Ausgabe 
27.10.1925
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

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schon im folgenden Jahre wieder nach Karlsruhe zurück. Hier schaffte er mit seinen Freunden Schönleber und Daisch nach Herzenslust. Reisen nach Amsterdam, nach Dresden, nach den italienischen Städten und Seen liehen ihn un­endlich viel Licht und Farbe in sich aufnehmen, und so wird er in Karlsruhe ein Vermittler zwi­schen Norden und Süden, der die ernsten, nebligen Motive der Tiefebene ebenso liebt wie die frohen Berge des süddeutschen Landes. Doch noch in weiterem Sinne wird er Vermittler: dir Nähe der großen europäischen Kunstmetropole, Paris, in der gerade damals der Impressionismus sich zu seinem Siegeszuge durch die Kulturstaaten rüstete, begann ihn wohltätig zu beeindrucken, wie denn anderseits die holländischen Reisen gleich­falls nicht ohne nachhaltigen Einfluß auf den Künstler blieben.

Auch die Auswahl des Stoffes traf er nach neuen, damals modernen Gesichtspunkten. Don der sozialen Strömung der Zeit genährt, belebte seine künstlerischr Phantasie die Landschaft mit Staffage von Dauern und Arbeitern, die nicht in koketter Spielerei, sondern in strenger Arbeit mit Sachlichkeit und Ernst in das Bild gestellt wur­den. Sie waren weder ^Motiv" noch Staffage", sondern untrennbares Glied der Landschaft. In Karlsruhe war es auch, wo Kallmorgen der Blick für die Straße aufging, und seit jener Zeit finden wir ihn überall mit Strahenbildern be­schäftigt: die engen Gassen der Hafenstadt, d e barocken Silhouetten Dresdener Häuser, im Licht der Sonne oder dem Spiegelglanz der Regennässe.

1899 gab er ein Buch heraus:Ins Land der Mitternachtssonne", das wichtig geworden ist für Karlsruhe als Ausgangspunkt einer Um­wälzung des damaligen Steindruckverfahrens. Er, ter für seine Skizzen und Studien weit lieber mit dem korrekten Bleistift als mit Kohle und Kreide zeichnete, er als Mitglied der Karlsruher Materschule, die an sich dazu neigte, die Land­schaft mit schlichten, einfachen Strichen zu bändi­gen, er war auch der geeignete Mann für die

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Ausstellungsbesucher, Kunstfreunde. Käufer und Sammler allzusehr in ihren Bann zieht und der lebendigen Malerei der Gegenwart abspenstig zu machen droht."

Damals. 1910, war das alles noch lebendige, kämpfende Gegenwart. Heute, nach 15 Jahren, sind über jene Schlachten die Akten geschlossen und mit neuen Fahnen steht eine andere Gene­ration auf neuem, damals noch verschlossenem Land. Aber die Situation im Verhältnis von Akademie" undSezession" ist die gleiche. Rückschauend erblicken wir jene Epoche bereits weit außerhalb des heute umstrittenen Schlacht­feldes. und wir vermögen sie in ihrer historischen Entwicklung fine ira et studio mit jener Objek­tivität zu betrachten, deren Voraussetzung innere Llnberührthcit und geruhige Sicherheit sind. Wir nennen es Sachlichkeit.

Friedrich Kallmorgen wurde am 15. November 1856 in Altona geboren. Durch seinen Vater, dessen Wunsch es war, daß der Sohn gleich wie er Baumeister werden sollte, zu Papier und Stift gedrängt, sand er bald selbst die Farbe dazu, und unter dem Einfluß seines Onkels, des Landschaftsmalers Küchel. fant_ es ihm 8um Bewußtsein, daß er Maler werden müsse. Auf ter Altonaer Kunstgewerbeschule und später auf der Düsseldorfer Akademie begann er seine ernste Arbeit, die er als 21jähriger noch Karls­ruhe verlegte. Der begeisterte Verehrer von Natur und Landschaft, dem in der lebendigen Hamburger Hafen- und Wasserwelt das Sitzen in dem ge­schlossenen Zeichensaal nur sehr wenig gefallen hatte, fand jetzt in dem froheren Süden Land und Leute, die seiner Künstlernatur weit mehr zusagten, a^s in dem konventionell steifem Nor­den. Bei Gude fand er mit vielen andern begabten jungen Kräften eine gründlich? hand­werkliche Zucht. Sehr bald auch erkannte er in Margaret? Hormuth. einer begabten Schü­lerin Ferd. Kellers, die Frau, die ihm durchs Leben folgen sollte. Nach Erledigung seiner Mili­tärpflicht ging er 1880 nach Berlin, kehrte jedoch

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Dillkreis.

bl. Nieder-Roßbach, 26. Oft. Am Sams­tag wurde hier in feierlicher Weise das neue Sch ulgebäude seiner Bestimmung übergeben. Das Schulhaus hat Raum für 80 Kinder.

bl. Medenbach, 26. Okt. Die Basalt« b r ü ch e unserer Gemarkung haben den Betrieb größtenteils wieder eingestellt. Es handelt sich hier­bei um Betriebe, die im Frühjahr neu erschlossen wurden. Ebenso verhält es sich mit der Kalk­st e i n i n ö u ft r i e , die im Rückgang begriffen ist.

bl. Eibelshausen, 26. Okt. Der hiesige Turnverein erbaut eine neue Turnhalle. Eine Lotterie brachte den größten Teil des Geldes auf, dazu konnte das Gelände äußerst preiswert er­standen werden. Im Frühjahr nächsten Jahres soll die Halle fertiggestellt sein.

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bist über wenigen getreu gewesen, ich will dich über viel sehen: gehe ein zu deines Herrn, Freude." Für das Kreisschulamt Gießen sprich Professor Alles aus Gießen, für den Lehree- verein des Bezirks Lich ter Obmann Lehrer Sprenger aus Bellersheim. Eine überaus große Zahl von Kränzen wurde niedergelegt von der Gemeinte, dem Schulvorstand, dem Kirchen- Vorstand. von Vereinen, Schülern und Freunden des Entschlafenen. Seine Schulkinder sangen ihm ein Grablied und warfen ihrem geliebten Lehrer Blumen in die Gruft. Auch ter Gemischte Chor, den er gegründet und mit viel Liebe und Hin­gebung geleitet hat. ehrte ihn durch ein Lied. Einstimmig trat die hohe Wertschätzung und herz­liche Liebe zutage, die diesem echt deutschen und christlichen Mann von allen, die ihn kannten, cntgcgengebracht wurde.

Rodheim a. d. Horloff, 26. Otl. Zur be­vorstehenden Gemeinderatswahl haben sich hier, wie schon jedesmal, die Wähler auf eine Einheitsliste geeinigt, indem der Bauernschaft einer, der Arbeiterschaft drei Sitze zugebilligt wur­den. Die Arbeiterschaft gewinnt damit einen Rats­sitz, wie das auch dem Zahlenverhältnis entspricht: denn da Bürgermeister und Beigeordneter auch zur Bauernschaft gehören, hätten die Arbeiter mit nur zwei Sitzen eine Vertretung, die ihrer Zahl etwa J, der Wähler nicht entspräche.

Kreis Friedberg.

c. Rockenberg, 26. Okt. Während zu der vorigen Gemeinderatswahl eine Einheits­liste zustande kam, sind zu der bevorstehenden Wahl sechs Wahlvorschläge eingereicht worden. Der seitherige Gemeinderat setzte sich aus 6 Land­wirten, 2 Sozialdemokraten, 2 Beamten und 2 Ver­tretern der christlichen Gewerkschaften zusammen. Diese Verteilung entsprach allerdings nicht dem Ver­hältnis der Berufsgruppen und Parteien, worin auch die Ursache der getrennten Wahllisten zu er­blicken ist. Wahlvorschläge haben eingereicht die Bauern, Sozialdemokraten, Christliche Arbeiter und Gewerbetreibende, zu denen diesmal zwei Beamten­listen evangelische und katholische kommen. Die sehr 'rührige Freiwillige Feuer­wehr gründete im letzten Winter eine Musik­kapelle. für die sie unter Beihilfe der Bevölke­rung und Vereine in kurzer Zeit die notwendigen Instrumente onschasfte. Um diese noch zu vervoll­ständigen, veranstaltete sie ein Preis schießen, das sehr gut besucht war und heute im Horstschen Saale bei Konzert der Kapelle beendet wurde.

s N i e d e r - F l o r st a d t, 26. Okt. Der G e - meinde-Steinbruch ist von jeher Gegen­stand lebhafter Auseinandersetzungen im Ge- meinderat und auch innerhalb der Gemeinde. Er wurde auch zeitweise stillgelegt und bei der: Durchführung der produktiven Erwerbslosen- fürsorge wieder in Betrieb genommen. Nach­dem die Betriebsleitung geändert wurde, er­höhte sich die Leistung. Man verlegte sich auf die Produktion von Kleinpflastersteinen, nach denen bei den Straßenreparaturen große Nachfrage besteht, legte neue Geleise an und erbaute eine Halle, um den Basalt gegen den schädlichen Sonnenbrand zu schützen. Während des Sommers konnte denn auch das Material gut abgeseht werden, zeitweise überschritt sogar die Nachfrage die Produktion. Die Gemeinde selbe bezog eine große Menge verschiedenartiger Steine, die sie beim Ankauf in einem anderen Bruch ca. 4000 Mk. gekostet hätten. Die Zweifel an der Rentabilität des Bruches wollten jedoch nicht verstummen, deshalb und auch um die Pro­duktionskosten der einzelnen Steinorten kennen zu lernen, wurde in der letzten Gemeinderats- sihung eine Kommission aus Vertretern der einzelnen Parteien bestimmt, die die Ein­nahmen und Ausgaben seit 1. April 1925 prüfen und zusammenstellen sollte. Diese Prü­fung ergab einen Lieber schuß von etwa 7000 Mark, von denen etwa 6000 Mk. auf Vorräte entfallen. Mit dieser Feststellung dürfte ein Punkt der Wahlagitation entzogen sein. Ein großer Verkauf ist der Gemeinde inzwischen in bestimmte Aussicht gestellt, so daß die ge­samte Produktion an Kleinpflaster- st e i n e n mindestens für dreiviertel Jahre schon im voraus seinen Abnehmer hat. Die Zahlung erfolgt ratenweise und wird zur Deckung der Betriebskosten verwendet werden. Zum gestrigen Erntedankfest war die Kirche reich mit Blumen geschmückt, und die Früchte des Feldes waren auf dem Altar ausgesetzt. Der überaus reichen Ernte wurde in einer würdigen

Friedrich Kallmorgen.

Zur Ausstellung seiner Bilder im Turmhaus am Brand.

Im Jahre 1910, als die allerersten Ansänge jener großen Umwertung erst in ganz extremen Kreisen Aufnahme und Lebensmöglichkeit fanden, schrieb Max Osborn in F. Bruckmanns Monats­heften »Die Kunst" über Friedrich Kallmorgen: Seit Jahr und Tag erleben wir Berliner bei ten Eröffnungsreden der zwei großen Sommer- ausstellnngen ein anmutiges iunstpolitisches Ge­plänkel. Die Sezession ist meist die erste auf dem Plan, und als ihrBruder Redner" fuhrt Max Liebermann einen eleganten Angriffshieb. 'Wenige Tage später rückt dann dieGroße Berliner" an, und es erfolgt der Gegenschlag, ausgeführt entweder vom Vertreter der preußi­schen Regierung oder vom Ausstellungsprasi- tenten. oder auch, weil doppelt besser hält, ge­legentlich von beiten gemeinsam. Diesmal war das Gefecht aus der Ferne besonders reizvoll, da ter Sezessionsvater, von feinen eigenen jün­geren Knaben scharf bedrängt, mit milder Strenge Besonnenheit ter Arbeit und Solidität des Hand­werks predigte, und weil der Beherrscher von Moabit sich die Krisis der radikaler, linken Fraktion zunutze machen konnte, um für feine aka­demische Ausstellung Propaganda zu machen. Friedrich Kallmorgen, ter in diesem (Sommer, tote schon einmal vor fünf Jahrm. am Lehrter Bahn­hof das Szepter schwingt, ließ sich die günstige Gelegenheit nicht entgehen, und, mit einer diplo­matischen Reverenz vor dem großen Duellgegner Liebermann, teilte er ten hypermodernen Llltras, ter übertriebenen Auslondsschwärmerei. den snobistischen Auswüchsen des Kunstmarrtes em paar derbe Schwerthiebe aus. wobei er jedoch in seiner treuherzig deutschen Ehrlichkeit nicht ver­säumte. auch ter modisch überspannten Begeiste­rung für die Kunst vergangener Jahrhunderte eins auszuwischen, die in jüngster Zeit in Berlin

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Feier gedacht, bei ter der Kirchenchor unter Leitung von Pfarrer Kappeher und die Oberklasse ter Volksschule, geleitet von dem Or­ganisten Lehrer Rühl, mitwirkten.

Kreis Büdingen.

nb. Nidda, 25. Okt. In erhebender Weise wurde heute in der hiesigen evangelischen Kirche das Erntedankfest gefeiert. Als Einleitung sang die Mädchenvereinigung des Kirchspiels unter Lei­tung von Lehrer Dieter das Lied:Wie pflügen und wir streuen". Bei dem Altardienst ließ Pfarrer Laut von einigen Konfirmandinnen aus blumen­gezierten Körbchen Obst und Feldfrüchte, von Kna­ben Aehren und Feldblumen am Altar nieder­legen, der bereits mit einem prächtigen Erntekranz geschmückt war. Jedes der Kinder sagte dabei einen passenden Bibelspruch, eine Strophe eines Lob- und Dankliedcs aus dem Gesangbuch oder eine Stelle aus Luthers Erklärungen des 1. Artikels und der 4. Bitte auf. Die Festpredigt hielt Pfarrer Köhler über den Spruch aus dem 34. Psalm: Schmecket und sehet Gottes Freundlichkeit!" Das Gotteshaus war fast überfüllt von Andächtigen. Zum Schlüsse sang nochmals die Mädchenvereini­gung ein Erntedanklied. Die Kollekte zu einem Fonds für die Renovierung der Kirche ergab einen recht ansehnlichen Betrag. Auch der Nachmittags­gottesdienst, in dem Pfarrer Laut über Dank und Freude am Erntedankfest predigte, war sehr gut besucht.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

'£ Wieseck, 26. Okt. Aus der letzten G e - m e i n d e r a t s s i tz u n g ist zu berichten: Die Klage der Kirchengemeinde gegen die po­litische Gemeinde ist in erster Instanz, vor dem Landgericht Gießen, entschieden. Es handelt sich hierbei um die Frage, wer die B a u l a st e n für die Kirche und das Pfarrhaus zu tragen hat. Im Jahre 1906 kam zwischen dem damaligen Gemeinderal und dem Kirchenoorstand unter Mit­wirkung eines Vertreters des Kreisamts ein Be­schluß zustande, nach dem die seither im Besitz der bürgerlichen Gemeinde sich besindenden Gebäude (Kirche und Pfarrhaus) in das Eigentum der Kir­chengemeinde überschrieben wurden. Gleichzeitig wurde von den vertragschließenden Parteien ver­einbart, daß mit der Ueberschreibung auch die Baulasten von der Kirchengemeinde zu tragen seien. Als nun nach Jahr und Tag dieser zweite Teil des gemeinsamen Beschlusses durchgeführt wer­den sollte und der Gemeinderat die weitere lieber: nähme der Baulasten auf Rechnung der bürger­lichen Gemeinde ablehnte, verfolgte der andere ver­tragschließende Teil, die Kirchengemeinde, richter­liche Entscheidung. Das Urteil, das nunmehr ge­fällt wurde, und auf das wir ob feiner weit- tragendem Bedeutung noch zurückkommen, geht da­hin, daß der damals (1906) gefaßte Beschluß der beiden Vertragskontrahenten ohne rechtliche Verbindlichkeit und demzufolge die bürger­liche Gemeinde auch in Zukunft zur Tragung der Baulaften verpflichtet fei. Nach eingehender Be­sprechung der Angelegenheit wurde vom Gemeinde­rat beschlossen, die Entscheidung, ob gegen das Urteil Berufung eingelegt werden soll, auf eine spätere Sitzund zu vertagen. Wohnungs - Verhältnisse, ein stereotyper Punkt auf den Tagesordnungen fast aller Gemeinden standen auch hier wieder zur Beratung. Eine in Aussicht genommene Befchlagnahme einer Wohnung unter­blieb nach einstimmigem Beschluß des Gemeinde­rats, da sich herausstellte, daß der fragliche Haus­wirt in vollkommen korrekter Weise verfahren sei. Dieser hatte das Freiwerden einer Wohnung vier Wochen vorher der Gemeindeverwaltung angezeigt, diese aber dem Gemeinderat hiervon keine Kenntnis gegeben und auch nicht für anberroeite Vermie­tung gesorgt. Selbstverständlich konnte der Haus­wirt die Wohnung, als sie frei wurde, leer stehen lassen und vermietete, da er seitens der Gemeinde­verwaltung ohne Antwort gelaßen war, eben ohne Gemeinde. Die Finanzkommission wurde beauf­tragt, bis zur nächsten Sitzung eine Formel aus­zuarbeiten, nad) welcher die Bauherren, die gegen­wärtig unter starker Mithilfe der Gemeinde Wohn­häuser errichten, gehalten werden, die Mietwoh­nungen nur unter Mitwirkung der Gemeinte zu ver­mieten. Diese Bindung erscheint natwendig, da ein- mal ein Teil der Häuser ihrer Vollendung ent­gegengeht, zum andern die Gemeinde die großen Aufwendungen nur machte, um die Wohnungsnot in etwas zu mildern. Für die am 15. November stattfindende Gemeinderatswahl soll es bei der seitherigen Einteilung der Wahlkommission bleiben. Die Straßenbeleuchtung des Weiten Wegs läßt zu wünschen übrig. Das Elektrizitätswerk soll Vorschläge über die weitere Anbringung von Straßenlampen machen. Noch trostloser sind die Straßenverhältnisse des Neuen Wegs an sich. Da jetzt die Kanalisation zur Ausschreibung gelangt ist, soll hier gleichzeitig mit Abhilfe geschaffen werden. In später Stunde schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung an.

* Lollar, 26. Okt. An den drei Sonntagen, 4., 11. und 25. Oktober, hielt der Veteran en - und Kriegeroerein Lollar zum erstenmal wieder seit 1913 auf seinem neuhergerichteten Schießstand ein Scheibenschießen ab. Die 10 besten Schützen wurden mit Preisen, sämtlich Ge­brauchsgegenständen, bedacht. Am gestrigen Sonn­tag würde nod) eine Anzahl Ehrenscheiben ge­schossen. Die Teilnahme war an allen brei_ Sonn­tagen reckst rege, vornehmlich ber letzte Sonntag führte dem Schießen eine große Anzahl Sports- freunbe, worunter auch Auswärtige zu verzeichnen waren, zu.

ri. Nieder-Defsingen. 26. Olt. Eine unübersehbare Menge folgte gestern dem Sarge unseres lieben Lehrers und Organisten Ludwig Graulich, der 34 Jahre lang an unserer Schule als Lehrer und in unserer Kirche als Organist tätig war. Der Ortsgei ft liche sprach am Grabe nach der Degräbnisliturgie über das Wort:Ei, du frommer und getreuer Knecht, du

jeden Fall ist unsere Einwohnerschaft bereit, alles zu tun, diese Verbindung unbedingt aufred)tjuer» halten. Haben doch der Gemeinderat unter dem Vorsitz von Bürgermeister Kuhl und unjer an­erkennenswertem Eintreten von Rittergutsbesitzer C. O. Oppermann sich ohne wckteres dazu bereit erklärt, die erforderliche Garantiesumme zu zeichnen.

Kreis Lauterbach.

A Lauterbach, 26. Oft. Von der Bürger­meisterei wird uns mitgeteilt, daß die geplante Postautolinie Freiensteinau Stock­hausenLauterbach vorn Reichspostmini- fterium genehmigt wurde. Mit der Eröffnung dieser Linie wird begonnen, sobald ber hierfür be­stimmte Wagen eintrifft.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

3 Wetzlar, 25. Oft. Am heutigen Sonntag feierte die Evangelische Gemeinde das 25jährige Bestehen ihres Kinder- gottesdienstes. Während ehedem die Kinder in ter sogenannten Sonntagsschule von unseren Gemeindeschwestern im Gebäude des frü­heren Deutschen Ortenshauses in christlicher Weife unterrichtet wurden, errichtete vor nunmehr 25 Jahren die Evangelische Gemeinde einen regel­rechten Kindergottesdienst in ter Hospitalkirche. Sonntag für Sonntag sehen wir hier unsere Heranwachsende schulpflichtige Jugend versammelt, um unter Leitung eines der Pfarrer und unter dankenswerter Hilfe eines größeren Helferkreises ihren Kindergottesdienst abzuhalten. Der heutige Sonntag war daher für Eltern und Kinder ein Tag des Dankes und der Freude. Schon ter Fest­gottesdienst um Vo 10 Tlhr in der Hospitalkirche gab hiervon Zeugnis. Während die Kinderschar die Emporen füllte, war der untere Teil ter Kirche von Eltern und Freunden bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Festpredigt hatte Pfarrer Koch-Soest übernommen, einer ter besten Kinderpfarrer des Westens, während der Kirchen» chor mit zwei Chören die Feier verschönern hals. Nachmittags 1/23 Mr versammelten sich erneut die Kinder in ter" Hospitalkirche, um von dort aus unter Vortritt eines Dläserchors in geschlossenem Zuge nach dem Schützengarten zu ziehen. 400 bis 500 Kinder mögen es gewesen sein, die dort an die schön gedeckten Tische geführt und mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Für die Erwachsenen bliel) bei der Fülle fast kein Sitz­platz mehr übrig und Hunderte mußten zu ihrem Leidwesen wieder zurückkehren. Ein für die Kinder vielleicht zu reichhaltiges, aber schönes Programm wickelte sich dann in dieser Familienfeier ab. Gemeinsame Gesänge, Vorträge von Kindern, gesangliche Darbietungen der Helfer und Helfe­rinnen, eine Begrüßungsansprache von Pfarrer Lu hl, eine Festansprache von Pfarrer Koch Soest und ein Schlußwort von Pfarrer Schmidt bildeten die Hauptpunkte. Alles in allem eine gut vorbereitete und gut durchgeführte Erinne­rungsfeier, die noch lange in den Herzen ter Kinder und ihrer Eltern nachwirken wird. Mögen auch in dem neuen Diertelhundert Pfarrer und Helfer sich finden, die mit innerer Freude und Bereitwilligkeit an dem inneren Aufbau unserer Kinder so erfolgreich arbeiten, wie dies hn ver­gangenen Diertelhundert geschehen ist.

XX Krofdorf, 26. Okt. Die hiesige erfte Schulste11 e (Rektorstelle) war seit 1. Juli v. 9. unbesetzt. Nunmehr hat ber Schulvorstand seine Einwilligung dazu gegeben, daß die Stelle dem Lehrer Echternach aus Vetzberg übertragen wird.

Kreis Schotten.

)( Ruppertsburg, 26. Oktober. Die im Frühjahr gegründete Freiwillige Feuer­wehr zählt bereits 60 Mann. Vollständig neu uni­formiert, trat sie am Sonntag ihren Dienst an. Aus diesem Anlaß fand gemeinsamer Kirchgang statt, um sich gleichsam für ihr wichtiges Amt itn Dienste der Nächstenliebe einsegnen zu lassen, ge­treu ihrem Wahlspruch:Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr!" Zur bevorstehenden Gemeinde- r a t s w a h l sind hier drei Wahlvorschläge eingereicht, und zwar ein Vorschlag, der nur Bauern enthält. Auf den beiden anderen finden wir Bauern, Handwerker, Arbeiter und Beamte. Das gelinde Weller ber letzten Tage hat bie Natur ganz vergessen lassen, baß es Herbst ist. Hier unb ba sieht man 'Apfelbäume mit vollständig ent­wickelten Blüten. Vereinzelt blühen die Hecken­rosen. An Rainen und in Wäldern findet man zahlreiche blühende Erd- und Himbeer- b ü s ch e. Gestern abend zeigte man dem Schreiber dieser Zeilen frisch gepflückte reife Him­beeren. Beim Pflügen kommen viele Mai­käfer zutage. An ten warmen Abenden fliegen Iohanniskäserchen umher. Und doch ist es Herbst! Am nächsten Freitag kommt in unserer Kirche der berühmte Bethel-Film zur Vorführung, unb zwar nachmittags um 2 Uhr für bie Kinber und abends 8 Uhr für Erwachsene. Auch die Be­wohner der Umgegend sind dazu eingeladen. Der Besuch kann jedem aufs beste empfohlen werden.

Kreis Alsfeld.

O Erbenhausen, 26. Okt. 9n dankenswerter Weise hat der Gemeinde rat beschlossen, den Aufgangsweg zu unserer hochgelegenen Kirche neu Herrichten zu lassen. Bei nassem Wetter oder Schneefall unb Glatteis ist es mit Lebensgefahr uerbunben, über diese ausgetretenen Stufen, die dem Fuß keinen festen Halt mehr bieten, den Weg zur Kirche zu machen. Möge der gefaßte Beschluß baldigst verwirklicht werten, damit auch älteren Gemeindegliedern die Möglichkeit ge­geben ist, ihrer guten Sitte treu zu bleiben, Sonn­tags das Gotteshaus aufzufuchen.

(D Lehrbach, 26. Okt. Wie wir von unter­richteter Seite vernehmen, hat sich die A u t o p o st - Verbindung Kirchhain Kirtorf bis jetzt sehr gut rentiert. Wir begrüßen diese Mit­teilung insofern besonders, als unser von allem Verkehr abgeschlossener Ort gerade durch diese Linie die denkbar beste Verkehrserleichterung erhielt. Man verfügt zwar in einer rein ländlichen Bevöl­kerung im Spätsommer unb Herbst wegen ber (Srntearbeiten nicht so wie in anberen Bezirken über Zeit, Gelegenheit unb Geld, um die bargebo­tene Verkehrsmöglichkeit so auszunutzen, wie man gerne möchte. Vielleicht läßt sich bie zustänbige Oberpostdirektion in absehbarer Zeit dazu bereit finden, den Fahrpreis pro Kilometer von 10 Pf. auf etwa 6 ober 7 Pf. zu e r - m ä ß"i gen. Eine nach diesem Entgegenkommen mit Sicherheit anzunehmenbe noch größere In­anspruchnahme der Fahrgelegenheit würde den finanziellen Ausgleich zweifellos herbeiführen. Auf

Belebung des damals sehr im Argen liegenden Steindruckes.

So dem Handwerklichen vertraut, ter Natur verbunden, war er berufen, einen Kreis von Schülern um sich zu sehen, und so folgte er 1902 einem Ruse an die Berliner Hochschule als Nach­folger Brachts, der nach DrÄden ging. So er­scheint fein Werk auch noch heute, als eines auf­rechten Mannes Tat. ter, frei von Doktrinen und starren Eigenheiten seinen erkannten Weg unbeirrt um den Streit der Meinungen gerade­aus ging, ein Mittler zwischen Nord unb Süd, zwischen Frankreich und dem Böhrnerwald. e-s.

Eine Bühnenklasse in Düsseldorf.

Ans der Einsicht, daß das moderne Theater an den Szenenbildner ungleich höhere künstlerische Anforderungen stellen mutz, als sie früher an ihn herantraten, hat Dr. Kaesbach, der neue Direktor der staatlichen Kunstakademie zu Düsseldorf, dort eine Bühnenkunstklasse ge­schaffen. die berufen sein wird, dem oft peinlich bemerkten Dilettantismus vieler Bühnenbildner ihren Aufgaben und ten technischen Leistungs­möglichkeiten des Theaters gegenüber avzuhelfen. Einer literarischen Vorarbeit, die sowohl die gei­stige Sphäre des Dichters und der Dichtung wie ihre charakteristische dramatische Ausdruckssorm aufzuweisen erstrebt, folgt die eigentllch bühnen­bildnerische Arbeit, für die eine große Reihe von Motellbühnen mit allem Zubehör, einschließlich ter Beleuchtungsanlagen, vorhanden sind. Die literarische Behandlung liegt in der Hand des Literarhistorikers D. H. W. Klein, ter Leiter der bühnenbildnerischen Abteilung ist der bekannte rheinische Bühnenbildner Walter von Wecus. Ebenso aufmerksam verfolgt diese neue Bühnen- kunstklasse, die erste in Deutschland, die neuen Probleme ter Filmbildkunst und sieht ihr letztes Ziel in einer Experimentierbühne, auf ter die bühnend ildncrische Arbeit im Zusammenhang mit ter des Spielleiters und Schauspielers ihre Be­deutung erst voll zu erweisen vermag.