Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Donnerstag, 28. Mai 1925
Ur. 125 Zweites Blatt
Die Lage des Deutschtums in der Tschechoslowakei.
Don Abg. Hugo Simm, Mitglied de« Prager Parlaments.
3u keiner Zeit noch ist die außerordentliche Bedrängnis des Sudetendeulschtums im.tschechi- I Hen Staate so klar vor filugcn getreten wie heute. 3n den ersten Jahren deL Bestandes des ichechischen Staates, von berp alle Bedrängnis «uSgeht, holten feine Schöpfer zunächst staatS- »:ganisotorische Arbeiten vorzunehmen. Aber auch ktese Arbeiten waren nichts anderes als Vorbereitung. als Schaffung der Mittel, welche öie ungezügelte Einwirkung in das Leben der MinderheitSnalionen der tschechoslowakischen Re- riablik ermöglichen sollten, Mittel, die nunmehr «it Planmäßigkeit angewandt inertem. Man rennt mit denselben an gegen die Rutsche Schule, die Grundlage der Tüchtigkeit b-rt Sudetendeutschen, man nimmt den deutschen Soden seinen Eignern man schädigt die deutsche lAtrtfchast, Oer. ichtet sie und zertrümmert damit r»ch den Arbeit-Platz Zehntausender Menschen.
Gehen wir etwas genauer in die Verhältnisse d«S so viel genannten Staates ein, in dem diese Dinge geschehen.
Er ist als V ö l k e r st a a t gebildet. DaS iu verleugnen, vermag nicht einmal der Friedens- r«rtrag von S t. G e r m a i n. Auch in ihm finden vir auf das Faktum des Nationalitätenstaates i^zugnehmende Bestimmungen. welche d i e Rechte ber nichttschechischen Völker, dar Millionen Deutscher, der Magyaren wie ter anderen präzisieren. Damit wird der tschecho- Yrwakische Staat in seiner völkermähigen Struk- tur verraten. Die MinderheilSschutzbestimmungen bat genannten Friedensvertrages, die bock) nur n. Mindest m ah deS Schuhes der nicht aus eichenem Willen staatSpoliNsch bestimmten Völker harfl eilen, werden troydem nicht beachtet, vielmehr trachtet da« tschechische Volk, das allein ti< tschechoslowakische Republik leitet und ver- reifet, die Dezimierung und S l a w i s i e- »ng der Minder heitsnationen durch- ichführen, um zum wahrhaft tschechischen Staate >rm politischen Höchstziel des tschechischen Volkes ju kommen. Der in dieser Richtung lausende .'»litische Wille ist sehr stark.
Man könnte behaupten, dah dieser politische ILille seine Ursachen in sekundären Derände» tu »gen, im Wachstum der tschechischen Nation hat ■ t*r eine Folge ist gewisser durch den Krieg und •i* Nachkriegszeit geschaffenen Krisenverhältnifse, icht zuletzt der ArbeilSkrise. welche, so oft sie nrstritt. den kausalen Zusammenhang zwischen Arbeit und Leben eine« Volkes erschüttert. Man !Jrmlc behaupten, dah aus diesen Gründen Klau« die Tschechen ihre Methoden üben, durch dr» sie versuchen, die allgemeinen Schwierigkeiten tc sich selbst auf Kosten der Minderheiten zu b erigieren. Wenn sie auch hierzu kein moralische« Ischl hätten, vielmehr die größere moralische glicht, al« staatssührendes Volk die Kriegsaus- rirkungen zum Guten aller zu wenden, am besten » gemeinschaftlicher Arbeit mit den anderen, tbt verstünden dennoch vieles, wenn die oben an- lefißrten Gründe für bat Verhalten des tschechi- Aen Volkes mahgebend wären
Sv sehr wir unB aber auch bemühen, in un- x« größten Kunst, der objektiven Betrachtung jischichtlicher und Dölf ermäßiget- Entwicklungen in< zu üben, einen au« der Entwicklung zwangs- iiiiifl herauSsliehenden Grund für die Arbeit >-r Prager Zentralisten als Repräsentanten des Hcchischen Volkes finden wir nicht Sin histori- '^*8 Recht, das die Tschechen ermächtigte. Siegen da- Besitztum der außer en anzu rennen, es ■ •u stören oder es in ihren eigenen Besitz über- |;uleilen, wie das letztere bei der ,Bodenreform" M^schieht, gibt es für kein Volk Schon der Hin- rli auf ein solches ist für die heutige Zeit- ji Raffung blamabel Mil diesen Begründungen Id® gebt c« nicht Es bleibt nichts übrig, als ■ ■iir die Methoden im tschechischen Staat die Er- llätung zu finden in dem ausgesprochenen Cha- lafter eines Eroberervolkes, als das sich tschechische Ration erweist, die in ihrem ge-
Marokkanische Bilder.
ä Don ®. v. Angern-Sternberg.
Die wenigen Eisenbahnlinien, die in Marokko Ito-aut worden sind, passen nicht in das heilige Ikitb der Sherifs Sie find wie riesige curo- ^ilche Ketten, mit denen die Ungläubigen aus ®en Norden das Reich des Sultans fesseln und ji: Sklaverei halten wollen. Als sie vor wenigen |5ü|ren gebaut wurden, kamen die Reiterscharen den Duars und Oasen auf ihren edlen Pser- jirt herbeigejagt und schossen au« ihren langen ■JliTiten auf die Erdarbeiter. Aber der Sultan «nie den Ungläubigen Konzefsionen erteilt, und «re Maschinengewehre hielten die Unzufriede- frx in Schach Heute können Fez, Tetuan und «ueache ohne besondere Mühe mit der Bahn er- *"cbt werden. Aber nach wie vor bleiben die ®i«-lfchienen ein aufgezwungener Fremdkörper peßenan laufen die Karawanenftrahen, die weit h 2a« Innere der Sahara.nach dem glühenden li Fl et und nach Timbuktu führen. 3 m Atlasge- i:ce ist alles ebenso wild wie vor hundert wren. Düstere Felfenmasfen, ausgedörrte fÄhen, in denen Giftschlangen und Skorpione i^s m. und in denen Rächt« Schakale bellen und benen lachen. Durch die öden Flächen läuft t» immer, nackt und sonnenverbrannt, der r.' Astari, der Bote des Sultans, der auf der .mft, in einer ledernen Umhüllung, die gesürch- klert Befehle und die Post seines Herrn durch LS Land trägt.
CSScnn in der Sonnenglut sich jedes Lebens m verkriecht und Feuer im flimmernden Glas irr: dem Sande und, Steinen zu brennen scheint, si muß der El-Aftari dennoch keuchend seinen "Tcj verfolgen. Man nannte sie früher die Pfeile ej Sultans, weil sie in ihrem fieber beutel die Günstigen Todesurteile ihres Herrn in die Wligensten Oasen trugen. Vie wurden von den 'reSbern mit 3ammergeheul und von den Män- itm mit Verwünschungen empfangen Der Sui- ttci erklärte sich zum Erben des Verurteilten, null so waren es denn fast immer die Reichen die JfaEen mußten, und deren blutenber Kopf durch
Duars getragen wurde. Der El-Aftari er- ■Ki>: selten das dreißigste Lebensjahr. irgendwo tttemxg« erliegt er dem Sonnenstich, und seine i^ohen bleichen am Rande der Straße. Zieht tf« Karawane vorüber, so steigt der Führer Ibn seinem Dromedar herab, lieft ein G^bet über
züchteten Verlangen nicht zu befriedigen ist. Aus diesem Geiste entspringt jede Maßnahme. Wie könnte der Kampf gegen bie deutsche Schule begründet werden mit dem Drange de« tschechischen Volkes nach Lebensraum? Der 'Bestand der deutschen Schule ist keine Gesahr für bas fieben der tschechischen Nation. Sie ist es niemals gewesen. Trotzdem muß sie verschwinden. Ober ist ber Bestand deutschen Bodens, der friedlich auf demselben wirtschaftende deutsche Eigner, der Arbeiter, ber Angestellte eine Gefahr für den Staat? Wahrhaftig nicht. Der Ertrag ber rationell wirischaftenben Deutschen, gleichgültig ob Dauer, Großgründler oder 3nbu- ftriemann. ist doch eingestandenermaßen für das fieben des tschechischen Staates die größte Voraussetzung. Dennoch wird die Existenz der deutschen Schule, des deutschen 'Bodens, der deutschen Wirtschaft und ber durch diese garantierte deutsche Arbeitsplatz vernichtet Der Ervberergeist des tschechischen Volkes befiehlt, die Grundlagen der Tüchtigkeit, insbesondere der deutschen Minder- heitSnation, zu st ö r e n , obwohl eingesehen wird, baß diese Grundlagen auchsolchebesStaa- teS find Aber man duldet keinen Besitzer neben sich man vernichtet ihn DaS Besitztum nimmt man unbeschädigt ober beschädigt
Unerhörte Wunden sind dem Sudetenbeutsch- tum bisher geschlagen. So sind einzig im 3ahre 1924 neue 14 Prozent deutschen kulturellen Besitzstandes genommen worden. Die Bodenreform wird weitergetrieben bis zur Vollendung des Prozesses der Ueberfüßrung von 4 000 000 Hektar land- und forstwirtschaftlichen Boden« aus den Händen deutscher privater Besitzer in den Besitz des Staates oder dem Staate genehmer Q3obenertocrber. Der deutsche Beamte wird in kurzer Zeit aus aHen Remtern des Staates gejagt fein DaS wird gemacht, obwohl man weiß, baß dieser prächtige Mensch traditionell vorbildlich: Arbeit geleistet hat Die deutsche Wirtschaft wird um soviel Blut gebracht, — der auf ihr lastende Steuerdruck ist ein gewaltiger —, daß sie ihrer Aufgabe kaum mehr gerecht zu werden vermag. Große Unternehmungen legen sich um. das weiß Gott mobilere tschechische Kapital springt ein, übernimmt und ergänzt den Plan der Führer der tschechischen Expansion.
Da« Raffinement des Kampfes, der gegen das Subetendeutschtum geführt wird, besteht hierin, daß man aus der Erkenntnis, baß dem deutschen Volk nur durch di e Erschütterung seiner Arbeitsmöglichkeit bei- zukommen ist, rücksichtslos Konsequenzen zieht. Die Arbeit, aus ber einzig unb allein ber Unterhalt eine« Menschen wie eines Volkes bestritten werden kann, eine eherne These, die auch für uns besteht, wirb immer unzulänglicher. Man zerstört bie geistige Elastizität ber Deutschen, seht sie dadurch beim Kampf um« Brot, bei dein bie Tüchtigkeit entscheidet, in Nachteil, man nimmt uns Zehntausende unserer Arbeitsplätze. Wie schon betont würbe, wirb in kurzem ber letzte Nest deutschen Staatsbeamtentums gewesen sein, kein Deutscher mehr Anwärter sein dürfen auf die vielen Arbeitsplätze im Boden- unb Waldbefih. Rur ber tschechische Anwärter wirb Arbeit finden. Die Dinge komplizieren unfer fieben gewaltig. Unser Nachwuchs wird auf ganze Unterfunft«- moallchkeiten wie sie ber Staatsdienst, ber fianb- uno Forst besitz, der Bergbau bot. verzichten müssen. Zumindest werden wir in Zukunft kaum einen geringen Teil der 3ntellegenzen, die in diesen Berufen unterkamen, produzieren dürfen. Möglich, daß wir noch als Arbeiter schlechthin eine Zeit das fieben fristen. Dann aber droht bei Fortführung dieses Systems ber Tob, den wir nur abwehren könnten, wenn in ber weiten Welt für unseren Nachwuchs Arbeitsplatz gc- schaffen würde. Dadurch, daß wir so in Zukunft nicht mehr hier wären als Sudelendeutfche, wäre das politische Ziel der tschechischen Ration erfüllt, der tschechoslowakische Staat wäre Nationalstaat. wäre i h r Staat
Ohne Zweifel würde es zu den letzten Herausforderungen des tschechischen Systems nicht gekommen sein unb nicht kommen, wenn der Abwehrkampf der Deutschen wie der dem Toten, wirst einige Haufen Sand über feine Augenhöhlen unb löst bie fiedertasche von feinen Schultern, um die Befehle des Sultans weiterzugeben, denn Wohl können die Boten de« Sultans sterben, nie aber dürfen seine Befehle unausgeführt bleiben. Das Lied des El-Aftari lautet: „OKutter, tritt mir nicht in den Weg: Bruder, bedeck dich mit der Zeltwand, damit ich dich nicht sehe, denn meine Zeit gehört dem Sultan und meine Seele Allah. Wenn ich sterben werde und der Sand meine Gebeine bedeckt, so tretet in der Nacht hinaus und ruft laut meinen Namen und schaut hinauf zum Himmel. Als Antwort lasse ich dann auf Euch meine Tränen als goldene Sternschnuppe fallen".
3n ber Nähe der Hauptstadt F« ist die Landschaft freundlich und wasserreich. Die Streßen beleben sich. Kleine Karawanen und einzelne Reiter ziehen vorüber, auch Gruppen von reichen Mauren im violetten seidenen Burnus, über den ein Mantel aus weißem Musselin geworfen ist, galoppieren auf prächtigen Rossen unter Dalok- rufen heran und heischen, daß man ihnen Platz macht. Bettler unb Krüppel bitten am Weg- ranbe um Almosen und strecken dem Reisenden ihre verdorrten, braunen Arme entgegen. Waffenklirrend und schreiend, nähert sich jetzt ein Zug marokkanischer ©olbaten, neben den Zügeln halten sre in der Hand die Enden von Ketten, die einigen Gefangenen um den Hals geschlungen sind, an öenen f*c vorwärts geaerrt werden. Es sind die Führer von aufständigen Triben, gegen die ber Sherif eine Straferpwition au«gefanbt bat Leidenschaftslos und finster blicken bie Gefange- 2®” }*or sich hin, gänzlich gleichgültig gegen ihr Schicksal, trotzdem sie ganz genau wissen, daß binnen wenigen Tagen ihre Köpfe an die Mauern der Zitadelle genagelt ober an Staketen auf dem Basar ausgestellt fein werden. - Die Soldaten unb die Rebellen schweigen, bis plötzlich einer der Gefangenen dem Offizier in gutturalen, schrillen Tönen etwas zuruft: es muß eine schwere Beleidigung gewesen fein, denn wütend wendet sich der Offizier, ein ungeschlachter Reger, dem Aufsässigen zu. Der aber speit ihm verächtlich ins Gesicht Der Reger sagt fein Wort, heult nur kurz vor Wut auf, dann blitzt fein krummer Säbel unb der Kopf des kühnen Rebellen ist fast vom Rumpfe getrennt, ein Strahl heißen Blutes springt aus ber Wunde. Das Pferd geht durch und ber in den Fesseln hängende Tote bleibt am Wege liegen. Vielleicht ßat ihn ein
anderer MinderheitSnationen. beim auch sie trifft alle«, wa« die Deutschen trifft, von allem Anfang an eine vernünftige Form gehabt hätte. Don einer solchen aber, al« dem richtigsten Ausdrucke des Willens zur Selbfib?bauD- tung, ist bisher nicht viel zu verspüren gewesen. Das subetendeutsche Volk ist tu sehr aufgelöst in Parteien, jede mit airderen politischen Auffassungen Der Mangel eines einheitlichen Widerst andeS gegen bie allen brohenben Gefahren hat zur Folge gehabt, baß der Prager Zentralismus immer kühner feine Tätigkeit fortsetzt. Die Erkenntnis dieses Fehlers im politischen Verfahren des sudentenbeutfchen Volkes wurde erst in ber letzten Zeit Allgemeingut der Eu- detenbeutschen. gcrab? ans bem eingangs erwähnten ilmflanbe heraus, baß unsere Bebräng- nis immer großer wird Die Sudetenbeutschen lösen sich immer mehr von der Reflerion ber politischen Zustände der Vorkriegszeit, in ber die Stellung der Deutschen ja doch eine andere war. wenngleich auch damals schon, bie allzu große Spaltung in Parteien, die sich gegenseitig bekämpften. Schaden stiftete, heute aber fördert der Parteikampf innerhalb deS deutschen Volles ber Tschechoslowakei bie Pläne ber tschechischen Expansion weit mehr als früher. Also muß man sich anbere Methoden zulegen. Diese Methoden werden weit mehr im Volk« selbst als notwendig erkannt, als sie jetzt schon durch die Politik interpretiert werben. Aber chre Interpretation kommt mit. gezwungenermaßen.
Das große politische Konzept ber Subeten- deutschen im tschechischen Staate ist bie Konzentrierung ihrer Kräfte, zu denen auch noch alliiert werden müssen bie Kräfte der anderen Minderheitsvölker. Richt baß bie Parteien verschwinden müßten, wohl aber müssen sie sich z u f a m m e n f i n b en zur Organisierung gemeinsamen Kampfes um die Behauptung gemeinsamen Besitztums: der Schule, ber Schollc, ber Wirtschaft, des Arbeitsplatzes. Dieser Aufgabe gegenüber find bie“fpeziellen programmatischen Ausgaben ber deutschen Parteien unte rgeorbnet. Lediglich von der Organisierung des politischen Lebens ber Minberhe'itSvölker ber tschechoslowakischen Republik hängt es ab, dem auf sie lastenden Druck des zentral regierten Machtstaates eine filenberung aufzuzwingen. Diese Minderheiten sind an Zahl zusammenge- nommen. wenn dem tschechischen Volke nicht überlegen, so doch gleich. Sie haben es selbst in der Hand, durch die Konzentrierung ihrer Kräfte dem steten Einfluß in ihr Leben ein Ende zu bereiten. Der wird immer größer und so wird die augenblickliche Bedrängnis ber Deutschen und ber anberen Minberheiten im tschechischen Staate nicht Anlaß fein müssen, den Untergang dieser Rationen zu prophezeien. Diese Bedrängnis wird zum großen Lehrmeister.
Aus der Provinz.
Landkreis ttictzcn.
* W ie s e ck, 27. Mai. In unserer Gemeinde wird am 13., 14. und 15. Juni das Lezirksfeft des B. D. R., verbunden mit 25jährigemJubi- läum des Rad f.-D ereins 1900 Wieseck stattfinden. Der Verein, der gleichzeitig 25 Jahre dem B. D. R. angehört, hat in den verflossenen Jahren manchen schönen Sieg errungen und ist nicht selten mit den ersten Preisen von Bezirks- und Dereinsoeranstaltungen nach Hause zurückaekehrt. Als bleibende Erinnerung an diese Errungenschaften find dem Verein eine stattliche Anzahl von Wert- preisen zugefallen, die das Vereinsheim schmücken. Im vergangenen Jahr wurde in dem Verein der Saalsport mit ausgenommen, um auch in Saal- Wettbewerben konkurrieren zu können. Die juaend- lichen Mitglieder, die großes Interesse an dem Saal- sport zeigen, haben sehr gute Fortschritte zu ver- zeichnen und werden erstmalig bei dem Bezirksfest in den Wettbewerb treten. Außer den vielen Saal- konkurrenzen sowie dem großen Preiskorso,- wie er wohl in Wieseck noch nicht gesehen wurde, sei auf das Zweier-Mannschaftsfahren „Rund um Wiese ck", ca. 60 ff m., hingewiesen, das wohl glückliches Schicksal vor Schlimmerem bewahrl. Kühne Anführer feiner Sorte werden bisweilen langsam in heißem Pech gesotten . . . ober, wenn sie sich unterwerfen, begnadigt. — Die Sitten find grausam. Der maurische Rechtslehrer fillfafi sagt: „Ueberall, wo Menschen sind, da soll auch der Henker fein. Abburachman, Dein tapferer Vorfahr, o Sultan, war mächtig, groß und weise, aber eigenhändig köpfte er seine Brüder und Söhne. Hassan sagte, baß, wen die Ketten brücken, bem soll der Henker den Weg 8um Paradiese offnen. Mansur tränkte den Sand mit dem von ihm vergoffenen Blut, und noch heute singt das Volk lehr Lob in den Zelten. Höre, o Kalif, sei wie ber Wolf in den Bergen, verzeihen soll allein Allah, der Barmherzige." So geschieht es denn, daß Mulei-Hassan ebenso wie fein als gütig bekannter Rachfolger Rbdul- Atis noch vor zwanzig Jahren ohne Gewissens- biffe feine W.dersacher blenden, köpfen oder in Pech sieben ließ. —
Vor ben Toren van Fez drängen sich Züge von Kamelen, Dromedaren, Reiter auf prächtigen, filbergezäumten Maultieren .und auf Pferden auS El-CHalil, dazwischen schreiende Eseltreiber. Ernste Mauren, Berber, Araber unb Reger. Fast nackte Derwische oder Mönche, die sich schwere Ketten um den Leib gewunden haben, schlagen unermüdlich auf eine kleine Hand trommel. Eine Reihe von Blinden, an ihrer Spitze ein weiß- bärtiger, würdiger Greis, um dessen Hals unb Anne sich Giftschlangen winden, wartet am Wege. Irgendein Irrsinniger mit blutigen Striemen auf dem Rücken tanzt in einer Wolke von golb g schimmerndem Staub, den f.-in? Füße au sw rbe n lassen. Reiter mit Jagdfalken auf dem Arm kommen heran, und wieder Kamele, auf deren Hocker in kleinen seidenen Zellen vermummte Frauen sihcn — Vor den mit wunderbarer Arabesken gezierten Toren hocken schweigende, halb träumende Gestalten Das Kinn haben sie zwischen den hvchgezvgenrn Knien vergraben unb starren mit offenen Augen ins Leere ohne sich um die Sonnenlast zu kümmern. Ihr geistiges Auge m g die Zeiten schauen, als aus allen Ländern am Mittelmeer reiche Beute h erber zusammcnfloß und Scharen von weißen Sklaven um S kl ar innen durch dieselben Tore vor den Thron des Sultans getrieben wurden.
Die Stadt ist ein versteinertes, maurisches Märchen. Eine seltsame Symphonie von blauem Mosaik, von geschnitzten Zirmen unb von tausend
allgemein mit großem Jnlereste verfolgt werden dürfte. Eine gröbere Anzahl von (Ehrengaben, gestiftet von verschiedenen Vereinen, Pri^mpersonen sowie der Gemeinde Wieseck sichen zur Verfügung. Der festgebende Verein, helfen Vorarbeiten sehr rege im Gange sind, wird es an nichts fehlen lallen um diese Tage zu einem großen Sport- und Werbesest ztt gestalten.
!•! Garbenteich. 27. Mai. Im Rathaus fand am Sonntag eine Versammlung der Landwirte flau, wobei Bürgermeister Burk den Vorsitz führte. Vor etwa 20 Jahren ist nämlich die F e l d b e r 11 n i g u n g durchgefahrt wor- ben mußten. liefbauinfpektor st u l l m a n n - Gie- Fluren und Gewanne dringend drainiert werden, jetzt stellte sich aber heraus, baß verschiedene ßen hielt einen Vortrag, wie die Ausführung der Drainierung auf bem Wege der Bildung einer Wassergenossenfchaft geschehen könne. Man beschloß, eine Wallergenossenschaft zu gründen, für bie sich auch die meisten Besitzer bereit erklär- ten. In her nächsten Gemeinberatssiftung soll beschloßen werden, wie die Mitel dis zur endgültigen Bildung der Genoßenschaft vorgelegt werden können.
* Lich . 26. Mai. Auf Sonntag nachmittag hatte ber hiesige Männergesangverein ..Eäcilia" zu einem Konzert in Steins Saalbau eingelaben. Die Ehöre nach ben Gesichtspunkten Gott, Heimat, _ ebe“ j - gaben bem Dirigenten. Lehrer Stein, wie den Sängern Gelegenheit, ihre Kunst im besten Lichte ^u zeigen. Erakles Zusammenfingen, <S'. crßeit tn ber Stimmführung, größte ßtiminculfaltung bei absoluter Reinheit des Tons, beutlidic Aussprache unb seelisches Erfassen der Stimmung zeichnetett biefe Gesänge aus. Besonders bei den Heimatliedern freute man sich, zu hören, wie echt bcutfdb, gemütvoll bie Sänger diele ergreifenden Dolkslieder empfanden unb Wiedergaben Die beiden Solisten standen auf bemerkenswerter Höhe. Die junge Sängerin, Frl. Marr atrS Hanau, von ihrer Lehrerin. Frl. Zehner, aufs verständnisvollste begleitet, bot in je drei Liedern von Trunk und Brahms einen reinen Genuß. Die leichte unb doch volle Stimme, der einfache, beseelte Bortrag erfreute alle Herzen. DaS letzte, neckische Brabmsliedchen Mein Mädel hat einen Rosenmunb" hatte einen solch durchschlagenden Erfolg, daß sich die Sängerin zu einer Zugabe genötigt sah. Auch der Violinspieler, Herr Schättler fließen', gewann ben Beifall der Zuhörer durch sein feines, sauberes Spiel. Die Q-Moll-Sonate von Tartinit von Herrn Stein dezent begleitet, wurde mit großer Fertigkeit zur Ausführung gebracht. Ton den an zweiter Stelle stehenden kleineren Stücken ficfiel die Mazurka von Wieniawski am besten: ie mußte wiederholt werden. Auch der Chor selber rnustte sich mit einer Zugabe für bett reich gespendeten Beifall bedanken. Llbends wurde noch das 50. bzw. 25. Öängerjubi- läum einiger Mitalieber begangen.
v Londorf, 26. Mai Der hiesige K r ic- ?erverain, ber unter ber Kriegs- unb Rach» riegSzeit zu leiden hatte, ist wieder zu neuem Leben erwacht. Durch die Anregungen des bo • zeitigen eifrigen Präsidenten, Zugführ: -!
Eifert, finden fast monatlich VereinsveZam-a- tun gen statt, welche mancherlei Anregungen geben und durch bie auch viele neue Mitglied?r am Beitritt angeregt wurden Ferner haben im Laufe des WinterS verschiedene sehr interessante Vorträge ftattgefunben, die besonders durch in? unparteiische Vortragsweise die Zuhörer fesselten. Rach Pfingsten beabsichtigt der Vereit, aus bem herrlich gelegenen „LöhnküppA" eia Schein benschießen abzuhalten. Da ein solches lange nicht ftattgefunben hat. wirb auf eine allseitige starke Beteiligung gerechnet. — Seit inniger Zeit ist im hiesigen v. Rabenaus chen Park an Rachtigallenpaar welches allabendlich mit fast militärischer Pünlllichkeit kurz vor 10 ilfor seine herrlichen Weifen ertönen läßt, bis in die frühen Morgenstunben. Jung und Alt erfreuen sich an ben herrlichen Tönen bi ser Sänger.
Ärcis Friedberg.
s. s. Fr iebberg, 27. Mai. Don einem bc- bauerlichen Unfall würbe gestern ber hier im Geheimnissen. Die engen Gasser trlaben ch
zwischen hohen Mauern unb münden au V i rc und von Palmen und F.'igenbäum n be'ch t ete Plätze, auf denen alles wieder durcheinan. ec schleicht drängt und lärmt. Die Mauren sind wichtig unb würdevoll, bie Berber schauen verächtlich auf alles Reue, was ihnen begcg ei rna . nur bie Reger tanz n un) j.f/ei un f[et fröhlich bi? weißen Zähn'. 3m Dunkel de. Lack» fchilchstraße liegt auf einer niebrige.i ^Treppe mit durchschnittener Kehle ein QU iure. De 7'nr an hat sich aufgewickelt und schleif! in b r D uti ,c. bie langsam die Stufen y nabsickert. Reoen der Leiche steht ein Soldat b?s Sultans in langem, rotem Mantel. Er ersch int gänzlich teilnahmslos und unbeweglich, nur ab und zu vercr.iot er die Hund?, bie g crig das Blut zu lecker rer- fuchen. Aus bem Hause ertönt Wehklaaen und ein fast nicht menschlich?« H?ul n Einige Mu l ß schreiten langsam und würdevoll vorüber. Es ziemt sich nicht für sie, auch nur den Kops zu wenden ober gar bie Grüße des Volkes zu beachten. Drei Knab n tragen hi ater bn?p in fieber gebunden?, große Bücher Cs sind Aus eqcr des Korans von ber berühmten ffauumllnLcr- fität in Fez
Ein wenig weiter li.g*. in ber Märchenstadt dn anderer Platz, auf dem mehrere Granatbäume blühen. 3n einem Block ist ein Ma n eingezwängl, bem eifern? Rmg? um Hals und Deine gespannt sind. Er kann nicht bie gc- ringst e Bewegung machen und muß es dulden, baß ihm zwei Soldaten träge unb langsam auf bie bloßen Fußsohlen mit 6 cglam n Gerten die Dastonade verabreichen. Di? Professoren füm rem >tch auch nicht um dieses grausame Schauspiel, nur einer von ihnen speit bem Unglücklichen im Dorübcrgchen v.-rächüich ins Gesicht: sie schauen auch nicht zu den Wänden hinau, an die mit langen Stiften die Köpfe zweier Gerichteten genagelt sind. Nebenan liegt der Fonduß das maurische Gasthaus. Die Gasse trägt ben sonderbaren Namen. Konzentriu.'ung ber Vernunft. Es ist bie Vernunft Afrikas, der wir hier begegnen. G« ist, als ob die Zeiten Harun al Raschids hier wieder lebendig geworden find. Alles, was 'ich seit dem großen Kalifen g'änber* hat, ist nur an der Oberfläche geblieben. Das mau.i'che Kalifat ist heute, trotz Franzosen und Span ern, ebenso europafremd wie vor 500 Zähren geblieben.


