Ausgabe 
27.8.1925
 
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Ur. 200 Zweites Blatt

Das befreite Düsseldorf.

Don Karl Reinenberger.

Ds war in einer Märznacht 1921 (zu Be­ginn des Monats- als anhaltendes Getrappel von Pferden und Menschen den Anwohnern der Kölner Landstraße in Düsseldorf den Ein­marsch der Franzosen verkündete. Sie brachen hauptsächlich von Süden her ein und hatten schon in aller Frühe den Bahnhof besetzt, wo sie gleich begannen, die Reisenden zu kon­trollieren und zu behelligen. Ich selbst, der ich an eben diesem Tage nach Frankfurt und Berlin fahren mußte, kam ohne Pah durch die Sperre, die einen Augenblick unbewacht war. Hie haben dann in französischen Zeitungen drucken lassen, Düsseldorf 'eiohne D i verstand ge­nommen", was natürlich billigerweise hätte in derheileren Ecke" gebracht werden sollen, was ober für die Ausdrucksweise des Romanen wohl charakteristisch ist.

Heute, beim Abzug der Besatzung, mag ein kleiner Rückblick am Platze fein, eine kleine Erinnerung an mehr al- vier Jahre, nicht um aufzureizen, ich selbst bin von nichts mehr überzeugt, al« davon, daß wir Deutsche nur auf dem Wege der Derstänbigung weiter­kommen werden aber doch immerhin sachlich aussprechend, w i e das Regiment der Fran­zosen hier, in den Sanktionsstädten, meist ge­wesen ist, um daraus zu lernen, unserseits reserviert, sachlich, doch ohne Anbiederungs­versuche zu sein, die meist mißverstanden und mißdeutet werden. Der Franzose kennt nur eine sehr primitive Psychologie. Wan kann sagen, er hat es nicht sehr verstanden, für sich einzunehmen. Wo Franzosen. Offiziere, spä­ter Zollossiziere, in Bürgerhäusern Wohnung halten, sind die Bewohner oft ganz gut mit ihnen ousgekommen: aber ihre Regierungs« und Herr- fchcrmethoden waren primitiv, lapidar und manch­mal grotesk. In den ersten Jahren ihres Hier­seins waren sie in vielen Maßnahmen geradezu chikanös. Und wenn der Deutsche, und zu­mal der Rheinländer, in seiner Bonhomie und zum Heitern neigenden Art, Gefühlen der Rache nicht so leicht zugänglich ist und zu vergessen geneigt ist, so ist es doch nicht falsch, auf die Schwere der Jahre hinzuweisen, die Düssel­dorf und die andernSanktionsstädte" hinter sich haben.

Ein paar Stichproben: Wenn z.B. französi­sches Militär für Schädigung von Leben oder Gesundheit einzelner, auch Kinder, keine Ent­schädigung zu zahlen gewillt war oder sie so aering bemaß, daß sie nur als Almosen cmzu- sehen war, wie in dem Falle im Stadtteil Bilk, wo ein Soldat, sei eS in Betrunkenheit oder aus welchem Grund, ein Kind erschoß, oder Menschen, Kinder, durch zu schnelles Autofahren über­fahren wurden, - oder (eine kleinere Sache- jahrelang die Strahenpassanten den Bürgersteig vor dem Hause eines hohen Offizier- nicht be­nutzen dursten und jeder, der es in Gedanken doch tat, mit dem Bajonett des Postens ver­trieben wurde. Alles Dinge, die vermeidbar waren, und nut das Gefühl gaben: hier soll eine (eminent friedfertige) Bevölkerung die starke Hand des Siegers fühlen. Oder wenn die, welche sich gegen den Separatismus wehrten, verfolgt wurden. Wenn beispielsweise der Dezernent für das Polizeiwesen im Anschluß an die separatistischen Unruhen die künstlich und gewaltsam nach Düsseldorf getragen wurden, des Mordes angeklaat wurde. Ganz zu schweigen davon, daß sämtliche Offiziere jahre­lang in den neu besetzten Städten nur mit der Reitpeitsche in der Hand herum­liefen, was einen direkt aufreizenden und provo­katorischen Eindruck machte. Ich will nicht spre­chen von den ungeheuren Ansprüchen, die die Franzosen in Bezug auf Räume, Baulich­keiten. Schulen, Kasernen, Kasernenneubauten usw. stellten, in Bezug aus Ausstattung der Woh­nungen^ und wie dann oft gan^e Familien in kürzester Frist, oft innerhalb eines halben Tages, mit dem Rotwendigsten die Wohnungen ver- lasfen mußten, das war gewiß nicht nötig und war vermeidbar.

In dokumentarischen Veröffentlichungen ist in den letzten Monaten noch von einem deut­schen Autor dargelegt worden, wie sich, im Gegen­satz dazu, Deutschland während der Desahungs- zeit in Frankreich nach dem Friedensschluß von 1871 verhalten hat. Wir erinnern uns aber der langen S t r a s l i st e n , die fast täglich die Düssel­dorfer Zeitungen in den ersten Jahren veröffent­lichen mußten und der hohen, zum Teil exorbi­tanten Strafen, die da für meist nichtige oder geringeVerfehlungen", man kann meist nur sagen: Versehen, verhängt wurden. Muhte doch feder Mensch Tag und Rächt, wo er ging und stand, auch wenn er garnicht bas besetzte Ge­biet verließ, seinen Paß bei sich führen, Mann, Frau, Mädchen und Jüngling, und konnte er doch überall, auf der Straße oder in der Straßen­bahn zum Dorzeigen des Paffes auf» gefordert werden und kostete die Dergeßlich- teit, den Paß zu Hause gelassen zu haben, doch gleich Hunderte von Mark an Strafe.

Indessen haben am meisten die Geschäfts­leute zu leiden gehabt. Ich will weniger von der Beschlagnahme vieler Geschäftsräume zu­gunsten französischer Geschäfte sprechen, sondern von zum Teil furchtbaren Strafen, von denen Geschäftsleute betroffen wurden, die für jedes normale Denken unschuldig waren. So wenn Buchhändler mit schier unerschwinglicher Geld­buße belegt wurden, weil, nachdem der Laden mit Wachen ringsum besetzt war, in irgendeinem Winkel eine uralte Hummer einer zur Zeit verbotenen Zeitschrift gefunden wurde. War es schon ein Kunststück, die fabelhafte Liste der je­weils verbotenen Blätter und Zeitschriften (sie wechselten wöchentlich und monatlich) zu be­herrschen, so liegt es doch am Tag, daß man einen Geschäftsmann nicht deswegen bestrafen konnte, weil, ihm selber unbekannt, in einem staubigen Winkel vielleicht eine Hummer der Jugend 1914 oder 1919 gefunden wurde: und doch sind solche Bestrafungen immer wieder (mit Tausenden von Mark) erfolgt. Ungefjeure Listen von Bestrafungen für fehlende Preisauszeich­nungen in den Schaufenstern (und wenn auch nur bei dem einen oder anderen Gegenstand der Preis fehlle) oder wenn ein Franzose mal glaubte, ihm sei ein Gegenstand im Laden zu teuer verkauft worden. Dabei haben wir noch garnicht gesprochen von den unzähligen Gefängnis- und sonstigen Freiheitsstrafen für ein unbedachtes Wort oder für das Singen eines

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

deutschen Liedes in gefchlofsener Gesellschaft. Da ' sind viele Opfer gebracht worden.

Schlimm traten manche öffentlichen G e- bäude daran, vor allem die Tonhalle, der Ort der Düsseldorfer städtischen Ord citcr- und Musik- vereinskonzer.e. In den Restauralionsräumen der Tonhalle war zunächst ein Offizierskasino cin- gerichtet: allmählich nahmen die Franzosen die ganze Tonhalle bis auf den Kailersaal in Be- Nutzung: die Haupteingänge durften nicht mehr benutzt werden, ebensowenig der Rittersaal und der Verbindungssaal: so daß die Stadl ge­lungen war. von der Tonhal'.enstrahe einen be­sonderen Eingang für das Publikum für diese Konzerte zu bauen. Hun wurden aber nicht die Türen nach dem DerbindungSsaal geschlos'en. viel­mehr hatten die Soldaten durch die Türen jeder- zeit Eintritt in den Kaisersaal: und sie kamen auch während der Konzerte herein, nicht etwa, um still zuzuhören, was ihnen ja gewiß und gern gegönnt gewesen wäre, sondern sie führten sich sehr oft sehr unschön auf, störten, fielen im Scherz" von den Sitzen / und bei all dem war dahinter, im Derbindungsfaal, unge­fähr während des ganzen Konzertes störend- fter Lärm (der gewiß, wenn irgend ein Offizier das gewünscht hätte, vermeidbar gewesen wäre). In dieser Hinsicht habe ich mich über die fran­zösischen Offiziere sehr gewundert, -- daß nicht einer es in die Hand nahm, das ungezogene Benehmen der Soldaten abzustellen.

Eine besondere Erschwerung brachte natür­lich der R u h r k a m p f und in diesem ganz be­sonders die Abschnürung vom übrigen Deutsch­land: da lebten die schikanösen Methoden die gegen Ende 1922 nachgelassen hatten - wieder zu schönster Blüte auf. Das schlimmste mä­ren die Pahschikanen, davon weih un­gefähr ein jeder hier ein furchtbares Lied zu fingen. Sie hörten auch nicht etwa sofort nach dem Riederbruch der Ruhraktion auf, als Deutsch­land sich besiegt erklärte. vielmehr waren bei­spielsweise noch Sommer 1924 Einreiseerlaubnisse schwer oder mit wesentlichen Unkosten zu be­schaffen. Rachdem Bahn, Post wieder, ohne Kon­trolle, in deutschem Betriebe waren, die fürchter­lichen und schikanösen Zollschranken fielen, waren Reise und Verkehr erträglich. Aber wer einmal in Friedrichsseld oder Gerresheim oder Voh­winkel die Kontrollgrenzen passiert hat, mit langem Aufenthalt, während dessen jeder den Zug verlassen mußte, sich das beschei­denste Handköfferchen durchwühlen lassen mußte, in langer Prozession der wird das noch eine geraume Weile in Erinnerung behalten. Es waren die Ausläufer der Aercr Poincarc- und doch es ist das alles als das Verhalten eines immer noch feindlichen Volkes empfunden worden. Einen Sinn und Zweck, wenn auch einen unbeabsichtigten, aber doch guten, bat es alles gehabt: der rheinländische Sepa­ratismus war durch die ganzen Maßnahmen der Franzosen zur absoluten Un frucht- barkeit verdammt.

Sehr viel gelitten hat auch das Schul­wesen in Düsseldorf. Richt nur daß die Be­satzung Schulgebäude für den Unterricht an fran­zösische Kinder beschlagnahmte, das wäre ver­ständlich gewesen, auch für andere Zwecke, militärische, sind viele Schulen beschlag­nahmt gewesen, die nunmehr aber keineswegs gleich wieder in Benutzung genommen werden können, sondern erst in Stand gesetzt werden müssen. Denn auch da muß gesagt werden, was die Franzosen auch immer in Benutzung gehabt haben es bedarf In außerordent­lichem Maße der Instandsetzung. Zu der seelischen Belastung, die getragen worden ist, kommen sehr hohe materielle Kosten für die Städte hinzu. Im Wohnungswesen war und bedeutete die Besatzung eine ungeheure Er­schwerung der Wohnungsnot, zumal während der wirtschaftlich schweren Jahre in Düsseldorf sehr wenig gebaut werden konnte.

So kann man es verstehen, wenn nun, nach dem Abzug der Besatzung, immerhin ein Auf- atmen ist. Freilich, drüben auf der anderen Rheinseite, stehen immer noch, im Stadtteil Obercassel, die Belgier. Qlber wir wollen hoffen, daß nunmehr, nach begonnenerDer- ständigungsdiskussion". die schroffen Methoden aufhören werden. Weil und wenn die Verständi­gung kommen soll, muß es erlaubt sein, zu sagen, daß unb warum die Besatzung rechtsrheinischen Gebietes falsch war, daß die Methoden einer großen Ration nicht würdig waren. Soweit und soviel kenne ich und weiß ich von der Seele der Rheinländer, daß das Gefühl, noch immer Feind gegen Feind zu stehen, nicht zuerst bei ihnen war.

Das ist gekommen, als Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort besetzt wurden, mehr noch, als das ganze Ruhrgebiet besetzt wurde: und durch die dann einsetzenden wirtschaftlichen und Verkehrs­kalamitäten hat es sich dann festgesetzt. Dies Gefühl abzubauen, wäre nun mehr Aufgabe der Franzosen als der Deutschen, wenn sie bei den zu erwartenden Verhandlungen deutlich doku­mentieren würden, daß die erstrebte Verständi­gung --wirklich eine fei.

So ist es zu verstehen, wenn die Bevölke- rung der vordem besetzten Städte nach dem Abzug der Besatzung in elementarer Weise ihre Freude äußerte. Das soll man recht verstehen, wenn Glocken geläutet wurden, Fahnen gehißt wurden, Menschenmengen spontan anfingen zu fingen.

Düsseldorf, vielfach Durchaangsstation für die Befayungstruppen, hat ein Dollgerütteü Maß der Beschwernisse ertragen; und hat es nun hinter sich: hoffentlich auf Rimmerwieder.'ehr. Die Stadt mit ihren schönen Anlagen, mit ihren so viel belaubten Straßen (mehr als in allen anderen Städten des Westens), rüstet zu großen Deran- ftaltungen und Erweiterungsbauten der nächsten Jahre. Die große Ausstellung für G e - sundheitspflege. speziale Fürsorge und Leibesübungen ist in regster Vor­bereitung und verspricht Außerordentliches. Es scheint ein Wille vorhanden, in regster Arbeit in den nächsten Jahren manches Versäumte nach­zuholen. Wenn im geistigen und kulturellen Geben und Zusammenleben manches zu wünschen übrig blieb, so bringt nun, nachdem der Druck langer Jahre von uns genommen ist, die Zu­kunft hoffentlich eine stärkere Zusammen- faffung und Zufammenführung aller schöpferischen Kräf,te, die hier tätig sind, aber auch hier noch schlummern.

Aus 0er 'Provinz.

Kreis Schotten.

Laubach. 26. Aug In unserem Bericht in Rr 198 vom Dienstag 25. d. M.. wurde be­richtet. daß Stafettcnlau! die Realschule unter­legen sei. Diese Meldung ist dahingehend zu be­richtigen, daß die Realschüler über die Stabt- schiller siegreich waren.

~' Laubach. 26. Aug Das Programm der diesjahrgen Zusammenkunft alter Lau­bacher Pennäler, die am tommenben Sams­tag und Sonntag hier stattfinden soll und womit eine kleine Jubiläumsfeier ber vor 50 Jahren erfolgten Gründung des Gymnasiums verbunden wird, ist nunmehr endgültig festgesetzt worden. Am Samstagabend 8* t Uhr findet im .Solmfcr Hof" ein Degrühungsabend statt. Hierbei wird Oberstudiendirektor Dr. Hugo Müller- Offen­bach. ber von 190715 hier als Gymnasialdirettvr wirkte, eine Rede über den Wert der humanisti­schen Bildung halten. Am Sonntagmorgen ist Kirchgang, wobei Oberkirchenrat W a g n er . Superintendent von Oberbeff en, der von 1883 88 das hiesige Gymnasium besuchte, die Predigt hallen wirb. Daran schließt sich eine Gedächtnis­feier zu Ehren des Gründers des Gymnasium«. bc8 Grafen Friedrich, an dessen Denkmal. Mit der Rede ist Professor Dr. Roeschen, der von 1884 bis 1904 am hiesigen Gymnasium wirkte, betraut worden. Für den Rachmittag ist ein gemeinschaftlicher Ausflug der Feftteil- nehmer und der Einwohner auf den Ramsberg vorgesehen, wobei die gutgeschulte Laubacher Feuerwehrkapelle konzertieren wird. Am Abend findet ein Abschiedstrunk imSolmfer Hof" statt. Es sind sehr zahlreiche Anmeldungen, insbesondere der allen Jahrgänge, zur Teilnahme erfolgt.

!*! Dom Vogelsberg, 25. Aug Der Heftor der Lehrer Ober Hessens ist in dem abgelegenen Gebirqsdorse Helpershain bei Ulrichstein in der Person be« Lehrers i. R. Presser gestorben. Presser hat fast seine ge­samte Lehrtätigkeit in Helpershain verbracht, so daß die gesamten Einwohner seine Schüler waren. Er war zugleich Organist und Gehör und hielt als solcher allsonntäglich den Gdttesdienst ab. Da­neben stellte er sich als Dirigent des Gesang­vereins auch in den Dienst der Dolksbildunq und gab den Bauern bei Landwirtschaft und Obstbau manchen Wink. So war er im wahren Sinne des Wortes ein unermüdlicher Kulturträger, der seinen Vogelsberg und seine Bewohner über alles liebte. An seiner Beerdigung nahm die ganze Gemeinde, zahlreiche Bewohner der Rach- barfebaft, die Gehrer des Vogelsberg und die Schulkinder und Vereine teil. Pfarrer Guft gab ein treues Bild des pflichtbewußten Gehrers und Vaters seiner Gemeinde. Gehrer Dreitwieser aus Ulrichstein widmete dem Verstorbenen einen warmen Rachruf. Presser hat von 185557 das Gehrerseminar zu Friedberg besucht und trat mit 19 Jahren in den Lehrerberuf. Mit ihm scheidet ein Stück Vogelsberg dahin.

lg. Gedern, 26. Aug. Wahrend des gestri­gen Marktes ereignete sich im Lause des Vor­mittags ein bedauerlicher Unglücksfall. Das Pferd eines Fuhrwerks aus Gelnhaar scheute und sauste mit einem Telle des Wagens den etwas abschüssigen Marktplatz in vollem Galopp herunter. Die zehnjährige Tochter des Kauf­manns Samuel Vöhl von hier kam zu Fall und geriet unter das herrenlose Ge­fährt, so daß sie bewußtlos vom Platze ge­tragen wurde. Glücklicherweise sind die Ver­letzungen nicht so schwer, wie man anfangs ver­mutete. Der sofort zu Rate gezogene Arzt stellte eine leichte Gehirnerschütterung fest. Hur der Geistesgegenwart der übrigen in der Höhe befindlichen Marktbesucher war es zu verdanken, daß größeres Unheil verhütet wurde. Man sollte seitens auswärtiger Markt- besucher erwarten können, daß bespannte Fuhr­werke nicht ohne genügende Aufsicht gelassen werden, besonders dann, wenn es sich um Tiere handelt, die bei geringen äußeren Anlässen durch­gehen und dann ihre Umgebung in Gefahs bringen.

Kreis Wetzlar.

XX Wetzlar, 25. Aug. Die Beteiligung ehemaliger 88er an der Feier in Lüdenscheid war auch aus dem hiesigen Kreise sehr groß.

G Krofdorf, 24. Slug. Gestern stand unser Ort im Zeichen eines Iugendsesles für die Kleinen, wie unser Ort noch feine gesehen hat. Fast die ganze Einwohnerschaft war auf den Beinen, als um 2 Uhr der Zug, an dem sich etwa 300 Kinder mit ihren Lehrern und, gefolgt von (Eltern und der übrigen Einwohnerschaft, sich nach dem nahen Walde, unter Vorantritt der hiesigen Musikkapelle, bewegte. Nach Ankunft auf dem in den Roten Gräben liegenden Platze hielt Lehrer Binde- w a l d eine kleine Begrüßungsansprache. Es folgten von den Lehrern eingeübte Gesangstücke, Reigen, Märchenstücke (Dornröschen) u. a. m. (Ein Kletterbaum war errichtet, woran sich die Buben Würstchen und Brezeln selbst herunterholen muß­ten. Am Schlüße der Kinderspiele wurden Brezeln, Brötchen und Würstchen unter die Schulkinder verteilt, und eine photographische Aufnahme hielt fast alle Anwesende auf der Platte fest. Um 6 Uhr wurde unter klingendem Spiel der Heim­weg angetreten. Allgemein wurde der Wunsch laut, jedes Jahr auch für unsere Kleinen ein Fest zu feiern, nur müßte die Jahreszeit etwas früher gewählt werden, etwa Mai ober Juni.

!*! Dutenhofen, 26. Aug. Heute fand hier die 25jährige Jubelfeier des evangelischen Dereinshauses statt. Die Festpredigt hiell Pfarrer Heider-Dorlar. Als weiterer Redner sprach der Sekretär OeUenberg von der christlichen Gemein- schäft aus Elberfeld. Unter den Musikvorträgen des hiesigen Posaunenchors und des Mandolinen- klubs nahm die Feier einen würdigen Verlauf.

T Haunhei m, 25. Aug. Gestern fanden hier unter Leitung des Lehrers S ch r u p P-Wald- girmes die Reichsjugeridwektkärnpfe für den süd­lichen Teil des Kreises Biedenkopf statt. Er­schienen waren 423 Schüler der drei oberen Jahr­gänge, die weit entfernten auf Wagen, und zehn Schüler des 5. Schuljahres aus Königsberg und Rodheim. Davon erreichten im Dreikampf (Lauf, Weitsprung. Schlagballwurf resp. Gerwurf) 250 Schüler die Punktzahl 40 und darüber und gingen als Sieger hervor. Außer den üblichen Kränzen und Eichblättern wurden die ersten Sieger jeder Gruppe mit prachtvollen Blumensträußen ausge­zeichnet, welche in dankenswerter Weise die hiesige Gärtnerei Kern u. Sv. zur Verfügung gestellt

Donnerstag, 2t. August (925

hatte. Rachdem am Mittag die Kinder am Platze mit Kaffee gespeist worden waren, fanden bi« Freiübungen, getrennt nach Knaben und Mädchen, statt, an tveich? sich der MassenchvrDenn ich den Wandrer frage" unter Leitung des Haupt- lehrerS Feix- Hermannstein anschloh. Rach einer kernigen Ansprache des Lehrers Langen- s i e pen von hier, nach welcher alle Versammelten das Deutschlandlied anstimmten, mußte wegen deS inzwischen stärker gewordenen RegenS zum Saalbau Wagner geflüchtet werden, wo die PrriS- verteilung stattfand.

d. Lützellinden, 26. Aug. Der Gemein- berat fetzte ben Haushaltsplan für 1925,26 in Einnahme unb Ausgabe auf 67 400 Mark fest. Zur Deckung ber laufenben Gemeindebedürfnisse wird eine Umlage von 120 Proz. auf tue staatlich« Steuer vom Grundvermögen erhoben. Der Antrag, einen Zuschlag von 150 Prozent zu erheben, wurde mit Stimmenmehrheit a('gelehnt. Für außer­ordentliche Wegebauten soll eine Anleihe von 5700 Mark ausgenommen werden. Zum Flurhüter unö Wegewärter wurde Iohs. Luh, Hs.-Nr. 135, gewählt. Die von der Forstverwaltung auf- gestellten Hauungs-, Kultur- und Rebennutzungs- plane rourben gutgeheißen. Die Grasbrücke soll instandgesetzt werden. Die Anrechnungswerte für die Lehrerdienstwohnungen wurden anderweit festgesetzt.

b. ©rofjredjtenbadi, 26. Aug. Ein bei der hier zur Zeit tätigen Dreschmaschine beschäftigter Arbeiter geriet, als er bei ber im Gang befindlichen Strohpresse einen kleinen Manael beseitigen wollte, mit dem linken Arm in eine Bindenabel unb zog sich hierbei eine erhebliche Verletzung zu.

m. Kleinrechtenbach, 26. Aug. Richt fei­ten hört man Klagen über das Werfen von Gegenständen nach in der Fahrt befindlichen Autos unb sonstigen Kraftfahrzeugen. So würbe auch am Sonntagabend nach einem am hiesigen Orte vorbeifahrenden, auf der Fahrt nach Wetzlar befindlichen Personenauto geworfen, wobei ein Insasse am Kopse getroffen wurde, glück- licherweise, ohne nennenswerten Schaden bavonzu- tragen. Der Täter, ein 16 Jahre alter Bursche, ist ermittelt und sieht seiner Bestrafung entgegen; er will mit einem Apfel geworfen haben, während nach den Aussagen des getroffenen Autofahrers der Wurf mit einem Stein erfolgt ist.

d. Niederkleen, 26. August. Der G e metnberat hat die Aufnahme einer A n - leihe bei der Landesbank ber Rheinprovinz zu Düffelborf für ben Bau einer Wasserleitung be- schlossen. Mit beni Bau der besonders auch aus hygienischen Gründen sehr notwendigen Anlage soll sofort nach Zurverfügungstellung des Geldes begonnen werden. Gegen die Hauungs- und Kulttirverbesserungspläne fanb der Gemeinderat nichts einzuwenden. Die Abgabe von Gras im Wege der Rebennutzung soll jedoch gegen Bezah- lung erfolgen. Für Kultur unb Wegeunterhal­tungsarbeiten wurde ein Nachtragskredit von 200 Mark bewilligt.

d. Münchholzhausen, 26. Aug. Aus der Sitzung des Gemeinderats über die Beratung des Haushaltsplans für das Rechnungsjahr 1925 26 ist zu berichten: Die vom Schulvorstand be­antragten Arbeiten in den Schulhäusern wurden genehmigt bis auf die Errichtung eines Fremden­zimmers in der neuen Schule, für welches Mittel nicht zur Verfügung stehen. Ferner wurde die Anstellung eines Totengräbers beschlossen. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 36 400 Mark festgesetzt. Zur Deckung der laufenden Gemeinbeausgaben wirb eine Umlage von 250 Prozent auf ble staatliche Steuer vom Grundvermögen erhoben. Dem Verkaufe eine Bauplatzes an einen Ortseinge­sessenen wurde zugestimmt. Dem Kreisziegen, zuchtoerein wurde mit einem Jahresbeiträge von 2 Mark beigetreten.

d. Vollnkirchen, 26. Aug. Die hiesige Ge- meinbe erhebt auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen einen Zuschlag von 125 Proz. Der Haushaltsplan für 1925/26 wurde vom (9emeinberat in Einnahme und Ausgabe auf 18 960 Mark festgesetzt. Der Verbindungsweg Volperts- hausenWeidenhausenWetzlar soll innerhalb ber hiesigen Gemarkung ausgebaut unb zu bem Aus- bau eine staatliche Beihilfe beantragt werben. Der Ausbau soll innerhalb brei Jahren durchgeführt werden. Fortdilbungsschulunterricht sott mit Rücksicht auf die geringe Schülerzayl in diesem Winter nicht gehalten werden.

d. Weidenhausen, 26. Aug. Die hiesige Gemeindevertretung hat den Haushalts- plan für 1925 26 in Einnahme und Ausgabe auf ben Betrag von 8560 Mark festgesetzt. Auf ble staatliche Steuer vom Grundvermögen wirb ein Zuschlag von 125 Proz. erhoben.

XX Kahenfurt, 25. Aug. Die hiesige Gemeinde hat für ihre gefallenen und ver­mißten Helden am nahen Waldrand ein herr­liches Denkmal Herstellen lassen, welches näch­sten Sonntag seine Weihe erhalten soll.

Starkenburg un. Rheinhessen.

** Darmstadt. 25 Aug. Die Unter­suchung in der Angelegenheit des Leichen­fundes im Walde bei Darmstadt hat bis jetzt weder eine Feststellung der Persönlichkeit der Ermordeten noch Mörders ergeben. Man nimmt an, daß die Leiche vielleicht von einem weit entfernten Ort im Automobil nach der entlegenen Stelle im Walbe gebracht worden ist. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt ein Ausschreiben erlassen und für die Ermittelung des Täter- eine Belohnung von 500 Mk. ausgesetzt.

Mainz. 25. August. 'Zur Bekämpfung des wilden Lastkraftwagenverkehrs, der der Eisenbahn einen recht beträchtlichen Teil ihres Verkehrs abgenommen hat, beabsichtigt die Reichsbahndirektion Mainz ab 1. Sep- t e m b e r einen eigenen Ärafttoagen- verkehr Mainz Kastel Kostheim Gu- stavsburg Rüsselsheim Frankfurt und um­gekehrt einzurichten.

Wirtschaft.

Geldnot der Linke-Hofmann- Werke. Rach einer Meldung aus BreSlau haben die Linke-Hofmann-Lauchhammer-Werke bei dem Magistrat von Breslau ein Dar­lehen von 8 Millionen Mark beantragt, mit der Begründung, daß sie ohne Hilfe von feiten öffentlicher Hand umfangreiche Arbeiter- entlaffungen vornehmen müßten.

* Ueoer das Vermögen der Firma Wasch» mittelwerk Leiselheim, G. m. b. H. m Leiselheim wurde das Konkursverfahren eröffn