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klr. H8 Zweites Blatt Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhefsen) oonnerstag, rv. tzeoruar
Das Schulgeld der höheren Schulen in Hessen. Don Obcrstudiendireklor Dr. Otto Keller, M. d. L. Düdingeii.
SS mag seltsam erscheinen, dah eine 3eU und eine Staatsform, die die volle Gleichberechtigung aller Staatsbürger zum Grundsatz erhoben haben und gar nicht oft genug betonen können bah jede Bevorzugung der Denhendcrn der Vergangenheit angehöre, in Wirklichkeit so häufig gerade das Gegenteil des Srstrebten erreicht haben. 21 m betrüblichsten tritt diese De- 1 obuchtung in Hellen vielleicht auf dem Gebiete der Iugendausblldung zu Tage. Während das Schlagwort von der „Freien Bahn des Tüchtigen" auf allen Wahlversammlungen widerhallt und der § 1445 der Reichsverfassung ausdrücklich festgclegt, dah für die Ausnahme eine« Kindes in eine bestimmte Schule nicht die wirtschaftliche und grill christliche Lage der Eltern maßgebend sein soll, dah vielmehr öffentliche Mittel bereitzustellen sind für den Zugang Minderbemittelter I zu den höheren Schulen, laufen die Bestimmungen des Heslilchen Landesamtes für das Blldungs- wesen je länger, je mehr auf eine A u s s ch l t e- hung ärmerer Kreise von diesen Bildungsstätten hinaus. Am Anfänge des Schuljahres entsprach unser Schulgeld mit monatlich 10 Mk. ungefähr dem der Vorkriegszeit von 130 Mk jährlich: man wird aber sicher behaupten können, dah bei der allgemeinen Dolks- vcrarmung schon dieser Sah viel drückender emp- hinten wurde als damals. Am 1. August hielt inan dann eine Erhöhung auf 12,50 Mk und am 1. Januar gar auf 15 Mk. monatlich für angemessen, obgleich die Wirtschaftslage ter überwiegenden VcvölkerungSmasse sich seit Jahresfrist schwerlich gebessert hat. Damit ist annähernd das P/2 fache Schulgeld des „unsozialen" Obrigkeitsstaates erreicht unö die Grenze zweifellos überschritten, die für diejenigen Eltern erträglich ist, denen gründliche Bildung alS ter rinzta für sie noch mögliche, aber gleichzeitig auch ils der unumgänglich notwendige Aachlah für ihre Kinder am Herzen liegt. Dah ter genannt« Betrag sich für Schüler, die das Unglück haben, jenseftS der hessischen Grenzpsähle zu wohnen, noch um 3,50 Mk erhöht, sei nur nebenbei erwähnt — alS Trost für die, denen nach der Srzbergerschen Finanzreform der deutsche Uni- larismus zu wett getrieben erscheint.
Sin Verteidiger deS derzeitigen ZuftanteS 3>trt> vielleicht auf die Erleichterungen Hinweisen, die für Geschwister geschaffen und die aller- Tnngts recht ansehnlich sind, wenn 5 oder gar 6 Bruder und Schwestern gleichzeitig in Schul» «auSbildung sich beftnten". 2lber wievielen wird 2enn diese Vergünstigung zuteil? Don den 313 Diesjährigen Besuchern des mir unterstelllen «Gymnasiums kam ein einziger für den zweit- «tcdrlgsten Sah (6,50 Mk.) in Betracht (4 Ge- ßchwister in Volks- und Fachschule), keiner für Den niedrigsten (4 Mk.)! Dagegen zahlten 40Proz. Den vollen, weitere 38 Proz. ten zweiten (13 Mk.), 16 Proz. ten dritten Sah (11 Mk.), und bis hierein ist keine wesentliche Aenderung in ter Herab- flaffelung gegenüber früher wahrzunehmen. Im Durchschnitt liefert jeder Schüler monatlich 13L0 Mark ab, .der Dicht Hesse etwas über 16 Mark. Fünf und noch mehr Kinder in Schulausbildung find eben eine AuSnahmeerscheinung, Lvell selbst in den kinderreichsten Familien nicht atlc Spröhlinge gleichzeitig Schulgänger sind: die „sozialen" Ermäßigungen stehen demnach in i hren bestechendsten Staffeln lediglich auf dem 'Papier, und die Bemessung der Freistellen mft f) Proz. (gegenüber 5 Proz. früher) ist zwar dankenswert, wiegt ater keineswegs die Gesamt- Verschlechterung auf.
2lun wird die höhere Schule von den Angehörigen der äußersten Linken gern al« 0 t a n - t»e« s'ch u le bezeichnet, und man vertritt dort tmelleicht ten Slandvunft, für solche Anstalten könnten die Schulgcldsähe gar nicht hoch genug Mn. Wie steht es eigentlich in Wahrheit mit tarier Behauptung? An ihr ist höchstens da« i'chtig, dah Kinder von Lohnarbeitern tatsächlich in der höheren Schule selten zu finden sind. Wir Ochrer bedauern das sehr, sehen aber die Ursache ir erster Linie nicht in ten wirtschaftlichen Verhältnissen — denn mancher Arbeiter verdient weit nrcbr al« ein Teil ter Eltern unserer Schüler —, Irnbcrn darin, dah man in Gewerkschaftskreisen ten Wert gründlicher und vielseitiger Bildung «ich nicht in dem Matze schätzen gelernt hat wie salbst in den ärmsten Schichten des deutschen Mittelstandes, älnb hier im übrigen das ®rgeb
ot« einer Zusammenstellung ber Täler (einschließlich ter verstorbenen) meiner Gymnasiasten: 3 Fabrikanten. 63 Kaufleute (darunter Buchhalter. Bei sende und ähnliche .Krösusse"), 43 Landwirte und Pächter, 5 Gast- toirte, 22 Handwerker. 31 freie Berufe, wie Aerzte, Rechtsanwälte usw., 7 Arbeiter. Weiter 139 Beamte und ehemalige Offiziere. Darunter z.D. 22 Pfarrer. 25 VolkSschullehrer. 28 Post- und Dahnbeamte (vom Vorsteher kleiner Aemler bis zum Schaffner), 11 Gendarmen und 3 Förster. Wo sind da die St andeSpersonen, wo diegrotzen Geldbeutel? Ich finde nur Eltern, die nach bester Ueberlicfcrung ihres Standes oder auch nach vollständigster unb lotenswürdigster Ucterlegung schwere Opfer für ihre Ämter bringen, und denen ter Staat unbesorgt zwar diese Opfer aufbürten kann, ohne befürchten zu müssen, dah sie ihre Söhne und Töchter aus ter Schule nehmen, solange sie einen Pfennig besitzen: denen er sie ater nicht aufbütoen darf, wofern er ten Ehrentitel eines sozialen Gemeinwesens mit Recht führen wlll. 11 nb mutz ich in diesem 3u1ammenbang noch daraus Hinweisen, dah die Zahl ter Waisen (nicht Kriegswaisen) ter ber Freistellen gleichsteht?
Es gab eine Zeit, In ter Hessen sich gern und mit gutem Grunde rühmte, im Bildungswesen im Deutschen Reiche führend zu fein. Ob da« heute noch in allen Stücken zutrifft, sei dahingestellt: sicher aber ist, bau wir im Schulgelde bie Spitze halten, wa« früher nicht ter Fall war. Auch dafür eine Zusammenstellung, und zwar des Jahresschulgeldes, wie c« heute gilt: Baten 84 Mk., ‘Sägern 54 Mk., Braunschweig 96 Mk., Mecklenburg und Preuhen 120 Mk., Thüringen 90 Mk., Oterllassen 120 Mk, Württemberg je nach Altersstufe 48 Mk., 75 Mk. und 90 Mk. Hessen dagegen 180 Mk.I Vergünstigungen für Geschwister gibt c« überall; sie gehen z. D. in Preußen nicht ganz so weit wie bei un«, in Braunschweig, Mecklenburg und Daten ater viel weiter, intern dort das 3., bzw. 4. Kind schulgelbfrei ist. Thüringen erlaubt Freistellen bis zu einem Drittel de« ®e- samtschulgeltertragS. Kurzum: uns« Führer- ftcllung ist unbestritten, aber rühmlich erscheint sie mir wahrlich nicht.
Womit unser LandeSamt für BildunaSwesen. ober sagen wir ruhig gleich, womit unser Finanzminister die bestehenden Bestimmungen zu recht fertigen versuchen wird, ist ja llar; eS sollen Staatseinnahmen geschaften werten. Ich bin der letzte, der die mihliche Lage, in ter sich unser Staatswesen tefintet, verkennt, und die Schwierigkeit, Ausgaben und Einnahmen im Gleichgewichte zu halten. Ist ater damit eine Steuer auf Kinderbesitzer und auf BildungSwillen gerechtfertigt? Und bringt sie in ter Tat derartige Betrage ein, dah das glänzende Ergebnis dieSündewider Zeitgeist und Volks st aat decken könnte? Ich glaube, die Frage stellen, heiht sie auch beantworten, und ich kann mir nicht denken, dah die zweimalige Schulgelterhöhung Im Rechnungsjahr 1924 auch bann zur Tat geworben wäre, wenn sie statt durch eine einfache Verwalt ungsrnahnahme, etwa durch Dolkskammer- beschlutz^ zur Einführung hätte kommen sollen.
Nach den Wahlen in Jugoslawien.
Don unserem Kr.-Korrespontenttn.
Abdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Wien, 14. Februar 1925.
DaS Wahlergebnis liegt im Drohen abgeschlossen vor; daran werden auch Heinere Korrekturen nichts ändern.
Die Regierungsparteien erhielten mit 162 Mandaten die absolute Mazori- tä l, die Opposition umschlieht 144 Mandate; 10 Mandate, und zwar 6 der „Deutschen Partei" und 4 des serb. Bauernbundes können als .neutral" angesehen werten — das ist daS Ergebnis, wie eS sich oberflächlich darftellt.
Geht man auf die einzelnen Parteien ein, so erstartten die Altradckalen PasitschS von 108 auf 141 Skuptschina-Mitglieder — vor allem auf Kosten ter sogenannten kleinen Parteien, von denen jene, die mit ten All radikalen „kooperierten" in die Standardpartei auf gingen; zu ten .kooperierenden Parteien" gehörten die „Grohferten" in Mazedonien, ter Doyvodina und Bosnien, die Rumänen im Banat, Seile ter mazedonischen Bauernpartei sowie der katholisch-slowakischen Partei ter „Bunjeracen" m ter Doyvodina. Sie
oppositionellen Teile dieser kleinen Parteien, auf die sich die Stohkraft ber Ältrabckalen wart, wurden auf gerieten, so ist vor allem ter moslemische Bauernbund Mazedonien«, Dzemijet, zu nennen, ter von 14 auf 1 Mandat sank. Bezeichnend ist, dah die Liste des kroatifch-allrabikalen Ministers Surmin in Agram nicht ganz 350 abgegebene Stimmen erhielt. 3m allgemeinen muh gesagt fein, dah die allradikale Partei recht günstig ab- geschnitten bat Diese kann jedoch keineswegs im gleichen Mähe von der zweiten Regierungspartei, Den Pribitschewitsch-Demokraten behauptet inerten. Die nur eine Zunahme um 6 Mandate (nunmehr 21) aufweifen; diese über ten ganzen Staat verteilte, serbischer als die Serben emgefteÜte Gruppe, besitzt eben eigentlich nirgends Doden- flänbigfeit — hierin ist ter Grund für bie gc- geringe Anziehungskraft zu finden, bie besonders zu verzeichnen ist. weil es sich doch um eine .Regierungspartei" hantelt.
Don ten OppofitionSparteien haben am testen die David»witsch-Demokraten abgeschnitien. die trotz Einschränkung ihrer bemerkenswerten Agitationstätigkeit einen Zuwachs um 3 Mandate (nunmehr 39) aufzeigen.
Die Konsequenz und Redlichkeit, mit ter Davids witsch seine Thesen der Stammesversöhnung propagierte, zeigten somit entschieden Zugkraft, die einen Fingerzeig für bie künftige Wirksamkeit ter Partei abgeten. Hervorzuheben ist auch die slowenische DolkSpariei teS Pater Korosec, die mit dem Wahlausgang trotz geringfügiger Derminterung der ManöatSzahl von 24 auf 19 mit dem Ergebnis zufrieden fein kann, zumal sie in ter slowenischen Parteizersplitterung (eS kandidierten 10 selbständige slowenische Gruppen) alS heimatliche Standardpartei auftrat, der es zum erstenmal seit Menschengetenken gelang, die Hochburg des Liberalismus, die Stadt Lcnoach. zu erobern. Don ter Raditsch-Pariei, die im Verein mit ter „kroatischen Vereinigung" ihre Gesamtzahl von 68 Mandaten erhalten konnte, ist zu bemerken, dah sie die nicht unbeträchtlichen Rückgänge in Kroatien selbst durch Gewinne in Slowenien. Bosnien und Dalmatien ausgllch — in allen diesen Staatstellen allerdings auf Kosten ter .befreundeten" Parteien des engeren Oppositionsblocks. Auher diesen sogenannten großen Gruppen ist noch bemerkenswert, dah die Sozialisten überhaupt kein Mandat errangen, dah die grvhösterreichische „kroatische Rechtspartei" nicht nur (wie bisher) fein Mandat gewann, sondern einen Stimmenverlust von 4000 Wählern erlitt, so dah die Gesamtstimmenzahl, die im ganzen Staatsgebiet für diese Partei abgegeben wurde, nicht ganz den Sintausenter au«- füllte. Die „Deutsche Partei" verlor zwei Mandate. wofür die Gründe im Banat zu suchen sind, dessen deutsches Sprachgebiet im Gegensatz zur fallweise opposllionellen Parteiführung seine wirt- schafllichen und kulturellen Belange sicherer im Regierungslager gewahrt erblickte und daher vielfach altradikal wählte. Ebenso wie diese regierungsfreundlichen Banater Schwaben fanden Teile der Magyaren, dah die irretentistische Ta.tll ihrer eigenen Stammespartei unrichtig wäre, weshalb von 40 000 ungarischen Wählern etwa 35 030 für die Davidowitsch-Demokraten und nur 5000 für bie Stammespartei abstimmten, bie daher man- batSloS blieb.
3m groben hat sonach die Regierung Pa - sitsch-Pribitschewitsch den Erfolg erreicht; doch bah dieser nicht durchschlagend ist. dah sogar die Majorität vielfach sich als zu geringfügig erweisen wird, um das grobe Problem ber StammeSassimilierung zu lösen, das muh stark unterstrichen werden; mit ber Majorität von bestenfalls 18, schlimmstenfalls 8 Stimmen, läht sich zur Rot regieren, aber nicht herrschen — und letzteres war das erklärte Wahlziel.
Und aus dieser Feststellung ergeben sich alle toeiteren Fragen, welche Taktik bie serbische Standarbpartci. die Allrabllalen, einschlagen werden. Dor allem wird erwogen werden, wie sich die Regierung Pasitsch-Pribitschewitsch zu den Raditsch-Mandaten stellt. Gewih besteht dieMög- lichkell von Richwerifizierungen, doch werben diese wohl nur für jene Mandate in Frage kommen, die von verhafteten Führern ter Raditsch- partei besetzt sind; da diesen „annuriierten“ Persönlichkellen jedoch andere Parteileute au:omatisch nachrücken, so ergibt dies feine grunblcgmte Veränderung ter Derhällniszahlen. Gewiy wird die Pribitschewitsch-Gruppe Vorschlägen, in Anwendung ter „Obznana" alle Radllschmandate zu annullieren und in ganz Kroatien allgemein konkurrenzmögliche .Rachwahlen" vvrzunehmen — doch steht kaum zu erwarten, dah sich die Alt- radllalen von ter wirklich wenig günstig abge- schnllten habenden Pribitschewitsch-Gruppe inS
Schlepptau nehmen lassen; da« würde ter alt- radikalen Linie widersprechen, die sie anlählich ter Beschickung ter Skuptschina durch die Ra- ditfch-Partei im März 1924 eingebaltcn haben, die sie alS Triumph ter Staatsitee empfanden. Da sich aber auch ter .engere Opposition-block' kaum inS Schlepptau jener Vorschläge aus dem Radllschlaaer nehmen lassen wird, die auf .Don- krtt ber Skuptschina durch die getarnte Opposition" eingestellt sind, so werten beite Seife am Boden ter Tatsachen stehen müssen — und hierin ist bie weitere Entwicklung zu ersehen, die in einer Annäherung der zum enaeren Block gehörenden Oppositionsparteien und oen All radikalen besteht. von denen ein nicht kleiner Flügel unter dem hochangesehenen Vizepräsidenten ter Partei und Präsidenten ter Skuptschina Jovanovic auf eine „Verständigung" binMclt; wieweit sich Pa- sitsch geneigt zeigt, die Führung der Paetei auf jüngere Kräfte übergehen zu lassen. Sie ihre serbische Einstellung bereits einer jugoslawischen StaatSaufsassung untergeordnet haben, bleibe dahingestellt — gegen das Placet Palitschs fällt in der altradikalen Partei keine Entscheidung! Dah die DerständigungSaftton JovanovicS aber bestimmt die PribftschewUsch-Demokicuen au« der Teilnahme an ter Regierung ausbooten mürbe, da eine gemeinsame Arbeit b efer mit dem engeren Oppositionsblock ausgeschlossen erscheint — das steht heute bereits ganz fest.
Alle diesen Fragen werden sich bis zum Zusammentritt ter neuen Skuptschina (Mitte März) im Stadium ter Erörterung befinden und bann in einer Regierungskrise gipfeln, die bann entscheiden wirb, ob die Wahlper.ode mit einem Kabinett Pasitsch-Pribitschewitsch ober Jovanovic- Davidowitsch endigt; es ist fein Zweitel, bah letztere Kombination, bie irgenbcinmal kommen muh. je eher desto günstiger für Jugoslawiens Innenpolitik wirken würde. Pafit sch hat für seine serbische Heimat soviel geleistet. dah er bestimmt ten groben Gründern nationaler Staaten teS 19. Jahrhunderts gleichzustellen ist — aber Pafitfch steht im 85. Lebensjahr, und dieses begrenzt sein Verständnis für die neuen Aufgaben, die durch sein LebenSwerk spruchreif wurden.
Wirtschaft.
Der Vcrmögensschwund bei den Rcichsbctrieben.
Sonderbarerweise hat sich noch keiner bet zahlreichen Untersuchungsausschüsse, die zur Aufdeckung der vielen Finanzskandale eingesetzt worden sind, mit dem bei sämtlichen Reichsbetrieben zu beobachtenden Dermögensschwund be aht. Dabei hätte eine Untersuchung auch über diese Vorgänge sehr nahegelegen, da die dahingcschwun- denen Summen unglaublich hohe Beträge darstellen. und da ter jetzt aus ter Politll verschwundene frühere Reichskanzler und Rcichs- schatzminister Bauer bei den Retchsbetrieben führend tätig war bzw. es noch ist.
Die Spitzengesellschaft sämtlicher Reichste« triebe bilden die „Vereinigten Jndustrieunter- nehmungen A.-G." (Viag). Rach der letzten Bilanz sind die in diese Gesellschaft eingebrachten gesamten Beteiligungen, d. h. der Wert aller dem Reich gehörenden und von ihm betriebenen Unternehmungen, mit knapp 115 Mill. Mark bewertet. Dabei wurden im Jahre 1919, alS eine Reihe ter damaligen staatlichen Betriebe zu den „Deutschen Werken" vereinigt wurde, allein die Werte dieses einen Unternehmens der Viag mit insgesamt 300—400 Mill. Goldmark von sachverständiger Sette veranschlagt; diese Schätzung erscheint durchaus glaubhaft, da allein die Spandauer Filiale der „Deutschen Werke" an Grund und Boden umfangreicher ist als die Betriebe ter AEG., der Siemens-Dchuckert-Werke und der Bergmann-Elektrizitätswerke zusammengenommen. und da allein die Vorräte und Materialien dieses Spandauer Betriebes in der Eröffnungsbilanz mit 14 Mill. Dollar bewertet wurden. Jetzt wlld — wie gesagt — der Wert der gesamten Unternehmungen auf knapp 115 Goldmillionen beziffert. Dabet sind in den Jahren 1919—1920 allein den „Deutschen Werken", wie aus dem Etat nachgewiesen werden kann, aus Reichsmitteln Betriebskapitalien von ungefähr 500 Papiermillionen zur Verfügung gestellt worden, eine Summe, die man einem Betrage von rund 40—50 Goldmillionen gleichsetzen kann. Jetzt dagegen beträgt nach der neuen Reichsmark-Eröffnungsbilanz das Aktienkapital nur etwa 30 Mill. Goldmark, während die Reserven mit knapp 6 Mill. Goldmark beziffert werden. Dabei verlangen die Deutschen Werke jetzt neue Zuschüsse vom Reich, die einstwellen in Höhe von 12 Mill.
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