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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
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schon im folgenden Jahre wieder nach Karlsruhe zurück. Hier schaffte er mit seinen Freunden Schönleber und Daisch nach Herzenslust. Reisen nach Amsterdam, nach Dresden, nach den italienischen Städten und Seen liehen ihn unendlich viel Licht und Farbe in sich aufnehmen, und so wird er in Karlsruhe ein Vermittler zwischen Norden und Süden, der die ernsten, nebligen Motive der Tiefebene ebenso liebt wie die frohen Berge des süddeutschen Landes. Doch noch in weiterem Sinne wird er Vermittler: dir Nähe der großen europäischen Kunstmetropole, Paris, in der gerade damals der Impressionismus sich zu seinem Siegeszuge durch die Kulturstaaten rüstete, begann ihn wohltätig zu beeindrucken, wie denn anderseits die holländischen Reisen gleichfalls nicht ohne nachhaltigen Einfluß auf den Künstler blieben.
Auch die Auswahl des Stoffes traf er nach neuen, damals modernen Gesichtspunkten. Don der sozialen Strömung der Zeit genährt, belebte seine künstlerischr Phantasie die Landschaft mit Staffage von Dauern und Arbeitern, die nicht in koketter Spielerei, sondern in strenger Arbeit mit Sachlichkeit und Ernst in das Bild gestellt wurden. Sie waren weder ^Motiv" noch Staffage", sondern untrennbares Glied der Landschaft. In Karlsruhe war es auch, wo Kallmorgen der Blick für die Straße aufging, und seit jener Zeit finden wir ihn überall mit Strahenbildern beschäftigt: die engen Gassen der Hafenstadt, d e barocken Silhouetten Dresdener Häuser, im Licht der Sonne oder dem Spiegelglanz der Regennässe.
1899 gab er ein Buch heraus: „Ins Land der Mitternachtssonne", das wichtig geworden ist für Karlsruhe als Ausgangspunkt einer Umwälzung des damaligen Steindruckverfahrens. Er, ter für seine Skizzen und Studien weit lieber mit dem korrekten Bleistift als mit Kohle und Kreide zeichnete, er als Mitglied der Karlsruher Materschule, die an sich dazu neigte, die Landschaft mit schlichten, einfachen Strichen zu bändigen, er war auch der geeignete Mann für die
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Ausstellungsbesucher, Kunstfreunde. Käufer und Sammler allzusehr in ihren Bann zieht und der lebendigen Malerei der Gegenwart abspenstig zu machen droht."
Damals. 1910, war das alles noch lebendige, kämpfende Gegenwart. Heute, nach 15 Jahren, sind über jene Schlachten die Akten geschlossen und mit neuen Fahnen steht eine andere Generation auf neuem, damals noch verschlossenem Land. Aber die Situation im Verhältnis von „Akademie" und „Sezession" ist die gleiche. Rückschauend erblicken wir jene Epoche bereits weit außerhalb des heute umstrittenen Schlachtfeldes. und wir vermögen sie in ihrer historischen Entwicklung fine ira et studio mit jener Objektivität zu betrachten, deren Voraussetzung innere Llnberührthcit und geruhige Sicherheit sind. Wir nennen es Sachlichkeit.
Friedrich Kallmorgen wurde am 15. November 1856 in Altona geboren. Durch seinen Vater, dessen Wunsch es war, daß der Sohn gleich wie er Baumeister werden sollte, zu Papier und Stift gedrängt, sand er bald selbst die Farbe dazu, und unter dem Einfluß seines Onkels, des Landschaftsmalers Küchel. fant_ es ihm 8um Bewußtsein, daß er Maler werden müsse. Auf ter Altonaer Kunstgewerbeschule und später auf der Düsseldorfer Akademie begann er seine ernste Arbeit, die er als 21jähriger noch Karlsruhe verlegte. Der begeisterte Verehrer von Natur und Landschaft, dem in der lebendigen Hamburger Hafen- und Wasserwelt das Sitzen in dem geschlossenen Zeichensaal nur sehr wenig gefallen hatte, fand jetzt in dem froheren Süden Land und Leute, die seiner Künstlernatur weit mehr zusagten, a^s in dem konventionell steifem Norden. Bei Gude fand er mit vielen andern begabten jungen Kräften eine gründlich? handwerkliche Zucht. Sehr bald auch erkannte er in Margaret? Hormuth. einer begabten Schülerin Ferd. Kellers, die Frau, die ihm durchs Leben folgen sollte. Nach Erledigung seiner Militärpflicht ging er 1880 nach Berlin, kehrte jedoch
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bl. Nieder-Roßbach, 26. Oft. Am Samstag wurde hier in feierlicher Weise das neue Sch ulgebäude seiner Bestimmung übergeben. Das Schulhaus hat Raum für 80 Kinder.
bl. Medenbach, 26. Okt. Die Basalt« b r ü ch e unserer Gemarkung haben den Betrieb größtenteils wieder eingestellt. Es handelt sich hierbei um Betriebe, die im Frühjahr neu erschlossen wurden. Ebenso verhält es sich mit der Kalkst e i n i n ö u ft r i e , die im Rückgang begriffen ist.
bl. Eibelshausen, 26. Okt. Der hiesige Turnverein erbaut eine neue Turnhalle. Eine Lotterie brachte den größten Teil des Geldes auf, dazu konnte das Gelände äußerst preiswert erstanden werden. Im Frühjahr nächsten Jahres soll die Halle fertiggestellt sein.
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bist über wenigen getreu gewesen, ich will dich über viel sehen: gehe ein zu deines Herrn, Freude." Für das Kreisschulamt Gießen sprich Professor Alles aus Gießen, für den Lehree- verein des Bezirks Lich ter Obmann Lehrer Sprenger aus Bellersheim. Eine überaus große Zahl von Kränzen wurde niedergelegt von der Gemeinte, dem Schulvorstand, dem Kirchen- Vorstand. von Vereinen, Schülern und Freunden des Entschlafenen. Seine Schulkinder sangen ihm ein Grablied und warfen ihrem geliebten Lehrer Blumen in die Gruft. Auch ter Gemischte Chor, den er gegründet und mit viel Liebe und Hingebung geleitet hat. ehrte ihn durch ein Lied. Einstimmig trat die hohe Wertschätzung und herzliche Liebe zutage, die diesem echt deutschen und christlichen Mann von allen, die ihn kannten, cntgcgengebracht wurde.
Rodheim a. d. Horloff, 26. Otl. Zur bevorstehenden Gemeinderatswahl haben sich hier, wie schon jedesmal, die Wähler auf eine Einheitsliste geeinigt, indem der Bauernschaft einer, der Arbeiterschaft drei Sitze zugebilligt wurden. Die Arbeiterschaft gewinnt damit einen Ratssitz, wie das auch dem Zahlenverhältnis entspricht: denn da Bürgermeister und Beigeordneter auch zur Bauernschaft gehören, hätten die Arbeiter mit nur zwei Sitzen eine Vertretung, die ihrer Zahl — etwa J, der Wähler — nicht entspräche.
Kreis Friedberg.
c. Rockenberg, 26. Okt. Während zu der vorigen Gemeinderatswahl eine Einheitsliste zustande kam, sind zu der bevorstehenden Wahl sechs Wahlvorschläge eingereicht worden. Der seitherige Gemeinderat setzte sich aus 6 Landwirten, 2 Sozialdemokraten, 2 Beamten und 2 Vertretern der christlichen Gewerkschaften zusammen. Diese Verteilung entsprach allerdings nicht dem Verhältnis der Berufsgruppen und Parteien, worin auch die Ursache der getrennten Wahllisten zu erblicken ist. Wahlvorschläge haben eingereicht die Bauern, Sozialdemokraten, Christliche Arbeiter und Gewerbetreibende, zu denen diesmal zwei Beamtenlisten — evangelische und katholische — kommen. — Die sehr 'rührige Freiwillige Feuerwehr gründete im letzten Winter eine Musikkapelle. für die sie unter Beihilfe der Bevölkerung und Vereine in kurzer Zeit die notwendigen Instrumente onschasfte. Um diese noch zu vervollständigen, veranstaltete sie ein Preis schießen, das sehr gut besucht war und heute im Horstschen Saale bei Konzert der Kapelle beendet wurde.
s N i e d e r - F l o r st a d t, 26. Okt. Der G e - meinde-Steinbruch ist von jeher Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen im Ge- meinderat und auch innerhalb der Gemeinde. Er wurde auch zeitweise stillgelegt und bei der: Durchführung der produktiven Erwerbslosen- fürsorge wieder in Betrieb genommen. Nachdem die Betriebsleitung geändert wurde, erhöhte sich die Leistung. Man verlegte sich auf die Produktion von Kleinpflastersteinen, nach denen bei den Straßenreparaturen große Nachfrage besteht, legte neue Geleise an und erbaute eine Halle, um den Basalt gegen den schädlichen Sonnenbrand zu schützen. Während des Sommers konnte denn auch das Material gut abgeseht werden, zeitweise überschritt sogar die Nachfrage die Produktion. Die Gemeinde selbe bezog eine große Menge verschiedenartiger Steine, die sie beim Ankauf in einem anderen Bruch ca. 4000 Mk. gekostet hätten. Die Zweifel an der Rentabilität des Bruches wollten jedoch nicht verstummen, deshalb und auch um die Produktionskosten der einzelnen Steinorten kennen zu lernen, wurde in der letzten Gemeinderats- sihung eine Kommission aus Vertretern der einzelnen Parteien bestimmt, die die Einnahmen und Ausgaben seit 1. April 1925 prüfen und zusammenstellen sollte. Diese Prüfung ergab einen Lieber schuß von etwa 7000 Mark, von denen etwa 6000 Mk. auf Vorräte entfallen. Mit dieser Feststellung dürfte ein Punkt der Wahlagitation entzogen sein. Ein großer Verkauf ist der Gemeinde inzwischen in bestimmte Aussicht gestellt, so daß die gesamte Produktion an Kleinpflaster- st e i n e n mindestens für dreiviertel Jahre schon im voraus seinen Abnehmer hat. Die Zahlung erfolgt ratenweise und wird zur Deckung der Betriebskosten verwendet werden. — Zum gestrigen Erntedankfest war die Kirche reich mit Blumen geschmückt, und die Früchte des Feldes waren auf dem Altar ausgesetzt. Der überaus reichen Ernte wurde in einer würdigen
Friedrich Kallmorgen.
Zur Ausstellung seiner Bilder im Turmhaus am Brand.
Im Jahre 1910, als die allerersten Ansänge jener großen Umwertung erst in ganz extremen Kreisen Aufnahme und Lebensmöglichkeit fanden, schrieb Max Osborn in F. Bruckmanns Monatsheften »Die Kunst" über Friedrich Kallmorgen: „Seit Jahr und Tag erleben wir Berliner bei ten Eröffnungsreden der zwei großen Sommer- ausstellnngen ein anmutiges iunstpolitisches Geplänkel. Die Sezession ist meist die erste auf dem Plan, und als ihr „Bruder Redner" fuhrt Max Liebermann einen eleganten Angriffshieb. 'Wenige Tage später rückt dann die „Große Berliner" an, und es erfolgt der Gegenschlag, ausgeführt entweder vom Vertreter der preußischen Regierung oder vom Ausstellungsprasi- tenten. oder auch, weil doppelt besser hält, gelegentlich von beiten gemeinsam. Diesmal war das Gefecht aus der Ferne besonders reizvoll, da ter Sezessionsvater, von feinen eigenen jüngeren Knaben scharf bedrängt, mit milder Strenge Besonnenheit ter Arbeit und Solidität des Handwerks predigte, und weil der Beherrscher von Moabit sich die Krisis der radikaler, linken Fraktion zunutze machen konnte, um für feine akademische Ausstellung Propaganda zu machen. Friedrich Kallmorgen, ter in diesem (Sommer, tote schon einmal vor fünf Jahrm. am Lehrter Bahnhof das Szepter schwingt, ließ sich die günstige Gelegenheit nicht entgehen, und, mit einer diplomatischen Reverenz vor dem großen Duellgegner Liebermann, teilte er ten hypermodernen Llltras, ter übertriebenen Auslondsschwärmerei. den snobistischen Auswüchsen des Kunstmarrtes em paar derbe Schwerthiebe aus. wobei er jedoch in seiner treuherzig deutschen Ehrlichkeit nicht versäumte. auch ter modisch überspannten Begeisterung für die Kunst vergangener Jahrhunderte eins auszuwischen, die in jüngster Zeit in Berlin
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Feier gedacht, bei ter der Kirchenchor unter Leitung von Pfarrer Kappeher und die Oberklasse ter Volksschule, geleitet von dem Organisten Lehrer Rühl, mitwirkten.
Kreis Büdingen.
nb. Nidda, 25. Okt. In erhebender Weise wurde heute in der hiesigen evangelischen Kirche das Erntedankfest gefeiert. Als Einleitung sang die Mädchenvereinigung des Kirchspiels unter Leitung von Lehrer Dieter das Lied: „Wie pflügen und wir streuen". Bei dem Altardienst ließ Pfarrer Laut von einigen Konfirmandinnen aus blumengezierten Körbchen Obst und Feldfrüchte, von Knaben Aehren und Feldblumen am Altar niederlegen, der bereits mit einem prächtigen Erntekranz geschmückt war. Jedes der Kinder sagte dabei einen passenden Bibelspruch, eine Strophe eines Lob- und Dankliedcs aus dem Gesangbuch oder eine Stelle aus Luthers Erklärungen des 1. Artikels und der 4. Bitte auf. Die Festpredigt hielt Pfarrer Köhler über den Spruch aus dem 34. Psalm: „Schmecket und sehet Gottes Freundlichkeit!" Das Gotteshaus war fast überfüllt von Andächtigen. Zum Schlüsse sang nochmals die Mädchenvereinigung ein Erntedanklied. Die Kollekte zu einem Fonds für die Renovierung der Kirche ergab einen recht ansehnlichen Betrag. Auch der Nachmittagsgottesdienst, in dem Pfarrer Laut über Dank und Freude am Erntedankfest predigte, war sehr gut besucht.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
'£ Wieseck, 26. Okt. Aus der letzten G e - m e i n d e r a t s s i tz u n g ist zu berichten: Die Klage der Kirchengemeinde gegen die politische Gemeinde ist in erster Instanz, vor dem Landgericht Gießen, entschieden. Es handelt sich hierbei um die Frage, wer die B a u l a st e n für die Kirche und das Pfarrhaus zu tragen hat. Im Jahre 1906 kam zwischen dem damaligen Gemeinderal und dem Kirchenoorstand unter Mitwirkung eines Vertreters des Kreisamts ein Beschluß zustande, nach dem die seither im Besitz der bürgerlichen Gemeinde sich besindenden Gebäude (Kirche und Pfarrhaus) in das Eigentum der Kirchengemeinde überschrieben wurden. Gleichzeitig wurde von den vertragschließenden Parteien vereinbart, daß mit der Ueberschreibung auch die Baulasten von der Kirchengemeinde zu tragen seien. Als nun nach Jahr und Tag dieser zweite Teil des gemeinsamen Beschlusses durchgeführt werden sollte und der Gemeinderat die weitere lieber: nähme der Baulasten auf Rechnung der bürgerlichen Gemeinde ablehnte, verfolgte der andere vertragschließende Teil, die Kirchengemeinde, richterliche Entscheidung. Das Urteil, das nunmehr gefällt wurde, und auf das wir ob feiner weit- tragendem Bedeutung noch zurückkommen, geht dahin, daß der damals (1906) gefaßte Beschluß der beiden Vertragskontrahenten ohne rechtliche Verbindlichkeit und demzufolge die bürgerliche Gemeinde auch in Zukunft zur Tragung der Baulaften verpflichtet fei. Nach eingehender Besprechung der Angelegenheit wurde vom Gemeinderat beschlossen, die Entscheidung, ob gegen das Urteil Berufung eingelegt werden soll, auf eine spätere Sitzund zu vertagen. — Wohnungs - Verhältnisse, ein stereotyper Punkt auf den Tagesordnungen fast aller Gemeinden standen auch hier wieder zur Beratung. Eine in Aussicht genommene Befchlagnahme einer Wohnung unterblieb nach einstimmigem Beschluß des Gemeinderats, da sich herausstellte, daß der fragliche Hauswirt in vollkommen korrekter Weise verfahren sei. Dieser hatte das Freiwerden einer Wohnung vier Wochen vorher der Gemeindeverwaltung angezeigt, diese aber dem Gemeinderat hiervon keine Kenntnis gegeben und auch nicht für anberroeite Vermietung gesorgt. Selbstverständlich konnte der Hauswirt die Wohnung, als sie frei wurde, leer stehen lassen und vermietete, da er seitens der Gemeindeverwaltung ohne Antwort gelaßen war, eben ohne Gemeinde. Die Finanzkommission wurde beauftragt, bis zur nächsten Sitzung eine Formel auszuarbeiten, nad) welcher die Bauherren, die gegenwärtig unter starker Mithilfe der Gemeinde Wohnhäuser errichten, gehalten werden, die Mietwohnungen nur unter Mitwirkung der Gemeinte zu vermieten. Diese Bindung erscheint natwendig, da ein- mal ein Teil der Häuser ihrer Vollendung entgegengeht, zum andern die Gemeinde die großen Aufwendungen nur machte, um die Wohnungsnot in etwas zu mildern. — Für die am 15. November stattfindende Gemeinderatswahl soll es bei der seitherigen Einteilung der Wahlkommission bleiben. — Die Straßenbeleuchtung des Weiten Wegs läßt zu wünschen übrig. Das Elektrizitätswerk soll Vorschläge über die weitere Anbringung von Straßenlampen machen. Noch trostloser sind die Straßenverhältnisse des Neuen Wegs an sich. Da jetzt die Kanalisation zur Ausschreibung gelangt ist, soll hier gleichzeitig mit Abhilfe geschaffen werden. In später Stunde schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung an.
* Lollar, 26. Okt. An den drei Sonntagen, 4., 11. und 25. Oktober, hielt der Veteran en - und Kriegeroerein Lollar zum erstenmal wieder seit 1913 auf seinem neuhergerichteten Schießstand ein Scheibenschießen ab. Die 10 besten Schützen wurden mit Preisen, sämtlich Gebrauchsgegenständen, bedacht. Am gestrigen Sonntag würde nod) eine Anzahl Ehrenscheiben geschossen. Die Teilnahme war an allen brei_ Sonntagen reckst rege, vornehmlich ber letzte Sonntag führte dem Schießen eine große Anzahl Sports- freunbe, worunter auch Auswärtige zu verzeichnen waren, zu.
ri. Nieder-Defsingen. 26. Olt. Eine unübersehbare Menge folgte gestern dem Sarge unseres lieben Lehrers und Organisten Ludwig Graulich, der 34 Jahre lang an unserer Schule als Lehrer und in unserer Kirche als Organist tätig war. Der Ortsgei ft liche sprach am Grabe nach der Degräbnisliturgie über das Wort: „Ei, du frommer und getreuer Knecht, du
jeden Fall ist unsere Einwohnerschaft bereit, alles zu tun, diese Verbindung unbedingt aufred)tjuer» halten. Haben doch der Gemeinderat unter dem Vorsitz von Bürgermeister Kuhl und unjer anerkennenswertem Eintreten von Rittergutsbesitzer C. O. Oppermann sich ohne wckteres dazu bereit erklärt, die erforderliche Garantiesumme zu zeichnen.
Kreis Lauterbach.
A Lauterbach, 26. Oft. Von der Bürgermeisterei wird uns mitgeteilt, daß die geplante Postautolinie Freiensteinau — Stockhausen—Lauterbach vorn Reichspostmini- fterium genehmigt wurde. Mit der Eröffnung dieser Linie wird begonnen, sobald ber hierfür bestimmte Wagen eintrifft.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
3 Wetzlar, 25. Oft. Am heutigen Sonntag feierte die Evangelische Gemeinde das 25jährige Bestehen ihres Kinder- gottesdienstes. Während ehedem die Kinder in ter sogenannten Sonntagsschule von unseren Gemeindeschwestern im Gebäude des früheren Deutschen Ortenshauses in christlicher Weife unterrichtet wurden, errichtete vor nunmehr 25 Jahren die Evangelische Gemeinde einen regelrechten Kindergottesdienst in ter Hospitalkirche. Sonntag für Sonntag sehen wir hier unsere Heranwachsende schulpflichtige Jugend versammelt, um unter Leitung eines der Pfarrer und unter dankenswerter Hilfe eines größeren Helferkreises ihren Kindergottesdienst abzuhalten. Der heutige Sonntag war daher für Eltern und Kinder ein Tag des Dankes und der Freude. Schon ter Festgottesdienst um Vo 10 Tlhr in der Hospitalkirche gab hiervon Zeugnis. Während die Kinderschar die Emporen füllte, war der untere Teil ter Kirche von Eltern und Freunden bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Festpredigt hatte Pfarrer Koch-Soest übernommen, einer ter besten Kinderpfarrer des Westens, während der Kirchen» chor mit zwei Chören die Feier verschönern hals. Nachmittags 1/23 Mr versammelten sich erneut die Kinder in ter" Hospitalkirche, um von dort aus unter Vortritt eines Dläserchors in geschlossenem Zuge nach dem Schützengarten zu ziehen. 400 bis 500 Kinder mögen es gewesen sein, die dort an die schön gedeckten Tische geführt und mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Für die Erwachsenen bliel) bei der Fülle fast kein Sitzplatz mehr übrig und Hunderte mußten zu ihrem Leidwesen wieder zurückkehren. Ein für die Kinder vielleicht zu reichhaltiges, aber schönes Programm wickelte sich dann in dieser Familienfeier ab. Gemeinsame Gesänge, Vorträge von Kindern, gesangliche Darbietungen der Helfer und Helferinnen, eine Begrüßungsansprache von Pfarrer Lu hl, eine Festansprache von Pfarrer Koch Soest und ein Schlußwort von Pfarrer Schmidt bildeten die Hauptpunkte. Alles in allem eine gut vorbereitete und gut durchgeführte Erinnerungsfeier, die noch lange in den Herzen ter Kinder und ihrer Eltern nachwirken wird. Mögen auch in dem neuen Diertelhundert Pfarrer und Helfer sich finden, die mit innerer Freude und Bereitwilligkeit an dem inneren Aufbau unserer Kinder so erfolgreich arbeiten, wie dies hn vergangenen Diertelhundert geschehen ist.
XX Krofdorf, 26. Okt. Die hiesige erfte Schulste11 e (Rektorstelle) war seit 1. Juli v. 9. unbesetzt. Nunmehr hat ber Schulvorstand seine Einwilligung dazu gegeben, daß die Stelle dem Lehrer Echternach aus Vetzberg übertragen wird.
Kreis Schotten.
)—( Ruppertsburg, 26. Oktober. Die im Frühjahr gegründete Freiwillige Feuerwehr zählt bereits 60 Mann. Vollständig neu uniformiert, trat sie am Sonntag ihren Dienst an. Aus diesem Anlaß fand gemeinsamer Kirchgang statt, um sich gleichsam für ihr wichtiges Amt itn Dienste der Nächstenliebe einsegnen zu lassen, getreu ihrem Wahlspruch: „Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr!" — Zur bevorstehenden Gemeinde- r a t s w a h l sind hier drei Wahlvorschläge eingereicht, und zwar ein Vorschlag, der nur Bauern enthält. Auf den beiden anderen finden wir Bauern, Handwerker, Arbeiter und Beamte. — Das gelinde Weller ber letzten Tage hat bie Natur ganz vergessen lassen, baß es Herbst ist. Hier unb ba sieht man 'Apfelbäume mit vollständig entwickelten Blüten. Vereinzelt blühen die Heckenrosen. An Rainen und in Wäldern findet man zahlreiche blühende Erd- und Himbeer- b ü s ch e. Gestern abend zeigte man dem Schreiber dieser Zeilen frisch gepflückte reife Himbeeren. Beim Pflügen kommen viele Maikäfer zutage. An ten warmen Abenden fliegen Iohanniskäserchen umher. Und doch ist es Herbst! — Am nächsten Freitag kommt in unserer Kirche der berühmte Bethel-Film zur Vorführung, unb zwar nachmittags um 2 Uhr für bie Kinber und abends 8 Uhr für Erwachsene. Auch die Bewohner der Umgegend sind dazu eingeladen. Der Besuch kann jedem aufs beste empfohlen werden.
Kreis Alsfeld.
O Erbenhausen, 26. Okt. 9n dankenswerter Weise hat der Gemeinde rat beschlossen, den Aufgangsweg zu unserer hochgelegenen Kirche neu Herrichten zu lassen. Bei nassem Wetter oder Schneefall unb Glatteis ist es mit Lebensgefahr uerbunben, über diese ausgetretenen Stufen, die dem Fuß keinen festen Halt mehr bieten, den Weg zur Kirche zu machen. Möge der gefaßte Beschluß baldigst verwirklicht werten, damit auch älteren Gemeindegliedern die Möglichkeit gegeben ist, ihrer guten Sitte treu zu bleiben, Sonntags das Gotteshaus aufzufuchen.
(D Lehrbach, 26. Okt. Wie wir von unterrichteter Seite vernehmen, hat sich die A u t o p o st - Verbindung Kirchhain — Kirtorf bis jetzt sehr gut rentiert. Wir begrüßen diese Mitteilung insofern besonders, als unser von allem Verkehr abgeschlossener Ort gerade durch diese Linie die denkbar beste Verkehrserleichterung erhielt. Man verfügt zwar in einer rein ländlichen Bevölkerung im Spätsommer unb Herbst wegen ber (Srntearbeiten nicht so wie in anberen Bezirken über Zeit, Gelegenheit unb Geld, um die bargebotene Verkehrsmöglichkeit so auszunutzen, wie man gerne möchte. Vielleicht läßt sich bie zustänbige Oberpostdirektion in absehbarer Zeit dazu bereit finden, den Fahrpreis pro Kilometer von 10 Pf. auf etwa 6 ober 7 Pf. zu e r - m ä ß"i gen. Eine nach diesem Entgegenkommen mit Sicherheit anzunehmenbe noch größere Inanspruchnahme der Fahrgelegenheit würde den finanziellen Ausgleich zweifellos herbeiführen. Auf
Belebung des damals sehr im Argen liegenden Steindruckes.
So dem Handwerklichen vertraut, ter Natur verbunden, war er berufen, einen Kreis von Schülern um sich zu sehen, und so folgte er 1902 einem Ruse an die Berliner Hochschule als Nachfolger Brachts, der nach DrÄden ging. So erscheint fein Werk auch noch heute, als eines aufrechten Mannes Tat. ter, frei von Doktrinen und starren Eigenheiten seinen erkannten Weg unbeirrt um den Streit der Meinungen geradeaus ging, ein Mittler zwischen Nord unb Süd, zwischen Frankreich und dem Böhrnerwald. e-s.
Eine Bühnenklasse in Düsseldorf.
Ans der Einsicht, daß das moderne Theater an den Szenenbildner ungleich höhere künstlerische Anforderungen stellen mutz, als sie früher an ihn herantraten, hat Dr. Kaesbach, der neue Direktor der staatlichen Kunstakademie zu Düsseldorf, dort eine Bühnenkunstklasse geschaffen. die berufen sein wird, dem oft peinlich bemerkten Dilettantismus vieler Bühnenbildner ihren Aufgaben und ten technischen Leistungsmöglichkeiten des Theaters gegenüber avzuhelfen. Einer literarischen Vorarbeit, die sowohl die geistige Sphäre des Dichters und der Dichtung wie ihre charakteristische dramatische Ausdruckssorm aufzuweisen erstrebt, folgt die eigentllch bühnenbildnerische Arbeit, für die eine große Reihe von Motellbühnen mit allem Zubehör, einschließlich ter Beleuchtungsanlagen, vorhanden sind. Die literarische Behandlung liegt in der Hand des Literarhistorikers D. H. W. Klein, ter Leiter der bühnenbildnerischen Abteilung ist der bekannte rheinische Bühnenbildner Walter von Wecus. Ebenso aufmerksam verfolgt diese neue Bühnen- kunstklasse, die erste in Deutschland, die neuen Probleme ter Filmbildkunst und sieht ihr letztes Ziel in einer Experimentierbühne, auf ter die bühnend ildncrische Arbeit im Zusammenhang mit ter des Spielleiters und Schauspielers ihre Bedeutung erst voll zu erweisen vermag.


