Ausgabe 
25.3.1925
 
Einzelbild herunterladen

ar. 71 Erstes vlatt

175. Jahrgang

Mittwoch, 2'.März 1925

Der Wahlkampf

A#.

tiffl

1

ist

e

Annahme von Anzeigen für die Tageonummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkell, Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlidjS, auswärts 10 Goldpfennig: für Re» nlame-An^eigen v 70 nn> Breite 35 (bolbpfennlg. Platzvorschnft20^ .Auf­schlag. - Berantworllich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friede. Will) Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil: Haus Beüi, sämtlich in Gießen

die de Es

Die Ausschreitungen der Besatzungstruppen. Berlin, 24. März. (TU.) Dem Reichstag eine dritte Denkschrift über die 2tu8=

?5 =

2.C)" ft

O=_

Die Aufwertung.

Der (Gesetzentwurf der Regierung.

B e r l i n. 25. März. (Priv.-Tel. be^ Wolff, bureaus.) DieBoss. Ztg." meldet, baß der De» sehentwurf der Reichsregierung über die Auf­wertung heute derösfentlicht werden dürfte. Dem Desehentwurf sei eine ausführliche Begründung beigegeben. Aus dem Inhalt des Aufwertungsplanes weiß das Berliner Tageblatt" folgendes m'tzuteilen: An der Un« terscheidung zwischen altem und neuem Besitz werde feftgehalten. Der Besitz an Kriegsanleihe, der vor dem 1. Januar 1920 erworben worden ist und dessen Existenz durch die Dermögenssteuererllärung vom 31. De­zember 1919 nachgew'.efen ist, gelte schlechthin als alter Besitz. Ausnahmen würden bezüglich mündelslcherer Anleihen, Kirchengelder und WohltätigkeitSfonds gemacht. Die generelle Auswertung erfolge auf 5 Prozent. Die Aufwertung werde theoretisch auch auf neuen Besitz vorgenommen. jedoch erfolge die Auf­nahme deS ZiasendiensteS bei neuem Anleihebefih erst, nachdem sämtlich« R e p a r a . tionszahluagen geleistet worden sind. Für die Verzinsung des alten Besitzes werde eine jährlich« Summe von 40 M'llionen Mark zur Derfügung gestellt. Die Höhe des Zinssatzes dürste sich also nachderHöhedes alten Besitzes und der obengenannten, für die Zinfenleistung zur Derfügung stehenden Summe richten. Für sozial Bedürftige würden 2 Prozent des gezeichneten Nominal- betrages ausgeworfen. Hierfür seien gleichfalls 40 Millionen Mark ausgewvrfen. Hieraus ergebe sich, daß die Reichsregierung den Betrag von Kriegsanleihe, der sich im Besitze von sozial Be­dürftigen befinde, auf zwei Milliarden schätzt.

ii; ??

Erscheint täglich, außer Seim» und Feiertags.

veilagen:

Gießener Fo milien blätter Heimat im Bild.

monats-Btirxsneis:

2 Goldmark u 20 (ßolb- pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fer nsprech.Anschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag undGefchästsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten Anjelgerrietze«.

P--schecNonto: Zranksurl a. M. 11686.

5%' FH chl mi

Vätern und Ernährern von Famllieningehöri- gen. Dabei must noch in Betracht q-zogen wer- den. friß ein erheblicher Teil der Fälle über­haupt nicht zur Kenntnis der Be­hörden gelangte, weil die Verletzten auS Angst vor Vergeltungsmaßnahmen der BesahungStrüppen oder aus Scham keine Anzeige erstatteten.

& n > 3

leuchtend unsere vaterländische Losung eingewebt ist: Gott, Ehre, Freiheit. Vaterland! Wir bekennen uns zum Christentum und stehen

auf dem Boden deS christlichen Staates.

Im Geiste gegenf« tiger Duldung undAchtung müssen die großen Glaubensgemeinschaften der großen Aufgabe der fittl'chen Erneuerung unseres Volles dienen. Jeder Gedanke an einen Kul­turkampf in irgendeiner Form würde nach meiner Heberzeugung die schwerste Ver­sündigung an unser Volk bebauten. Ich lehne jede kulturkäinvferische Neigung mit aller Entschiedenheit ab. Dabei stehe ich grundsätzlich auf dem Boden der Bekenntnisschule. Heute dreht es sich nicht um d'e Frage katholisch oder evangelisch, sondern heute handelt es sich darum, daß Katholiken und Protestanten sich zu gemeinsamem Kampfe verbinden, damit die christlichen Grundlagen unserer Kul­tur gewahrt werden. Wir sind sozial, aber nicht soz'alistisch. Dem Gedanken des Klassen- kampfes stellen wir das Ideal einer organi­schen Staatsausfassung gegenüber, die in dem Dolle nicht eine sich gegenseitig bekämp­fende Kaste und Klasse, sondern eine große Familie erblickt, deren Glieder in aemein- samer Arbeit und m't geg-nie tiger Hnterstützn"g der Gegenwart freuen. Acht der Klassenkamvf. sondern wirtschaftlich" Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arb" tnehmern we'st uns den Wea zur Lösung der sonnten Frage. Ich glaube, ?fr'6 das deutsche Volk in immer breiteren Sch'cht"n der Parteizänkereien müde ist, daß cs an seiner Svh? keinen Mann sehen will, ec möge fceftn w e er will, als Vertrete einer e'nse'tigen Virte richtnng e'n^-ittner hurt- sch'ftlicher Int"ress'n. P'r e en h'.ben g w'ß h e Dn:echt'gung. aber sie dürfen nicht S e l b st- zweck sein. Im Dolle ist heute das starke Ge­fühl lebendig, deh P^rte-geist durch höhere Staatsgesinnung überwundm wwden müsse. Die Ausführungen Dr. Jarres' fanden stürmischen Deisall.

Dr. Marr in Köln.

Köln. 24. März. <Wolff.- Vor geladenen Gästen des Rheinlands und Westfalens sprach gestern Abend Dr. Murr über die außen­politische und innenpolitische Bedeutung der Wahl des neuen Reichspräsidenten.

Er führte u. a. aus: Es ist mein heißester Wunsch, daß mit der baldigen Räumung des Ruhrgebiets und der nördlichen Rheinland­zone eine Minderung der national n und sozialen Rot der Westlande verbunden sein möge. Ich glaube an die Verwirklichung der von mir stets erstrebten Volksgemeinschaft, die schon die lonsessionelle und politische 3e r ffenb it unseres Volles zur gebieterischen Pflicht macht. Es ist unsere große Aufgabe, dem demokratischen Staat, den uns die Weimarer Verfassung ge­geben hat, den wahrhaften deutschen Inhalt und deutschen Geist zu geben. Wir stehen erst am Anfang des Weges zum wahren Volksstaate. Kein Voll hat je in der Geschichte vor einer schwereren Aufgabe gestanden als das deutsche, das gegen eine Welt von Finden ein neues Haus sich bauen mußte. Die Form des neuen Staates ist die Republik. Als Reichsflagge trägt sie die allen deutschen Farben schwarz-rvt-gold. Der neue deutsche Staat und die neue deutsche Flagge wollen keine Verleugnung und Verken­nung des Reiches und der Flagge von 1871 fein. Beide Flaggen sind Sinnbilder und Hoff­nungen, die sich nicht bekämpfen, sondern ergän­zen sollen. In Schwarz-rvt-gold erhob sich nach Deutschlands Zusammenbruch unsere Hostnung auf Deutschlands Zukunft und aus Grvßdeutschland, in dem all die Millionen deutscher Brüder ver­einigt werden sollen, die noch außerhalb unserer Grenzen wohnen. Don dieser Hoffnung lassen wir auch heute noch nicht.

In der anschließenden öffentlichen Versamm­lung führte Dr. Marx zu seinem politischen Programm Weller aus: Leider erkennen weite Kreise noch immer nicht die für unsere Zukunft entscheidende Bedeutung der Außenpolitik. Der Weg der Verständigung mit unseren frühe­ren Gegnern muß fortgesetzt werden, ohne daß bei den Verhandlungen mit den auswärttgen Mächten die Ehre und das Ansehen des deut­schen Dolles aufs Spiel gesetzt wird.

Im Völkerbund erblicke ich die Möglich» kell, eine Verständigung der Völker anzubcchnen und herbeizuführen. Allen Ernstes müssen die verantwortlichen Kreise die Frage prüfen, ob Deutschland in diesem Augirblick dem Völkerbund beitreten kann. Eines ist unerläßlich Deutschland darf nicht unter demütigenden und seine eigene Sicherhell gefährdenden Bedingungen in den Völlerbund gezwungen werden. Es muh ihm eine seiner Weltbedeutung entsprechende Stellung im Völlerbund gesichert sein.

Dr. Marx wiederholte dann sein Bekenntnis zur Weimarer Verfassung, die die Rechtsgrund­lage unseres staatlichen Lebens ist, und setzte hinzu: Wer die Verfassung oder die von ihr gegründete republikanische Staatsform gewaltsam zu ändern unternimmt, begeht Hochverrat. Mll Genugtuung habe ich aus den Ausführungen des von mir hochverehrten Dr. Jarres

Mi* vir»K

chU

ifM

M --l

t p p 2 5.2-s roi W.

entnommen, daß er die Forderung aufstelll, Farben Schwarz-Rot-Gold seien nun einmal Farben des verfassungsmähmm Staates, müsse ihnen deshalb die schuldige Achtung wiesen werden.

Jarres in München.

München, 25. März. (TU.) Oberbürger­meister Dr. Jarres sprach gestern abend hier in drei großen Wahlversammlungen, in denen er u. a. ausführte: Dieser Wahlkampf ist für mich ungeachtet der Anstrengungen, die er erfor­dert. und mancher unerquicklichen Dinge, die er im Gefolge hat, dennoch zu einem frohen und stolzen Ereignis geworden, einmal, weil es ge­lungen ist, in unferm Block über Partei- streitigkeiten hinweg eine gemein­same vaterländifche Front zu finden, die, wie wir zuversichtlich hoffen, noch eine E r- Weiterung finden soll, ein ftnhes Ereignis insofern, als auch ich in den verschiedenen großen Hauptstädten, die ich aus meiner Fahrt durch Deutschlands Gauen berührt habe, eine starke Ueberelnftlmmung über die großen Ge- ÜchtSpunlle und Ziele unserer Politik feststellen konnte. Zwischen meiner Heimat und Bayern haben ja von alters her besondere Beziehungen bestanden. Rord und Süd gehören für immer ,zusammen, und die Mainbrücke, das wird 1 mir gerade hier in München offenbar, trennt uns nicht mehr wie einst in den Zeiten staatlicher Zerrissenheit. Sie soll uns jetzt und immerdar nerbinben. Wir wollen die Erneuerung deS Staat« auf nationaler, christlicher und so­zialer Grundlage.

Lieber alles die Einheit des Reichs.

'Aber diese Einheit wird durch die Heberspannung deS Tlnitarismus, wie sie in der Weimarer Ver­fassung zutrifft, nach meiner Ansicht nicht ge­fördert. sondern gefährdet. DiSmarck hat das Reich unter kluger Schonung der bundesstaat­lichen Sonderheiten gegründet. Aber leider sind die Mahnungen des Alten im Sachsenwalde von den Rachfolgern in seinem Amt nicht immer be­achtet worden. Ich bin anderer Ansicht. Die Ab­kehr von DiSmarck war. wie ich in Ham­burg des näheren ausgeführt habe, der Be­ginn unseres nationalen Unglücks. Wenn wir aus unserer jetzigen unglücklichen Lage herauSkommen wollen, dann müssen wir zurück zu Bismarck. Damit wir auch in 3uhmft zusammenbleiben, ist es nötig, den ßun- öem und insbesondere auch Bayern die Möglich­keit zu geben, in größter Freiheit em Eigenleben zu führen und kulturelle Eigenart zu pflegen. In diesem Sinne fordern wir die Revision der Weimarer Derfassung.

AuS nationalen Gründen fordern wir eine würdevolle und aufrechte Vertretung unserer In­teressen im Ausland.

Wir glauben, daß die Betonung des Rationalen und daS Bekenntnis zum Daterland in der Außenpolitll nicht schaben, sondern nur nützen kann. Deutschland will ehrlich Frieden, aber einen Frieden, der dem deutschen Dolle die Lebens- möglichkeiten gibt.

Wir sind bereit, die übernommenen Ver­pflichtungen nach dem Maße unserer wirtschast- lichen Kraft innezuhallen unter der Voraus­setzung, daß auch die Gegner sich an die von ihnen eingegangenen Verträge halten, und mll der Hebemahme schwerer Lasten die Wieder­gewinnung der Freihell und des Selbstbcstim- mungsrechles unseres deutschen Volkes verknüpll ist. Defreiungspolitik, aber nicht E» füllungspolllik! Für die Befreiung des besetzten Gebietes wollen wir freilich jedes Opfer bringen Richt einzelne Provinzen, sondern das Reich in seiner Gesamtheit soll die Lasten des >>erlorenen Ätiegeä tragen. Selen wir auf der Hut, denn der Feind Hal seine Hoffnungen noch nicht aufgegeben. Wir haben keine Veranlassung, uns der Vergangenheit zu schämen, im Gegen­teil, wir sind stolz auf die ruhmreichen Daten unserer Wehrmacht. Die Geschichte des Welt­krieges wird späteren Geschlechtern als ein ein­ziges Helbenli^» von der Ribelungennot erklingen. Ich bin von Herzen dankbar, daß der Führer des deutschen Volkes, unser geliebter

Felbmarschall d. Hindenburg seinen Hamen unter den Aufruf für meine Kandidatur gesetzt hat.

Ehre den' Toten des Weltkrieges! In stolzer Trauer neigen wir unser Haupt vor dem Bilde des deutschen Kriegers, der nach vielen Jahren Kampfes ins Grab steigt. Die Vergangenheit in Ehren halten, den Helden nachzueifern, ist vor allem Aufgabe unserer Jugend. Der Staat hat das größte Interesse daran, die Jugend für sich zu gewinnen, denn nur wer die Jugend für sich hat, der hat die Zukunft für sich. Aus den Irrtümern der alten Zeit wollen wir lernen, aber niemals vergessen. Wenn wir die Der­fassung von Weimar auf dem Wege friedlicher Evolution revidieren, müssen wir an das gute Alte in der Vergangenheit anknüpfen. Wtr achten die Verfassung, aber wir wehren uns dagegen, daß man von republikanischer Seite versucht, die monarchistisch gesinnten Kreise des deutschen Dolles als Staatsbürger zwei­ter Klasse zu behandeln. Es war ein natio­nales Verhängnis, daß man in Weimar einiger Kurzsichtige: wegen unsere Farben Schwarz- D e i h - A o t, die Symbole einer glücklicheren unb stolzen Vergangenhell. Preis gab. Es war geradezu ein Verbrechen an unfemt deutschen Doll, nein, es war mehr, es war eine Dumm­heit und eine internationale Geschmack­losigkeit. Wir nehmen für uns das Recht m Anspruch, daß wir unbehindert unsere alten Farben zeigen können, in deren Fallen ver­borgen und doch jedem deutschen Auge weithin

Ta

England und der deutsche Sicherhettsvorschlag.

Chamberlains Erklärungen im Unter­haus.

London, 25. März. (2LU.) Chamberlain gab gestern im Unterhaus seine lang erwartete Erklärung über die Außenpolitik ab. Die Debatte eröffnete der Abgeordnete der Ar­beiterpartei Henderson mit der Frage, wie es sich jetzt mll dem Genfer Protokoll ver­halte. Chamberlain bemerkte, daß Henderson die Frage als einer der britischen Vertreter auf der letzten Völlerbundstagung und einer der Urheber des Protokolls gestellt habe Er fragte, ob Henderson eine Abschrift des Schrei­bens, das Macdonald als Außenminister am 15. Juli 1924 an den Generalsekretär des Völker­bundes wegen des Vertrags über die gegenseitig« Hnterftütjung gerichtet hatte, nach Genf mitge­nommen habe. In der Denkschrift habe Mac­donald erklärt, der britische Admiralstab sei den Ansicht, daß die Ausführung dieses Vertrags eine Verstärkung der britischen See» st r e i t k r ä f t e bedinge. Hat die Arbciterregio- rung ihre Flottensachverständigen darüber be­tragt, ob diese Feststellung mit dem Protokoll übereinftimmt? Es sei jedoch vor allem not­wendig, betonte Chamberlain, sich über den Ur» sprung des Protokolls klar zu werden. Der Hrfp-ung sei die Denkschrift, die während Mac­donalds Besuch in Paris im Juni 1924 aus­gearbeitet wurde und die Vorschläge des Dawes- Ausschusses vor dem Scheitern rettete. Macdo nald und Herriot tarnen damals überein, auf der nächsten Völlerbundstagung gemeinsam die Sicherheitsfrage aufzuwerfen. Sie kamen, si« sahen, sie siegten! GS konnte alles gar nich besser gehen.

AlS dl« Redner gesprochen hatten und bh BölkerbundsversammlungSle I ehmer Zeit hat en sich die Reden zu überlegen, da wurde eS jedem sofort klar, daß die beiden Premierminister trotz der freundschaftlichen Geste in unüberbrückbaren Gegensatz zueinander standen.

Eine Einigungsformel wurde aufgestellt und die beiden Premierminister scheuen zu denken, eine Grundlage gesunden zu haben, auf der sie sich tatsächlich einigen könnten. Erfahrenen Beobach­tern war es jedoch klar, daß die Meinungen weit auseinandergingen und die Grund­sätze der Polllik Macdonalds nich! von den Füh­rern der öffentlichen Meinung Frankreichs an­genommen werden konnten. Der britische und der französische Premierminister überlleßen es ihren Vertretern, ein internationales Heber» einkommen zu entwerfen, das in völligem Widerspruch zu den Grundgedanken ihrer Einigungsformel stand. In weni­gen Wochen wurde ein Grfetz für die ganze Wrlt ausgearbeitet, dessen Bedeutung und Umfang in keinem Verhältnis zu irgendeinem intern ?n Gesetz eines Staates steht. Ist es zu verwundern, daß die heutige Regierung einem frrarrtgen Entwurf nicht zustimmen kann?! Alle Be­stimmungen des Protokolls sind auf Land­mächte mit Landgrenzen, für die sie zu fürchten haben, zugeschnitten. Henderson hat ge­äußert, da hes möglich fein werde, durch Zu- saybestimmungen und Einschränkun­gen den anderen Staaten die Annahme zu er­leichtern. So wäre aus dem Protokoll ein sehr kleines Schriftstück geworden, das in feiner Beziehung die Sicherheit der Welt gewährleisten könnte.

Die Regierung Seiner Majestät ist nicht tn der Lage, das Protokoll zu unterzeichnen.

In der gleichen Lage befinden sich die Regierun­gen der Dominions und Indiens. Die Regierungen sind der Heberzeugung, daß das Protokoll nicht zur Sicherheit und weiter zur Abrüstung führen könne. Sie haben aber das Verlangen, nach ihren Kräften zur Lösung dieser Frage oeizutragen. Zuerst möchte ich dem Hause unsere führenden D?w ggründe barfegen. Als Mitgliedsstaat des Völkerbundes habm wir allen übligen Mitgliedsstaaten gegenüber Ver­pflichtungen zu tragen. Wir sind an den Ost grenzen Frankreichs und Del­liens interessiert und dieses Interesse ist von der größten weittragendsten Bedeutung. Frankreich bedarf dringend der Sicherhcit und hat ein Recht, von uns zu erwarten, daß wir diesem Bedürfnis Rechnung tragen. Ich habe kein größeres Verlangen, als eine Grundlage zu fin­den, auf der wir uns alle einigen können und die uns allen eine ersprießliche und auf­richtige Zusammenarbeit gewährleistet.

Zu dem deutschen Sicherheitsvor - schlag übergehend, sagte Chamberlain: Ich bin fest überzeugt, daß der Schritt der deutschen Regierung einen aufrichtigen und ehrlichen Ver­such zur Besserung der Lage barftetlt und ich hoffe, daß wir ihr beistehen können, diesen Ver­such zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Deshalb werden auch ihre Vor­schläge von uns ernsthaft und gründlich geprüft. Deutschland hat folgenden Vorschlag gemacht: Deutschland ist bereit, sich mit Frankreich zu verständigen und mit allen am Rheiq

Dr Marx schloß mit seinem eindringlichen Appell zur Einigkeit des gesamten deutschen Volkes, die fr.e beste Waste ist, um unsere Rechte im Dölkcrleben zu wahren und dem deutschen Daterlande den ihm gebührenden Platz im Leben der Rationen wiederzugeben.

EineErklärung des Reichsblocks

Berlin. 24. März. (TH.) Von dem Vor­sitzenden des Reichsblockes. Staatsminister von Löbell, wird mitgeteilt: Heber die Absichten des Reichsblocks bei einem eventuellen zweiten Wahlgange werden geflissentlich im ganzen Reich die unsinnigsten Gerüchte verbreitet. Ob­wohl der Reichsblock schon vor Tagen offiziell erfiärt hat, daß Dr. Jarres auch der Kan­didat des Reichsblockes in einem ev. zweiten Wahlgange ist. werden Kombina­tionen darüber angestellt, ob der Reichsblock im zweiten Wahlgange eine neue Kandida ° tut proklamieren werde und im zweit.m Wahl­gange neue Parteiverbindungen möglich seien. Ich wiederhole nochmals mit aller Bestimmtheit, daß die Aufstellung von Dr. Jarres für den ersten und zweiten Wahlgann von dem Reichs- block einmütig erfolgt ist. 'leichzeitig werden über Dr. Jarres selbst falsche Gerüchte ver­breitet. Dr. Jarres soll Dissident und Frei­maurer sein. Dr. Jarres ist evangelischer Konfession und hat aus seinem Bekenntnis niemals ein Hehl gemacht. Auch Frau Dr. Jarres ist in die Wahlagitation bereits hineinyezogcn worden. Al e sie betr st n en Gecüch e sind falsch und nur zu Propagan azwecken verbreitet. Der Reichsblock wird das Ergeb ns des ersten Wahl­ganges spätestens am Dienstag, dem 31. März, prüfen und dazm sofort Dr. Jarres für den zweiten Wahlgang wieder proklamieren.

Hindenburg gegen gersplilterung.

Berlin, 25. März. (TH.) In einer Unter» redung mit einem Pr.s.evertreter warnte H:nd n- burq vor Zersplitterung. Jin ersten Wahlgange müßte jeder unbedingt seine Pflicht tun Alle vaterländischen Kräfte müßten ein­gesetzt werden, um den üöerparteckichen Dr.Jarres im ersten Wahlgang durchzubringen.

Dr. Jarres besucht Dr. Held.

München, 24. März. (TH.) Der gegen­wärtig in München weilende Oberbürgermeister Dr. Jarres hat heute Mit ag dem bayeri­schen Ministerpräsidenten Dr. Held einen Besuch abgestattet.

schreitungen der D.'satzungstruppen im besetzten Gebiet zugegangen, fr.e im Januar 1925 abge­schlossen wurde. 3m allgemeinen sind nur die wichtigeren Fälle ausgenommen worden. Die tatsächlich vcrgekommene Zahl der Ausschrei­tungen ist erheblich größ.r. Im Ruhrgebiet sind, soweit bekannt, in der Zeit vom 11. Januar 1923 bis zum 1. August 1924 durch Maßnahmen der Desahungstruppen insgesamt 7 4 0 Per­sonen körperlich verletzt worden, davon 137 tödlich, und xtoar 30 durch Schußoerlehun- gen auf Grund eines Willküraktes. 60 durch Schüsse von Wachtposten oder Streifen. 39 durch Kraftwagen, Fuhrwerke oder andere Hnfälle und 8 durch Mißhandlungen. Unter den 137 Toten war eine große Anzahl von Familien-

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnttk vnd Verlag: vriihl'sche Univerfitäk§-Vuch- und Zteindruckerei 1L Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.

w

<o.

1.