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Ur. 48 Drittes Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger jur Gderhehen)

Donnerstag, 26. geöruar (925

Freundliche Inseln.

3on 6gon Frriherm von Kapherr. kAachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten. >

Sa Hang, Sumatra, Ende Januar 1925.

Wenn man das 'Rote Meer und die Bay von Aden hinter sich hat und in den indischen 0*8 ean kommt, muh man ein paar Ellande passie­ren. felsige, hohe Inseln, die dem Kap Guarda- hn vorgelagert smd.

Las sind Die beiden tahlcn. nur in den Felsenspatten mit etwas Aloegebüsch bewach- s.'NQii ..Bruder-Inseln", auf den Seekarten .The brother»Islands" benannt, und Sokotra. Man fiept sie von weitern Interessant ist eigentlich nur Sokotra, denn eS ist bewohnt und weist sogar einen Sultan auf. der hier unumschränkt regiert. Von England eine jährliche Rente bezieht und dafür dieBritische Obetcherrtchast" anerkennt theovetisch

Die Insel hat ein kleines Städtchen, glcich- Acitlfl Residenz feiner schwarzbraunen Majestät: y a m r 11 o. Das Städtchen bat ein freundliches Aussehen - von weitem Denn die 5 -6000 «'lamitischen Einwohner der Insel sind Menschen non einer ganz eigenartigen Freundlichkeit: sic find zwar hocherfreut, wenn ein Schiss der Giaurs" strandet, lieben aber keine Besuche.

fanii notfommen. daß Schifsbriichige obci frei- willig hergereiste Gäste in ein Messer fallen oder einem zufällig in der Gegend herumsausen- den Pfeil im Wege find. Wie gesagt das kann vorkommen. Schon manches Schiff hat hier warme Aufnahme gefunden, so Gude bei achtziger Jahre die .Pommern", die hier auf die Klippen lief und deren Mannschaft zum Leif totgcfchlagcn wurde. )um anderen Teil sich in Booten rettete. Auch etn Holländer strandete hier um 1900. Die freundlichen Insulaner sperrten die Mann- fcbaft in ein Zelt und bewachten sie sehr streng. Aber die Sitten waren milhci, als vor einem Dutzend Jahren man fütterte die MvnHeers mit Datteln und Milch Man löschte die Ladung sehr gründlich, erklärte daS Schiff als gute Prise und gab den Holländern eine kleine, alte Dhau. um nach Afrika oder Arabien zu fahren. Borher aber ermahnte man die Mynheers freunblid). aber energisch nie wiederzukommen. Henn Besuche seien unerwünscht. Die Holländer fuhren los. irrten er ne Zeitlang in der arabischen See umher und sanden schließlich Aufnahme auf einem briti­schen Dampfer.

Bor kurze' Zeit erfuhren Franzosen eine ähnlich liebreiche Aufnahme, und einem eng­lischen Schiff ging eS nicht besser. Man liebt keine Gäste aber man mag ganze Schiffs­ladungen gern auf Sokotra. DaS ist verständlich. Fromme Leute schätzen einen .gesegneten Strand".

Ja. war eS denn bis vor kurzem noch in manchem europäischen Winkel viel anders? Ss ist noch gar nicht so lange her höchstens fünszig Jahre . daß in den Kirchen bei Insel Oefcl noch allsonntäglich gute Christen um .ge­segneten Strand" beteten und b.-r Herr Pastor solche christliche Bitte dem lieben Herrgott nnn der Kanzel auS unterbreitete. . . Sokotra ist hen Oeselanci n nur um ein halbes Jahrhundert

Mischa und Mascha.

Russische Skizze

von Willy Zi m in e r m ann-Ss uSlow.Berlin.

Mischa säst in feinem Lehnstuhl, dicht neben dem Fenster Ach. dachte er. gar schön ist doch das Atter Wie ein grostcS Sieb scheint es. Alles, was gelungen und gut war. bleibt darin, und alles was den Kopf verwirrte und das Herz beschwerte, ist durch die Maschen dohin. Man denkt kaum noch daran.

Sie Aussicht, die Mischa von seinem Platz aus auf die Landschaft hatte, konnte mit ihren leuchtenden Farben wirklich dunklere Sorgen- schatten, als fte in Mischas Vergangenheit waren, überstrahlen. Dort der herrliche Schnee auf dem Wolgaeis. ebenso weih, aber viel reichlicher als Mischas in Stirn und Racken hängendes Haar drüben ein buntes Gewirr von Masten und Schornsteinen überwinternder Segler und Damp­fer. und im Hintergründe der schneebedeckte hohe Turm der Astrachaner Börse,- wo Mischa ein Leben lang emsig und mit wechselndem Erfolg feine Kommissionsgeschäfte betrieben hatte.

alles das band Gegenwart und Vergangenheit zu einem Kranze, dessen herbst schöne Blätter sich schmeichelnd itber die Domen der (Erinne­rung legten.

Aber noch etwas anderes webte um Mischas Lebensabend ein breites Band inniger Zufrie­denheit. Das war zunächst die wohlige Wärme in dem Stübchen. Zwar, einen eigenen Ofen halte es nicht, doch lag es dicht neben dem Rguchschacht der Backstube, die das Zimmer aufterbem mit dem lieblichen Geruch srilchge- hndenen Brotes erfüllte.

ilnb dann der Lehnstuhli Richt ein gewöhn­licher war es. wie man ihn in den Ausstellungen der Möbelgeschäfte oder beim Trödler zu sehen bekommt. MttchaS Lehnstuhl war wohl auch mit grünem Plüsch überzogen. In der Lehne lag eine reiche Polsterung, rings mit gelbglänzenden Knöpfen nmnagelt. Aber er stand auf sechs Füstcn und- hatte drei Armlehnen, links und rechts je eine schmale, in der Mitte eine breite, von der eine Riesentroddel hinabhing.

Durch diele sinnreiche Anordnung der Arm­lehnen war der Stuhl in zwei Sitze geteilt. Auf dem zum Fenster gekehrten hatte all die Jahre, die der Lehnstuhl an dieser Stelle stand, Mischa seinen Platz. Reben ihm sah Mascha, Mischas betagte Ehefrau.

Während Mischa ans dem Fenster schaute und die Welt in und um sich wie ein schönes Vild betrachtete, sah Mascha in den Plüsch ge­lehnt. irgendein Buch mit gestreckten Armen

zurückgeblieben und die Sitten sind nur etwa- räuber, dafür aber durchaus herzlich, wie man fiebt. Das Inselvölkchen setzt sich auS etndn kleinen Stamm rassereiner Beduinen der Aristokratie und einem Mischmalch von Ara­bern. Malayen. Portugiesen. Somalinegern und anderen Ganz- und Halbfarbigen zusammen.

An wildlebenden Tieren gibt es Möiven, Sturmvögel. Zibethkatzen. Ratten. Skorpione, Giftspinnen und giftige Taulendfüßler - die Fauna ist also grösttenteils ebenso lieblich wie die Menschen Sokotras An Haustieren und halbzahmetn Getier gibt es kleine Kamele, Schafe. Ziegen, Katzen. Hühner und ein paar Rinder

Fischfang und Handel sind die Hauptbe-' schäftigungen der Sokotraer. Ihre Dtzaus fahren bis Indien und Ceylon einerseits und bis Sansibar und Madagaskar andererseits. Die Dhaus. die wir aus nächster Rahe sahen, sind ziemlich groß. haben lateinische Segel, weisen achtem einen hohen Ausbau zum Wohnen auf und besitzen vom einen spitzen Schnabel. Ge- handelt wird mit Aloe, einem Rutzhoiz und Ambra, eingetauscht werden Hirse. Reis, Kaffee, Datteln und andere Produkte.

Das ist das freundliche Sokotra

Im Indischen Ozean zwilchen Sokrota und Ceylon liegen viele Inselchen in zwei Hauptgruppen die Malediven und die Lakediven. Zwischen beiden Gruppen liegt die Insel Minikor. Während die Sotatra- Infel ein hohes Land vulkanischer Herkunft ist. bestehen die Malediven und Lakediven aus Ko- rallen-Atollen. Sie ragen nur 1,5 bis 2 Meter über den Meeresspiegel und sind von Taufenden kleiner und großer Risse umgeben Siele Atolle und Risse sind in ständigem Wachsen, so dah wenn nicht Unvorhergesehenes dazwischen kommt, mit der Zeit ein grostes Inselland entstehen wird. Meist find Riffe und Atolle Halbkreis- oder auch kreisförmig und weifen in der Mitte eine Lagune auf. die mitunter eine gute Einfahrt hat und al« Hafen benutzbar ist. Fast alle Infein find mit Kokos- und Seychellenpalmen bewachsen. Die Bäume sind recht hoch und geben gute Ernten, die aber mitunter durch die zahlreichen, auf den Palmen lebenden Ratten beeinträchtigt werden sollen. Alle gröberen Inseln find bewohnt: die Bevölkerung ist zahlreich. Die Inseln stehen unter britischem Schutz, ein Teil der Lakediven gehört zu den Apanagen des indischenBibi" von Kan- nanur. Auf Groh-Male ist ein Sultan, der sich auch Soldaten hält.

Sie Eingeborenen ein Singhalefenstamm mit arabischem Einschlag - sind sehr gutartig, gastfreundlich und gegen Schiffbrüchige hilfreich Gin hübscher Menschenschlag. Fleißig sind die Insulaner gerade nicht. Aber sie sind gute See­leute und haben auch mehrere Schifserschulen, in denen der Gebrauch moderner Instrumente ge­lernt wird. Der Fischreichtum ist sehr Droh die Fischerei ist daher ergiebig. Cs wird viel Heimarbeit gefeiftcl; Eisenbearbeitung. Matten­weberei und Korbflechterei. Die Männer find tüchtige Bootsbauer. Die Produkte der In- fcln Kokosnüsse. Kokosfasern. Palmzucker. Ben-

weit von sich haltend, aber so, dah die rechte Hand auf der breiten Mittellehne eine Stühe fand.

Hierdurch war Maschas Oberkörper ein we­nig gegen Mischa geneigt, ilnb das hatte noch einen besonderen Grund. Denn früher, als Mischa auf dem linken Auge noch nicht blind war. hatten sie oft beide zusammen in das Buch geschaut, und die Köpfe waren dicht bei­einander. Wenn dann Mascha irgend etwas nicht verstand, nruhte Mischa erklären, und hatten sie« beide gut verstanden, so plauderten sie wohl noch ein Weilchen über dieses und jenes, was im Buche stand.

Das war nun auch vorbei Denn wie Mischa lauf dem linken Auge nichts sehen konnte, so war Mascha auf dem rechten Ohr fast taub. Eine Zeitlang versuchte es Mischa mit lautem Sprechen, immer dichter brachte ec seinen Mund an Maschas Ohr. Sa aber das Hinüberneigen für längere Unterhaltungen recht beschwerlich war. setzte sich Mischa aufrecht und las in dem Buch feiner schönen Erinnerungen, während Mascha still für sich die gedruckten Blätter wendete.

So war es auch, als Rlischa im Anblick der glitzernden Schneelandschaft das Atter mit einem Sieb verglich, worin feine Welt wie ein Berg reifer Weizenkörner erglänzte. Und fo tief hatte sich der Alte in sein Wohlempfinden gesenkt, dah er Maschas taube# Ohr vergast.

3a, ja, Mascha, wie ein Sieb", sagte Mischa laut.Wie ein Sieb."

Da Mascha nichts antwortete, stieß Mischa sie mit dem Ellbogen leicht an und wiederholte mit lauter Stimme

Wie ein Sieb ist das Alter, meine ich. Was weh getan hat, fällt hindurch, was gut war, bleibt darin."

Aber Mascha hatte noch nicht verstanden. Eie drehte den Kopf ganz herüber, legte den Buchdeckel aufs Knie und hielt die Hand gegen das Ohr.

Was ist das für ein Sieb? fragte sie.

-Es ist gar kein Sieb", rief Mischa unwillig.

Habe mir nur etwas gedacht"

Dabei setzte er sich wieder aufrecht und blickte verdrossen durch das Fenster. Ihm war, als schimmere bcr_ Schnee da drauhen nicht mehr so rein, als läge in seinem Sieb irgend etwas Unangenehmes, was grötzer als die Menschen­weite war.

Rach einer Weile begann Mascha zu buch­stabieren. Eie setzte den Finger auf die Schrift, wiederholte das Wort laut unb lauter und stiest endlich ihren Mischa leicht mit dem Ellen­bogen an.

dia. Kaurimuschcln und Schttdparr werden u»ch Indien gebracht. Reis und andere Aaßrrmgs. mittel müssen meist importiert werden. An wild­lebenden Tieren gibt es bloß Seevögcl und Ratten auf den Inseln, an Haustieren Ziegen, Katzen. Hühner.

Tjan nennt diese InsulanerWilde . Welch' europäischer Größenwahn!

Ich habe auf meinen vielen Reifen die Beob­achtung gemacht, dah es unter ..Europäern" min­destens ebenlotüele ..Wilde" gibt wie unter Asiaten und Schwarzen. In Sibirien stellte ich fest, dah bie Tataren kulturell am höchsten standen. Und im Horben fand ich, dah unter den Ostfalen, Tungusen. Wogulen und Syrjänen lehr wenig Wilde" zu finden waren unter den Rusien aber sehr, lehr viele' Ich habe auch im eigentlichen Rustland viele Wilde" gefunden, und auch in Moskau ist ihrer Legion, ilnb ich möchte meinen, bah biefe bescheidenen. hübfchen unb schüchternen singhalesischen Seeleute, Lotsen und Fischer viel weniger alsWilde" zu be­zeichnen sind als so mancher Mensch in unterem lieben Daterlande. dem der Gebrauch der Zahn­bürste unbekannt Seife überflüssiger Lurus ist. der die Tunke mit dem Messer vom Teller löffelt und eben dieses Messer beim Essen durch die Zähne zieht . . .

Richtige Wilde aber gibt es auf den Coco-Inseln und vor allen Dingen - - auf den Andamanen und Ri ko baren. Sie wifsen nichts von maledivischer Freundlichkeit gegen Fremde, sie eifern dagegen den Sokotraern nach unb übertreffen diele noch erheblich in einer besonderen Art von Gast- unb Menschenfreund­lichkeit Auf diesen vulkanischen Inseln den Spitzen eines versunkenen Gebirges, der Fort­setzung des Aralan-KammeS von Hinterindien, früher die Berbindung mit dem Fest lande leben int südlichen Teile hellhäutige Malaven- raffen, im nördlichen ein paar schwarzbraune Ur- rassen. die im allmählichen Aussterben sind. Es ist nicht schade um diese boshaften, hinterlistig­feigen Menschen Die Raffen stehen auf ganz niederer Kulturstufe. Eine Körpergröste von über 1,50 Meter ist feiten, gewöhnlich hält sich das Mast unter anderthalb Metern. Schiffbrüchige werden fast stets auSgeraubt unb find immer in Lebensgefahr. Die englisch-indische Kolonie in Port Blair hat 15 000 Einwohner, einschließlich der Sträflinge, bie viel Lanb urbar gemacht haben. CS gibt Tabak- und Reisplantagen. - Der Export besteht aus Kopra, Palmzucker. Muscheln unb dem wertvollen Manori-Holz, auch gibt es Perlen und Edelsteine. Die Inseln weisen viele Sümpfe und Dschungeln auf und haben daher ein schlechtes Klima. Fast alle Eilande sind reich bewaldet, mehrere von ihnen bergen Büffel, wilde Schweine, viele Schnepfen unb Tauben, so dah die Jagd lohnend ist.

Aber sie ist mitunter unbekömmlich Mancher Jäger kam. statt mit Beute, mit Malaria heim oder mit Pfeilwunden, ilnb mancher blieb im Dusch unb Dschungel den Speer im Herzen.

Wir haben absolut keine Lust, hier auf die Jagd zu gehen.

Sieh hier", sagte sie. ,.WaS ist das?"

Mischa saft noch aufrecht, beugte sich dann abei nach links. Da ihm daS linke Auge blind war. muhte er den Kopf weit herum drehen. Auch fand er nicht gleich die richtige Stelle, da Maschas Finger beim Anstößen mit dem Ellenbogen verrutscht war.

..Was ist es denn?" fragte Alascha gereizt. Hast du's noch nicht gefunden?

..Genug Worte stehen auf dem Blatt", meinte Mischa ärgerlich.Soll ich dir alle vorlesen?"

Diesmal hatte Mascha gut verstanden. Sie hatte sogar den Groll auS Mischas Worten gehört.

Laß es fein", sagte sie beleidigt.

Mischa setzte sich wieder aufrecht zurück. Was sind das nur für dunkle Wolken am Himmel, dachte er. und ist doch Schnee in ihnen, ilnb die Wolga sieht aus, als wolle es Sau« Wetter geben. Auch ist's gar nicht so warm wie sonst, und der Sih drückt so hart, als läge ein Pub Buchweizen darin.

Richt lange dauerte es. als Mischa das Läuten eines nahenden Schlittens vernahm. Den Kops legte er dicht ans Fenster. Da sah Mischa in einem Schlitten den Polizeikommissar. Er fast nicht, er lag mit zurückgefallenem Kopf unter der Decke und war betrunken. Ser Kutscher hieb tüchtig auf die Pferde ein.

..Mascha, Mascha, schnell, sieh nur hin, ries Mischa,wie er seinen Schnapshauch durch die Stadt klingelt."

Mascha rührte sich nicht.

Hastig griff Mischa ihren Arm. Er zog sie gegen bas Fenster

Aber so eile bich doch", sagte Mischa her­risch.Siehst du ihn?

Wohl suchte Mascha die Straße ab, es war jedoch nichts mehr zu sehen.

Es ist vorbei", sagte Mischa erbost. .Was siebst bu im Stuhl wie eine Ressel im Schafs­pelz!

Aufrecht fast Mischa in feinem Seifet. Sie glatte Schneebahn, über bie der Schlitten des unpäßlichen Polizeikommisiars gejagt war. kam ihm grau in grau wie eine verichlammte Lanb- straße vor.

Lange sprach keines ein Wort Da hob Mascha (gjigfam den Kopf Dicht beim Rauch, schacht, ba, wo die Dielen von der Mauerede einen kleinen Spalt offen ließen, saß ein Mäus­chen. bas sich bald mit der einen, bald mit ber anderen Vorderpfote die Schnurrhärchen strich.

Mascha wollte ihren Mischa gern zum Teil­haber dieses ergötzlic^n Schauspiels machen. Des­halb drückte sie ihren Ellenbogen sanft in Mi

Ans der Provinz.

Landkreis (kieken.

.1 Wicseck. 25 Fedr. Am Montag fand die vom Kreisbauamt ausgeschriebene Berge bu ngderArbelten zum Innenausbau eines von der Gemeinde zu errichtenden Doppel- wohnbauseS statt Saa hierbei erzielte Er gebniS Dürfte das Interefle der weitesten Streife erregen unb soll deshalb hier mitgetcili weiden mit dem Bemerken, da st die zuerst genannten vtablen da« Höchstgebot, die zuletzt genannten Zahlen ba« abgegebene niederste Angebot bc- deuten Deistbi

2725.80 Mk. Glaferarbeiten 1352.50 Mk. bzw 1005 Mk.. Schi einerarbeiten 6771 Mk. bzw. 3884 Mark. Wafserleitungsarbeiten 943 Mk. bzw. 31. Mark, elektrische Inftallattonsarbeiten 244 Mk bzw 117 Mk. i5<blo1fciarbeiten 837 Mk bzw 388 Mk Wurde bie Gemeinde die Arbeiten nach den Höchstgeboten auofübren lasten so muhte sie hierfür 14 745.80 Mk. au«geben, während sic an die Wenigstnekimenben für dieselben Arbeiten nur 8432,80 Mk zu zahlen braucht, also die gan« respektable Summe von 6313 Ml spart Dies gibt fast den Innenausbau Ines weiteren solchen Haufe« Leider hat eine lösche Angelegenheit aber auch eine recht ernste Seite, denn der un gebeuerliche iliitcrfd)ieb bei einem so Verhältnis mäßig ,Jemen Objekt zeigt deutlich daß entwedei

Submission-Wesen refom » bin tig ist. nNn aber, daß manche Streife bei beendigen Berech nungen gelinde auSgedrüctt sich zu Werke gehen.

k. A 11 e n b o r f a. b. ß u m b o. 25 Febe Am 28 Februar feiert unfci Mitbürger Heinrich Äricb III. mit feiner Ehefrau einer geborenen Riedelei. bas Fest der goldenen Hochzeit. Beide erfreuen sich noch geistiger unb körper sicher Rüstigleit Der Jubilar ist Beteran von 1870 71 42 Jahre diente er ber Etadl Allen bprf als Rachtwächter, unb er versah dieses schwierige Amt mit außerordentlicher Treue und Gewistenhastigkeit Möge hem Jubelpaare noch ein langer gemeinsamer Lebensabend beschiede» fein

Odenhausen, 25 'flebr. Bei der gcftri> gen Holzsubmission traten folgende Höchst geböte zutage: Kiesernstämme 2. ÄL 42.2=* Mk 3 Kl. 38,25 Mk . 1 Kl 27,25 Mk., 5. Kl 19,10 Mk, Fichtenstämme 2 . 3 , 4.» 5a und 5b Klasse 33,85 Akk, Eichenstämme 2. Kl 72,60 Mk. 3. Kl. 62.25 Mk, I Kl 31,25 Mk je Festnieter

t Stangenrod. 24. Fedr Bei der gestri gen Holzsubmi ssion wurde das Fichten- Bauholz für 31,70 Mk.. bas Kiefern-Bauholz für 21,17 Mk. je Fstm ber Firma Ludwig 2lfs III in üuedborn zugeteilt. Das Grubenholz (Kiefern) erhielt bie Gewerkschaft Luise in Rieder Ohmen für 20 Mk, bas Papierholz erstand Wtth Schmidt in Atzenhain für 16 Mk. je Fstm

i G r ü n b e r g. 24 Febr Gestern abend sand in der hiesigen Stadtkirche die Dorsiihrung dos Bethel-Films statt. Die Kirche war recht gut besetzt. Rach einigen Eingangsworten, in denen Diakon Deubel seiner Freude über den guten Besuch AuSdrud gab. wurde ber dritte

fchas Arm. Da aber das blinde Auge eine weite Drehung des Kopfes beanspruchte, toomb wiederum eine Verschiebung des ganzen Kör- perS verbunden war. ließ der Lehnstuhl ein lautes Knarren vernehmen imb schwupp, war das Mäuschen fort.

Ungeschick," sagte Mascha lieblos. ,waS wälzt bu dich wie ein trunkener Knecht."

»Hab ich dich damit gestört?" fragte Mischa laut.

..Mich nicht, aber das Mäuschen, das sich ba am Rauchschacht geputzt hat.

Ah sieh, ein Mäuschen", meinte Mischa eintenlenb.Sann werden wir heute noch schwär zen Besuch haben."

Wer sollte zu uns kommen?"

Mischa hatte recht. Richt lange bauerte c8 unb der Pope trat ins Zimmer, der die beiden Alten schon seit längerer Zeit nicht ausgesucht hatte.

Rach seinem frommen Ginh setzte er sich ihnen gegenüber und begann mit ihnen zu plau dem Wie es gehe, ob sie auch daS Beste nicht vergessen hätten, ob sie sich ganz zu­frieden fühlten?"

Mischa hüstelte verlegen mit schrägem Blick auf Mascha.

Zufrieden, zufrieden, Bälerchcn?" sagte er. Hab auch gedacht, ich tonnte ganz zufrieden fein. Da seht bu dich breit in den Stuhl unb denkst: jetzt ist alles gut, und wie du'S noch benkst. ist schon etwas quer unb ärgert dich."

Das siehst bu nur so schief, Mischa", faglf ber Pope.Rück s grabe, und es gefällt btt."

Wie kann ich rüden, was der Herrgott eingemauert hat", meinte Mischa mißmutig.Ein blinde« Auge hab ich. Was sie mir zeigt, kann ich nicht sehen, oder ich drehe mir den Hals ab. ilnb sie hat ein taubes Ohr, grab zu meiner Seite her. Sa ist nichts zu rüden, Väterchen. Es bleibt so.

Du irrst. Mischa", sagte bet Pope lächelnd. Komm, setz bich einmal an Maschas Platz und du. Mascha, geh ans Fenster. Wie ist eS jetzt? Könnt ihr nicht wieder zusammen in eurem Buch lesen? Hast bu nicht MalchaS gesundes Ohr zu dir? Grade haben wir's gerüdt, und nun gefällt'« euch. Sieh, Mischa, es gibt im Leben nichts Schiefe«, was man nicht wieder grabe rüden könnte."

Recht hat er", sagte Mischa nach des Popen Fortgang.(Sin Sieb ist das Alter. Sa« Gute ist darin, das Schlechte ist burchgefallen. ilnk bleibt doch etwas zurück, was dir nicht gefällt so rüttle es nur ordentlich, bis alles klar ist.'

Zum erstenmal nach langer Zeit fand Masche ein freundliches Lächeln der Zustimmung.

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