Ausgabe 
28.7.1925
 
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Dienstag, 28. Juli 1925

Blatt

(75. Jahrgang

Die internationale Kohlenkrisis

Front der Bergarbeiter zu dur

rechen.

bei

die des Des

bevollmächtigt ift, mit eingesetzten Bergbau­verhandeln, drangen darauf, ba& der Pre- Grubenbesitzer ersuche.

Annahme von Nnzelarn sür di« Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichö, auswärts 10 Goldpfennig: für Re» klame-Anzeigen v 70mm Breit« 35 Goldpfennig, Platzvorfchrift 20°, Auf­schlag - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilk Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: HanvBech, sämtlich in Gießen

bedauert, das; die Regierung der an den Steuer­vorlagen geübten Kritik kaum Folge gegeben habe. Die von der Reichsregierung zugesagte grundsätzliche Anpassung der Steuerlasten an die Leistungsfähigkeit sei nicht vorgenommen worden. Es sei 'bedenklich, wenn die Regierungsparteien eine Milderung der unerträglichen Steuerlasten nur von ausländischer Hilfe erwarten. 3m Ausschuß sei man an der entscheidenden Frage vorbeigegangen, wie ein dauerhaftes Ver- hältniszwischenBolkswirtschastund Steuern wiedcrhergestellt werden könne. Die gegenwärtige Finanzpolitik befindet sich auf

indem sie erklären, mit den Belegschaften ihrer Zechen örtliche Lohnabkommen abzu­schließen und b e en teilweise recht günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen an . Die meisten Verg- arbeiierge erlschaflen haben jedoch den Abschluß von örtlichen Lohnabkommen a b g e l e h n t. Die Unternehmer haben durch Anschlag an den Ar­beitsstätten be annt gegeben, daß sie zum Ab­schluß von neuen Abkommen bereit seien. Ter Gewerkschastsverband Hai alle Tlnter- vecbände angewiesen, unter keinen Umständen Sondervereindarungen mit den Arbeitgebern zu treffen.

Ein neuer Kuhhandel?

Der englisch-französische Meinungs­austausch über die deutsche Note.

pari», 28. Juli. (I1L) lieber den englischen Standpunkt zur deutschen Rote, der gestern dem Di- teflor des Quai d'Orsay, verlhelol, mündlich

kongresses hatte, der dem von der Regierung Untersuchungsausschuß zu die Gewerkschaftsvertreter mierminister baldigst die

in anderer Beziehung alle ihre früheren politi­schen Forderungen preisgegeben, um materielle Forderungen für den Großbesih damit zu erkau­fen. Roch vor knapp einem 3ahre hat ein Ver­treter der Deutschnationalen den Standpunkt ver­treten, solange wir Reparationslasten tragen, dürfen die deutschen Steuerlasten nicht erhöht werden. 3eht wird aber die Massensteuer auf Bier und Tabak ohne Rot so erhöht, daß wir daraus freiwillig 500 Millionen Goldmart in den nächsten Monaten mehr an die Entente zahlen, als das Londoner Abkommen uns auf» erlegt. (Hört! Hörti links.) Diese freiwillige Mehrleistung an die Entente übernehmen öie Parteien der Rechten nur, um auf dem Wege einer unerträglichen Mehrbelastung der breiten Massen den Grohbesitz zu schonen. Von sozialem Geist ist in diesem Steuerwerk nichts zu finden. Die Lvhnsteuerpflichtigen müssen danach weit mehr zahlen als die Veranlagungspflichtigen. Ein Steuersystem, das mehr als vier Fünftel aller Lasten den besitzlosen und enteigneten Schichten des Volkes auferlegt, muß dauernd den heftigsten Widerstand aller leistungsschwachen Kreise Hervorrufen. Wir lehnen für dieses ®e-

Am Montag ist der schon lange drohende Streik der saarländischen Bergar­beiter zum Ausbruch gefommen. Damit wird die Kohlenförderung Frankreichs biS auf weiteres um etwa zwanzig Prozent herabgedrückt. Die Folge davon wird sein, daß Frankreich erhöh­ten Bedarf an deuts chen Repara­tionskohlen, aber auch an englischen Kohlen haben wird. Wenn dann etwa noch der brobenbe Bergarbeiter streik in England Wirklichkeit werben sollte, so könnten mit einem Schlage die bisherigen ungünstigen Absatzverhältnisse für Kohlen in Europa gebessert werden.

England nimmt nach wie vor den ersten Rang unter den Kohlen produzierenden Ländern Eu­ropas ein. Deutschland folgt nach dem Verlust Ost-Oberschlesiens und nach der zeitweiligen Hin­gabe der Saargruben an Frankreich erst in weitem Abstande hinter England. Trotzdem hat sich für die deutsche Kohle eine Absahnot heraus­gebildet, die zu einer Katastrophe auszuarten droht. Wenn wie es bereits vor einigen Jahren einmal der Fall war, die britischen Kohlenbergwerke auch nur für ein paar Wochen aussallen, so würde das bei einer Jahrespro­duktion der britischen Gruben von rund 273 Millionen Tonnen einen Ausfall von etwa zwan­zig Millionen Tonnen machen. Genau so groß ist das jährliche Quantum deutscher Kohle, das bei den heutigen Verhältnissen keinen Absatz findet.

Wir haben in den letzten 3ahren einen Umschwung In der Konjunktur für Kohle erlebt. Während des Krieges und kurz nach dem Kriege bestand schärfster Kohlenhunger. Rachdem bann die gewaltigen Heere mit ihren riesigen Vorräten an Waffen, Proviant und Ausrüstungsstücken in ihre Heimat zurück­transportiert worden waren, nahm die Schiffs- bewegung und damit der Kohlenverbrauch für Schiffahrtszwecke ab. Wider Erwarten schnell haben sich die Kohlenbergwerke der nordfranzösi­schen und belgischen Kriegszone fast wieder zu ihrer Vorkriegsproduktion aufgeschwungen. Die mitteleuropäische Braunkoh .enförderuna, die bereits im Kriege weitgehend den Ausfall der Steinkohle wettmachen mußte, erfuhr eine neue Steigerung. Ta die Welt etwa nur mit 75 oder 80 Prozent ihrer früheren Wirt- schaftsintenfität arbeitet und inzwischen auch auf dem Gebie.e der Energiegewinnung aus Wasserkräften Fortschritte gemacht hat, übersteigt die gegenwärtige Produktion er­heblich den Bei ach, obwohl sie sogar noch um eine Kernigkeit geringer ist als die Vorkriegs- produkrion.

Der Führer der britischen Bergkette Eook hat erklärt, seine Kollegen würden sich unter keinen Umständen eine Herabdrückang des Lohn­niveaus unter den Vorkriegsstand oder eine Her­aufschraubung der Arbeitszeit über den Vor­kriegsstand gefallen lassen. Die britischer! Kohlen­grube.-besiher fühlen sich außerstande, die Lohn- und Arbeitszeitforderungen ihrer Belegschaften zu erfüllen, werm sie nicht die eben erst mit großen Opfern eroberten Märrte toieb.r verlieren wollen. Schon die Aussicht eines bevorstehenden Dergarbeiter'streiks hat die Preise für britische Kohle indieHöhegetrieben und das Aus­fuhrgeschäft erschwert. Es bleibt abzuwar.en, ob der drohende britische Streik bereits ein? Desse- rung der Absahaussichtenfürdeutsche

seheswerk jede Verantwortung ab. (Beifall den Sozialisten!)

Qlbg. Reubauer (Komm.) bekämpft Vorlage, die eine unerhörte Bevorzugung Belitzes und eine unerträgliche Belastung arbeitenden Volkes fei.

Abg. Dr. Fischer (Dem )

ihre früheren Vorschläge zurückzuziehen, denn die Derzeute seien bereit, unter den gegenwär­tigen Bedingungen solange toeitery-iarbcitcn, als die Verhandlungen anbauerten. Baldwin ent­schied sich für die per s önliche Uebe r- nahme der Leitung bei den kommens.'m Verhandlungen. Falls die am Mittwoch ftatt- findenden Derhan^l' ngen zwischen Grubenbe­sitzern und Bergan c fehlschlagen sollten, wird Baldwin ein eigenes Schema in Vorschlag bringen, nach dem die Kohlenindustrie, wie ver­lautet, vorübergehend aus Staatsmitteln unterstützt werden soll.

Die Gruberrbesitzer versuchen, die geschlossene

Nr. 174 (Elftes

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dringende Bitte um sofortige Hilfe aus. Gleichzeitig wird die Regierungskominission ersucht, anzuordnen, daß den Bergleuten im Saargebiet für alle die Feierschichten, die in den letzten Wochen vorgekommen sind, die Erwerbslosenunterstützung unter Ver­doppelung der Sähe ohne Verzug ausgezahlt werben.

Die gegenwärtige Streiklage der saarlän­dischen Grubenarbeiter hat auch die Ange« stellten der Saargruben veranlaßt, mit der französischen Dergwerksdirektion in Lohnoerhand- lungen einzutreten. In einer Vertrauensmänner­versammlung der im Gcsamtverbanb der deutschen Angestelltengewerkschaften vereinigten Angestell­tenverbände wurde mitgeteilt, daß seil der Frankeneinführung das Sinken der Kauf­kraft deS Franken eine biprozentige Verelendung der Gruben angestellten zur Folge gehabt habe. Dazu komme die vielfach schlechte und unwürdige, Behandlung und die Richtachtung der Berufs­organisationen, bereit Führer nicht einmal zu Lohnverhanblungen zugelassen würden. In einer unter starker Erregung diskutierten Entschließung wurde einstimmig gefordert, sofort alle Lohnver- handlungsmögllchkeiten zu erschöpfen und bei Ab­lehnung der berechtigten Gehaltserhöhung?- in Solidarität mit den Grubenarbeitern in den Streik zu treten.

Die Krise im englischen Bergbau. Eine Vcrmittlungsaktion Baldwins.

London, 27. Juli. (WB.) Bei einer Be­sprechung, die Premierminister Baldwin mit einem Sonderausschuß des Gewerkschasts-

einem ganz falschen Wege, ~enn sie weit über den tatsächlichen Bedarf hinaus viel zu Hobe (Steuern auS der Wirtschaft zieh . Tie La e i b och e d i e , Ire n sich zu bet ver e en überspannten S.euecpolitik noch eine versehlie überspannte Hochschutz- zollpolitik gesellt. Seitdem bie Deutsch- nationalen bie W rtschaftspolitik der Regierung führen, wird nicht mehr auf Preissenkung, son­dern auf Preisheraufsetzung hingewirkt. (Sehr wahr links.) Die gegenwärtige Finanz­lage würde einen durchgrcif: den wci e.en Steuer­abbau durchaus gestatten. Wir können mit einem Tleberschuß von mehr als einer Milliarde rechnen.

Reichsfinanzminister von Lchlteben:

Ich habe schon im Ausschuß bie Behauptung widerlegt, daß wir fiskalische und Thesau- rierungsprlitik trieben. Bei der gegenwärtigen unsicheren Wirtschaftslage ist es aber notwendig, bei den Reichsfinanzen vorzusorgen. Mit den jetzt festgestellten Ueberschüssen müssen wir bis zum Ende des Jahres auskommen.

Abg. Schröder -Mecklenburg (Dölk.) er­klärt, er könne sich den Ausführungen des Abg. Fischer anschließen. iRufe rechts: Die neue Ein­heitsfront der Völkischen und Demokraten!) Wir entscheiden immer nach sachlichen Gesichts­punkten und sind in vielen Dingen demokratischer als sie." Der Finanzminister sollte nicht ein­fach dekretieren, was die Wirtschaft an Steuern leisten müsse, sondern er sollte seine Ausgaben nach der steuerlichen Leistungsfähigkeit einrichten. Die unerijürie Lieberspannung der Steuern sei um fo verwerflicher, als der Ertrag über die Verpflichtungen des Dawesabkommens hinaus der Entente zum großen Teil freiwil­lig ausgeliefert werden solle.

Abg. Höllein (Kom.) beantragt Ver­tagung der Aussprache über die Einkommen­steuer. weil die Regierungsparteien die Oppo­sitionsparteien mit einem neuen Antrag zur Lohnsteuer überrumpeln wollten.

Der Veriagungsantrag wird gegen die Linke abgelehnt.

le CanötDi tuL ' der SäitfK

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. -"«Mim dw tu JLMV fianbtom. dir buri) acher.

Abg. Höllein (Kom.) ruft dem Zentrum zu:Da sind sie schon zusammen, bie Heiligen und bie Ritter!"

Bei der (Sinfommenftcuerborlage wendet sich Abg. Eggerstedt (Soz.) gegen die Regierungs­vorlage und die Ausschußbeschlüsse.

Abg. Rebel (Kom.) beantragt wieder Ver­tagung mit dem Hinweis, daß die Abgeordneten, die vorher für Weiterberatung stimmten, nicht im Saale geblieben wären.

Die Abstimmung erfolgt durch Hammel­sprung. Dabei beteiligten sich Sozialdemokraten. Kommunisten und Demolralen mit Ausnahme ihrer Frakttonöfüh.er Müller, Koch und Höllein nicht. Es stellte sich Beschlußunsähigkett heraus, ba nur 169 mit nein und sechs Abgeord­nete mit ja gestimmt haben.

Die neue nach 7 Uhr eröffnete Sitzung beginnt mit der

Weiterbcratttng bev Einkommen­steuergesetze.

Abg. Schneider» Berlin (Dem.) meint, es sei das erstemal in der gegenwärtigen Reichstags- sesfion, daß ein Gesetz in solcher Mongelhaftig- feit und Unfertigfeit aus den Ausschüssen vor das Plenum gekommen sei, wie das Einkom­mensteuergesetz. Namentlich der Lohnabzugs- Paragraph sei so schlecht formuliert, daß die Re- gierungsparteien sich veranlaßt gefühlt hätten, noch schnell eine neue Fassung dem Plenum zu unterbreiten. Das ganze Gc'etzgebungswerf, das der Reichstag morgen verabschieden werde, sei so re­formbedürftig, daß sich der Reichstag schon in Bälde wiederum mit dem Steuerproblem beschäf. tigen müsse. (Zustimmung linfs.) Das sähen auch die Kompromißparteien ein, indem sie nicht nur eine neue Lohnsteuer, sondern auch noch andere Erleich­terungsanträge anfündigen. (Beifall linfs.)

Abg. Höllein (Komm.) wendet sich unter gro­ßer Unruhe des Hauses gegen die Regierungspar- teien, die hier einen großen Raubzug planten. Die Kommunisten würden mit allen Mitteln dem Raub­zug derRaffkeparteien" entgegentreten. Nachdem Abg. Höllein eine halbe Stunde geredet hat, sag»

im Nestbau jel.

ermann.

en Gegenden und von zelnesler, die durch ihre uchsinkennester, ideres aus einer Buche, iWen Tnpus, weisen r, den Nistbäumen am elieidung aus. Das eine es LekleidungMaterial. mit Kalkmilch bespritzten sonst üblichen Bausioss kry) verwendet. Nr. 4 be einer Wiese, auf der iufoen mH tBirfenbaft, liartonftüfen, im 3n. n und Wolle betteltet, e Erscheinung. Nr. 5, ppel, weist nutzer 'Baff t Papiechreisen aus. nsel aus einer Fichte, Fichtenreisig umkleidet, lest aus der Laube eines ein anderes von einem je derart ab, bah der >tz des sonst typischen n zugesprochen haben leerftraud) angelegter, meft, mehrere Selb« rschiedenartige Bauten Zweifel über ihre Der« eiten spricht wohl in agstrieb dzw. die Sorge menschast, sodann aber una. Aus der anderen weniger Sorgfalt an- menschlicher Wohnungen tz der Bogel dort, wo er iMauchMwemger ispielsweise ber MJml, oft fein M

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Kohle zur Folge hat. Die Verhandlungen, d.c kürzlich zwischen Vertretern des Ruhrbergbaus und den zuständigen Fachministern anderseits stattgefunden haben.'lassen keinen Zweifel an dem bitteren Emst, der die Lage des Kohlenbergbaus und der Schwerindustrie kennzeichnet. Auch bei uns drohen Forderungen der Bergarbeiterver­tretungen in bezug auf Arbeitslohn und Arbeits­zeit die Lage weiter zu verschärfen.

Reben Großbritannien, bas 1924 wie bereits erwähnt rund 273 Millionen Tonnen Steinkohlen, und neben Deutsch­land. das im gleichen Jahre rund 119 Mil­lionen Tonnen förderte, kommen unter den eu­ropäischen Staaten nur noch Frankreich (58 Millionen). Polen (32 Millionen) und Bel­gien (23 Millionen) in Betracht. Trotz der sehr billigen überseeischen Frachtarten liegt eine Zu­fuhr amerikanischer Steinkohle kaum im Bereiche der Möglichkeit. Materiell wären die amerikanischen Kohlengruben durchaus in der Lage, größere mengen nach Europa zu lie­fern. Im Jahre 1924 produzierten bie Ver­einigten Staaten von Amerika genau so viel wie bie erwähnten fünf größten europäischen Kohlenprobuzenten zusammen genommen. Wenn die gegenwärtige deutsche Kohlenkrise bie Folge haben sollte, baß wir zahlreiche Gru­ben st i liegen müssen, so würde das tatsäch­lich für die britische Kohle eine Art Monopol in denjenigen Ländern Europas schaffen, die über keine ober doch nur ungenügende Kohlenlagerstätten verfügen. Das Streben der Reichsregierung nach einer Verbesserung und Sicherung des deutschen Kohlenabsahes ist daher weit mehr als ein nationalwirtschaftliches Pro­blem: es ist durchaus ein europäisches Pro­blem, für das sich die im wesentlichen verbrau­chenden Länder (Italien, Spanien, die skandi­navischen Länder, Holland, die Schweiz usw.) mehr interessieren sollten, als dies bisher der Fall gewesen ist.

Der Bergarbeiterstreik im Saargebiet.

Drohender Ausstand der Berqban- anqestrllten.

Saarbrücken, 27. Juli. (DU.) Der Aus­stand der Bergarbeiter ist vollständig. Rund 99 Prozent ber Ve egschaften stehen im Ausstanb. Ve ass. e e Landjä er halten die Gruben beseht. Die Bergleute bewahren größte Disziplin. Hebe a l herrscht Ruhe. Die Gewerkschaftsführer Wei en in Paris, um mit dem französischen Ar- beilsminister über die Lohnfra,e zu verhandeln. Die großen Metallarbeiterverbände des Saar^eo.e.es haben sich mit den Bergarbei­tern solidarisch erklärt. Der Landesrat des Saargeü'.e es wendet sich an das französische Qlrbci13minifte.ium mit einem Telegramm, in dem die große Rotlage ber Bergleute als die Tlrsache des Streikes bezeichnet wird und wegen der f. ' r.?n Folgen für die ganze Bevölkerung dringend ge e en wirb, ben Forberungen bet Bergleute weitestgehend gerecht zu werden. In einer Eingabe an die Re- gierungskomn.i^ion des Saargebieies sprechen ferner die Landesra sfräktionen des Zentrums und ber Deutsch-Saarländü en Dollspartei die

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Druck und Verlag: vrühl'fche Univerfiläls-Vuch- und äleindruckerei H. Lauge in Sietzen. Schriftleimng und Seschäftrstelle: Zchulftratze L

Die 5teuerooi\agen im Re chstag.

Berlin, 27. Juli. Präsident Loebe widmet mmächst dem gestern verstorbenen fommunistifchen 2bg. Eichhorn einen Nachruf, der von den Abgeord^ Uten stehend angchört wird.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung lei Steuervorlagen.

Im Namen der Regierungsparteien gibt

Abg. Dr. Obersolireu (Du.)

. -ine gemeinsame Erklärung ab des Inhalts, die Re- jierungspürteien hätten sich trotz fchwerer Bedenken lesen Einzelheiten der Gesetze entschlossen, den Bor- ugen zuzustimmen. Die Belastung der Wirt- <Qa f t sowohl als der einzelnen Steuerzahler ei zwar geradezu unerträglich hoch, aber ne Finanzlage des Reiches und die schweren R e larationslaftcn ließen leider eine weitere PI jlderung nicht zu. An das Ausland müsse die )ringende Mahnung gerichtet werden, einen voll, linbigen Zusammenbruch der deutschen Wirt- ch»:st dadurch zu verhindern, daß man mehr Rücksicht iuJ die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, las verringerte Einkommen des deutschen Bolles imi seine sozialen Lebcn^notwendigkeiten nimmt. Beionbers schmerzlich sei es den Parteien gewesen, die Finanzlage des Reiches einen stärkeren Ab- iru der Umsatzsteuer nicht erlaubt. Die Par- rtm äußern einmütig den Wunsch, daß die Regie- icng in eine eingehende Prüfung der Frage eintritt, n welcher Weise das S y st e in der Umsatzsteuer geändert werden könne. Die Regierungsparteien Liken den sozialen Gesichtspunkten Rechnung ge- ragen durch eine wesentliche Verstärkung des Zinderprivilegs. Mit dem Fi^nanzaus- ile ich sei den Bedürfnissen der Länder und Ge- iwinben mehr als bisher Rechnung getragen wor- 't-n. Wir müßen aber die t r n ft e Mahnung >ur Sparsamkeit richten vor allem an die Ge- iMinbeDertretungen. Auch da müssen bie Ausgaben )t n Einnahmen angepaßt werben. Das Reich müsse n ber Steuerpolitik ben Vorrang behalten. Trotz iler Debenken im einzelnen stimmten die Regie- mngsparteien ben Vorlagen zu in ber Erwartung, laß auch sie helfen werben zur wirtschaftlichen unb oktalen ©efunbung bes beukschen Volkes.

Abg. Hertz (Soz.)

Eine gesunde Steuerreform hätte davon aus° zehen müssen, daß zur Förderung der deutschen Dirtschaft vor allem die Stärkung der in« wen Kaufkraft der breiten Massen not- xnöig ist. Die Regierungsparteien haben aber M-gekehrt den Besitz geschont und die Massen trt Volles belastet. (Sehr wahr links!) Beim Z'inanzauSgleich sind dieselben Rechtsparteien, die 'rckher ausgesprochene Föderalisten waren, letzt 2bätzlich zu begeisterten TInitaristen geworden und Dionen immer wieder die Steuerhoheit des ^-nchs. Die Deutschnationalen haben aber auch

Iütermlttelf wurde, glaubtJournal mitteilcn zu rinnen, daß die englische Regierung vorläufig auf fine Konferenz verzichten wolle. Sie Mchtet der Auffassung bei, daß die Unterzeichnung bee Garantiepaktes ohne jeden Einfluß auf die vesehung des Rheinlandes bleiben iniiffe. Mebereinftimmenb besteht weiter über das Prinzip des (Eintritts Deutschlands In b tn Völkerbund und über die französische daß die Schiedssprüche obligato­risch sein müßten und keinen luristischen Eha- raftcr tragen würden, wobei die englische Regie­rung besonders Gewicht aus die Feststellung lege, daß dieses Prinzip auf die Auslegung strittiger V anfte des Versailler Vertrages voll zur Anwen­dung komme. Zu tiefergehenden Meinungverschie- ksnheiten gäbe dagegen bie Frage Anlaß, ob Sank- honen automatisch ergriffen werden könnten, ober ob für sie eine unparteiische Entscheidung erforder­lich sei. Die Klärung dieser Frage' sei von beson­drer Bebeutung, da es sich in erster Linie um bie 3«flfleUung ber Maßnahmen handle, die auf Grund tlees Verstoßes gegen die entmilitarisierte Rhein- laibjonc ergriffen werden sollen. Ein Gegensatz be­gehe ferner in der Frage der Garantie der Schiedsgerichtsverträge durch Frank­reich. Auchpetlt parifien gibt zu, daß die fran- ,öfische Forderung der Garantierung der Sckzieds- ßerichtsverträge im Offen jur Zelt ben größten Sfrin des Anstoßes bilde. Der französische Bot- Irfjafter in London, be FIeurlau, hat nach dem .petlt parifien neue Instruktionen crtjal- lem, die sich auf die französische Auslegung der Jtage des Internationalen Rechts beziehen.

(Ere Rouvelle macht in einer Betrachtung über M« Wiederannäherung Frankreichs und Englands bl« Feststellung, daß die Engländer f ü r e l n (E n t - gegenkommen In der europäischen p o- llllf die Unter st ühung Frankreichs in Ufien fordern. Die Zugeständnisse Englands am Rhein und sogar an der Deichsel sollen durch eine Solidarität der englischen und französischen Politik in Lhina erkauft werden.(Ere Rouvelle glaubt iu wissen, daß dementsprechende Instruktionen an )cn sranzösischen Botschafter in London ergangen inb und warnt Brianb vor allzu weitgehenden ver- Pi(ld)tungen. Das Watt macht auf die bedenklichen folgen ausmerksam, die ein allzu schros es vor- -rhen Frankreichs in Lhina nach sich ziehen würde.