Ausgabe 
24.8.1925
 
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iir. 197 Erstes Blatt

175. Jahrgang

Montag, 24. August 1925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Drurf und Verlag: Brühl'fche Unioerfitütr-Such und Steinöruderei R. Lange in Sieben. Schristleitung und Sefchästrftelle: Schulftrahe 7.

Annahmc von Snzetgen für die lagtenummtr ois zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichlieit.

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England und China. Drohende Isolierung (Englands im fernen Osten.

London, 23. Äug. (TOD ) Der diploma­tische Sondermitarbeiter derSunday Expreß" schreibt über die schwierige Lage, in die die britischen SchiffahrtSkreise durch den D o y» t oi t der Regierung in Kanton verseht worden sind Don maßgebender Stelle verlautet, das beunruhigendste Merkmal der Lage sei die Ent» deckuna, daß Amerika und Japan wahr­scheinlich Großbritannien keine Unterstüt­zung gewähren würden, falls sich die bri­tische Regierung durch den Boykott der britischen Schiffahrt gezwungen sehen würde, eine Aktion der britischen Flotte anzuordnen. Die Gefahr, daß Großbritannien allein stehen würde, wenn es die Politik verfolgen sollte, die nicht nur kostspielig sein, sondern auch dazu beitragen würde, sich die Freundschaft Chinas in der Zukunft zu entfremden, verursacht in amt­lichen Kreisen große Besorgnis, da die Meinung bestehl, bah eine isolierte Aktion Großbritanniens eine Ausdehnung der Dovkottpoli- tik gegen England über China hinaus auf andere britische Märkte, z. B. in Indien, Burma und anderen östlichen Han­delszentren. unabmehbaren Schaden für den bri­tischen Handel zur Folge haben könne.

In feinem Leitartikel weist auch derOb eroer' auf den Ernst der Lage in China hin und chreibt unter anderem: Wenn auch britische Untere scn in erster Linie bedroht sind, so muß die endgültige Regelung gemeinsam mit den anderen Nationen gesunden werden und bei jedem Schritt aus die Interessen der anderen Nationen Rücksicht genommen werden, was eine rasche und unabhängige Aktion verbietet. Der non der Negie­rung in Kanton gegen britische Schiffe, die Hong­kong anlaufen, dekredierte Boykott, ist die äußer st e Herausforderung der Stellung Großbritanniens in China. Das nächste, was ge- Icheheu muß, ist die Entsendung eines Vertreters von hervorragender Stellung mit der Fähigkeit zur Behandlung dieser britischen 'Angelegenheiten in China. Die britische Negierung muß maßgebenden Rat und Informationen direkt aus China haben, und sie muß weiter eine solche Unterstützung Amerikas und Japan s zu erlangen suchen, die sie selbst zu geben bereit sein werde, falls diese beiden Länder in eine ähnliche Lage versetzt sein würden, wie die, in der sich Großbritannien jeht befindet

Die britisch- I.inesifchen Verhandlungen gescheitert.

H a n f a u, 22 Aug (Rruter.) Die Derhand- hingen ztrifck:., dem britischen Generalkonsul und dem chia fischen Kommissar für auswärtige Ange­legenheiten über die Verteidigung des Konzessiv nsgebietes, insbe'onLere das Zusammenwirken mit der chinesisch: i Pilizei, sind gescheitert. Der K?mmissar forderte eine Entschädigung von 7500 Pfund für die bei den Unruh n am 11. Juni Geloteten und Ver- trunbet en. Der Genrrallonsnl verließ daraus das Derhantlungszimmer und die Beratungen wur­den ergebnislos abgebrochen.

Laillaux' Reise nach London.

TtürmifNic Zwischensalle itt (Calais.

Baris, 24. Aug. (111.) Caillaur ist gestern mittag nach London abgereist und hat auf dein Pa­riser Nord'oalmhof vor Zeitungsvertretern eine Er­klärung verlesen, in der cs heißt: Nach englischen yiättcrflimnun wird damit gerechnet, daß ich in London ein G e n t l e m a n - A b k o m m e n unter­breiten werde. Ich glaube aber, daß ein solches An­gebot nur eins ist, das man auch tatsächlich halten kann. Die französische Regiening hat daher mich nur Vorschläge solcher Art ins Atigc gefaßt. Sie habe volles Vertrauen auf den Gerechligkeits- fmn des edlen britischen Volkes und sei davon über- Ztl'gt, daß Schaßkanzler Churchill die Intcresscnge« meinschast der beiden Länder durchaus begreife.

Bei der Abfahrt von Calais kam es zu leb­haften Kundgebungen. Dr. Deroide, Führer der royalistischen Ortsgruppe, gab, als Cail- laur in den Zug flieg, das Signal zu dem Ruf: Nieder mit Caillaux! Es lebe Calrne11e (der von Frau Caillaur seinerzeit erschossene Figaroredakteur. D. Red.), es lebe C I e m c n c e a u!" Dr. Deroide wurde verhastet. Die Presse will wissen, daß Cciil- laur dem englischen Schaßkanzler präzise V o r- chläge unterbreiten wird, die sich wie folgt zu» fammenfanen lassen: Jeweilige Nevision der fran- zostschen Zahlungsfähigkeit und Ueberprüfung der interalliierten Schuldenbeträge je nach den Schwan­kungen auf dem Devisenmärkte. Caillaux nimmt sich außerdem vor, den Nachweis bafür zu erbringen, uronfreid) entgegen der Auffassung der eng­lischen Bloter 1926 weit mehr Steuern ent­richte als Großbritannien.

Englische Presseftimmen zu Caillaux' Mission.

London, 23. Aug. (WB.) Die gesamte britisch» Presse erörtert bereits mit lebhaftestem Interesse Caillaux' bevorstehenden Besuch im bri­tischen Schatzamt.

Garvin schreibt im .Observer": Caillaux' Besuch ist der wichtigste, der seit Jahren eng­lischen Boden betreten hat, da Caillaux der Mann ist, der im Leben Frankreichs und Europas noch lange Jahre eine immer wichtiger werdende Rolle 'btekn wird- Caillaur wird zwar keineswegs ein leichter Unterhändler sein, aber er weiß Denigstens, daß eine Regelung der Schulden­srage zustande kommen muh.

Garvin weist ferner daraus hin, daß infolge der Haltung Amerikas gegenüber Großbritan­nien die britische Regierung gezwungen fei, die Rückzahlung ihrer Anleihen von den Alliierten zu verlangen. Er glaubt nicht, daß sich die Rege­lung der Schulden glatt und programmäßig bis 1930 oder 1990 abwickeln werde. Die Staats­männer Großbritanniens. Frankreichs undDeutsch- lands müßten danach streben, zwischen diesen drei Ländern Belgien uno Italien nicht aus­geschlossen einSyftemwirtschaftlichen Zusammenwirkens zu schaffen, das sich mindestens bis in die Sphäre der afrikanischen

Erhaltet das Werk

Zeppelins!

Ausruf zur geppelin-Eckener-

Schon einmal hol ganz Deutschland von der Diemel bis zum B oben fee in einmütiger Begeiste­rung das Werk Zeppelins, bas das Wahrzeichen des Willens, der Sehnsucht und der Gröhe des wenschengeiftes ist, getragen und als Ration fort­geführt. Damals nach Echterdingen. Wieder ergeht der Ruf, dieses Werk, das Gemeingut des deutschen Volkes, nicht untergehen w lassen, und di- Schöpfung des Zeppelins der wissenschaft­lichen Forschung dauernd zu erhalten, wir alle wissen, wie es vor einem Jahre war, alsZ. R. 3*. das glückhafte Schiff, über Deutschland flog, und wie bann die Welt voll Spannung und Bewunde­rung die Fahrt nach Amerika durchlebte. Aus dem armen bedrängten und gefesselten Deutsch­land flieg eine der größten Kulturtaten frei und leuchtend empor, wir haben es erlebt. Das Echo der ungeheuren brüderlichen Begeisterung Amerikas, alsZ. R. 3 über Reuyork erschien, (log nach Deutschland zurück. Der Zeppelin und sein Führer, Dr. Eckener, halten eine große und stolze Kul­turausgabe erfüllt. Zum erstenmal nach trüben und bitteren Jahren erwarb sich der deutsche Name wie­der Geltung und Ruhm. Deutschland hatte eine Weltleistung vollbracht, die klar und unbestechlich für feinen willen zum Ausstieg und zur friedlichen Kulturarbeit sprach.

Die Tat haben der Luftschiffbau Zeppelin, Dr. Eckener und die tapfere Besatzung vollbracht. An uns ist es, zu danken. Die Werst in Fried- richshasen will ein neues Luftschiff bauen, das gewaltige wissenschaftliche Probleme lösen soll: Ansuchen des Nordpols und Erforschung der Ark­tis. Das Schiff soll aber auch den widerstrebenden Beweis bringen, den wir alle beim Flug des 3. R. 3 schon empfunden und gewußt haben, daß diese deutsche Erfindung das groß­artigste Verkehrsmittel unserer Zeit ist. Die Länder werden nähergerütff, die Meere sind überbrückt und die Zukunftsträume der Menschheit werden Wahrheit, wenn wir die Energie aufbrin­gen, das Werk in Friedrichshafen fortzuführen, werden deutsche Technik und deutscher Wagemut wieder Weltgeltung errin­gen. EineZeppelln-Eckener-Spende des deutschen Volkes" muh die erforderlichen Mittel schaffen? Es handelt sich um eine Angelegenheit Deutschlands ohne Unterschied der Partei oder der sozialen Stellung. Es geht den geistigen Arbeiter ebenso wie den Mann am Amboß und Pflug an. wir wissen, daß Deutschland gegenwärtig schwere Zeiten durchlebt. Aber das vertrauen auf den Idealismus des deutschen Volkes gibt uns die Zuversicht, daß kein Volks­genosse abseits stehen wird, wenn der Ruf an ihn ergeht. Gerade der Gedanke, daß jeder sein Scherslein gibt, muß die Bedeutung dieser volks- fpende ausmachen, wirklich arm ist nur das Volk, das keinen Pfennig mehr für ideale und kulturelle Zwecke übrig hat und feine geistigen und tech­nischen Kräfte verfallen läßt, wir haben den wil­len und das Recht, als Kulturnation zu leben. Die volksfp.nde soll diesen willen und das Bewußtsein unserer geistigen Freiheit neu be­leben. Es gehl um das Erbe von Zeppelin, um eine große, leuchtende beuffdte Idee.

Landent von Achenbach, Vorsitzender des deutschen Landtreist.iges in Berlin, Allgemeiner Dcutsch?r. Gewertschaftsbund. Bundesvorstand in Berlin L e i P a r 1, Dr. Ackermann, Oberbür­germeister in Stettin, Dr h. c. A den au er Ötcibürgcrmelfter in Köln, Paul "Boeder, Chefredakteur, M. d. R. und Borsihender des Reichsverbandes der dreutfchen Presse in Ber­lin, Frau Dr. Gertrud Bäumer, M. d. R. in Berlin, Frau Dr. med. h. c. Margarete Dehm, M. d. R. in Berlin, Dr. Bella n, Oberbürgermeister der Stadt Eilenburg, Vor­sitzender des Reichsstädtebundes und Mitglied der R. W. R. in Eilenburg, Georg Bern­hard. Chefredakteur und Vorsitzender der Reichsarbeiisgemeinschaft der deutschen Presse in Berlin, Dr. Dr.-Jng. h. c. Beumer -Ham- l urg. Blümer, Oberbürgermeister der Lan­deshauptstadt Dresden. Bo, Oberbürger­meister und Vorsitzender des Vorstandes des deutschen Etädtetages in Berlin, Dr. Hermann- Bücher. Wiril. Legationsrat a. D. Berlin, Landrat Dr. Constantin, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des deutschen Landkreistages in Berlin, Dr "Wilhelm Cuno-Hamburg, Pro­fessor Dr phil. Dr.-Jng. c. h. Dr. h. c. D.D u i s- berg. Geheimer Regierungsrat und Vorsitzender des Reichsverbandes der deutschen Industrie- Berlin, Fehrenbach, Reichskanzler a. D., Rk d. R. Freiburg i. Br Marie Fröhlich, Flottenbund deutscher Frauen, Fieser, Ober­bürgermeister von Baden-Baden, Wilhelm Flü­gel, Vorsitzender des Deutschen Deamtenbun- des Derlin-Grunewald, Geheimrat Grosse, Bund der Ausländsdeutschen e V. Berlin, Ger­hart Haup t m a n n-Agnetendorf i. Riesenge­birge. Hans Hei der, Professor in München, Dr.-Jng. h. c. Ph. Heineken, Präsident des

Spende des deutschen Volkes.

Reichslandbundes in "Berlin. Professor Her- gefelL Geh. Regierungsrat in Berlin-Linden- berg. Rudolf Herzog. Obere Burg zu Rhein- breitbach bei Hnfel, Arn Hermann Hillger - Spiegelberg. Bundesvorstand des Reichs­tandbundes. Mitglied des Preußischen Land­tages und Vertoaltungsrat der Deutschen Rentenbank in Berlin, Professor Dr. h. c. Graf Leopold Kalckreuth-Cd- d e l f e n. Post Hittfeld. Kreis Harburg, Graf K a l ck r e u t h, Präsident des Reichslandbundes in Berlin, Professor A. Kampf- Berlin-Char­lottenburg, Professor Dr.-Jng. h. c. Dr. phil. G. Klingenberg. Geheimer Daurat und Vor­sitzender des Vereins deutscher Ingenieure in Berlin. Dr. v. Knilling, daher. Staatsminister a. D. in München, Erich Koch- "Weser. Reichs­minister und Bürgermeister a. D. M. d. R. in Berlin. Kommerzienrat Dr. H K r u m b h a a r, Vorsitzender des Vereins deutscher Zeitungsver­leger in Liegnitz. Rechtsanwalt C. Lammers, M. d. R. und Präsidialmitglied des Reichsver­bandes der deutschen Industrie in Berlin-Char­lottenburg, Dr. L a u t e n s ch l ä g e r. Oberbürger­meister in Stuttgart. Leicht Domkapitular und M. d. R. in Berlin. L e m m e r. M. d. R. und Generalsekretär des Gewerkschaftsringes deutscher Arbeiter-. Angestellten- und Beamten verbände in Berlin, Dr. Th. L e w a l d, Wirklicher Geheimer Rat und Staatssekretär z. D. Berlin, L ö b e, Präsident des Deutschen Reichstages in Berlin. Professor Wilhelm Loewith, München, Prof. L. M a n z e l. Berlin-Charlottenburgs Frau Clara Monde. M. d. R. in "Berlin. Professor Dr. Adolf Mi et he. Geh. Regierungsrat in Berlin- Wilmersdorf, Paul Mihla f f, Oberbürgermeister a. D und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des deutschen Städtetages in "Berlin, Hermann Müller- Franken, Reichsminister a. D. und M. d. R. in Berlin, Professor Dr. E O r l i ch, Geh. Regierungsrat und Rektor der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg, Professor Dr. Albrecht P e n ck, Geheimrat in Berlin, Bür­germeister Dr. Carl Petersen. Präsident des Senats der freien und Hansastadt Hamburg, Ge­heimrat Dr. P s e l f ch i s t e r, Präsident der Deut­schen Akademie in München, H. P l a t e, Prä­sident der Handwerkskammer und Ehrenmeister des deutschen Handwerks in Hannover, Walther vom Rath, Dr.-Jng., Cronberg L T., Direktor Richter, Reichsverband der deutschen Presse in "Berlin, Professor Richard Riemerschmid, München-Pasing. Prof. Dr. Ri eh er, Geh. Rat, Vizepräsident des Reichstages und Vorsitzender des Zentralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes in Berlin, Dr. Artur Salo- m o n s oh n, Geschäftsinhaber der Discontogesell- schast in Berlin, Dr. Hjalmar Schacht, Reichs­bankpräsident in Berlin, Karl Scharnagl, erster Bürgermeister in München. Professor Dr. Scheel, Vorsitzender des Deutschen Hochschul- rerbanbes in Kiel. Dr. F. Schmidt. Vorsitzen­der der Rotgemeinschaft der deutschen Wissen­schaft in Berlin-Steglitz, Dr. Schnee, Wirkt. Geheimer Rat, Gouverneur x. D. und M. d. R. in Berlin, Dr. Scholz. Reichsminister a. D. und M. d. R. in Berlin. Professor Friedrich Schreker, Direktor der Akademischen Hochschule für Musik in Berlin, Professor Dr. Walther Schücking, M. d. R. in Berlin, Kommerzien­rat Heinrich S e d l m a y r - München. Dr. Si­mon, Verleger derFrankfurter Zeitung" und Vorsitzender der Reichsarbeitsgemeinschast der deutschen Pressp in Frankfurt a. M, Dr. Georg S o l m s s e n, Geschäftsinhaber der Discontoge- sellschaft in Berlin, Dr.-Jng. Sorge, M. d. R. und Ehrenvorsitzender des Richs Verbandes der deutschen Industrie in Derlin-Rilolassee, Dr. Os­wald Spengler - München. Dr. von S t a u ß, Direktor der Deutschen Bank, Dr.S t e g e r w a l d, Ministerpräsident a. D. und M d. R. in Berlin- Dahlem, Herbert S t e l t e r, Mitglied des Vor­standes der Deutschen Studentenschaft in Berlin- Charlottenburg, Professor Deesemeyer, Rek­tor der Technischen Hochschule in Stuttgart, Max M. Warburg-Hamburg, Frau Ministerialrat W e b"e r, Ministerium für Volkswohl'ahrt in Berlin, Geh. Kommerzienrat Eugen Zentz - München. Gustav R i ck e l t, Präsident der Ge­nossenschaft deutscher Bühnenangehöriger. Der. Ludwig Fulda, Vorsitzender des Vereins deut­scher Bühnenschriftsteller, Rechtsanwalt Artur Wolff, geschättsführender Direktor des deutschen Bühnen Vereins.

Die Geschäftsstelle der Ieppelin- Eckener-Spende.

Friedrichshafen, 24. Aug. (Sil.) Das Eckener-Bureau teilt mit, daß die Geschäftsstelle der Zeppelin-Eckener-Spende sich in Berlin W 50, Kurfürstendamm 13, befindet. Die Organisation der Spende hat Generaldirektor C o- böten übernommen.

Kolonien aus dehne. Dies würde ein Mittel fein, um das Problem der europäischen Versöhnung und Sicherheit zu lösen. Wann diese Be­wegung einsehen werde, könne man ebensowenig Voraussagen, wie, ob sie von Caillaux ge­führt sein werde oder etwa von Lloyd Ge­orge, wenn dieser wiederum an der Spitze eines liberalen Ministeriums zur Macht komme, oder von irgendeinem anderen Führer. Der Zwang, an Amerika Rückzahlungen leisten zu müssen, werde mehr als der Bölferbunb dazu beitragen, die Einigkeit, die Macht und den Reichtum Europas zu fördern.

Der Deutsche Katholikentag.

Stuttgart, 24. Aug (Wolfs.) Der dies­jährige Katholikentag wurde am Samstagabend bei außerordentlich reger "Beteiligung aus allen Teilen Deutschlands mit einer Begrüßungsfeier eröffnet, bei der u. a. auch der Württembergische Staatspräsident Bazille begrüßende Worte an die Versammlung richtete Der Sonntag wurde durch einen Festgottesdienst eingeleitet, bei dem Bischof Dr von Keppler die Predigt hielt. Die Pontifikalmesse wurde von dem päpst­lichen Delegierten, Runtius P a c e l l i zelebriert.

In der dann folgenden Versammlung im Saal der Liederhalle wurde die von Geheimrat Dr. P o r s ch - BreSlau eingebrachte Entschlie­ßung einstimmig angenommen. Die Generalver­sammlung der Katholiken Deutschlands gelobt darin, nach wie vor darauf hinwirken zu wollen, daß die noch festere Verbindung der katholischen Herzen, die innere Erneuerung der Seele, die Wiedervereinigung der getrennten Christen und der Völkerfriede gefordert werden. Hierauf wurde an den Papst ein Telegramm abgesandt, in welchem die Generalversafninlung ihm unwan­delbare Liebe und treuesten Gehorsam gelobt.

Die erste öffentliche Versammlung halte einen Massenbesuch aufzuweisen. Aus dem Podium in der Liederhalle hatten unter den Ehrengästen Herzog Philipp Albrecht von Württem­berg und Reichskanzler a. D Dr. Marx Platz genommen. Mit großem Jubel und Händeklatschen begrüßt, betraten der Runtius Pacelli und Bischof von Keppler den Saal und begaben sich auf die Ehrenplätze. Rach der Begrüßungs­ansprache des neugewählien Präsidenten von Cramer-Klett ergriff unter dem Jubel der Versammlung Runtius Pacelli das Wort. Rach Würdigung der Verdienste des Bischofs von Keppler fuhr Runtius Pacelli fort: Der Geist, der sein Lebenswerk adelt, ist auch der Geist dieser Tagung, der Geist der katholischen Liebe. Möge es der Tagung beschieden fein, Herold und Schrittmacher des Geistes opfer­bereiter Liebe zu werden, dann wird die Tagung würdig des hcÄigen Jahres sein. Der Runtius erteilte daraus den apostolischen Segen.

Dann nahm Bischof Dr. o. Kepler bas Wort. Er erklärte, baß bie Not ber Zeit bem Katholiken- tay gewaltige Aufgaben stelle. Die ganze Mensch- hett fei krank unb nervös überreizt und sieche bahiii an einer ungesunben, fauligen Superkultur. Die Bölter ringsum seien von M i ß g u n st, Arg» wahn unb Eifersucht gegeneinander, auch wo sie Freundschaft heucheln unb papiemc Bünbnisse schließen. Deutschlanb sei in ben Staub getreten, in seiner Ohnmacht noch gefürchtet, aus Furcht ge­haßt. Dos Wort Liebe habe so viel von feinem Bollklang, feiner Zündkraft, seinem Goldgehalt ver­loren. Ihm vor allem sei man eine Auswer­tung schuldig. Wenn ber Katholikentag bas Sei» mge tue zur Wieberherstellung unb Ausbreitung des Reichs ber Liebe, so arbeite er a nber Heilung ber entsetzlichen Zeitkrankheiten. Noch weiteren Re­feraten bes Unioersitätsprofesfors Dr. A. Don- bers (Münster) unb bes Paters Dr. Erhard Schlund (München) schloß ber Präsident mit Dankesworten die Versammlung.

DieStockholmerttirchenkonserenz

Die fttrdjc unb die sozialen unb sittlicher Fragen.

Stockholm, 24. Aug. (TU.) Die Konfe­renz begann am Samstag unter bem Vorsitz bes Lorbbischoss von Winchester mit ber Behanblung bes Zweiten Programmpunktes bie sozialen unb sittlichen Fragen. Die Vorbereitung bieses Themas war ber europäischen Sektion übertragen worben. Generalsuperintenbent Dr. S ch o e 11 Stuttgart erstattete ben Generalbericht. Er sprach u. a. über bie Bebeutung ber Familie als Grundlage einer gesunden Volkskultur, über das Problem ber Iugenbbewegung unb über bie sittliche Durchbrin- guna ber Arbeit mit christlichem Geist. Die Kirche müsse bas öffentliche Gewissen sein. Glaube unb Liebe werben bie Wett retten. Die Ausführungen Dr. Schoells würben burch Professor Scheer- Mühlhausen (Elsaß) unb burch ben Vertreter ber eftnifdjen Regierung ergänzt. In ber Diskus­sion kam Dr. Spicker- Berlin noch einmal auf ben Vorschlag ber schwedischen Delegation über die Errichtung eines Forschungsinstitutes für roirt- schasts-elhische Fragen zurück unb beantragte die Vewirllichung dieses Planes mit allen Mitteln zu betreiben. Ueber das erste Einzelthema des zweiten Progrommpunktes

die Familie unb bie Wohnungsfrage" sprachen Will Leason und M.h Cadbury -Eng­land. Sie gab in ihrer temperamentvollen Art eine Darstellung der Wohnungsverhältnisfe in England, wo man sowohl von der Regierung wie auch von gemeinnützigen Gesellschaften das Wohnungsproblem mit Energie angepackt und zum Teil gelöst habe. Seit 1919 wurden in Eng­land fast eine halbe M.llion Häuser gebaut. In den nächsten fünfzehn Jahren will man zweiein­halb Millionen Häuser bauen. Hierauf führte die deutsche Reichstagsabgeordnete Dr. Margarete Dehrn u. a. aus: Wenn die Mutter daheim Berufsarbeit leisten kann, so ist das ein großer Segen, denn wo die Mutter daheim arbeiten kann, da sinkt die Kindersterblichkeit und die Kriminalität der Jugend. Die Organisie­rung von Heimarbeiterinnen und die Schaffung gesunder Lebensbedingungen für ihre Familien bildet diese Aufgabe, der sich die ganze Welt widmen muh. Die Ausführungen der Red­nerin wurden mit stürmischem Beifall ausgenom­men. Dann schilderte Gewerkschaftsvorsitzender Streiter - Berlin das Wohnungselenü in den Arbeiterquar tieren.