5 verkauften Waschmaschinen in der 1924er Weihnachtsgc'cväftszeit steht jetzt kein einziger Absatz gegenüber. Diese Stichprobe mag ge- intgcn.
In der Spielwarenbranche
hört man ebenfalls ernste Klagen. Hier beziffert man den Geschäftsrückgang gegenüber der Weihnachtszeit 1924 auf 30 bis 40 Prozent. Gute und teure Sachen ließ man auch hier dein Geschäftsmann stehen, die mittlere und billige Preislage allein erwärmte zum Kauf. Das Geschäft kam erst in den letzten Tagen in Fluh, es vermochte den Ausfall der vorhergehenden Wochen nicht mehr aufzuholen.
Oderhesfen.
Lattdrrcro (SkQcil
E Aus d e ut Kreise Vietze», 23. Dez. Das Fvrtbildungsjchulwesen macht in unserem Kreis erfreuliche F o r t s ch r i t l e. Aach Anordnung des Kreisschulaintes besuchen die hauptamtlichen Fortbilbungsschullehrer unseres Kreises an einem Wochentag Vorlesungen an der Aniversität Dietzen, um sich an der Quelle der Wissenschaft weiterzubilden und fo ihren Schulern recht Gediegenes und Wissenschaftliches bieten zu können. Weiter werden von Ostern ab in unserem Kreis allenthalten Bezirks- Hochschulen errichtet, die die Fortbildnngs- Ichülerinnen ein tßahr lang zu besuchen haben. Die Vergütung für Räumlichkeit. Abnutzung der Geräte, Heizung und Beleuchtung, Besoldung der Lehrerin wird auf den Kops der einzelnen Schü- lerin berechnet und danach jede Gemeinde nach dem Verhältnis ihrer Schülerzahl belastet. Für die Schülerinnen selber ist der Unterricht int ent- qeltlich. Die Klagen über die Fortbildurrgs- schicke, besonders über die Mädchenfortbildungsschule, scheinen allmählich zu verstummen, sehen doch jetzt unsere Landwirte, welche große Mühe sich unsere Schulbehörde gibt, um unsere Jugend zu berufStüchtigen Menschen heranzubildsn.
* Heuchelheim. 24.Dez. Da die Re- parat urarbeiten in der Kirche längere 3eit in Anspruch nehmen, mutz der Gottesdienst im Schulsaal abgehalten werden. Für die Feiertage hat aber der Turnverein in dankenswerter Weise die neu erbaute prächtige Halle — schon vor ihrer eigentlichen Einweihung — zur Verfügung gestellt, so daß am 1. Feiertag um 10 Uhr und um 5 Ahr, am 2. Feiertag um 10 Ahr und am Silvesterabend um 7 Ahr Gottesdienste in der Turnhalle abgehalten werden können.
h. Staufenberg, 23. Dez. 2m Zeche r- 'chen Saale dahier fand am Sonntag abend in Gegenwart der Eltern und sehr vieler anderer Gemeindemitglieder eine Weihnachtsfeier der ersten Schulklasse unter Leitung von Lehrer Rabenau statt. Dieser begrüßte als Veranstalter die Versammlung und setzte den Zweck des Abends, christliche Weihnachtsstim- mung zu wecken, sowie Elternhaus und Schule einander nahe zu bringen, auseinander. Während im ersten Teile einige Kinder „Christseier bei St. Peter" aufführten, das große Freude, zumal bei der Jugend, hervorrief, brachte der 2. Teil als Höhepurckt den „Zug der Kinder zum Christkind" (ein Weihnachtsoratorium der Kinder von Daudert und Leipold). Es wirkten hierbei Harmonium und zwei Geigen mit. Die Einzel- gesänge und Rezitationen der Kinder, sowie der Gesamtchor, der zum Teil deutsche Weihnachtslieder aus dem 15. Jahrhundert brachte, waren k sicher und llangrein. so daß alle Darbietungen „auf einer bemerkenswerten Höhe standen und ^für die Zuhörer eine wirkliche Erbauung bedeu- , leten. Die unihevolle, aber von den Kindern r begeistert geleistete Vorbereitung wurde von allen Anwesenden dankbar empfunden. Es ist nur zu wünschen, daß durch solche gediegenen Darbietungen der Geschmack gebildet und flache, seichte Weihnachtsfeiern, wie sie auch vorkommen, immer seltener werden
is. Steinbach, 23. Dez. Die Spartätigkeit in unserer Gemeinde hat in diesem Jahre trotz der geldknappen Zeit in erfreulicher Weise zugenommen. Der Spar- und Kreditverein läßt allsonntägiich durch einen r Voten in den Hausern Sparmarken verkaufen, und so ist es jedem leicht, sich mit kleinen Beträgen einen Betrag zu sparen, den er im Rot-
Arnold Mendelssohn.
Zmn 70. Geburtstage des Komponisten am 26. Dezember.
Es ist eine bekannte Erscheinung bei schaffenden Künstlern, daß sie nach vielversprechenden Jugendwerken der Menschheit das große Meisterwerk schuldig bleiben. Ihr Schaffen versiegt und sollte es mir- sich noch zu späteren Leistungen kommen, so tragen diese durchaus die Kriterien eines Alterswerkes, d. h., die Routine überwiegt, wohl ist das Schaffen noch möglich, aber das in sich Notwendige fehlt, und damit die überzeugende Kraft und menschheitsbewegende Mission des großen Kunstwerkes. Wohl waren einst auch für sie große Erlebnisse die Geburtsstunde der Aeußerungen gewesen, aber die spatere Zelt rückte die Kunst immer mehr aus dem Mittelpunkte der Persönlichkeit, der Stil des Jüngeren veraltete, er ging nicht mit dem menschlichen Welterleben mit und war nicht mehr fähig, zu seiner Umwelt in der alten Unmittelbarkeit zu sprechen. Der klaffende Sprung im Kontakt mit der Welt blieb dem Schaffenden nicht verborgen, durch Artistentum suchte er das zu ersetzen, was ihm an Fähigkeit zur Aeuherung der Kraft des Erlebens abging, und das Werk zeigte wohl den großen Könner einstiger Zeiten; man würdigte es wohl, aber da das Ueberzeit. liche fehlte, ging man darüber zur Tagesordnung über.
Wie ganz anders bei unserem Darmstädter Meister Arnold Mendelssohn. Er wurde als Sohn eines Vetters von Felix Mendelssohn-Bartholdy in Rati° bor geboren. Nach anfänglichem Jurastudium in Tübingen wendet er sich der Musik zu, empfängt das musikalische Rüstzeug in Berlin bei Haupt, Grell, Zaubert u. a. und wirkte in seinen Wander, jähren als Organist und Universitätsmusiklehrer in Bonn (ab 1880), ab 1882 als Musikdirektor in Bielefeld, ab 1885 als Lehrer am Konservatorium in Köln und findet 1890 sein Wirkunasfeld in Darmstadt. Was er dort geleistet hat in fast einem Menschenalter, das könnte allein schon ein reiches Lebenswerk füllen. Mehr noch aber als durch sein örtlich begrenztes Wirken hat er mit seinem reichen Schaffen der deutschen Musik gegeben. Denn sein Schaffen ist mit seinem Leben aufs engste verknüpft; was er erlebt, das zwingt ihn aur Gestaltung, und so liegt an diesem Gedenktage eine so reiche Zahl von Werken vor uns, daß beim Ueberschauen des Ganzen manches übersehen werten muß. obwohl unverdient.
fall dann greifbar hat ohne Bürgen. Durch das Abholen wandert manche Marr auf die Kasse, die vielleicht sonst andere Verwendung gefunden hätte. Auch untere Schulsparkasse, welche dem Spar- und Kreditverein angeschlossen ist, bewährt sich recht gut. Seit der Gründung im Februar letzten Jahres dis heute wurden eingelegt von Klasse 1 59. . II 250. , III 44. , IV 128.40, zusammen 481.40 Mk. Außerdem beteiligt sich eine ganze Anzahl Schulkinder bei anderen Kassen. Gerade die Schulsparkassen wirken segensreich. Es ist erfreulich, wie eifrig gerade die Kleinsten jeden geschenkten Pfennig in die Schule tragen. Manche Eltern durften einmal später bei Beschaffung der Kleidung zur Konfirmation, oder bergt., jeber Sorge enthoben sein.
: L i ch, 23. Dez. Auf dem hiesigen Fürstlichen ch o f g n t ist unter dem Rindviehbe- ft anh die L » ngense u ch e ausgebrochen. Einige Tiere sind bereits verendet. Ibn einer weiteren Verbreitung der Seuche vorzubeugen, wird wahrscheinlich der gesamte Viehbestand, etwa 6 0 Milchkühe, meist erstklassiges Maierial, abgeschlachtet werden müssen. E« jst (djon mit dem Abschlachten begonnen worden; das Fl e i s ch der Tiere, außer den Eingeweiden, ist genießbar. Ministerialrat B e i I i n g und die benachbarten Kreisveterinärräte waren heute morgen zur Abschätzung des Schadens an Ort und Stelle. Weiter hat Prof. Dr. Z w i ck vom Tierfeuchen-Jnstitut in Gießen, nach- dem gestern bereits von Tierarzt Dr. Walter einige Blutproben von den Tieren entnommen worden waren, heute von dem gesamten Viehbestand zur Sicherung der Diagnose nochmals Blutproben entnommen. Der Wert des in Frage kommenden Viehbestandes ist auf rund.5 0 0 0 0 Goldmart geschätzt worden. We-'n man bedenkt, daß täglich etwa 1000 Liter Milch auf dem Hofe erzeugt mur den, so kann man ermessen, welch großer Schaden dem Besitzer erwächst; allerdings wird der Staat einen Teil des schadens übernehmen, da die Lun- genseuche unter das Viehseuchengesetz fällt. Die M i l ch des kranken Viehes ist ebenfalls genießbar, muß allerdings vor Gebrauch a b g e k a ch troerben. Viele Licher Arbeiter und Beamte wurden seither durch das Hofgut mit Milch beliefert, ein großer Teil der Mild) wurde mit der Eisenbahn nach außerhalb verschickt.
; L i ch, 23. Dez. Lich läßt sich seinen alten Ruhm nicht streitig machen. Seit vielen Jahr- zehnten heißt cs bte ^Seestadt Li ch". Wie schon so oft, macht es auch diesmal Uneben seinem Rainen alte Ehre. Infolge bes plötzlich eingetretenen Tauwrtters und der dadurch veranlaßten raschen Schneeschmelze im Vogelsberg und seinen südwestlichen Abhängen Haden sich gewaltige Wassermassen angesammelt, die nun in schnellem Laufe zu Tal eilen. Bis weit hinauf nach Rtederbessingen, im sog. Grund, find die Wiesen wegen der vielen Windungen und her geringen Tiefe des Wetterbettes in ganzer Breite über schw e m m t. Wetter und Weibgraben, sonst harmlose Bächlein, finb zu ansehnlichen Flüssen angewachsen, die weitgespannten Bogen der Wetterbrücke gewahren den Wogen kaum Durchgang. Rur an einzelnen Stellen unterhalb der Stadt, wo Streckung und Vertiefung des Flußbettes Platz gegriffen hat, schießen die gelben Fluten rascher brausend vorwärts. Wieder einsetzenbet. starker Frost, der allerdings gerade jetzt an den schnee- losen Feldern leicht größeren Schaben anrichten könnte, würde für die Feiertage eine prächtige kilometerlange und dazu ungefährliche Eisbahn schaffen und damit Kindern und Erwachsenen ein gefunheä und außerdem billiges Winter-vergnügen bereiten.
Kreis Friedberg.
—Ilbenstadt. 23.Dez. Feuer brach in der Rächt auf Dienstag in dem Spezerei- geschäft der Witwe Rapp aus. Da es in den Vorräten an Oel, Spiritus und Benzin reiche Rahrung sand, breitete es sich rasch aus. Em Glück war es, daß die Feuerwehr rasch zur Stelle war und mit größtem Eifer das geuer bekämpfte, sonst wäre das gesamte Anwesen abgebrannt. Laden, Küche und Treppenhaus brannten aus. Der im oberen Stockwerk wohnende Schwiegersohn mußte von der Feuerwehr gerettet werden.
B Rodh eim v. b. Höhe. 23. Dez. Am Sonntag nachmittag hielt die Kleinkinder-
Denn alles ist gleid)wertig, weil er eben nie etwas Erzwungenes geschaffen hat, ba ihm sein Schaffen letzte Daseinsnotwendigkeit war.
Und bte Quelle seines Schaffens hat er genährt am Born der alten Meister. Noch in seinen Wanber- jahren erschließt er sich in ber musikalischen Welt Heinrich Schützens Matthäuspassion unb Johcmnis- passion; die Weihnachtshistoric bearbeitete er frei nach der V a ß st i m m e.
Und gerade das Zurückgehen auf diese Quellen und dieses persönliche Vertiefen in sie stärkt sein Stilgefühl und läßt ihn bei allen seinen späteren Werken immer den lebenden Musiker bleiben unb nie in ein formales Akademikertum wie bie meisten seiner Berliner Stubienqenossen versallen. Die alten überlieferten Formen sind für ihn nicht mehr die Regel, nach der man sich zu richten habe, sondern er führt sein musikalisches Erlebnis auf gegebenen Wegen, ohne dabei ein Verweilen, ein Umschatten nach links und rechts auszuschließen und gibt so in der persönlich abgewanbelten Form seine eigene Persönlichkeit, sein Ich in reinster Form.
Unb der Grund feiner Persönlichkeit ist starke Religiosität, schlicht, innig, daher aber kraftvoll. Jedes Geschehen wird ihm Hintergrund für ein religiöses Erleben; und seine sinnige, aber bekennt- nismutige Glaubensnatur hat der geistlichen Musik reiche Werke erschlossen. Texte, bte wir nicht als kirchlich anzusehen vermögen, haben ihn gerade zu seinen schönsten Leistungen angeregt. Sein innerstes Wesen muhte ihn zu den Werken hinführen, die einer Zeit starken mutigen Glaubens entsprachen, unb es ist fein Zufall, daß eines seiner jüngsten Werke, bie „Geistliche Chormusik" (ein Motettenwerk für das evangelische Kirchenjahr) in Parallele M Heinrich Schützens gleichnamigem Werk steht; selbst die Widmung ist die gleiche: „Dem Rate der Stabt Leipzig, bem Schirmherrn des Thomanerchores zugeeignet." Unb das Eintreten des Thomanerchores unter Straube für bieses Werk sollte ihm überall den Weg ebnen; ebenso auch der deutschen Messe für adjiftimmtgen gemischten Chor ohne Begleitung. Dann die Reihe ber Kirchenkantaten: „Das Leiben des Herrn", nach einem alten Volkslieds; „Aus tiefer Not", scheinbar Bachschem Vorbilde folgenb, aber jedoch die Ausdrucksmitel der Chromatik nicht verschmähend, und Stellen, wie z. B. „Was Sünd' und Unrecht ist getan", stehen an Ausdruckskraft einzig da; „Auf meinen lieben Gott" unb „Zagen »Nb Zuversicht', das Dankeswerk für den Ehrendoktor ber Theologie ber Universität Gießen. Dazu
schule ihre Weihnachtsfeier in der hiesigen kleinen Kirche ab. Die Kleinen, die auf ihren Bänkchen um ben christbaumgeschmückten Altar saßen, brachten ihre Lieber unb Gedichte unb sogar einige Weihnachtsspiele unbefangen zum Vortrag. Zum Gelingen ber Feier, bie sich im Beisein der Eltern abwickelte, hatte toe- sentlich bie Kinderschwester Elfriede Ache n- b ad) beigetragen, die es verstand, in mühevoller Arbeit das während der Scharlachferien im Spätherbst Versäumte in ber kurzen Zeit nachzuholen.
Kreis Büdingen.
N i d d a, 23. Dez. Ein hiesiger Metzger- m e i st e r, ber vor einiger Zeit noch Amerik a a u s g e ro a n b c r t war, um sich dort eine Existenz 3ii gründen, ist nach nur kurzem Aufenthalt daselbst wieder h i e r h e r z u r ü ct g e t e h r t. Man sollte meinen, die vielen, die mit großen Eniiäuschungen wieder aus der neuen Welt zurückkvmmen, könnten eine Warnung sein, den Sd)ritt ins Ungewisse zu wagen. Aber immer wieder finden sich noch welche, die in eine ferne Welt horchen, weil man an die Wirklichkeit, daß sic den Ziiwandernden in wirtschaftlicher Hinsicht nichts bieten kann, nicht glauben will.
Kreis Schotten.
lg. Gedern, 22. Dez. Zur Verhütung weiteren Umsichgreifens der unter dem Viehbestand eines hiesigen Viehhändlers festgestellten Maul- und K l a n e n s e u ch c wurden verschiedene Maßnahmen angeordnet; u.a. müssen die Hunbe zu Hause gehalten werden. Aud) mußte der Händler einige A o s ch l a ch t n n ae n (5 Kühe) vornehmen lassen. — Vei einer Treibjagd des Forstassessors Klingelhöffer am Samstag im Gebiet der hiesigen Gemeindejagd wurden 23 Hasen und ein Fuchs zur Strecke gebracht, während bei der gestrigen Treibjagd des Jagdvächters W. Zins im Burkhardser Feld neunHafen geschossen wurden.
.. T Ober-Schmitten, 22. Dez. Gestern kehrte auch ber jüngere ber belben Brüber Döll, bie vor zwei Jahren nach Brasilien aus - wanderten, in feine Heimat zurück. Er arbeitete auf einer abgelegenen Farm in ber Rähe ber Stabt Blume na u unb war in ber Hauptsache in der dazu gehörigen Molkerei beschäftigt. Bei freier Station und täglich 12- bis 14stunblger Arbeitszeit betrug sein Monatslohn, umgerechnet nach unserem Gelbe, etwa 35 Mk. Dieser Lohn reicht nicht aus, auch nur bie uller- uotwenbigsten Anschaffungen für Wäsche, Kleiber unb Schube zu machen, zumal bie bort üblichen Preise bie unseren weit übersteigen. So läßt sichs begreifen, baß bie Zugewanberten unter Ertragung mancherlei Embehrungen nur den Wunsch haben, bas Reisegelb zusammenzubringea, um bie Rückreise antreten zu formen. Von ben zahlreichen Deutschen, bie sich in ber bortigen Gegenb angcftebelt haben unb sich als Alt- deutsche bezeichnen, haben bie in ber Rachkriegs- ,3eit zugewanberien, bie log. Reu brutschen, Weber Eirtgegcntommen noch Förbrrung zu erwarten. Sie betrachten die aus dem Deutschlanb der Revolution Hervorgegangenen mehr als Abeirteurer. denen sie die helfende Bruderhand nicht darbieten wollen.
O b e r - S ch m i i t e n, 23. Dez. Wie sehr man gerade auf bem Lande, wo die Möglichkeit kaum gegeben ist, gute Musik und interessante Vorträge zu hören, die Wohltat des Rundfunks empfindet, beweist bie Tatsache, daß in unserem verhältnismäßig kleinen Dorfe bereits « Teilnehmer vorhanden sind. Weitere Anschlüsse stehen bevor. Wenn bie Leute erst einmal Gelegenheit haben, mitzuhören, dann wächst bas Interesse, unb sie empfinden, welche Annehmlichkeit ber Radioapparat für bie langen Winterabenbe hot.
Eichelsdorf, 23. Dez. Dem Forstmeister Vechtel bahier wurde das Forstamt zu Jugen- h e i m a. d. B. übertragen. Sein Nachfolger ist Forstmeister C h a n t r e , bisher in Schotten. Forstmeister Bechtel hat sich während seines mehrjährigen Wirkens dahier besondere Verdienste dadurch erworben, daß er sichrtes Wegebaus, der während der Kriegsjahre vollständig vernachlässigt wurde, ganz besonders annahm. Eine ganze Anzahl Zufahrtswege zum Walde wurden chauffiert, Böschungsgräben zur Ableitung des Wassers geschaffen, an dem Wegrande Bäume gepflanzt unb an vielen Stellen am Waldranbe, bie einen herrlichen Ausblick gewährten, bequeme Ruhebänke aufgestellt. Diese Annehmlichkeiten, die nicht allein den Gemeinden, Holzfuhrlenten und ber Landwirtschaft, sondern and) die große Zahl von kleineren geistlichen Chören, die alle berufen sind, das Glaubcnsleben unterer Gemeinden zu stärken und zu beleben, und weitesten Kreisen zugänglich sind. Denn das ist eine Stärke des Meisters, daß er trotz aller Weile des Ausdrucks sich in der Wahl seiner Mittel beschränkt unb gerade durch sein reiches Können selbst das Größte und Erhabendstc in einfachstes klarster Form zu geben vermag.
Unb eines Werkes sei hier ganz besonders gedacht, gerade zu dieser Zeit: ^.Das alte deutsche Weihnachtslieb", das er im Verein mit Karl Budde herausgegeben (1924, Hanseatische Verlagsanstalt, .Hamburg) unb zu dem er eine Reihe so schlichter und doch so innig-schöner Melodien beigesteuert hat. Seit langem die schönste musikalische Weihnachtsgabe für das deutsche Volk und für das deutsche Haus; denn diese Weisen verlangen gesungen und Eigentum des Volkes zu werden!
Mendelssohns Domäne ist die Vokalmusik; denn alles Artistisch-Neflcktierendc ist seiner gefunden Schaffensart fremd. Unb besonders die Höhezeit vokalischer Kunst wurde für ihn fruchtbar; seine Madrigale nach Worten aus Goethes „Werther", feine Bearbeitungen für das Volksliederbud, für gemischten Chor (das sog. „Kaiferliederbuch") und eme große Reihe klangschöner Werke zeigen ihn im ausbrucksfähigen, lebenskräftigen Vokalsatz. Denn gerade das Madrigal gewährt dem Schafen'den ausgiebige Gelegenheit, frei ohne starke Formgebunden- beit dem Texte reichste Ausdeutung zu verleihen. Und es scheint so, als ob Mendelssohn hiermit seiner Zeit weit vorausgeeilt ist; denn erst die allerjüngste Gegenwart wendet sich, nachdem die instrumentalen Ausdrucksmittel sich verausgabt haben, dieser Art von Vokalmusik zu. Und es steht zu wünschen und zu erhoffen, daß die nächste tommenbe Zeit sich ber Pflege dieser bisher viel, viel zu wenig beachteten Perlen zuwendct. Auch in den großen begleiteten Vokalwerken folgt er gern Goetheschen Texten: -Paria" (für gern. Chor, Soli, Orchester); „Pandora" (Männerchor. Soli, Orchester). Die Einleitung zu der Legende in „Paria" läßt einen aufhorchen; fast scheint cs hier, daß in der Art dieser Ausdrucksmelodie die Brücke zu Mendelssohns Schüler Hindemith geschlagen ist.
Der Reihe seiner Lieder kurz zu gedenken, auch hier ist der Ausdruck ihm Wegweiser in der Wahl seiner Mittel; Ernst und Humor, Feierliches und Erhabenes findet hier feine Künndung.
jedem einzelnen zugute fominen, sichern dem Scheidenden ein dankbares Gedenken. Seine Untergebenen, die im denkbar besten dienstlichen Verhältnis zu ihm standen, sehen gleichfalls ihren Vorgesetzten nur sehr ungern scheiden.
Kreis Alsfeld.
er. Homberg a. b. Ohm.. 22. Dez. Eine vortreffliche Weihnachtsfeier veranstaltete bie Höhere Bürgerschule am Sonntag- abenb in ber Stablhalle. Rach einem Gesang ber Schüler folgte ein Gebichtvortrag. An- schließend begrüßte Rektor Dr. Appel, ber bet- zeitige Leiter ber Schule, bie in großer Menge Erschienenen, deren Zahl bie geräumige Stabt- halle kaum faßte. Als Ziel ber Feier bezeichnete er, reine Freube durch die Schüler hinein- zutragen in die Versammlung und die ganze Gemeinde. Zwischen Elternhaus unb Schule müsse Vertrauen herrschen, wenn ber Unterricht sruchtbringenb 'ein soll. Seine überzeugungsvol- len Worte fanben bei ben Zuhörern starken Wiberhall. Hierauf würbe ba5r -Eiteborner Krippenspiel in cinbrucksvoller Weise ausgeführt. Der gcmcin'ame Gesang ..O du fröhliche, o du selige" schloß die erhebenden Feierstunden, die bei allen Teilnehmern höchste Befriedigung auslösten.
Kreis Lauterbach.
s Pford t, 23. Dez. Die Bauernhof- re i t e n des Adam I ß l e i u. Georg Fei cke dahier brannten in der vorigen Rächt vollständig nieder. Die Feuerwehren von Pfordt und den Rachbarorten hatten angestrengte Arbeit, um bei dem herrschenden Sturm ein Weitergreifen des Brandes zu verhindern. Die Entstehungsurfache des Drandes ist nicht bekannt.
Maiugau.
Drei Personen durch Gasvergiftung ums Leben gekommen.
WSR. Frankfurt a. M., 23. Dez. Wie wir erfahren, hat sich im Hause Vogelgesang- straße 14 in ber Altstabt ein Drama ereignet, bei dem brei Personen infolge Gasvergiftung lu m 6> Leben gekommen finb. Eine Frau, bie zufällig das Haus betreten hatte, stellte starten Gasgeruch feft unb veranlaßte bie polizeiliche Oeffnung des betreffenden Zimmers. Dabei wurden ein Mann unb zwei Frauen im Alter von etwa 25 Jahren, bereu Ramen bis jetzt noch nicht fest gestellt werden konnten, tot aufgefunben. Cs handelt sich um einen Anglücksfall eigener Art. Der 45jährige Schlosser Valentin Beseler. ber mit einer Frau in wilder Ehe lebte, kehrte in Abwesenheit seiner Geliebten in schwer bezechtem Zustande mit zwei jungen Mädchen heim. Dabei scheint einet von den Dreien in besinnungslosem Zustande auf bie Gaslei - tung gefallen zu fein, wodurch das Gas ungehindert entftrönüe unb alle einschliefen. Vei der Oeffnung ber Wohnung fanb man ben Man r unb eines ber Mädchen auf bem Boben Liegend vor, währenb das andere Mädchen im Beit lag.
WSR. Hanau, 2. Dez. Heute vormittag 9,30 Ahr würbe durch einen Wirbelsturm bie südliche Dachhälfte bes Lagerhauses ber Firma Karl Presser 6- Co. im Hanauer Maw' Hafen in bie Höhe gehoben und in feines ganzen Länge über das Gebäude zirka 30 Meter- weit weggeschleudert. Die abgehobene Dachhälfte hatte eine Länge von 60 Metern um? eine Breite von 15 Metern. Personen finb glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.
Gietzener Wochenmarktpreise.
Cs kosteten auf dem heutigen Wochemnarü: bas Pfunb Butter 200 bis 220, Matte 40, Käse 65 bis 75, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 12. Rotkraut 20, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 45 bis 50, Anter-Kohlrabi 10. Grünkohl 25 bis 30. Rosenkohl 60, FelbsalA 120 bis 150, Tomaten 80, Zwiebeln 12, Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4, Aepfel 15 bis 20, Birnen 30, jung: Hahnen 120, Suppenhühner 120, Ganse 100 bis 140, Russe 60 bis 90, Endivien 80 bis 100; das Stück Eier 19 bis 20. Blumenkohl 60 616 200. Lauch 10 bis 15, Sellerie 20 bis 40.
Selbst der Oper blieb er nicht fern, unb seine Opern „Elfi, bie einsame Magb" (Köln 1896); „Der Bärenhäuter" (Berlin 1900); „Die Minneburg" (Mannheim 1909) legen auch von diesem feinem Schaffen beredtes Zeugnis ab.
Es hieße einseitig sein und vielleicht auch ungerecht, wollte man nicht auch der vielen instrumentalen Werke gedenken; denn auch ba hat er, be sonders auf bem Gebiete der Kammermusik, Werte geschaffen, bie von seinem gefunben Urmusikertum zeugen. Durchaus geht er dem Formalismus aus dem Wege; das seine Wadjgeben an die kleinsten Abweichungen der Stimmung, des Erlebnisses erbringt gerade durch den episodenhaften Ausbau der Form den Beweis für bie Echtheit bes Werkes, für seine Verwachsenheit mit dem persönlichen Er leben des durchaus romantisch empfindenden Meisters.
_ Wohl kaum ein Gebiet, das er nicht in feinem Schaffen gewürdigt und bereichert hat; es würbe zu weit führen, auf einzelne Werke einzugehen. Aber eine -Wesensseite des Meisters fei nicht vergessen sein sonniger Humor, rote er sich in seinen Lied- bearbeitungen widerspiegelt, wie wir ihn in feinen Kammermusiksätzen finden; wer vermöchte z, B. in der strengen Form des Streichquartetts an Stelle des Scherzos einen Walzer zu schreiben so voll-r idyllischer Behaglichkeit und Lebensbejahuna wie er in seinen V-Dur-Quartett (op. 76)!
Vor wenigen Monaten wurde ben Besuchern der Laubachcr Kammermusiktage Gelegenheit gegeben, ein Bilb von seinem Schaffen zu gewinnen. Und allen Besuchern jener Veranstaltung steht noch die rüstige Gestalt des Meisters vor Augen, wie er in jugendlicher Frische selbst noch sein Werk begleitet hatte; fast etwas Bismarcksches in feiner Erscheinung, wie begeistert leuchtend sein Auge!
Und er ist uns vielleicht mehr, als man es ahnt; ein Hort gesunden deutschen Musizierens, echten deutschen Musikertums; den Weltern ein Zeuge einstiger großer Zeit, ben Jüngeren ein Mahner und Wegweiser; eine Stütze unseres Glaubens, auch an die deutsche Musik.
Möge uns ein gütiges Schicksal ihn, ben Darmstadter Kirchenmusikmeister, Ehrendoktor ber Philo- sophie (Heidelberg) unb ber Theologie (GießenX Mitglied der Akademie ber Künste — ober noch besser ihn, den deutschen Musiker, den Hüter der bcuticnen Musik noch recht, recht lange rüstig uni1 frisch in ber Fülle seiner Kraft erhalten! Das sei unser Wunsch zu seinem 70. Geburtstage! -in-


