Ausgabe 
24.2.1925
 
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Heute abend Abschied miete® lieben Liam foltlttl

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(tr. 46 Zweiter Blatt

Eindrücke aus Gotha.

(QSon unserem x-Korrespondenten.) (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Gotha, Februar 1925.

Jede flandrische Stabt hat ihren Belsrieb. einen da« gesamte Stabtbllb überragenben Turm, von bem man AuSlchau unb Umschau halten kann biS weit in ble ßanbc. Wie ein solcher Delsrieb überragt die Stabt Gotha bas gewaltige Massiv des herzoglichen Schlosse-, baS von seiner Höhe trutzig herabschaut aus bie Straßen unb Gäß­chen, die uralten Häuser ber Stabt. Der Gothaer Bürger ist stolz auf sein Schloß unb denkt weh- itiittg an die Zeiten zurück, da in dem gewaltigen Gebäude noch ber herzogliche Hof seinen Glanz entfaltete. Es waren doch schöne Zeiten damals in ber kleinen Residenzstadt! Heute, im Zeitalter des Materialismus unb ber Realitäten, tft bas alle- nunmehr eine romantische Erinnerung, unb vir haben bei Gott feine Zeit zu Träumereien. Run gut, befassen wir unS einmal damit, wie die Dinge in Wirklichkeit auSsehen!

Gotha denkt heute noch mit Schrecken an die Zeit de« kommunistischen Terrors zu» rück. Seine durchaus nicht konservative Bevölke- rung hat bei dieser Gelegenheit zur Genüge 'ennengekernt. wie die Prophezeiungen sich aus- wirken. mit denen fremdrassige Agitationsredner die Massen zu beschwören wußten. Die von Moskau haben durch ihr glücklicherweise stark 'abgekürztes Gastspiel auch die Liberalsten unter den Liberalen aut Vernunft gebracht. Die logische Entwicklung dieser Sturmepisode ist die heutige 'stark bürgerliche Zusammensetzung des Thüringer Landtages, tn welchem die Kommunisten mmmebr eine komische Rolle spielen, während sich ihre natürlichen Brüder, die Sozialdemokraten, verpslichtel fühlen, von 3eit au Zeit durch radikale« Getue ihre An- wesenhett au bekunden. Sie werden eS dadurch nicht erreichen, daß vom thüringischen Volk ver­gessen wird, welche Schuld sie durch ihre ge­meinsame Mißwirtschaft mit den Kommunisten <uf sich geloben Hadem. Unb so wirkte denn auch der Ausspruch einer sozialdemokratischen tXebnertn anläßlich ber Debatte über die kirch­lichen Feiertage besonders aufrei^enb. .Wir können auf einen Bußtag verzichten, da wir Sozialdemokraten immer nach dem Guten streben unb nichts z u büßen haben." Aller- Dinas. ein Bußtag wurde da wohl kaum auä- -veichen. Großmütig überläßt eS die wackere rote Schar ihren Opfern, der Bevölkerung, für all da« zu büßen, was sie in jahrelanger Arbeit .Aum Guten strebend" über diese gebracht hat. -ilnb bie Buße ist furchtbar.

Die Landwirtschaft krankt unter dem Druck maßloser Steuern. Aus allen Reden, die frei der kür»ltch in Gotha st angefundenen Land­wirtschaftlichen Woche gehalten wurden, tönt eS heraus wie ein Schrei nach Befreiung: Unae- wägende Betriebsmittel und die leidige Rot der Oetreibeaölk. Ein alte« Lied, aber in feiner Bedeutung von ben dazuBerufenen immer noch micht erkannt.

Richt besser ist bie Lage ber 3 n b u ft 11 e. bie für Thüringen besonders wichtiges LsbenS- Menwni ist. Am schlimmsten ist es wohl mit ber Huppenindustrie bestellt. Durch hohe Zölle werden bie Fabrikate in einer Weise verteuert, baß das Hauptabiahgebiet, das Ausland, nvt- wendigerweis« verschlossen wird. ES wäre von mabgebenber Sette wohl au überlegen, ob eS rat­sam ist, theoretisch den Etat de« Reiche« durch Zölle au verbessern, die in ber Praxis sich al« PodemNnsche Dörfer erweisen müssen, aus dem einfachen ®nmbe, weil kein Ausländer au den so erreichten hohen Preisen kaufen kann. Schon jetzt haben sich in Amerika, dem hauptsächlichsten Ab­nehmer. puppen fabelten aufgemacht, die zu einem Bruchteil der von unserer Industrie infolge der Zölle genannten Preise liefern können. Gibt es keullichere Realitäten?

Gießener Konzertverein.

Helge Lindberg: Liederabend.

Gestalten und Können machen den Künstler «uS. Da« Können alS solches, die Technik, wäre eie Imstande, ein Kunstwerk zu erschöpfen. Zwar würde vom Technisch-Artistischen aus eine Dar- Wellung möglich sein, aber als Kunstleistung auS- ßheiden, denn die dem Kunstwert innewohnen- I len Gefühlswerte würden in dem Rational-Kon- fruierten nicht zur Geltung kommen. Musik ist <d>en Gefühlsausdruck, ein Durchleben von Ge- ffühlSspannungen, als Einzelgefühl, al» Gefühls- lompleff (Stimmung), in der Steigerung als j Affekt, Ekstase. Die Gefühlswallungen sind gra- ghisch im Roten bi Ide als Kurven festgelegt. ; Würde man dieses Rotenbild bzw. die Gefühte- . furoe mathematisch in« Klangliche umsetzen (in Jen Musikapparaten Haden wir e« al« Tatsache), so würde der Eindruck hinter dem Wollen des Komponisten zurückbleiben. Das Rotenbild gibt tut bestimmte Anhaltspunkte, gewissermaßen als Lrientterungsskizze über das Gefühlserlebnis, das ler Komponist im Augenblick der Konzeption des Werke« gehabt hat.

Der darstellende Künstler muh darum bem UrertebnlÄ nahekommen. Die einen nähern sich fern Kunstwerk, indem sie eS zu verstehen suchens eher das Werk bleibt ihnen doch noch zu sehr la« Objekt, an da- sie sich heranfühlen, dem Tie sich zufühlen. Andere gehen so in dem Werk <uf. daß eS für sie persönliches, subjektives Er­lebnis wird, und gelangen so zur vollkommensten Einfühlung. Unb aus diesem Urerlebni« heraus gestalten sie daS Werk immer wieder auf« Reue, bet jeder Wiederholung anders unb darum | lebenswahr.

3n ber absoluten Musik ist der 3nterpre- iation freier Raum gelallen, da die Drunbstim- Tiung nur allgemein gekennzeichnet tft; in ber Vokalmusik, insbesondere im Lied, legt da« Wort lie Grundstimmung eindeutig fest; das Wort gibt len Schlüssel zum Verständnis. Aber gerade la rum muh der Sänger intensiver gestalten, denn «ü will ja nicht nur das Wort an sich geben, fonbem jenes irrationale, was bem Komponisten gut Ergänzung bes Wortes vorgeschwebt hat, unb las über das Wort hinausgeht. Der Dokalmusik tl dann die breiteste Wirkungsbasis gegeben; roch dazu, wo boch die menschliche Stimme an sch ben primärsten Ausdruck des Physischen bar- teHL

Aber dieses nach Ausdruck ringende und fcxkngenbe Physische will sich wahr, d. h. un°

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dverhessen)

Die Wasseninbustrie hat bei berschein­bar lächerlich krankhaften, in ihrem Zweck und Ziel leider nur zu deutlichen französischen Furcht vor der deutschen Revanche immer noch einen schweren Stand. Gewisse Elemente ftnb nach wie vor eifrig bestrebt, der Entente gegen Geld und gute Worte ihre jämmerlichen Spionenbtenfte zu angeblich .fabelhaften Enthüllungen" zur Der- fügung zu stellen. Erweist sich das auf solche Art gefundene .Material" auch stets als ein grober Unfinrt und Lug. so ist es verständlich, wenn sich die Industrie gegen die Schnüffelkommissionen und ihre nichtswürdigen Kreaturen zu wahren versteht. Da die Herstellung von Waffen nicht ausrcicht, die ursprüngliche Belegschaft ber mei­sten Firmen zu beschäftigen, hat man sich fast überall teilweise u m g c ft c 111.

Das bekannteste Industrieunternehmen am Platze, die Gothaer Waggonfabrik, hat ebenfalls schwer zu kämpfen. Wie man hört, fehlen die Aufträge zur Herstellung von Wag­gons gänzlich, sodaß auch hier eine UmfteUung eingetreten ist. Es werden u. a. Küchenmöbel unb Schneeschuhe hergestellt. Aber auch diese Neuerung scheint die Lage nicht wesentlich zu verbessern. Unwillkürlich drängt sich einem die Frage auf. warum dieses doch im Reiche gut bekannte Unternehmen scheinbar von den Re­parationslieferungen ausgeschlossen ist.

Der F r c m b e n t n b u ft r i e hat der laue Winter einen peinlichen Strich durch die Rech­nung gemacht. Ohne Schnee scheinen die Thü­ringer Berge den so sehnsüchtig erwarteten Frem­den keinen Reiz zu bieten. Die Pensionen unb Hotels stehen leer unb die Saison verläuft mit einem furchtbaren Minus. Es ist um so be­dauerlicher, als bet Fremdenverkehr seine Wir­kung auf ben ganzen Handel unb Wandel im Kleinen unb Großen ausübt. Ja, in die Privat­kreise hinein macht sich das Fehlen der Reisenden unb Kurgäste bemerkbar. So ist auch hier das allgemeine Uebel in ausreichendem Maße vor­handen: Geldknappheit!

Pom deutschen Nationalreichtum in der Tschechei.

Prag. 4. Februar.

Die letzten Betrachtungen, die man allent­halben über die Lage der sudetendeutschen In­dustrie zu lesen bekam, waren durchweg zu­versichtlich gestimmt. Für verschiedene kontrollier­bare Industriezweige war ziffernmäßig dar­gestellt, daß das Jahr 1924 für die Industrie ein Ioßr ruhiger Arbeit und fortschreitender Wiederherstellung war. Das ist zu begrüßen, denn gerade daran müssen die deutschen Kreise in der Tschechei das allergrößte Interesse haben. Wenn man nämlich aus der Zeit seit dem Um* sturz die nationale Bilanz zieht, kommt man zu einem überaus verstimmenden Resultat. Diese Jahre waren für die deutsche Wirtschaft inner­halb der Tschechosiowakei die denkbar schwersten Derlustjahre. Die deutsche Wirtschaftskraft von 1925 ist bei weitem nicht mehr die gleiche wie 1918. Damals, am AuSgcmg des Weltkrieges, war eS für jedermann zweifelsfrei, daß die Deutschen innerhalb der Sudetenländer die finanzielle Dormacht besaßen. In deut­schen Händen die Großindustrie unb der Großhandel, in deutschen Händen der Grund unb Boden. Die Tschechen besaßen verhältnismäßig kaum ebensoviel.

Der erste HandelSminister der tschechischen Republik Stransky verkündete laut unb ehrlich ben Grunbsatz:Unser Ziel muß es fein, bie deutsche Wirtschaftsmachi nach und nach in un­sere Hände überzuleiten." Das ist ge­schehen. Man hat den gesamten Staatsappa­rat aufgeboten und rücksichtslos gewirtschaftet. Den deutschen Boden nahm die Boden­reform, die deutsche Industrie und der Han­del wurden im Bewilligungsverfahren gedrosselt, die fetten Dillen den andern zuge-

worsen. die RoftrifiAierung der großen Offnen- geselllchasien zur Tschechisierung ausgenüyt. Dor allem aber wurden bie StaatSlieseru ngen dazu benützt, da- tschechisch-bürgerliche Element reich au machen. SpejialärAte in Prag, die als unerschwinglich teuer verschrien sind, erzählten mir, ihre beste Kundschaft sei heute der tschechische Mittelstand. Da kommen ganz unscheinbar an- flezogene Leute in die Ordination und zahlen ür eine verhältnismäßig kleine Behandlung ohne Widerrede Tausende. Unb kommen baS nächste- mal wieder. Dort, bei diesen Leuten steckt heute das Geld. Die Reichen von ehedem haben es längst nicht mehr, ilnb die Reichen von ehe­dem bas waren eben die D e' u t s ch e n.

Die Staatslieferungen find eine gewaltige Waffe in ber Hanb der nationalistisch eingeftell- ten Regierungen der Tschechoslowakei Der Staat gibt jährlich ungefähr sieben Milliarden für Sachausgaben aus Rach den zahlreichen Kor­ruptionsaffären. bie ber Welt ja einen Ein­blick in bie Dergebung vieler Staatslieferungen hierzulande ermöglicht haben, wird man sicherlich nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß an Staatslieferungen mit 35 Prozent Reingewinn gearbeitet wird. Diese Ziffer ist sicherlich nicht übertrieben. Sie bedeutet, daß aus 7 Milliarden Sachlieferungen 2.45 Milliarden Reingewinn in ben Hänben irgendwelcher Leute bleiben muffen. Aber nehmen wir. um alle Fehlerquellen au«- zuschlten. nr eaiunen Reingewinn von 20 v. H. an, also einen Prozentsatz, ber sicherlich zu nie­drig gegriffen ist, so fließt ein Reingewinn von 1400 Millionen in die Taschen ber Lieferanten, nämlich ber tschechischen Lieferanten. Das finb monatlich weit über 100 Millionen, um bie bas tschechische Volk im Staat auf Kosten aller Steuerzahler reicher wird. Auf die Deutschen entfallen schätzungsweise kaum 10 Prozent der Staatslieferungen. An dieser Rechnung sieht man, was Regieren heißt.

Ganz ohne Schuld sind die Deutschen an ihrer verhältnismäßigen Verarmung aber auch nicht. Die glanzvollen industriellen unb finan­ziellen Hamen von ehedem sind verblaßt, vielfach durch eigene Schuld. Die Sudetendeutschen haben nämlich durchwegs nach bem Kriege eine falsche wirtschaftliche Einstellung gehabt. Abgesehen ba- von, bah sie an ber Kriegsanleihe fest- gehalten haben, als sie noch zu 60 v. H. ab- gcftLftcn werden konnte, bah em Großteil ihre« Vermögens an Renten unb ähnlichen Dorkriegs- werten verloren ging, sind sie zuerst ber öster­reichischen Krone nachgerannt, bann der sinkenden Mark, bann ben Sachwerten im Inland, ilnb als ble Deflation kam, waren sie auf allen Seiten geschlagen.Hamen zu nen­nen, hätte keinen Sinn. Die Großen haben es im Großen getan, die Kleinen im Kleinen. Ver­loren haben sie alle. Bei Finanzberatungen in Prag spürt man das ganz genau, wenn die Rede davon ist, mit welchen Kapitalskräften man zu rechnen hat. Da tritt daS tschechischeBürger­tum immer mehr in ben Vordergrund unb bas deutsche Subetengebtct rückt immer weiter nach rückwärts.

GineS ist den Sudetendeutschen geblieben: ber technifche Apparat, mit bem Die Reich­tümer von ehedem geschaffen wurden. Dieser Apparat arbeitete im Jahre 1923 schätzungsweise mit 60 v. H Leistungsfähigkeit, im Jahre 1924 mit 70 v. H Die Arbeit wird wieder Reich- tum bilden. Deshalb ist für das Sudetendeullch- tum vor allen Dingen bie gleichmäßige Auf­wärtsentwicklung ber Volkswirtschaft von Be­deutung. Die Deutschen in der Tschechei müssen ein Interesse daran haben, den Industrieapparat nach und nach zu 100 v. H. in Gang zu bringen, schon weil diese lOOprvzentige Arbeit wiederum das verlorene Rationalvermögen ergänzen wird, nachrücken, so ergibt dies keine grundlegende Ver­änderung der Derhäitniszahlen. Gewiß wird die Pribitschewitsch-Gruppe Vorschlägen, in Antoen- bung der .Obznana" alle Raditschmandate zu an­nullieren und in ganz Kroatien allgemein kon-

eingeschränkt durch irgendwelche technische Hem­mungen. äußern. Die Technik als Mittel der Gestaltung ist aber gerade für den Sänger oft die Klippe; nur selten gehorcht die Stimme so vollkommen, daß sie vollendetes Ausdrucksmittel werden kann, daher ber Mangel an wirklichen Sängergrößen. Dazu kommt, bah gerabe tn diesem Falle Ratur- unb Rallenbegabung sehr stark ins Gewicht fallen. Ein souveränes Beherrschen bes Gesangsapparates ist aber bie Grunbbedingung für künstlerisches Höhentum. Ein solcher Künstler kann alles gestalten. Unb zu biefen Begnadeten gehört Helge Lindberg.

Frei, ungezwungen betritt er das Podium; Persönlichkeit; Persönlichkeit gebend. Dom ersten Ton an hat er daS Publikum im Banne, unb immer wärmer, immer zündenber reiht er alles mit sich fort. .Wie will ich luftig lachen!" (Bach-Arie aus dem zufriedengestellten Aevius); wirkt es nicht wie ein Motto für den Abend? Sr will gestalten, nein, es treibt ihn immer stärker, er muh gestalten, denn er kann es auS dem reichsten, unergründlichen Dorn ferner Persönlichkeit heraus; unb ferne vollendete Tech­nik seht ihm keine Grenzen. Er, den es auch ir| der Bildhauerei zum Gestalten drängt, bie starke, künstlerische Potenz.

Belcanto-Arien, meist seelenlos geboten, wer­den hier zum groben Erlebnis, Koloraturen wer­den wieder zu bem. was sie eigentlich sein sollten, zu Aftektkurven. Ilnb die Begeisterung findet kein Ende nach der Zugabe einer Händel-Arie.

Wie stark er mit seiner Kunst in der Völler- pshche, im allgemein Menschlichen, wurzelt, das zeigen die Gesänge aus ferner nordischen Heimat, mit ihrer so gewaltigen, herben Ausdruckskraft; davon zeugen bie ungarischen Lieder mit ihren primären unb darum so starken Gefühlswelten.

Unb wiederum Schubert. .Der Doppel­gänger", wem möchte es da nicht erschauern beim Erleben dieses Dramas? Ober im .Wanderer", dieses ..wo": oder die erhabene .Allmacht". In feinem starken Rachschaffen. Ein­fühlen, wird für ihn daS Lied zur dramatischen Szene. Unb als Zugabe: .Auf bem Waller zu fingen ein Lied, bas man sonst wohl nur von Damenstimmcn (meist von Koloratursopranen) hören wird. Für ihn gibt es eben nichts technisch llnlöSbares; und man nimmt seine technische Meisterschaft als selbstverständlich hin.

Im letzten Teil Hugo Wolf. Gerade von den Liedern, an Deren deklamatorischen Schwie­rigkeiten viele Sänger mit ihrem Gestaltungs­vermögen scheitern; bei ihm verschmelz Wort

und Ton zu einer so selbstverständlichen, ein­fachen, natürlichen Einheit, das man es sich überhaupt nicht anders denken könnte. Er er­lebt alle« dramatisch, plastisch, unb gestaltet so schlicht und boch so treffend.

Zugabe über Zugabe. Sin schlichter DolkS- gesang ohne Begleitung, ein Erlebnis sonder­gleichen , Gesang in höchster psychischer Steige­rung: Das primäre Schwingen einer Seele. Immer wieder ruft man ihn und er dankt immer wieder mit Zugaben.

Lieder der verschiedensten Qlationen fang er in den Urfpradjen, und ein jeder verstand ihn, selbst wenn man auch die Sprache nicht be­herrsche; seine Gestaltungskraft sprach und kün­dete von Seele zu Seele.

Unb ihm immer zur Seite alS treuer Mittler Herr Paul Meyer- Frankfurt, ber in allem und das ist bei einem so vielseitigen Pro­gramm nicht hoch genug zu veranschlagen immer wieder in die Klangwelt jedes Werkes mit feinstem Einsühlen und sicherster Gestaltung einführte und bem Solisten bis zum Letzten rest­los folgte. in

Schwarzwälder Narrenstädte.

.R a r r c n ft ä b t e", so nennen sie sich selbst unb nicht ohne Stolz, denn nur drei sind es. die die Fastnacht nach der alten Ucberlieferung entsprechend feiern, für die Fastnacht ein Stück Geschichte, ein Stück Volkstum bedeutet Denn in Oberndorf am Reckar. in Rottweil und Dillingen begeht man bie Tage vor bem Aschermittwoch nach altem Brauch unb das Fa­schings treiben unterscheidet sich hier wesentlich von dem sonst üblichen mehr ober weniger erhe­benden Ilmtrieb. Die drei Städte Haven auch seh» bald nach Kriegsende von ber toürttember- gischen refp. badischen Regierung die Erlaubnis zur Feier der Fastnacht, wenn auch mit gewissen kleinen Einschränkungen, erhalten, (sehr zum Aerger der Stuttgarter!) da man mit gutem Recht diese Feier alS einen der Erhaltung wür­digen Brauch betrachten taut.

Für den Fremden ist der Betrieb in den Tagen der Fahfent wie die Fastnacht im DollS- mund heißt, einfach erstaunlich vor allem durch die Anwesenheit höchst origineller WaSken, die garnicht« von den gewohnten .Kostümen" an sich haben, sondern einer sehr starken und eigen­artigen Dollsphantasie entsprungen und ohne Zweifel als künstlerisch anAukprechen sind. Man

Dienstag, 24. Sebniar 1925

kurrenzmögliche .Rachwahlen" oorxunebmen doch steht kaum zu ertoarten, daß sich die Alt- radikalen von der wirllich wenig günstig abge- schnitten habendenöribüfdbetoüTd)-Gruppe ins Schlepptau nehmen lallen, daS würde der alt- rabUalen Linie widersprechen, die sie anläßlich der Beschickung ber Skuptlchina durch die Ra- ditsch-Partei im März 1924 eingehalten haben, btc sie alS Triumph der Staatsidee empfanden. Ta sich aber auch der .engere Oppositionsblock' kaum in« Schlepptau jener Vorschläge au« dem Raditschlaaer nehmen lassen wirb, die auf .Boy­kott der Skuptlchina durch die gesamte Opposi­tion" eingestellt sind, so werden beide Teile am Boden ber Tatsachen stehen müssen und hierin ist die weitere Entwicklung zu ersehen, bie in einer Annäherung der zum engeren Block gehören- den Oppositionsparteien unb den Qlltrabitalen be­steht. von denen ein nicht kleiner Flügel unter dem hochangesehenen Vizepräsidenten der Paric und Präsidenten der Skuptfchina Jovanovic auf eineVerständigung" hinzielt; wieweit sich Pa- sitsch geneigt zeigt, die Führung der Partei auf jüngere Kräfte übergehen zu lassen, die ihre serbische Einstellung bereit« e.ncr jugoslawischen Staatsauffassung untergeordnet ha en. bleibe da- bingcftellt gegen da« Placet Pasitsch« fällt m der altrabifalen Partei keine Ensich.'idung! Ta' diese Verständigungsaktion Iovanov c« aver be­stimmt die Pribltschewitsch-Demokra en au« der Teilnahme an der Regierung au«bootcn würde, da eine gemeinsame Arbeit dieser mit dem enge­ren Oppositionsblock ausgeschlossen erscheint daS steht heute bereits ganz fest.

Alle diese Fragen werden sich bl« zum Zu­sammentritt der neuen Skup:fchina iMitte März' im Stadium der Erörterung befinben und dann in einer Regierungskrise gipfeln, die dann entscheiden wird, ob die Wahlperiode mit einem Kabinett Pasitsch-Pribitschewitich oder Jovanovic Tavidowitsch endigt; cs ist kein Zweifel, daß letztere Kombination, die irgenbcinmal kommen muh. je eher desto günstiger für Jugoslawiens Innenpolitik wirken würde. Pasitsch hat für seine serbische Heimat soviel geleistet, daß er be­stimmt den großen Gründern nationaler Staaten des 19. Jahrhunderts gleich^ustellen ist aber Pasitsch steht im 85. Lebensjahr, und dieses be­grenzt sein Verständnis für bie neuen Ausgaben die durch fein Lebenswerk spruchreif wurden.

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

* M a i n z l a r, 23. Febr. Am nächsten Sonn­tagnachmittag findet auf Veranlassung Der Land­wirtschaftskammer bei Gastwirt Müller hier- selbst ein Vortrag über .Düngungs­fragen" statt. Redner ist Ackerbautechnllct Bügler vom LandwirtschaftSkammer-Ausschuf! für Oberhessen.

§ Beltershain, 23. Febr. Der Plan der hiesigen Feldbereiniauna liegt bi« zum 8. März offen. Wohl ist Der Gedanke einer Feldbereinigung von vielen Bürgern begrüßt worden, aber einige tragen auch große Bedenken über die finanziellen Lästert. Eine Anleihe für diesen Zweck aufzunehmen, ist gescheitert, und nun hofft man, durch Verkauf von Massengelände u. a. die Kosten zu decken.

t Stangenrod, 23. Febr. Die gelbbe­tet n ig u n g in unserer Gemarkung ist soweit fortgeschritten, bah im Herbst 1926 ble Zuteilung an die Landwirte erfolgen kann. Die Kosten wer­den vorläufig durch Abtrieb von Gecheindewald Sedeckt, diese Aufwendungen sollen jedoch durch -rlöS aus bem Massengelände unb durch AuS- schlag auf bie Besitzer toi eher ersetzt werden. Die Planierung des FelbtoegeS zwischen Stan­genrod unb Deitersheim ist seitens der Feldbe­reinigung erfolgt. Die Ehaussierung dieses Weges fällt jedoch ber Gemeinde zu. wa« immerhin noch ein schönes Stück Geld kostet. Außerdem hat die Gemeinde das Schulhaus von zwei Seiten schindeln und neu verputzen lassen, die Lehrer-

unterfcheibet drei Arten, die .Rar re", .H a n Sle" unb ,Schan11 e". Reben ben bun­ten weiten Beinkleidern unb den bunten Röcken, die mit allerhand Bildern geziert sind, fallen vor allem die prächtigen aus Holz geschnitzten KopfmaSken auf, die, größer alS ein menschlicher Kopf, hinten durch eine bezopfte Perücke abge­schlossen sind unb somit nicht die mindeste Gele­genheit geben, den, der sich darunter verbirgt, erraten zu können. Unter diesen Masken findet man wirkliche Meisterwerke. Meist ist irgend ein bestimmter GesichtSausdruck festgehalten. ein verschmitztes Lächeln, ein Spstaunen ufto.. daS so gut getroffen ist, daß man meint, ber Kops müsse beginnen zu sprechen. Sine berühmte Figur Ist der .Polizeischantle". der mit langem Säbel tn tradionellem Hinkeschritt durch bie Menge schlurft In Oberndorf ist eine gesuchte Spezialität da- sogenannte .Drecklärvle". eine schon über hundert Jahre alte HolzmaSke, deren Farbe nicht mehr erneuert wurde unb die heute einen grauen Farbton zeigt, daher die offen­herzige Bezeichnung DaS Drecklärvle au tragen ist eine Auszeichnung, deshalb ist diese Maske schon jahrelang vorher vermietet.

Die meisten Familien besitzen ihre eignen MaSken und Gewänder, anbere sind leihweise zu erhalten. Beim Umzug, dem sogenannten .Rarrensprun g, werden von gewissen Masken dazu viele und große Glocken getragen, die ein beträchtliches Gewicht ausmachen unb schon einige Anforderungen an ihren Träger stellen, die bann bei dem ganz merkwürdigen fprunghaf­ten Umzug einen rhythmischen Klang ergeben und auf die Zuschauenden eine ganz merkwürdige, berauschende Wirkung ausüben Dazu werden ungeheure Mengen von Bretzeln unb Orangen unter die Menge geworfen. Sonst spielt sich das eigentliche Treiben in den Wirtschaften ab Verschiedene Gruppen ziehen hier von Wirt- schast zu Wirtschaft und tragen ihre Späße vor. wobei sie, um nicht erkannt zu werden, in bet Fistelstimme sprechen und ihr Gespräch mit bem typischenSo, bischt au vo?" einleiten Mit Dorliebe werben den nicht maskierten Besuchern allerlei Wahrheiten gesagt, freilich in heiterem Ton, die etttgegenzunehmen sich diese verpflichten müllen, beim an biefen Tagen istNarrenfrei­heit, bie kein Uebelnehmen. keinSie unb feine Standesunterschiede ferart. Der Höhepunkt bildet derS t ad t kla t s ch. eine Stabtchronik in Bill» unb Vers, die alle«, toa« nur an einiger­maßen Witzigem während des Jahre« sich mge- tragen, hier bänkellängerhaft vorführt.