ßrettag, 25. September 1925
175. Jahrgang
Nr. 225 Erster Blatt (L)
Die Annahme der Einladung
die
nähme Deutschlands erfolgreich durchge
bewegung flössen.
Dem stehenden
Vertreter der ,Temps" hatte heute eine Unterredung mit dem zurückgekehrten Außenminister Dcrnd^velde. Auf die Frage, ob die Verhand- _ . hingen der Londoner juristischen Sachverständigen I führt werden können.
im Völkerbund sind, zur Mitarbeit herangezeger werden. Es sei unmöglich, daß die Arbeiten
der "DirtschaftLtonfcrenz ohne
Zone, ferner die Frage der Behandlung de« Saargebiets.
Sin Zustand wahren Friedens könne kaum ein- I treten, wenn das Datum für die Volksabstimmung des Saargebiets über seine endgültige Staats- zugehörigleit, die im Friedensvertrag erst nach 15 äahren vorgesehen ist, nicht vorverlegt wird und schliehlich der dem deutschen Empfinden und der deutschen Auffassung von Recht völlig widersprechende Investigationsbeschluß des Völkerbundes, durch den eine Verewigung der militärischen Kontrolle über Deutschland, noch dazu unter französischer Führung, vorgesehen ist, aufgehoben wird. Auch über die Geltungsdauer des abzuschliehenden Vertrages muh auf der Konferenz beraten werden. Für die Frage des Eintritts in den Völkerbund kommt das Memorandum vom September vorigen Fahres in Betracht. Dah alle Angelegenheiten von deutscher Seite vorgebracht werden, die mit dem Sicherheitspakt zusammenhängen, ist selbstverständlich. Llnter diesen Umständen muß natürlich mit einer längeren Dauer der Konferenz gerechnet werden.
Die Konferenz
der Ministerpräsidenten.
Deutschland eine neue Aera beginnt, ihrer Erfüllung näher gebracht.
Der entscheidende Uabinettt- beschluh.
Berlin, 24. Sept. (Eigener Drabtbericht des „Gießener Anzeigers".) Amtlich wird mltgeleilt: Da» Relchskabinett trat heute vormittag unter dem Dorsilz des Reichspräsidenten zu einem Kabinettsrat zusammen. Zur Beschluh- fassung sland die deutsche Antwort aus die Einladung der alliierten Regierungen zu einer Konferenz über die Slcherheitsfrage. Ls wurde beschlossen,
die alliierte Einladung zu der Konferenz anzunehmen.
Als deutsche Delegierte werden Reichskanzler Dr. Luther und Reichsauhenminisler Dr. Stre- femann an der Konferenz teilnehmen.
3m weiteren Verlaufe wurden auch die zur
r DaS politische Kaleidoskop hat sich in der Icfcten Woche, wie daS bei uns meistens zu gehen pflegt des öfteren sehr stark verschoben: Die Frage, ob und in welcher Form von Deutschland die Einladung zu der Ministerkonserenz angenommen werden sollte, hatte sich mehr und mehr zu einem Streit um die Person des Außen- Ministers Dr Stresemann zugespihl. und tn dieser persönlichen Färbung verwischten sich alle Konturen sachlicher Gegensätze ES hat im Augenblick keinen rechten Sinn, die verschiedenen Phasen, die wir dabei durchmachten, noch einmal an dem Auge vorüberziehen zu lassen, begnügen wir uns mit dem einen Paradoxon, dah dieselben Kreise, die ursprünglich dagegen waren, dah Dr. Stresemann das Deutsche Reich auf der Konferenz allein vertrat, zuletzt ihren ganzen Sinsluh aufbvten, um dabm zu wirken, dah er doch allein hinging. Sie taten das, weil sie damit Zeit gewinnen und durch die Entsendung eines einzelnen Delegierten der Konferenz einen provisorischen Charakter geben wollten, so daß später die deutsche Politik noch alle Hände frei hatte, um je nach dem Aus- gang dieser Konserenz ihre letzte Entscheidung zu
auswärtigen Ausschusses am Samstag werden im wesentlichen der Erörterung dieser Fragen dienen. Tagesordnung und Charakter der bevlNTstehenden Konferenz stehen dabei im einzelnen noch keineswegs fest. Wahrscheinlich werden für Deutschland die lebenswichtigen Fragen offiziell gar nicht auf der Tagesordnung stehen, trotzdem aber die Beachtung aller Beteiligten finden. Unterlage des Konferenz- Hauptpunktes, nämlich der Beratung eines W e ft- paktes werden die formulierten Beschlüsse der Londoner Zuristenkvnferenz sein, deren Wortlaut auf Wunsch dieser Konferenz vorläufig vertraulich behandelt werden muh. Trotzdem kann schon jetzt gesagt werden, dah das Ergebnis der Londoner Konferenz bei den bevorstehenden Verhandlungen
die völlige Gleichberechtigung Deutschlands sichergestellt
hat, soweit es nicht der Wortlaut der ausgetauschten Bote bisher festlegte. Auch ist in London von französischer und englischer Seite zugegeben worden, dah die in Aussicht zunehmenden Schuhverträge zwar in weitgehendem Mähe, nicht aber restlos alle in Betracht kommenden Fälle umfassen sollen und es wird für die Zukunft wichtig sein, diese in London geschaffene Formulierung möglichst unverändert' in die zu verhandelnden Abmachungen aufzunehmen. Jeder Kenner internationaler Verhandlungen wird die Londoner Formulierung gegenüber dem bisherigen Stillstand, als erfreulichen Fortschritt bewerten, obwohl in London über die zusätzlichen Fragen der Präambel des von Frankreich angeregten Ost Paktes und der französischen Garantie des deutschpolnischen Schiedsvertrages nicht ge-
| streift worden sind. 3n amtlichen deutschen Krei- | sen nimmt man an, dah die Konferenz sich nicht in der ursprünglich vorgesehenen Zeit wird erledigen lassen, da der Charakter und die umfassenden Fragen, sowie die Tagesordnung eingehendste Erörterungen voraussehen lassen.
Diese Voraussicht war auch bestimmend für die Wahl Dr. Luthers und Dr. Stresemanns als Deleqationsfuhrer, da trotz des informellen Charakters der Konferenz diese weltgeschichtliche Bedeutung erlangen kann.
Der Tagungsort steht noch nicht sest, doch besteht die Hoffnung, dah nicht Lausanne I oder Locarno und Lugano, sondern Luzern Schauplatz der Konferenz sein wird. Der Tag des Beginns ist ebenfalls noch nicht festgelegt, doch wird es aller Anstrengungen bedürfen, die Vorbereitungen für die fpätestens in der zweiten Oktoberwoche beginnenden Konferenz rechtzeitig zu Ende zu bringen.
Wie die Berliner Blätter ergänze,rd melden, wird nach den Beratungen der Ministerpräsidenten der Länder und der Tagung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags das Reichskabinett in der nächsten Woche nochmals zu einer Sitzung zusammentreten, in der übet die Haltung Deutschlands zu den auf der Paktkonserenz zu erörternden Fragen Beschluß gefaßt werden soll. Wie die Blätter hervorheben, dürften neben den eigentlichen Punkten der Tagesordnung, ebenso wie auf der Londoner Reparations konserenz, eine Reihe wichtiger Fragen in privaten Besprechungen aufgeworfen werden. Die Blätter nennen hier als
sogenannte „Rückwirkungen- des Abschlusses (in--^^Sicherh«'!spa.tes die Herabm'nderung der Desetzungs:ast, die Verkürzung der Frist für die Besetzung, die Verminderung der Dr- setzungstruppen und vor allem die Sicher- stellung der sofortigen Räumung der Kölner
Berlin, 24. Sept. (TU.) Die Ministerpräsidenten der Länder werden Freitag vormittag 11 Uhr im Reichskanzlerpalais unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zusammen- treten. Die Zusammenkunft gilt der auhen- politischen Lage uüd der Einladung der Al- liierten zur Ministerkonferenz. Für den Rach- mittag 4 Uhr ist eine weitere Zusammenkunft angcseht, in der die Frage der Preissenkung verhandelt werden soll. Der Reichskanzler hat deshalb die Ministerpräsidenten der Länder gebeten, ihre Ressortminister zu den I Verhandlungen hineinzuziehen.
Das Zentrum zur politischen Lage.
Berlin, 25. Sept Wie die ..Germania" meldet, fand am 24. September im Reichstag unter dem Vorsitz des Fraktionsvorfitzenden Fehrenbach eine Sitzung des FraktionSVorstandes und der erreichbaren Mitglieder der ReichstagsfraMon des Zentrums statt. Gegen- stand der Besprechung waren außenpolitische und innenpolitische Angelegenheiten. 3n allen Fragen ergab sich völlige Einmütigkeit Cs wurde beschlossen, eine Vollsitzung der Fraktion aus den 4. Rovember anzuberaumen. Am 5. Oktober findet eine Sitzung des Reichsparteivorstandes in Paderborn statt.
Die bayerischen Deutschnalionalen
München, 24 Sept. (WB.) Der Vorstand der Deutschnationalen Partei Bayerns hat in München getagt. Er.ist dabei mitsamt den anwesenden Reichstagsabgeordneten einmütig zu dem Ergebnis gelangt, daß an der Linie der deutschen Außenpolitik, wie sie Graf Westarp in seiner Reichstagsrede vom 23. 3uü gezeichnet habe, fest gehalten werden müsse. Der Parteivorstand fasse alle Folgerungen, -die sich aus dem Ab weichen der Reichspolitik von dieser Linie -ergeben, inS Auge. Eine Politik, die es auch jetzt wieder unterließe, die Kriegsschuldfrage aufzurollen, oder die auf deutsches Land freiwillig vmAichtete oder Deutschland neue Fesseln anlegte, wäre feine deutsche Politik mehr.
Die Tscheche! und der Westpakt.
Heftige Angriffe anf Denefchs Außenpolitik.
Prag. 25. Sept. (TU.) Die .Rarvdni Politika", die verbreiteste bürgerliche Zeitung der Tschechoslowakei, stellt fest, daß die offiziösen Auslassungen über den Stand der Dinge keine wirkliche Antwort auf die präzise Frage enthalten, ob der West Pakt eine Abschwächung des Wertes des tschechisch- französischen Bündnisses bedeute. De- nesch wolle der Oefsentlichkeit den wahren Tatbestand verheimlichen 3n Berlin sei man jedoch weniger schweigsam. Dort habe man offen gesagt, daß man jede Verbindung zwischen West Pakt und Ostverträge adle h ne n würde. Die »Rarvdni Demokratie" verzeichnet in großer Aufmachung die Rachricht, daß der Schritt Dr. Denefchs in Polen verurteilt werde und daß er ein Triumph der deutschen 3dee sei. Die Unzufriedenheit Polens sei um so größer, als ein gemeinsamer Schritt Polens und der Tschechoslowakei bereits verabredet war. Sie Hilfe Frankreichs sei heute für die Tschechoslowakei völlig wertlos. Heute ernte man die Früchte der sozialistischen und pazifistischen 3deen. Während in der inneren Politik eine fortschreitende Besserung zu beobachten fei, schreite die Außenpolitik von Mißerfolg zu Mißerfolg.
Dandervelde über die Sicherheits^erhandlungen.
Brüssel. 24. Sept. CSU.) Der Brüsseler
«rftetnt täglich, aufetr Sown» und Feiertag».
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Beschluß, die Einladung der bevor- Konserenz definitiv anzunehmen, folgen nunmehr bei der Reichsregierung Beratungen über die auf der Konferenz im einzelnen einzunehmende Haltung. Schon die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder und ebenso die Verhandlungen des
1 zur Abfassung eines DorentwurfeS geführt hätten, gab der belgische Auhenmini-
| ftcr zur Antwort .Die Besprechungen der Sachverständigen Haden eine sehr bedeutsame An - Näherung der Standpunkte der alliierten Vertreter und des deutschen Selegiarten ermöglich!. Der von Fromagevt und Sir Cecil H u r st ausgearbettete Entwurf konnte alS Grundlage für die Verhandlungen in ®enf benützt werden Dom technischen Standpunkt aus. hätten die Sachwerständigen eine sehr nützliche und zufriedenstellende Arbeit geleistet. Uebcr sämtliche wesent- liehen Bestimmungen des Paktes bestand zwischen den Alliierten Einvernehmen." Ferner betonte Vandervelbe. daß der Sicherheilspakt s o -
Lnnahme von Lnzeigrn für blt lagesnummerdis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerdindlichkeit
Preis fSr 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örttichS, auswärts 10 (Bolbpfennig; für Re- Klame-Nnzeigen v.70mm Breite 35 Goldpfennig, f )latzvorfchrift 20°/. Anschlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r. Friedr. Wilh. Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämllich in Dießen-
Begegnung der gegenwärtigen Teuerungslage anzuwendenden Maßnahmen erörtert. Der Herr Reichspräsident brachte dem Reichskabinett gegenüber eindringlich zum Ausdruck, daß alle« nur irgendwie Mögliche geschehen müsse, um die jetzige Preis- in rückläufigem Sinne zu beein-
tteffen.
Noch anfangs dieser Woche sah es so aus, als ob dieser Standpunkt sich auch durchsetzen wurde, erst am Mittwoch hat sich das Bild wieder vollkommen verschoben, und der K a b i n e t t s r a t unter Vorsitz des Reichspräsidenten hat dann beschlossen, daß neben dem Außen- Minister auch d e r R e i ch s k a n z l e r selbst, also der Leiter der Politik, auf die Konferenz gehen ollte. Dafür sind zum Teil Etikettegründe maß- lebend gewesen, ausschlaggebend aber waren doch achliche Erwägungen doppelter Art. Einmal wird ich der Reichskanzler gesagt haben, daß er mit den Bahnen der auswärtigen Politik nun einmal auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Auf der anderen Seite aber hat sich schon im vergangenen Jahr auf der Londoner Konferenz herauegestellt, wie un • gleich zwischen den Alliietten und uns bet einer derartigen Konferenz d i e Kräfte verteil t sind Wir stehen mehr oder weniger einer Einheit gegenüber, die deutsche Delegation hat also das Vielfache dessen zu leisten, was auf der Gegenseite geschafft werden muß, und das ist eine Aufgabe, der ein einzelner physisch nicht ge- wachsen ist.
Das gilt heute noch mehr als in London, nachdem die Außenminister der Gegenseite die Möglichkeit gehabt Haden, sich auch in Genf über das, was sie wollen, zu verständigen. Wenn wir aber In Luzern oder Locarno etwas erreichen wollen, dann ist das nur möglich durch vertrauliche Verhandlungen, die sich hinter den Kulissen abspielen, indem also beispielsweise ein Zusammenspiel mit den Belgiern ober Italienern versucht wird auf der Grundlage, daß es gelingt, ihnen in Privatgesprächen klarzumachen, daß der deutsche Vorschlag für sie nützlicher ist als ein Vorschlag, der von anderer Seite kommt. Dr. Stresemann müßte sich vervielfachen, wenn er das alles allein leisten sollte, und auch dann würde er nicht verhindern können, daß er nach einer Woche vollkommen ausgepumpt wäre. Ganz abgesehen davon, daß schließlich die Fragen, die hier zur Ent- scheidung stehen, auch physisch die Möglichkeit der Aussprache schon zur Teilung der Verantwortung bedingen.
Das hindert selbstverständlich nicht, daß dem brutschnaticnalen Wunsche Rechnung getragen unb die Unterzeichnung der Abmachungen einer späteren Konferenz vorbehal- | ten bleibt, denn letzten Endes entscheidet ja über Annahme und Ablehnung doch der Reichs- tag, über dessen Kops hinweg keine Regierung sich entschließen wird, ihre Unterschrift unter einen Vertrag zu setzen. 3m Grund sind deshalb auch diese Formalien nicht so wichtig, und wenn uns das Gefühl für das Wesentliche nicht stark ab- Händen gekommen wäre, dann hätte der ganze Streit solch: Ausmaße überhaupt nicht gewinnen können. Rachdem aber einmal die Entscheidung gefallen ist, darf man erwarten, daß damit dies Kapitel a b g e s ch l o f s e n ist und jetzt die fachlich: Vorberettung für eine ersprießliche Ans- Wertung der in der Konferenz liegenden Kombinationen beginnt.
Denn die deutsche Delegation geht keinen leichten Gang. Gewiß hat die Londoner Konferenz der 3uriften mancherlei Steine au3 dem Wege geräumt, es bleibt aber noch mehr als hinreichend zu tun. Und unsere Lage ist taktisch deswegen so ungünstig, weil wir sehr viel zu verlangen, aber verhältnismäßig wenig zu bieten haben. Für unsere Unterschrift unter den Eicherhettsvertrag wollen wir Vorteile auf den verschiedensten Gebieten einhandeln. Das Ziel, das zu erreichen ist. bleibt dabei f ü r alle gemeinsam. Wir halten daran fest, daß die Annahme des Sicherheitsvertrages für Deutschland abhängig bleibt von der sofortigen Räumung Kölns, daß darüber hinaus aber auch im Westen Zustände geschaffen werden, die von einem Scheinfrieden zu einem wirklichen Frieden führen. Darusttcr ist zu verstehen, daß Jür das Rheinland in dem Ablauf der Fristen und in den Truppenmengen, die auf deutschem Boden gehalten Werden dürfen. erhebliche Erleichterungen erzielt werden. Gelingt das. kommen wir also der Befreiung des Rheinlandes um einen erheblichen Schritt näher, dann ist damit die Hoffnung, daß mit der Unterzeichnung eines solchen Sicher- Heitspaktes national und international für
GichenerAiizeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
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fort nach der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund in Kraft treten wird. Vom belgischen Standpunkt aus gesehen, habe der Sicherheitspakt den Vorteil, dah er Belgien die Garantie Englands gewährt.
Deutschland und der Völkerbund.
Genf, 24. Sept. (1.11.) Die Mitteilung der belgischen Zeitung „Peuple", England beabsichtige, einen Teil feiner Mandatsgebiete, die früher Deutschland gehörten, insbesondere Togo und Kamerun, Deutschland nach seinem Eintritt in den Völkerbund zuruckzug eben, hat in Völkerbundskreisen lebhaftes Aufsehen erregt. Die britische Delegation lehnt jede Erklärung hierüber ab. 3n neutralen Kreisen wird mit einer gewissen Ironie daraus hingewiesen, daß die Großmächte heute bereit seien, Deutschland für seinen Eintritt in den Völkerbund zu bezahlen, nachdem sie sich jahrelang der deutschen Zulassung wider- > setzten. 3c länger Deutschland sich zurückyalte, um so größer sei der Preis, der bezahlt werden würde. Die Anschauung, daß ohne Deutschland der Völkerbund leine Ausgaben nicht erfüllen könne, ist noch dem traurigen verlaus der diesjährigen väiker- bundsoersammlung Allgemeingut geworden.
Der Völkerbundsrat.
Der Streit um die nicht ständigen Ratssitzc.
Genf, 24. Sept. <WTD.) Die Völker- bundSversammlung erneuerte auf chinesischen Antrag den bereits in den letzten 3ahren ausgesprochenen Wunsch, daß bei der Dahl der nicht ständigen Ratsmitglieder die großen geographischen, kulturellen und religiösen Gruppen berücksichtigt werden sollen. Bei der Begründung des Antrages verlangte Chao-sin-Ehu (China), daß die Zahl der nicht ständigen Ratsmitglieder erhöht und dah bereits bei der Ende dieser Woche vorzunehmenden Wahl der nicht ständigen Ratsmitglieder dem Wunsche der mehrere hundert Millionen zählenden Bevölkerung Chinas auf Vertretung im Rat Rechnung getragen werde. — Coefgten (Schweden) erinnerte daran, daß die Völker- bundsoerfammlung in den letzten 3ahren wiederholt den Wunsch nach einem regelmäßigen Wechsel der nicht ständigen Ratsmitglieder befürwortet habe und gab im Ramen der schwedischen Regierung die Erklärung ab, dah sie für die möglichst rasche, ja unverzügliche Einführung eines solchen Systems ist. — Prinz A r f a e d Dauleh (Persien) sorderte. dah Die muselmanische Welt endlich im Völlerbundsrat eine Vertretung erhalte. — Die Dötterbundsverlamm- lung genehmigte außerdem die von Frankreich eingebrachte Entschließung, durch die C o st a r i c a aufgefordert wird, die Erklärung seines Austritts aus dem Völkerbund zurück?, uz'.ehen. Guererro (Salvador) und Palacioö (Spanien) empfahlen Costarica, das wegen der Forderung einer Rachtragszahlung im I vergangenen Sommer feinen Austritt erklärte, nachdrücklichst, diesem Wunsche der Dölkerbunds- versammlung nachzukommen.
Die WettwLrtschastsKonferenz.
Genf, 24. Sept. (Wolff.)_ Die Döllerbunds- versammlung hat die Vorschläge des technischen Ausschusses über die von Frankreich beantragte Vorbereitung einer Weltwirtschaftskonferenz angenommen.
Loucheur- Frankreich, der von tmeber- 5ottem Beifall begrüßt wurde, stellte nochmals fest, dah hinfichtlich des Ziels, das allen bei bet 3dee einer Wirtschaftskonserenz vorschwebt, keine Meinungsverfchiedenheit besteht. Die Wirtschaftskonferenz sei eine logische Fortsetzung und Erweiterung der Arbeiten der seitherigen Versammlungen zur Gewährleistung eines allgemeinen Friedens. Er betonte nochmals den Leitgedanken. dah die Sicherheit der Völler durch die wirtschaftlichen Verhältnis s e b e d i n g t sei. Er gab dann dem Wunsche der französischen Delegatton Ausdruck, dah der Völlerbundsrat bereits in seiner Dezembertagung sich über die Zweckmäßigkeit der Einberufung einer internationalen WirtfchaftSkonferenz und damit gleichzeitig fürdieCinsetzung eines : vorbereitenden Ausschusses entscheiden werde. Alle technischen Organisationen des Völkerbundes sowie das Internationale Arbeitsamt sollen in diesem Ausschuh vertreten sein. Aber es sei auch notwendig, dah diesem Ausschuß neues Blut zugeführt werde, und daß die Vertreter gewisser Rationen, die oft nicht


