Ausgabe 
28.7.1925
 
Einzelbild herunterladen

Vizepräsident Gräf, seine Redezeit sei um. Erregt ruft Abg. Höllein: Herr Präsident! Ich verbitte mir Ihre Methoden! Die Redezeit be- ragt eine Stunde. Ich lasse mich von Ihnen nicht schulmeistern!

Diese Auseinandersetzungen werden von den Ab­geordneten mit Lärm und Gelächter begleitet.

Gelächter und Unruhe halten noch an, als Abg. Höllein nach einer weiteren halben Stunde seine Rede beendet.

Paragraph 1 des Einkommensteuergesetzes wird dann mit großer Mehrheit angenommen.

Reichstcrgsferien vor Erledigung derJoMorlcrge?

Die Blätter messen der heutigen Sitzung des Aelle st enrates des Reichstags, in der das ArbeitsprOgramm bis zu den Parlamentsferien festgrlegt m rden soll, große Bedeutung bei, da die Sitzung Klarheit darüber schaffen soll, ob es noch möglich ist, vor den Fer ien die Z o l l- Vorlage zu verabschieden. Mehrere Blätter geben Informationen aus parlamentarischen Krei­sen wieder, wonach der Aeltestenrat wahrschein­lich beschließen werde, die Reichstagsverhandlun­gen ohne Erledigung der Zvllvorlage am Samslag, dem 1. August abzubrechen und die Sommerpause eintrcten zu lassen, da es außerordentliche Schwierigkeiten biete, das Haus beschlußfähig zu erhalten. Die Zollvorlage soll erst im September in einer Sonder- tagung zur Beratung fomintm. DieTägliche Rundschau" erklärt demgegenüber, daß die Reichsregierung nach wie vor aus dem Wunsche bestehe, daß die Zvllvorlage noch v o r der Som­merpause erledigt werden soll. Die ..Deutsche Tageszeitung" bezeichnet es als a u s g e s ch l o s - s e n, daß die Regierungsmehrheit sich zu einem solchen Vorgehen bereit finden könnte.

Aus den Reichstags- ausschüffen.

Der Haushalturrgsansschirß beriet den Haushaltsplan der allgemeinen F i -- nanzverwaltung. Der Gesamtüberschuß im Haushalt 1925 der allgemeinen Finanzverwal­tung beträgt 3513 Millionen Reichsmark gegen­über einem Gesamtüberschuß von 2238 Millionen Mark im Jahre 1924. An Einnahmen sind für Einkommensteuer -1,7 Milliarden Mark verzeichnet, für die allgemeine älmsah­st e u e r und Luxus st euer IV, Milliarden, für Vermögenssteuer 500 Millionen Mk., für die Körperschafts st euer 300 Mil­lionen Mark, für die Veförderungssteuer 282 Millionen Mark. Die Grunderwerbs­steuer ergibt im Zähre 1925 nur 15 Millionen Mark gegenüber dem zehnfach höheren Ertrage im Jahre 1924. Die Börsen st euer, die 1924 vier Millionen Mark erbrachte, ist mit Ab­lauf des 31. Dezember 1924 außer Kraft getreten. Der Ertrag der Börsenumsahsteuer wurde von 150 Mill. Mark 1924 auf 95 Mill, im Jahre 1925 gesenkt. An Zöllen und Verbrauchs­steuern ergibt sich im Jahre 1925 ein Ertrag von insgesamt 1514 Millionen Mark gegenüber 1990 Millionen Mark im Jahre 1924. Aus Steueraufkommen müssen an Lander 2172 Millionen Mark überwiesen werden.

Der Rechtsausschuß

setzte die Beratung des Amnestiegesetzes fort. Der deutschnationale Redner wandte sich gegen eine Erweiterung der Amnestie, weil die Regierungsvorlage der Mehrheit feiner Partei schon zu weit gehe. Ein Vertreter der preußischen Regierung erklärte, die preußische Regierung werde eine umfangreiche Vorlage für künftige Amnestien einbringen. Anträge der Sozialdemo­kraten, Kommunisten und Völkischen auf An­sehung höherer Strafen unter die Amnestie wur­den abgelehnt.

Der Handelspolitische Ausschuß setzte die Einzelberatung der Agrar zolle fort. Ministerialdirektor H o s f m a n n n hob her­vor, daß die Zölle für Obst und Gemüse bei den Handelsvertragsverhandlungen eine große Rolle spielen. Der Regierungsvertreter bat den Vorlageplan beizubehalten, da die deutschen Untertäniger sonst in eine unmögliche Lage ver­seht würden. Sämtliche Abänderungsanträge der Opposition wurden abgelehnt. Annahme fanden nur einige Kompromißanträge, durch die der Zollsatz für Keltertrauben und Weinmaische von 45 auf 60 Mk., für Bananen von 15 auf 30 Mk., für Apfelsinen von 12 auf 20 Mk. erhöht wird.

Billigung des Saarzollabkommens.

B e r l i n, 27. Juli. (WTB.) Zur Besprechung das Zollabkommens für das Saargebiet, zu dessen Ratifizierung die beiden französischen Kammern bereits die Ermächtigung erteilt haben, fand heute eine gemeinsame Sitzung des han­delspolitischen Ausschusses des Reichstages mit einer Abordnung des Saargebiets, die aus Vertretern der politi­schen Parteien, der drei Gewerkschaftsrichtungen, der saarländischen Wirtschaftskreife und der Han­delskammer bestand, statt. Trotz schwerster Be­denken des handelspolitischen Ausschusses wurde eine Einigung dahin erzielt, daß das Saarabkom- men einstimmig gebilligt wurde. Einstimmig­keit herrschte auch darüber, daß bei Abschluß eines endgültigen Abkommens volle Gegenseitigkeit gewährt werden müsse und daß das gegenwärtige Abkommen nur des­halb tragbar sei, weil es nur auf vier Monate, als Uebergangsregelung gedacht sei.

Emil Eichhorn

3m Alter von 62 Jahren ist der tommu- nistrsche Reichstagsabgeordnete Emil Erchhorn aus dem Leben geschieden. Fast in Vergessenheit geraten, war er doch immer noch einer der eifrigsten Parlamentarier, der stets zur Stelle war, gleichgültig ob im Plenum ober in den Ausschüssen verhandelt wurde. Die Kommunisten verlieren in ihm Zweifellos einen jener Männer, der es bis zum lebten Augenblick verstand, in der Partei selbst lugleichend und vermittelnd zu wirken. Die Zer en aber, da er an der Spitze der kommunistischen Revolutionäre aus dem Reiche einen Sowjet­staat machen wollte, sind für ihn längst vor­über gewesen; er war für die K. P. D. in der Hauptsache nur noch ein Prunkstück. Berlin kennt ihn aus den Tagen wilder Revolutionsstürme, als er im Polizeipräsidium mehrere Wochen hindurch die Geschäfte eines Polizeiprä­

sidenten ausübte, sich aber gleichzeitig aus Spartakisten und Unabhängigen eine Revo­lutionsarmee schuf, deren Basis das Prä­sidium selbst war. Der von ihm angezetteltc Januaraufstand 19 19 wurde jedoch nie­dergeschlagen, Eichhorn mußte flüchten, kam erst wieder zum Vorschein, als er mit Hilfe der Un­abhängigen in die Rationalversammlung hinein- gewählt wurde. Später trat er zu den Kommu­nisten über, denen er bis zu seinem Tode als Reichstagsabgeordneter treu blieb.

Räumungsvorbereitungen in Duisburg.

Duisburg, 28. Juli. (TU.) Auch in Duis­burg machen sich die ersten Anzeichen der Räumung bemerkbar. In vielen Privatquartieren wird eif­rig gepackt und das große Gepäck fortgeschafft. Schon in den nächsten Tagen werden verschiedene Truppenteile die Stadt verlassen.

Die Lage in Marokko.

Abd cl Krim

wendet fid) qcßcn Spanien.

Paris, 27. Juli. Die Lage bleibt an der ge­samten Front weiter ruhig. Feindliche Angriffe, die auf Ain Bu Aissa und bei Tafrant nördlich von Fez auf El Bali gemeldet waren, scheinen an Stärke zu verlieren. Abd e l Krim unternimmt weitere Repressalien gegen die Stämme, die von un­seren Truppen geschlagen find und Verhandlungen über ihre Unterwerfung eingeleitet haben. Anderer­seits setzt er seine Propaganda bei den vom Rifgebiet weit entfernt wohnenden Stämmen fort. Seme Abgesandten und Briefe gehen sogar in die südlichste Gegend von Marokko. Durch das energische Vorgehen der örtlichen Kommandostellen sind diese Versuche unterbunden worden. Man glaubt, daß die regulären Riftruppen, die aus der französischen Front gezogen worden sind, gegen d i e spani­sche Front eingesetzt werden.

Hier hat Abd el Krim große Truppen­massen zusammen gezogen, und zwar soll es sich um seine besten Kampfeinheiten handeln. Mehrere aufständische Stämme sollen den Spaniern die rückwärtigen Verbindungen abschneiden. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß Ab el Krim einen großen Angriff gegen d i e Spanier vor­bereitet. Rur im Zusammenhang mit dieser Bewe­gung sind wohl auch die französischen Erfolge zu crllären.

Die Generalratswahlen in Frankreich.

Paris, 27. 3uli. (WTB.) Das Jnnen-- ministerium veröffentlicht über das Ergebnis der an den beiden letzten Sonntagen stattgefundenen! Generalratswahlen folgende amtliche Statistik; nach der sich die 1495 gewählten Generalräte auf die einzelnen Parteien wie folgt verteilen: Kon­servative und Liberale 131 (Verlust 26), Repu­blikaner (Demokratisch-Republikanische Vereini­gung) 216 (Verlust 36), Linksrepublikaner 236 Verlust 81), rechtsstehende Radikale (radikale Dissidenten) 98 (Gewinn 37), Radikale (Herriot) 601 (Gewinn 72), sozialistische Republikaner (Par­tei Driand-Painleve) 72 (Gewinn 25), Sozia­listen 135 (Gewinn 50), Kommunisten 6 (Ver­lust 11). Anter den Gewählten befinden sich 76 Senatoren und 142 Abgeordnete, während 6 Senatoren und 31 Abgeordnete unterlegen sind.

Bryans letzte Pläne.

Zum Tode Bryans erfahren wir noch folgende Einzelheiten:

Bryan starb wahrend des Mittagsschlafes. Als das Mädchen den Raum betrat, in dem sie Bryan schlafen glaubte, hörte sie ihn noch röcheln. Herbei­gerufene ärztliche Hilfe konnte nur noch den Tod infolge Herzschlages feststellen. Die Nach­richt von dem Tode Bryans rief große Sensation hervor, da Bryan im Begriffe stand, den Kampf um die Entwicklungstheorie auf den Höhepunkt zu treiben. Bryan hatte den Entwurf einer Rede beeenbet, die den Titel trug:Was kann ich für Jesus tun?" Seine letzte Arbeit erschien in führenden amerikanischen Magazinen.

Bryan, der in den letzten Jahren keinerlei Krankheitsanzeichen spürte, hatte den Plan, im gan­zen Lande den Kampf gegen den Modernismus in der Religion zu entfachen. Am Freitag sprach er in Chatanöga und hielt zwei Reden in Winchester. Am Samstag kehrte er nach Dayton zurück und er­örterte dort in einer öffentlichen Rede die Berufung imAffenprozeß". Es wurde auch bekannt, daß Bryan den Plan für eine Pilgerfahrt nach Palästina ausarbeitet, wo er mit etwa 40 An­hängern die Spuren Christi verfolgen wollte. In Jerusalem, Bethlehem und anderen Orten wollte Bryan Ansprachen halten und schließlich auf dem Oelberg eine Osterbotschaft verkünden. Bryan sprach den Wunsch aus, auf dem Nationalsriedhos zu Arlington beigesetzt zu werden. Da er als Oberst an dem spanisch-amerikanischen Krieg teilnahm, hat er Anspruch auf ein Begräbnis mit militärischen Ehren. Auch die erbittertsten Gegner zollen der Offenheit und Ehrlichkeit des Verstorbenen warme Anerkennung.

Die Berufung im Asfen-Prozeh abgelehnt.

Der Washingtoner Gerichtshof hat die Berufung im Affenprozeß abgelehnt mit der Begründung, daß eine Mißachtung der Bibel durch die Darwinsche Theorie nicht gegeben sei. Mit diesem Urteil des Washingtoner Gerichtshofs dürften auch die Prozesse begraben werden, die nach dem Mu­ster des Prozesses in Dayton gegen Lehrer ange­strengt werden fällten, die gleichfalls die Evolu­tionstheorie lehrten. Es verlautet, daß die Washing­toner Regierung die durch den Affenprozeß geschaf­fene Sensation, die sich zu einem Kulturkampf auszuwachsen drohte, nach dem Tode Bryans end­gültig zu beenden bestrebt sei.

Kleine politische Nachrichten.

Rachdem das Gesetz über die Wiederauf­nahme des Verfahrens gegen die Arteile der bayerischen Volksgerichte in Kraft getreten ist, hat F e ch c n b a ch , der Oktober 1922 vom Mün­chener Volksgericht zu 11 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden war, aber bann im Dezember 1924 Strafaufschub er­halten hatte, Wiederaufnahme des Ver­fahrens beantragt.

Die Verhandlungen zwischen den nach London zur Regelung der französischen Kriegs­

schulden an England gekommenen fran­zösischen Sachverständigen mit dem britischen Schatzamt haben begonnen. W.e verlautet, wer­den die Erörterungen sich in der Richtung be­wegen, daß gleichzeitig mit den französischen Zahlungen an Amerika ebenfalls entsprechende Zahlungen an Großbritannien erfolgen werden.

Das französische Strafgericht der zweiten Instanz hat das Versäumnisurteil, durch das die kommunistischen Abgeordneten Vaillant- Courturier und Marcel C a ch i n wegen Aufreizung von Militärpersonen zum Angehor­sam zu sechs Monaten Gefängnis und 1000 Franken Geldstrafe belegt wurden, infolge aber­maligen Richterscheinens der Angeklagten be­stätigt. Dadurch ist das Urteil boll ft red­bar geworden.

Aus aller Welt.

Zcppclittfeier in Friedrichshafen.

Der Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichs­hafen veranstaltet am 20. August anläßlich des 25jährigen Gedächtnistages des ersten Zep- Pekin-Aufstiegs eine Feier, an der Ver­treter der Reichsregierung, der toürttembergi- schen Regierung, der Industrie, der Gewerkschaf­ten und anderer Körperschaften teilnehmen wer­ben. Dr. Eckener wird bei dieser Feier den bereits angeiünbigten Aufruf an das deutsche Volk erlassen zur O p s e r s p e n b e für den Bau eines Zeppelin-Luft­schiffes, für den etwa 7 Millionen Mark er­forderlich sind, von denen durch die Spende etwa 4 Millionen aufgebracht werden müssen. Zu gleicher Zeit soll mit Anterstühung auslän­discher wissenschaftlicher Korporationen ein Er­suchen an die Botschafter-Konferenz gerichtet werden, den Bau eines 105 000 Kubikmeter großen Zeppelin-Luftschiffes zur Erfor­schung der Rordpolgebiete zu ge­statten.

Der Breslauer Schachkongreß.

Gestern war Ruhetag. 3n her heutigen 6. Runde des Meisterturniers gewann Bogol- jubow, der sich in hervorragender Form befindet, eine Mac-Cutcheon--Partie gegen Reti bereits in 25 Zügen und fjat sich dadurch mit 41/2 Punkten an die Spitze gesetzt, von der er voraussichtlich sehr schwer zu verdrängen fein wird. Auch Blu- misch gelang es in einem Damengambit (Reti- system), feinen Gegner von Gottschall durch kräf­tige Angriffsführung zu überspielen. 3n einem gleichen Turm-Läufer-Bauernendspiel gelang es Sämisch, Moritz infolge seiner größeren Ent- spielstellung zu überwältigen. 3n einer Remis- stellung brachte es Prof. Decker noch fertig, gegen Riemzowitsch zu verlieren. Die Partie Rubin­stein-Wagner wurde remis. Grünfeld und Dr. Tarrasch hängen, und zwar in besserer Position für Grünfeld.

3n der 6. Runde des Landes-Vorkämpfer- turniers gewann Schmitt gegen Kaltheuner, der remis erreichen konnte. Arbach gegen Schön­mann durch sehr gutes Spiel, Gilg gegen Müller, Hussong gegen Fuchs, Holzhausen gegen Kühn, nachdem letzterer einen Fehler machte. Die Partie Orbach-Dergmann wurde in Gewinnstellung für Orbach abgebrochen.

3n der 7. Runde gewannen v. Holzhausen gegen Bergmann, nachdem derselbe in einer Gewinnpositron einen sofort entscheidenden Fehler machte; Kühn gegen Fuchs, Schmitt gegen Arbach und Orbach gegen Kaltheuner bereits nach 23 Zügen. Remis wurden die Partien Schön- mann-Müller, Gilg-Hussong.

Weltkonferenz für praktisches Christentum.

Die Weltkonferenz findet unter Leitung des Erzbischofs Dr. S ö d e r b l o m°Apsala in der Zeit vom 19. bis 30. August in Stockholm statt. Auf persönliche Einladung von Dr. <9ober« blom wird wahrscheinlich auch. Reichskanz­ler Dr. Luther an der Konferenz teilnehmen und zur Frage der internationalen Christentums­arbeit sprechen.

Das französische Kunstgewerbe auf der Leiziger Messe.

Wie dieVoss. Ztg." erfährt, hätten seit einiger Zeit Verhandlungen stattgefunden, die die Organisation einer französischen Abteilung in der kunstgewerblichen Musterausstellung der Leipziger Messe zum Ziele haben. Ob sich dieser von Paris her angeregte Plan schon bis zur be­vorstehenden Herbstmesse verwirklichen lasse, ist noch nicht entschieden. Cs ist jedoch mit Sicher­heit damit zu rechnen, daß spätestens bis zur Frühjahrsmesse kommenden Jahres französische Firmen in Leipzig vertreten fein werden.

Ertrunken.

Rach einer Blättermeldung aus Stockholm kenterte im Kalmer Sund ein Segelboot. Sämtliche Insassen, zehn Jugendliche im Alter von 17 bis 21 Jahren, ertran­ken. Aus Gotenburg wurden drei Schwe­stern, die eine Segelfahrt unternommen hatten, vom Gewitter überrascht. Das Boot schlug um und alle drei ertranken.

Bei Mannheim ertranken die beiden Malergehilfen Emil Schau! aus Mainz und Hermann Schmitt aus Düsseldorf im Reckar unterhalb der Jungbuschbrücke. Die Beiden hat­ten in einem Ruderboot eine Spazierfahrt unter­nommen und fielen beim Platzwechsel ins Wasser. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werben.

Leichenräuber.

In dem Dresdener städtischen Kre­matorium, bas in dem Dresdener Vorort Tolkewitz liegt, wurden seit Jahr und Tag den Leichen, die zur Verbrennung eingeliefert wurden, von Krematoriumsangestellten die Goldplomben ausgebrochen und bann verkauft. Weiter wurden die Toten ihrer Kleidung beraubt. Auch wurden je zwei Leichen in einen Sarg gelegt und die dadurch eingefbarten Särge verkauft. Vom Dresdener Polizeipräsidium wird mügeteilt, daß die Akten des Kriminalamts über die Vorgänge bereits der Staatsanwaltschaft zugeleitet wurden. Die Anklage ist wegen Diebstahls, Anterschlagung, Betruges und anderer Delikte gestellt. Außer­dem wurde gegen eine Reihe von Angestellten Disziplinarverfahren eröffnet.

Eine Schuhfabrik niedergebrannt.

Am Montagaebnd entstand in der Schuh­fabrik Ohr in Pirmasens aus bis jetzt un­bekannter Ursache ein großes Feuer, dem sämt­liche Gebäude zum Opfer fielen. Drei Feuerwehr­leute mußten wegen Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Belegschaft von 300 Mann ist brotlos geworden.

Hochschulnachrichten.

Die politische Bildung der deutschen Studentenschaft.

Der diesjährige Deutsche Studenten, t a g wird sich erstmalig in größerem Maßstabe mit der Möglichkeit politischer Bildungsarbeit inner- halb der deutschen Studentenschaft zu befassen Haden. Das Amt für politische Bildung der deutschen Studentenschaft ist auf eine Anregung des Vorstandes im Wintersemester 1924/25 ent­standen und hat bisher nur propagandistisch und anregend in der deutschen Studentenschaft wirken können. Es hat sich gezeigt daß in den Einzel­studentenschaften starkes Interesse für politische Bil- dungsarbeit besteht, die besonders bei den Stu­dentenschaften, die sich aus ihrer Grenzland- arbeit heraus stärker mit den politischen Fragen des Grenz- und Auslandsdeutsch, t u m 5 haben beschäftigen müssen, zum Ausdruck kommt. Eine klärende Aussprache in der gesamten deutschen Studentenschaft über die Art und Müg. lichkeit politi her Bildung hat aber bisher noch nicht stattgefunden; es ist deswegen Aufgabe des diesjährigen Studententages, sich eingehend damit zu beschäftigen.

Verbandstagung der Vereine Deutscher Studenten.

Vom 2. bis 5. August findet in Kelbra am Kyffhäuser die Verbandstagung des Kyffhäu- feroerbandes der Vereine Deutscher Stu­denten statt, die durch die Feier -des 40jährigen Bestehens des Verbandes besondere Bedeutung er­hält. Seit über vier Jahrzehnten treten die V. V. D. St. ein für die Erziehung der akademischen Ju­gend zu bewußtem national- und sozialpolitischem Wollen. Eine große Anzahl bekannter Politiker und führender Männer aller Berufe sind dem V. D. 6t. entwachsen. Nach dem Kriege war es der Gedanke studentischer Grenzlandarbeit, der von den V. D. St. mit besonderem Eifer ausgenommen wurde. Nie eingestellt auf enge Parteilehren, und so ein Kampfplatz edlen Meinungsstreits um das Wohl von Volk und Vaterland, geht der Verband in sein fünftes Jahrzehnt. Auf der Verbandstagung werden die Alten Herren des Verbandes, Direktor N a d o l n y - Königsberg und Bürgermeister M o ft- Duisburg, über wirtschaftspolitische Fragen, sowie Landesrat H ü b l e r - Graz über die Anschlußftage sprechen.

Genfer internationale Ferienkurse.

Im September finden in Genf Ferienkurse statt, die von der Fädöration Universitaire Internatio­nale Pour La Sociätä Des Nations veranstaltet werden. Die Kurse behandeln eine Reihe politischer und wirtschaftlicher Probleme. Es wird damit ge­rechnet, daß an den Kursen 10 000 Studierende feil« nehmen. Deutschland ist in der veranstaltenden Or­ganisation durch die Zentralstelle für stud. Völker- bunbsarbeit vertreten, deren Leitung in Händen von Vertretern pazifistischer, sozialistischer, demokrati- kratischer und linkskatholischer Studenten liegt. An­geblich hat ein Vertreter dieser Zentralstelle auch im vorbereitenden Ausschuß für diese Kurse gesessen. Um so erstaunlicher ist es, daß unter den 31 Pro­fessoren und Politikern, die wahrend der Kurse Vor­träge halten, nur ein einziger deutscher ist, ein in den weitesten Kreisen unbekannter Herr Roßmann aus Wiesbaden. Wenn die Föderation Universitaire Internationale Pour La Sociötä des Nations glaubt, auf diese Weise in Deutschland Freunde für den Völkerbund gewinnen zu können, irrt sie sich. Jeden­falls müssen alle deutschen Studierenden dringend davor gewarnt werden, an Kurien teilzunehmen, bei denen man anscheinend bestreut ist, Deutschland die Rolle eines Kleinstaates zuzuweisen. Die Zen- tralstelle für studentische Völkerbundsarbeit in Deutschland aber möge sich gesagt fein lassen, daß sie bei dieser Art, Deutschland im Ausland zu ver­treten, zwar vielleicht gewisse Geldgeber, aber sicher nicht deutsche Studenten hinter sich hat. Vielleicht läßt sie sich vom Auslandsamt der Deutschen Stu­dentenschaft einmal darüber belehren, wie man die Interessen der Deutschen Studentenschaft und des Deutschen Volkes dem Ausland gegenüber würdig und erfolgreich wahrnimmt.

Ferienkurse in Venedig.

Die Hochschule für Handelswissenschaft in Vene­dig veranstaltet in der Zeit vom 1. bis 30. Sep­tember 1925 Ferienkurse für Ausländer mit folgendem Programm:

1. Italienische Sprache und Literatur.

2. Venedig in Geschichte und Kunst mit Füh­rungen zu Denkmälern, Museen und Galerien.

3. Goldoni und seine Komödien.

4. Geschichte der venetianischen Musik mit Auf­führungen im Salome del ßiceo Musicale.

5. Neuzeitliches Italien mit Führung zum Hafen und zu den Lagunen.

Die Kursusgebühr beträgt 100 Lire (ca. 17 Mk.). Der Eintritt zu den Musen und Sammlungen ist frei. 60 Proz. Ermäßigung auf der Eisenbahn, so daß z. B. die Fahrt BremenVenedig und zurück sich auf 16 Mk. stellt. Volle Verpflegung in der Dornus civica für den ganzen Monat 60 Mk. Minderbemittelte erhalten in der Mensa Uniuerfi- taria für 70 Pf. ein gutes Essen. Nähere Aus­kunft erteilt das Auslandsamt der Deutschen Stu­dentenschaft.

Eine Warnung.

Der Rektor der Thüringischen Landesuniver- sität hat eine öffentliche Kundgebung an die ata- deutsche Juged gerichtet, in der es heißt: Es ist in letzter Zeit mehrmals vorgekommen, daß deutsche Studenten ohne die unbe­dingt erforderlichen Mittel ins Aus­land gereist sind, so daß sie nach kurzer Zeit die Mildtätigkeit Privater im Ausland in Anspruch nehmen mußten. Es ist vorgekommen, daß deutsche Studenten nichtdeutsche Besitzer öffentlicher Lokale in den betreffenden Ländern um kostenfreie Nahrung gebeten haben. Durch derartige Vorfälle, die in weiten Kreisen bekannt und besprochen worden sind, ist das deutsche Ansehen, namentlich aber die Achtung vor der deutschen Intelligenz geschädigt worden. Jeder, der gerade in unseren Zeiten in das Ausland reift, muß sich bewußt sein, daß er nicht nur als Privatperson, sondern als Vertreter seines Vaterlandes reift und als solcher gewertet wird.

Wettervoraussage.

Meist bedeckt, frische westliche Winde, kühler, vielfach Niederschläge.

Die Lage des Tiefs ist heute nur wenig ver­ändert, doch hat sich bereits ein Teil des Kerns ab­gelöst und zieht in nordöstlicher Richtung über Skandinavien ab. Der Hauptfeil dürfte im Laufe des Tages auf dieesr Bahn folgen. Immerhin liegen wir noch im Gebiete der Tiefdruckausläufer und werden morgen mit Niederschlägen rechnen dürfen. Uebermorgen wird dann langsames Aufklären und Nachlassen der Niederschläge erfolgen.

Gestrige lagestempcraturen: Maximum: 21,4 Grad Celsius, Minimum: 13,2 Grad Celsius.