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Blkichttrotze 12. Daselbst auch Krauthobel zu verleiben. 0788
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Nr. 227 Zweites Blatt
Montag, 28. September 1925
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
ieseck—Gieszen
Aus diesem Grund ist vor-
IJt
Lohnsteuerbefreiung für abgebaute Angestellte.
er- des Su-
Fried- Kreuz, Haas), Mar- Stadt-
mit zwei Linien
als auch durch die Stadt
theater. Case Hettler, Finanzamt, Bahnhos. Diese Linie soll an bestimmten Tagen (vorerst Mittwoch nachmittag und Sonntag nachmittag) den Verkehr nach den Kliniken aufnehmen. Diese von der Kommission vorgeschlagene Linienführung und Haltestellen wurden von der Gemeindevertretung gutgeheihen.
Die Fahrpreise
erfuhren ebenfalls eine möglichst weitgehende Staffelung. Ausgehend von dem Grundsatz, nach kurzer Zeit nicht mit einer Tariferhöhung kommen zu müssen, ist das Unternehmen von Anfang an auf eine gesicherte finanzielle Basis
des Betriebsrätegesehcs festgesetzten Abkehr- gclder steuerfrei sein sollen, sondern auch d i e i e n i g e n A b g e l l u n g - l u m m e n. r. e che auf Grund s reiwilliger Vereinbarun- g e n den abgebauien Angestellten bewilligt werden Solche Zahlungen unterlagen nämlich bisher
Händen sein dürfte, gesehen, den
Derkehr
Völkerbund, Kolonien und wir.
Dom Admiral Brüninghaus. M d. R.
MU dem Abschluß eines Sicherheitsoer- trages wird der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund akut. 3n eine Institution, der man bei uns. nach allem, was oorgefallen ist. nur mit sehr gemischten Gefühlen und mit dem größten
dem Lohnsteuerabzug. Eine Befreiung soll aber nur insoweit eintreien, als die Höhe der Ab- gangse n . . en im iS'.rvcl alle sechs M o- natsgehälter nicht übersteigt. Eine entspre^end« Verfügung an die Finanzämter ist in dielen Tagen zu erwarten
Danzigs Vergewaltigung
Damals, als der Brieilaftenlonslikt zwischen Danzig und Polen ausbrach, lieh die Warschauer Regierung an der Danziger Grenze beträchtliche Truppenmassen aufmarschieren. Sie machte auch aus ihrer Absicht, sich eventuell mit Gewalt durchzufehen. also in Danziger Gebiet einzu- marschieren. kein Hehl. Der Handstreich unterblieb jedoch aus „höhere Anweisung" hin. die wohl aus Paris kam. Inzwischen hat sich nun der Völkerbund zu einer geradezu ungeheuerlichen Rechtsbeugung hergegeben. Polen hat mit Hilfe seiner Genfer Freunde die Vergewaltigung des Freistaates Danzig erreicht. Aber nicht genug damit, es will seinen „Sieg" jetzt mit der Einrichtung e iner polnischen Wache auf der Westernplatte krönen, die Polen als Munitionsstapelplah im Danziger Hasengebiet zugefprochen worden ist. 88 Mann stark soll diese Wache sein. Mit anderen Worten : die Warschauer Regierung will sich in Danzig die Basis sür eine spätere polnische Garnison schaffen. Wenn man sich daran erinnert, dah der Danziger Hafen schon jetzt 15 polnische Kriegsschif fe mit etwa 600 Mann ständig beherbergen muh, dann dürften darüber, was Polen mit seiner ..Wache" auf der Westerplatte bezweckt, keinerlei Meinungsverschiedenheiten mehr bestehen. Selbstverständlich wird die Warschauer Regierung jeden Anlaß — liegt keiner vor. wird eben einer inszeniert — benutzen, um die Wache zu vergröhern und eines Tages soviel Soldaten nach Danzig hineingeschmuggelt zu haben, dah es Europa vor voll - endete Tatsachen, nämlich die Annexion des Freistaates, stellen kann. Vorläufig soll sich aber erst einmal der Völkerbund mit dieser Angelegenheit beschäftigen und Polen die Erlaubnis zu einer derartigen Wache geben, woran angesichts des Briefkastenentscheides natürlich nicht zu zweifeln ist.
Im Verfolg der schriftlich und mündlich hobenen Vorstellungen wurde den Vertretern Deutschen Bankbeamtenvereines von dem ständigen Ministerialdirektor im Reichssinanz- ministerium mündlich zugesagt, dah in Zukunst nicht nur die von den Arbeitsgerichten nach § 87
sowohl in Wieseck, .
Gießen aufzunehmen. Die Linie A soll mit der Anfangsstation am Friedhof durch die Rabe- nauer Straße, Kornblumenstraße, Grabenstraße, Gießener Straße nach Gießen, dort durch die
achtens ganz gewaltig, wenn man (ich einbildet. Deutschland würde sich mit einem derartigen — um es kurz auszudrücken — kolonialen Trinkgeld abfinden lassen Ebenso wie beim Sich-er- heitspatt vollkommene Gegenseitigkeit Vorbedingung für den Ab'chluh ist. Io werden auch die Ansprüche Deutschlands auf koloniale Betätigung unter dem Gesichtswinkel vollkommen er Gleichberechtigung mit den Rationen beurteilt werden müssen, die bisher bereits würdig waren, den kolonialen Dölkern die Segnungen der Kultur zu übermitteln. Frankreich hat. als eS die Rachfolgerschaft Deutschlands in Kamerun antrat, bekanntlich zunächst für die schwarze Bevölkerung die allgemeine Wehr- pslicht eingeführt und damit nach außen bekundet, daß das viele Gerede von seiner Friedfertigkeit nicht ernst genommen werden kann. Es mag dahingestellt bleiben, in welcher Form und mit welchen Methoden in späterer Zeit die Betätigung in den kolonialen Gebieten vor sich gehen wird. Solange das Mandatsystem aufrech'erhalten wird, muh Deutschland verlangen. dah ihm die Verwaltung derjenigen Gebiete wieder übertragen wird, zu deren Prosperität - um mit den Worten des englischen Ministers Churchill zu reden — es früher bereits so wesentlich beige t r a g e n hatte. Die breite Oessentlichkeit sollte mehr als bisher der kolonialen Frage ihre Aufmerksamkeit widmen und die maßgebenden Stellen unserer Regierung sowohl wie die des Auslandes nicht im Zweifel darüber lassen, dah wir nicht gesonnen sind, uns auch in bezug auf die Kolonien als ein Volk zweiter Ordnung behandeln zu lassen.
Rordanlage, Oswaldsgarten, Westanlage, Bahn- hofstrahe nach dem Bahnhof führen, während der Weg der Linie B ebenfalls mit der Abfahrt am Friedhof die ganze Giehener Straße entlang, dann durch die Ostanlage, Südanlage, Frankfurter Straße. Liebigstrahe nach dem Bahnho führen soll. Als Haltestellen für die Linie A wurden festgesetzte Friedhof, Lindenplah, am Kreuzungspunkt der Turnstrahe mit Kornblumen» st raße, am Ende der Kornblumenstrahe (Graben- strahe), als letzte Haltestelle in Wieseck zwischen Ortsausgang und Grabenstrahe. Im weiteren Verlaus der Fahrt: Kreuzungspunkt Wiesecker Weg-Marburger Straße, Walltor, Schillerstrahe, Turnhalle am Oswaldsgarten, Schanzenstraße,
Mißtrauen gegenübe rs. eh en kann. Der verhängnisvolle. jeder Gerechtigkeit ins Gesicht schlagende Spruch über das Schicksal Oberschlesiens. der geradezu ein Hohn auf das vielgepriesene Delbstbestimmungsrecht der Völker ist, die erst kürzlich getroffene Entscheidung über die Danzig-polnische Streitfrage und vieles andere mehl haben das Vertrauen in den Völkerbund aufs schwerste erschüttert. Für eins kommt daher ein Beitritt nur in Frage, en, die unsere
gestellt worden Reben den Wochenkarten lind Einzelfahrscheine. Fahrscheinhefte und Monatslarten rorac eben. Ein Unterschied in der Ausgabe der Wochentarten soll nicht gemacht werden. Diese haben Güitig- leit von MontagS bis Sams agS und berechtigen ür jeden Tag zur einmaligen Hin- und Rückfahrt. An Tagen, an denen die Karte nicht benutzt wird, geht die Fahnberechtigung verloren. Der Preis für eine Wochenkarte, also für 12 Fahrten, beträgt bis zum Walltor 1,20 Mk.. bis zum Bahnhof 1,80 Mk. Um den Kurzarbeitern entgegenzukommen, sollen halbe Wochenkarten zum halben Preis ausgegeben werden. Der Fahrpreis für eine einzelne Fahrt beträgt bis zum Walltor 20 Psa., bis zum Bahnhof 35 Psg. ab Walltor 15 Pfg, ob Marburger Straße 20 Pfg., letztere beiden Fahrpreise in Richtung Bahnhof, in Richtung Wieseck umgedreht. Eine Fahrt innerhalb Wiesecks soll 10 Big. losten. Kinder unter 6 Ja >ren, soweit sie keinen eigenen Platz beanspruchen, sind frei, die Mitnahme von Hunden ist verboten, die Behandlung der Gepäckstücke wurde der Verkehrskommission zur Festsetzung von Richtlinien überwiesen. Die Fahrscheinhefte weifen wieder einen wesentlichen Rachlaß auf. Ein Heft mit 12 Fahrscheinen, gültig bis Walltor, kostet 1,80 Mark, bis zum Bahnhos 3,20 Mk. Die Monatskarte. die mit Lichtbild versehen sein muß, und ebenso wie die Wochenkarte nicht übertragbar ist, kostet 15 Ml.
Die Autohalle mit Werkstatt
soll, nachdem verschiedene andere Projekte fallengelassen wurden, auf einem Gemeindegrundstück hinter dem Faselstall errichtet werden. Damit sind die Wagen beim Fahrtbeginn sofort an Ort und Stelle, ebenso abends beim Einstellen der Fahrten. Vis zur Fertigstellung der Halle steht der Gemeinde ein Raum zum Unterstellen der Wagen zur Verfügung. Die vorliegende Zeichnung sand die Zustimmung des Gemeinderat-.
Die eingelaufenen Angebote für die ausgeschriebenen Chauffeur - und Schaffner- stellen sollen von der Derkehrskommission gesichtet und der nächsten Sitzung hierüber Bericht erstattet und Vorschläge unterbreitet werden.
Für die
Verwaltung des Unternehmen-
wird ein ständiger Betrieb sausschuß, gewählt, der aus den Gemeinderäten Heinrich Schmidt. Karl Denner und Karl Bremer, sowie aus den Herren Dr. Rein und Adolf Rau besteht. Der Detriebsausschuh wählt sich seinen Vorsitzenden selbst. Die rein lassen - mäßigen Arbeiten werden vom Gemeinderechner und dem Bureaupersonal mit erledigt. Die Oberaufsicht hat der jeweilig amtierende Gemeinderat mit dem Bürgermeister an der Spitze. Sämtliche Funktionen werden ehrenamtlich ausgeübt, um dem jungen Unternehmen so wenig wie möglich Unkosten zu machen Einige weitere Punkte, wie die Beschaffung von Betriebsstoff, der Abschluß der Versicherungen usw. wurden der Der- kehrskommission überwiesen.
Die Festlegung des
Fahrplane-
ist vorläufig noch zurückgestellt, um allen Bedürfnissen so weit wie möglich gerecht zu werden. Tressen die Aulos ein, bevor diese Arbeiten zum Abschluß gekommen sind, so wird nach einem provisorischen Fahrplan gefahren.
Mit dieser Sitzung waren die Arbeiten in dieser Angelegenheit zu einem gewissen Abschluß gelangt. Wird nun der Betrieb ausgenommen, fo geht damit ein jahrzehntelanger Wunsch des weitaus größten Teils der hiesigen Einwohnerschaft in Erfüllung: Wieseck mit seinen fast 4000 Einwohnern ist den großen a l l g e -
Bahnhos. Die Linie B fährt ab Hof durch die Port nach dem Gießener Straße (etwa bei Metzger Gebäude der Reichspost, Grabenstraße, burger Straße, Gericht, Moltkestraße.
wenn alle Vorbedingung
Regierung in voller Offenheit der ganzen Welt verschiedentlich llargelegt hat. erfüllt sind. Und auch dann wird man nur sehr schweren HerzenS und nur rein ver st andesgemäß einen
Schritt unternehmen, der bei Abwägung aller »Für" und .Wider" immerhin gewisse, die Rach- teile überwiegende Vorteile für uns bietet. Hier soll nur die im Zusammenhang mit dem Eintritt in den Völkerbund stehende Frage der Wiederaufnahme unserer kolonialen Betätigung kurz erörtert werden.
Rach der Völker bundslatzung ist „das Wohlergehen und die Entwicklung der Kolonialvölker eine heilige Ausgabe der Zivilisation", während der Raub unserer Kolonien mit der Feststellung begründet wird, dah „Deutschland sich unfähig und unwürdig gezeigt habe. Kolonien zu verwalten". Die ganze Verlogenheit, mit der die Ausschaltung Deutschlands aus der Reihe der Kolonialmächte zu bemänteln versucht wurde, trat schon kurze Zeit nach dem formellen, nicht wirklichen Abschluß des Weltkrieges durch das Diktat von Versailles deutlich zutage. Bereits am 28. Juni 1921 erklärte der jetzige englische Finanz- Minister Winston Churchill in einer Rede auf der britischen Reichskonferenz wörtlich folgendes: ..Wir haben versucht, das Tanganjikagebiet mit einer Regierung zu versehen, die nicht hinter der deutschen Verwaltung zurücksteht. Daher ist in diesem Jahre ein beträchtliches Defizit entstanden. Ich fürchte, daß in ein bis zwei Jahren die Lage des Gebietes ungünstig abschneiden wird im Vergleich zu seinem früheren Fortschritt und seiner Prof Verität in den Händen unserer ehemaligen deutschen Gegner. Und wie die Bevölkerung unserer früheren Kolonie Ost- Afrika die Fähigkeit und Würdigkeit Deutschlands zu kolonisieren, einschäht, erfahren wir aus der gewiß unverdächtigen ..Times", die am 24. Mai 1921 schreibt: „Die Bewohner Ost- Afrikas sagen folgendes: Die Worte der Deutschen waren scharf, aber i hr Herz war recht. Der Engländer spricht sanft zu und. aber seine Zunge l st fr um m." Wer die Eingeborenen kennt, der weih, daS soll heihen: ..Die Deutschen haben unS manchmal scharf angefaht, haben es aber immer gut mit uns gemeint, und deshalb find wir gut Freund mit ihnen gewesen," während die Beurteilung der Engländer den sprichwörtlich gewordenen englischen Cant in recht eindeutiger Weise kennzeichnet. Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, mit wie vorbildlicher Treue und Hingebung die Askaris Getto to- V orbeck in seinem Heldenkampf unterstützt haben, so genügen diese wenigen Beispiele, die man beliebig vermehren könnte, um zu beweisen, dah Deutschland volles Anrecht daraus hat, das .Wohlergehen und die Entwicklung der Kolonialvölker" wieder ebenso wie früher in die Hand zu nehmen, und zwar nicht nur in beschränktem Umfange, sondern entsprechend den Leistungen, die gerade unser Volk in den Kolonien. die es früher verwaltete, aufzuweisen hat.
Man liest jetzt in der Presse, dah England unter Umständen bereit sein würde, kleine Teile Togos oder Kameruns Deutschland zur kolonialen Betätigung zurück- zugeben: es sind dies nach meiner Auffassung lediglich V e r s u ch b a l l o n s. mit denen man die deutsche öffentliche Meinung für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu beeinflussen versucht Man täuscht sich jedoch meines Er-
Die Autolinie 3
£ Wieseck, 28. Sept. 1925.
Der Autoverkehr stand als einziger Punkt auf der Tagesordnung der letzten G e - meinderatsfitzung, nachdem die ganze Angelegenheit nunmehr so weit vorgeschritten ist. daß in nicht allzuferner Zeit mit der Aufnahme des
Auto-OmnibusverkehrS zwischen W.eseck und Gießen gerechnet werden kann. Für die damals gewählte Verlehrskommisfion liegt zwischen dem heutigen Tag und dem Tag der Inangriffnahme des Projekts eine reiche Fülle von Arbeit. Enttäuschungen und neuen Hoffnungen. In unermüdlicher Arbeit konnte das für die Lebensinteresscn unlerer Gemeinde Io überaus wichtige Derkchrs- inittel nun endlich als soweit unter Dach und Fach belindlich bezeichnet werden, daß, nach gründlicher Vorbereitung in der Kommission, an die Beratung der Einzeisragen herangetreten werden konnte. Grundsätzlich soll, wie von den Mitgliedern der Kommission erllärt wurde, das ganze Unternehmen von vornherein auf eine gesunde Basis gestellt werden: von diesen Gedanken getragen, waren die der Versammlung vorgelegten Entschlüsse, aus den gleichen Boden stellte sich die Versammlung.
Der ganze Fragenkomplex wurde in seinen einzelnen Gliederungen von der Kommission Borget ragen und erläutert, auf diese Weise war es möglich, all die vielen zu treffenden Vorbereitungen in einer Sitzung zu erledigen, soweit eine sofortige Erledigung möglich war.
Die Haltestellen sollen, um der ersten Forderung an ein Verkehrsmittel, daß es den voraussichtlichen Fahrgästen soweit als möglich entgegenfommt, gerecht zu werden, so gelegt werden, daß kaum Grund zu Beschwerden vor-
Ge» Der- Dem von
Rachmittag klingelte es unaufhörlich. Der Duft von nicht ganz unverfälschter Schokolade für wertig blasierte kindliche Gaumen erfüllte das Haus, und äußerst glatt gekämmte, geputzte Kinder kamen, eines nach dem andern, stumm und sehr verlegen an. Ein Gast wurde noch hereingetragen, er konnte zwar laufen, zog aber bisweilen noch die Beförderung auf dem Arme seiner Wärterin vor, die nebst mehreren anderen Zofen zum Schreck der Mutter mit da- blieben, da ihre Schutzbefohlenen slch sonst gefürstet hätten. Die eine Begleiterin stellte sich fofort vor: „Ich bin das „ Fräulein" von der kleinen Ella", um sich die gebührende Titulatur von vornherein zu sichern. Dieses Fraulem war entsetzlich affektiert und erzog mit gezierter Stimme ohne Aufhören an der kleinen Ella. „Run. Ellachen. gib ein hübsches 5yanbd)en El lachen, mach ein artige# Knixchen. — Ellachen, halle dich hübsch gerade", so dah die beklagenswerte Ella nicht zu Atem kam und wie eine Pagode nach allen Seiten hin bürte und nickte.
Paul empfing seine Gäste, ohne sich sehr durch Höflichkeit anzustrengen. Er warf zunächst einen sprechenden Blick auf ihre Hände, um sich zu vergewissern, dah ihm auch keiner den Geburtstags iribnt vorenthalten habe, nahm diesen bann eilig entgegen und mußte zum Danken leider immer aufs neue ermahnt werden.
Die Gesellschaft war endlich vollzählig, der Serviettenvorrat der Familie herbeigeholt und zur Sckwnung der Toilette den Gästen vorgebun- ven, und diese konnten nun glückselig darauflosschmausen.
Es fehlte übrigens nicht an bedauernswerten Zwischenfällen. Ein derber Karl, dessen Begriff Von geselligen Freuden bisher nur darin zu bestehen schien, daß er seine Rachbarn puffte und an den Haaren zog, war neben einen empfindsamen Julius placiert worden, der keinen Spaß
Kindergesellschaft.
Don Hans Arnold.
Aus der Humoreske „Pauls burtstag" mit Erlaubnis des leger« A Bonz. Stuttgart. Bande: Ausgewählte Rovellen Hans Arnold entnommen.
verstand und in lautes Wimmern aus brach Die beiderseitigen Mütter, die „auf ein Stündchen" mügefommen waren, um sich „die kleine Gesellschaft anzusehen", mußten gezwungen Partei gegen ihre Söhne nehmen, wobei Karls Mama den weinenden Julius innerlich für weibisch, die glückliche Besitzerin von Julius aber wieder Karl für roh erklärte und jede sich freute, den andern nicht zum Kinde zu haben. — Eine ilntcr&rcdjung der Tafelfreuden fand auch insofern statt, als es sich herausstellte, dah dem Senior der Gesellschaft ein Maulezahn wackelte. Dieser mußte nun aus Besorgnis, er könne mit dem Zwieback verschluckt werden, unter Tränen operiert werden, ein Vorgang, der brennendes Interesse bei den anderen Kindern erregte und mindestens fo gut war wie eine Theatervorstellung.
Rach aufgehobener Tafel machte man sich ans Spielen. Dir meisten geselligen Unterneb- mungen scheiterten leider daran, dah die Gäste noch zu klein waren, um die Pointe der Sache zu verstehen, und als man eine etwas lärmende „Reise nach Jerusalem" entrierte, schickte der Mieter aus dem ersten Stock herauf und lieh flehentlich um Ruhe bitten, da schon zwei Prismen von seinem Kronleuchter abgefallen wären.
Die Beschäftigung mit Pauls neuen Sachen ging auch nicht recht, denn Paul wollte in unbegrenztem Eigentumssinn nichts borgen und spielte immer gerade mit dem, was sich ein Gast erkoren hatte. Der fleine Franz fetzte feine Wirte dadurch in tödliche Verlegenheit, dah er händeklatschend und flehend alles geschenkt haben wollte. Als ihm dies verwehrt wurde, packte er sich hinterrücks das Hängcschürzchen voll und machte sich bereit, damit abzuziehen. Bei diesem unge'ey- mäßigen Vorgehen wurde er attrapiert und ihm der Raub wieder abgenommen, woraus er in ein so entsetzliches Geschrei ausbrach, dah er „wegblieb" und man allerseits Gott dankte, dah er überhaupt wieder zu sich kam.
Die fleine Versammlung bildete nun Gruppen nach Steigung und Instinkje, wobei sich nur der Alebelftanb herausstellte, daß der empfindsame Julius an einer Art Verfolgungswahn laborierte und ohne Aufhören zu seiner Mutter kam, um ihr mit Tränen zu klagen: „Die lassen mich nicht mitspielen, der hat gesagt, er borge mir die
Peitsche nicht!" woraus er dann immer wieder getröstet und per Zwangspaß der menschlichen Gesellschaft zurückgegeben wurde. Das fatalste Mitglied des Kreises war eine unsäglich tugendhafte, beständig klatschende Else, die von Paul auf Grund der einfachen Angabe: „sie hat Lccken", zur Kindergesellschaft befohlen war, und di^ in edler Selbstgerechtigkeit beständig Reden über sich im Vergleich mit den andern hielt. „Paul nimmt, ohne zu fragen, nicht wahr, das ist doch unartig? Ich frage immer, wenn ich etwas nehme! Ach, Paul weint noch — solch ein großer Junge — ich bin viel kleiner und weine nie!“
Die Stunde einer vechältnismäßigen Erlösung brach endlich insofern an, als man von fünf Uhr ab die Erlaubnis hatte, den Haus- garten mit Vorsicht zu benutzen, und die mit- gekommenen Mütter sich nun empfahlen. Teils auf eigenen Füßen .sich nicht führen lassend, teils auf portativem Wege gelangte der gesellige Kreis die Treppen hinab, und unter Gottes freiem Himmel tobte die Kinderschar bis zum Abend. Dann öffnete Paul geräuschvoll die Tür des väterlichen Sprechzimmers, um mit unzweifelhafter Uebersättigung hineinzurufen: „Die werden noch nicht abgeholt!'r Auf Paul wirkte das Un- gewohnte entschieden nicht vorteilhaft, er litt sichtlich unter dem Uebermah der Freuden, die sich heute in materieller und ideeller Gestalt aus ihn gehäuft hatten, und gab durch ein herzliches und öffentliches Gähnen feine vollständige Ueber- einstimmung mit Falstaffs Worten kund: „Ich wollt', es wäre Schlafenszeit und alles wär' vorbei!"
Hinter ihrem mißvergnügten Wirt erschien die Schar der Geladenen. Ein Gast deutete durch eine bandagierte Stirn auf düstere Erlebnisse, deren Ursprung von Paul durch ein entschiedenes und unpcovoziertes „ich war's nicht!" in kriminalistisches Dunkel gehüllt wurde.
Der Doktor sah mit feindlichen Blicken auf die Kindergefellschast. die. statt sich mit Hüten und Mäntelchen in dem erwünschten Stadium des Abschiednehmens zu befinden, ganz den (Sinbrucf machte, als wollte sie sich hier oben noch einmal häuslich niederlassen.
Die kleinen Gäste mußten auf jeden Fall entfernt werden, und da in der Liebe wie im Kriege alle Mittel gelten, so führte unser Ge
burtstagsvater den ersten Gedanken aus, der ihm durch den Kops schoß, ohne zu überlegen, wie weit derselbe loyal und dem Völkerrecht entsprechend sei.
Er hob Paul mit einer Zärtlichkeit, die sonst bei Vätern für unmännlich gilt, auf seine Knie und flüsterte ihm ins Ohr. „Richt wahr, du möchtest gern schlafen gehen, mein Junge?" woraus Paul laut und unhöflich schrie: „Ja, die sollen Weggehen, die sollen jetzt nach Hause gehen!"
Der Vater gebot ihm Schweigen und wandte sich dann an seine Frau: „Elisabeth, der Junge ist nicht ganz wohl, du hattest schon recht heute früh — ich habe ihn mir eben angesehen — der — kriegt die Masern!"
Diese mit erhobener Stimme gesprochenen Worte übten auf die Kinder und besonders auf die Bonnen die Wirkung aus, die ein Weih, der unter die Hühnerschar fährt, zu veranlassen pflegt. Mit und ohne Entschuldigungen, aber in blinder Hast verabschiedete sich Pauls Kindergesellschaft. und während die angstvolle Mutter ihren Jungen nach Masern durchsuchte, retirierte die ganze Bande und nahm sich kaum Zeit, ihre Hüte und Mützen zu sammeln.
Als der letzte Gast sich entfernt hatte und man sich in der wohltuenden Ruhe und Stille erst bewußt wurde, wie groß der Lärm des Tages gewesen fei, ergriff die Mutter ihren Paul, um ihn nun auch sofort zu Bett zu bringen und dem üblichen Verziehen mxfc eine Ertradvsis ä conto der Blasern hinzuzufügen. Ihr Mann aber hielt sie zurück — er sah lehr vergnügt aus.
„Wie kann sich eine alte Doktorsfrau so ins Bockshorn jagen lassen!" sagte er behaglich, „hast du fefcon einmal ein Malerkind gesehen, das so munter aussieht?"
Die Mutter sah ihn erstarrt an.
„Rein, nimm rnir's nicht übet!“ rief sie dann empört, „das ist doch zu arg!"
„Se> du ganz still!" erwiderte der Doktor ruhig, „und bedanke dich bei mir! Ohne meinen klugen Einfall sähe die furchtbare Barche samt den sechs Fräulein und K'.nderrüuhmen noch zwei Stunden hier und du hättest morgen die schönste Migräne! Statt dessen trinken örr jetzt gemütlich Tee und Paul darf xur Geburtstagsfeier aufbleiben und mit am Tisch essen!"


