füllt, für die politische und kulturelle Neuentwicklung des deutschen Volkes die Grundlage zu bilden, andererseits aber auch den ihr nach dem. Rcparationsplan obliegenden Verpflichtungen nicht nur im Augenblick, sondern auf die in Aussicht genommenen lange Jahre hinaus gewachsen bleibt. Das deutsche Volk befinde sich in einer Schicksalsgemeinschaft und müsse gemeinsam die schweren Lasten der Reparation tragen. Deshalb könne den Ländern nicht mehr zugestanden werden.
Staatssekretär P 0 pih erklärte, daß die Regierung an den Beschlüssen der ersten Lesung unbedingt festhalten müsse. Um den Ländern entgegenzukommen, wolle die Regierung den Ländern und Gemeinden ihren Umsatz st euer- a n t e i l nach dem geschätzten Aufkommen von 150 Millionen garantieren. Fehlende Beträge sollen gegebenenfalls aus Mitteln des Haushaltsplanes Beitritten werden.
Die tzollvorlage im Handelspolitischen Ausschutz.
Berlin, 24. Juli. (T. 11.) Der handelspolitische Ausschuß des Reichstages trat heute in die Einzel- beratung der Zolloorlage ein. Auf Anfrage über die B e f r i st u n g erklärte Landwirtschaftsminister Graf K a n i tz, die Reichsregierung glaube, daß man ziemlich sicher bis zum 31. März 1926 zu irgendeinem Handelsvertrag kommen werde und vielleicht auch zu einem hierfür geschaffenen Zusatzvertrag mit einem anderen Land. Wenn das nicht der Fall fei, bann sei ein Antrag der Regierungsparteien vorgesehen, auf dem Wege der Ermächtigung einen anderen Zollsatz feftju» legen. Er könne sich nicht denken, daß es eine Reichsregierung gäbe, die am 31. März nächsten Jahres Zollsätze in der tatsächlichen autonomen Höhe in Kraft treten lassen werde.
Zu den verschiedenen Beschwerden wurde von Regierungsseite noch darauf hingewiesen, daß man bei der G e r st e einen Gegensatz zwischen Rord- und Süddeutschland auszugleichen habe. Bay e r n baue eine hochwertige Braugerste an und müsse gegen die ausländische Konkurrenz auf diesem Gebiet geschützt werden. Norddeutschland baue zu Fütterungszwecken eine billigere Gerste, deshalb sei im Kompromiß der Zollsatz im allgemeinen auf 3 Mk. festgesetzt, für Gerste zu Fütterungszwecken aber nur auf 1 Mk.
Kundgebungen gegen die goll- vorlage.
Berlin, 25. 3ult (Wolff.) 3m Herrenhaus hatten sich gestern Vertreter des Einzelhandels, des Großhandels, des Handwerks und der verarb eitenden Industrie versammelt, um zu der Zollvorlage Stellung zu nehmen. Rach längerer Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen alle Zollbildungen in Gestalt von Mindest zollen wendet und fordert, daß die Sähe der künftigen Zollvorlage in den Handelsvertragsverhandlungen gegen ausreichende Kom- 'pensationen erheblich herabgesetzt werden. Weiter wird gefordert, daß die Verbände der verarbeitenden Industrie, des Handels und des Handwerks sowie die Vertreter der Verbraucherschaft zu den Besprechungen über die angekündigte Zvllvorlage herangezogen werden.
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3m Lustgarten versammelten sich heute einige zehntausend Arbeiter der SPD. und der KPD. Ueber zwanzig Redner sprachen gleichzeitig zu der Menschenmenge. 3hre Ausführungen richteten sich hauptsächlich gegen die Zollvorlage. Eine allgemein angenommene Entschließung fordert Maßnahmen gegen die neu einsehende Verteuerung der Lebensmittel, die jede Produktion verteuerten und die Arbeits- • losigkeit erhöhten. Auch die Erhöhung der , Wohnu^gsmiete müsse unterbunden werden.
’l Deutscher Reichstag.
Berlin, 24. 3uli. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der Rovelle zur P e r » sonalabbauverordnung. Ein Regierungsvertreter ersucht den Reichstag, den in der zweiten Lesung gefaßten Beschluß auf Streichung des Paragraphen 14 über die Sonderbehandlung der verheirateten Beamtinnen wiederaufzuheben.
Abg. Pfülf (Soz.) tritt dagegen für die Aufrechterhaltung des Beschlusses der zweiten Lesung ein. Es sei in keiner Werse berechtigt, die verheirateten Beamtinnen schlechter zu stellen als die übrigen Beamtinnen, indem ihr Dienstverhältnis jederzeit am Monatsschluh mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten gekündigt werden kann. Eine solche Ausnahmestellung der verheirateten weiblichen Beamten werde geradezu eine Verfassungsänderung bedeuten, die die den Frauen gewährleistete Gleichberechtigung aufhebe.
Abg. Koch- Weser (Denr.) bezeichnet es als eine Forderung der Gerechtigkeit und des Staatsrechts, daß endlich mit dem Ausnahmerecht gegen die weiblichen Beamten Schluß gemacht werde. Es widerspreche überhaupt dem Geist der Verfassung, wenn hier ein auf Grund des Ermächtigungsgesetzes unter ganz anderen Verhältnissen geschaffenes Dusnahmerecht verewigt werden soll.
3n namentlicher Abstimmung wird der Antrag der Regierungsparteien auf Wiederherstellung des Artikels 14 über die Sonderstellung der verheirateten Beamtinnen mit verschiedenen Aendemmgen mit 232 gegen 155 Stimmen angenommen.
Präsident Loebe: 3ch bin um die Feststellung gebeten worden, daß der Beschluß nicht mit verfassungsmäßiger Mehrheit gefaßt ist. 3ch glaube aber, für den einzelnen Artikel hat das keine Bedeutung, sondern erst für die Schlußabstimmung.
Vor der Schlußabstimmung gibt Abg. Steinkopf (Soz.) für die Sozialdemokratische Partei die Erklärung ab, die Wiederherstellung des Artikels 14 sei an sich zweifellos eine Verletzung des Artikels 128 der Reichsverfassung. Da für diesen Beschluß die für eine Verfassungsänderung erforderliche -/s^Dlehr- heit nicht erreicht wurde, sei der Beschluß rechtsungültig. Die Sozialdemokraten würden wegen der in der dritten Lesung beschlossenen Verschlechterungen gegen das Gesetz stimmen.
Abg. Schuldt (Dem.) erklärt, daß auch die Demokraten gegen das Gesetz stimmen werden, nachdem ihre Verbesscrungsanträge abgelehnt und die Ausnahmebehandlung der weiblichen Beamten wiederhergestcllt worden sei.
Abg. Guerard (Z.) bestreitet, daß das Gesetz verfassungsändemd sei.
| Die Mefenwaldbrände in Norddeutfchland
Der Brand bei Rathenow
Rathenow, 24. Juli. (WTB.) Der Wald- branb bei Rathenow, der sich 20 Kilometer weit zwischen Havel und Elbe erstreckte und weit über 25 000 Morgen Wald vernichtete, ist endlich bezwungen. Nur kleine Brandherde in der Nähe von Klietz, die aber vollkommen beherrscht werden, beunruhigen noch die Gegend. Stellenweise, vor allem an der Ebelgünder Straße, wütete das Feuer in einer Breite von mehr als 2 Kilometern. Der Brand, dessen Ursache noch ungeklärt ist, setzte am Donnerstag vormittag 11 Uhr im Steckelsdorfer Forst ein und
breitete sich mit einer Geschwindigkeit von 500 Metern pro Minute bis in die Gegend von
Klietz aus.
Die gefährdetsten Orte waren Erschel, Karls- thal und Klietz, deren beabsichtigte Räumung aber nicht durchgeführt wurde. Die Gegend von Großwudicke litt am meisten. Zuerst leisteten die Ortsfeuerwehren tapfere Hilfe, bis die Größe des Brandes neue Hilfstruppen erforderte. Erst den Truppen des Rathenower Reiterregiments Rr. 3 und Reichswehr von Spandau und Potsdam gelang es nach emsiger Anstrengung, den Brandherd einzudämmen. Am meisten litt in der Gegend der reiche Wildbestand. Das ganze Gebiet zwischen Rathenow und der Elbe bildet ein einziges Flammenmeer.
3n ganzen Rubeln kamen Rehe aus den Flammen herausgelausen, scheuten aber vor den Menschen und liefen wieder zurück in die Flammen.
Nach vorläufiger Schätzung wurden von dem Brande ungefähr 2 5 0 Morgen P r i o a t f o r- ften in einer Länge von 16 Kilometer heimgesucht, die zum großen Teil größeren Besitzern und zum Teil bäuerlichen Eigentümern gehören. Verluste an Menschenleben und Häusern sind nicht zu beklagen. An mehreren Stellen wurden hohe Holzgerüste als Beobachtungsposten errichtet, die mit Telephonleitungen versehen sind, so daß jedes Aufflackern des Brandes sofort gesichtet und gemeldet werden kann.
Moor- und Hsidedrand in Hannover.
Berlin, 24. Juli. (WTB.) Wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, verbreitete sich der hannoversche Moor-und Heidebrand seit den letzten achtundvierzig Stunden nicht nur im Kreise Nienburg, sondern das Feuer sprang infolge des starken Windes auf das Forstgebiet über. Im Kreise Neustadt, wo schon der Hochwald brennt, geriet noch das He11storfer Moor neu in Brand, während im Kreise Burgdorf der Brand zum Stehen kam. Bei dem überall herrschenden Wassermangel besteht die einzige Möglichkeit für eine Abwehr des Brandes im Ausschlagen der einzelnen Flammen mit großen grünen Zweigen. Menschenleben, Häuser und Ernte sind
nach wie vor nirgends beschädigt oder vernichtet. Nach zuverlässigen Schätzungen nimmt man an, daß eine Fläche von 9000 Morgen von dem Brande in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Heute nachmittag fand in Ressel eine Besprechung aller Führer des Abwehrkampfes statt, an der sich auch O b e r = Präsident Noske beteiligte und in der die weitere Organisation des Löschwesens und der Verpflegung der Mannschaften beraten wurde.
Moorbrand bei Osnabrück.
Osnabrück, 24. 3uli. ($11.) Der Moor- brand bei H u n t c 6 u r g im Schwceger Moor wütet noch immer mit unverminderter Heftigkeit. Der Brand Pflanzt sich in südwestlicher Richtung in einer Breite von durchsch sittlich 10 Km. fort. Bis jetzt sind etwa 20 Quadratkilometer Moor vernichtet. Die eigentliche Ursache des Brandes konnte noch nicht ermittelt werden. Zur Hilfeleistung sind Reichswehrformationen, die Schupo und die Tech - nischeRothilfe, sowie die Feuerwehren, sämtlicher anliegenden Ortschaften herangezogen. Durch die ungeheuere Hitze des Brandes ist jede Annäherung ausgeschlossen. Man versucht eine weitere Ausbreitung des Brandes durch Ausheben breiter Gräben zu verhindern. Das Moorgut Ballenbruch war in Gefahr. Auch noch weitere Siedlungen waren bedroht. Gegen 10 Uhr abends war das Feuer soweit eingekämmt, daß das Weiterbrennen vorläufig ausgeschlossen ist. Die Löschmannschaften sind zum größten Teil wieder abgerückt.
Der Lüneburger Exerzierplatz in Flammen.
Lüneburg, 24. 3ult (WD.) Rcrchdem heute vormittag auf dem großen Exerzierplatz des Reiterregiments 13 in Heide bei Deutsch- Evern anläßlich einer militärischen Besichtigung durch General von Seeckt Schießübungen stattgefunden hatten, wurde gegen vier Uhr nachmittags gemeldet, daß einHeidebrand aus- gebrochen sei, der sich über eine Fläche von 1 Morgen erstrecke und den Hochwald bedrohe. Dis zum Abend war das Feuer noch nicht gelöscht. Die Entstehungsursache des Brandes, der durch Militär und die Lüneburger Feuerwehr bekämpft wird, ist bislang noch nicht bekannt, jedoch wird Unachtsamkeit mit Feuer vermutet. Daß das Feuer eine Folge der Schießübungen sei, wird nicht angenommen.
Waldbrandkatastrophe im Warthetal.
Seit gestern vormittag wütet ein IDalbbranb zwischen den Ortschaften L u b i a t h und W a i h e (zwischen Schwerin a. TD. und Birnbaum) an der polnischen Grenze. Zwei Förstereien sind bereits vollständig niedergebrannt. Das Dorf Lubiath ist stark gefährdet.
Präsident L öbe: Wir wollen hier nur das zahlenmäßige Ergebnis der Absttmmung feststellen. Die Entscheidung darüber, ob das Gesetz verfassungsmäßig ist, steht anderen 3nstanzen zu. 3n namentlicher Schlußabstimmung wird die Vorlage mit 236 gegen 156 Stimmen angenommen. Die im Falle einer Verfassungsänderung erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also nicht erreicht. Es folgt hierauf die erste Beratung des Gesetzentwurfes über das Amnestiegefeh.
Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) bezeichnet den von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf als eine schwere Enttäuschung. Man hätte anläßlich der Hindenburgwahl erwarten sollen, daß allen Amnestie gewährt würde, die aus reiner Rot und Verzweiflung das Gesetz verletzt haben. Die Amnestte auf Freiheitsstrafen bis zu einem 3ahr zu beschränken und Zuchthausstrafen aus- zulassen, sei eine llnmöglidjfeit. Als der Redner auf den Fall eines Verurteilten zu sprechen kommt, der der Rechten nahe steht, und ein Kommunist den Betreffenden als Halunken bezeichnet, kommt es zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen Rechts und Links.
Die Vorlage wird dem Ausschuß überwiesen. Auf Vorschlag des Aeltestenrates vertagt sich das Haus auf Samstag.
Polen weist deutsche Optanten aus.
Berlin, 24. Juli. Die polnische Regierung hat trotz aller deutschen Versuche, eine mildere Handhabung zu erreichen, nunmehr mit der zwangsweisen Ausweisung von Optanten begonnen. Zum 1. August sollen 35 000 deutsche Optanten (d. h. die in dem an Polen abgetretenen Gebieten wohnhaften Deutschen, die in der Abstimmung sich für die deutsche Staatsangehörigkeit erklärt haben) über die Grenze nach Deutsch- land abgeschoben werden. Die Ausgewiesenen werden innerhalb der kurzen Frist keine Möglichkeit haben, ihr Hab und Gut in Polen wenigstens einigermaßen vorteilhaft zu veräußern. Gegenüber dieser drakonischen polnischen Zwangsmaßnahme hat die deutsche Regierung zu Gegenmaßnahmen greifen müssen, für die einzig und allein die Verantwortung auf die polnische Regierung fällt, die diese zwangsweise Bölkerwanderung veranlaßte. Alle in Deutschland weilenden polni- scheu Optanten, etwa 8—10 000 Personen, werden nm 1. August mit Extrazügen an die polnische Grenze gebracht und dort den polnischen Behörden übergeben werden.
Französischer Kriegsbericht aus Marokko.
Paris, 24. 3uli (TU.) Die Berichte aus Marokko lauten optimistisch Die Kampflage ist unverändert. Die regulären Rif truppen setzten ihren Rückzug fort. Rach dem halbamtlichen Havasbericht bemächtigte sich der Zurückgebliebenen eine große Riedergeschlagenheit. Um Vergeltungsmaßnahmen zu entgehen, haben sie sich teilweise dem Rückzug der regulären Rifsoldaten angeschlossen. (?)
Zwei französische Patrouillen» Schiffe versenkten ein großes Motorschiff, das in der Richtung auf die Küste fuhr und dessen Besatzung auf die Signale keine 1 Antwort gab. Die Besatzung ist untergegangen.
Gegen die kommunistische Propaganda.
Paris, 24. 3u(i. (TU.) 3m Kriegsmini-- sterium traf man Maßnahmen gegen die anti- militaristische Propaganda der Kommunisten. Wie der Mlcttin" erfährt, wird gegen die verant- tooTtliq>en Führer der kommunistischen Propaganda wegen Aufreizung zum militärischen Ungehorsam und zur Fahnenflucht vorgegangen werden. Vermutlich wird ein Strafverfahren gegen zwei kommunistische Abgeordnete eingeleitet werden.
Aus aller Welt.
Schachkonqrcst in Breslau.
Heute wurde die fünfte Runde gespielt; sie brachte schnelle Entscheidungen, indem nämlich B o - g o l j u b o ro gegen Grünseld in 24 Zügen durch glänzendes Spiel gewann. Wagner gewann ebenfalls eine gute Partie gegen B 1 ümifch, Moritz wurde von Reh rasch und sicher überspielt. Nach wechselvollem Verlauf gelang es N i e m z o w i t s ch, der gegen v. Gottschalk Qualität erobert hatte, zu siegen. Prof. Becker und S ä m i s ch, Dr. T a r- rasch und Rubinstein einigten sich auf remis. Das Rundenturnier brachte in der Mehrzahl auch schnelle Entscheidungen. Es gewannen rasch und sicher Kühn gegen Bergmann, Schönemann gegen Kaltheuner, Gilg gegen U r - b a ch. v. Holzhausen glückte es wieder in einer verlorenen Position gegen Hussong zu gewinnen. Die Partien Müller gegen Fuchs und Schmitt gegen Orbach wurden nach siebenstündigem Spiel remis.
Fünf Todesopfer einer Spielerei.
K a r l s r u h e, 24. 3uli. (TU.) Gestern abend fuhren fünf Mädchen zu ihrem Vergnügen mit der Drahtseilbahn eines Werkes bei Langenbrand, die ein Arbeiter hierzu in Gang gesetzt hatte. Plötzlich sauste der Förderschlitten mit den Mädchen in die Tiefe. Durch den Absturz wurden drei Mädchen sofort getötet, während die beiden andern noch im Laufe der Rächt ihren schweren Verletzungen erlagen. Der Arbeiter selbst blieb mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus.
Bootsunglürf auf dem Rhein.
Dei Müllheim (Baben) kam Freitag morgen um 7,30 Uhr ein Ruber boot von Basel, das mit 21 Sportleuten besetzt war, den Rhein herunter, um zur Teilnahme an der Olympiade nach Frankfurt a. M zu fahren. 3nfolge des herrschenden Windes stteß bas Doot an ber Reuerburger Drücke an ein dort haltendes Schiff und kenterte. Den herbeieilenben Drücken- wärtem gelang es, die meisten Ruberer aus dem Wasser zu ziehen. Einige von ihnen konnten sich fchwimmenb retten .während ein 3nsasse ertrank, einer schwer unb zwei weitere leicht verletzt würben. Die Verunglückten fanben im Krankenhaus in Mühlhausen Ausnahme. Sechs Mcnm fuhren nach Frankfurt weiter, die übrigen kehrten mit bem Zug nach Dasel zurück.
Thphuserkrankungen in Hamburg.
Der letzte Wochenbericht des Gesundheitsamtes meldet 47 Thphussälle. Etwa dreißig Fälle betreffen die Desayung eines Dampfers, der in der letzten Woche Hamburg wieder verließ. Vierzehn Fälle ereigneten sich bei
einer Firma, während die v.b<y \ X- Z.-lle Einzelerkrankungen )in ?. . ihr
einer weiteren Ausdehnung ist du.ch u".t'.> de Sicherheitsmaßnahmen üorgebeujt worden.
Eisenbahnunglück in Rumänien.
Der Schnellzug aus Kosice st.eß to: D. 'tis- lava mit einer Lokomotive zusammen. Veids Maschinen und der Packwagen wurden vollkommen zerstört. Bisher sind zwei Tote und neun Verletzte geborgen worden.
Ein Riesenbrand.
3n Odense «.Dänemark) ist ein Brand aus- gebrochen, der in kurzer Zeit einen riesigen Umfang annahm.- Eine ganze Anzahl von Silos und Packhäusern wurden eingeäschert, wobei große Mengen von Korn, Futterstoffen und Düngemitteln den Flammen zum Opfer fielen. Die Wehren ber benachbarten Orte mußten zur Bekämpfung des Feuers herbcige- rufen werden. Auch von Kopenhagen wurde Unterstützung angefordert. Die ganze Garnison ist an den Löscharbeiten beteiligt. Bei dem Brande wurden ungeheure Werte vernichtet. Die Versicherungsgesellschaften schlagen den angerichteten Schaben auf 8—9 Mill. Kronen. Alle Packhäuser waren mit Korn um, Futtermitteln gefüllt, die vollständig verbrannt sind.
Lin Todesurteil.
Nach zweitägiger Verhandlung hak'das Schwurgericht K o n st a n z den 29 Jahre alten Landwirt Erich Mayer aus Königsberg, der am 22. März den Besitzer des Buchhofes, Johannes Schäfer, erschossen hatte, zum Tode verurteilt. Frau Schäfer, die Ehefrau des Erschossenen, mit der der Angeklagte ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, wurde zu zehn Jahren Zuchthaus ver- urteilt.
Wettervoraussage.
Nachlassen der Niederschläge, doch noch unbeständig und mäßig warm.
Die ungewönlich starken, zunächst gewitterhaften Regenfälle, die seit gestern nachmittag niedergehen und besonders unseren Bezirk betroffen haben, sind durch eine mit ihrem Kern in Mitteldeutschland liegende Teilbildung bedingt. Im Westen steigt zwar inzwischen der Druck etwas an, jedoch haben wir morgen noch mit der Rückseite der Störung zu rechnen.
Niederschlagsmenge: 78,8 mm (die Messung bezieht sich auf die Zeit vom 23. 7. norm. 7.25 Uhr bis 24. 7. oorrn 7.25 Uhr, also auf 24 Stunden). Temperaturen Maximal 20, 8Grad Celsius, Minimal 15,6 Grad Celsius, heute vormittag 7.25 Uhr 16,3 Grad Celsius.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 25. 3ult 1925.
Höflichkeit ist eine gier - - -
Anstandsregeln für die Straßenbahn
Heutzutage muß den Menschen möglichst alles in Reimen eingehämmert werben. Die Reklame verbraucht geradezu Stöße von Reklame — Dichtern, die im Schweiße ihres Angesichts Re- Nameverse — das Stück für 2 Mark — anfertigen. Warum hämmert man heute den Menschen nicht auch den Knigge auf diese moderne Weise ein, zum Beispiel durch kleine Rippenstöße in Form von Trambahnplakaten mit gereimten Benimm- regeln?
Es gibt nämlich keine bessere Quelle, den Menschen bei der Unhöflichkeit zu studieren, als die Straßenbahn.
Erfüllt vom Eifer dieses Studiums steige ich also dieser Tage einmal in eine stark besetzte Tram, komme aber nicht weiter als bis gerade auf die Plattform. 3m Begriff, mich zu sammeln, spüre ich einen heftigen Stoß im Rücken, und gleich darauf schwingt sich ein junger Mann auf meine Lieblingszehe. 3ch überlegte rasch:
Willst du auf alle Fälle mit,
Scheu nicht zurück vor Stoß und Tritt!
Sachte und möglichst unauffällig zog ich mein mißhandeltes Pedal zurück unb bemühte mich, den meine Betrachtungen störenden Schmerz zu vergessen. Das gelang mir auch bald, weil meine Augen durch >en Tabakrauch, welchen mir ein wohlbeleibt^' Herr andauernd wohlwollend ins Gesicht paffte, heftig zu brennen unb bann zu tränen anfingen, so daß sich mein weher Untertan gar nicht mehr fühlbar machen konnte.
Schmökst du etwas, der andre nicht.
Paff' stets den Rauch ihm ins Gesicht! Riecht er dann deinen schlechten Knaster. So ist er fein vom Reid Erfaßter!
Als mir endlich eine teilweise Drehung gelungen war und sich meine Augen leer getropft hatten, bemühte ich mich ,zu ergründen, warum bas alte Frauchen in der Türfüllung stand und keinen Sitzplatz hatte. Sollte dieser Wagen die Bewohner eines Altersheims transportieren, und war dies hinfällige Weiblein gar die jüngste unb kräftigste von allen? Endlich gelang mir ein Blick in das Wageninnere, ich warf schnell meine altmodischen Ansichten über Bord und prägte mir ein:
Wer vor sich hat das ganze Leben. Dem muß man einen Sitzplatz geben! Wer aber matt und schwach unb alt. Braucht keine Ruh', der stirbt ja bald!
An ber nächsten Straßenbahnkreuzung leerte sich ber Wagen zum Teil, und ich konnte sogar ohne Anwendung meiner neuesten Lebensweisheit nach einem Sitzplatz Umschau hallen. Da ich nur nach diesem sah und erwog, ob die beiden dicken Damen wohl etwas rückten, übersah ich gleich an der Türe die übereinanderge- schlagenen Beine eines besseren Herrn in den besten 3ahren —
Wo ich auch sitz' unb liege, mach' ich es mir Wo ich auch lih' und liege, mach ich es mir bequem!
— — und flog zum Gaudium aller Fahrgäste durch den ganzen Wagen:
Wenn andern Mißgeschick passiert. * Dann lache laut und ungeniert!
Schließlich stand ich aber doch vor den beiden korpulenten Damen unb sah abwartend auf den kleinen Raum zwischen ibn eit. aber es erfolgte nichts. Erst als ich sie darum ersuchte, wichen beibe um Messerrückenbreite vonein- anber ab:
Für anderer Bequemlichkeit
Verschwende weder Müh' noch Zeit!
3ch quetschte mich aber dessenungeachtet doch dazwischen, und als ich but?b das Aussteigen meiner linken Rnchkm-'in erstmalig Atem ge»


