Ausgabe 
27.5.1925
 
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5jät)iaen möglichst Die Preise waren

('Jiütfiörud oerboten

51 tfortieRung

(Sorth'tjunn folgt.)

landkompagnie

Die Wöriehofener Entief « on«sku i stnrantiert nuscbndliÄ und von bestem (5rsolg. Eines der täglich eingedendeu Schreiben: Bitte um nochmalige Zusendung der Wöris- »okener EntfettungStur, die sl !> als sehr Wirt sam erwiesen bat. Berlin-Wilmerc dors, den 17. 2. 1925. neA. Geheilnrat St." ?llletn echt: Wörishosener Naturhetl, Elberield. Niederlage: General-Depot und Niederlage für Gießen RefornchanS Paul Scholl. Gleüen, Kreuzvlnv 5.

Feuer am Nordpol- Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Don Kari-August von Lassert.

5. VerlreterLag der hessischen Gemeindehecsmlen- (Eigener Bericht desGieß. Anz.")

* Bad-Nauheim, 24. Mai.

Die Gewerkschaft hessischer Ge­meindebeamten ist mit rund 6500 Mitglie­dern die stärkste Berufsbeamtenorganisation Hessens. Als ein Glied des Reichsbundes der Kommunal­beamten sieht sie im Deutschen Beamtenbund ihre höchste Spitzenorganisation. Von der Geschlossen­heit der Gewerkschaft zeugte der 5. Dertretertag, der gestern und heute in unserer oberhessischen Badestadt abgehalten wurde.

Den Auftakt zur Tagung bildete am tfreitag; nachmittag eine Sitzung des Vorstandes und der Ausschüsse, woran 65 Stimmberechtigte teilnahmen.

fremden Fliegers große Mühe machte, ihren Apparat zu verankern.

Endlich hatten sie ihre Arbeit vollendet, und eine Gruppe von sechs Männern näherte sich lang­sam. Es war ein sranzösischer Offizier.und fünf Soldaten.

Als sie dicht herangekommen waren, trat San­ders ihnen drei Schritte entgegen. Der Offizier grüßte militärisch und sagte auf französisch, er sei gekommen, um sich die neue Niederlassung an­zusehen.

Hier wird deutsch gesprochen", sagte Sanders kurz.

Ich bitte um einen Dolmetscher", entgegnete der Franzose.

Hilf ihnen", bat Linda ihren Mann.

Stratosf fragte auf französisch:

Sie sind gewiß mit Ihrem Fahrzeug hierher verschlagen worden?"

Nein, mein Herr, wir landeten mit voller Ab­sicht."

Aber das Betreten dieses Landes ist ohne Er­laubnis verboten."

Wir kommen auf Befehl der Regierung Frank, reichs. Frankreich hat die Regierung dieses Landes nicht anerkannt. Wir befinden uns daher hier auf herrenlosem Gebiet, in welchem jeder tun und lassen kann, was ihm beliebt."

Vorausgesetzt, daß wir ihn nicht daran hin­dern", fiel Sanders auf Französisch ein.

Sie werden es nicht wagen, gegen einen Franzosen etwas zu unternehmen!" rief der junge Offizier rasch.Und somit fordere ich Sie feierlichst auf, mein Herr, uns zunächst eine Besichtigung Ihrer Anlagen zu gestatten. Sodann bitten mir, un­seren etwas gering gewordenen Benzinvorrat, na­türlich gegen Bezahlung, ergänzen zu dürfen."

Ich gestatte weder das eine noch das andere.

Dann zwingen Sie uns, Gewalt anzuwenden!" drohte der Franzose.

Sanders gab Nagel einen Wink. Dieser zog eine Steuermannspfeife hervor und ließ den bekannten langen Triller ertönen. Gleich darauf eilten fünfzehn Männer aus dem Tore des Lnfthafens herbei und nahmen dicht hinter Nage! Aufstellung. Jeder trug einen Karabiner umgehängt, Patronentaschen am (Bürte! und an der Pelzmütze die AufschriftNord-

Nagel war an einen Sprechapparat getreten und hatte einige Worte gewechselt. Jetzt wandte er sich wieder seinen Gästen zu und sagte:

Das erste Flugzeug hat sich als 27b gemeldet. Es dient dem Präsidenten zu besonderen Fahrten und bringt Herrn Sanders zurück. Das zweite da­gegen reagiert weder auf telephonischen Anruf noch auf Funkspruch. Der Beobachter glaubt in seinem starken Fernglase die Konturen eines ihm unbekann­ten Modells zu erblicken. So seltsam es daher er­scheint, so müssen wir doch mit unangemeldetem Be­such aus Europa rechnen,"

Das wäre höchst interessant!" rief Linda.

Besonders da jedem fremden Luftfahrzeug die Landung verboten ist!" meinte Stratoff.

Wenige Minuten später glitt das Regierungs­flugzeug zur Erde, und Sanders betrat eilig die Landungsbrücke. Zunächst hatte er nur Augen für Nagel, dem er sofort zurief:

Wer ist jener fremde Flieger?"

Das zweite Flugzeug war nämlich unterdessen auch herangekommen und kreiste in mäßiger Höhe über Platinia.

Wir wissen es nicht", sagte Nagel.Auf An­rufe antwortet es nicht."

Jetzt erst erblickte Sanders Linda und Stratoff. Der unerwartete Zwischenfall mit dem fremden Flieger gab ihm mehr Haltung, als er sich bei dem ersten Wiedersehen zugetraut hatte. Raschen Schrittes ging er der tief erblaßten Linda entgegen.

'Willkommen, Frau Stratoff!" sagte er äußer­lich völlig unbefangen und küßte die ihm dargereichte Hand. Dann wandte er sich an Stratoff.Ihre über­raschende Ankunft wird Sie gleich zum Zeuyen einer pleinen Staatsaktion machen. Verzeihen Sie daher, wenn ich mich zunächst den Geschäften widmen."

Der fremde Flieger ging in Spiralen herunter und schien sich einen Landungsplatz außerhalb des Flughafens zu suchen.

Alle Anwesenden einschließlich des Personals des Flughafens und einiger Angestellten der Kompagnie beobachteten neugierig das Verhalten des Fremden. Jetzt ging er etwa 200 Meter hinter der Halle zu Boden.

Es ist ein französischer Militärflieger", sagte ein Ingenieur.Ich kenne den Typ."

Durch ein Tor begaben sich alle ins Freie. Hier wehte ein scharfer Wind, der der Besatzung des

Deute aus morgen möglich werden, denn der Rei- bungsflächen sind doch sehr viele. So einfach wie in Kriegszeiten, das dürfte der neue General­slabschef, der aus Qlrgcntinien herbeigerilte Gene­ral Badoglio schon erfahren haben, arbeitet sich's nicht mit einem Oberkommando, wenn auch im heutigen Italien nicht hinter der Armee der Wehrhaften ein Parlament der Krämer lauert, wie hinter Hannibal.

Das Parlament der Faszisten bildet natur­gemäß nur eine Multiplikation Mussolinis. Einen eigenen Willen hat es nicht, es ist nur Reso­nanzboden und Schalltrichter für die Stimme des Mächtigen. Aber nach außen hin, von der Weltstraße aus gesehen, ist es eben doch das Parlament, die Kammer der Abgeordneten, und trotz des abgespalteten Aventins die Verkörpe­rung der Mehrheit des Volkes. Kann man sich eine grimmigere Satire auf den Parlamentaris­mus Dorftellcn? Mussolini behält es aus den nämlichen Gründen bei wie die Fiktion der Ministerportefeuilles. Und dann: Wie trefflich spricht sich's durch dieses durchaus gesetzmäßige Schallrohr zum vom Liktorenbündel regierten Volle! Die Frauen sind einfach begeistert, wenn der starte Mann mit cäsarischer Gebärde den Kopf hebt.

Und das muß auch der Gegner diesem ehe­maligen Schmied, Lehrer, Anarchisten und ein­fachen Soldaten lassen: Er kann reden. 3m Gegensatz zu dem anerkannt besten Redner, aber doch immer Schönredner Jederzoni, der mit überlegener Sachkenntnis zu manöDcrieren Pflegt, verzichtet Mussolini auf jede Künstelei, um seine messerscharfe Logik noch schneidender zu machen. Die Frauen haben auch Grund, ihm zuzujubeln, denn traft seiner Macht legte er die saszistische Mehrheit gegen das Frauenstimmrecht mit einem einzigen Handgriff, der Disziplin heißt, auf die Schultern. Dabei entpuppte er sich als Frauenlob. Sie sind Heldinnen, im Kriege haben sie's bewiesen. Sie sind gegen jede Korruption. Und was die Familie anbelangt, nein, da könne er kein Pessimist fein. Denn die Frau wird nur von einem beherrscht, von der Liebe. Sei es die Mutterliebe, sei es die Liebe zu einem Manne. Liebt sie ihren Mann, so stimmt sie auch für ihn und seine Partei, liebt sie ihn nicht, so hat sie schon damit gegen ihn gestimmt.

Da stimmten die Gegner gegen sich selber und Mussolini pries sie für diese Unterordnung ihrer persönlichen Anschauung unter die Disziplin . des Fafzismus, dessen Große gerade darin zum Ausdruck komme. Am nächsten Tage wütete der Diklator gegen die Freimaurerei. 3hr Ein­fluß mache sich überall bemerkbar, im Bank­wesen, sogar im Heere, das sei unerträglich.Wir sind angegri.i e olglich haben wir das Recht, uns zu verte dige ; die beste Verteidigung aber der H i e b." ._ Gesetz werde ja doch um­gangen? Dann brauche man überhaupt kein Ge­setz mehr zu maO'cn, denn alle würden zu um»< i versucht. Das zu verhindern, müsse eben der Staat sehr stark fein. Auf den Einwand, man könne nicht gegen den Strom schwimmen, erwiderte Mussolini voll Stolz: Gestern (beim Stimmrecht der Frauen, zunächst bei Gemeinde­wahlen) sind wir mit dem Strom geschwommen, heute schwimmen wir mit größter Energie da­gegen! Und wieder hat er den Beifall auf einer Seite. Er kennt das Fahrwasse?, und gerade dadurch, daß er sich den stärkeren Strö­mungen anpaßt und den schwächeren widersetzt, meistert er es.

Schöffengericht Wetzlar.

Q Wetzlar, 26. Mai. Der Schuhmacher H. H. aus Neunkirchen war wegen Dieb- ffahls angeklagt, weil er im November 1923

in Rodenbach einen der Reichsbahn gehörigen Ofen gestohlen hat. Der Angeklagte, der aus der Strafhaft vorgeführt wurde, gab den Dieb­stahl zu. Das Gericht erkannte auf 4 Monate Gefängnis.

Wegen versuchter Notzucht, begangen an einem 15jährigen Mädchen, wurde unter Aus­schluß der Öffentlichkeit gegen den Schäfer F. K. aus Dieburg verhandelt. Der Angeklagte be­fand sich in Wetzlar in Untersuchungshaft, da er im 1. Termin ohne Grund nicht erschienen und dieserhalb Haftbefehl gegen ihn ergangen war. Das Urteil lautete auf 4 Monate G e- f än g nis.

Einen nicht alltäglichen Fall, daß nämlich die Staatsanwaltschaft, in einem rechtskräftig abgeschlossenen Verfahren für einen Verurteilten die Wiederaufnahme des Verfahrens betrieb, zeigte die Verhandlung gegen den Angestellten K. H. aus H a l g c r. Der Kaufmann L. T. war seinerzeit von der Strafkammer Wetzlar wegen eines Vergehens und der Angeklagte H. wegen Beihilfe hierzu zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. H. beruhigte sich bei diesem Urteil, wogegen T. Revision gegen das Urteil einlegte, die den Erfolg hatte, daß das Reichsgericht das vorgenannte Urteil aufhob und die Sache zur erneuten Verhandlung an die Vorinstrmz zurück­verwies. 3n der nun folgenden Verhandlung vor dem erweiterten Schöffengericht in Wetzlar wurde auf Freisprechung des T. erkannt. Unter diesen Umständen war es nicht gut mög­lich. daß das seinerzeit gegen H. erkannte Urteil wegen Beihilfe zu einem Vergehen, von dem der eigentliche Täter später freigesprochen war. bestehen blieb. Die Staatsanwaltschaft beantragte daher von sich aus Wiederaufnahme des Ver­fahrens gegen H., womit sie auch Erfolg hatte. 3n der heutigen Verhandlung erfolgte dement­sprechend kostenlose Freisprechung, mit der Maßgabe, daß die bereits auf die Geldstrafe gezahlten Beträge an H. zurückerstattet werden.

Der Kommissionär 3. S. aus Ehrings­hausen war vom Finanzamt Wetzlar mit 200 Mark Geldstrafe belegt worden, weil er angeb­lich bei Ausstellung der Einkommensteuer-Vor­anmeldungen für die Monate 3anuar, Februar und Nkärz 1924 für einen anderen die Einnahmen durch vorherige unzulässige Llbzüge von Aus­gaben vorsätzlich zu gering angab, um für diese Steuer Vorteile zu erreichen. Der Angeklagte beantragte gegen diese Strafverfügung gericht­liche Entscheidung. bestritt die ihm zur Last ge­legte ungesetzliche Handlung und will lediglich nach den Angaben seines Auftraggebers gehan­delt haben. Der Zeuge D., für den der An­geklagte die betreffende (Steuerreflamaticmcn an- gefertigt hatte, gab an, daß er durch eine ihm auf dem Finanzamt gewordene Belehrung sich für berechtigt gehalten habe, diese Abzüge zu machen. Das Urteil lautete aus 5 0 M a r k G el d st r a s e.

- In Deutschland aber ging die Farce der söge- nannten Revolution in eine schleichende Krankheit über, deren Heilung bisher keinem Arzt gelang. Vielleicht wird unter der strengen Faust der franzö­sischen Kontrolle aber doch noch ein Diktator von links oder rechts erstehen."

Ist das nach deiner Ansicht dasselbe?' fragte Linda. .

Im Enderfvlg bleibt es das gleiche. Nur wird die Diktatur von links zunächst mit einer Zerstörung aller großen Vermögen beginnen. Das macht den breiten Massen Vergnügen."

Haben Sie denn außer dieser Befriedigung ihres Zerstörungstriebes auch sonstige Vorteile da- vvn?"

Gewiß. Genau wie bei uns. Die nächste Ge­neration muß dann täglich zwei Stunden länger ar­beiten, als es sonst nötig gewesen wäre."

Du scheinst dich immer mehr vom Kommunis­mus abzuwenden?"

Ich wurde zunächst Kommunist, weil ich es nur auf diesem Wege zu etwas bringen konnte. Dann aber sah ich auch die Schattenseite des kapi­talistischen Systems, das, nationalökonomifch gedacht, irgendwo einen bösen Haken haben muh, den zu er­kennen allerdings nicht leicht fällt."

Das sind Popanze, mit denen man die Dumm­heit und Begehrlichkeit ködert. Der Fehler steckt wo anders. Bor dem Kriege herrschte in der ganzen Well ein Ueberfluß an Waren. Bei einer solchen Ueberproduktion hätte es der Theorie nach dem Durchschnitt der Menschheit besonders gutgehen müs­sen. Das war aber nicht der Fall. Und hier liegt der erste Haken. Die Ueberproduktion drückte nämlich auf die Preise. Dadurch wurden die Unternehmergewinne kleiner, was sich wiederum in geringeren Arbeits­löhnen aussprach. Trotzdem es also einen Ueberfluß an verhältnismäßig billigen Waren gab, hatte die arbeitende Bevölkerung wegen ihrer geringen Kauf­kraft hieran keinen Anteil. Nach dem Kriege lagen die Verhältnisse entgegengesetzt. Ueberall Waren-

mangel und daher teure Preise. Was wäre theo­retisch natürlicher gewesen, als daß nunmehr eine Einstellung aller irgendwie Arbeitsfahiaen möglichst rasch neue Werte geschaffen hätte. Die Preise waren hoch, die Unternehmergewinne desgleichen, also mußten es eigentlich auch die Löhne werden. Nun aber kam der zweite Haken. Wegen der hohen Preise wurde wenig gekauft. Die Fabriken verdienten nicht genug. Die Folge waren Arbeiterentlassungen und geringe Löhne, die die allgemeine Kaufkraft weiter schwächten. Daß derartige Verhältnisse völlig un­gesund sind, liegt auf der Hand. Der Fehler muß irgendwo im kapitliftischen System liegen. Warum soll man es da nicht einmal mit dem Kommunismus versuchen?"

Euer Kommunismus hat glänzend Fiasko ge­macht!" lachte Linda.Dieses Experiment wird so leicht kein Staat wieder wagen. Da ziehe ich doch das alte, fehlerhafte, kapitalistische System vor."

Bis eines Tages die neue nationalökonomische Wahrheit gesunden wird. Und sie muß sich finden lassen. Wahrscheinlich ist es so wie mit dem Ei des Kolumbus. Wenn man den Trick weiß, ist man er­staunt, nicht selber darauf verfallen zu sein."

Der Steward meldete, daß Platinia in Sicht sei.

Schade, daß Sanders in Petrolea ist!" meinte Stratoff.Ich hätte den Herrn Präsidenten gern ge­sprochen."

Linda schwieg. Nicht umsonst hatte sie gerade jetzt auf der Fahrt nach Platinia bestanden. Noch vermochte sie nicht dem Manne gegenüberzutreten, der sich von ihr verraten glaubte. Sie trat ans Kabinenfenster und blickte nach unten, wo ein bunter Komplex kleiner Holzhäuschen in grünender

Talsenke erschien.

Wenige Minuten später erfolgte die glatte Lan­dung hinter den Windschirmen des Flugplatzes. 'Als sie ausstiegen, wurden sie von Nagel aufs herzlichste begrüßt. .

Sie treffen in einem lebhaften Augenblick em , sagte er zu Stratosf.Unser Beobachter auf dem Trummaste der Funkenstation meldet soeben das Herannahen zweier Flugzeuge, und zwar des einen aus südlicher Richtung, also von Petrolea her, eines zweiten aus Richtung Grönland. Es kann sich bei dem letzteren nur um ein verirrtes Flugzeug aus Archangelsk handeln. Ich befahl, beide Flug­zeuge telephonisch anzurufen."

Wirtschaft.

* Buderussche Eisenwerke zu Wetzi l a r. Jrn Geschäftsbericht für 1924 wird u. a. mitge-, teilt: Die Wiedereinführung der 12stündigen bzw. lOftünbigen Arbeitszeit in den Betrieben hatte eine wesentliche Steigerung der Arbeitsleistung zur Folge. Die Gesamtbelegschaft der Buderusschen Werke be­trug am Jahresschluß 8371 Angestellte und Arbeiter, die Zahl der eigenen Beamten- und Arbeiterwoh­nungen 931. Eine Gegenüberstellung der Umsatz- und Steuerbeträge des Jahres 1924 und des Jahres 1913 ergibt, daß die Gesellschaft 1924 6,58 Proz. des

Versuch der Abkehr der Retchsregterung von khr^ bisherigen Zuschuß- und Kostgängerpolitik des steuevs lichen Ausgleichs zwischen Reich, Ländern und Ge­meinden mit Befriedigung fest. Der Vertretertag an kennt dabei klar, doch der nunmehr geplante Finanz-; ausgleich in keiner Weise den zur Selbsterbaltung em forderlichen Bedarf der Gemeinden sicherzustelleq geeignet ist und feine Rücksicht auf die Lebensnotq wendigkeiten und vermehrten Aufgaben der Gemeinden nimmt. Die hessische Gemeindebeamtenschaft erwartet daher von den Parlamenten des Reiches und des Freistaates Hessen, daß über die Befriedigung des Finanzbedarfs von Reich und Land die Notlage der Gemeinwesen und die Aufrechterhaltung ihres für das kulturelle Leben des Volkes unentbehrlichen Eigenlebens nicht vergessen wird. Gleichzeitig wird gegen die in der Reichssteuerpolitik beabsichtigte Lastenverteilung, bei der die Arbeitnehmer- und Ver­braucherschichten die Hauptlasten tragen sollen, Stel­lung genommen und eine schärfere Heranziehung des Besitzes gefordert.

Wirtschaftspolitik: Die Gemeindebeam­tenschaft fordert, daß die staatliche Wirtschaftspolitik mehr von den Interessen einer richtig verstandenen Volkswirtschaft geleitet wird. Die Beamtenschaft, die in Ausübung ihres Berufes im Dienste der All­gemeinheit steht, wendet sich gegen jede Ausbeutung durch die Wirtschaftsmächte.

Besoldungspolitik: Gegen die Besol- dungspolitik der Reichsregierung protestiert der Der­tretertag auf das schärfste. Er fordert eine Erhöhung der Bezüge, besonders für die unteren und mittleren Beamtengruppen. Verlangt wird auch die Aufhebung des Besoloungssperrgesetzes noch vor dem 31. 3.1926. Die Versammlung billigt das Vorgehen des Beamten­bundes gegen Mitglieder des Bundes, die als Reichs-, tagsabgeordnete eine die Beamtenpolitik durchkreu­zende, durch nichts gerechtfertigte Haltung und Set einfluffung ihrer Parteien wahrgenommen haben.

Beamtenrecht. Der Vertretertag protestiert gegen die Rechtsunsicherheit der Gemeindebeamten und fordert die Schaffung eines hessischen Gemeinde beamtengesetzes, das die gesamten Anstellungs-, Dienst-, Besoldungs-, Disziplinär- und Ruhegehalts­verhältnisse der hessischen Gemeindebeamten einheit­lich regelt. Notwendig ist auch die baldige 93er*. wirklichung des in der Verfassung zugesicherten Beamtenvertretungsgesetzes. Die hessische Gemeinde-, beamtenschaft erwartet, daß in der zur Zeit in Be­ratung stehendenNeuen Gemeindeordnung" die Grundlagen für die Schaffung dieser Gesetze fest--. gelegt werden.

Gründlich beraten wurde die Tagesordnung für die V e r t r c t e r o e r f a m m l u n g , die dann gestern vormittag in der, Turnhalle des Turnvereins 1860 stattfand. 200 Vertrelcr der Orts- und Kreisgruppen waren anwesend. ZurBeratung standen innere organi- nisatorische Fragen. Den Hauptpunkt der Vertreteroer- sammlung bildete ein Vortrag des Sekretärs der Gewerkschaft, I. R e ck - O f s e n b a ch a. M., in dem die große Bedeutung des Berufsbeamtentums so­wohl. als auch -ber Beamtengewerkschaftsbewegung zum Ausdruck gebracht wurde. In die Gewerkschafts­leitung wurden für die ausgeschiedenen Mitglieder Iraner (Vilbel) und Hammann (Gonsenheim) als Ersatzleute gewählt: Dickhardt (Vilbel) und Schultheiß (Ober-Olm). Als Ort des nächst­jährigen Vertretcrtags wurde Bingen bestimmt, um damit die enge Zusammengehörigkeit mit dem besetzten Gebiet auch rein äußerlich zu dokumen­tieren. Der Samstagnachmittag war ausgefüllt mit Führungen durch die Badehäuser und die tech­nischen Betriebe des Bades.

Zur heutigen Feftverfamm tun g waren die Gemeindcbeamten und auch Angehörige anderer Beamtengruppen, vor allem aus Oberhessen, in so großer Zahl herbeigeströmt, daß der große Raum der Turnhalle die Erschienenen, wohl 500 an der Zahl, kaum fassen konnte. Der geschäftsführende Vorsitzende der Gewerkschaft, Direktor Zschech - Offenbach a.M., begrüßte die Versammlung, be­sonders herzlich die Gäste, die als Vertreter der Be­hörden,'politischer Parteien und befreundeter Ver­bände anwesend waren. Es sprachen dann Worte der Begrüßung: Reg.-Rat Bornscheuer - Darm­stadt für die Staatsregierung, Bürgermeister Dr. Kayser für die Stadt Bad-Nauheim und gleich­zeitig für den hessischen Städtetag, die Landtagsabge­ordneten Dr. L e u ch t g e n s , W e ck e r l e und Storck für ihre Fraktionen: Bürgermeister a. D. Walge r-Berlin für den Reichsbund der Kom­munalbeamten und den preußischen Landesver­band: Böhringer -Karlsruhe für den vorbildlich organisierten badischen Landesverband: Dr. Min­nich-Worms für das hessische Beamtenkartell und gleichzeitig für den Deutschen Beamtenbund: Lehrer P o r t h - Bad-Nauheim für das Ortskartell Bad- Nauheim des D. B.B., und Inspektor Stamm- Bad-Nauheim für den Ortsausschuß. Auf schriftlichem Wege hatten Landtagspräsident Adelung, der Landgemeindetag und die hessische Bade - und Kurverwaltung die Hauptver­sammlung beglückwünscht. Es folgten bann zwei längere Vorträge, die zu den wichtigsten Fragen, die die Gemeindebeamten bewegen, Stellung nahmen. Direktor Z s ch e ch - Offenbach a. M. sprach über Finanzausgleich und Gemeinde- steuern", während Beigeordneter Dr. Aull- Ofenbach a. M., der beste Kenner der Verwaltungs­rechte, insbesondere der hessischen Verhältnisse, in sehr gründlicher Weise überG emeinbebeam» ienred)t und Verwalt ungsrefo r m" refe­rierte. Eingehend verbreitete sich Aull über die Grundlagen des zu schaffenden neuen Gemeinde­beamtenrechts und die mit ber Verwaltungsreform zusammenhängenden beamtenpolitischen Fragen. Nach lebhaftem Beifall der Versammlung wurden die in den Vorträgen enthaltenen Forderungen und Wünsche in vier einstimmig angenommenen Ent­schließungen festgelegt, die wir ihrem Haupt­inhalt nach nachfolgend wiedergeben:

Finanzausgleich: Der von der Reichs­regierung oorgelegte Gesetzentwurf über die Aenbe- rung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden ist in seiner Tendenz, die finanzielle Selbständigkeit und verantwortliche Selbstverwaltung der Gemeinden teilweise wiederherzustellen, zu be­grüßen. Bei allen Bedenken, die gerade die Ge­meindebeamtenschaft gegen diese Form der Regelung des Finanzausgleichs auf der Grundlage eines zu schaffenden, durch alle Steuerstufen gleichmäßigen

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