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Samstag, 26. September 1925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)

Hr. 226 viertes Blatt

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Börsenkurse.

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Marie Landauer, Frankfurt a. M., Kaiserstr. 6, ist, wieDie Textil-Woche" erfährt, in Zah- lungsschwierigkeilen geraten und strebt einen austergerichtlichen Vergleich in Höh« von 50 Pro­zent an.

Der deutsch-französisch« Aust« n-

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Zahlungseinstellung i in Frank- urter Tertilhandcl. Die Wäschesirma

diese» Papiere» aus dem Montanmarkl verständlich ist. Da da» Geschäft aus der Kölner Messe letzthin etwa» lebhafter geworden ist und wieder verschie­dene günstige Dividenden-Vorschlägc bekannt wur­den, hatte die Börse bei Beginn de» Geschäfte» all­gemein ein sreundliche» Aussehen Auch Zorkriegspsandbriese waren etwas gc- desterl, ebenso ausländische Renten. Ain Geldmarkt hörte man tägliche» Geld mit 8 bis 94 Proz., Monatsgeld mit 10 bl» 114 Proz. Am Devisenmarkt waren die Abschlüsse gering. Da» englische Psund lag nach der gestrigen Betest!- gung etwa» schwächer bei 4.845 gegen Kabel. Sonst waren keine nennenswerten Veränderungen zu oer­

eben die Gegensätze, di« eine derartig riesige Fusion mit sich bringen must, besonders ft art xrvor. Die Firma Krupp hat als FarnUien- und PrivatgeseMchaft besonders in ihorr A b- schlust- und Dividendenpolitik ganz anbcrc Ziele, als die Aktiengesellschaften, die ihren verschiedenen Aktionären nach Möglichkeit alljährlich eine Dividende zukommen lassen wol­len Gerade aus diesem Gebiet liegen die H a u p t l chw i« r i g k e i t en einer derar­tigen Fusion zwischen Privatgesellschaften und anderen mehr öffentlichen Aktiengesellschaf­ten Aber auch den anderen Gesellschaften wird es sehr schwer fallen, sich über die gegensei­tigen Schulden zu verständigen, ganz abge­sehen von der Einigung über die Personen- frage Sin allzu übertriebener Optimismus bzw die Erwartung einer schnellen Eini­gung über den Zusannnenschluh der Werke ist also nicht am Platze. Vielleicht ist es wirt- schastlich zunächst auch gar nicht ratsam, obwohl die Frage der Aotwendigkeit der Reorganisation auster Zweifel steht und ein derartiger Zusam- mcnlchluß nach wie vor daS Ziel der rheinisch- westfälischen Eisen- und StahlwirtschastSkreise sein muh.

Adler-Werk«, vormals Heinrich Kleber A.-G., Frankfurt a. M. Zu den Vorgängen bei der Gesellschaft erfahren wir von der kaufmännischen Direktion, bah zu Ende dieser Woche auster den bereits entlassenen Arbeitern weitere 1900 Mann und 250 Beamte entlassen werden. Der Grund der Entlassung ist die all­gemeine schlechte Wirtschaftslage bei der Auto- mobillnbustrie, von der auch die Adler-Werke betroffen sind.

den Effektenmärkten auch das Ausland zu ver­mehrten Käufen zu veranlassen vermag, sofern man dort die Gewistheit bat, dast die grohe Sffekten-Daisse in Deutschland erledigt ist. Das das vermehrte Interesse das Auslandes an deut­schen Effekten wieder für unsere Gesamtwirtschaft bedeutet, braucht hier nicht extra hervorgehoben werden.

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Bochisant" (Boche-Freund) so reden könnte. Heute hat's ihnen dle Sprache verschlugen: wu» sollen sie auch sagen, da es keine fünf Elsässer gibt, die nicht o denken?!

Fürchtet sich Frankreich davor, dah die inter­nationale Welt einmal genauer zusehen könnte, wie e» um Elsah-Lothringen steht? Man muh es wohl annehmen, sonst hätte man nicht Hal» über Kops ebne triftigen Grund d l e neue Reise de» Ministerpräsidenten durch Elfaß-Lolhrin- gen inszeniert. Sonst hätte sich der .,lernte' nach der Rückkehr Painleves nicht zu seinem (übrigens wenig klugen!) Aufsatz ..Bon Genf nach Strah- bürg6 aufgeschwungen, indem Wilson und ein oberer Amerikaner als Kronzeugen bafür auf­gerufen werden, daß 1918 und 1919 fein Grund vorgelegen Hobe, uns über unsere Zukunft In freier Volksabstimmung zu befragen! Aber, lieberlemps", wer im Glashause sitzt . . .! Weih man denn auf der Redaktion deslemps" nicht, dah der ebenbegnadigte" R. E. L e y nur unter der Bedingung aus dem Gefängnis entlassen worden ist, daß er Elsaß-Lothringcn nicht in den nächsten fahren betrete-V Und dieser Elsässer Len hat nichts anderes verbrochen, als dah er auch ür Elsah-Lothringen als cs noch Zeit war. d. h. vor dem Versailler Vertrag! eine unbeeinflußte Volksabstimmung forderte!

Ein amerikanischer Journalist, mit dem ich in diesen lagen sprach, fragte mich, ob denn Frankreich eine Volksabstimmung fürchten müsse! Ich habe ihm meine Ansicht über dielen Punkt auseinandergesetzt. Wir verstanden uns. Wir haben uns bann noch sehr reunblid) über französischenPazifismus" unb ranzösifche Anschauungen von Freiheit unterhalten. Es war sehr lehrreich für b e n Ameri­kaner . . .

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Die Trustbestrebungen im Ruhrgebiet.

Lieber bie Verhandlungen zwecks Gründung des Rheinisch. Westfälischen Riesen- Konzerns hatte ein Vertreter des DHD. eine Unterredung mit einem ersten rheinischen Wirt­schaftsführer, der kürzlich einem ausländischen Journalisten gegenüber bemerkenswerte Ausfüh? rungen zur deutschen Wirtschaftslage machte. Zn dieser Unterredung sprach sich der hervorragende Führer der rheinischen Industrie wie folgt aus:

Die Bestrebungen, durch ein solches Zusam- mengchen alle bisher nebeneinander laufenden Interessen zu vereinigen, insbesondere unter der heutigen Wirtschaftslage, find nicht nur erwünscht, sondern dringend notwendig. Alle Zweige der Gesellschaften, di« heute un­produktiv arbeiten oder leer laufen, müssen mehr denn je ausgeschaltet undbeseitigtwerden. Eine durchgreifende Reorganisation der rheinisch-westfälischen Eisen- Wirtschaft ist trotz aller Einschränkungen und trotz der bisherigen Zusammenfassung durch die Verbände, z. D. die Rohstahlgemeinschaft, drin, gend notwendig. Der angeregte Zusammcnschlutz darf jedoch keineswegs überstürzt und unter Hin- wegsetzung über die Schranken der augenblick­lichen Wirtschaftslage erzwungen werden. Die natürliche Wirtschaftsentwicklung darf durch allzu forciertes Fordern des Zusammenschlusses nicht in einzelnen Phasen übersprungen werden, damit keine Enttäuschung aufkommt. Eine solche Ent- täuschung ist der Austritt der Firma Krupp aus den Verhandlungen. Hier treten

handel. W:e dieFranksurter Zeitung" Paris berichtet, hat sich nach der Angabe der französischen Zollstatistik die französische AuS-

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Getreidebörse.

Wirtschaft.

Börse und Geldmarkt.

Die Börse hat wieder einmal einige schlechte Lage hinter sich Wenn man genauer hinsieht, so waren die Veranlassung hierfür coeniger einige ungünstige wirtschaftliche Erscheinungen, als viel­mehr die allgemeine Geschiftsunlust, dir sich in den Räumen der Effekten Börse seit kurzem von neuem breit macht. Das Privatpublikum halt sich dem Marfte nämlich nach wie vor völlig fern, und zwar sicherlich nicht nur aus reinem Geld­mangel, sondern infolge des noch nicht wieder vorhandenen Vertrauens in die Stabilität der Esfeften-Börse. Die vielen Dioidendenausfälle trugen gleichfalls dazu bei, das Kleinkapitalisten- Publikum vor Anlage-Käufen an der Börse ab- zusch'recken. Die Geschäftsstille hatte an einigen Tagen dieser Woche einen Grad erreicht, der kaum noch überboten werden konnte. Die Feststellung der ersten offiziellen variablen Kursnotiz mußte einmal sogar vei über 30 Prozent aller Papiere unterbleiben, da die nötigen Mindest-älmsätze nicht erreicht wurden. Die Rücksicht auf den bevorstehenden Quarlals-ällttmo und die im August erneut gestiegene Passivität unserer Han­delsbilanz taten iwch ein übriges, um das Ge­schäftsinteresse einzudämmen. Run scheint es aber, als wenn der bevorstehende Quartals-Wechsel doch nicht die Anspannung des Geldmarktes zei­tigen wird, die man erwartet hatte. Ratürlich ist der Bedarf in den letzten Tagen starker her- vvrgetreten, als dies im Verlaus deS Monats der Fall war, doch ist die Versorgung des Börserrgeldmarktes mit täglichem Geld bisher reichlich genug gewesen, um ein Anziehen der Geldsätze zu verhindern.

Die Abflüsse von über 10 Millionen Mark durch die Einzahlungen in die Liquidationskasse werden den Mitgliedern der Kasse zum Ultimo wieder zur Verfügung gestellt, indem die Liqui­dationskasse dann als Geldgeber auftreten wird. Diese Mittel sind somit der äLliimo-Regulierung nicht entzogen, was zweifellos für die Kurs- gestaltung am Monatsschluß von einiger Bedeu­tung sein wird. 3m Oktober erhält dann das Gesicht der Börse ein völlig verändertes Aus­sehen. Mit dem 1. Oktober wird bekanntlich offiziell der Effekten-Terminbandel wieder auf­genommen werden. Die Kursbildung wird dann sicherlich nicht mehr von täglichen Zufälligkeiten abhangen, sondern sich auf etwas längere Sicht vollziehen. Hieraus ist eine gewisse Beruhigung an den Aktienmärkten zu erwarten, die dann hoffentlich ihrerseits zu einer größeren Beteili­gung des Publikums am Geschäft führt. Es braucht nicht ertra darauf hingewiesen werden, daß eine etwas optimistische Kursgcstaltung an

Frankfurt a. M, 25. Sept. ES wurde« notiert: Weizen (Wetterauer) 23, Roggen (in­ländischer) 18. Sommergerste (für Drauzwecke) 25 bis 27,50, Hafer (inländischer) 20 bis 31. Mai­sgelb) 20, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 38. Roggenmeh! 26 bis 26,50, Weizen- u. Roggen- tlcie 10 bis 10,25. Tendenz Flau.

Sonntagsdienst d.Verzte u. Nvotdeken am 27.9.25. Srau l)r. Marr. Dr. Schaffer. Engetavoihcke. Zahnarzt« Dr Sto'erbecf, frankfurter Dir

Berlin, 26 Septbr

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Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

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Telegraphische AuSzablung.

fuhr nach Deutschland im. Laufe der ersten acht Monate die'es Jahres auf 2395 Mill. Franken gegen 2464 Mill. Franken in der gleichen Zeit des Vorjahres belaufen. Auch di« französische Einfuhr aus Deutschland weist kein« nennenswerte Aenderung auf. Sie stellt sich für diele Zeit aus 1370 Mill. Franken gegen 1330 Mill. Franken im Vorjahre.

Schlechte Lage der Rheinschiff- fahrt. Die Lage der Rheinschifsahrt hat sich in der letzten Woche weiter verschlechtert, da ein starkes Angebot an Leerraum auf die Fracht­sätze drückte. Einzelne Schiffe liegen monate­lang in den Häfen, ohne Fracht zu bekommen. Rach einer Meldung des DHD. hat eine große holländische Firma die Hälft« ihrer Schiff« still- gel«gt.

Kabelwerk« Rh« hd - A -G., R h « d t Der für den 31. Oktober «inberufenen Haupt­versammlung wird di« Verteilung einer Dividend« von 15 Prozent für die alten unb von 7,5 Pro­zent für die neuen Stammaktien vorgeschlagen.

Zum Konkurs der Krefelder Dank. Durch den Konkursverwalter, RechtS- antoaü Dr. Reih, erhielten die Gläubiger der tn Konkurs geratenen Krefelder Dank A.-^., nach­dem ein« D«rstänbigung mit dem früheren Auf- sichtSrat erzielt worden war, ein« Abschlags­zahlung von 80 Prozent ausbezahlt. ES ist zu erwarten, daß die Gläubiger insgeiamt 100 Pro­zent erhalten. Seilens der interessierten Kreise war an der Tätigkeit des Aufsichtsrates scharfe Kritik geübt worden, aus Grund deren die Auf­sichtsratsmitglieder sich freiwillig bereit erllärten, zur Erfüllung der Gläubigerforderungen auS Privatmitteln beizutragen.

Mansfeld A.-G. für Bergbau- und Hütten betrieb. 3m Lause des neuen Geschäftsjahres ist eS, wie die Verwaltung in einem Börsenzulafsungsprolpekt mitteilt, gelun­gen, durch organisatorische Maßnahmen die Pro­duktion zu erhöhen und die Gestehungskosten so zu vermindern, daß das älnternehmen feit einiger Zeit nicht mehr mit Verlust arbeitet, nachdem inzwischen auch die Kupferpreise eine Besse­rung erfahren haben. Sofern sich die rationelle Betriebsweise fortführen läßt und die Preise auf den in Betracht kommenden Metallmärkten sich nicht merllich senken, hofft die Gesellschaft, für 1925 mit einem befriedigenden Geschäfts­ergebnis rechnen zu können.

Frankfurter AdendbSrle.

Frankfurt a. M., 25. Sept. Die Stim­mung der Abendbörse war auf neues Deckungs­bedürfnis wieder ziemlich fest. 3m allgemeinen verlief das Geschäft ruhig und nur in einigen wenigen Sp^iaftverten kam es zu größeren ilm- sähen. Die Abendbörse schloß in fester Haltuim. Deutsche Anleihen: 5prozentige Reichsanleihe 0 222, 4' xprozentige Schahanweisung 69 0,185, 4prozentige Preußische Konsvls 0.24212, 3'/»proz. bo. 282'2. Schutzgebietsanleihen 5,200. Auslän­disch: Renten: 5prozentige Goldmexikaner 41,5, 4 prozentige mexikanische Jrrigationsanleihe 18 75 Bankattien: Eommerzbank 95,50, Darm­städter Dank 108,75, Deutsche Bank 110, Dresd­ner Dank 100, Mitteldeutsche Kreditbank 93, Reichsbank 135,25, Oesterreichische Kredftaktien 7,60. Montanaktien: Deut sch-Lu rem bürg 70, Mannesmann 67,87. Chemische Aktien Dadische Anilin 122, Elberfelder Farben 119. Th. Gold­schmidt 70,50, Höchster Farben 118,90. Schift- sahrtsaktiLn: Rordd. Lloyd 64.25. Industrieaktten: AEG. 94. Cem ent Heidelberg 65,25. Fuchs Wag­gon 0,59. Gebr. Junghans 60,25. Dr. Paul Meyer 21, Zucker Offstein 55, Zucker Rhein­gau 60.

Berliner Börse.

Berlin, 25. Sept. Die bisherige Unsicherheit unb Verstimmung der Börse hat einer wesentlich freundlicheren Auffassung Platz ge­macht. Die Besserung ber außenpolitischen Lage, bie in den Entschlüssen der Reichsregierung zum Aus­druck kommt, Hai auch an ber Börje beruhigend ge- wirkt. Die Geschäftslage belebte sich gleich zu Be- ginn des heutigen Verkehrs, namentlich am Man- t'anmarft, der stark in den Vordergrund ge­treten war. Hier wirkte besonders die Nachricht an- regend, daß die Phönix-A.-G. im Juni einen lieber» ichuß von einer Million Mark erzielt hat und auch für den August mit einem günstigen Ergebnis zu rechnen sei. Für Phönix bestand schon bisher ftets reges Interests, was bei ber führenden Stellung

ZrankreichundLstaß-Lothnngen?

Von unserem ständigen d-Derichterftatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Straßburg, Ende September 1925. ,

Linen armen, geplagten, hilflosen Mann hat < Herrn PainlevL ein Mitglied ber Delegation ge­nannt die den französischen Minisierpräsidenien anläßlich feiner zweiten Reife nach Elsaß-Lolhrin- gen m Straßburg ausgesucht hat. Er wiste nid)t mehr, was er in der elsaß-lothringischen Politik eigentlich tun solle. Diesen Eindruck hat man auch von Frankreich überhaupt. Das etwas berbe Wort aus früheren Jahren, daß sich ,trank- reich mit benbefreiten Provinzcn"--über-

treffen habe, wirb allmählich Wahrheit. Wir liegen ben Franzosen schwer auf bem Magen.^ Durch ben Sicherheitspakt glaubten bte Fran- zosen bie Sorge los zu werden, baß bieDes­annexion" nicht enbgültig fei. Aber es zeigt sich schon jetzt, daß durch die ganzen Debatten um den Pakt bas Interesse te stark auf bas Problem Elsaß- Lothringen gelenkt worben ist, baß ber etwaige kommende Gewinn längst im voraus vertan ist durch diese kritische Durchleuchtung. Jetzt ist ein noch viel drohenderes Gespenst am Horizont aufgetaucht: das Gespenst des s e l b ft b e st i m m u n g s r e ch t sl Denn nun hört man aus allen beut chen Lagern, daß durch die Grenzgarantierungen elbstverständ- (ich weder das Minberheitsrecht, noch Vas Recht auf Selbstbestimmung angetaftet werben könne. Unb so ist bie Sache für bie Franzosen statt einfacher eher noch schlimmer und gefährlicher geworben. Frankreich will Deutfchlanb im Völkerbund drin haben. Gewiß! Aber nun plagt es die Aus- ficht, daß sich in diesem bisher so gut brauchbaren Völkerbund plötzlich Deutschlands Vertreter als Schutzherren der bedrängten Minder- beiten In ber Welt, vor allem der besonbers not- leibenden deutschen Minderheiten, aufwerfen könnte. Wie sollte man bem begegnen?

Die Parteigänger Frankreichs,Männer" wie «troa Herr Charles (früher Karl) Frey, werden unruhig. Schon wiederholt haben sie ben Pariser Herren zugerufen, sie müßten bei ben Verhandlungen Klarheit barüoer schassen, daß Deutschland sich nicht etwaeine Hintertür offen laste" (Herr Frey hat die» Bild erstmals gebraucht), um auf dem Umweg über den Schutz ber Minderheiten ober ..verwanbte Gebiete" doch immer bereit zu fein, Frankreich in feinem" Elsaß-Lolhringen Schwierigkeiten zu be­reiten. In derStraßburger Reuen Zei- tung" wird nun am 20. September erneut dazu Stellung genommen, insbesondere im Hinblick auf einen in der Tat bedeutsamen Aufsatz derTag- lichen Rundschau" über diese Fragen. Herr Charles Fren, der den Artikel selber zeichnet, zeigt, wie ungemütlich ihm die ganze Situation schon wird: Es sei höchste Zeit, daß Frankreich etwas tue, benn schon heiße es im kommunistischen Straß­burger Organ unverblümt, der (an eben diesem 20. September beginnende) Straßburger Ar­beiter« unb Bauernkonareß werde feierlich erklüren, daß dieser Pakt ebensowenig wie der Dettailler ©ertrag die elsaß-lothringische Frage lösen wird". Der Kongreß werde zweifelsohne fest- stellen, daß bas werktätige Volk von Elsaß-Loch- ringen niemals auf b a Recht ber S e l b st- bestimmung verzichtet hat unb verzichten wird.

Da Frey trotzdem er sich anber» gibt ganz genau weiß, daß btefe Auftastung keine Besonder- Helt der elfaß-lothringischen Kommunisten ist, so ruft er nach Pari»:

1. Wie weit ist es von hier z. B. bis zu einem Appell an ben Dvlkcrbunb, bei bem Deutsch­landals Fürsprecher, als mitforbernb, hervor- i treten müßte?" 2. Ist die Regierung bereit, b e m I zuvorzukommen? Wenn ja, dann ist es | höchste Zeit, daß Herr PainlevS in den zwei Fragen, die wir ihm klar und eindringlich vor- gehalten haben: der Sprachenfrage und der Frage der Behandluna der Elsässer und Lothringer auf gleichem Fuße mit allen anderen Fran- zosen eine rasche Lösung finden wird."

Herr PainlevS wird eine solche rasche Lösung nicht finden. Die könnte er nur finden, wenn er entschlossen das Steuer der bisherigen französischen Politik in Elsatz-Lothringen völlig herum- würfe. Das könnte aber nur geschehen, indem Frankreich (als Volk unb als Staat) von ber zen- tralistifchen zurr e g i o n a l i st i s ch e n", dezen - trainierten Verwaltungsart uberaehen würbe, unb inbem es zugleich auch in seiner Kir- chen politt k völlig neue Wege einschlüge. Es wirb auch der größte Illusionist sich heute nach fast sieben Jahren Franzosenherrschaft zu dieser Illusion nicht mehr aufschwingen können. Aber was bann?! .Wir haben Herrn PainlevS eine letzte Warnung erteilt", schrieb nach der eingangs erwähnten Nubienz führender Parlamentarier ber DeputS Michael Walter im StraßburgerEl- süsser".Sollte sie ungehört verhallen, so mögen für bie unausbleiblichen Folgen biejenigen bie Der- antroortung tragen, bie bie Regierung bazu treiben, den Ruf unferer Bevölkerung nach Berücksichtigung ihr.'.' Wünsche, ihrer Sortierungen, ihrer Rechte unb Freiheiten ungehört verhallen lassen!"

In wenigen Wochen ist ber siebente Jahrestag unsererBefreiung" fällig. Den Bankettrebnern empfehlen wir bafür bie nachstehenden Worte aus der lothringischen'23 o l f s ft i m m e", dem neuen katholischen Blatt, das im Anschuß an die lungste Elsaß-Lothringen-Reise Paintens in einem Aufsatz Narrenpossen" schrieb:

In Colmar hat der Ministerprasibent angefangen mit der Bedruckung, die das Land fünf­zig Jahre hätte aushalten muffen. Es war aber keiner Mannes genug, um Herrn Pamleoe den Star zu stechen. Dieser brauchte sich übrigens aber nur umzuschauen, um zu merken, b a fj e s ^m 11 der Unterdrückung Schwindel ist. «ieht so ein Land aus, wie unseres aussieht, wenn es 50 Jahre bedrückt war? Jedenfalls ist dieBe- freiung für uns etwas anderes als für Herrn PainlevS. Wir werden befreit o o n u n f e r e r deutschen Muttersprache, während die Deutschen die französische Sprache in Friedens­zeiten immer respektiert haben. Wir sind jetzt b e freit von Elsaß-Lothringern in den oberen Beamten st eilen, weil nicht Platz genug ist für die Kameraden aus dem Innern Frankreichs. Wir sind befreit vom sozialen Fortschritt und ordentlicher Verwal­tung und kommen jeden Tag weiter zurück. . . - Was gäbe das erst, wenn unsere Befreier von heute einmal bedrücken würden! . . ?

Vor ein paar Jahren konnten bie Frastzosen- freunde solch scharfe Worte mit ber Behauptung unschäblich machen, baß nur einBoche" ober

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Bulgarien

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.1.065

3,ÖSu

8,065

t.nllabon

21.075

0.125

21 075

2 .125

Danzig. . .

60.75

68.9

4) 65

8<

Konst.ntin.

2,325

2.335

2,305

2.516

Äfbtn .

6.OT

6 11

r. m

ti.il

Tanada. . .

4.195

4.205

4,195

1,205

Uruguay

4.181

4.195

4.185

1.195