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Firmen bevorzugt wer- ! und Wohnungsfragen dem Ministerium für Handel und Gewerbe übertragen werden.

Sueida von den Drusen genommen?

London. 23. Sept. (WTB. Funkfpruch.) .Times" berichtet aus Beirut, die Vorhut der Kolonnen deS Generals Gamelin sind kaum noch 5 Meilen von Sueida entfernt. Mehrere Angriffe der Drusen sind zurückgeschla­gen worden. Es wird angenommen, daß die Franzosen eine Anzahl von Panzerwagen mit sich führen und in kurzem Sueida entsetzen werden. Aach einer anderen Meldung aus Kon­stantinopel ist Sueida gestern von den Drusen im Sturm genommen. Die 400 Mann starke Besatzung soll gefangen genommen fein. Zahlreiche MunitionSbeständc und Kriegs­material, darunter zwei Panzerwagen, sollen von den Drusen erbeutet worden sein.

Die Lage in Marokko.

Madrid, 23. Sept. (Havas.) Alle Mit­glieder des Direktoriums und alle Anterstaats- sekretare fanden sich gestern abend im Minister­präsidium zusammen, um der telephonischen Unterhaltung des Admirals Magaz mit Dem Oberkommissar von Tetuan beizuwohnen. Kurz daraus wurde der Presse eine Mitteilung über­geben, in der es heißt, man beobachte im all­gemeinen eine ziemlich deutliche Auflösung der feindlichen H a u p t st r e l t m acht. Mehrere feindliche Stämme hätten sich gegen Ald el Krims Oberhoheit aufgelehnt. General Primo de Rivera habe von Alhucemas aus mitgeteilt, das) die Vorbereitungen für denspanischenVormarsch eifrig betrieben würden. Am Frontabschnitt von Alhucemas haben das Flugzeuggeschwader und d^c Batte­rien von Mvrro Ruevo die feindliche Stellung heftig beschossen. Die Stämme der Geanaja und der Beri Genil sind der Aufforderung Abd el Krims, neue Kontingente zu stellen, nicht nachge- kommen und erklären, daß ihre sämtlichen ver­fügbaren Mannschaften bereits an die fran­zösische Front abgegangen seien. Gestern stieg eine feindliche Abteilung die Feldsenkung von Morro Ruevo hinab, um eine Kompagnie der spanischen Legion und eine Schützenabteilung im Rücken zu überraschen. Sie wurde ledoch unter schweren Verlusten zurückgeschl a g e n. Ein höherer spanischer Offizier hat der lleber- zeugung Ausdruck gegeben, daß der Vormarsch der spanischen Truppen auf Ajdir zum Scheitln komnie. wenn die Franzo f en nicht gleich­zeitig durch eine energische Offensive an der ^lerghafront die Rifftruppen fesselten. Jn T e- tuan herrscht große Besorgnis wegen des Schick­sals der Expedition nach der Ceba- drllabucht. Das feindliche Gewehr- und Ge» schühfeuer wird immer heftiger. Jeden Tag bringt ein Hospitalschiff Verwundete von Cebadilla nach Melilla.

Die amerikanischen Flieger bleiben in Marokko.

Paris, 23. Sept. (W.T.D. Funkspruch). HavaS meldet aus Fez,, die amerikanischen Flie­ger haben beschlossen, auch fernerhin trotz der ibnen zugegangenen Warnung aus Washing­ton Dienst in den gegen Abd el Krim kämpfenden Heeren zu leisten. Rach dem Reuhork Herald" sollen die Flieger erklärt haben, es sei ihnen offiziell von ihrer Regierung keine Mitteilung zugegangen. Das, was ihnen über die Angelegenheit gesagt worden fei,, hätten sie lediglich aus französischen und amerikanischen Zeitungen entnommen.

Die polnische wirtfchaftsttisis.

9 Warschau, 23. Sept. (WTD.) Die Dor- -Arbeiten im Finanzministerium für das San i e° rungsprogramm sollen noch diese Woche beendet werden. Der Sejm wird in seiner ersten Sitzung dieses Jahres, am 1. Oktober, sich mit dem Dudgetvorschlag für 1926 beschäftigen. Bei dieser Gelegenheit wird der Minister­präsident ein umfangreiches Expose über die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Landes geben. Don dem Verhalten der Regierung und des Sejm zu den neuen Gesehesprojekten hängt das weitere Schicksal der Regierung ab. Ver­schiedene Parteien der Mitte und der Linken wollen die Wirtschaftspolitik Grabskis einer schar­fen Kritik unterziehen.

In der polnischen Arbeiterschaft macht sich eine starke Erregung über die schlechten wirt­schaftlichen Verhältnisse bemerkbar. Die Arbeiter der Lodzer Textilindustrie hielten eine Versammlung ab, in der auf die Rotlage der Arbeiterfamilien hingewiesen wurde. Die Arbeit­geber entlohnten ihre Arbeiter nicht mit Geld, sondern mit Textilerzeugnissen, mit denen sie nichts anfangen könnten. In verschie­denen Betrieben zwinge man die Belegschaft zu Heberftunöen, die nicht bezahlt würden. Es wurde der Beschluss gefaßt, nicht mehr Waren statt des Geldlohnes anzunehmen. In einer Ent­schließung werden die Arbeiter zum Selbstschutz gegen die Arbeitgeber aufgefordert, die die große Arbeitslosigkeit und die schlechte Wirtschaftslage ausnuhten, um die Lohn- und Arbeitsbedingun­gen dauernd zu verschlechtern.

Mißhandlungen Deutscher in Oberschlesien.

Deuthen (O.-Schl.), 23. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die ,Ostdeutsche Morgenpost" meldet aus Hohenlinden: Am Samstagnachmittag drang eine Horde Insurgenten mit Knüppeln in das Beamtenkasino in Hohenlinden ein und vertrieb unter Mißhandlungen die deutsch- gesinnten Personen. Diese mußten durch die Fenster auf die Straße flüchten. Selbst Kinder, die auf der Straße deutsch sprachen, wurden miß­handelt.

Einschränkung des russischen Außenhandelsmonopols.

Moskau, 23. Sept. (TU.) DerInternational Preß Service" teilt mit, daß vom 1. Oktober ab das russische Außenhandelsmonopol eingeschränkt werden soll. Einige Funktionen des Außenhandels­kommissariats sollen deutschen Privatfir­men übergeben werden. Im Zusammenhang mit der Erweiterung der Geschäftstätigkeit der Ber­liner sowjetrussischen Handelsvertretung beabsichtigt des Außenhandelskommissariat die A u s f ü h rung von kleineren Aufträgen den deutschen Privatfirmen zu übertra­gen, wobei die in sowjetrussischen Hauptkonzej

lionskomitees eingetragenen den sollen.

Die 3eppelin«Eckener-§pende.

Der ReichSauSschuß für die Zeppelin-Ecke» ner-Spende schreibt:Zahlreiche uns vorliegende Anfragen veranlassen unS zu folgenden Feststel­lungen: Die im Anschluß an die Friedrichshafenev Tagung stattgehabten Besprechungen haben zu dem Ergebnis geführt, die Haupt fammel- tätigfeit, vor allem die geplante Zeppelin- Eckener-Woche, die Straßensammlungen usw. in die Monate Oktober und Rovernber zu verlegen. Maßgebend für diesen Entschluß war die Erwägung, daß in vielen Teilen des Reiches die großen Ferien sich bis in die zweite September hälfte erstrecken, daß die Beendi­gung der Ernte in den ländlichen Kreisen eine höhere Geldflüssigkeit herbeiführen und daß Zeit gewonnen werden sollte, die einzelnen Sammlungen gründlich vorzubereiten und die mancherlei zeitraubenden Formalitäten zu erledigen, die mit der Einholung der Genehmi­gung zur Sammlung bei sämtlichen deutschen Freistaaten nun einmal verbunden sei.

Daß die Spenden angesichts der schlechten Wirtschaftslage nicht in dem Ausmaße und dem Tempo wie nach Echterdingen einlaufen würden, war von vornherein klar, und deshalb ist bereits vor Monaten ein Arbeitsplan aufgestellt und dann später in Friedrichshafen gebilligt wor­den, der von den bisherigen Sammel^thoden, die an sich erprobt, aber für die derzeitige Wirtschaftslage nicht geeignet sind, grundsätzlich abweicht und darauf abgestellt ist, kleine und kleinste Beträge restlos zu erfassen. Der Aufbau der dafür erforderlichen Organisation er­fordert indessen trotz fieberhafter Arbeit Zeit und deshalb müssen wir an unsere Freunde im Lande die Bitte richten, noch etwas Geduld zu üben. Cs wird in den nächsten Wochen jedem Gelegenheit geboten werden, sein Scherslein bei» zusteuern, auch wenn es so klein ist, daß er es nicht in der Zeitung quittiert zu sehen wünscht oder es sich nicht verlohnt, damit zur Bank oder zum Postamt zu gehen. Es hat sich bislang alles planmäßig entwickelt und wenn jeder seine Pflicht tut, wird trotz der Unbill der Zeit ein voller Erfolg erreicht und Zeppelins Werk dem deutschen Volk erhalten werden.

Der Einzelhandel im Reichswirtschaftsminifterinm.

Am 18. September fand im Reichswirtschafts­ministerium eine Besprechung zwischen Vertretern der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und aller ihr ongefchlosscnen Verbände statt, bei der die Vertreter des Einzel­handels unter Tieberreichung des einschlägigen Materials über die gegenwärtige Lage und die Preisgestaltung im Einzelhandel Bericht erstatte­ten. Es wurde dabei seitens der Vertreter des Einzelhandels sowohl auf die Preisgestaltung der Vorlieferanten, als auch auf die übrigen Momente, die die Kalkulation des Einzelhandels beeinflussen, hingewiesen, insbesondere auf die Steuergesetzgebung des Reiches und die An­forderungen der Länder und Gemeinden. Leb­hafte Klage wurde über die außerordent­lichen Belastungen durch die verschiedenen Maßnahmen der Reichsbahndirektionen geführt, insbesondere wurde darauf hingewiesen, daß trotz der fortdauernden, unbewiesenen Be­hauptung, daß der Handel überseht sei, seitens der Reichsbahndirektionen eine Ladenver­kauf s st e l l e nach der anderen in den Bahn­höfen mit unbeschränkter Verkaufs­zeit eröffnet werde.

Der Vertreter des .(.ichswirtschaftsministe- riums entwickelte dann den Gedankengang, der bei der Regierung einen Versuch zur Herbei­führung einer Preissenkung veranlaßt habe, wo­bei er ausdrücklich betonte, daß seitens der Regierung der Einzelhandel nicht etwa als der vorwiegend für die Verteuerung in Betracht fom- ! meade Faktor angesehen werde und daß daher i besondere, über das allgemeine Maß hinaus- gehende Einwirkungen gerade gegen ihn nicht beabsichtigt seien. Die Stellen der Verteuerung lägen für die verschiedenen Waren durchaus nicht einheitlich, viel eher kämen verschiedene Stufen in der Gütererzeugung und Güterverteilung in Betracht. Das Ziel der Maßnahmen der Reichs- regienmg sei, zu verhüten, daß der autonome Zolltarif, der im wesentlichen zu Verhand­lungszwecken bestimmt sei, bis zum Abschluß von Handelsverträgen von der deutschen Wirtschaft zu einer Erhöhung der Preise aus- g e nützt würde, und darüber hinaus zu be­wirken, daß diejenigen Verbilligungen, die au > Grund der Aufwertungs- und Steuergesetz­gebung des vergangenen EommerS möglich seien, sich in einer sinkenden Preiskurve äußern können. Mit dem WorteZwischenhandel" sollte nicht der Einzelhandel besonders getroffen werden.

Kleine politische Nachrichten.

Das hessische Justizministerium hat dem Landtag die hessische Verordnung über Straffreiheit übermittelt und ihn gebeten, nach seinem Zusammentritt sie zu bestätigen. Die hessische Amnestievorlage unterscheidet sich von Der des Reiches dadurch, daß für Hessen als Stichtag für alle Straftaten der 15. Juli 1925 an­genommen worden ist.

Der Finanzausschuß des hessischen Landtags beriet die von verschiedenen Parteien des Hauses eingebrachten Dorstellungen der Rück­zahlung der Notstandskredite für die Landwirtschaft. Minister Raab gab hierzu eine Erklärung ab, daß die Regierung auf der Rück­zahlung bei i. Rate, und zwar am 10. September, b e st e h e n müsse. Die Regierung wolle versuchen, die anderen beiden Raten in langfristige Kredite umzuwandeln oder den Zeitpunkt der Rückzahlung weiter hinauszuschieben, so daß aus dieser Ernte nichts mehr zurückgezahlt werden braucht. Der Ausschuß erklärte sich mit dieser Rege­lung einverstanden.

Die Wirtschaftliche Vereinigung hat im preu­ßischen Landtag einen Antrag eingebracht, nach dem aus Sparsamkeitsrücksichten das W o hl- sa h r t s m i n i st e r i u m a u f a e l ö st werden soll, mit der Maßgabe, daß die Wohlfahrtsfragen wie früher dem Kultusministerium und die Bau-

Rach einer Verordnung der Regierungs- kommission vom 22. d. Mts. fällt ab 1. Oktober die Zolls per re an der Grenze des Saat' gebiet« für Tabakerzeugnisse fort.

Im königlichen Schloß in Racconigl and Die Vermählung der Prinzessin, Mafalda box Italien mit dem Prin­zen von Hesse nftatt, zu der rund zweihun- dert Gäste mit Sonderzug und in Kraftwagen eingetroffen waren, Darunter der frühere König Georg von Griechenland, Fürstlichkeiten aus Oesterreich, Belgien und den Balkanstaaten, fer­ner Mussolini und Senatspräsibent Sit­ton i. Bei der standesamtlichen Trauung wirk- ten Tittoni als Standesbeamter und Mussolini als Krvnanwalt mit. Im Anschluß daran erfolgte in der Schloßkapelle die kirchliche Zeremonie. Mittags fand ein Galaessen statt.

Aus aller Welt.

Karlshorfter Heldcngedenktag.

Die Rennbahn in der Wuhlheide bei Karlshorst war am Mittwoch der Schauplatz einer großen Erinnerungsfeier für die im Weltkrieg gefallenen 150 Herrenreiter und Berufsreiter, die durch die Anwesenheit des Reichspräsidenten ein besonderes Gepräge erhielt. Alle offiziellen Organe des deutschen Rennvereins, des deutschen Rennsportes und der Angehörigen der Gefallenen nahmen an der Feier teil. Unter den vielen Offizieren der früheren Ar­mee sah man die Generale v. Einem und v. Kluck, ferner die Prinzen Eitel Friedrich und Sigismund non Preußen. Die Reichswehr vertraten der In- fpefteur der Kavallerie und die zweite Schwadron des Reiterrreaiments 4. Stürmisch begrüßt, erschien der Reichspräsident in Generalsuniform. Er fand für jeden Mann des Karlshorfter Kriegervereins ein freundliches Wort. Dann begrüßte ec die beiden Prinzen und ließ sich In ein längeres Gespräch mit ihnen ein. Graf Westfalen hieß den Reichs­präsidenten namens des Vereins für Hindernis- rennnen und des gesamten Rennsports willkommen. Der heutige Renntag sei ganz dem Gedenken der gefallenen Rennreiter gewidmet. Das Denkmal soll aber gleichzeitig eine Mahnung an die heutige Ge­neration sein und ein Ansporn, es in der Erreichung hoher deutscher Mannestugenden den gefallenen Rennreitern gleich zu tun. Rach Dankesworten an den Bildhauer Fritzsch fiel die Hülle. Als erster trat der Reichspräsident an das Denkmal, einen Kranz niederzulegen. Das Denkmal zeigt auf hohem Sockel einen stolzen Reiter auf ungesatteltem Pferd. Rach der Enthüllung nahm der Reichspräsident die Parade der Schwadron.ab und begab sich dann zu den Tribünen, um dem Rennen beizuwohnen. Immer wieder war er Gegenstand lebhafter Ova­tionen.

Deutscher Tag für Denkmalspflege und Heimatschntz

Freiburg, 23. Sept. (TU.) Bei der Tagung für Denkmalspflege und Heimatschutz hielt Regie­rungspräsident Pauli -Potsdam ein Referat über die Denkmalspflege in Elsaß - Loth­ringen. An die Ausführung :i des Redners knüpfte sich die Vorführung zal)' sicher Lichtbilder, die die praktische Handhabung Der Denkmalspflege zeigten. Das Referat von Prof. Wichert-Frank­furt a. M. beschäftigte sich mit dem farbigen Ele­ment in der Baukunst. Es sprach hierauf Dr.-Jng. Phle ps-Danzig über die farbige Außenarchi- tektur und die Denkmalpflege. Das letzte Referat hielt der Berliner Architekt Steinmetz, der aus- siihrte, daß bei den bisherigen Bemühungen, d i e Farbe im Stadtbild zu erreichen, meist nicht Belebung, sondern nur große Buntheit erzielt worden wäre, was er an Hand einiger typischer Beispiele nachwies. Der Nachmittag führte die Teil­nehmer nach Breisach. Die Gesellschaft begab sich dann zum Freiburger Münster, wo sachgemäße Er­läuterungen gegeben wurden.

Jnternaiionalc Konferenz landwirtschriftltcher Gereinrgr'ngen.

Am 22. und 23. September sand in Lern eine internationale Konferenz der landwirtschaftlichen Bereinigungen statt, auf ber die bedeutendsten land­wirtschaftlichen Verbände aus Deutschland, Italien, Oesterreich, Ungarn, Jugoslawien, Frank­reich, der Schweiz, der Tschechoslowakei, den Nieder­landen, Oststaaten und den Vereinigten Staaten ver­treten waren. Die Zweckmäßigkeit der Schaffung einer engeren Verbindung zwischen den landwirt­schaftlichen Organisationen der einzelnen Länder wurde nicht bestritten: dagegen gingen die Meinun­gen über die beste Art der Lösung auseinander. Der Schweizer L a u r empfahl die Gründung einer provisorischen Organisation, welche die Schaffung eines ständigen Sekre­tariats im Programm aufnehmen soll. Es wird den landwirischaftlichen Organisationen aller Staa­ten empfohlen, einen Statutenentwurf einer inter­nationalen Konferenz und das Protokoll der Kon­ferenz von Bern anzunehmen. Die beigetretenen Vereinigungen werden anläßlich der Generalver­sammlung des internationalen wirtschaftlichen In- siituts im Jahre 1926 zu einer konstituierenden Ver­sammlung nach Rom eingeladen.

Berliner Vclchrsziffern.

Rach Mitteilung des Berliner Statistischen Verkehrsamtes wurden im August im Rcchverkehr 121.3 Millionen Fahrgäste befördert, täg­lich also rund vier Millionen. - Die Berliner Straßenbahn hat mit 57,4 Millionen Fahrgästen ihren Vorkriegsstand wieder erreicht. Die Stadt-, Riny- und Vorortbahn hat schätzungsweise 36 Millionen Fahrgäste befördert. Der Verkehr auf der Hoch- und Untergrundbahn stieg auf 1,3 Mil­lionen, der der Omnibusaefelllchaft auf 6.6 Mil­lionen Fahrgäste.

Fliegerunalück bei Bccmberg.

Ein schweres Fliegerunglück ereignete sich Mittwochabend auf dem Bromberger Flugplatz. Einem Flugzeug, das sich in 600 Meter Höhe be­fand, wurden durch eine Windböe d i e Trag­flächen zerbrochen und der Apparat sauste 1 in die Tiefe. Die «Maschine wurde vollständig zertrümmert und die beiden Insassen, Ober­leutnant Globski und Feldwebel Viktorowski als Beobachter, konnten nur als verstümmelte Leichen geborgen werden.

Ein amerikanisches Flugzeug-Mutlerschiff.

Für die amerikanische Marine ist ein Flug» zeua-Mutterschiff im Bau. das bei_ einer Raum» Verdrängung von 33 000 Tonnen 72 Flugzeugen zur Ausnahme dienen soll. Ein zweites Flugzeug- Mutterschiff wird demnächst in Bau gegeben werden.

Wettervoraussage.

Weiter aufklärend, westliche bis nördliche Winde, zunächst etwas kühler, nur noch vereinzelt Riederschläge, Morgennebel.

Das Fallgebiet ist weiter nach Rordosten vorgerückt und liegt heute mit seinem Kern über Skandinavien, während seine Ausläufer bis nach Südeuropa herunterziehen. In seinem Rücken zieht von den britischen Inseln ein Zwischenhoch vor. dem aber über Island bereits ein neuer Druckfall folgt. Rach kurzer Besserung dürften daher in den nächsten Tagen neue Störungen bevorstehen.

Frankfurter Oper.

Die Herbstsaison wurde eingeleitet durch ein Spätwerk des russischen Symphonikers und Dra­matikers Rimskh-KprsakowDer Goldene Hahn". Auf die Einstudierung dieser Märchen­oper wurde ebensoviel Sorgfalt als Fantasie verwandt, trotzdem blieb nur schönes Theater, aber kein nachhaltiger Eindruck, denn die Stil- reinheit dieses schwer zu verwirklichenden Werkes das von Fokin und seiner Truppe mit großem Erfolg auch als Ballett und Konzert gegeben wurde kann weder durch die Betonung des parodistisch-burlesken, noch des märchenhaft' romantischen Elements hergestellt werden^.immer klaffen unüberbrückbare Lücken.

Es scheint sich um eine symbolische Handlung zu drehen, die im Rahmen einer komischen Oper die Verwendung der Puschkinschen Dichtung noch am ehesten zuläßt. König Dodon im Märchenlande liegt auf der faulen Haut, Feinde bedrohen das Reich, widerwillig schickt er ein Heer aus, das vernichtet wird, inzwischen bringt ein Magier einen goldenen Hahn, dessen Ruf die Gefahr kündet, Sie dem Reich droht. Der Hahn ruft und nun zieht Dodon selbst ins Feld und findet zu­nächst die Leichenhügel der Erschlagenen, dann taucht in einem schimmernden Zelt eine herrliche Frau auf, die Dodon berückt und sich schließlich mit ihm vermählt. Da erscheint der Magier wieder und begehrt als Lohn für den goldenen Hahn die Braut des Königs. In der Wut er­schlägt Dodon den Magier, wird aber selbst von dem goldenen Hahn getötet, der ihm in den Schädel hackt.

Läßt diese Handlung, auch wenn sie nur als Gaukelspiel gedacht ist, kaum eine richtige Deu­tung zu. so ist auch die Musik wenig aufschluß­reich. Es ist ein sprödes Werk, das melodische Element ist bizarr behandelt, die Partitur un­gleich in ihren musikalischen Werten, vor allem fehlt der hinreißende Zug starker schöpferischer Kraft. Manches klingt zwar recht hübsch, aber bei aller Gewandtheit des Ausdrucks fehlt doch die überzeugende Kraft, die gegensätzlichen Stim­mungen und die Stilarten künstlerisch zu gestalten. Es war ein lauer Achtungsapplaus für die hin- gebende Arbeit des Orchesters und der Dar­stellung. die ausgezeichnet war. besonders aber * für die Inszenierung Ludwig Sieverts , der die Bilder mit blühender Fantasie gestaltete.

L. D-

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. September 1925. Haben Sie schon Winterkohlen? Im Nachbarhause haben sie gestern ihre Bri­ketts gekriegt. Du hast immer, noch keine Kohlen bestellt, foll ich denn jeden Tag fünf Pfund einzeln kaufen?" Mit diesen Worten begrüßte mich heute meine Frau. Ein Seufzer entrang sich meiner Brust. Die leidigen Kohlen! Tag für Tag hatte ich An- geböte mit der Post bekommen, in denen von prompter Bedienung",erstklassigen Marken" und größter Heizkraft" die Rede war, aber im Hin­blick auf meine Finanzen hatte ich mich noch zu keiner Bestellung entschließen können.

Dabei das kalte Wetter!Heizen müssen wir nun sowieso. Ich kann mir doch jetzt im kalten Zimmer keine Lungenentzündung holen!" heißt es stündlich. Das stimmte allerdings. Und in den letzten Tagen war schon ein bedenkliches Loch in den Koh­lenvorrat gerissen worden. Ich nahm mir daher den Schlüssel und stieg hinab in den sogenannten Koh- lenleüer, der aber nur noch traurige Fragmente von Kohlenvorräten aufwies. Zwei ganze Reihen Briketts waren noch da! Das war das einzige, was vom warmen Sommer herübergerettet mar! Sonst waren nur noch Spinnweben zu sehen.

Da war also nichts zu machen! Kohlen mußten bestellt werden. Mit einem Entschluß stieg ich wie­der hinauf in die durchkühlten Zimmer.Was sagst du nun?" empfing mich meine Frau. Ich sagte aber nichts (sie hätte doch recht behalten) und be­stellte prima Salonbriketts.

Und sie kamen pünktlich, sogar eher, als mir lieb war, gerade zur großen Wäsche! An der Haus­tür läutete es Sturm. Im Eiltempo die Treppe hin­unter, den Keller aufgeschlossen, die Winterbriketts kommen! Von einer Sorge war ich befreit: Die Lungenentzündung konnte jetzt nicht mehr kommen! Dafür kam aber eine neue Sorge aus der Mutze des Kutschers heraus: die Rechnung.

Lieferung zu Tagespreisen" hatte aist der Emp­fehlung gestanden. Hier hatte ich den Tagespreis, denn gerade heute waren die Kohlen wieder teurer geworden! Ich bin nun einmal ein Pechvogel und sehe es hier wieder bestätigt.

Haben Sie schon Winterkohlen?

KeineMielerhöhunginPrsuhen.

Wie vom preußischen Ministerium für Volks­wohlfahrt mitgcieilt wird, wird die Miete am 1. Oktober nicht erhöht. Man will auch von weiteren Mieterhöhungen in der nächsten Zeit absehen.

LioVNSir'.t'U-

Tageskalender für Donnerstag. Deutschnatl. Handiungsgehilfenve-.hand 81/.- älhr, Kciufmänn. Dereinshaus": Vortragsabend. Deutsche Demokrat. Partei, 3 Uhr, ..Saalbau Sauer": Vortrag- Astoria-Lichtspiele:Der Boxerkönig von Reuyork".

Im Kaufmännischen und Ge­werbeverein wird am nächsten Montag, 28., abends 81/* Tlhr, Dr. jur. Ruckels Hausen einen Vortrag über die Aufwertungsbe- stimmungeu halten. Er wird die Frage nicht vom politischen, sondern vom rein juristischen Standpunkt aus behandeln und dabei die Falle, in denen Anträge und Anmeldungen zur Aufwer­tung seitens des Gläubigers wie Schuldners erforderlich sind, besonders berücksichtigen. Der Vortrag findet im Kaufmännischen DereinshauS statt. (Siehe Anzeige.)

** Vorsicht, Hochspannung! Lebens­gefahr! Die Oberweser-Kraftwerre werden ab morgen, Freitag, die ilcberlanblcitung