Ausgabe 
28.2.1925
 
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Nr. 50 Viertes Blatt

Das Problem des deutschen Westens.

I. gefahren und Aufgaben im Ruhrgebiet.

Had>örurf, auch mit Quellenangabe, verboten. Essen. Ende Februar.

Durch den Kanzlerbesuch im Rhein­land und noch mehr durch die furchtbare G r u - benkataftrophe aus .Minister Stein" ist her deutsche Westen neuerlich wieder in den Vordergrund getreten. Der Reichskanzler hat hem besetzten Gebiet versichert, bah er sich durch seine srühere Essener Tätigkeit noch heute mit ihm verbunden suhle, und die Kundgebungen herzlicher Teilnahme wie die Spendensamm- lungen für die armen Hinterbliebenen der Opfer des Dortmunder Unglücks, die im ganzen Reiche einen wohl kaum erwarteten Erfolg gezeitigt haben, sind doch ein Beweis dafür, dah das deutsche Volk sich der Röte seiner Brüder hier im Westen bewußt ist. So werden all diese Kundgebungen denn auch hier wohl verstanden und dankbar empfunden.

Aber dazwischen mischt sich doch bereit-wie­der die Sorge, dah die Ekandalaffären. aus denen heute peinlicherweise neun Zehntel des gesamten Geschehens in Deutschland zu be­stehen scheint, da- Interesse bald wieder zu er­sticken drohen, und dah der Westen dann wieder in Da« Dunkel 'einer Interesselosigkeit zurück- fäHt, die genau das Gegenteil von dem ist, was die Bevölkerung der besetzten Gebiete ver­dient hat und was die politischen, wirtschaft­lichen und sozialen Zukunftsnotwendigkeiten im gesamtdeutschen Interesse erfordern. Man sollte sich übrigens im unbesetzten Deutschland, vor allen Dingen aber in der Residenzstadt, in der die Fäden politischer Intrigen augenblicklich offenbar so dick gesponnen werden, wie selbst in den ganzen letzten fünf Jahren nicht, darüber klar werden, dah die Art. wie sich ein gewisser Teil der großstädtischen Presse mit der Frage der Ruhrentschädigungen beschäftigt, durchaus nicht daS geeignete Mittel ist. den Interessen des Westens zu dienen. Jeder, der £ie furchtbare Situation des Ruffliegens des passiven Widerstande-, die Haltlosigkeit und das ,-ckunstSdunkel jener Tage zwischen dem Druck der Franzosen und den Ausständen der Kom­munisten hier im Ruhrgebiet miterlebt hat, weih, unter toie schwerer Verantwortung die Entschlüsse jener kritischen Zeit gefaxt wor­den sind In der mehr oder minder urteilslosen Masse aber wirkt die Hetze von heute nur beflruftiü. Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Ruhrgebietes sind Ohnehin bis zum Zerreihen gespannt, sie müssen ganz natur- notwendig durch die von Berlin her herüber­getragenen Treibereien noch mehr ver­schärft werden. Unh doch braucht diese- Land an der Ruhr nicht- so notwendig tote Ruhe und Sammlung.

Man darf nicht vergessen, was es in den letzten Jahren durchgemacht hat. Durchgemacht unter den Quälereien der Besatzung, unter dem heroischen Kampf des passiven Widerstandes, den es auf sich genommen und getragen hat, ob­wohl die ganzen vorhergehenden Jahre hiev von politischen und sozialen Zuckungen erfüllt gewesen waren, tote in keinem anderen Teile des Reiches. Man darf auch die schweren Ent­täuschungen und Depressionen nicht übersehen, die der Zusammenbruch vieler Hoffnungen im (Befolge hatte. Man muß soyar noch weiter ausholen: Die Indust rialrsieruny des Westens ist mit Riesenschritten vor sich ge­gangen, so dah die Zusammenballung so gewal­tigen Menschenmassen nicht schnell genug den notwendigen ausgleichenden Aufbau nach der kulturellen und sozialen Seite hin finden konnte. Als der Krieg ausbrach, war alles noch im Werden. Fünf Jahre später muhte mit viel be­scheideneren Mitteln und unter sehr viel schwie­rigeren Umständen da wieder angeknüpst werden, too der Faden 1914 abgerissen war. Die Röte der Besetzung haben ihn abermals durchschnitten, und jetzt stehen wir wieder am Anfang. Und dabei sind diese Aufgaben so verwickelt und mannigfaltig! Der jetzige Reichskanzler hat als Oberbürgermeister von Essen einmal gesagt, die Kultur gehöre zuerst dahin, wo die Arbeit sei. ®r hat dieses Wort für seine Stadt in prak­tische Wirklichkeit umzumünzen versucht und un­bestreitbare Erfolge darin erzielt, die gewiß häufig auf Kosten anderer Teile des Industrie­gebietes gingen, wie z. D. im Fall des Folkwang- museums, das er nach dem Tode seines Gründers

(Biebener Stadttheater.

Roscnow: Kater Lampe.

Gestern abend wurden im Stadttheater drei vollwertige Pausen gegeben. Zwischendurch spielte man RosenowS köstliche KomödieKater Lampe". Die vorwiegende Beschäftigung während der Pausen war ein grohes Gähnen, was weder Re- ferat noch Wertung braucht. Von dem , Zwischen­spiel" ist folgendes zu vermerken:

R e u m e r f e I. ein Tifchlergefelle beim Holz­drehermeister Schbnherr, hat in den kleinen Srzgebirgsort einen Kater mitgebracht, ein Tier, das er Kindern weggenommen, die es quälten. Er hat es auf gezogen, und nun hängt er an ihm. Run läuft das Tier hier und dort umher und schaffi dem armen Gesellen allerorten Feinde, insbesondere den reichen Spielwarenverleger R e u b e r t mit seiner Frau, auf deren Pelz der Kater eine Rächt geschlafen hat. Auch beim Ge­meindevorstand E r m i s ch e r wird das unschul­dige Tier Anlah zur Zertrümmerung von einem ganzen Tellerbord. So kommt es zur Beschlag­nahme der injurierten Katze im Hause des Holzdrehermeisters Schönherr, wöbet sich der autoritätswütige Gemeindevorstand ein zerkratztes Gesicht und den Spottnamen ..Katzenermischer" holt. Die Katze wird dem Gemeindediener ©ei­fert. der zwölf Reugroschen am Tage verdient, zur Aufbewahrung übergeben. Doch macht der geizige Gemeindevorstand feine Anstalten, dem kleinen Manne das Pflegegeld auszuzahlen. Sv baff tert es. dah am dienstfreien Sonntagabend bei Seiferts ..Hasenpfeffer" auf dem Tische steht, und den läßt sich weder der Dezirlsgenbarm Weigel noch der Landbriefträger Ulbrich entgehen, zumal der letztere noch eine gute Flasche Scham­pus mitgebracht hat. (Dies außerdienstlich) Am

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vveryefsen) Samstag, 28. Zedrnar (925

Osthaus von Hagen nach Essen herübergeholt hat. Aber eS ist nicht -u bestreiten, dah Essen von allen Städten des Ruhrgebietes bereit- am wei­testen vorgeschritten ist. und die Person des neuen Oberbürgermeisters eröffnet die Aussicht, dah auf diesem Wege weitergegangen wird.

Ellen ist immer mehr Mittelpunkt und City de- Ruhrgebietes geworden, und hieran knüpfen sich nun die Aussichten, knüpft (ich die ganze Linie der kommenden Entwicklung des gesamten Gebietes. ES ist ja heute schon eine einzige große Stadt. Die Schwierigkeit liegt nun in der Aufgabe, aus dem kommunalen, verwal- tung-mähigen und grenzpolitischen Durch­einander ein organisches Ganze- zu schallen. Man hat schon an eine gigantische Zu­sammenfassung der kommunalen Verwaltungen gedacht, muhte diese Pläne aber im Widerstreit der örtlichen Interessen al- phantastllch bald wieder fallen lassen und ist genügsam genug gewesen, sie durch den Gedanken der sogenannten Streifen st ädte au ersehen, d. h.: jede Stadt hat das Bestreben, im Rorden an den Rhein- Herne-Kanal heranzureichen, der daS Industrie­land umfaßt, im Süden bi- an die Ruhr her­unter. weil hier der Uebervölkerung noch viel und schönes Siedlungsland entgegengcstellt toer­ben kann. Essen hat diesen Gedanken bereits ziemlich restlos durchgeführt, die Städte östlich von Essen liegen in schwerem Ringen um feine Verwirklichung. Dazu kommt, daß bei der Wan­derung der Kohle und der Industrie über den Kanal nach Rorden in diesem Teil des Ruhr­gebiets neue und gewaltige Organisation-- und Kolvnisationsausgaben entstanden sind, die größte Sorgfalt heischen, damit die Fehler der über­stürzten Entwicklung im Süden hier vermieden werden. All diese Ausgaben aber setzen voraus, daß das Land zur Ruhe und zur sach­lichen Arbeit kommt. Die Verlegung der Regierung von ArnSberg nach Dortmund, die nun erfolgen wird, ist ein Symptom der Schwer­punktverlagerung. ein Symptom aber auch für die Bedeutung dieses ganzen Problems.

Richt minder groß sind die Ausgaben auf wirtschaftlichem Gebiet. Der Bergbau muh sich die durch die Abschnürung verloren ge­gangenen Absatzgebiete erst langsam wieder zu- rüderobern. Feierschichten sind noch immer an der Tagesordnung. Sie sind der beste Maßstab für die wirkliche Lage der Ruhrindustrie. Da sie Arbeitgeber wie Arbeitnehmer treffen, geben sie aber auch bereits einen Fingerzeig auf die wirtschaftliche und soziale Lage der Arbeiter­schaft. auf die Spannungen, die sich aus den wirtschaftlichen Verhältnissen von selbst ergeben. Der Bergbau trägt unter den unsichtbaren Schä­den der Besatzung noch heute viel schwerer als unter denen, von denen man gemeinhin spricht. Müssen doch ganze Zechen gewissermaßen von Grund auf neu aufgebaut werden, weil die Mißwirtschaft der Regie sie in einem Maße heruntergebracht hat, von dem sich der Laie kaum eine Vorstellung machen kann Vielleicht hätte auch das Unglück vonMinister Stein" nicht diesen Umfang angenommen, wenn die Durchführung der modernen Steinstaubsicherung gegen Explosionsgefahren nicht durch die Fran­zosen um l1 , Jahre verzögert worden wäre.

DaS ist nur ein Beispiel, das die Situation grell beleuchtet. Sin trauriges Beispiel aber deshalb, weil eS die soziale Spannung, die Radikalisierung eines großen Teile- der Ar-- beiterschaft noch weiter vorgetrieben hat. Das Unglück liegt kaum vierzehn Tage zurück, und schon zeigen sich seine Auswirkungen, nicht zu­letzt veranlaßt durch den kommunistischen Mißbrauch zu politischer und sozialer Hefe. Die Gewerkschaften sind in den letzten Wochen mit neuen Forderungen herausgekommen, die Schiedsgerichtsverhandlungen nahmen aber einen Verlauf, daß der Reichs- und Staatsk mmiffar Mehlich sich gezwungen sah. den Vorsitz nie- derzulegen. Die besonders radikale Belegschaft einer Zeche hat bereits beschlossen, vom l.März ab nach sieben Stunden wieder auszufahren. Der Wettlauf im Konkurrenzkampf der Gewerkschaften untereinander, der sogar den Führer der christ­lichen Bergarbeiter in ein erstaunlich radikales Fahrwasser geführt hat, der Unterton in der Rede des Reichstagsabgeordneten H u s e m a n n bei der Trauerfeier in Dortmund, der nicht nur für feinen frei gewerkschaftlichen Alten Verband, sondern auch für die übrigen Organisationen sprach, all das find Warnungssignals ernstester Art. Gerade weil sie erst ein Anfang sind. Das kommt ja auch in der Kundgebung der vier Dergarbeiterverbände zu der Verbind- lichkeitserklärung des Schiedsspruches durch den Reichsarbeitsminister unmihverständlich zum Ausdruck.

andern Tage ist Reihenschenk bei Ulbrich. dessen Frau die Dorfichenke führt. Da trifft sich denn alles wieder, was so mit- und gegeneinander ge­gangen ist. und auch der atme Tischlergeselle kommt, mit vielen Talern aus einer Erbschaft ausgerüstet, und erlegt die Derpflegungskosten für sein Tier in bar. Die Sache soll nunin den vorigen Stand zurückversetzt werden". Leider ist das nach dem Dorgefallenen nicht mehr möglich, und es ergibt sich zum allgemeinen Gaudium, dah der Seifertihr den Kopf abgeschlagen, seine Frau sie gebraten und Weigel und Ulbrich sie gegessen" haben. Auch alles andere zwischen dem Ermischer und dem Reubert und dein Schön­herr und dem Reumerkel und dem Weigel kommt in Ordnung, und wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Der dritte Akt ist eine der köstlichsten Sze­nen, die der Raturalismus geschaffen hat. Dieses Aktes wegen liebe ich das Stück, dieses Aktes wegen wird es auch stets immer wieder aulgc- führi werden. Hier ist wieder einmal eine Rolle zu spielen. Diesmal lag sie auf den Schultern von Max Hoffmann. In der Maske vorzüg­lich, hatte er für den alten, vertrottelten Ge­meindediener entzücketide Bewegungen und gute Töne. Seine Frau (Luise Jüngling! fand die rechte Einstellung zu der verschlagenen Ver­brecherin Heinen Formates. Rollen sind auch der Ermischer mit seinem ..Ich wasch' mich nachher" und der B^irksgendarm Weigel, der alle- mitnimmt, was sich ihm unterwegs so bietet. Rudolf Goli (Ermischer) hatte die Lacher auf seiner Seite. Fell? R o r s o l k als Weigel könnte verschiedentllch seinem Temperament die Zügel schießen lassen, wobei er (im dritten Akt) von Karl D v l ck (Ulbrich) lebendig unterstützt wurde. Karl Juhnke und Ruth K r e n z waren ein gutgesehenes Spielwarenverlegerpaar, Paul

Für alle Stellen, die dazu berufen sind und die Verantwortung haben, ergibt sich au- dieser Lage der unabweiSliche Zwang, diese Gefahren abzumildern. DaS ist nicht möglich mit dem Mittel der von Berlin inszenierten Skandal­hetze. die nut Oel in- Feuer gießt, sondern nur dadurch, daß man überall Verständnis für die besonderen Schwierigkeiten und Bedürfnisse des Ruhrgebietes zeigt, daß man diesen Bedürf­nissen pfleglich entgegenkommt, und so langsam wieder eine ruhige Atmosphäre schafft, wie sie zur Durchführung der großen Aufgaben not­wendig ist, die hier der Lösung harren. Und bei all dem soll man nicht vergessen, daß mit Dort­mund erst der kleinere Teil deS Ruhrgebietes von der Besatzung befreit ist.

Londoner Lebenshaltung.

Don unserem K-Korrespondenten.

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

London. Ende Februar 1925.

Der Deutsche lernt schon in der Schule, daß England eine Insel ist. Jeder Deutsche lernt eine Reihe von Eigentümlichkeiten des diese bewohnen­den Dolk-stammeS. Schiller sprach von den Poly­penarmeen der Briten. Der liberale Deutsche zitiert: My House iS my castle. Der auf dem rechten Flügel Stehende erwähnt da- perfide Albion. Der deutsche Arbeiter weiß, dah hier die Heimat des Kapitall-muS zu finden ist. Wie­der andere sehen in dem Engländer den Dertreter vollkommenster moralischer Heuchelei, während der Literat oder Literaturbeflissene in diesem Infei­lande die Heimat Shakespeares verehrt. Jeder sieht in England etwas andere- und auch dem Touristen fällt einmal diese, ein andermal jene Seite des englischen Leben- auf. Der Poli­tiker sucht eine Eintrittskarte für da- Parlament zu erwischen. Der Kaufmann betrachtet sich an­dächtig die Bank von England oder die 'Royal Exchange, der Kommnnalpvli'iler versucht, in die G<h.imnisse der Londoner Milchversvrgung ein­zudringen. Und der Berliner findet London höchst langweilig, denn jeder Berliner, der nach London reift, erkundigt sich zunächst nach einem netten" Lokal.

Dringt man etwas tiefer in die Geheimnisse deS englischen Lebens ein, so fallt einem zunächst dieTe urig leit" der Lebenshaltung auf. Zwar lieft man in Berlin hie und da. wie billig dies und jenes tn London fei. Die Weizen- preife find nicht höher als bei uns. die Kohle ab Grube scheint nur um wenige Schillinge teurer zu fein als in Westfalen. Und fröhlich addiert man die Großhandelspreise zusammen und findet, daß man eigentlich in London recht gut leben müsse. Aber man hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Es ist nicht der Großhandelspreis, sondern der allgemeine Zuschnitt deS LebenS. der die Lebenshaltungskosten maßgebend beeinflußt. Wenn du glaubst, dah du al- sor­genvoller Hausvater die Kohle etwa mit ge­ringem Aufschläge auf den Preis ab Grube be­ziehen kannst, so täuschst du dich. Die Tonne gewöhnlicher Haushaltskohle kostet etwa 50 Schil­ling. Ziehe ja keinen Schluß von den Lebens- rnittelpreisen auf die Dienstbotenlöhne, sich mindesten- ein Pfund, wenn nicht anderthalb. Damit bist du aber noch lange nicht am Ende deiner Leistung angelangt. Du wirst die Ansprüche deine- Personals auch deinem Haushallszuschnitt anpassen müssen. Du bist ge­nötigt, für ein reichhaltiges Frühstück, für eine gut mit Fleisch besetzte Tafel Sorge zu tragen, und kannst gewiß fein, daß alles, was bei einer Mahlzeit nicht ausgegessen wird, im Haushalt nicht wieder erscheint. Rückstandverwertung kennt der Engländer nicht. Ungegessenes Brot wird einfach in den Müllkasten geschüttet.

Abgesehen von den Dienstboten erfordert die Miete deine Aufmerksamkeit. Eine Fünfzim- merwohnung kostet in einigermaßen erträglicher Lage unmöbliert etwa Mk. 80.- bis 100. pro Woche. Die normale deutsche Wohnung, tote sie etwa im neuen Berliner Westen zu finden ist, kostet wesentlich mehr. Entsprechend sind auch die dazu gehörigen Unkosten. Elektrisches Licht und Gas sind außerordentlich teuer. Man verwendet heute zwecks Dienstbotenersparnis als Heizeinrichtung Gasfeuerung in den Kaminen. Willst du dein Zimmer tagsüber heizen, so betragen die Kosten etwa einen Schilling pro Kamin und pro Tag. Die Heizung eines einzigen mittelgroßen Zimmer- kostet also im Monat 30 Mark. In den Pensionen sind in den Zimmern Gasautomaten ausgestellt und der erfreute Gast Ein Mädchen, das etwas leistet, verlangt wöchent» kann feststellen, daß ihm eine halbe Stunde Het-

Schubert ein biederer Holzdrehermeister Schön­herr. Erlla Rohr hielt die Linie der alten, kranken, noch einmal Mutter gewordenen Frau Schönherr nicht immer gerade durch. Auch Ju­lius 03 a ft 6 6 Reumerkel konnte ein wenig mehr menschliche Wärme und etwas weniger jugend­liche Unbekümmertheit haben.

Der Spielleitung Adolf T e l e k y s kann bei aller Anerkennung für die flotte Abwicklung des Spieles der Dorwurf nicht erspart bleiben, dah sie um Kleinigkeiten (unnötige Kleinigkeiten!) das Stück in vier große Brocken zerriß und wesentlich zur Minderung der Stimmung im Zu­schauerraum beitrug. Wenn das Stück doch ein Erfolg wurde, so liegt das an Rosenow und den Darstellern des Abends. e-s.

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Hamburger Marionetten-Gastspiel im 6tabttfjeater Gießen.

Lieber Puppenonkel!

Gestern nachmittag war ich bei Dir im Theater, too man so fein mit den Stühlen klappen kann. Und da habe ich mir Deine Puppen ange­sehen. Fein, weißt Du! Ich mag die Puppen so gern. Da kann man doch richtig sehen, wie sie sich bewegen, wenn sie einen Schreck kriegen oder sich freuen. Da fallen sie um oder hüpfen richtig bis an die Decke. Und wenn sie böse sind, bann klappern alle ihre Knochen und man hat doch gar keine Angst, well man ja doch weih, daß das alles gar nicht wahr ist. was da ge­macht wird. Dloß Theater ist das. Wir gefallt das viel besser wie das, was die großen Leute sich ansehen. Das soll immer ernst fein, manchmal auch spaßig; aber das ist es nie richtig, weil das

zung 1 Penny, eine Stunde Heizung 2 Pence und 6 Stunden Heizung 12 Pence oder einen Schilkina kosten. Da der normale Mitteleuropäer auch manchmal zu Haufe bleibt, so kostet da- fcmn- täglichc Vergnügen eine- geherzten ZimmerS 2 Schilling, wobei nicht zu vergessen ist, daß daS Zimmer dabei keineswegs warm wird, da eS ja 12 Stunden im Tage ungeheizt bleibt, denn ein unregelmäßig geheime- Zimmer bedarf be­kanntlich längerer Zeit, bi- eS sich, zumal bei Kaminheizung, wirllich erwärmt. Der englische Eingeborene zieht e- unter diesen Umständen vor zu frieren. Er versucht sich dagegen durch dicke wollene Unterkleidung zu schützen, ob er sich dabei aber ebenso behaglich fühlt wie der Deutsche in seinem neuerdings wieder ordnung-gemäß ge­heizten Zimmer, läßt sich nicht entscheiden.

WaS dem Fremden In England bei der Ein- richtuna seine- Hause- zunächst aussällt. ist auf der anderen Seite die außerordentliche Dienstbe- reitschaft der Londoner Lieferanten. Wa­rnau tauft, wird i n - Hau - geliefert Da­to st et gar leine großen UeberredungSkünste. ES ist felbstverständltch. Die meisten Firmen, selbst solche recht bescheidenen Umfange-, verfügen über ihren eigenen Lieferwagen. Da- bedeutet einer­seits eine große Erleichterung der Haushaltsfüh­rung. andererseits eine sehr erhebliche Verteue­rung. denn alle diese Annehmlichkeiten kommen im Warenpreis zum Ausdruck. Dabei sind die Autokosten noch Der kleinere Bestandteil. Teuer sind in England die persönlichen Dienstleistungen. Auch hier ist der .Krieg nicht ohne Wirkung vorübergegangen. Die hohen Löhne, die man den Munitionsarbeitern zahlte, haben eine weit­gehende Korruption der ArbeitSwilliafeit hervor» gerufen. Immerhin herrschen Friedenszustände und es ist keineswegs notwendig, den Diensteifer mit Trinkgeldern und Gutzuoeden zu beflügeln. Die durchschnittliche Höflichkeit ist zweifellos sehr viel weiter entwickelt als bei unS.

Aber die Ansprüche auch. Wer sich noch der allgemeinen Lebensvcrhältnisse in Deutsch­land vor dem Kriege entsinnt, weiß, daß wir Deutschen vor dem Kriege nicht schlecht gelebt haben Das hat man auch in England nicht getan, nur ist hier die Entwicklung nicht unterbrochen worden, sondern weiter fortgeschritten, besonders die der Preise. Und wer vor dem Kriege in Lon­don 50 Pfund brauchte, benötigt heute 100 Pfund.

Der gesellige Verkehr ist geblieben. Eben­falls die ausgesprochene Vorliebe für alkoholische Getränke. Deren Befriedigung kostet dem eng­lischen Hausvater gewaltige Beträge. Eine Flasche Kognak kostet 18 Schilllng. Whisky ist nicht unter 121 Schillingen zu haben. Eine Liter­flasche Bier er hälft du nicht unter 1 Mk. Mäßiger Portwein 5 Schilling. Cherry des­gleichen Ein trinkbarer Rheinwein mindestens 45 Schilling und Liköre aller Art ebenso teuer toie Kognak. Gehst du in eine Restauration, so wird an diesen Preisen noch ein Doppelte- ver­dient. Ein Whiskysoda kostet 2Vi Schilling. Für den Durchschnittsbedarf ist aber das Whisky- auc.ntum tu gering. Der Doppelte kostet 3l/3 Schilling. Gin W ss.rglaS vol' D er einen Haiden Schilling. Die Krone der Schöpfung sind die Handwerker. Einige kleine Reparaturen an den Klingelleitungen und elektrischen Lichtan­lagen im Hause ergaben einen Betrag von 60 Mark. Gleich dahinter kommen die Preise für Gemüse und Obst. Der Zentner Kartoffeln kostet 15 Schilling. Da- übrige entsprechend. ES sind die Kleinigkeiten, die das englische Leben neben den hohen Wohnungskosten so verteuern. Richt einmal die Verkehrsmittel sind billig. Straßenbahnen. Omnibusse und Untergrundbah­nen rechnen nach Staffeltarifen. Eine mittlere Entfernung erfordert eine Gebühr von 3 Pence. Weitere Strecken kosten 4,5 und 6 Pence Eine Fahrt quer durch London im Omnibus 9 Pence.

So kommt es denn, dah bet den bescheiden­sten Ansprüchen des bescheidensten aller Jung­gesellen das Ekistcnzminimum weit über 300 ML liegt. Wer aber glaubt, daß man für dieses Geld auch nur den dürftigsten Anteil an den Ver­gnügungen der Weltstadt London nehmen kann, der täuscht sich. Willst du in London von deinem (Selbe auch nur ein Wenige- sehen, so brauchst du ein Vielfaches von diesem Betrage, sofern nicht bas in den durchschnittlichen Music Halls Gebotene deinen geistigen Ansprüchen genügt

Würmer find Quälgeister für Erwachsene, erst recht aber für Kinder. Wik raten Ihnen, 125 Gramm flüssigen Ratroma-Extrall zu laufen, mit dem Erwachsene und Kinder über 5 Jahre eine Kur zu unternehmen. Sicher erhältlich: * Universitäts-ApothekeZum goldenen Engel", ^"ss

doch richtige Leute sind auf der Bühne und die soll man dann immer für daS halten, was sie wollen, aber meistens sehen sie gar nicht so aus und sind auch ganz anders, toeirn sie gehen oder mit ihren Händen etwas machen. Meisterrs stimmt da irgend etwas nicht. Bei den Marionetten stimmt immer alles.

DieBremer Stadtmusikanten" ha­ben mir gefallen. Aber das Märchen ist eigentlich doch noch hübscher. Weißt Du, einfacher. Das mit derGeraubten Prinzessin" fand ich ich langweilig. Das hatte ja gar keinen Sinn. Weißt Du, was ich mit dem feinen Tod machte, wenn der mir gehörte und ich mit ihm spielen könnte? Den müßte der Kaspar hauen und bann mühten alle Knochen einzeln im Zimmer um- herliegen und dann sind sie mit einem Male alle wieder zusammen. Und mitMax und Moritz": Onkel, damit hast Du uns angeschmiert, denn wir deutschen Kinder fermen unserenM a r und Moritz" ganz genau. So etwas darfst Du nicht tun, Onkel. Spiel was andere-, ein Märchenspiel, es haben viele große Dichter welche geschrieben. Am besten hat mir noch der klein« Mann gefallen, der immer größer werden tarnt. Deine Chinesen aber, weiht Du, die habe ich schon einmal viel besser tanzen sehen, bei Onkel Ivo Puhonny. der auch so ein Theater hat. Bei dem war ich schon drei- oder viermal Und daher weiß ich das.

Gelt, Du tust mir den Gefallen und spielst am nächsten Male ein Märchenspiel? Mein großer Bruder hat gesagt von Goethe oder von Shake­speare. Dann will er auch mitfommen. Morgen bringe ich meinen Freund Karli mit in die Vor­stellung. Der freut sich schon mächtig darauf.

ouch Dein Fritzchen.

(e--L