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26.5.1925
 
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Mr. PI Erstes Blatt

IZ5. Jahrgang

Dienstag, 26. Mai (925

Erscheint täglich, aufjer tonni und erlagt.

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□tefcenerjamilienblätter Heimat im Bild.

Monatr-Tezugrpreir: »(Bolbmarh u 20 Sold- ..fennig für Trägerlohn, >-uch bei 'Ilichterfchemen i.x>n einzelnen Nummern i «folge höherer (Betoalt. f}e r n | p r e ch-Anschlüste: -chriftleiiung 112, Der« . :gunb(Befd)äftsItel!e51. Tlnschnst für Drohinach- c.d)ten. Anzeiger-ietzen.

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SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Drud und Verlag: vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- und Lleindruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe I.

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Die Anschlußbewegung.

Vom öfterrcichisch-deutschen Bolksbund.

Dortmund, 25. Mai. (WTB.) Auf dem .'-.nbcslag des Oefkcrrcichifch deutschen Volksbundes rarben ucrfdicbcnc Entschließungen gefaßt. Danach >cht der Bundestag zunächst die Erwartung aus, 3 die deutsche Regierung bei den Verhandlungen :'?r den (starantiepatt alles unterlasse, was eine ? 4) m a l e r n ii g der durch den Friedensvertrag -gesehenen Rechte Oesterreichs, sich mit ®c- vtzmigung des Völkerbundsrats an 2) c u t f d)« i n b a n *, u f d) I i e 6 e n, herbeiführen könnte. Der Bundestag drückt ferner die Zustimmung zu dem Intritt Deutschlands in den Völker- und au9, da nach feiner Vollziehung die deutschen tetet beim 'l.ulkrbunb ihre Verpflichtung, als «walt beut, ch e r Minderheiten auf,311« een. mich für bie Sudelendcutschen, sübsteierischen 1 b fübtiroler Minberheiten übernehmen würben.

"er Bundestag fordert

in Inkrafttreten einer Konvention die die Pah- jranfen zwischen Oesterreich und Deutschland aus- H die .Zollschranken obbaut und durch geeignete tIfenbabnucrbinbungen die verkehrssreiheit zwischen den beiden deutschen Staaten fördert.

r Bunde, tag beantragt weiter, daß die öfter« chisch-deutsche Rechtsangleichung beschleu« <i werde. Der Bundestag ersucht die Reichsregie« iifl, auch in diesem Jahre alle Frage» des F r em« rechts, »..besondere das Legitimierungs« raf)ren. die 0 inbürgerungen und Ausweisungen, einem besonders zu schassenden Reichskommtssa- i! zu zentralisiere» und fordert die Parteien des ,'ichstaqs auf, in der Novellierung des Gesetzes er den ('"rroerb der Reichs- und Staatsangehörig. !. t Schritte v. unternehmen. Der Bundestag be« 1 tragt schließlich Erlaß der Durchführung der Ver- rbnung, die als deutschstämmig den anerkennt, der I zur deutschen Sprach, Kultur- und Schicksals- oineinschast des deutschen Volkes bekennt.

Huf dem (tzrosidcutschen Parteitag

1: [orte Präsident Dingh 0 fer , daß seine Partei h Zukunst Oesterreichs nur in der Einqliede.

r g i n das Deutsche Reich erblicke. Es fei : sch, wenn gewisse Kreise im Aöslonde die Mei- -iq nerbreiten, nur einige seien für den Anschluß, t Gegenteil >,j d>e Tgahrhei'. Mit dankbarer Gc- ziuung begrüße die Großdeutfche Volkspartei die innen Tüorte, die ihr bei jeder Gelegenheit von utschland gewidmet werden besonders bie Aeuße- r.iq Dr. Sirefemanns, bah sich keine Reichs- n lirrung bereit finben werbe anläßlich bes Sicher- jir?pattc5 eine Erklärung abzugeben, bie auf einen . rüd)t des Anschlusses Oesterreichs hmauslausen iitic. Dinghoier gab seinem Bedauern uusdruck, fr die österreichische Regierung aus fiskalischen r-1 mben in der Frage der

Abschaffung des Pahoisums

1 Den leßten Verhandlungen eine Stellung cinge« tarnen l>abe, die feine Partei nicht Hil­gen könne, und erklärte weiter, seine Partei t'.cöe es stets mit allen Mitteln bekämpfen, baß rfctrreid) in ein wirtschaftliches Sjftcm rgfglicih'rt werden sollte, welches seine Spitze cac n das Deutsche Reich kehren würde.

if chllich der Stellungnahme des Auslandes zu der Üchlußfrage bedauerte er bah Englanb und tat i e n jetzt aus ihrer Reserve l)crausgetreten ern und bas Selbstbestimmungsrecht bes flut (dien Volkes nicht anerkennen. Es

it immer wieder gesagt werden, daß Artikel 80 Versailler Vertrages und Artikel 88 des Ver- vxcs von Saint Germain kein A n s ch l u ß v e r-

i enthalten, sondern bie Aufgabe ber Selbständig« t Oefterrcidic- von der Zustimmung des Völker- rilsratcs abhängig machen.

Der Sicherheitspakt.

S*er englisch-sranzvsischc Mcinungs- anStansrti.

Paris, 25. Mai. lWTB.) DasJournal 15 Debats" fmreibt über den Meinungsaus- Liff), der zwischen dem englischen Kabinett und 'r französischen Ministerium des Aeuheren hin- rtäch der der Reichsregierung zu erteilenden

ÜitDort über Öen Vorschlag des Abschlusses 'ö-L.c Sicherheitspaktes gepflogen wird

Dieser Meinungsaustausch kann bis ins ln endliche anöar.crn. Durch den Bericht der ^rrotlfommiffion über die Entwaffnung Jr rt schlan d ö . der seit Anfang Januar in Imrbeitung. i(t den bürgerlichen und den iriiärischen Diplomaten ein Mittel in die Hand tij<bcn, um Monate, vielleicht sogar Jahre >' ng ihr Talent zu beweisen. Es wird daS glicht verbreitet, daß Briand und Chamberlain

1« Laufe der nächsten Tagung des Völker, bundsrats,

i>: sie beide beiwohnen werden, cme ßöfunjJ tn würden. Das ist nur eine Vermutung.

ib-jj- man fragt sich, ob die beiden Minister mehr jj i-e haben werden, sich im Verlaufe von direkten 3:r banölunger. im Juni zu einigen, als durch die tzt'i:eichen Verbalnvten oder geschriebenen Roten, fit eit Februar ausgelauscht worden sind. Am k Februar hat Botschafter von Hoesch dem Breiigen Ministerpräsidenten Herri 0 l öic B'itit f d)c n Vorschläge über den Abschluß -e-sS Sicher beirs Pakt es unterbreitet. Herriot eigentlich sofort in Berlin anfra«

il m müssen, ob Dr. Stresemann von Paris »ere getrennte Antwort erwarte oder ob es sich eine Angelegenheit handle, die eine gemein- lltec Antwort der verschiedenen direkt oder in-

Das Schicksal Amundsens.

Der Flug zum Nordpol. Keine Nachrichten. Hilfsexpeditionen. Nansens Ansicht.

3n dem Augenblick, da diese Zeilen ge­schrieben werden, steht es noch nicht fest, ob Amundsen mit seinen Flugzeugen den Rordpol erreicht hat. Trotzdem bedeutet, mag Amundsen nun bei ersten Ansturm zum Pol gelangen oder nicht, dieser Flug eine neue Etappe in der Geschichte der Polarsorschung: Aum ersten Male benutzt eine Expedition, die aus den Erfahrungen aller früheren gelernt hat. das modernste Verkehrsmittel, das Flugzeug.

Wenn Amundsen dieser Flug gelingt was augenblicklich noch nicht bekannt ist wird auch Deuts chland an dieser neuen wissenschaft­lich-technischen Leistung einen nicht gelingen An­teil haben. Denn auch die Dornier-Ma­schinen, die Amundsen benutzt, in Pisa gebaut sind, so sind doch ihre Konstruktionen in allen Teilen in Deutschland durchdacht und von Deut­schen ausgeführt. Daß diese Apparate in Italien gebaut wurden, findet seinen Grund in der be­kannten Knebelung der deutschen Flugzeug­industrie durch Öen Versailler Vertrag, nach dessen Bestimmungen Konstruktionen dieser Art nur im Auslande hergestellt werden dürfen.

Die von Amundsen verwendeten Maschinrn stellen den Typ des modernen brutschen Verkehrsflugzeuges mit mehreren Mo­toren dar. Die Dorniermaschinen Amundsens, die zweimotorig sind, haben den großen Vorteil, daß auch, wenn der eine Motor versagt, die Maschine trotzdem ihre volle Manövrierfähigkeit behält. Dadurch ist bei einem so zweifelhastm und gewagten Unternehmen, wie es ein Rord- polflug immer bleibt, die Sicherheit des Gc- lrngens bedeutend verstärkt, da auch noch mit einem Motor die Expedition beendet werden kann. Da Amundsen den Flug mit zwei Fahr­zeugen ausführt, so kann, wemt die eine Ma­schine unterwegs völlig versagen sollte, dir zweite immer noch die Mannschaft des beschä­digten Apparates an Bord nehmen und den Flug zu Ende sühren.

Roch eine weitere Errungenschaft der deut­schen Wissenschaft wird Amundsen auf seinem Fluge wertvolle Dienste leisten können. 3m Som­mer des Jahres 1923, als bereits eine Amund- sen-Expedition geplant war, aber nicht aus­geführt wurde, hat eine von Junkers ausge­rüstete Spihbergen-Erpedition trotzdem den Flug noch Rorden unternommen und Spitzbergen über­flogen. um durch ausgedehnte Flüge über dem Gebiet des ewigen Eises Erfahrungen für einen künftigen Polarflug zu sammeln. Damals hat Professor Wegener, der bekannte deutsche Geo­graph, die Tlnternehmung als wissenschaftlicher Ratgeber begleitet und dem flugtechnischen Per­sonal, besonders dem Schweizer Fliegeroberleut­nant Mittelholzer, der sich auch als Alpen­flieger einen Rainen gemacht hat, wertvolle Rat­schläge für das Verhalten in der Arktis gegeben. Die 1923 gewonnenen Erfahrungen sind durch zahlreiche photographische Aufnahmen belegt und festgehalten worden, so daß sich die Piloten des jetzigen Fluges auf wertvolles Material stützen können, das sich auf Rotlandungsmöglichkeiten

direkt an dem deutschen Vorschlag beteiligten Regierungen erfordere.

Rach den letzten Rachrichten aus ßonben ist die britische Regierung mit dem sranzösischen Standpunkt über Artikel 19 beS Dölker- dundstatutS und des Artikels 80 des Frie­densvertrages nicht einverstanden.

DasJournal des Debats" ist der Ansicht, daß die Texte dieser beiden Artikel genügen, und daß es unnütz sei, eine neue Definierung vor­zunehmen, habe doch der Völkerbund schon an­läßlich eines Tbitrages von Bolivien die deutsche Formulierung der Revision der Verträge a b - g ele hn t. Die Schiedsgerichtsbarieit sei strikte behandelt durch den Artikel 13 des Völkerbund­statuts, und die Artikel 36 und 38 der Sta­tuten des ständigen internationalen Gerichtshofs im Haag. Frankreich habe also keine neue De­finition vorzuschlagen.

Es hab« nur zu fordern, daß Deutschland als zukünftiges Mitglied des VöllerbundeS daS Dölkerbundstatut und das Statut deS internationalen Gerichtshofs respektiere.

Was die Angliederung Oesterreichs an Deutschland an bet reffe, so genüge es. auf den Artikel 80 des Friedensverirags hinzu- weisen, vorausgefeht. daß alle Freunde Frank­reichs entschlossen feien, den 3nhalt dieses Para­graphen voll aufrechtzuerhalten Gewiß könne Deutschland als Mitglied des Völkerbundsrats Schwierigkeiten bereiten. Man müsse sich darauf gefaßt machen. Aber es werde ihm nicht ge­lingen. seine These zum Siege zu führen. Frank­reich müsse allo im ganzen genommen sich um jeden Preis hüten, jetzt fordernd aufzutrelen. Es müsse nur darüber wachen, daß ein zu­künftiger Sicherheitspakt den Respekt vor den bestehenden Verträgen nicht in Frage stelle.

Neue Verschleppung der Kontrollnole.

Paris. 26. Mai. lTTl.) Die Botschafter­konferenz tritt nicht vor Freitag oder Samstag zusammen. Die Blätter legen besonderen Wert und Rachdruck auf die Feststellung, daß die erneute Vertagung nicht auf Meinungsverschie-

im Packeis, auf Gletschern und im 3ungeis bezieht.

Endlich sind auch auf dieser Expedition die D 0 r d i n st r u m e n i c . die in der Rähe des Pols natürlich starken Schwankungen unterworfen sind, aber in der Eintönigkeit der Polarlandschaft als Richtungsweiser von auszerordentlicher Wich­tigkeit sein müssen, in ihrem Verhalten zu den magnetischen Polkräften eingehend geprüft wor­den. Auch standen der Amundsen-Expedition die Wettermeldungen aus der ganzen Welt, die nach Spitzbergen übermittelt wurden, zur Verfügung, seine Flugzeuge sind von bester und zweckmäßigster Konstruktion, die Erfahrungen des großen Spihbergenfluges lagen ihm vor, und zu alledem tritt die energische Führer- persönlichkeit Amundsens selbst: man darf die Hoffnung nicht auf geben, daß dieses trotzdem sehr kühne Unternehmen doch noch zu einem glücklichen Ende geführt werden möge.

Beunruhigung über den Derbleib Amundsens.

N e u y 0 r k, 25. Mai. (Kabeldienst der TU.) Nach einem Funkspruch von derFarm" ist die ,Hobby" van einer Erkundungsfahrt ohne E r« folg zurück gekehrt.Hobby" hat einige hun­dert Meilen nördlich Spitzbergen Wolkc.iuil« düngen angetroffen die cs als möglich erscheinen lassen, daß die Flugzeuge in Nebel und Sturm ge­raten sind. Der Funkspruch gibt zu, daß

an Bord der Begleitschiffe Beunrutzigung über das Schicksal Amundsens

herrscht. Man nimmt dort an. daß Amundsen gc- zwungen gewesen sei, zu landen, und daß er sich letzt auf Schneeschuhen unterwegs zum Nordpol be­findet, wodurch sich die Verzögerung in seiner Rück« kehr erkläre. Möglich sei auch, daß Amundsen Unter­suchungen am Nordpol vornehme und erst nach deren Abschluß zurückkehren werde.

Die Dashingtoner Flottenkommis­sion hat erneut bi" Entsendung eines Luftschiffes nach dem Nordpol beraten. Es ist jedoch anzuneh­men, daß die Regierung die Entsendung des Zeppelins nicht genehmigen wird.

Die letzten Meldungen, die vom Dampfer ,5arm gekommen find, geben zu, daß Amund- sen ein Tlnglück zugestohen sein könne. Die Me­teorologen erwarten einen Sturm, der von Rordrußland über Sibirien auf den Rordpol zu- qehen wird.

AMundsen muß von dem Sturm Kenntnis beben und unverzüglich zurückkehren, wenn er dazu in ber Sage sei. Sollte das in den nächsten Stunden nicht geschehen, so wäre bet Beweis erbracht, daß Amundsen keine Möglichkeit mehr hat, vom Rordpol zurückzukehren.

Montag morgen um 2 TIHr lag noch keine Rachricht über Amundsen vor. Die Hobby", welche nach der Welmans-Bucht zurückgekehrt ist. nachdem sie östlich und nördlich der Dänen- insel Patrouillensahrten ausgeführt hat. meldet

denheitcn zwischen den Alliierten zurückzuführen sei.Echo de Paris" gibt folgende Begründung: B a r t h 0 u habe gestern erklärt, daß die R e - paralionskommission vor der Beschluß­fassung in der Raumungsfrage gehört wer­den müsse, weil die Besetzung der Rheinlande auch als Garantiemaßnahme für die Durchfüh­rung der Reparationen erfolgt sei. Die Repara- tioTtSlommission werde offiziell darüber beschlie­ßen, ob Deutschland seine Verpflichtungen er­füllt habe.

Deutschland für Verbot des Gaskrieges.

Genf, 25. Mai. (T. U. Wie der Vertreter der Telunion erfahrt, ist heule in der Sitzung des mili­tärischen Ausschusses der Waffenhandelskon- f e r e n z von dem deutschen Vertreter, Herrn von Eckhardt, eine Erklärung abgegeben worden, daß die deutsche Regierung bereit sei, eine Kon­vention zu unterzeichnen, die den chemischen Krieg, besonders dieAnwendungvon Giftgasen, verbietet. Die Erklärung erregte beträchtliches Aufsehen und wurde mit starkem Beifall auf­genommen.

Vie bayerischen volksgerichte.

Wicderalifnaftule der Verfahren im

Reichstag beschlossen.

Berlin, 25. Mai. Am Regierungstisch: Reichsfinanzminister v Schlieben. Zweite Lesung des Gesetzentwurfes über die Wiederauf­nahme deS Verfahrens gegenüber Ur­teilen der bayrischen Dolksgerichte. Der RechtSauSfchuh, in dessen Ramen Abg. Haas-Baden (Sem.) Bericht erstattet, hat einen Gesetzentwurf aus gearbeitet, wonach gegen­über den Urteilen der bayrischen Dolksgerichte die Wiederaufnahme des Verfahrens statt- finden kann. Die Wiederaufnahme zugunsten des Verurteilten findet auch dann statt, toemt aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen eine Freisprechung des Angeklagten oder in An­wendung eines milderest Strafgesetzes eine ge­ringere Bestrafung zu erwarten ist. Darüber,

schwierige EiSverhältnisse. linier den zurückge­bliebenen Mitgliedern macht sich eine <;ew.sse Riedergeschlageuheit w<g. . d Aus­bleibens von Amundsen geltend. Sofern £ 'lla- schinen ein Unfall zugestoßen sein sollte i.\iröc den Teilnehmern ein langer, flcfabrlidx r Weg über das Eis bcvorstehen. Das Wetter ist be­wölkt. die Temperatur liegt etwas unter dem Gefrierpunkt. 3n nördlicher Richtung von d.-r Amsterdam-3nsel hat der Kapitän der Farm offenes Wasser bemerkt. Die Flieger würden hier niedergehen können.

Sjocfartd Lidende' meldet aus Reuyorl: Sofern Amundsen nicht bald etwas von sich hören läßt, wird die Expedition Mac Millan, die die unbekannten Polargebiete mit Hilfe einiger der großen Marineflugzeuge erforschen soll, lofort ihren Plan ändern und Rachforschungen n .> dem Verbleiben Amundsens und seiner Begleiter an stellen. Das amerikanische Marineininistei-ium soll sich damit einverstanden erllärt haben. Dagegen liegt, von amtlicher Seite bestätigt, die Mitteilung vor, daß das Flottendepartement sich ent­schlossen hat,

keines der beiden Zeppelin-Luftschiss zur Suche nach Amundsen zu entsenden.

da die langwierigen Vorbereitungen ein? wirk­same Hilfe ausgeschlossen erscheinen lassen.

Entgegen den allgemeinen Desorgin's.ii hat

Nansen

sich dahin geäußert, daß nicht der geringste Grund zu Befürchtungen vorliege. Eine Derspä' tung von einigen Tagen habe gar nichts .3u be­deuten, da viel Unvorhergesehenes eintreten könne. Die Direktion der Domier-Werle. nach deren Lizenzen die beiden Eindecker Amundscns gebaut wurden, erklärte, es erscheine unwahu schein! ich. daß den beiden Flugzeugen etwas zugestvßen sei. Die Motore seien gründlich c> probt worden. Wäre dem einen Flugzeug ein Unfall zugestoßen, so wäre der zwciic Apparat verabredungsgemaß wied> nach Spitzbergen zurückgekehrt. Auch bei Ehef des dänischen Flugwesens. Oberst Koch, ein er­fahrener Polarforscher, glaubt, daß kein Grund zu Befürchtungen vorliege. Amundsen habe viel­leicht unterwegs landen, wieder starten und längere Fuhmärfche machen müssen, bis er den Pol erreichte.

Aus London wird gemeldet, daß auch Kommandant MorSleh, öer die Expedition mit Scott und Shackleton mitgemacht hat und jetzt der zweite Kommandant der Algarsson- R 0r dp 0 l-G xp e d i t i 0 n ist, die Meinung ausspricht. daß Amundsen vielleicht auf glatter Eisfläche landen konnte. 3n diesem Falle dürfte er einen langen Skilauf zum Pol ver­sucht haben, so daß man inden nächsten fünf Tagen doch noch gute Rachrichten von ihm er­warten könnte. 3m übrigen kann die Algarfton- Polarexpedition. die in Liverpool ausgerüstet wurde, infolge von Luftschwierigkeiten noch nicht starten.

ob der Antrag auf Wiederaufnahme des Ver­fahrens zulässig und begründet ist, entfdjnöet die Strafkammer. Die erneute Hauptver­handlung findet vor dem Gerichte statt, das schon zur Zeit der Anordnung der Hauptver- handlung für die Sache zuständig ist. Wer in brm wicderaufzunehmenden Verfahren als Richter m t- gewirkt hat, ist von der Mitwirkung bei d'r Entscheidung über die Wiederaufnahme unu in der erneuten Hauptverhandlung ausgeschloss.n.

Bayrischer Staatsrat v. R ü h l e i n wendet sich gegen den Gesetzentwurf. Die bayrische Regierung bestreitet die Z u st ä n d i g k e i l des Reiches in der Frage der bayrischen Dolks­gerichte.

Abg. Hampe (Wirtsch. Dgg.) stimmt dem Antrag insofern zu. als dadurch eine Wie­deraufnahme Der Verfahren ermöglicht werde. Schwerwiegende Bedenken ge­gen den Antrag lägen aber auf verfassungs»- rechtlichem Boden Zwischen der bayrischen und der ReichSregierung beständen 0 h n e o 1 e ö dauernd Konflikte. Der Antrag Millier- Franken würde neuen Konflikts st of, brin­gen. Daher lehnt der Redner den Antrag ab.

Abg. Lohmann (dtntl.) schließt sich der Auftassung der beiden Vorredner an. 3n dem Augenblick, wo zahlreiche Anträge auf Rach- Prüfung der Rcichsverfafsung vorlägen wäre der Antrag Müller-Franken aus staatspolitischen Gründen abzulehnen.

Abg. Sänger (Soz.) bringt zum Ausdruck, daß aus Gründen des reinen Rechts die ein­stimmige Abnahme des Gesetzentwurses am Playr wäre. Außerdem sei die Gültigkeitsdauer d^s Gesetzes über die bayrischen Volksgerichte längst beendet.

Abg. Dr. Kahl (DllVpt.) ertiärte. daß er dem Gesetze z u st i m m e n werde, well viele Gründe ihn dazu veranlaßten.

Bon einem Eingriff in die bayrische Instiz- hvheit könne dabei keine Rede fein, well Artikel 7, Abf. 3 der ReichSdersa,'ung dem Reiche die Zustizoberhvheit zugestehe. Rein rechtliche, nicht politische Gründe deraniastten ihn, im Interesse der Rechtssicherhell für das Gesetz einzutreteo,