Ausgabe 
24.7.1925
 
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Ur. 111 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Freitag, 24. Juli 1925

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Hamburg (Staat) Thüringen . . . Lippe .... Sad,jen . . . Oldenburg . .

Bremen (Staat) .

Anhalt . . .

Braunschweig . .

Preußen aoen .... lecficnburg-StrcüB Haumburg-Lippe

Bayern . .

.Waldeck ....

Hessen ....

Mecklenburg-Schwerin

. . 735 Proz.

. . 7,15

. . 6,8

. . 6,15

. . 6,15

. . 6,05-

. . 5,75 .,

. . 5,45

. . 5,4

. . 5,35

. . 4,8

. 4,8

. 4,7

. . 4,6

trag von Deutschland abgerissenen Cebieten. ?>n Polen sucht die polnische Regierung durch A s- Weisung und Schikanisierung der Pfarre. ' sie dieser'Musterstaat" allein fertig biingt,

schen. Man kann sich nirf't mehr dem B r verschließen, daß das Geschick der 5)ci rt auf ' dcih und Verderb verbunden ist mit dem 5? ben n> r der Vernichtung der Auslanddeutschen. A:l-- z zurErhaltung ündFürderung diesesAusla tums geschi"ht, trägt seine frucht für unser land. Der G u st a v - 2l d 0 l s - V e r e i n , der : zehnte lang in all den erwähnten Sündern d c u evangelische Arbeit geleistet h l. i>' au ' >t der berufenste und sachk 11 ndiaste " r beiter bei dem dort im Interesse des deuts n Volkstums nötigen Wiederaufbau, oder dach er Rettung deutschen Lesens vor dem Unter v Wenn er auf seiner G eßener Haupt . - s.i'- l 7, in der die hervorragendsten Vertret-r aus den er­wähnten Ländern das Wort ergreifen, an uns dcutschf hlende Oberhellen sich reenh-n wird br n wird er bei uns die Gesinnung und di- K-.-llende Hand finden, auf die er rechnete, als er &, - en ?u seiner diesjährigen Tcmungsstätte erwählte. Er wirv

Slufflärung des deutschen Volkes bezeichnet werden, sondern auch in gewissem Sinne ol, ein Derk der Versöhnung. Der sachliche Austrag von Gegen­sätzen bei den Ausschuhberatungen lufjt erhossen. daß die Derössentlichunfi des Verbandlunasderichtes dazu beitragen kann, die öffentliche Meinung zu beruhigen und einen bisher aktuellen politischen Streit aus der Sphäre der Tagespolitik allmählich in die Sphäre der Wissenschaft zu tragen. In bireni Sinne können die bisherigen < rgebniffe der U Ver­suchungen des 4. Unterausschusses als ein Mittel be­trachtet werden zur Befreiung unseres en ent- lichen Ledens von den ©iftltoffen. mit denen der un­glückliche Kriegsausgang 1918 unser Volk verseuchte,

Erntezeit heiliqe Jrit.

Erntezeit ist heilige Zeit. Es ist die schwerste Zeit de-? LandmannS im Jahre, aber auch die segensreichste, bestimmend für sxin Schicksal und das Schicksal seine- Lande«. Ein Geist der Weihe schwebt über diesen heißen und schweren Wochen, h rgeweht aus uralten 'Vergangenheiten, aussteigend au« dem ilnbettnifyten ferner ileber- lieferung, in der man die Softer der Frucht­barkeit anbetete und die schädlichen Dämonen durch allen möglichen Zauber abzuwehren suchte. An diese Heiligkeit der Erntezeit klingen noch gewisse Gebräuche an, die sich hie und da er­halten wie da« Gebot de« Dchwkigen« beim Mähen der ersten Darben, da« Gebot de« Fasten« beim Erntobeginn, da« Verbot übermütiger Lust­barkeiten, die Verwendung der Kinder al« ©tnn- bilder der Tin schuld bei manchen Sitten. Die Ernte, die vielfach am Zakobitage, dem 25. 3uh, beginnt, wird durch feierliche« Glockengeläut ein» geweiht. Anderwärts gab früher der Gememde- oorsteher den Tag de« Erntebeginns durch das Umklopfen de« Hammers" bekannt, mit dem er prüfend die Felder umschritt. Jsti katholischen Gegenden findet, bevor die Ernte anfängt, eine Messe statt, oder der Geistliche hält eine An­sprache. 3m Tlnhaltilchen ziehen morgens und nachmittags die Mäher schweigend, in lang- samem, würdevollem Schritt zur Arbeit. Vor Beginn des Schneiden« knien sie auf dem Felde nieder und beten. Auch sonst wird die Sense zum Mähen nicht angefeht, ohne daß wenigstens einDa« walte Gott" oder ,.3n GotieS Aamen erklingt oder ein anderer S^gensspruch aufgefagt wird. Ein Zeichen für die Feierlichkeit der Erntearbeit liegt auch in der Sitte, daß man möglichst in neuen Kleidern und mit reiner Wäsche zur Arbeit geht. Die Binderinnen schmücken sich mit weihen Schürzen und Miedern, die Mäher haben ihre Sensen und Mühen mit .Slräichen und farbigen Bändern geziert. In früheren Zeiten war c« auch s-.ttliche Pflicht de-r AachLarn, den andern bei der Ernte au«zu- helsen, und Gottfried Keller hat in einem wunder­schönen Gedicht einen anderen frommen alt­deutschen Erntebrauch verherrlicht, nach dem die Burschen des Tiachts die Felder der Witwen und Waisen auffuchen und nach schwerer Tages­arbeit noch für dies« hilflosen Wesen die Ernte vollbringen.

Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruchs im Zahre 1918

Tas Werk des Parlamentarischen Untersucbnndsansscht'sses.

Don Dr. Albrecht Philipp, M.d.R., Vor­sitzender des 4. Unterausschusses des Parlamentari- schen Untersuchungsausschusses*).

Nach nahezu sechsjähriger Tätigkeit ist der Vierte Unterausschuß des Parlamentarischen Untersuchungs­ausschusses über die Kriegsschuld in der Lage, mit einem Teil seiner Arbeiten über dieUrsachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918" an die Oessentlichkeit zu treten. Die außergewöhnliche Verzögerung des Abschlusses der Untersuchung ist im wesentlichen auf zwei Gründe zurückzuführen.

Erstens zwang der wechselreiche Gang der Politik den Ausschuß zu häufiger Unterbrechun fi feiner Arbeiten. Zwischen bereit Beginn am 21. August 1919 und der hiermit erfolget.den ersten Deroffent- lidjung fanden drei Reichstagswahlen statt, die zu breimaliaem Abbruch und monatelangem Nuhenlassen der Arbeiten zwang.

Das zweite Hindernis für einen raschen Abschluß der Unterfud)ungen lag in ber U n b e ft i m m t -- heit ber gestellten Ausgabe. Erst nach monatelan­gem Suchen und Verh nideln mit dem 3. Unteraus- schuh gelang es, dem 4. Unteraw sch ß einen sach­lich und zeitlich flar umrisfencn Anfgabenkrcis zu- zuweison.

Die Untersuchung der U-sachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918" bedeutete aber immer noch eine so weiigestrckte Ausgabe dah der Unteraueschuh sich von vornherein klar war, doh deren Dewältigung nicht in kurzer Frist möglich,

*)Die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918." Vierte Reihe im Werk des Unter- fuchungsausschuftes der Deutschen Verfassunggebenden Nationalversammlung und des Deutschen Reichstags 19191926. Verhandlungen Gutachten Ur­kunden. Im Auftrage des Deutschen Reichstags. Unter Mitwirkung von Dr. Eugen Fischer als Ge­neralsekretär und Dr. Walter Bloch als Sekretär des 4. Unterausschusses, hereusgegeben von Dr. Albrecht Philipp M. d. R., Dorsttzendem des 4. Unteraus­schusses. 3 Bände. 1. »and: Derhandlungsbericht, Stenographische Protokolle, Entschliehungen usw. 2. »and: Gutachten des Sachverständigen Oberst o. D. Bernhard Schwertfeger. 3. Band: Gutachten des Sachverständigen General der Inf. a. D. v. Kuhl. Korreferat des Sachverständigen Geheimrat Prof. Dr. Hans Delbrück. 1925. Deutsche verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8.

gehängt, an die Haustür genagelt usw. Man glaubte früher, dah in den ersten Aehren oder der ersten Garbe ein Geist der Fruchtbarkeit wohne, dem man irgendwie an sich fesseln wollte, um dem Hause Glück oder ber Ernte Segen zu verleihen. In manchen märkischen Dörfern wird aus der ersten Roggengarbe eine Puppe gemacht, die die Auftgarbe" heißt. Anderwärts wird die erste Garbe unter großem Jubel nach Hause getragen, und dem Haushahn, dem altgermanischen Sinnbild der Fruchtbarkeit, vorgeworfen. In Heften wirst man nachts die erste Garbe, dieder Erntesegen' heißt, durch die hintere Scheunentür, ohne sich um- zusehen, denn sie istfür die Engel bestimmt. An anderen Orten wieder wird sie den Mausen ge­opfert; man bindet wohl auch einen Käse und an­dere Dinge hinein. Beginnt man damit, das abge- mähte Getreide in die Scheuer zu fahren I» schmücken die Knechte ihre Pferde mit bunten Bän­dern, und die Mädchen binden an bte Mutzen und Peitschen der Knechte den gleichen Schmuck. Beim Austaden des ersten Fuders darf nicht gesprochen werden. Bekränzt und umjubelt fahrt der erste Erntewagen in den Hof und wird wohl auch rmt Waller besprengt. Manchmal muffen kleine Buben »und Mädchen die ersten Garben heimbe,letten und der Ernte und den Menschen Gluck, den Mäusen und Ratten aber Tod wünschen.

Oberhessischer Kunstverein

ES ist nicht nur die Hitze, auf die man heule alles schiebt, nxsm Viele mcht ftxrren, toie auf diese Ausstellung von der Plastik her Bedeutsames sich äußert. Bur wenige Augen find vlastikveif und unfentimental genug, rind dazu gebärdet sich von den Wänden herunter in Farbe und Schtvaryweich-Allerlei, bei dem (zum großen Teil toemtten«) brf toaS n^nere Problematik sich nennt, auf unsachliche Einstel­lung rechnet unbewußt, tote gerne zugegeben fei. wenn das eine Sntschuldiguna ist.

Julius Bogel. Frankfurt: Es scheint unS, als wenn er auf einmal erprobte« Schema von Farbigkeit. Lime. Flüchenfp^el und Jeefr- fchem PrvSem" zu sehr sich verließe.

Erich Grube, Frankfurt: Guter fyiw- pathifcher Durchschnitt bewährten Handweick« ohne anspruch»»oüe Q*. (BojsnderS: .Kirchon- hmete«.)

W. ßefebre. Frankfurt: Am bVi*\x die Blätter, d-e um Ar-,tilgte« I>-r-m sind, z S. die ..Urmenschen". Sonst in Technischen m,2 m Figürlichem (b;fanb~r« b i Sanf.-nbe*) ve 1- liche«, z. B. das Blatt über brr 53r . 1 H'i in Kabinett. Ganz anders die Plastik. bte sich t '<** mal eingefunden hat. Hier ist die Xit rätan-« setzuna zwischen GestaUllngSto-ifen un» f ' ;»n zu fühlen. Grundlagen, die durch ba3 aV'_- n Handwerkliche und das fc^r^t Ze t "m V, be­stürmt sind, werden hier nicht y.rm

Well Habicht. Gießen zeigt ittxi B Id- nisse. Beim Bildnis ist ja die B?torgun«.;fc'.. -ck bc« Künstler« durch die Zweckbest mmthert Kunden, was aber nicht dasselbe ist »ie <- hindert. Da« zeigt sich hier. Die zwei K^'e , staS auch rein vom Künstlerischen as« geka«. , fam. Man beachte bei dem B.I--ri« L. P. Spiel von Äopftocnbung und Sockelbewe-t ni bei der Büste B. D. die Stelle, die etwa der Hrtt- ranb rein raumkörperlich hat.

Gang scharf an plastische Grtmdfrag^n ü en auch die Gestaltungen von 3. . öd 0: ng,

Dießen heran. Die mögen mrh: ohne wei.ereS fick) erschlichen. Zedenfall« gehören N« Gntfchiedensten. was an« dreier Künste, bl»ch« gezeigt hat. Am stärksten ist da« Motiv Stehens oder Aufgerecktfein«. bwl aus der An«- steklung erfreullcherioeise ohne scheint. Aichtber Mann", b?r will hier gesehen sein, sondern ba6 »eru 4 <nn« rhythmisch geladenen BeweIUTXZ^vrm. Bsn grast« Dedeulsamkeit für die Vvrzu^iryc »fang tft auch die Art, wie große Flachen als negattM Wirkung stehen gekstieben find.

Da« zweite Stück (warum muß es nur Boxer" heißen?!) sucht von einer eiM a-tbern Seite her die gleichen Probleme zu erfassen.

Der feinbewcgteTorso" WUrfi enger <m frühere Arbeiten Kökstäng« an. ör ist aJ>>~ to»« unter dem Einfluß ber Fragen, mit denen sich bie beiden anderen auscmandeNetzen. straff« aU diese. Aufschlußreich ist hier übrigen« reine 5'önuna. besonder« da« rein Tech', sche berftibcK, mit bvc Tönung der beiden Cbtffrnifk Habichts zu vergleichen.

Hoffentlich sind Dinge vom Aane diese« fünf Plastiken von nun ab öft«» SLste auf u-Meeen Austz«Ü»S<-n. _

Deutschtum dadurch zu vernicktcn, daß er d« n Rückhalt, der in ber evangelischen Kirche liegt, s i- bigt. So erklärt sich die Tatjache, bist de-' fb 3 bis 4 Proz. ausaewiefeiie.n katholif.t'n ii >-n fast 60 Proz. ausge.viesei e coai:' e * « er gegeniiberstehen. In I t a l i e n ro.if'l der ' . mus gegen das Deutschtum bar er wieder in i er evangelischen Kirche zu treffen si'chi. menn a ; 1 ;r die kalholische Kirche, da das s d!i-v er °'olk deutsch p?f:nnt ist, in größere Mitleidens-^- t zogen ist. Der stete Kampf der S ^tirol."- Welschen ist ja bekannt. Sehr schli.T n ir* 0 Cape der Deutschen, und damit auch ber cra li sehen Kirche in der Tschechoslowakei Siebenbürgen, das einst eine B irg des Tc ttims war. In großer Rot befinden sich De"tf' t und eoanaelis'tie Kirche in Rumänien nm s die deuts s-e Schule und die evongelif te f i großer PI ite standen. S.'ion d'-se fur<* ? gäbe der Ausführungen des Referent'.''.t nen, wie mir1 tia die "(".faaben des 10 >st ' Vereins heute sind, urb daß er ein Jrfre"? I wirb, bas über bar Reinr ' Itr" du c 1 r gerade in urseren Tapen bri 'äftiren s - mehr wie früher bie Gedanken weiter K<-eis M tterlandes mit dem Sch'cksal der A-'- u-h

Die Lasten, bie die Erntrzeit dem Ccmbmarm aufcrlegt, müssen wenigstens durch gute« Gsien unb ilntcrbaltung ein wenig gemilbert toerben. Deshalb wirb vor Beginn ber Ernte ge­schlachtet. Kuchen gebacken. Tabak und Bier rech­lich beschafft, v« gibt in diesen Wochen besonders gutes und reichhaltige« Gffen, mancheror^ toirb eine Vespernrcchlzeit eingefügt. Gewisse Gerichte werden bei bestimmten Arbeiten gerercht. Do bekommen z. B. im Anhaltischen die S^ute twm Weizenhauen Heseklößl. denn .dann schüttel der Weizen gut". Anderwärts sind Kardosfelfladen die «hrenpreise der Ernte. 2luch gesungen toirb während deS ©raten«, aber leider hat diese uralte Sitte, die in der Ahtzthmisierung der Arbeit ihren Llrsprung hat, immer mehr nach­gelassen. Früher wurde sogar am Abend auf dem Felde getanzt, und Musikanten spielten auf. Die Ernte ist aU ein heilige«. Gott wohlgefäU.geS Werk den bösen Mächten natürlich verhaßt, und man kann daher nicht vorsichtig genug sein, um schädliche Einflüsse sern zu hallen. Da« Läuten zu bestimmten Zeiten hilft gegen die Dämonen, ebenso der Gruß ,Hels ®attr Einen Abwehr­brauch wivd man wohi auch in dem »Binden" ber Fremden zu erblicken haben, die auf bad gelb kommen. Man glaubt in biesem nicht Zu­gehörigen einen unheUvollen GmUuh fürchten zu müssen, und so wirb er mit einer Hand voll Achren ober einer Schnur gebunben. in eine Garde gewickelt, hier und da auch in die Höhe gehoben ober gar in bte Zehen gebissen, man wischt ihm die Schuhe ab, und jedenfalls muß er sich waS jetzt die Hauptsache geworden ist, mit einem Trinkgeld auSlösen.

Mit dem feierlichen Erntebetzinn sind auch eng bie Bräuche verknüpft, bie sich auf bie ersten Mehren, bie erste Garbe ober bas erste Fuder be­ziehen. In Hessen müssen die ersten Halme bei ber Ernte von einem Kinbe unter 5 Jahren geschnitten werden- bas erste Strohseil zu den Garben laßt man von Kinbern unter 7 Jahren binben. Im An- haitischen roinben bie Schnitter bie ersten befonbers großen Aehren zu einem Strauß zusammen,, ber am oberen Stiel ber Sense befestigt wirb. Haustß binbet ber Schnitter stillschweigend, bevor er bie Erntearbeit beginnt, brei nalrne um den Arm, um gegen Verwunbungen geschützt zu sein, ober man legt die ersten brei Aehren kreuzweise auf den Ackerfür die Äommutter". Auch »erben bie ersten Aehren über den Spiegel oder en die Zinuaerdecke

Kirche und Schule.

gur Gujtav-A^o!s-^er ins- lagung in Gietzen.

Grünberg, 22. Juli Zu einer .111 feer- orbentlichen Konferenz waren gestern die Pfarrer des Dekanats Grünberg ei-.i^e- laben worben. Die Tagung galt ber Vorderen ng ber biesjährigen H a u p t 0 c r j a in in l u n g der Gu st av-Abolf. vereine, bie E n b e - e p - tember in Gießen tagen wirb. Als Ref.rcnt war Pfarrer W a g n e r - B e n s h e i m. ber 5dirift- Führer bes hessischen Hauptoereine. ber Gustav Aboif- Stiftung, erschienen. Seine Auesührunae! bie ron einer tiefen Sachkenntnis zeugteu. verfehlten ib en großen Einbruch auf die '.'Inmeienbai r i.: 1 unb ließen bei allen Hörern ben Entfchluß reifen, fiir ' ie kommende Ha >p oe

bie ganze Gustav-Adolf Vereinssache beste Wt.v.beit zu leisten. Der Referent gab einen erschütternden lleberbllcf über bie Lage ber evangelischen Kirche m ben burch ben Versailler sogenannten Friedensner-

sonbern dazu jahrelange Arbeit notwendig sein würbe.

Im Verlauf ber Untersuchung stellte sich, wie von Anfang an erwartet war, halb heraus, baß, wenn die Verhandlungen nicht ins Uferlose gehen sollten, ber Aufgabenkrcis ftarf verengt werben mußte. Erst nach Ausscheidung großer, an sich wich- tiger Fragengruppen aus überwiegend praktischen Gründen, gelang es, entsprechend der Ausgabe des UntcrfuchungLausschusses, zu einer Reihe von Ein- zelsragen Stellung zu nehmen. Infolge dieser De- schränkung mag manchem bas Ergebnis ber Unter­suchung im Hinblick auf die darauf verwandte große Mühe gering erscheinen. Auch die Mitglieder des Unterausschusses haben bie Lücken der Untersuchung schmerzlich empfunden. Es darf jedoch nicht oergeffen werben, baß bie Aufgabe des Unterausschusses nicht darin veftand, eine geschichtliche Darstellung ber Ursachen bes Zusammenbruchs 1918" zu bieten, ionbern alleinTatsachen" festzustellen, bie bie Verantwortlichkeit bestimmter Personen unb Per­sonengruppen für ben unglücklichen Kriegsausgang betreffen.

Die Voraussetzung für bie eigentlichen Unter- suchungen bilbeten eine Reihe von Gutachten berufe­ner Fachgelehter unb Politiker. Diese Gutachten die einen mehr ausführlich aufbaucnb, bie anberen mehr kritisch gerichtet sinb, soweit sie nicht münb- lief) erstattet unb barum in ben folgenbenVerband- lungsbericht" ausgenommen wurden, in zwei be­sonderen Bänden dieser Reihe desWerkes des Un­tersuchungsausschusses" veröffentlicht.

Erst durch die Gutachten der Sachverständigen gelang es dem Ausschüsse, eine gesicherte Grundlage fiir hieparlamentarischen" Untersuchungen zu bc- kommen. Es galt, die von ben Sachverständigen be­wiesenen Tatsachen unb erkannten Zusammenhänge mit ben Mitteln ber parlamentarischen Untersuchung zu prüfen und zu ergänzen.

Der Unterausschuß ist sich bewußt, daß die Er- gebniffe seiner Untersuchung nur Stückwerk sind unb alle bie Mängel aufweifen, bie sich aus ber für einen parlamentarischen" Untersuchungsausschuß teilweise unlösbaren Ausgabe ergeben. Immerhin glaubt ber Unterausschuß, bie öffentliche Kritik feiner Arbeiten nicht fürchten zu mliffen. Alle Beteiligten waren, ungeachtet ihrer parteipolitischen Einstellung, von bem Drange nach Wahrheit erfüllt. Ob bie gemachten Feststellungen in allen Punkten von ber fommenben Geschichtsschreibung anerkannt werben, muß bie Zukunft lehren.

Ist so bas Ergebnis ber Untersuchung nach ber historifck)-wissenschafili ^en Seite mit ben Mängeln aller geschichtlichen Untersuchungen über Vorgänge her jüngsten Vergangenheit behaftet, soweit sich biese Mängel aus bem Material ber Untersuch ng unb ; bem kurzen zeitlichen Abstanb von ben Ereignissen ergeben, so bars daneben nicht vergeften werden, baß bie Hauptaufgabe des Unterausschusses eine politische war: nämlich bie Frage zu prüfen, wie bie D e ra n t w 0 r t l i ch k e i t für ben bei'tf.chen Zusammenbruch 1918 zu verteilen unb ob gegen i bestimmte Personen ein Schuldspruch zu fällen i sei. Hier kam ber Unterausschuß ei n st i m rn i g zu bem negativen Ergebnis bvß es unmöglich ist, I soweit ber erste Fragenkreis der Ausschußarbeiten ! in Dttracht kommt, gegen irg.-nb jemand ben Vor- j wurs ber Pslichtoersäumnis ober bewußter Schäbi- fl'irg ber öffentlichen Interessen zu erheben. U'ber bie Frage, wieweit eine moralische unb histo- rifche Schulb von einzelnen unb von Perfonen- grupnen sich feststellen läßt, war es nicht möglich, im Unterausschüsse zu einer Einigung zu kommen. Es lag in ber Natur ber Dinge, baß h'erbei aus Mangel an nachweisbaren Tatsachen bie subjektiven Meinungen ber Unterausschußmitglieber in ben Vorbergrund treten mußten.

Alles in allem glaubt ber Unterausschuß, dessen Verhandlungen vom Geiste größter Sachlichkeit ge­tragen waren, mit dieser Veröffentlichung bem heut­igen Volke einen Dienst zu erweisen. Trotz aller gegensätzlichen Auffassungen hat ber Verlaut ber Untersuchung gezeigt, baß es möglich war, in ruhiger Arbeit einer ber umstrittensten Fragen unseres öffentlichen Lebens nachzugehen, barüber sich aus- zusprechen unb in völliger U e b e r e i n ft i m mung zu gewissen Teilergebnissen zu kommen. Die Veröffentlichung bes Unterausschusses kann daher mit Recht nicht bloß als ein Werk zur

bürg hauptsächlich um süddeutsche Staaten handelt. Baden tz-rt nur eine Zunahme von 4,8 Proz., Bayern um 4,6 Proz. unb Württemberg sogar bloß um 2,8 Proz. Dabci bars nicht vergeßen werden, baß besonders in Süddeutschlano die Großstädte stark gewachsen sind. So beträgt die Zunahme ber beiben badischen Großstädte im Durchschnitt 6.6 Proz. und die bet vier bayerischen 7,63 Proz. Ohne diese Großstädte hätte die Bevölkerung Badens nur um 3,8 Proz., die Bayerns nur um 3,7 Proz. zuge- nommen. Ohne Stuttgart würde sich die Bevälke- rungszunattme für Württemberg auf nur 2,5 Proz. berechnen. Württemberg hat also von allen Staaten den geringsten Bevölkcrungszugang, was ohne Zweifel feine Hauptbegründung in ber starken Aus- Wanderung ber letzten Jahre findet, da Württem­berg die größte Zahl der Auswanderer stellte. Aehn- liches gilt, wenn auch nicht in so starkem Maße, für das zum Grenzland gewordene Baden. Aber auch aus Hamburg, Bremen unb aus Dlbcnburg war bie Auswanderung stark, trotzbem marschieren diese ®c- biete in unterer Betrachtung an ber Spitze. Hier hat somit ein sehr lebhafter Devölkerungswechsel statt- gefunben.

Verfrüht wäre cs, die oerschiebene Zunahme allein auf Geburtenrückgang oder Sterblichkeit zu­rückzuführen. Ob man anbercrseits von einem Zug vom Süden nach Mitteldeutschlanb reben kann, muß auch erst bie enbgültige Untersuchung des Mate­rials ergeben, das bisher ja nur ein vorläufiges Er­gebnis darstellt

Württemberg ... 2,8

Ausfallend ist, daß Hamburg demnach den größ­ten Zuwachs an Bevölkerung hat. Man muß Dabei jedoch, cbcn|D wie bet ben Freistaaten Bremen und Lübeck, berucksichttgen, daß die außerordentliche De- nölkerungszunahmc auf bie Zunahme ber Groß­städte zuruckzusühren ist: so hat Hamburg-Stadt ein Wachstum um 7,5 Proz., Bremen um 6,60 Proz. unb Lübeck um 6,32 Proz. zu verzeichnen. Bei einer vergleichenden Betrachtung müssen baher biese oer- haltnismäßig kleinen Gebiete ausscheiben, zumal ba feier bas Wachstum ber Großstäbte den Ausschlag gibt.

Sodann steht Thüringen an der Spitze. Es hat die außerordentliche Zunahme von 7,15 Proz. zu registrieren. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß Thüringen seit 1910 eine starke Zuwanderung j,n allgemeinen unb eine noch stärkere Zuwande­rung von Frauen im besonderen hatte. Seit 1910 sind nämlich 114 0IÄ) Personen nad) Iljüringen zuge- manberl, davon waren 43 500 männlich, während 70 500 bem weiblichen Geschlecht anyehörten. Somit finb 62 Proz. mehr Frauen als MÜnner zuaewan- tert, was zu einem erhöhten Frauenüberschuß in Thüringen geführt hat. Wöhrenb nämlich im Reich auf 1000 Männer 1074 Frauen kommen, beträgt diese Zahl für Thüringen 1088. Wären bie Frauen im gleichen Verhältnis zugewanbert, als das Ver­hältnis zu den Männern im Rsichsdurchschnitt be­trägt, also auf 1000 Männer 1074 Frauen, so hät- ten 23 750 Frauen nicht zu wandern dürfen und die Vevölkening Thüringens hätte bann nur noch eine Vermehrung um 6,1 Proz. zu verzeichnen. Trotz­dem hätte Tb ringen mit Lippe. S 1 sen unb Olden­burg den großen Zuwachs nuszui^eiien.

Für Sachlen ist man leicht geneigt, das besonders starke Annmchsen ber Bevölkerung auf bie Zunahme .er Großstädte zurückzuführen. Jnbeften ist bie durchschnittliche Zunahme für die vier Großstädte Eachfens nur 4,38 Pro;., liegt also unter bem Reich-durrhschnilt, so baß ohne diese bie Veoolke- rungszunahme fiir Sachsen sich sogar auf 7,85 Proz. berechnen würde

Unter den Ländern, btc demnach eine Zunahme xu verzeichnen Haden, bie über bem Reichsburch- schnitt liegt, ragen neben Oldenburg besonders Sach sm, Thüringen, Lippe, Anhalt und Braunschweig hervor, im großen ganzen also bas nichtpreuhische Mittelbeutschland.

Die Zunahme für Preußen liegt mit 5,35 Proz. eud) nock) etwas über bem Reichsdurchschnitt, doch enbert sich die Zahl sofort, wenn wir die Großstäbte davon ausnehmen. Dann beträgt bie Zunahme näm­lich nur noch 4,75 Proz. Die starke Zunahme ber Großstädte, besonders des rheinisch-westfälischen In- dustriegebietes sowie die Geburtenl)äufigkeit in Oberschlesien und Ostpreußen haben hier die Wag- schale gehalten

Betrachtet man nun die Länder, deren Devolke- rungszunahme unter bem Reichsburchschnitt liegt, so fällt auf, baß es sich neben ben beiben Mecklen-

Die Zunahme ber Bevölkerung im Deutschen Kelch.

Nach ber Volkszählung vom 16 Juni 1925.

Die jungst fiatlgcfunbene Volk Zahlung hat u. a. bas GirgcfmL" <_. > uigt, baß bie 'ScDÖlferung im )icichsgebl«.l |eit 1910 im Durchschnitt um 5 Proz. gestiegen ist. Betrachtet man die einzelnen Länder, so ist für diese die Zunahme folgende: