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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderyessen)
Zrettag, 27. Mrz 1925
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Die früheren Superintendenten
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der
3. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
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Feuer am Nordpol.
Lechnisch-polittscher Roman aus der Gegenwart. Bon Karl-August von Laffert.
Aus der Provinz
Lanvkrcis toteren.
von 2000 Mk. und übernehmen die Kosten. Der Pachtpreis ist je zur Hälfte nach Rechtskraft des Vergleichs und am 1. Juli 1925 zu zahlen. Die Parteien sind sich darüber einig, daß der Preis von 2000 Mk. nur ausnahmsweise mit Rücksicht auf den derzeitigen Stand des Wildes festgelegt wird und dah bei der Festsetzung des Pacht- Preises für das Jahr 1926 wieder von dem für das Pachtjahr 1924 vereinbarten Pachtpreis von 2204 Mk. ausgegangen wird. Der Stadtvorstand stimmte diesem Vergleiche zu. — Das hessische Kulturbauamt in Gießen schlägt vor, 1 in Flur 12 eine neue D r a in ag ele i t un g im Anschluß an eine bereits bestehende auszuführen und 2. eine Entwässerung der Wiese des Heinrich Zimmer VIII. in den Daubenwiesen vorzunehmen. Die Kosten belaufen sich für beide Fälle zusam-
Amtseinführung des Superintendenten
eines Kuraufenthaltes in Langen-Schwalbach starb. Wohl der geifttg bedeutendste in dieser Reihe ist Jakob Rambach. Sr war 1693 als Sohn eines SchremerS in Halle a. d. S. geboren, widmete sich zuerst dem väterlichen Handiverke, als er dann in seinem Berufe einen Unfall erlitt und längere Zeit auf dem Krankenlager zubringen muhte, ertvachte in ihm der Trieb zum Studium. Rambach ist berühmt als Dichter geistlicher Lieder, er starb hier im Alter von 42 Jahren Im Jahre 1735. Sein Grabdenkmal ist in die Friedhofsmauer rechts vom Eingang ehr gefügt, die Inschrift ist in lateinischer Sprache, in einem sehr verschnörkelten Stile abgefaßl, sie preist die VoiIüge des allerdings verdienten Mannes. Rach Rambachs Tod blieb das Amt zuerst unbesetzt, es wurde von den Professoren Rollius und Liebknecht versehen. Johannes Georg Liebknecht, geboren 1679 zu Wasungen, starb hier 1749. Er toar Professor der Mathematik und zugleich der Theologie, das Thema seiner Antrittsvorlesung war Demgemäß „Die glückliche Verbindung der Mathematik mit oer Theologie". Er toar der Urgroßvater des be° kannten Politikers Wilhelm Liebknecht. Don 1735 bis 1782 waren Johann Georg Denner, der Sohn eines Gießener Bürgers, von 1783 bis 1785 Johann Georg Rosenmüller, der 1815 als Professor zu Leipzig starb, hier Superintendenten. Es folgten Georg Bechtold (1786 bis 1805), Justus Balthasar Müller, ein geborener Gießener, (1806 bis 1821) und Karl Christian Palmer (1821 bis 1831). Zwei Jahre lang war die Stelle unbesetzt, dann wurde Friedrich Karl Simon aus Gettenau zuerst Superintendentur-- vikar und von 1837 bis 1874 Superintendent. Die älteren Gießener wie überhaupt die älteren Ober- hessen werden sich dieses Mannes, der hier am 14. Dezember 1881 gestorben ist, noch erinnern.
Mit der Einführung der Kicchenverfassung im Jahre 1874 wurde der Amtssitz des ober- hessischen Superintendenten nach Darmstadt verlegt. Rach einer Frist von 51 Jahren wird nun wieder die alle Tradllion aufgenommen, und damll einem lang gehegten Wunsche der ober» hessischen Pfarrer entsprochen.
.Das klingt alles ganz wahrscheinlich", meinte -kalter. ..Ich vermag mir aber nicht oorzustellen. daß diese Ausstrcti hingen der Energie auf das sogenannte Unterbewußtsein derart einzuwirken vermögen. Man müßte doch auch sonst gelegentlich einmal irgend etwas von diesem Atomzerfall merken." „Das ist auch der Fall. Und zwar besitzen wir Menschen ein Organ, das sogar den feinsten wissen- schaftlichen Instrumenten überlegen ist. Nämlich unsere Nase, die aber noch nicht im entferntesten so ausgebildet ist, wie z. B. die des Hundes. So Kann die Anwesenheit von nur einhundcrtmillionstel Milligramm Jodoform durch den „Geruch" leicht gespürt werden, durch chemische Analyse niemals eine Flut von riechenden Partikelchen nach allen Richtungen entsendet und doch in 100 000 Jahren Trft ein Tausendstel seines Gewichtes einbüßt."
„Wenn nur die Hälfte von dem au trifft, was Sanders behauptet, dann ist er ein Phänomen", wiederholte der junge Ingenieur.
„Ich bin sehr gespannt, was für ein Urteil Herr Sanders heute über unsere Bohrung abgeben wird", meinte Walter.
Sie näherten sich dem schieferfarbenen, spitz- ragenben Turm, der in einer kleinen Schlucht stand. Rechts ein Holzschuppen mit dem puffenden Motor zum Antriebe der Maschinen, links ein Gewirr von Eisenrohren verschiedener Stärke. Balken und Bretterstapel.
„Noch fünf Minuten bis zum Schichtwechsel", tagte Nagel.
Sie betraten das dämmrige Untergeschoß des Turmes, das durch sparsame Glühlampen bürfria er’-ent wurde. Der rumänische Unteringenieur stand mit dem Bohrmeister an der sich langsam drehenden Maschine. Als er seinen deutschen Chef erblickte, machte er kurze Meldung:
.Zweieinhalb Meter Fortschritt. Wir sitzen Immer noch im Sandstein. Das Spülwasser kommt mit fünf Prozent Oe( vermischt zutage."
„Wann kann der nächste Bohrkern gezogen roer- fcen?" fragte Nagcb
von 1610 bis 1626 im Amte, Haberkorn, der aus Butzbach gebürtig und der Sohn eines Schreiners toar, von 1643 bis 1676.
Unter dem Bilde Winkelmanns steht geschrieben: „Sieß Ehrengedächtniß hat die ehrenvolle und tugenbfam? Frau Barbara Winkclmann Wttb. ihren in dem Herrn ruhenden Ehevogt seliger-, mit welchem sie 13 Jahr in Sieb und Einigkeit gelebt und durch Gottes Segen 4 Söhnlein und 3 Mägdlein erzielet, unter welchen noch eine Katharina und zwei Söhne Johannes Jost und GeorgiuS am Beben find, zu seligen Ehren aufrichten lassen."
Don Haberkorn meldet das Epitaphium: „Hat dem Fürsdenthum Hessen in die 41 Jahre, als von 1633 biS ins 1676 Jahr, nemblich ein Jahr als Hofprediger, in die 33 Jahr alS Super- intendens und darunter zugleich 26 Jahr als Professor Theologiae und also bis in das 72. 3aßr seines Lebens treulich und fleißig gebent und ist am 5. April 1676 in Christo Jesu sanft und selig entschlaffen wartend allhier auf die fröhliche Auferstehung von den Loten."
Vor Haberkorn waren Johannes Dietrich aus Gemünden an der Wohra und Ludwig Seltzer, der aus Gießen stammte, hier- Superintendenten, an beide erinnern in der Kapelle Epitaphien Auf Haberkorn folgte Philipp Ludwig Hanneken, der 1706 in Wittenberg gestorben ist, dann kam Christoph Johann Dielefeld aus Wernigerode, nach diesem Johann Gottfried Schupart, ein geborener Württemberger, der 1731 während
sein alle Gedanken an Petroleum aus und stelle mich auf die mir bekannten Ausschläge von strömendem Wasser ein"
Damit begann er seine Tätigkeit. Zunächst ging er um das Bohrloch herum und näherte sich dies-m jedesmal so weit, bis die Stute zu zucken anfing. 2In einer Seite schlug sie schon in größerer Entfernung vom Bohrlochs aus. Hier blieb er stehen und ging bann langsam Schritt für Schritt immer weiter, verließ das Innere des Turmes und machte erst etwa 15 Meter von feinem Rande entfernt holl. Auch die Rute, die sich bisher unaufhörlich bewegt hatte, stand hier still.
Sanders bat Nagel, den Bohrmeister herbeizurufen.
„Führt das Bohrloch genau senkrecht nach unten?" fragte er diesen.
„Meinem Gefühl nach ja", entgegnete Walter . Doch weiß ich, daß man sich hierin täuschen kann Das Gestänge ist so elastisch, daß geringe Abweichungen von der Senkrechten nicht zu bemerken sind.
„Bereits in 50 Meter Tiefe weist das Bohrloch die erste Abweichung nach nordwestliche'- Richtunc auf", sagte Sanders. „Diese vermehrt sich prozentual mit größerer Tiefe und erreicht schließlich die Ausmessung von fast 17 Meter. Obgleich das Bohrloch zufälligerweise genau über der hier ziemlich schmalen, ölführenden Spalte angefetzt war, hat es diese Spalte jetzt um etwa fünf Meter verfehlt
„Fabelhast!" rief Stefanescu begeistert. „Das soll nun aber geschehend"
„Weiterzubohren hat keinen Zweck", meinte Sanders. „Bei etwa 50 Meter Tiefe würde die Bohrung sich der Oelspalte allerdings bis auf etwa drei Meter nähern, bann aber sich schnell wiede» entfernen."
„Also müßen wir sprengen", rief Stefanescu.
„Glauben Sie bk fünf Meter bis zur Del« spalte mit Sicherheit zu durchschlagen?'
„Es muß versucht werben."
,Lch rate, troft bes Gutachtens meines oer- ehrten beutfchen Kollegen, noch minbeftens 50 Meter tiefer zu gehen", riet Iorga. „Vielleicht treffen wir boch noch auf DeL Sprengungen find immer etwas riskant.
(Fortsetzung folgt.)
„Es ist bald so weit."
„Hoben sich Die Herren der Direktton angemeldet?"
„Soeben wurde aus Campina telephoniert, daß sie gerade von dort aufgebrodjen sind. Sie könnnen jeden Augenblick eintreffen."
„Also ausnahmsweise einmal stüher, als an- gesagt war. Dann wollen wir sofort Schichtwechsel vornehmen."
Der Stumäne gab dem Bohrmeister kurzen Befehl. Dieser hob durch einen Hebeldruck das viele hundertMeter lange Gestänge mit der unten daran befindlichen Bohrkrone etwas in die Höhe. Dann brachte er die Drehbewegung zum Stillstand.
«Lassen Sie die Spülung noch zwei Minuten gehen", sagte Slagel. „Sonst könnte der sich setzende Dohrschlamm die Krone festklemmen."
Als das mahlende, surrende Drehen der Bohrmaschine ftummte, hörte man nur noch das Glucksen der Wasserpumpe und das leise Rauschen des Bohrwasiers, das mit zehn Atmosphären Druck im hohlen Bohrgestänge bis in die Tiefe des Loches getrieben, von'dort zwischen der Wand des Bohrloches und dem Gestänge wieder nach oben flutete, wobei es alle zermahlenen kleinen Gebirgsmasien mit sich führte.
Gleich darauf ertönte ein Psi ff, der alle Maschinen zum Stillstand brachte. Die bisher beschäftigte Mannschaft, sechs Arbeiter, begaben sich aus dem Maschinenraum und dem oberen Stockwerk des Turmes ins Freie, wo bereits die neue Schicht wartete.
Walter stellte kurze Fragen an seinen rumänischen Kollegen, während Nagel einen schnellen Rundgang durch die ganze Anlage mochte.
Der Klang einer Autohupe rief ihn heraus. Stefanescu, Sanders und Iorga entfliegen dem großen, weißen Wagen. Nagel eilte herzu.
„Wie steht es? fragte Stefanescu.
„Seit den letzten 24 Stunden neun Meter Fortschritt im weichen, teils bröckeligen Sandstein, der mit Petroleum durchtränkt ist", antwortet der junge Ingenieur.
Sanders reichte ihm die Hand.
„Hat sich der Oelzufluß vermehrt?" fragte er.
„Nein."
„Wie tief sind Sie gekommen?"
„493 Meter Verrohung sitzen im Bohrloch."
Sanders nahm seine Wünschelrute und ging mit langsamen Schritten rings um den Bohrturm herum. Aufmerksam und ohne ein Wort zu ipre- chen, folgten ihm die anderen Herren. An verschiedenen Stellen oollführte die Rute die bekannten Ausschläge. Bei jeder neuen Bewegung machte der Deutsche halt und markierte die betreffende Stelle durch ein in den Baden geritztes Kreuz. Zum Schluß prüfte er mit aufred)tgefteUter Rute die Tiefe des Oeloorkommens. Dann gab er feine Erklärungen.
Die Bohrung ist richtig angesetzt, ziemlich genau über einer schrägen, ölführenden Erdspalte, die aus großer Tiefe zu kommen scheint. Das Petroleum steht unter hohem Druck und müßte beim Anbohren der Spalte selsttätig aus dem Bohrloch fließen.
„In welcher liefe vermuten Sie die Oelspalte?" fragte Stefanescu.
„Die oberste Schicht steht in 485 Meter Tiefe." „Merkwürdig", meinte Iorga. „Das Bohrloch besindet sich genau über der von Herrn Sanders gefundenen Oelspalte, die es bereits um fieben Meter durchdrungen hat. Und obgleich das Petro- leum unter starkem Druck fteLen soll, kommen doch nur etwa fünf Prozent im Spüwasser mit nach oben."
Ohne ein Wort au entgegnen, sagte Sanders dem deutschen Ingenieur: „Lasten Sie, bitte, die Pumpe an."
Nagel eilte ins Maschinenhaus, und Walter begab sich an die Spülvorrichtung. Gleich darauf setzte der Pulsometer ein, worauf aus der Ausflußrohre ein schwacher Strahl einer schwärzlichen Flüssigkeit in das Sammelbecken lief, dessen dunkle Oberschicht in schwarzgrünem Gefunkel irisierte.
Sanders ergriff aufs neue die Rute und begab sich ins Innere des Turmes bis unmittelbar ans Bohrloch heran.
„Ich werde jetzt versuchen, den genauen Verlauf der Wassersäule des Spülwassers festzuftellen. Weicht sie von der Senkrechten ab, so beweist das die gleiche Abweichung des Bohrloches."
„Einen Augenblick", bat Stefanescu. „Bitte, sagen Sie mir, wie Sie es fertig bekommen, nachdem soeben noch die Ausstrahlungen des Oeles fo mächtig auf Sie gewirkt haben, sich jetzt auf die Einwirkungen der Dastersäule emzustellen?"
„Eine Erklärung ist nicht so einfach", sagte der Deutsche. „Ich schalte in meinem Unterbewußt’
Da- Amt eines Superintendenten, also eines Leiters der evangelischen Geistlichen und kirchlichen Vorgesetzten, ist jahrhundertelang mit der Stadt Gießen verbunden gewesen. Rachdem die althessischen Gebiete, die heute zur Provinz Oberhessen g hören, ursprünglich der Superinten- dentur Marburg unterstellt waren, ist, als diese Gebiete zur Landgrafschaft Hessen tarnen, eine Guperintendentur In Gießen geschaffen worden. Die Reihe dieser Superintendenten eröffnet Jeremias Dietor, der 1556 zu Alsfeld geboren und 1609 zu Gießen gestorben ist. Sein Grab siegt auf dem Asien Friedhof, über der Gruft, in der er beigesetzt worden ist, erhebt sich eins der kleinen, kap eilen artigen Häuser, die heute noch stehen und die ursprünglich an der östlichen Mauer des Gottesackers ftanben. Vor zwei 3aßrcn toar es nötig, daß Diese Gruft eröffnet wurde, da die darüber liegende Platte eingesunken war. Wan fand dabei, daß über den Särgen Viktors und seiner Ehefrau biS In das 18. Jahrhundert hinein andere Särge in vier Schichten aufgestellt worden waren. In Friedhofskapelle befinden sich die lebensgroßen Stmidbilder der Superintendenten Johannes Winkelmann und Peter Haberkorn. Winkelmann, der ursprünglich Schmied werden sollte, stand
Heute mittag fand hx der festlich geschmückten Stadtftrche die feierliche Amtseinführung bes neuen 6 u |> e r i n t e n b en t e n der Provinz Oberbesse n, OberkirchenratS Wagner, statt. Die Kirchenreg'erung. Vertreter des Landeskirchenamtes und des Landeskirchon- taaS. etwa 150 Pfarrer auS der Provinz Ober» Hessen, viele Ehrengäste, unter diesen zahlre che Vertreter weltlicher Behörden, sowie eine große 'Menge Gießener Geme:ndeang^hörrger tooonten dem feierlichen und für unsere ooerhess sche Kirche denkwürdigen Akte bei. Der weite Raum der Kirche war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt
Geführt von den Pfarrern der Gießener Kiochengeinrinde zogen unter Glocken klang Prälat D. Dr Diehl, der neue Superintendent Wagner, Geheimrat D. Flöri ng und als Vertreter des verstorbenen Superintend nten D. ■Öuler Pfarrer D. W a i h, gefolgt von den ober- ch-ssischen Dekanen, in das Gotteshaus em. Der Gottesdienst wurde mit einem Orgelpräludium und dem von einem Knabenchor gefangenen „Ach bleib mit deiner Gnade" etngeleitel.
Seiner Einführungsansprache, die nach einigen gottesdienstlichen Handlungen folgte, hatte der Herr Prälat D. Dr. Diehl die Worte des 73. PsasinS, Vers 23 und 24 zugrunde gelegt: »Dennoch bleibe ich stet- an dir, denn du hältst -mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach »deinem Rat. und nimmst mich endlich mit Ehren an." Gr erinnerte daran, daß die Feier an kirchen- geschichtlich berühmter Stätte stattsiide, die „belüg Land" bedeute. Rach fünfzigjähriger Unter- Brechung habe jetzt Oberhessen wieder einen eigenen Superintendenten, der inmitten seines Be- Xtrft wohnen und amtieren werdd Er wünschte föem Reu ernannt en den Geist dieser vortrefflichen alten Kirchenmänner, die in schweren Zeigten oft durch ihr gläubiges „Dennoch" ihr Amt rtxnn Wohle des Oberfürstentums geführt hätten. Sr zeigte, wie eS zu diesem „Dennoch" des fSVru bensw ort es komme für denjenigen, dem Gott «die große Realität seines Lebens sei, der sich getragen wußte durch Gottes Willen, und der sein Leben aufbaue aus EtoigkeilSgrund. Diese Gin- stellung sei heute, da der Kirche allenthalben Feinde und Gefahren entstehen, doppelt nötig. <Stne solche GlaubenSzuversicht müsse wohl durch Leiden erprobt werden, sei aber des Sieges gewiß. Rach diesen eindrucksvollen Worten erfolgte die Verpflichtung und Einweisung deS neuen Superintendenten, dem der Prälat dann als sichtbares Zeichen seiner neuen Würde das <le Superintendentenkreuz um den Hals hängte.
Gin Gesang des Kirchengesang Vereins „Wirk teui Anliegen auf den Herrn , Gebet, der Gesang des Frauenchors „Du lieber Herr" und Ge- merndegesang leiteten über zu der Alttrittspredigt des neuen Superintendenten Wagner, die er .rnlehnte an das Evangelium des vergangenen Sonntags, das die Geschichte der wunderbaren öpeisuirg erzählt. Sie behandelte daS Thema: Jünger bien ft am Wort. An knüpfend an persönliche Erlebnisse und Eindrücke, die ihm die ganze Verantwortlichkeit seine« Amtes zeigten, führte die Predigt auS, daß dieser Jüngerdienst auch heute noch den HellandSsegen in sich trage, wenn er nach Jesu Willen getan werde. Sehr beher- tigcit8toeit waren die Ausführungen deS Predigers. daß die Geschichte den hohen Wert der Ordnung — auch des geordneten Amtes — zeige, in der bzw. durch das der Jüngerdienst zu geschehen habe. Gr bekannte sich zu dieser Ordnung und bat. daß man an dieser Grundlage kirchlichen Wirkens sefthalten möge, wenn man nicht in den Fehler der Absplitterung verfallen wolle, trcbei die große Gefahr bestes, daß man sich selbst vergöttere und sich und seiner eingebll- deten Gerechtigkeit mehr biene alS Gott. Der neue Superintendent versprach seinen Pfarrern, ihnen ein treuer Gehllse in ihrem Amt und in ihrer Amtsführung zu sein, und ließ seine Predigt auSllmgeu m die GlaubenSzuversicht, daß der, bet so sich ganz in den Dienst Gottes stelle,
G t e ß e n, 26. März 1925. auch unter Gottes Segen und Schutz stehen werde, daß der. der so geben müsse, auch reich sein werde im Empfangen der DotteSgnade.
Gemeindegesang. Gesänge des KnabenchoreS, des Kirchen gelang Vereins. Gebet, Vaterunser und Segen beschlossen den Gottesdienst.
Rach der kirchllchen Feier fanden sich die Pfarrer zu einem einfachen gemeinsamen Mittagessen in Sauers Saalbau zusammen. Hier hielten kurze Ansprachen der Präsident des Landeskirchentags Freiherr von Heyl. der Oberhessen und seinen neuen Superintendenten beglückwünschte. Pfarrer Dechtolsheimer hieß den neuen Oberhirten im Romen der evangelischen Gemeinde Gießen willkommen, Kirchenrat Rebel- Laubach sprach als Senior der oberhessischen Pfarrer. Ihnen und allen sonstigen Rednern dankte schlleßlich Superintendent Wagner für alle treuen Wünsche und brachte ein Hoch aus auf feine Heimat, sein liebes Oberhessen. dem er zu bienen versprach in Liebe und Treue.
n«n auf etwa 280 2Bt Den Vorschlägen wurde zugestimmt und bte Kosten bet Ausführung auf die Stadtkasie zu Lasten des Rechnungsjahres 1925 übernommen. — Wie bereits in frühere« Jahren, so soll auch in diesem Jahre wieder ge- ftattet werden, der städtischen Herde etwa 30 auswärtige Schafe beizutreiben Das Hutgelb für Schafe auswärtiger Schashalter wurde für das Jahr 1925 genau wie im Docprhve auf 5 TUL für ein Schaf und 2,50 Ml. für ein Lamm festgesetzt. — Dem Fuhrmann Karl R a t h e s wurden die städtischen Taglohnfahrten auf Grund deS SubmissivnSergebmsseS zu 1.19 Mk. für die Stunde übertragen — Der Schützenverein 1913 hat etn Gesuch um Genehmigung zur Errichtung eine» Schieß» standes am A l ba cher See eingereichl und gleichzeitig mitgeteilt, baß der seither von genanntem Verein benutzte Schicßstand auf dem Kirchberg sehr ungünstig gelegen sei und bei Genehmigung des neuen Sch eßstimdes in Weg fall kommen könne Seitens des Stadlvorstandes wunde das Gesuch nicht beanstandet. — Schneidermeister Georg Bayer sucht um Verbr e 11 e- vu ng ber Mi11elgasse vor fernem Anwesen nach Da nach bem neuen OrtSbauplan bic Straßenbreite daselbst mit 6 Meter vorgeseher ist, wurde daS Gesuch für erledigt erklärt. — Dem Maschinenbesitzer Fritz Eise wurde in widerruflicher Weise gegen Revers die Führung einer Entwässerungsanlage durch die Straß« Egelseeweg genehmigt. Eine Anerkennungsgebühr soll nicht erhoben werden. — Das hessische Forst amt Sich schlägt vor, wegen bei Knappheit deS Leseholzes nur noch einen Lese holztag in ber Woche, und zwar Mittwochs, frei^ugeben. Der Stabtvorstanb erklärt« sich versuchsweise mit dieser Regelung einverstanden und sah von der gleichfalls in Dorschlac gebracht en Ausgabe von L'seholzkarten vorerst ab. — Der Büram-meister stellte den Abschluß einer Einbruchsdiebstahlversicherung b?m Ermessen b-S Stadtvorstandes anheim. Der Stadtvorstand beschloß, zur Zeit von dem Ab" schluß einer berart-gen Versicherung Abstand zr nehmen. — Die B^schlußfaffung über ein vor bem Vorstand des hiesigen Turnvereins verspätet eingereichte« Gesuch um ilebemaßme ber Bürgschaft für die Zinsen und Tilgung bei Obligationen für den Turnhalle-Erweiterungsbau würbe für b e nächsteEitzung znruckgestellt. — Unterm 4. März bitte bei Stabtvvrstand beschlossen, die Verbindlichkeiten der Fe lbbereinigungsgesell- schäft Lich gegen Uebertoeifunq des letzten Kostenausjchloges mit dem Vorbehalt zu übernehmen, baß die F^ldbereinigungsaesellschast zuvor bekanntmachen läßt, daß von bem Txvu wr Uebernahme durch die Stadt an keinerlei Reklamationen mehr vorgebracht werben können Rachdem nun seitens des Feldoereinigu.igslom missars msigeteilt worden ist. baß vor dem end gültigen Abschluß bes Verfahrens eine Bekannt machung des Inhalts, daß Reklamationen nicht mchr vorgebracht werden können, keine gesetzliche Stühe hat, beschloß der Stadtvorstand, den Vorbehalt in dem genannten Beschluß falten zu lassen. Der Stadtvorstand wird aber auf alle Fälle die ©ntgegennabme und Behandlung irgendwelcher Rellamationen ohne weiteres ab- lehnen. — Im weiteren fanden noch verschiedene kleinere Punkte ihre Erledigung.
Kreid ^riedverq.
4 Bad-Rau heim, 26 März In dem gestrigen Bericht über die Hauptversammlung des hiesigen Deamtenvereins muß es r i ch- tig heißen: Mit 297 Mitgliedern umfaßt das Ortskartell alle Kreise ber hiesigen Beamten, auch diejenigen, die nicht im deutschen Be- amtenbunb organisiert sind.
Kreis Büdingen.
!! Büdingen, 25. März. Die gestrige Gemeinderatssitzung bildete eine Fortsetzung derjenigen oom 19. März. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragte der Bürgermeister die Bürgschaftsübernahme für einig« Notstandskredite für d i e Landwirtschaft. Dem Anttage wurde stattgegeben. — Ein Gesuch des früheren Stadtrechners Eberhardt auf Gewährung einer Ausgleichszulage zu feiner
ß Lich, 25. März. Der Bürgermeister legte ber jüngsten Sitzung des S t a d t Vorst a n d e S den von bem stabtischen Wohlfahrtsausschuß ausgestellten Voranschlag für da S Rechnungsjahr 192 5 tx>r. Dieser Voranschlag schließt in Einnahmen und Ausgaben mit einem Betrage von 16 000 Mark ab und erfordert einen städtischen Zuschuß von 9000 Mk. Der Stadtvorstand nahm hiervon Kenntnis unb bewilligte den angeforderten Bedarf. — In der Sitzung vom 17. Februar b. Js. hatte ber Stadtvorstand den Jahrespachtpreis für die Jagdberechtigung im 3aJ>re 1925, genau wie im Vorjahre, auf den 'Betrag von 2204 Mk. festgesetzt. Die Jagdpächter haben es abgelehnt, biefen Betrag zu bezahlen unb Reufestsehung des Pachtpreises durch das Sorrderpachteiurgungsamt beantragt. In ber Verhandlung vor dem Svnderpachteini- gungsamt in Gießen am 18. März tarn vorbehaltlich der Genehmigung deS Stadtvorstande« folgcnber Vergleich zwischen dem Bürgermeister unb den Jagdpächtern zustande: Die Pächter zahlen für das Pachtjahr 1925 die Summe


