Ausgabe 
26.3.1925
 
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Nr. 72 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Donnerstage 2b. Marz 1925

Der hessische 5taatsvoranschlag.

O Darm fta dt, 25. März. (Priv.-Lel) Der Staatsvorcmschtag 1925 ist nunmehr fertiggestellt, so das) in den nächsten Tagen die Dorlage dem Landtag zugehen wird.

Der Gescuntabschluh deS Voranschlags ge­staltet sich wie folgt

Summe der Ausgaben 111 051 009 2m.

Summe der Einnahmen 104 344 521

Darnach noch auszugleichender

AuSgabebetrag: 6 706 488 2m.

Die DergleichSziffern von 1924 find:

Ausgaben 91 562 541 Gm.

Einnahmen 87 676 275

Ungedeckter Fehlbetrag 3 886 266 Gm.

Die Steigerung der Ausgaben gegenüber denr Vorjahre beläuft sich hiernach auf 19.5 Mill. Mk. «Die wirkliche Bedarsssteigerung beträgt nur 14.5 Mill. Mk. bei Berücksichtigung einer durchs laufenden Verrechnung von 5 Mitt. Mk.) und ist. wie die dem Gntwur-fe deS Staatsvoran- schlageS für 1925 beigegebenr Denkschrift besagt, in der Hauptsache auf die Erhöhung der Q5c- amtenbr^üge, Ruhegehalte, soziale Fürsorge, zu­rückzuführen.

Die sachlichen Ausgaben stellen sich im StaatSvoranschlage 1925 auf 38.3 Mill. Mk. und wird um 1L Mill. Mk. höher als in 1924. Davon entfallen 1,3 Mill. DU. auf die Kosten der laufen­den Bauunterhaltung und ca. 0,6 Mill. Mk., die für neue Staatsaufgaben vorgesehen sind. Hiercher gehören u. <t:

1. Mehrbedarf für die Polizei in Dad-Rau- Iktnt 36 000 DU.

2. Kosten der Volkszählung m 1925 12000 Mk.

3. Staatl. Aufwand zur Bekämpfung der Ge- Hirn- und Rückenmarkentzündung der- Pferde (Bomätsche Krankheit I 50 000 Mk.)

4. Mehrbedarf für die Kosten deS 2ied- entwässerungSprojekts 40 000 Mk.

5. Weitere Ausgestaltung, der Fortbildungs­schule 443 000 Mk

linier den neuen Ausgaben, die bereits in den letzten Jahren vom Staate zu übernehmen waren, ist vor allem als das wichtigste zu er­wähnen die Förderung des Wohnungs­baues. Aus dem für 1924 veranschlagten Aus­kommen für die Sondergebäudesteuer von 10.8 2110. Mk. Hai der Staat nicht nur die zuerst vorgesehenen 10 Proz. 1 080 000 DU., sondern Inettere 700 000 DU. für diesen Zweck, zusammen also 1 780 000 Mk., zur Verfügung gestellt. Hieraus wurden verzinsliche Dariern zur Errich­tung von WvhnungSbautcn an Gemeinden usw. gewährt. Die Zahl der aus diese Weise geförder­ten Wohnungsbauten beträgt rund 1700. Für 1925 ist zunächst die gleiche Summe von 1 780000 'Wri vorgesehen. Möglicherweise werden sich auS den Mehreinnahmen. die durch die voraus­sichtliche Erhöhung der Mieten, einschließlich der öpnberfteuer in der Dichtung auf den Friedens- starch für öffentliche Zwecke zu erwarten sind, größere Mittel auch für die Förderung des Woh­nungsbaues gewinnen lassen. Auch die Tätigkeit *e$ Staates selbst zur Schaffung von Beamt en- Wohnungen verdient in diesem Zusammen- >«nge erwähnt zu werden. Sie ist in den letzten -^ren recht erheblich gewesen Dis zum Herbst 1924 wurden geschaffen.

3n Reubauten von Dienstgebäuden und De- amtenmiethäusern rund 510 Wohnungen, in ge­kauften Gebäuden rund 60 und m alten Staats- gebäuden rund 130 Wohnungen, zusamrnen rund 700 Wohnungen.

Weiter sind in den für den StaatSvormsschlag 1925 eingestellten 2eu- und Miet bauten etwa 100 Wohnungen vorgesehen. Insgesamt handelt es sich bei diesen Bauvorhaben um einen Betrag iwn nahezu 5 Mill. Mk. im Vermögensteil. Als Mittel zur Förderung der Bautätigkeit ist weiter die Begründung einer gemeinnützigen Wvhnungs- fürsorgegesellschaft zu erwähnen, an der der Staat mit 40 000 Mk. beteiligt ist.

Auf dem Gebiete der sozialen Für­sorge, wofür im vergangenen Jahre 6,5 Mill, Mark vorgesehen waren, ist eine Entlastung von 1,5 Mill, zu verzeichnen, Denn der Bedarf für die Erwerbslosenfürsorge ist nunmehr durch die Bei­trage von Arbertgebern und -nehmern und durch Leistungen der Gemeinden zu decken Als Ergeb-

I nte des Personalabbaus und der Svrc | brhrung des Altersgrenzengeseyes . onnte eine Dermirrderung des im Staatsdienste beschäftigten Personals um insgesamt 1190 Köpfe gegenüber dem Staatsvoranschlag 1924 sestgestellt Verzicht auf diese Maßnahmen ivurde für 1925 einen erheblichen Mehraufwand etwa 3 bis 4 Mill Mk. gebracht haben.

Dach dem Voranschlag 1925 beträgt die Zahl Der im Staatsdienste beschäftigten Beanrten. Staatsdienstanwärtern und Angestellten 15 677. das siird gegenüber- 1918 mehr 9445 Hierin sind einbegriffen 4287 Volksschullehrer. 400 Äonrnui- nalforstwarte und 1335 blaue Polizei, die vom Staate neu übernommen wurden.

Für dieDeckungdes Finanzbedarfs für 1925 (111,1 Mill. Ml.) kommen folgende Ein­

nahmequellen in Betracht:

1. Staatsgüter

und Betriebe 14,6 Mill. Mk. = 13,2< 0

2. Steuern 68,5 , 61,6o;o

3. Einnahmen aus

Etaatseinrichtun-

gen u. Anstalten 10,6 , = 9.5 o/o

4. Sonst Verwal- tungseinahmen 6,2 _ = 5,60/0

5. Ersatz des Dei­ches f. d. Kosten d. Schutzpolizei 4,5 4.0o;o

104,4 Mill. Mk. = 93,9 oo

Ausgleichspost, als

Deckung für die Mehraus­gaben 6,7 = 6,lo/o

Zusammen: 111,1 Mill. Mk. 100°»

Hiernach würden also von dem Gesamtbedar-f von 111,1 Mill Mk. 104.4 Mill. Mk. gedeckt sein, und es wären noch für 6,7 Mill. Mi (gegen 3.9 Mill. Mk. im Vorjahre) weitere Deckungsmittel zu suchen. Tatsächlich wird sich der erforderliche Ausgleichs bet rag noch höher stellen, nachdem anzunehmen ist, daß der Staats­anteil an der Umsatzsteuer zu hoch veranschlagt wurde.

Wie die erforderlichen Deckungsmittel zu btz- fchafsen sind, läßt sich, wie die Denkschrift be­sagt, zur Zeit noch nicht völlig übersehen. So­viel steht nur fest, daß die Deckungsfrage in Hessen nicht ohne eine stärkere Her­anziehung der Gemeinden gelöst wer­den kann.

Frankreichs GrientpoliM.

Da die Dinge in Europa nicht recht vom Fleck kommen, selbst der gewandte Vermittler Benesch bei den Engländern keine freundliche Aufnahme gefunden hat, scheinen die Franzosen wieder einmal ihre alte Politik fortsehen zu wollen, durch Antastung englischer In­teressen im Orient mit London zu einer Verständigung auf Soffen Deutsch- ! ands zu kommen. Einer ihrer geschicktesten Diplomaten im nahen Osten, Franklin D 0 u i l - I o n, ist jedenfalls wieder in besonderer Dkis- in der Türkei ausgetaucht und von den Behörden der Angoraregierung auf das freund­lichste aufgenommen worden, weil, wie es heißt, in feiner Aktentasche die von der Türkei er­betenen Grenzberichtigungen an der syrischen Grenze ruhen.

Dief das den Türken eingeräumte Durch- zugsrecht der für Kurdistan bestimmten Truppen durch französisches Mandatsgebiet in London höchstes Befremden hervor, so hat die Meldung von der Reise Franklin Bouillons nach Angora in England jetzt wie eine Bombe eingeschlagen. Einmal befürchten die Engländer eine neue Annäherung Frankreichs an dieTür- bann aber rechnen sie mit ungünstiger, Rückwirkungen auf ihre Situation in Mesopo­tamien, die ihnen aus einer französisch-türki­schen Freundschaft erwachsen konnten. 3a, sie behaupten sogar schon, daß die Truppen- konzentration in Kurdistan, die nur m i t französischer Hilfe möglich wurde, sich direkt gegen England richte.

England hat in der Tat Gründe genug, der Tätigkeit Franllin Bouillons mit wachsendem Miß­trauen zu begegnen, zumal Frankreichs Orient­politik in den letzten 3ahren schon manche Be­rechnung der Briten über den Haufen geworfen hat. Für Deutschland ist aber die fron-

Die Reichs-Gastwiris-Meffe.

'5ür Deutschland waren namentlich die letzten Krregsjahre eine strenge Fastenzeit, in her die EhJayl der Devöllerung zum Verzicht auf alle Tafelfreuden verurteilt war. Dichts lag uns damals ferner als der Gedanke an Drillat- oat>arfn und seine geschmackvolle Kunst. Erst nachdem die menschenfreundliche Blockade auf- gehoben war und der- 3mporthandel bzw. der Warenaustausch mit dem Auslande allmählich Wieder auftebte, da ging auch schließlich das hlsfo rische Kohlrübenzeitalter zu Ende, und Deutschland konnte wieder ciit wenig mehr an die Ausgestaltung seiner Speisekarte denken. Zu­gleich setzte nach und nach der Fremden- und Deiseverkehr von neuem ein. und so blühte das Gewerbe des Gastwirts und damit alle für seinen vielseitigen Bedarf arbeitenden Industriezweige allmählich wieder auf.

Welche achtunggebietende Höhe der CciftungS- sähigkeit in diesem Teil der deutschen Wirtschaft erreicht worden ist. mit wieviel Geschmack, Geschick und Kunst hier heute gearbeitet wird, wie an oteUc des gefürchteten .Ersatzes" der Kriegs- auf Een Gebieten wieder- Echtheit und ^Wenfcit eingekehrt sind, zeigt in erfreu- bk um die März-Mitte in Berlin eröffnete große Deichs-Gastwirtsmesle, dre Offizielle Fachausstellung für den Restaurant-, P°t& Kaffee- und Konditoren-Dedarf. Ein buntes, betoegted Treiben empfängt den Besucher m der Riesen Halle am Kaiserdanrm. Der Laie bernunmt ffaimenh, daß die veranstaltende Or- qanrsatron, der Deutsche Gastwirts-Verband, 31 Landes- und Provrnzialverbände mit etwa 1500 OrtÄßerem«! ixrt 6ier 17000 aua6rnt.

meter 2lussi°L-ngssl°ch- bis auf den testen tmiHtmeter voll belegt sind - dann wendet man nch von per grauen Theorie der Statistik ab und OBMiSTu. IeBCTifro6en appetitlichen

2iemate hätte man geahnt, daß es soviel Wasser gibt, tote einem hier im Munde zu- Mnnumsäuft vor den zahlreichen, in jedem Sinne

des Wortes geschmackvollen Ständen. Pavillons und Aufbauten etwa unserer ßiEör- oder Zi­garren- bzw. Zigerettenfabriken. Der charalter- feste Abstinenzler oder Dikotinseind könnte hier seinen Prinzipien untreu werden Man würde es ohne weiteres nachfühlen können, toenn vor den gaumenreizenden wahren Kunstwerken von Tor­ten, Baumkuchen, Waffeln und Speisen sich Back­fische auf Tod und Leben bekämpfen würden, um von diesem Glück zu erhaschen. Ohne zu bedenken, daß man an der nächsten Ecke von der neuen tröstlichen Erfindung hört, die es er­möglicht, Speiseeis in Konservenbüchsen auf lange Sicht in den Handel zu bringen! Oder der Fein­schmecker blickt, ebenso bewundernd wie verlan­gend. auf wahre Wolkenkratzer oder Pyramiden aus Käse, auf eine gewaltige, himmelan- Würstchendose aus dem sympathischen Halberstadt oder auf ein offenbar für den Ver­dauungsapparat eines Goliath bestimmtes Stück­chen Pumpernickel von 800 Pfund, das in 24 Stunden gebacken wurde. 3n einem schmucken fletnen Landgut, das eine in Berlin nicht ganz unbekannte Meierei hierherversetzt hat, gehen die Schlagsahne-Träume aller Bubiköpfe in Erfül­lung, oder man nimmt die Milch der frommen Denkungsart zu sich. Der Genießer auf dem entgegengefeyten Gebiet aber fühlt wehmütige Erinnerungen auf steigen, wenn ihm angesichts der leider nur gemalten Rebenhügel Rüdes- heims von nehmen wir an rheinischen schmucken Mädchen verlockende Preisllsten in die 4chid gebrüdt werden, oder wenn er in eine mit den traditionellen Tannenr eisern geschmückte richtige Frankfurter ..Aeppelwein"-Stube blickt. Daß aber der ernste Interessent, der nicht nur oem_ weitverbreiteten Stande derSchleute" an- gehört überall Kostproben kredenzt erhält, ver­steht sich von selbst. Ebensowenig bedarf es eigentlich der Erwähnung, daß auch die ernstere Seite des Lebens zur Geltung kommt, daß in der Ausstellung gezeigt wird, in wie vorbildlicher Werse die verschiedenen in Betracht kommenden gdfäinpuftrien für das Gasthausgewerbe sorgen. Stilvolle Möbel und Einrichtungen für Hotel­zimmer usw. reizen förmlich dazu, den Berüf

zösisch-türkische Annäherung infofeen außerordent­lich wichtig, als England, das den französische Wünschen in der Sicherheitsfrage gegenüber eine ablehnende Haltung einnimmt, nun plötzlich aus Sorge und Angst um seine eigene Position nach- geben Bunte, wie es das bei anderen Gelegen- heiten schon wiederholt getan hat

Aus der Provinz.

Landkreis toiefeett.

Langgöns , 24. März. Am Sonntag fand in der Turnhalle ein W e r b e

X abend _____,,____ _____

abend des hiesigen Kriegervereins statt, der alle Erwartungen übertroffen Hal. Der Be­such war so stark, daß viele nur noch einen Steh- hlah finden konnten. Einleitend spielte der hiesige Orchesterverein den Marsch .Alte Kame­raden", worauf der Vorsitzende. Obervorstcher F l a ch, in einer von echt kameradschaftlichem Geist getragenen Ansprache die viele Hunderte zählenden Anwesenden willkommen hieß und auf jbie Zwecke und Ziele der Kriegerkameradschaft hinwies. Dann sprach der Festredner des Abends, Oberstleutnant v. Hagen, über die Schlacht von Tannenberg und Masuren und erläuterte an Hand von Lichtbildern die Gesamtlage der beiden Schlachtfelder. Großer Beifall lohnte den vor­trefflichen Redner für seine packenden Worte. Umrahmt wurde die Feier noch durch Vorträge des Orchestervereins und Gedichte von einem jungen Kameraden. Anschließend blieben die Ka­meraden noch eine Zeit lang beieinander, um in froher Stimmung das Wiedererwachen des Krie-

gervereins Langgöns, der bereits 180 Mitglieder zählt, gebührend zu feiern. Hier fand eine Wählerversammlung der Sozial­demokratischen Partei statt, in der Land­lagsabgeordneter Delp über die bevorstehende Reichspräsidentenwahl sprach. Die Versammlung war schwach besucht. Es fand keine Aussprache statt. Seit gestern ist die Dampfwalze im hiesigen Ort, um einige Straßen neu zu walzen, was von der ganzen Gemeinde freudig begrüßt wird. Mit banger Sorge betrach­ten die Landwirte das augenblickliche, den Saaten äußerst gefährliche Wetter, das bei Sonnenschein am Tage mit starkem Tau und nachts Frost in den meisten Fällen zur Aus­winterung der Winterfrucht führt.

Annerod. 24. März. Am Sonntagabeird veranstaltete der Wartburgverein aus Wies eck im Engelhardtschen Saale einen F a - m i l i e n a b e n d. der zahlreichen Mitgliedern der Gemeinde Freude bereitete und Anregung bot. Die Darbietungen der Wiesecker Schar. Zungen und Mädchen von frisch-fröhlicher Art, wurden beifällig ausgenommen. Zn angenehmem Wechsel war die Vortragsfolge geftininrt auf harmlose Heiterkeit, vaterländischen Ernst und anschau­liche Belehrung. 3hre Ausführung zeugte von fleißiger 3ufanmienarbeit aller Kräfte. In einer Ansprache knnzeichnete der Führer den Wart­burgverein als Hort der Jugend. Er bietet Gelegenheit zu unterhaltender und bildender Ge­selligkeit im Geiste christlicher Gesittung und vaterländischer- Prägung. Heil der 3ugend, die da mittut!

Hattenrod, 25. März Bon einem Arten Dchicksalsschlag wurde die Familie Karl R 0 ck Hierselbst getroffen. Der einzige Sohn Hauses hatte gerade das öebrerfeminar in Friedberg absolviert und die Abgangsprüfung mit gutem Erfolge bestanden. Er war zu seinen ©Itern zurückgekehrt und noch einmal nach Friedberg gereift, um feine Kleider heim- zubringen. Am Dienstag besuchte er das dortige Schwimmbad. Beim Baden starb der junge Mensch an einem Herzschlag. Karl Rock war ein gewissenhafter Schüler, der bei seinen Lehrern in gutem Ansehen stand. Sein freundliches Wesen hatte ihm bei jung und alt Zuneigung er­worben. Für seinen zukünftigen Beruf brachte vc gute Anlagen und reinen Witten mit. Die Trauer um den hoffnungsvollen jungen Menschen, ber am Samstag 20 Jahre alt geworden wäre, und die Teilnahme mit der schwergeprüften Fa­milie ist allgemein.

, Hattenrod, 25. März Bei der Holz- fubmiffton der Gemeinde Hattenrod lagen folgende Höchstpreise vor: Buchen 1. Kl. 65 Mk 2- 50-15 Mk., Eichen 3. Kl. (107 Ml. Höchst­

gebot) folgendes 62 Mk., 4. Kl. 45,05 Mk., 5. Kl.

beS Reisenden zu ergreifen. Die Hausfrauen^ erblaffen vor Reid angesichts der blitzenden und nut allen modernen Schikanen versehenen Herde für Hotel- und Restaurationsküchen. Oder sie seufzen vielsagend im Gedanken an die verhaßte zeitraubende Arbeit desAbwaschens", wenn sie htm: vor der märchenhaften Geschirrwaschmaschine stehmi, die 1500 Teller in der Stunde selbsttätig wascht und spült. Oder unsere Kochkünstlerinnen drangen stch mehr oder minder skeptisch um ein

»Wunder der Technik', einen Trvcken- heihluftofen zum Kochen, Braten, Backen usw. der eure Revolution in der Küche herbeizuführen Dorgibt. mengt es doch wahrhaft umstürzlerisch to,CTm die Erfinder kühn behaupten.Wir kochen ohne Wafterl Wir braten ohne Fett! Bei 3hnen werden die Braden Heiner, bei uns größer! x5n unserer Küche riecht man nichts mehr, weder gute mxh unangenehme Gerüche. Wo es gut in der Pfanne ' J117 den Körper Bisher wurde der

grogte Prozentsatz der entwickelten Heizwerte sinh t/s _ m lern en muß em Jeder!"

SrL drängelt sich, reckt die

Halse, erblickt vielleicht em Stück knusprigen x <5cite geschubst und geht kopf­schüttelnd weiter ...

Auch sonst begegnet man manchen Neuheiten ted)nifd)er Art, deren Zweckmäßigkeit und prak­tische Gebrauchsmöglichkeit schnell einleuchten. Da riebt man etwa das neue säurebeständige besteck aus Nichtrostendem Stahl,schön wie ols Alpaka", ober eine ähnliche ©rfmbung: Bestecke und Löffel aus mit Silber SE'chiM Aluminium, das stets weiß bleibt und unzerbrechlich fein soll. 3n dieser und auf manche äußere Werse ist man in unserer Industrie mit Erfolg bnnuht, dem Gastwirtsgewerbe das Leben 8 erleichtern. Als Ganzes betrachtet, bietet ledenfalls die Ausstellung, sowohl nach der appetiterregenden materiellen wie nach der prak­tisch-technischen Seite hin, ein eindrucksvolles Bild befter deutscher Qualitätsleistung auch auf diesem ©ebiet unö iff durchaus dazu angetan, dah dem Betrachter Herz und - Magen hn Leibe lachen.

'M - 6 äi. 20,05 Wk. Kiefern 3. Kl 30,40

4 Kl. 24.15 Mk. 5. Kl 21,15 Mk.. Fichte.» 3. Kl. 32.40 Ml., 4 . KI 28 Mk. 5a°Kl. 25 Mk. 5b-Äl. 24 Mk.. Derbstangen 18 Ml. je Fstm.

Kreis Ariedberg.

^f. Friedberg. 25. März Gestern fand un Festsaale derAugustinerschuledas achte und letzte S chü le r konzer t dee- Schuljahres 1924 25 statt. Reben dem Veranstalter unb per* bienten Förderer bei Musik an hiesiger Anstalt Professor Dr. K Schmibt. hatten sich in ban- kenswerter Weise Her, Hock vom Frankfurter Opernhaus unb Dr. Hirsch- Friebberg zur 'Ver fügung gestellt. Das Programm l>estand aus So­naten von Händel. Dach und Leclaire. Die vor­züglichen Darbietungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. - 3m Saale des Hotel Trapp sprach gestern Staatspräsident Ulrich auf Veranlassung der Sozialdenwkrauschen Partei über das ThemaDer Kamps um Eberts Erbe". Der Redner empfahl warm die Wahl des sozial­demokratischen Kandidaten Braun Die Partei­genossen des Redners, die vielleicht die Hälfte oer Erschienenen ausmachten, begleiteten die Aus' führungen natürlich mit lebhaftem Beifall

D a d - R a u h e i m. 25. März. Unter dem Vorsitz von Lehrer P 0 r t h hielt der hiesige D c - amten verein seine Hauptversammlung in her Guten Quelle" ab. Der Versammlung gedachte des verstorbenen Reichspräsidenten als des höch­sten Beamten in ehrender Weise, ebenso der im begangenen Jahr verstorbenen Mitglieder des Ortskartells. Dann hielt Herr Burger (Darm­stadt) einen sehr lehrreichen Vortrag überDie Beamtenbank Darmstadt unb ihre BedeutungfüibiegefamteDeamten- s chaf t Hessen s". Einleitend gab der Redner einen Ueberblid über das Gesamtgebiet der Be amtenwirtschastsselbsthilfe, die allen Beamten die­nen will, ohne Rücksicht aus die Organisation, der sie angehören Wenig bekannt ist in Heften "och die Deamtenbank. deren 4300 Mitglieder sich vorwiegend aus Post- unb Zollbeamten zufam- mensehen, während beispielsweise in Baben mit 31 000 Mitgliedern fast die gefainle Beamtenschaft an bei1 gleichen Einrichtung teilnimml. Auch in Heften sei der Beitritt heute jedem Beamten möglich, da die Deamtenbank mit allen Genossenschaften in Abrechnung stehe, z. D. mit der Handwerkerzentralgenossenschastsbank, und auf die Deamtendank lautende Schecks von den den Genossenschaften angehörenden Kassen ein- gelöst wurden. Ausführlich verbreitete sich der Redner über den Zinsendienst, das Versicherungs Ireicn und die Gewährung von Darlehen. 3,, bei Aussprache konnten bann Einzelheiten noch geklärt werden. Darauf erstattete der 1. Vor- sitzende den Jahresbericht, der zeigte, das der Vorstand die 3ntereffen der Beamten oft uni mit Rachdruck vertreten hat. Das Ortslartell. das das Bestreben hat, von unten her zu einigen und von oben her getrennt worden ist. umschließt mit 297 Mitgliedern alle Deamtenkreife der Stadl die nicht im Deutschen Deamtenbund organisier sind. Die Einnahmen betrugen 320 Mk., die Aus gaben 106 Mk. Durch Wiederwahl, die für alle Sperren einstimmig erfolgte, wurde dem ge samten Vorstand mit Lehrer Porth an der Spitze das 2krtrauen der Versammlung auSge sprachen.

vw. Butzbach, 24. März. Am Sonntag, nachmittag sprach im großen Saale deS HeMschen Hofes Landtags abgeordnet ei' Schulrat Schwarz­haupt, Frankfurt a.M..für die Präsident- schaf tskandidatur Dr. 3arres. 3n ein- stündiger gehaltvoller Rede hob er .zunächst die hohen Rechte des deutschen Reichspräsidenten her­vor, die zu ihrer gerechten Handhabung einer starken Persönlichkeit bedürfen, eines zielbewußten Mannes, der. über den Parteien stehend, das Ziel seines Wirkens und Strebens in der gedeih l'chen Entwicklung unseres deutschen Vaterlandes, in der glücklichen Zusammenfassung aller Volks-

Ihre Stuhlverstopfung müssen Sie schnellstens beseitigen, bevor die unaus­bleiblichen Folgen eintreten. Wir raten Ihnen, in der Apotheke echte Herber-Kerne, 60 oder 30 Gramm, zu kaufen, die unschädlich, aber von prompter Wirkung sind. Verlangen Sie ausdrücklich Herbes- Kerne. Sicher erhältlich: Aniversitäts-Apotheke Zum goldenen Engel". Die Bestandteile sind auf der Packung angegeben- 2992A

Nuppertsbury^ Kolonisten in Schlesien.

Ramenloses Elend hatte derSiebenjährige Krieg für unsere Gegend, besonders auch unseren Ort, im Gefolge. Ruppertsburg hatte un­gefähr- 12 000 Gulden Kriegsschulden aufzubringen. Teuerung und Armut herrschten überall im Lande Es ist darum zu verstehen, wenn mehrere Rup- Pertsburger Familien im Jahre 1766 nach Ruß- lanb. unb zwar in das damalige Königreich Astracan (Gebiet der Wolga) auswanderten und dort für die Förderung der Kultur segensreich torrften 3m Februar 1772 verliehen noch 43 Per fönen das Dorf Ruppertsburg, um in Preuhen toteber M Wohlstand zu gelangen. Es waren

Philip Heinrich Hussel mit 3 Kindern. 2. Ludwig Friedrich mit Frau und 3 Kindern. 3. Johann Henrich Marx, ein geschickter Dreher nnt Frau und 3 Kindern. 4. Kaspar Muller mit Trau und 5 Kindern. 5. Johannes Marx, Schnei- der. mit Frau und 2 Kindern. 6. Johann 3ost □nar? mit seiner Frau. 7. Michel Reuning. ein ochimed mit Frau und 5 Kindern. 8. der hiesige 3äger 3ckes mit Frau und 2 Kindern, 9. 3obS Schäfers Witwe mit 1 Kind. 10. 3ohmm Adam Schottes. Witwer mit 2 Kindern.

Wie nunmehr feststeht, waren sie dem Rufe Friedrichs des Großen gefolgt, weil sie in dem neu eroberten Schlesien eine .bessere Existenz zu finden hofften. Ratürlich mußten sie die weite Reise mit all ihrem Gepäck auf schwierigen Wegen $u Fuß zurucklegen. So kamen sie erst nach vier Monaten, Ende 3urri 1772, in Drieg an 3hre Enttäuschung war groß, als sie statt eingerichteter Wirtschaften wüstes Land erhielten und sich die Siedlung selbst anzulegen hatten. Allein von einer Rückreise in die alte Heimat konnte und durfte feine Rede mehr fern. Die Ansiedler bauten mit Hilfe von Geldern, welche der Ma­gistrat in Dneg vorschoß. Die Wirtschaften stehen heute noch in dem Orte Piastental, ja sogar noch em damals gebautes Haus, tote ein Nachkomme ber einen Familie, ein 80 3ahre alter Lehrer i.2t, mit Barnen Hussel, auSBreslcm berichtet