Französische Anmaßung.
Brüskierung des badifcheu Staatspräsidenten.
Karlsruhe. 25. Sept. (£11.) Amtlich. «Staatspräsident Dr. Hellpach hatte die Absicht, dec Einladung der Stadtgemeinde K e h i und des Verkehrsvereins Kehl folgend, dem am Sonntag, 27. September 1925 in Kehl stattfinden- Len Heimattag beizuwohnen. Die Verwirklichung der Absicht hat sich nunmehr, zu dem lebhaftesten Bedauern des badischen Staatspräsidenten nicht ermöglichen lassen. Der Delegierte der internationalen Rhein- lavdoberkommission hat dem Landrat der Gemeinde Kehl erklärt, er wünsche den Staatspräsidenten in Kehl zu sprech en. Er. der Delegierte, habe von der internationalen Rheinlcindoberkommtffion den Auftrag, dem Staatspräsidenten zu eröffnen, daß eine Rede mit Anspielung au f die politischen Zu st an de und das entrissene Gebiet, wie sie der Staatspräsident kürzlich beim Heimattag in Karlsruhe gehalten habe, i n Kehl nicht geduldet werden könne. Diesen Auftrag will er sich gegenüber dem Staatspräsidenten persönlich entledigen, und zwar bevor der Staatspräsident sich zum vorgesehenen Bankett begebe. Es ist erklärlich, daß sich der Staatspräsident einer derartigen unwürdigen Zurechtweisung und Zumutung nicht aussetzen kann. Die Bevölkerung des besetzten Gebietes, sowie die Bevölkerung des gesamten Landes Baden wird cs darnach verstehen, wenn der Staatspräsident seine Absicht, an dem Hcimattag teilzunehmen, auf geb en muhte."
Keine französische Marokko-Offensive.
Paris, 26. Sept. (TU.) Pressevertreter melden aus dem französischen Hauptquartier, daß die Heeresleitung endgültig auf jede größere Offensive auf dem marokkanischen Kriegsschauplatz verzichtet habe, da hierdurch doch kein durchschlagender Erfolg zu erzielen sei. Sn militärischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß bisher Abd el Krim allen französischen Dprstöhen ausgewichen sei und sich in seine Gebirgsstellungen zurückgezogen habe, gegen die nur mit allergröhten Schwierigkeiten vorgegangen werden könne. Lllarschall P6tain soll beabsichtigen, die Truppen Abd el Krims durch ununterbrochene partielle Angriffe zu schwächen. Dadurch, daß zu verschiedenen Zeiten auf den verschiedenen Fronten angegriffen würde, zwinge man Abd el Krim allmählich seine gesamten Truppen einzusehen. Auch seine besten Kampftruppen, die er bisher für die Hauptentscheidung in Reserve gehalten habe, müßte er im Lause der Kämpfe einsehen. So würde sich die Truppenmacht der Rifleute allmählich verbluten. Da allgemeine Generalangriffe nicht mehr erfolgen sollen. ist es den Unterführern an den einzelnen Frontabschnitten freigestellt, örtliche Angriffe vorzunehmen, die jedoch mit andern Kampfhandlungen in keiner Uebereinstimmung zu stehen brauchten. Grundsätzlich soll jedoch der Feind Tag und Rächt beunruhigt werden.
Die Lage in Spanisch-Marokko.
Madrid, 25. Sept. (Havas.) Das heute ausgegebene offizielle Communiqu6 besagt, daß der Rückzug der Truppen, die gestern im Frontabschnitt von AlhucemaS tätig waren, ohne Zwischenfälle vor sich gegangen sei. Die letzte Rächt sei ruhig verlaufen. Sm Verlaufe der vorgestrigen Kümpfe habe der Gegner mehr als drei- hundert Tote verloren. Die Spanier erbeuteten etwa dreihundert Gewehre und machten 15 Ge- 5 fangene. Abd el Krim bemühe sich, Mannschaftskontingente auszuheben. Zwei Offiziere des in - Melilla stationierten Kommandos hätten sich im Flugzeug nach Taza begeben. Der „Temps" berichtet hierzu, daß am 24. ds. Mts. die Gruppe der Generale Sarv und Perez mit Unterstützung von eingeborenen Truppen den Vormarsch auf Ajdir unternahm und hier nach äußerst schweren Kämpfen die Stellung des Geg- „ ners bei Morro Viso und Dschebel Malmussi genommen hat. Die Abteilungen des Generals Saro haben alsdann auf dem eroberten Terrain biwakiert, während die Abteilung Perez sich auf ihre Ausgangsstellung zurückgezogen habe. — Diese optimistische Auffassung wird von dem militärischen Mitarbeiter des „Sournal des Dsbats" nicht geteilt. Er erklärt, daß die Ereignisse im Frontabschnitt von Al- hucemas den spanischen Behörden offenbar noch nicht bekannt seien.
Bevorstehende Offensive ■gegen die Drusen.
Paris, 26. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rach einer von der „Ere Rouvelle" wiedergegebenen Rachricht metbet man aus Damaskus, daß eine große Offensive gegen die Drusen bevorsteht. 20 000 Mann mit 44 Tanks und 32 Panzerwagen sowie 140 Flugzeugen sollen an dieser Operation teiluehmen.
Ablehnung des französischen
SchuldentilgUngsplanes.
Paris, 25. Sept. (WB.) Wie Havas berichtet. hat im Laufe der heutigen Vollsitzung Staatssekretär Mellon Finanzminister CaiI- l a u x ein Memorandum überreicht, in dem der Standpunkt der amerikanischen Kommission zu den französischen Vorschlägen auseinanöergeseht wird, sowie die Gründe, aus denen die amerikanische Kommissioil die frnnzösifchm Vorschläge für unannehmbar hält. Außerdem werden in dem Memorandum gewisse Vorschläge angeregt, um eine Grundlage für die Schuldenrege- lung zu finden
Preußischer Landtag.
Berlin, 25. Sept. (TU.) Zu Beginn der heutigen Sitzung nimmt der Landtag von der Verordnung zur Ausführung der Wahlen der Stadtverordnetenversammlung und Vezirtöver- fammtungcn von Berlin Kenntnis. Die erste Wahl auf Grund dieser Verordnung findet am 25. Oktober statt. Das Haus wandte sich hierauf der zweiten Lesung des Provinziol- und Kreistagswahlgesehes zu. Der Entwurf wird ein neues Wahlsystem sein, um den bisherigen Zustand zu beseitigen, daß einzelne Teile der Kreise und Provinzen in den Vertretungskörperschaften nicht vertreten sind.
Oberbürgermeisterwahl in Metzen.
Oberbürgermeister Keller aus Lebenszeit wiedergewähtt.
* Gießen, 26. September 1925.
Da die 12jährige Amtszeit des Oberbürgermeisters Keller demnächst ihr Ende erreicht, trat die Stadtverwrdneten-Versamm- lung gestern abend zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über die Besetzung des Oberbürgermeister-Postens zu beschließen. Hierzu lag zunächst ein Antrag der Vorsitzenden sämtlicher Stadtverordneten fraktionen (Dr. Krausmüller, Mann, Schmahl, Fischer) vor, Oberbürgermeister Keller wiederzuwählen. Die geheime Abstimmung mittels Stimmzettels hatte das Ergebnis, daß
sämtliche abgegebenen 39 Stimmen für Oberbürgermeister Keller
lauteten. Sn einem weiteren Antrag beantragten die Stadtverordneten Dr. Krausmüller, Schmahl, Fischer, die Wiederwahl des Oberbürgermeisters Keller auf Lebenszeit vorzunehmcn. Zu diesem Antrag ließ die sozialdemokratische Fraktion durch ihren Vorsitzenden erklären, daß die Sozialdemokratie Wahlen auf Lebenszeit grundsätzlich verwerfe, daher gegen den Antrag stimmen müsse; sie wolle jedoch damit keine Unfreundlichkeit gegen den Oberbürgermeister zum Ausdruck bringen.
Bei der Abstimmung stimmten 29 Stadtverordnete, also die Zweidrittelmehrheit, für die Wiederwahl auf Lebenszeit.
Oberbürgermeister Keller, der von diesen Be- Die zweite Beratung hat schon wiederholt auf der Tagesordnung gestanden, konnte aber nicht durchgeführt werden, da die Parteien, die gegen die Reuregelung sind, das Haus beschlußunfähig machten. Dr. Freiherr v. Mirbach (Dtschntl.) erklärt das Einverständnis seiner Fraktion für den 2 9. Rovember als Wahltermin. Eine gleichmäßige Verteilung der Sitze im Kreistage sei notwendig. Abg. v. E h - nern (D. Bp.) wendet sich gegen die Vorschläge. Eine weitere Hinausschiebung der Wahlen könnten seine Freunde nicht rnitrnachen; so sehr Verbesserungsvorschläge auch zu empfehlen seien, so sei doch die Bemängelung des alten Wahlrechtes nicht so stark, daß man nicht am 25. Oktober wählen könnte. Abg. Haas (Soz.) tritt diesem Standpunkt entgegen.
Abg. Schülling (Ztr.) tritt für die Verschiebungen ein. Das Zentrum sei gegen die Listenverbindung, weil das Volk politisch erzogen werden müßte. Sn der Abstimmung wird dann die Vorlage nach den Ausschußvorschlägen mit den interfraktionell vereinbarten Aenderun- gen angenommen. Der neue Wahltermin wird auf den 29. Rovember festgesetzt. Das Haus wendet sich wieder dem Wo'hlfahrtsetat zu. Dollswohlsahrtsminister H i r t s i e f e r legt die Gründe dar für die Haltung des Ministeriums in der Frage der Besetzung von Krei sarzt stellen im besetzten Gebiet durch ungeprüfte 2lerzte. Die Stellung der Desatzungsbehörde hake dazu gezwungen. Zum Heb- ammengesetz werde er für Verbesserungen eintreten, falls sich das als notwendig erweise. Die Typhus-Epidemie werde sich die Regierung angelegen sein lassen. Schuld an der Seuche sei die nicht ausreichende Pasteurisierung der Milch. Durch schnelles Zugreifen der medi^ zinischen Behörden sei größeres Unglück verhütet worden. Vor allem müssen neue TyPhuScrkran- kungen sofort zur Anzeige gebracht werden. Gin entsprechendes Gesetz sei in Vorbereitung. Abgeordneter Dr. Derkemeyer (D.Vp.) wendet sich dagegen, daß in das Schank stätten- 9 esetz auch das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden aufgenommen werde. Das würde sich als ein überaus starker Eingriff in die Familienrechte erweisen und zur Vernichtung zahlreicher kleiner Existenzen führen.
Weiterverhandlung Samstag.
Die Tagung -er Deutschen Landwirtschastsgesellschaft.
Königsberg. 25. Sept. (TU.) Mittwoch abend waren die Mitglieder der D. L. G. zu einem Begrüß ungsabend der Stadt Königsberg in der Stadthalle eingeladen. 27ach Musikvortragen des Königsberger Sym- Phonteorchesters entbot Bürgermeister Dr. Gocr- beler den aus allen Teilen des Reiches nach Königsberg gekommenen Landwirten den Will- tommensgruß der Stadt Königsberg und betonte die enge Verbindung der Hauptstadt des deutschen Ostens mit der Landwirtschaft.
3n Fortsetzung der sachlichen Beratungen fand die 13. Versammlung der Rinderzucht- Abteilung unter dem Vorsitz von Geheimrat Prof. Dr. Vogel. München, statt. Bei Beratung der Schauordnung für die 32. Wanderausstellung 1926 wurde der Fortfall der Aufnahmebestimmung für aus dem Ausland eingeführte Tiere beschlossen. Tierzuchtdirektor Dr. Peters, Königsberg, erstattete dann einen Bericht über Maßnahmen zur Stärkung der Ko n ft i t u t i o n als notwendige Ergänzungen der Leistungskontrolle. Während die Milchkontrollvereine die Leistungen der Tiere steigerten, müßten gleichzeitig Maßnahmen zur Stärkung der Konstitutionen in Anwendung kommen d. h. HerauSzüchtung zweckmäßiger Kor^erformen, Bevorzugung der Konstitutionsgemeinschaften bei der Zuchtwahl, harte Aufzucht für Sungtiere und natürliche Haltung der Zuchttiere.
Die 66. Versammlung der Geräteabteilung beschäftigte sich unter dem Vorsitz von Oberamtmann G ö r g - Preußleitz mit der Beratung der Schauordnung für die Wanderaus- ftellung in Breslau und beschloß die Wiedereinführung von ersten Preisen in Gestalt von großen Silberdenkmünzen. Rach Beratung der Pr-nSprüfungsbestimmungen für das Sahr 1927 ft vorgesehen Förderungseinrichtungen zum Süllen von Silotürmen, Motorfüllpumpen, Mo- torbaumspritzen, Ackerschleppen und Hntergrund- lvckerer für motorische Kraft. Bei dem Bericht über die Hauptprüfung von Geräten zum Hacken, Haufen und Tieflockern, Kartoffelzackern erklärte Diplomingenieur Victor- Berlin, daß die Prüfung im nächsten Jahre unter Teilnahme der Ackerbauabteilung fortgesetzt würde. Bei seinem Vortrag über die Entwickelung der Motor- Dampfmaschinen zeigte Prof. Dr. Wormfeldi aus Bonn an Lichtbildern, wie die Motor-Dresch- meschinen mit der Zeit bedeutend einfacher geworden sind.
Auf der 55. Versammlung per Obst- und
schlüssen sofort in Kenntnis gesetzt wurde, betrat hierauf den Sitzungssaal, wo Beigeordneter Dr. S e i b namens der Mitglieder der Stadtverwaltung und Stadtverordneter Dr. Krausmüller namens der Stadtverordneten herzliche Be- grützungsworte an den Gewühlten richteten. Oberbürgermeister Keller dankte hierauf in einer kurzen Ansprache.
Mit diesem Beschluß hat die Stadtverord- neten-Dersammlung der Geschichte unserer Stadt einen besonderen Markstein eingefügt. Die Wiederwahl auf Lebenszeit ist für das gewählte Stadtoberhaupt eine hohe Ehrung, denn in diesem Beschluß offenbart sich ein außerordentliches Maß von Vertrauen, das die Stadt- verordneten-Versammlung, die ja aus dem engen Zusammenarbeiten mit der Stadtverwaltung deren Wirken am kompetentesten beurteilen kann, als Vertretung der Bürgerschaft dem Oberbürgermeister Keller entgegenbringt. Besonders eindrucksvoll ist dabei auch die Tatsache, daß das Stadtparlament bei dieser wichtigen Entscheidung sich freigchalten hat von parteipolitischen Machenschaften, wie man sie heutzutage bei derartigen Gelegenheiten leider nur allzu häufig antrifft. Wir beglückwünschen den nunmehr auf Lebenszeit hier amtierenden Oberbürgermeister Keller zu der hohen Auszeichnung, die ihm mit dieser Wahlentscheidung zuteil wurde. Eine eingehendere Würdigung behalten wir uns vor.
Weinbauabteilung sprach Prof. Dr. Evert aus Landsberg a. d. Warthe über den Ruhen der Bienenzucht für Obst- und Landwirtschaft. Er zeigte vor allem den Wert der Fremdbestäubung durch Bienen im Obstbau, aber auch für Raps, Rotklee und Buchweizen. Dr. Ebert- Berlin besprach die Einheitspackung und Absatzorganisation als eine Lebensfrage deö Obstbaues. Sn von Rittergutsbesitzer von Raehrich, Puschkowa geleiteter 51. Versammlung der Saat« zuchtabteilung sprach Prof. Dr. Mitscherlich. Königsberg über Sorten und Stammanbauversuche und den Einfluß auf die Methoden der Pflanzenzucht. Pros. Dr. Gaßner aus Braunschweig äußerte sich über den Einfluß klimatischer Faktoren auf das Saatgut, und zwar vor allem auf den Keimling und auf das Rähr- gewebe. Beide Redner waren sich in der Rot- wendigkeit des HebergangeS von der mortho- logischen auf die physiologische Zuchtrichtung einig.
Dr. Wirth in Amerika.
Reuhvrk. 25. Sept (WTB.) Der in Amerika weilende frühere deutsche Reichskanzler Dr. Wirth sprach in einer von der Reuyorker ülni- versität veranstalteten Versammlung von Auslandsgläubigern und stellte zunächst fest, daß eine dauernde wirtschaftliche und finanzielle Erholung Deutschlands nur eintreten könne, wenn seine ungünstige Außenhandelsbilanz verschwinde. Er appellierte dann an die Finanzleute der Welt, die allein richtige weltwirtschaftliche Richtung einzuschlagen und d i e Zollschranken z u beseitigen, die Deutschland hindern. Guter in bas Ausland zu verkaufen, die es am wirtschaftlichsten Herstellen kann. Deutschland müsse einen äleberschuh 1 ei ner Ausfuhr erzielen, um seinen Verpflichtungen an das Ausland nachzukommen. Die Aufgabe fei tatsächlich schwer, teilweise deshalb, weil Deutschland den Verlust feiner im Ausland angelegten Kapitalien und feiner Kolonien zu tragen habe, und auch das Mutterland Verluste an Gebiet und Bevölkerung erlitt. 3mmerb in seien in den letzten Monaten in geringem Maß Fortschritte erzielt worden.
Die Handelskammer gab zu Ehren Dr. Wirth ein Frühstück in den Räumen des Dankierllubs, an dem eine Reihe von hervorragenden Persönlichkeiten der Finanz- und Geschäftswelt teilnahmen. Der Präsident der Handelskammer Hermann Metz brachte einen Toast aus den Präsidenten Coolidge und den deutschen Reichspräsidenten aus. 'Senator Copeland erklärte, wenn er zu bestimmen hätte, würde eine Wirtschaftskonferenz stattfinden, auf der die Geschäftsleute sich darüber schlüssig würden, wie die frühere normale Weltlage am Besten wiederhergestellt werden könne. Polizeikommissar E n r i g h t hieß in Vertretung des Bürgermeisters Hyland den Gast in Reuyork herzlich willkommen. Dr. Wirth stellte unter allgemeiner Heiterkeit fest, er sehe hier zum ersten Male, daß Trinksprüche mit klarem Wasser ausgebracht toürien. Wenn Klarheit und Wahrheit auch in den Beziehungen der Völker und Länder untereinander geherrscht hätte, so hätte großes Anheil verhütet werden können.
Hieitw politische Nachrichten.
Der preußische Innenminister hat mit sofortiger Wirkung das Auftreten Hitlers als Redner in öffentlichen Versammlungen oder sonstigen öffentlichen Veranstaltungen für das Gebiet des Freistaats Preußen bis auf weiteres verboten.
Einer KorrZpondcnzmeldung zufolge soll demnächst in der journalistischen Leitung der »K r e u s $ e i t u n g“ eine Aenherung eintreten. 2lls künftiger journalistischer Leiter des Blattes, das zu einem kulturellen Org an mit reichem Bildschmuck ausgestaltet werden soll, wird der Schwebe A k l u n d genannt. Die Anregung zu dieser Umgestaltung soll auf die Stockholmer Kirchenkonferenz und den Erzbischof Söder- b l o m von Tlpsala zurückzuführen sein.
Nach einer Londoner Meldungen sollen die drei Zeitungen Lord Rothermeres, des Bruders des verstorbenen Lord N o r t h c l i f f e, „Daily Mail", „Evening News" und „Weekly Dis- patch", in die Hände der Gebrüder Berry für 60 Millionen Dollar übergegangen fein. Die drei Gebrüder Berry, die Nichtpolitiker und Geschäftsleute großen Stils find, besitzen bereits die „Sun- day Times", die „Financial Times", den „Evening Expreß", den „Daily Graphic" und andere Blätter.
Der russische Dolkskommissar des Auswärtigen, Tschitscherin, trifft Sonntag zum Besuch der polnischen Regierung in Warschau ein. Später wird er seinen Erholungsurlaub in Wiesbaden verbringen.
Kunst und Wissenschaft. Reinhardt-Gastspiel in Vad-Nauheim.
Ein Gastspiel der von Map Reinhardt gegründeten Internationalen Panto- mimen-Gesellschaft bringt am Dienstag 29. September im Großen Haus die Ballett- Pantomime „Sie grüne Flöte" in der Inszenierung von Max Reinhardt zur Aus- führung. Zu der Handlung hat Sinar Rilson Musik von Mozart zusammengestellt. Max Reinhardt als Regisseur und Ernst 3Ra t rat) als Choreograph haben hier gemeinsam mit dem für Dekorationen und Kostüme verantwortlich zeichnenden Ernst Stern ein Musterbeispiel dafür geschaffen, wie ein in unserer Zeit noch lebensfähiges Ballett beschaffen sein soll. Reben der „Grünen Flöte" bringt das Gastfpiel noch einige kürzere Ballette und Pantomimen.
Aus aller Welt.
Massenraub von Exportgülern.
Bor dem Hamburger Strafrichter haben sich jetzt 440 in 20 Gruppen eingeteilte Angeklagte zu verantworten, die oom Dezember 19'23 "bis September 1924 massenhaft Ausfuhrgüter raubten bzw. Beihilfe beim Raub leisteten oder sich der Hehlerei schuldig machten. Die Diebe hatten das entwendete Gut in sechzig Räuberhöhlen untergebracht, in denen sie die geraubten Kisten erbrachen und ausraubten und dann mit Sand gefüllt weitersandten. Diese wertlosen Sendungen gingen dann ins Ausland. Zn dreitägiger Verhandlung gegen die aus sechzehn An- geklagten bestehende erste Gruppe wurden drei Kutscher zu 15 Monaten bis drei Jahren Gefängnis, andere Angeklagte zu drei bis neun Monaten Gefängnis, zwei zu kleineren Geldstrafen und der Haupthehler zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus verurteilt.
Grubenunglück.
Essen, 26. Sept. (WTB. Funkspruch.) Aul der Zeche „Matthias S t i n n e s" Schacht I in Karnap ereignete sich gestern aus bisher noch unbekannten Gründen ein LInglück, bei dem ein Bergmann getötet und ein anderer schwer verletzt wurde.
Wettervoraussage.
Meist bedeckt, westliche bis irördlichc Winde Temperaturen wenig verändert, Regenfälle.
Das neue Störungsgebiet ist schneller als zu erwarten war, östlich vorgestoßen und liegt mit seinem Kern heute über dem Rordmeer. Seine Ausläufer bringen uns zunächst erneut Regen- falle, doch dürfte später schnelles Aufklaren, ver- bunden mit schwacher Wärmezunahme, zu erwarten fein.
Gestrige Tagestempcraturcn: Maximum 15, Minimum 5,5 Grad Celsius. Niederschläge: 0,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur. 8,6 Grad Celsius.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 26. September 1925.
„Darf ich Ihre Flamme küssen?"
Ich gehöre zu den leidenschaftlichen Rauchern, Das ist natürlich keine welterschütternde Tatsache, andere Leute sind es nicht, und sie leben auch. Als leidenschaftlicher Raucher hat man natürlich seine Streichhölzer bei sich, das gehört zum Rauchen, wie das Dach aufs Haus. „Versteht sich", wirst du sage», lieber Leser. Aber wir sind alle Menschen; daher kann es mal vorkommen, daß man keine Streichhölzer bei sich hat, man hat sie eben vergessen.
Aber wir leben ja nicht allein, wie weiland Robinson auf seiner Insel. Und eine Hand wäscht ja bekanntlich die andere. Es gibt so viele hilfsbereite Mitmenschen, die dir gern aushelfcn! Drum steuerst du in solcher Verlegenheit einfach auf einen Zeitgenossen zu, lüftest den Hut und fragst höflich: „Darf ich um Feuer bitten?" Dein Gegenüber wird dir deine Bitte sogleich erfüllen, du dankst und gehst weiter. Es ist ein kleiner Liebesdienst, den sich alle Raucher gegenseitig erweisen.
Doch in das Heer der Raucher bringen jetzt so viele Unberufene ein, die die schönen alten Sitten zerstören. Diesen Leuten fehlt der nötige Takt.
Ein Beispiel: Stehe ich da neulich auf der Straßenbahn. Plötzlich klopft mir jemand auf die Schulter. Ich drehe mich um und denke, es ist ein alter Bekannter. Mit Nichten! Ein ganz junger Mensch knurrt: „Feuer!" und bohrt mir seine Zigarette ins Gesicht. Wortlos und verblüfft halte ich ihm meine Zigarre hin. Kein Wort des Dankes, er führt nur zwei Finger an den Rand seiner Mütze, aber beileibe nicht militärisch, und bläst mir Rauchwolken ins Gesicht.
Dann sah ich neulich, wie ein älterer Mann von einem Hosenmatz um Feuer gebeten wurde, das heißt nicht gebeten, sondern besagter Hosenmatz steckte feine „Flöte" einfach in den Pfeifenkopf des Mannes und stocherte darin herum. Der Arbeiter aber antwortete mit einer immensen Maulschelle. „Kinder Hamm nich ze roochen!" sagte er schlicht und drehte sich um. Das war die einzig richtige Antwort!
Und heute passierte mir folgendes: Ich ging | nichtsahnend durch die Stadt und rauchte. Plötzlich j kam ein blasser Jüngling auf mich zu, hielt mir seine Zigarette vor die Nase und sagte: „Darf ich Ihre Flamme küssen?" Ich war baff angesichts dieser Unverschämtheit. Doch mit Rücksicht auf meine bessere Einsicht beherrschte ich meine — rechte Hand - und dachte nur ganz wehmütig: Jugend von ' heute! S.
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•• Einreichung von Wählbar- sch lägen. Sm neuesten Amtsverkündigungsblatt wird zur Einreichung der Wahlvorschläge für die am 15. Rovember stattfindenden Wahlen zum Provtnzialtag und zum Kreistag aufgefordert. Die Wahlvorschläge müssen späte- stens bis zum 18. Oktober schriftlich abgegeben fein. Für den Provinzialtag sind 35 Der» tretcr, für den Kreistag des Kreises Gießen 30 Mitglieder zu wählen. Sn einem Wahl- vorschlag dürfen nicht mehr als die doppelte - Zahl der zu wählenden Mitglieder vorgeschlagen werden. Räheres ist aus dem Amtsverkündi- | gungsblatt Rr. 76 zu ersehen.
* Eine Ermahnung an die Fuhrleute. Unter Hinweis auf den tragischen Tod des Fuhrmanns S o st. der bekanntlich von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren wurde, ermahnt das Polizeiamt die Führer von Fuhrwerken jeglicher Art, während des Fahrens sich niemals auf die Deichsel deS Wagens zu stellen, sondern aufzusitzen oder neben dem Wagen herzugehen.
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