieb es leer, so oft er es auch senkte und hob.

Da nahm er es als Zeichen und sagte:

Der Rhein hat uns das Kind geschenkt, komm, Hermann!"

Lind der Hanns, Vater?" fragte mahnend der Sohn.

Der Alte reckte den müden Rücken. Finster schoben sich die Brauen zusammen.

..Der Hanns Sngold lauft sich nicht frei mir dem Sprung in den Rhein. Er wäre kein Mann, wenn er mich zuerst hätte ins Wasser gehen lassen. Alles andere bleibt, wie es ist."

Lind ohne sich nach Hanns umzusehen, ging er zum Kahn, der weiter unten verankert lag, hängte das Schleppseil ein und legte sich in den Gurt. Hermann ergriff das freie Ende, und so zogen sie tief gebückt den Kahn strom­auf.

Hanns Sngold sah sie, den Knaben vorauf, den Vater dicht hinter ihm, langsam, Schritt

strafte Gustav R e i f ch m a n n ist ein bei den Polizeibehörden bekannter Spezialist für Bahnhofsdiebstähle. Ganz besonders ge­wandt ist Reischmann, wenn er einem Reisenden, der beim Lösen einer Fahrkarte seinen Koffer auf den kleinen Schaltertisch gesetzt hat, diesen Koffer heimlich und sacht stehlen kann. In den letzten Wochen gelang es ihm, auf diese Weise zahl­lose Koffer in seinen Besitz zu bringen. Ver­gangenen Freitag wurde er aber im Hauptbahn- Hof auf frischer Tat ertappt und f e ft g e n o m » men. Bei dem schweren Herbstgewitter, das Freitag mittag über den nördlichen Stadtteilen niederging, traf ein Blitzstrahl einen an einem Neubau beschäftigten jungen Hilfsarbeiter unb tötete i h n auf der Stelle. Zwei Dersonen wurden betäubt, konnten sich aber bald wieder er­holen. Im Stadtwald wurde abends ein Radfahrer von zwei Menschen, die im Graben aufpaßten, Überfällen, in den Wald ge» schleppt und seiner Barschaft und der Papiere beraubt. Auch das Rad nahmen ihm die Räuber ab.

Hersfeld, 26. Sept. (Wolff.) Der Mit­tagszug der Hersfelder Kreisbahn ist gestern aus bisher noch nicht festgestellten Ur» fachen in der Rahe der Stadt Hersfeld ent­gleist. Der Zug setzte sich aus z^oei Lokomv- iioen, Packwagen, drei Personenwagen und zehn Güterwagen zusammen. Die Personenwagen wur­den in den Packwagen hineingeschoben. Die beiden Lokomotiven hatten sich bis zu den Achsen in die Erde eingebohrt. Acht Personen wurden verletzt, davon drei schwer. Die Schwerver­letzten sind Kreisbahndirettor Hille aus Hers­feld, ein Fräulein G o 11 m a n n aus Weimar und - eine Frau Marie Schmidt aus Bochum. Die übrigen Verunglückten stammen aus dem Kreise Hersfeld.

* Kassel, 26. Sept. Da der Speditions­firma Heinrich Wenzel nunmehr wieder genügend arbeitswilliges Personal zur Verfü­gung steht, wurde im Einverständnis mit der Reichsbahndirektion in Kassel die Technische R o t h i l f e heute wieder zurückgezogen. 20 Rothelfer habe., 14 Tage lang den Transport der Güter von dem Eisenbahngüter schuppen nach den Abnehmern übernommen, da die Arbeiter­schaft zur Verrichtung dieser Rotstandsarbeit nicht bereit war.

Feuerwehrlag in Lich.

)) Lich, 27. Sept. Hier fand der Herbst- verbandstag der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Gießen statt. Die Freiwillige Feuerwehr Lich hatte keine Anstrengung gescheut, den auswärtigen Wehren den Tag so ängenehm wie nur möglich zu machen., Bereits morgens gegen 9 Tlhr trafen die ersten Wehren ein. die von dem Ortsverein mit klin­gendem Spiel abgeholt wurden. Rach beendigtem Vormittagsgottesdienst fand in Steins Saalbäu der Herbstvertretertag unter der Leitung des Vorsitzenden Fritz Wenzel-Gießen statt. Als Vertreter der Regierung waren Regierungsrat Wolf vom Kreisamt Gießen .anwesend, der der Versammlung seinen Gruß entbot und die hohen Sdeale feierte, die den Freiwilligen Feuer­wehrmann beseelen sollen. Bürgermeister Vol­ker entbot den Gästen den Gruß der Stadt Lich Die geschäftlichen Fragen waren bald erledigt, so daß man schon kurz nach 12 ülhr zur Besichtigung der Feuerwehr Lich und ihrer Einrichtung schrei­ten konnte. Mit der Veranstaltung war gleich­zeitig die Snspektion durch den Kreisseuerwehr- inspektor D i ck o r e -Gießen verbunden, der für einen Brandangriff der Feuerwchr Ach eine schwierige und interessante Aufgabe gestellt hatte. Ms Brandobjekt war das Geschäftshaus des Ferdinand Zimmer in der Oberstadt ausgewählt. Unter der Leitung des bewährten Feuerwehr­kommandanten Soh. Heinrich Findt II. voll- vog sich der Aufmarsch der Licher Wehr mit bewunderungswürdiger Exaktheit und war ebenso wie die Brandbekämpfung und die Rettung der gefährdeten Menschen durchaus mustergültig. Auch die Freiwillige Sanitätsko- lonne, an deren Spitze der Kolonnenarz! Dr. Hermann Roth und der Kolonnenführer Bäcker­meister August Vater stehen, leistete CBorylg* liches und fand allseitige Anerkennung. Die Mu­sikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Grünberg ließ es sich nicht nehmen, im Anschluß an dies« ilebung am Rathaus ein Straßenkonzert zu ver­anstalten. Der Kapelle, die unter der Leitung des Kapellmeisters Schütz- Grünberg steht,

für Schritt, vor dem gespannten Seil den Lein­pfad gehen und allmählich verschwinden.

Der alte Soseph kam und brachte ihm Klei­dungsstücke und eine Einladung ins Kloster. Er schickte ihn mit seinem durchnäßten Anzug in diePost", wo der Handkoffer noch offen stand.

Sa, Herr Sngold, das besorg' ich wie ein Leibdiener. Aber Sie dürfen das Fräulein nicht warten lassen. Es sitzt am Bett bei dem Ber­liner Zeisig, der schon wieder den Kopf voll Flausen hat. Die anderen Gäste wissen nur daß sie ein wenig ins Wasser gefallen ist, sonst gibt's gleich einen Aufstand."

So kam es, daß Hanns Sngold Ruth noch einmal wiedersah, ehe er in die Fremde ging.

Er war befangen, als er in den fremden Kleidern vor sie trat. Doktor Engelhardts schwarze Hose stach merkwürdig ab von seinem hellen Rock, und der Kragen toar ihm viel zu weit.

Sie mußte lachen, doch das brach den Bann, und beide berührten in einem schamhaften Ge­fühl den -Unfall nicht weiter, der ihn ins Haus führte. Er wurde gebeten, zum Essen zu blei­ben, und konnte nicht Rein sagen.

Soseph brachte die Kleider noch zur rechten Zeit. Rur an eine Halsbinde hatte er nicht gedacht. Hanns merkte es erst, als die Glocke läutete und er schon fertig vor dem Spiegel stand.

Engelhardt tonnte nicht helfen, denn er trug nur schwarze Knoten, die unter den Kragen gesteckt wurden. Aber er wußte Rat. Bylander habe wenigstens zwei Dutzend Selbstbinder und werde Sngold gern aushelfen. Das geschah. Die schwerseidene moosgrüne Binde saß tadel­los geschlungen.

Hanns und Ruth hielten ihre Liebe gut verwahrt. Engelhardt ahnte nicht, daß aus dem Abschied ein Wiederfinden geworden toar

Rach dem Mittagessen sahen sie im Garten, und hier lernte Hanns Sngold Gerhart Ödländer kennen.

(Fortsetzung folgt.)

11

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