Ausgabe 
24.10.1925
 
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F

tor. bcr Pfarrer und der Lehrer mit dem einfachen Arbeiter am gemeinsamen Tisch als Mensch zum «Menschen sich fanden. Da merkte man keinen Klassenunterschied und keinen Kastengeist. Das Heim mit seinem Gemisch von allerlei Gästen ist ein glänzender Beweis dafür, das; das Evange­lium der einzige sichere Boden des Sichsindons ist. Das Heim hat eine Zuschuhkasse, welche durch Gaben aus den Gemeinschaften der Pilgermission gefpeist wird. Diese Kasje ermöglichte es. im Laufe des Sommers 41 Personen mit 245 freien Berpflegungstagen. 5 Personen mit 86 Ber- pslegungstagen zu 1 Ml. pro.Tag, 51 Personen mit 804 Berpflegungstagen zu 1.50 bis 2 Mk. pro Tag. 22 Personen mit 340 Berpflegungstagen zu 2.50 Mt. pro Tag für volle Pension aufzu­nehmen. Bei vielen wurde dieser niedrige Satz von Wohltätern übernommen. Beben dem Er­holungsbetrieb fanden Zusammenkünfte und Frei- z eiten für Lehrer und die Jugend statt.

Starkenburg.

Darmstadt, 22. Oft. Die Deutsche Volkspartei hat an Oberbürgermeister Dr. Glässing in Beantworpmg seines letzten Schrei­bens eine neue Erklärung gerichtet, in der es heifot:Sie stellen es so dar, als ob der Grund zu unserer Haltung Ihnen gegenüber einzig und allein in der Stellungnahme zu finden sei, die von der Stadtverwaltung anläßlich der seither von Bürger­meister Daub versehenen Beigeordneten­stelle eingenommen wurde, und befinden sich da­bei in Uebereinstimmung mit dem sozialdemokra­tischenHessischen Volksfreund". Allein wir haben das in unserem Schreiben mit keiner Silbe zum Ausdruck gebracht, und Ihnen selbst kann es nicht unbekannt sein, daß die Meinung s v e r sch i c - denheiten zwischen Ihnen und uns viel älter und tiefgehender sind. (Das Schreiben er­innert dann an die Bemühungen des Oberbürger­meisters, einen Platz in Darmstadt ,.P l a tz der Republik" zu benennen, und an die Entschul­digung des Oberbürgermeisters bei den Sozial­demokraten wegen der Nichtbeteiligung der Stadt­verwaltung an dem R e i ch s b si n n e r t a g in Darmstadt.) Ein solches Verhalten des Oberbür- Meisters, der aus unseren Reihen her vorgegaügen ist, vermögen wir nicht mehr zu decken und hoben Ihnen deshalb zur Vermei­dung schädigender Rückwirkungen auf uns selbst unsere Mißbilligung ausgesprochen. Wenn das der Herr Vorsitzende der Partei gemeinsam mit der Stadtverordnetenfraktion getan hat, so geschah dies abgesehen von der selbstverständlichen Be­rechtigung jedes Bürgers hierzu in seiner Eigen­schaft als Führer derjenigen Partei, deren Mit­gliedschaft Sie seinerzeit erworben und noch nicht aufgegeben haben. Die Stadtverordnetensrak- lion war sich bei ihrem Vorgehen wohl bewußt, daß auf den städtischen Oberbürgermeister die Grundsätze parlamentarischer Ministerien nicht ohne weiteres Anwendung finden. Soviel muß aber auch dem städtischen Oberbürgermeister klar sein, daß die Ersprießlichkeit seines Wirkens von dem Ver­trauen der Mehrheit der Stadtver­ordnetenversammlung und der st ä d t i - schon Bevölkerung abhängig ist. Sie haben sich aber durch Ihre einseitige politische Stellung­nahme wiederholt in scharfen Gegensatz nicht nur zu unserer Partei, sondern zu der Mehrheit der Bevölkerung unserer Stadt gesetzt und diese Mehrheit findet sich nicht im sozialdemokratischen Lager!" Das Antwortschreiben ist wieder unter­zeichnet von dem Vorsitzenden der Stadtverord­netenfraktion Sanitätsrat Dr. N o e l l n e r und von dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Deut­schen Dolkspartei, Abg. D i n g e l d e y.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

] Wetzlar, 23. Okt. Die heutige Stadt- verordnetensihung, die erste nach den Sommerferien, hatte für die öffentliche Sitzung nur unwesentliche Punkte zur Beratung. Eine Anfrage der s o z i a l d e m o k r a t i s ch e n Frak­tion wegen der bekannten Vorfälle bei der Dergebung der Straßenschilder an den Stadtverordne.en Schlossermeister 11 Im wurde vertagt, weil der Genannte selbst nicht an­wesend war. Die Beschlußfassung über die neue Ortssahung der kaufmännischen Be­rufsschule wurde te/ agt; die Gebühren­ordnung für die Abdeckerei angenommen, wobei sich noch eine Debatte über eine in spätere Aussicht genommene Kadaver-Berwer- tungsanstalt entspann. Der Erhöhung der Wanderla^ersteuerzuichläge V url e zu- gestimmt. Beu a s die Tagesordnung gesetzt wurde ein Antrag der sozialdemokratischen Frak­tion, weitere 20 000 Mark für Instand­setzung alter baufälliger Wohnun­gen zu bevilligen. Da eine Kommission des Bauausschusses bereits «ine Ortsbesichtigung vor- genommen hatte so wurde die Summe ein­stimmig g e e b m i g t. Die bewilligte Summe soll aus Mehrü erweisungen der Einkommen­steuer ge.romn.e i erlern Ein Wei e.er neu h.nzu- genommener Beratungspunkt war die F e st - sehung der Märkte für dos Jahr 1 9 2 7. Auch hier erfolgte die Genehmigung nach Vorschlag der Verwaltung. Die wichtigsten Beratungsgegenstände scheinen diesmal der nichtöffentlichen Sitzung bor'c'a'en ge­wesen zu sein. DaS geht aus einem Antrag des Swdtverord'.'.e en Der lich hervor, der wünschte, daß die Punkte 5 und 7 der nichtöffentlichen Sitzung öffentlich be a'en werden sollten. Ein Antrag des Stadtverordne en Köhler wegen Punkt 5 bewegte sich im gleichen Sinne. "Nach­dem der B ü r g e r m e i st e r in Aussicht ge­nommen ha'le, d'.e Beschlüsse des Kollegiums zu dielen Punkten in der nächsten öffentlichen Sitzung sowieso bekannt zu geben, heute aber um Beratung in nichtöffentlicher Sitzung bat, zogen d'e Antragsteller ihre Anträge zurück.

] Wetzlar, 23. Okt. Die Stadtverwaltung hat nunmehr beschloßen, die Bollerbrücke, eines der größten Verkehrshindernisse int Zuge der Bahnhofstraße, zu erweitern.

Mit den Arbeiten ist vor einigen Tagen bereits begonnen worden. Die Verbreiterung soll jedoch nur nach der Ostseite vorgenommen werden, während die äußerst gefährliche Kurve an der Westseite bestehen bleibt. Sie wird zwar durch die um etwa 4,5 Meter größere künftige Breite zum Teil gemildert. Daß die Stadt sich nur zu einer teilweisen Verbreiterung entschlossen hat, dürfte außer mit der Kostenfrage auch noch mit der beabsichtigten Lahnkanalisierung zu­sammenhängen, die besonders für die Stadt Wetz­lar von außerordentlicher Bedeutung ist. Bach- dem alle früheren Pläne anscheinend fallen ge­lassen worden sind, soll nach dem neuen Projekt die Schiffahrt angeblich durch das jetzige Lohnbett innerhalb der Stadt geleitet werden. Hierfür wäre die Riederlegung der beiden großen Wehre und die Schaffung eines Stauwehres unterhalb der Stadt erforderlich. Bei Durchführung dieses Projektes kann der jetzige Schleusenkanal ent­behrt und zugeworsen werden. Damit würde auch die Bollerbrücke ganz verschwinden und ein freier Platz erstehen, der allen Anforderungen eines immer mehr steigenden Verkehrs genügen würde. Diese Gesichtspunkte dürften auch die Stadtverwaltung nur für eine Teilerweiterung bestimmt haben, lleberhaupt steht unsere Stadt­verwaltung vor ungeheuer schwierigen Aufgaben inbezug aus die Lösung des immer mehr zu­nehmenden Kraftwagenverkehrs. Die engen, krummen und bergigen Straßen der Innen­stadt vertragen eine weitere Belastung fast nicht mehr. Die weitere Schaffung von Um­gehungsstraßen, besonders eine Verbin­dung der Unterstadt mit dem Bahnhof durch Er­bauung einer neuen Brücke über die Lahn am Haarplatz, wird immer dringender. An eine Durchführung kann aber heute leider aus finanziellen Gründen nicht gedacht werden, da die Beschaffung solch erheblicher Mittel zur Zeit ausgeschlossen erscheint.

kz. Wetzlar, 23. Okt. Die alte Franzis- kanerkirche am Schill erplah, die in den letzten Jahrzehnten völlig dem Verfall preis- gegeben war, wird zur Zeit einer gründlichen Reparatur unterzogen. An dem Dache, dessen Ziegel zum Teil zerbrochen und abgefallen wa­ren, so daß der Begen an vielen Stellen ein­bringen und fein Zerstörungswerk verrichten konnte, sind eben die Gerüste der Dachdecker aufgeschlagen. Die Kirche wird auch im Innern neu hergerichtet werden und eine neue Orgel erhalten, die bereits der Orgelbaufirma Walker in Ludwigsburg in Auftrag gegeben worden ist.

- ö Dutenhofen, 23. Okt Ein 6äu­ge r f e ft verbunden mit Fahnenweihe be­absichtigt der hiesige GesangvereinHar­monie" am 20. und 21. Juni nächsten Jahres abzuhalten. Trotzdem b:r Verein erst kaum zwei

Jahre besteht, hat er auf dem Gebiete der Sangeskunst große Fortschritte gemacht. Auf einem Gefangswettstreit in diesem Jahre wurde er bereits preisgekrönt.

# Erda, 22. Okt. Als gestern ein Landwirt die Jauche aus der Grube der H a a r f a b r i k weg­fahren wollte, entdeckte er in der Grube eine neu­geborene Kindesleiche. Die Polizei wurde herbeigerufen und ist jetzt mit der Aufklärung der Tat beschäftigt. Vorläufig liegt völliges Dunkel über dem Verbrechen.

Kreis Biedenkopf.

T Waldgirmes, 23. Okt. Da die W i ck- I c r in der Zigarrenfabrik von Rinn u. C l v o s dahier bei schlechtem Material nach dem Tarif wenig verdienten, sind sie heute morgen in den Streik getreten.

bl. Bischoffen, 23. Okt. Allenthalben hört man darüber Klage führen, daß an Sonn­tagen der letzte Zug n a ch H e r b o r n schon nach 3 Uhr unseren Ort verläßt. Ebenso ergeht es natürlich auch den Ortschaften der Umgebung. Bei größeren Festlichkeiten, wie z. B. anläßlich der Einweihung unseres Kriegerdenkmals am vergangenen Sonntag, wurde es den Teilnehmern nicht ermöglicht, die Bahn zu benutzen, da die Weihe des Denkmals beim Abgang des Zuges noch nicht zu Ende war. Aber auch bei sonstigen Begebenheiten hält die Rückfahrt schwer. Wäre es nicht zu ermöglichen, daß der Zug erst später fahren könnte, vielleicht gegen 5 ober 6 Uhr? Ohne Zweifel würde der Bahn eine Mehrein­nahme durch regere Benutzung entstehen, und der Bevölkerung des Ahrtales wäre weit besser gedient.

bl. Hartenrod, 23. Okt. Die hiesigen Schwerspatwerke der Deutsch-Luxemburgi­schen A. G-, Sitz Ludwigshafen, arbeiten mit 2 Grubenbetrieben. Die Gesamtbelegschaft be­trägt z. Zt. etwa 150 bis 160 Mann.

Dillkreis.

bl. Rodenroth, 23. Oft. Mit dem Bau einer Wasserversorgungsanlage wurde in unserer Gemeinde begonnen. Hiermit kommt man einem langgehegten Wunsch nach.

bl. H irzen ha in, 23. Okt. In unserer Ge­markung ist die Förderung von Diabas (Grün- ftein) äußerst rege .4 Gruben sind in voller Tätigkeit, zwei stellten kürzlich den Betrieb ein. Es handelt sich hierbei um einen Stein, der zur Errichtung von Denkmälern und sonstigen größe­ren Bauten verwandt wird. Unsere Gemeinde hat z. Zt. noch etwa 30 Erwerbslose, die bei dem Wegebau nach B a n z en b a ch be­schäftigt werden. Die Lage der Cisenerzgruben in der hiesigen Umgebung ist nicht besonders günstig, da die D a h n t n r i f e den Betrieb noch zu sehr hemmen.

In Oberhessens Nosenort.

Von unserem nach Steinfurth entsandten <r-Mitarbeiler.

Steinfurth, 22. Oktober.

Wenn unser freundlich im Wettertal ge­legener Ort in her ganzen Welt genannt wird, jo hüt er diese Berühmtheit den oielbemimborten Rosenkulturen zu danken, die eingestreut in die Frucht- und Kartoffelfelder der Gemar­kung einen ganz besonderen Reiz verleihen. Wer im Hochsommer auf gern benutztem Wanderpfade von B a d - R a u h e i m ober von Münzen berg aus sich unserem Dorfe nähert ober wer mit ber Wetter­talbahn unsere Fluren durchguert, der wirb immer unb immer roieber bezaubert unb entzückt sein non der herrlichen Pracht der in vielen Farben leuch­tenden Rosenäcker.

Es sind gut 50 Jahre her, daß hier der Grund­stock zu den heutigen Kulturen gelegt wurde. Im Jahre 1868 schufen Heinrich, Konrad und Wilhelm Schultheis die ersten Rosenanlagen unb grün­deten die Firma Gebrüder Schultheis,. eine der ersten Unternehmungen, die sich um

die Einführung der Rosenzucht in Deutschland verdient gemacht haben. In den 70er Jahren be­trug die Menge der nur von genannter Firma an- gebauten Rosen bereits etwa eine Million Buschrosen und 50 000 Hochstammrosen. Durch­schnittlich 120 Gärtner fanden in dem Betriebe dauernde Beschäftigung. In den 80er Jahren mach­ten sich dann viele ber hier ortsansässigen Ange- stellten selbstänbig. Sie begannen mit ber Anzucht von Buschrosen in kleinerem Ausmaße unb verschaff­ten sich so eine lohnbringenbe Nebenbeschäftigung. Im Laufe ber Zeit hat sich durch bie bessere Ren­tabilität gegenüber ber Landwirtschaft die Klein­anzucht ber Rosen derart verwehrt, daß heute jeder Landwirt des Ortes kleinere ober größere Mengen Rosen züchtet. Diese Entwicklung war vor allem ba- durch günstig beeinflußt worben, baß in ben Jah­ren 1908 unb 1919 die großen v. Löwschen Güter, die bis dahin im Besitz größerer Pächter waren, an die kleinen Landwirte unb Gärtner zur Ver­pachtung kamen. Die Gesamtfläche, bie zur Zeit im Dienste ber Rosenzucht steht, beträgt etwa 2 5 0 bis 3 00 Morgen, das ist ein Zwölf­tel bis ein Zehntel bes Gemarkungsinhalts.

Will der Rosenbauer ein neues Feld anlegen, so verschafft er sich zunächst Wildlinge. Er erhält diese von außerhalb, etwa aus Holstein, ober er zieht sie sich aus ben Samen ber wilben Rosen (Hagebutten) heran, die allerdings ein volles Jahr zum Keimen brauchen. Die Wildlinge werden im Frühjahr gepflanzt unb im Sommer des gleichen Jahres veredelt, um dann im folgenden Frühling als Edelrofen auszutreiben. Viel Mühe muß aufge­wendet werden, bis einmal die Arbeit den verdien­ten Lohn bringt. Der Boden verlangt eine tiefgrün­dige Bearbeitung, bevor mit der Anlage einer neuen Kultur begonnen werden kann. Dann muß bas Rosenfelb im Laufe bes Sommers mindestens 6- bis 8mal gründlich gehackt werden. Am mühevollsten aber ist die Arbeit des Veredelns, die bei ben Buschrosen boch ftänbig in gebückter Stellung aus­geführt werben muß. Trotzdem bringen es manche Leute fertig,

am Tage bis zu 2000 Stück zu okulieren.

Die burch die geschützte Lage im tiefen Talkessel ber Wetter bedingten klimatischen Verhältnisse, vor allem aber ber fruchtbare Boden der zum Teil, mit Löß bedeckten Tal hänge sind günstige Vorbe­dingungen für ben Anbau ber Rosen. Lehm, leh­miger Sand unb sandiger Lehm werden als die besten Bodenarten bezeichnet. Haupterfordernis bleibt aber immer, baß Kalk nicht fehlt. Daß der Anbau im Rahmen der landwirtschaftlichen Wechsel­wirtschaft erfolgt, d. h. daß na cf) zwei Jahren die Felder wieder für andere Kulturgewächse benutzt werden, ist ein weiterer Vorzug der Steinfurther Kulturen. Eine besondere Düngung der Roscnäcker ist bei dieser Bewirtschaftungsari nicht notwendig.

Die Blütezeit der Rose beginnt Mitte Juli und dauert bis Ende Oktober, bei günstigem Herbstwetter gar bis in den November hinein. Wäh­rend dieser Zeit steht unser Dorf

im Zeichen des Blumenversandes.

Täglich gehen die sorgfältig verpackten Rosenkörbe von hier nach Bad-Nauheim, von wo sie von ben Abendzügen als Expreßgut mitgenommen, um dann schon am nächsten Morgen alsfrische Ware" auf den Märkten der deutschen Großstädte feilgeboten zu werden. Bad-Nauheim selbst kommt, wie das vielfach angenommen wird, als Abnehmer ber Schnittblumen so gut wie n i ch t in Frage. Der Ver­kauf erfolgt hauptsächlich an Grossisten. Berlin, München, Frankfurt u. a. finb bie bebeu- tenbsten Absatzgebiete. Zur Zeit hat die Kleinbahn noch täglich ihreRosenlabungen", bie am Bahn­hof Bab-Nauheimumgeschlagen" werben. Erst die ersten Fröste machen biefem Gang bes Dersandge- schöstes ein Ende. .

Dafür setzt jetzt der viel wichtigere Versand ber Pflanzen (Rosenstöcke) ein. Er dauert von Mitte Oktober bis Ende November und wird im Frühjahr in der Zeit von Ende Februar bis Ende April nochmals aufgenommen. Abnehmer der Pflan­zen find fast ausschließlich Grossisten. Nur die hie­sige Großfirma Gebr. Schultheis besaßt sich vor­wiegend mit dem Verkauf an Private. Die Nosen- pflangen gehen in Ballen, Kisten ober in fertigen Waggons in alle Weltteile. Dor bem Kriege betrug die Zahl ber jährlich ausgeführten Buschroschen etwa 5 Millionen. Krieg und Nachkriegszeit brachten einen schmerzlichen Rückschlag. Nachdem die Ver­bindung mit dem Auslande, vor allem auch mit Amerika, aber wieder aufgenommen, ft e i g t die Verkauszahl aber wieder erfreulich an. Sie wird

in diesem Jahre die 3. Million erreichen.

Der Verkauf fertiger Pflanzen ist das Haupfzuchtziel des Steinfurther Nofenbaus. Der Absatz von Rosen­augen zum Veredeln ist von untergeordneter Be­deutung, wie auch der Versand ber Schnittblumen nur bie Rolle einer Nebenbeschäftigung unb eines Nebenverdienstes spielt.

In unserem oberhessischen Wirtschafts­leben nehmen die Steinfurther Rosen- kulturen eine Sonderstellung ein. Sie haben sich in das sonst übliche System des Wetterauer

landwirtschaftlichen Betriebs als treffliche Ergäu. jung eingegliedert und sind in ihrer Rentabilität zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor unseres Ortes ge­worden, dessen gesunde Wohlhabenheit degriin- bet ist in den reichen Rosenfelbern und in bem um errnüblichen Fleiß ber großen Züchter unb ber kleinen Rosenbauern.

Kirche und Schule,

Die

Oberhessischc Lutherische Konferenz" bie ihren Mittelpunkt in Marburg hat, hielt bieser Tage so berichtet man uns eine schöne Tagung in dem freundlichen oberhessischen Städt­chen Wetter ab. Die Tagung erhielt burch ihre Zusammensetzung aus Menschen ber verschiedenen Beoölkerungsschichten ihr eigenartiges unb einzig­artiges Gepräge. Gelehrte unb Ungelehrte, Geist­liche unb Laien, Männer unb Frauen waren ver­treten unb untereinander verbunden durch denselben Geist des Glaubens, der Liebe und ber Hoffnung.

Am Abenb bes ersten Tages hielt Generalsuper- intenbent D. Dettmering aus Kassel ben Er­öffnungsgottesdienst (Matt. 16, 1320). Man stand dem Hirten unb Seelsorger innerlich so nahe und bäte boch bas Gefühl, als wenn.man nur aus der Ferne lauschte. Man sah bie Herrlilykeit Jesu und seiner Kirche aufleuchten unb hörte die GiX'issens- frage: Was jagt denn ihr, Tu) fei? Das Funda­ment, bas in ber Ewigkeit wurzelt, das vvn ber Ewigkeit kommt unb in bie Ewigkeit fte'1 was uns zu Felsen-Menschen macht, ist bas Pet^ s-Be- kennmis zu ihm:Du bist Christus, bes lebendigen Gottes Sohn." Don hier aus wirb man gesegnet unb mit ber priesterlichen Vollmacht ber binbenben und lösenden Gewalt Himmels unb ber Erbe be­schenkt. Nach dieser Feierstunde fand man sich noch- mals in einem kleineren Kreise zusammen, mo Pfarrer Dr. S i p p e l aus Marburg so spannend unb fesselnd über seine Reise nach Oslo zur All­gemeinen Lutherischen Konferenz erzählte, daß man. sich nachher erst einen Augenblick darauf besinnen mußte, daß man nicht in Oslo war, sondern in Wetter.

Der folgende Tag begann mit einem schönen lithurgischen Morgengottesdienst (Matutin). den Pfarrer I r a e l - Öberosphe hielt, unb ber in sei­nem wundervollen Aufbau zeigte, welch reiche Schätze für unser gottesdienstliches Leben hier noch verborgen liegen. Den Hauptvortrag hielt Pro­fessor Ebert-Erlangen, nachdem Superintendent Landau- Marburg, der Vorsitzende ber Konfe­renz, ein herzliches Begrüßungswort gesprochen und Aufgaben und Ziel ber Konferenz klar gekenn­zeichnet hatte. Professor Ebert zeigte Luther in seinem Werden unb ließ miterleben, mitahnen, durch welche Not, durch welche Angst dieser Mann gegangen ist, welches Grauen ihn in seinem Wer­den umfing, wie einsam er war, da er Gott nicht verstand und Gott nid)t antwortete bis schließlich Gott aus dem Verborgenen heraustrat unb bem verzweifelnben unb sinkenben Mann bas rettende Seil zuwarf. Du sgllst nichts tun. du sollst nur glauben lernen. Im fleischgeworbenen Wort, in Christus, hat Gott bir alles vergeben unb alles gegeben. Du bist ein begnadigter Mensch. Frage nicht, grüble nicht, nimm es als Gottes Geschenk hin: Deine Sünden sind dir vergeben vergeben in Christo. Sein Tod bürgt dir dafür, aber freilich nur deshalb, weil hinter dem Tod, hinter bem Kreuz von Golgatha der Auferstandene steht: Ich lebe unb ihr sollt auch leben. Luther ist im Lauft der Zeit vielsach nicht verstanden und vielfach nicht mehr verstanden worden. Es ist eine Freude, baß wieder mancherlei Anzeichen vorhanden sind für ein besseres unb tieferes Verständnis biejes Propheten. Zurück zu Luther unb vorwärts mit Luther!" beutsches Volk so wirst du genesen. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache, an ber sich auch bie anwesenden Professoren der Universität Marburg beteiligten. Die beiden folgenden Vor­träge (Pfarrer Naumann- Goßfelden unb Psar-. rer Kahler- Weitershausen zeigten, welchgüA ben Kleinod" wir in Luthers Katechismus haben, unb wie groß feineBebeutung für das alltägliche Christentum" ist. Man war bantbar für bas Dar- gebotene unb hörte im Herzen ein Singen und Klingen: Gottes Wort unb Luthers ^Lehr' Ver­gehen nun unb nimmermehr. Die Tagung wurde vom Vorsitzenden mit Gebet unb ben herzlichsten Segenswünschen geschlossen.

Es steht zu hoffen, baß bie nächste Tagung im Frühjahr in Marburg selbst ftattfinben wird. Solche Tagungen finb für unser Volksleben mehr wert als alle Versuche moberncr unb modernster Heilkünstlex zusammengenommen.

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