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amerikanische Kriegs- und Handelsmarine eines Tages von Englands Gnade abhängig sein. Amerikas Flotte mühte stark bleiben. 5n Anbe­tracht der Tatsache, dah das Himmelreich noch nicht auf Erden sei, dürfe eine so reiche Nation wie die Bereinigten Staaten nicht abrüsten. Das wäre eine Sünde gegen Gott und die Men­schen. Marinesekretär Wilbur erklärte, dah Amerikas Flotte zu Kampfzwecken ge­baut sei und sie habe nur den einen Zweck, kampffähig zu bleiben. Wir können die Flotte aufgeben und uns der Macht einer mächtige­ren Nation unterwerfen, wenn uns daS heilige Gut der Nation nicht Wert genug ist, um es zu erhalten. Die absolute Entwaffnung bietet keine Sicherheit.

Aus dem Barmatausschuh

Die Staatsbank als Schiedsrichter.

Barmats Wohnung.

Berlin, 25 Febr. (Wolff) 3m Preußi­schen Untersuchungsausschuß für die Barmat-Ku- tifker-Affäre wird zunächst General a. D. von Livonius, der im Aufsichtsrat und Berater im Michael Konzern war, vernommen. Er bekun­det, dah anläßlich geschäftlicher Differenzen zwi­schen Kutisker und dem Konzern die Staats­bank als Schiedsrichter austrat und Dr. Helwig und Dr. Rühe als Schiedsrichter fun­giert hättten. Während oder vor dem Schieds­gericht war von einer Honorierung der Schieds­richter nicht die Rede: aber jeder, der im Wirt­schaftsleben steht, weih, dah Schiedsgerichte honoriert werden, und zwar verhältnismähig hoch. Ich schlug Michael einen Sah von 20 000 Mark für jeden vor. Bei dem recht hohen Objekt hätten sich bei genauer Ausrechnung ungefähr 56 000 Mark Gebühren ergeben, da es in Groh- Berlin üblich ist, in solchen Fällen einen Schieds­richter die zwei- bis dreifachen Ge­bühren eines Anwalts in der Be­rufungsinstanz zu gewähren. Ich habe den Scheck den Herren überbracht. Damtt war die Sache erledigt. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, er könne nicht sagen,

ob die Staatsbank als Institut zum Schiedsrichter gewählt wurde, oder ob Rühr und Helwig per­sönlich um die Tätigkeit ersucht wurden.

Staatsbankpräsident Schröder erklärt da­zu, die Staatsbank als Institut sei nach seiner Erinnerung niemals um die schieds­richterliche Tätigkeit angegangen worden. Li- vonius erklärt aus weitere Fragen, er habe erst in allerletzter' Zeit erfahren, dah die beiden Herren auherdem von Kutisker ein Honorar von 12 000 Mark erhielten. Der Zeuge äußerte sich weiter aut verschiedene Fragen dahin, daß das Honorar nach seiner Meinung nicht un­verhältnismäßig hoch war, denn die bei­den Schiedsrichter hätten auch lange anstrengende Arbeit zu leisten gehabt. Die Verhandlungen hätten zwei Tage in Anspruch genommen. 2m die Unterlagen für die schwierigen Zinsberech­nungen zu schaffen, hätten Unterbeamle der Staatsbank umfangreicheDerechnungen angestellt.

Abg. Badt (Soz.) fragt an. ob es nach den Dienstvorschriften der Staatsbank zulässig sei, dah Unterbeamte zu solchen Dien­sten von höheren Beamten in An­spruch genommen werden können. Schröder erklärt dazu, er erfahre jetzt erst von dieser Inanspruchnahme von Unterbeamten. Er werde nähere Erkundigungen einziehen. Auf bie Frage, ob dem Zeugen nicht bekannt war, daß R^e und Helwig einen entscheidenhen Einfluß auf Mmb Kreditgewährung hatten, erklärt LivoniuS, ^ür Michael hätten die Kredite der Staatsbank f zu jener Zeit gar keine Rolle gespielt.

Die Honorierung der beiden sei auch deswegen nicht besonders auffällig, weil in der Inflationszeit, wo die Beamten unmöglich mit dem kärglichen Gehalt auskom­men konnten, die Ministerien und Behörden verfügt hätten, man solle jetzt im Gegensatz zu der Uebung der Vorkriegszeit den Beamten keine Schwierigkeiten bet Uebernahme von Nebenver­diensten machen.

St?dSekretär T h ie m e, der im vorigen Jahre beim Wohnungsamt in Charlottenburg tätig war, hat einen vorläufigen Wohnungsberech­tigungsschein furHenrY Darmat aus­gestellt, weil er glaubte, daß die Sache eine unge­wöhnliche und keine schematische Erledigung finden müsse. Es habe sich um eine Abwei­chung von der regelmäßigen Uebung gehan­delt, da die sonst erforderlichen Unterlagen noch fehlten. Das Einverständnis unb die gegebene Erklärung waren nur vorläufig: damit war noch keine Wohnung zugewiesen. Die endgültige Ge­nehmigungsbescheinigung war noch ntcht erfolgt. Barmat hat aber das erste schon als endgültig angesehen und ist in die Wohnung ein» gezogen. Baurat Threde, der seit Fe­bruar 1924 stellvertretender Direktor art dem Wohnungsamt in Charlottenburg ist, bekundet, daß

im Falle Darmat ein AufenthaltSberechtiaungS- schein des ZentralwohnrmgSnmteS Vorgelegen

habe mit dem Vermerk: »Für eine Daukosten- zuschußwohnung". Daher konnte ein vorläufiger Wohnungsberechtigungzschein erteilt werden. Ueber die Ablösungssumme für die vier über­zähligen Zimmer habe.man sich schließlich mit dem Vertretet. Darmats auf 8000 ML. geeinigt. Damit sei der Fall Barmat wie jeder an­dere Fall erledigt gewesen.

Da der Vorsitzende Dr. Leidig zum Ge° schäftsordnunKsausschuh abberufen wird, über­nimmt Abg. Deerberg als stellvertretender Vorsitzender den Vorsitz.

Ein von sozialdemokratischer Seite eingebrachter Dertagungsantrag wird mit 13 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Darauf verlassen die meisten sozialdemokratischen Ausfchußmitglieber, die für die Vertagung ge­stimmt hatten, den Sitzungssaal. Als im Ver­laufe der Sitzung der Abg. Leidig den Vorsitz wieder übernimmt, nehmen die Sozialdemokraten ihre Plätze wieder ein.

Streiter Wild vom Zentralamt für Woh- nungswcsen weist darauf hin, daß im Falle Dar­mat gar kein Grund zur Abweisung vorlag. da es sich nur um einen Wohnungsberechtigungs» schein für eine Baukostenzusschußwohnung gehan­delt habe und da andererseits Empfehlungs­schreiben von der Staatsbank, dem Reichspostminister H ö f l e und dem Abg. Lange-Hegermann Vorgelegen batten.

Der Tschekaprozeh.

Leipzig. 25. Febr. (Wolff.) Der Vor­sitzende beginnt mit der Mitteilung, daß, nach­dem die Wahlverteidiger ohne Genehmigung des Gerichts den Saal verliehen, nach Dem Gesetz Offizialverteidiger zu bestellen wa­ren. Es seien ernannt: die Rechtsanwälte Dr. Drechsler, Dr. Nitzschke, Dr. Fiedler und Dr. Blume. Hierauf fährt der Vorsitzende in der Verlesung des Geständnisses des Angeklagten S z o n fort. Dieser erklärt jedoch, jede Aussage dazu zu verweigern.

Die Verlesung des Prototells ergibt nichts wesentlich Neues. Hierauf kommt unter Protest des Angeklagten P ö g e , der ebenfalls jede Aus­sage verwei gert, das Geständnis zur Ver­lesung. das Poge als Zeuge in der badischen Sache vor dem Untersuchungsrichter Dr. Jung ablegte. Darin äußert sich Pöge ausführlich über die Partisanen-Bewegung und den Aufbau der Roten Armee, deren Organisation in Händen eines Turkestaners und Russen August Kleine lag. Pöge selbst bildete eine Gruppe

da Frankreich nein gesagt? Im Gegenteil, es habe sich an der 800 Millionen-An- leihe beteiligt, die zu der Wiedererhe­bung Deutschlands beigetragen habe. Die Fi­nanzen Deutschlands hätten durch die Mitarbeit der Alliierten eine sofortige Verbesserung er­fahren. Das bedauere er nicht, denn diese Hand­lung könne Frankreich nur die Achtung und das Vertrauen der anderen Völker eintragen. Frank­reich habe die Aufgabe, die Mißverständ­nisse unter den Nationen z u verhin­dern. Der Krieg sei beendet, aber die Nach­wirkungen noch nicht. Um sie zu beseitigen, müsse die große Freundschaft, die die angel­sächsische Demokratie und die französische Demo­kratie verbinde, aufrecht erhalten werden.

Kleine politische Nachrichten.

Das Befinden des Reichspräsi­denten war im Laufe des Nachmittags und des Abends weiter zufriedenstellend. Kompli­kationen irgendwelcher Art find bisher nicht ein- getreten, ,, v .

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SbevhefsemS und des Lahnsebietes ist in sei­nem 1Z5. Lahvgang der GieSenev Anzeiger

DaS snte LinterhaUnnsSbiatt ist seine Dienstags und SamStagS ceftbci- «ende BeilageGieSenev SamUienbiättev"

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in Leipzig, die aber nicht in Tätigkeit trat. In Stettin sollte er das Verkehrs-, Telegraphen- und Funkwesen organisieren, wurde aber, da er keine Spezialkenntnisse hatte, zurückgesanut. Der Angeklagte M 5 r s n e r verweigert ebenfalls jede Aussage. Darauf werden zur Beweisaufnahme auf Antrag des Reichsanwalts die Protokolle über die Vernehmung Mörsners verlesen.

In der Nachmittagssitzung des Tschekaprozesses sollen die Eheleute L e s n i s s e vernommen wer­den, die aber ebenfalls jede Aussage ver­weigern, solange ihre Wahlverteidiger nicht zugegen seien. Aus den Protokollen ergibt sich, daß die Eheleute jede Kenntnis der Absichten der Berliner Genossen a b st r e i t e n. Frau Lesnisse hatte Auftrag, für einen Genossen Quartier zu besorgen. Neus und Szon haben bet ihr auch einmal übernachtet. Später diente ihre Wohnung als Der bind ungs lokal einer Gruppe, die dort mehrmals Besprechungen ab= hielt, jedoch nicht in Anwesenheit der Eheleute. Lesnisse selbst will insbesondere nichts davon gewußt haben, dah Wetzel erledigt werden sollte. Er habe von Neumann nur den Auftrag er­halten, einem Genossen Gelegenheit zu neben, den Wetzel kennen zu lernen. Neumann bestätigt dies. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt, gleichgültig, ob die Wahlverteidiger erscheinen oder nicht.

Tschekaprozetz und Justizministerium.

Berlin, 25. Febr. (WTD) Im Reichs­justizministerium sprach heute anläßlich der bekannten Vorfälle im Tschekaprozeh, die zur Entfernung eines der Verteidiger aus der Sit­zung deS Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik geführt haben, eine Abordnung der Verteidiger sowie eine Abordnung der Strafrechtlichen Vereinigung der Berliner Rechtsanwälte. Der Reichsjustizminister nahm die Darlegungen der erschienenen Herren entgegen und brachte in seiner Erwiderung zum Ausdruck, daß es sich bei diesen Maßnahmen des Vorsitzenden des StaatSgerichtShofes zum Schutze der Republik um Akte der Rechts­pflege handele, die nach der Verfassung irgend» welcher Einwirkung der Justizverwaltung ent­zogen seien.

Eine Rede Herriots.

Frankreich und der Völkerfriede.

Paris, 25. Febr. (WB.) Bei einem Früh- Hück, das die Bereinigung der englisch- amerikanischen Presse in Paris gege­ben hat, hielt Ministerpräsident Herriot eine Rede, in der er u. a. sagte, er habe die Über­zeugung. dah er seine Verpflichtungen gegenüber der Demokratie nicht vernachlässigt habe. Gr sei in London gewesen und habe seine Unter» schrift unter ein Schriftstück gesetzt, das nicht wenig dazu beigetragen habe, die Friedenssache zu ver­stärken. In Genf habe man alsdann ein Pro­to kolk ausgearbeitet, das, wie er hoffe, eines Tages der gesamten Welt die Ruhe bringe, die sie seit langem ersehne. Alle Worte, die er seitdem gesprochen habe, könnten nicht richtig aufgelegt werden, ohne daß man diese Tat in Rechnung stelle. Wenn er sich für die Be­friedung einsetze, dann habe er auch die Ver­pflichtung, seinem Lande die Wiederkehr der schrecklichen Ereignisse, die man im Jahre 1914 erlebt habe, zu ersparen. Solange er an der Spitze der Regierung stehe, werde man ihn be­teil finden, der Frage der Sicherheit und des Friedens zu dienen. Anderers.i s werde er nicht ableugnen, daß auch Frankreich me Verpflichtungen, die es übernommen habe, erfüllen müsse. AlS man in London verlangt habe. Deutschland aufzurichten, habe

Der für den Dotschafterposten in Berlin in Aussicht genommene amerikanische Senator Me- dill Mac Cormick ist gestorben.

Landrat Dr. Friedensburg in Rosen­berg (Ostpreußen) soll, wie wir hören, kommissa­risch mit der Leitung des Berliner Polizeipräsidiums betraut werden. Der bisherige stellvertretende Polizeipräsident soll einen anderen wichtigen Polizeiprasidenten- posten erhalten.

Das Kriegsgericht von AmienS hat in Abwesenheit gegen neun deutsche Offiziere ver­handelt, die der Plünderung und der Zerstörung verschiedener Landsitze Im Aisnegebiet beschuldigt werden. Es wurden verurteilt die Generale von Staabs und K l a u h , Hauptmann v. Jena sowie die Leutnants v. Grandrub und Fürst zu je zehn Jahren Zuchthaus, die Haupb- leute v. Werthem, Ficht und Stephen sowie Leutnant Richter zu je 20 Jahres Zwangsarbeit. Gegen alle Verurteilte ist ein Aufenthaltsverbot von 20 Jahren erlassen worden.

Aus aller Welt.

Die Ursache des Dortmunder Unglücks.

In der Generalversammlung der Gelsen­kirchener Bergwerk-g es eil sch ast wurde von dem technischen Leiter der ZecheMinister Stein" über die Entstehung des Dergwerks» Unglücks mitgeteilt, daß der Brand weder durch Leichtsinn der Belegschaft, noch durch Gru­benlampen, die alle elektrisch seien, hervorgerufen wurde. Nach den bisherigen Feststellungen sei die Explosion aller Wahrscheinlichkeit nach bei Schießarbeiten darcy einen Schuß mit einer Patrone, einem sogenannten Knackschuß, ver­ursacht worden, während sonst hierfür immer drei Patronen verwendet wurden. Die bergtech- nischen Versuche hätten ergeben, daß bei Sin- patronenschüssen noch glühende Teile eine Entzündung von Schlagwetteraasen her­beiführen können. Naturgemäß werden entspre­chende Vorkehrungen getroffen werden-

Der Leipziger Polizeiskaadal.

Wir berichteten kürzlich von der Verhaftung eines Leipziger Kriminalbeamten im Leipzig- Hamburger O-Zug. Dieser Fall R o u v e l scheint sich zu einem großen P o l iz e i s k a n d a l auszuwachsen. Nach der Verhaftung von fünf Leipziger Kriminalbeamten, welche gleichfalls mit Taschendieben gemeinsame Sache gemacht haben, erfolgte am Mittwoch eine weitere Verhaftung. Während der Vernehmung des vorgestern verhafteten Kriminalbeamten wurde em Leipziger Polizeibeamter als Zeuge vernommen. Im Laufe des Verhör- tauchte der Verdacht der Mittäterschaft gegen diesen Beam- ten auf. Vom Untersuchungsrichter in ein schar­fes Kreuzverhör genommen, gestand der Polizei­beamte schließlich ein, daß er mit dem Haup^ Wachtmeister R o u v e l und den anderen in Haft befindlichen Kriminalbeamten gemeinsam an den Diebstählen und Hehlereien beteiligt gewesen sei. Wie verlautet, soll der Kreis der Mitwisser noch größer sein.

Dauerbrot- eine Schweizer Erfindung.

Die Schweizer Depcsche-.agentur meldet: Ein Backer in der Nähe Lausannes namens Matti aus dem Dcrner Oberland hatte im letzten Jahre ein Verfahren, frisches Brot in Gestalt von Weckchen zu konservieren, entdeckt. Das kantonale Laboratorium für Lebensmittelchemie. daS das D rsahren nachprüfte, hat festgestellt, daß es außerordentliche Ergebnisse zei­tige. Nun find Matti von zwei Ländern sehr 6c- bcuten&e Angebote gemacht worden, da seine

Entdeckung die Ersetzung des Militär« z w i e b a ck s ermöglicht und sich außerdem fehl Verfahren billiger stellt. Matti und eilt Lausanner Geschäftsmann begaben sich in der letzten Woche nach Cardiff, wo sie mit einer größeren englischen Mehlfabrik in Ver­bindung traten. Diese letztere beschloß den An­kauf des Patentes für eine Million Schweizer Franken. Das englische Haus erwarb damit das Ausfuhrrecht für die ganze Welt. Matti behielt sich selber das Recht der Fabrikatton für die Schweizer Armee vor.

Denzinexplosion aus einem Dampser.

Der englische 300-Tonnen°Dampfer ,Tees- dale", der mit einer Ladung von 200 Fässern Benzin von Middlesbvrough nach Rotterdam unterwegs war. ist heute nachmittag um v23 Uhr in Waterville, 8 Meilen nördlich von Rotterdam, infolge einer Denzinexplosion in Brand geraten. Die 20 Mann starke Besatzung, von der ein Teil erheblich verletzt ist, konnte von zwei Lotsenbooten geborgen werden.

Auch hierdas Wohnungsamt".

Durch eine Gerichtsverhandlung in Äoburg ist ein Wohnungsskandal aufgedeckt wor­den. Beamte des Koburger Wohnungsamts wurden von Zeugen unter Eid. der Bestech­lichkeit bezichtigt. Das Wohnungsamt ist vor­läufig auf acht Tage geschlossen und der In­spektor des Wohnungsamts ist in Haft genom­men worden.

Reue Goldfunde.

Paris, 26. Febr. (WB. Funkspruch.) Die französische Regierung hat beschlossen, eine Mis­sion nach Guayana zu schicken, um dort Gold g ra b e n zu lassen. Man nimmt an, daß es möglich sein werde, jährlich für etwa 12 Mil­lionen Franks Gold zu fördern.

Wettervoraussage. 'S

Wolkig bis bedeckt, milde, vorwiegend süd­westliche Winde, stärkere Regenfälle.

Die mit ihrem Zentrum über den britischen 3nfeln liegende Depression hat sich seit gestern noch bedeutend Derftärft. Ueber Irland liegt ungewöhnlich tiefer Luftdruck. Unser Dezirr wird in den nächsten Tagen mehr und mehr unter den Einfluß dieser Depression kommen. Damit steht vielfach trübes, mildes Wetter mit stärkeren Regenfällen in Aussicht. /

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 26. Februar 1925.

Geheimer Kommerzienrat Dr. Wilhelm Gail f.

In der vergangenen Nacht ist der Gey. Kommerzienrat Dr. Wilhelm Gail infolge eines Schlaganfalles im 71. Lebensjahre ver­storben. Der Verewigte weilte gestern nachmit­tag noch im Geschäft und unterhielt sich dort in angeregter Weise, und ebenso soll er sich noch gestern abend eines guten Wohlbefindens er­freut haben.

Geh. Kommerzienrat Dr. Phil. h. c. Wil­helm Gail wurde 1854 geboren, machte feine kaufmännische Lehre im väterlichen Geschäft durch, studierte in Bonn. wo er auch seiner militärischen Dienstpflicht genügte, machte dann in den Jahren 1876/77 eine Studienreise nach Nordamerika, das er später noch zweimal besuchte. 1882 trat er nach dem Tode seines Daters in die Leitung dec Firma ein, war 1887 bis 1893 Mitglied der Handelskammer, wurde 1892 Kommerzienrat, 1907 Mitglied der Ersten Kammer aus Lebenszeit und 1909 Geheimer Kommerzienrat.

Unter der Leitung ihres dritten Chefs hat die Firma sich zu einem der führenden Häuser der deutschen Tabakindustrie entwickelt. In diser Zeit konnten neue Fabriken errichtet werden tn Krofdorf, Dieber, Leihgestern und Allendorf an der Lahn und die Rauchtabakfabrik Friedrich Dreda in Kassel, die Kau- und Rauchtabak- fabrik Salfeldt und Stein in Nordhausen, die Fabrik Franz Geiger in Lorch bet DenS- heirn, und schließlich die Fabrik der Firma Dender u. Co. in Lollar und dem Stamm- Hause angegliedert werden. 1892 wurde die Gailsche Dampfziegelet und Tonwaren- Fabrik­errichtet. So stellt sich die Zett bis zum ersten Iahrhundert-Iublläum der Firma im Jahre 1912 als eine Periode eines befestigten, von Erschüt­terungen verschonten Ausschwunas dar. Die die Tabakfabrikation sehr schädigende Steuergesetz­gebung und der Ausbruch des Wellkrieges konn­ten auch für die Firma Gail nicht ohne Folgen bleiben. Der Krieg entzog ihr neben zahlreichen Beamten und Arbeitern den Iuniorchef Der Firma, so daß die gaitze Last des großen Betriebes wäh­rend der Kriegsjahre auf Den Schultern deS SeniorS lag. Die Bedürfnisse der Armee, die in der Gründung der Zentrale für Kriegsllefe» rungen von Tabakfabrikaten zum Ausdruck kamen, nahmen auch die Firma Georg Philipp Gall ht hervorragendem Maße in Anspruch. Die Zwang-« bewirtschaftung des Rohtabaks sowie die zu­nehmende Derarbeitung von Tabakersaystosfen während der letzten Kriegsjahre, schließlich der Rohstoffmangel der Nachkriegsjahre und die damit unvcrmeid ich gewordenen Detriebseinschränlun- gen brachten auch der Firma Gail Jahre der Sorge. Um den veränderten wirtschaftlichen und sozialen Derhältnissen Rechnung tragen zu kön­nen, wurde am 6. Dezember 1919 die Firma in eine Aktiengesellschaft in Form einer reinen Fa- miliengrünfcung umgewandelt. Den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm Dr. Wllh. GailIm Januar 1920 wurde mit der Errichtung eines neuen in seinem AuSmah und feinen Einrichtungen den neuzeitlichen Anforderungen entsprechenden Fa­brikgebäudes begonnen, das Januar 1922 etnae- weiht werden konnte und heute zu den schönstm Zweckbauten Hessens gehört.

Neben seiner umfangreichen Tätigkeit im eigenen Betriebe fand Dr. Wilh. Gail stets noch Zeit, seine Interessen der historischen Erforschung unserer oberhessischen Heimat zu widmen. Sein Name ist mit der nach ihm genannten Stiftung einer Sammlung Historischer unb gewerbegeschicht­licher Gegenstände und dem ethnographischen Museum, die er beide der Stadt geschenkt hat, dauernd verbunden. Die Landes-Universität er­kannte seine Verdienste um die Förderung der Wissenschaften durch die Promotion zum Ehren­doktor der Philosophie an.

Dei dieser Betätigung zum Besten der All- gemeinheit lieh es der nun Entschlafene aber nicht bewenden. Sein opferfreudiges Interesse galt auch allen weiteren Bestrebungen für das Gemeinwohl und ebenso mancherlei Vereinen, von deren Arbeit Ersprießliches für unsere Stadt, kn» «ngerc Heimat und die VolkSgemeinschak"