Einzelbild herunterladen

Der Reichspräsident schwer erkrankt.

Blinddarmoperation gut verlaufen.

Berlin, 24. Febr. (2U.) Reichspräsident Evert ist an einer Blinddarmentzün­dung erkrankt. Er muhte sich einer Operation unterziehen, die Professor Bier noch in der Nacht vornahm. Mit der verfassungsmäßigen Vertretung des Reichspräsidenten ist der Reichskanzler, Dr. Luther, beauftragt worden. Wie derVorwärts" meldet, wurde Reichspräsident Ebert nachtS gegen 11 Ahr in einem Auto in das Westfanatorium ge­bracht. Die Operation ist gut »erlaufe n. DaS Befinden ist den Amstanden entsprechend gut.

Die Krise im Zentrum. Die Maßregelung der ausgeschlossenen Abgeordneten.

Köln, 24. Febr. (TA.) Der Landwirt­schaftliche Beirat der rheinischen Zentrumspartei beschäftigte sich aus seiner Kölner Tagung sehr eingehend mit der Maß­regelung der beiden Abgeordneten v. Pa- Pen und Loenarh durch die Zentrums­fraktion des Preußischen Landtages. Die Ver­sammlung erklärte, daß sie sich mit aller Ent­schiedenheit auf die Seite der gemaßregelten Ab­geordneten stelle. Der Beschluß soll der Partei- Uilung mitgeteilt werden. Inzwischen hat sich auch der A^eordnete Baumann mit den bei­den Gemaßregelten solidarisch erklärt. Da­gegen soll sich der Landwirtschaftliche Beirat der westfälischen Zentrumspartei auf seiner Tagung in Hamm, wie dieGermania" zu melden weih, der einstimmig angenommenen Entschließung des Provinzialausschusses, die der Reichstags- und Landtagsfraktion des Zentrums das Ver­trauen ausspricht, zugestimmt haben. Reichs- lagsabgeordneter v. Papen selbst war nicht anwesend. Er hatte ein Schreiben geschickt, in dem er den Wunsch ausspricht, die Beschluß­fassung hinauszuschieben. Diefem Wunsch wurde nicht entsprochen, weil er von unrich­tigen Voraussetzungen ausging. Der ehemalige Reichskanzler Marx hatte das Referat.

Die Jlationalliberale Reichs­partei.

Frankfurt a. M, 24. Febr (Wolff.) Eine Berliner Dertreterversammlung der Rational- liberalen Reichspartei hat beschlossen, sich der Deutsch nationalen Volkspartei an­zuschließen. Der Vorsitzende, Landtags- abgcordneter Maretzki, führte aus, daß die große Ausgabe der Rationalliüeralen Reichs­partei jetzt erfüllt sei, da die Deutsche Volks­partei wieder in der nationalen Front stehe. D:e Westgruppe Berlin der Rationalliberalen Partei hat ihren Aebertritt zur Deutschnationalen Volkspartei vollzogen.

Die hessische Sozialdemokratie zur Regierungsbildung.

Darmstadt, 23. Febr. (Eigener Bericht.) Landesvorstand und Landesausschuß der Hess. Sozialdemokratie, die gestern in Offenbach tagten, haben zur Regierungsbildung in Hessen die nach­stehende Entschließung angenommen: Der Landesvorstand und Landesausschuß der Sozial­demokratischen Partei Hessens erklärt sich mit der Haltung der sozialdemokratischen Landtags­fraktion in der Frage der Hess. Regierungsbil­dung voll und ganz einverstanden. Einmütig und geschlossen steht die ganze Sozialdemokra­tische Partei Hessens in der derzeitigen Ableh­nung einer großen Koalition. Die fialtung der Deutschen Volkspartei im Reichstag nd im Preußischen Landtag schließt ein ge­meinsames Zusammenarbeiten mit dieser Partei im Hessischen Landtag von selbst aus. Die So­zialdemokratische Parier ist nach wie vor bereit, mit den Par teien der Weimarer Ko­alition, wie in den zurückliegenden 6 Jahren, so auch in der Zukunft eine durch den Willen des Hessenvolkes am 7. Dezember 1924 geschaffene tragfähige Regierung zu bilden. Zu einer A e n- derung der hessischen Verfassung liegt für die Sozialdemokratische Partei Hessens keine Veranlassung vor.

Der Tschekaprozetz.

Leipzig. 23. Febr. (Wolff.) Der Ange­klagte M a r g i e s erklärt, daß Reumann ihn vor dem Antersuchungsrichter von seinen Schweige­verpflichtungen entbunden habe. Die Parabellum- Pistole mit der abgestumpften Munition erhielt er im Oktober 1923 im Ruhrgebiet von der Poli­zei, als die Separatisten sich lausig machten. Dum- oum-Geschosse stellte er nicht her, da Reumann dies nicht befahl. Im Falle Borsig machte er Reumann einen konkreten Vorschlag. Nähere An­gaben darüber verweigert der Angeklagte. Den Fall Rausch habe Reumann zutreffend geschil­dert. In. Frankfurt habe Reumann ihn mit dem Fall Jauche betraut, ihm aber gesagt: Prüfe, aber löte ihn nicht! Er selbst sei zunächst damit nicht einverstanden gewesen, habe sich aber schließ­lich doch einverstanden erklärt. Was P o e g e über den Aufenthalt in Stuttgart gesagt habe, sollte nur dazu dienen seine graue Gestalt vor dem möglichst schwarzen Hintergrund etwas heller er­scheinen zu lassen. Poege s e l b st habe Pläne entwickelt, die er ihm in die Sch uhe gescho­ben habe.

Im Falle Wetzel hat Margies, wie er weiter bekundet, ebenso wie später im Falle Schlosser den Vorschlag gemacht, daß Poege mit einem Totschläger Wetzel Niederschlagen und ihm dann mit einem Rasiermesser die Schlag­ader durchschneiden sollte. Er habe geglaubt, daß Poege sich niemals an Wetzel, geschweige denn an Schlosser persönlich heranmachen würde. Zs habe aber etwas geschehen müssen, um der Sache ein ernsthaftes Gepräge zu geben und die Gruppe bis zum 1. März zu halten. Poege und König hatten gegen Reumann und ihn Komödie ge­spielt und umgekehrt. Am 2t. Februar, an dem die Tat gegen Schlosser ausgeführt werden sollte, sei ein Bries von Rebhuhn (Diener) gekommen mit der Angabe, daß Schlosser in München sei. Reumann und Diener bestreiten, den Brief zu kennen. Reumann bestreitet weiter, sich im Falle Jauche in der von Margies geschilderten Weise geäußert zu haben. Er habe gesagt, ich wünsche, daß die Tat zur Ausführung kommt und daß Jauche von Poege erledigt wird. Er habe angenommen, daß Poege weniger brutal vorgehen werde als Margies. Der Angeklagte

jxargttes uemern Darauf, Dan 'Jieumann vielleicht angeheitert war und sich an seine rührselige, Stimmung nicht mehr erinnere.

In der Rachmittagssitzung wurde der An­geklagte S z o n vernommen. Er will der K. P. D. niemals angehört haben, sondern nur der K. A. P. D. Reumann habe ihn für den Fall Seeckt verpflichtet. Die Verpflichtung lautete nicht auf die Partei. Mit dem Attentat selbst sollte er nichts zu tun haben, sondern nur mit dem Kraftwagen für die Flucht bereit stehen. Raumann habe ihm eine Pistole gegeben. Von anderen Fällen sei anfänglich nicht die Rede gewesen. Was den Fall Rausch betreffe, an dem er nach anfänglicher Weigerung teilnahm, so foltte Rausch, wie Reumann gesagt hatte, nur einen Denkzettel bekommen. Beim Betreten des Wagens nach der Tat sei Reumann ge­fallen. Er habe gestöhnt und auch nur mit seiner und Szons Hilfe sich erheben können.

Reumann erklärt, er habe Szon ursprünglich nur als Chauffeur verpflichtet, dann aber für die Gruppe, und zwar auf die Partei. Szon habe zwar nicht der Partei angehört, aber mit ihr stark sympathisiert. Er habe das Recht gehabt, Leute, die er als zuverlässig kenne, zur Parteiarbeit heranzuziehen.

Im Anschluß hieran entspinnt sich eine aus­gedehnte Auseinandersetzung, da die kommunisti­schen Verteidiger behaupten, daß die Partei nie­mals Richtmitglieder zu Parteiarbeiten heran­ziehe. Hierauf wird die Verhandlung vertagt.

Die Barmatuntersuchrrng.

Berlin, 23. Febr. (Wolff.) In der heu­tigen Sitzung des preußischen Antersuchungs- ausschusses für die Darmat-Kutisker-Angelegen- heit machte der Vorsitzende Dr. Leidig Mit­teilung von dem Schreiben des sächsischen Ge­sandten Dr. Gradnauer, der sich gegen die Zeugenaussage wendet, nach der ec von 'Bur­ma t 100 0 holländische Gulden er­halten haben soll. Dr. Gradnauer gibt an, es habe sich um einen wesentlich geringeren Betrag gehandelt, der ausschließlich zuwohl° tätigen Zwecken Verwendung gesunden haöe, Die darauf als Zeugin vernommene Frau Margarete Birk, die früher im Bureau des Reichspräsidenten ass Steno­typistin tätig war, gibt an, nach Diktat gleichfalls dem dort tätig gewesenen verstorbenen sozialdemokratischen Abgeordneten Franz Krü­ger ein Empfehlungsschreiben für Barmat geschrieben zu haben. Krügers Ver­halten erweckte den Eindruck, daß ihm die Aus­stellung von Empfehlungen für Barmat un­angenehm gewesen sei. Es sei durchaus nicht ungewöhnlich, sondern die Regel gewesen, daß Briefe herausgingen mit der Anterlchrift: Der Reichspräsident. I. A. Krüger. Auf eine Anfrage bekundet die Zeugin, daß sie das Empfehlungsschreiben für Barmat auf aus­drückliche Anordnung Krügers ohne Kopie geschrieben habe. Ein weiterer Zeuge, der Schriftsteller Baumeister, erklärt, die Behauptung, daß an den Geschäften der daut- schen Butterhändler maßgebende Führer der Sozialdemokratie und sogar der Reichspräsident Ebert selbst beteiligt gewesen seien, für durchaus unrichtig.

Der neueste Bericht Bilberts.

Berlin, 23. Febr. (T. A.) Der General­agent für die Reparationszahlungen hat wieder einen Bericht über die Eingänge und Aus­gänge seiner Kasse veröffentlicht, der über die deutschen Leistungen und ihre Verwendung b i s zum 31. Januar Rechenschaft ablegt. Die Gesamtsumme der ersten Iahresannuität, die bis jetzt eingegangen ist beträgt 3941/» Millionen Goldmark. Von dieser Summe entfallen 385 Mill. Mark auf die auswärtige Anleihe Deutschlands. Davon haben Frankreich 161,4 Mill., Groß-Bri­tannien 8,1, Belgien 98,8, Italien 32,4, Japan 1,2, Jugoslawien 11,9, Portugal 2,2, Rumänien 2,8, Griechenland 0,95 Mill, erhalten. Alle diese Zahlungen sind in Gestalt von Sachliefe- r u n g e n erfolgt mit Ausnahme der Repa­rationsentschädigungsgelder von 26 Proz. der deutschen Einfuhr nach Frankreich und England. Auf dieses Konto sind für England 67,5 Mill., für Frankreich 3,8 Mill- gebucht worden. Für die Kommis­sionen sind von den eingegangenen Geldern etwa 22 Mill, für Besatzungskosten gezahlt wor­den. Von den Gesamteingängen sind zu Zahlungen 38,1 Mill, verwendet worden, so daß der Bar­bestand bei der Reichsbank am 31. Januar 13,1 Mill, beträgt.

Die deutsch-sranzösischen Wirtschaftsverhandlungen.

Paris, 24. Febr. (TA.) Die deutsche Wirt­schaftsdelegation hat keine Weisung aus Berlin erhalten, bis zum Abschluß der Verhandlungen in Paris zu bleiben. Bis zur Klärung der Frage einer Anterbrechung soll versucht werden, um jeden Preis eine grundsätzliche Ver­ständigung über das vorläufige Abkommen und die wesentlichsten Bestimmungen des end­gültigen Vertrags herbeizuführen. Es verlautet, daß die deutsche Delegation Ende der Woche für kurze Zeit nach Berlin zurückkehrt und zur Aus­arbeitung der grundsätzlichen Vereinbarungen eine Anterkommifsion in Paris zurücklassen wird.

Die Danziger Briefkasten. Polen legt Berufung beim Völker­bund ein.

Danzig, 23. Febr. (WTB.) Polen hat gegen die Entscheidung des Kommissars, wonach es zur Einrichtung eines Po st dien st es mit Briefträgern, Postkästen usw. in Danzig nicht berechtigt ist, Berufung bei dem Rate des Völkerbundes eingelegt Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß der Rat des Völlerbundes auf feiner 33. Tagung, die in Gens am 9. März be­ginnt, eine Entscheidung in dieser An­gelegenheit fällen wird. In hiesigen beteiligten Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Polen erst jetzt gegen die vom 4. Februar datierte Entschei­dung Berufung einlegte. Hiernach scheine das bekannte Verfahren Polens, die Erledigung schwebender Streitigkeiten durch Verzög?rung zu unterbinden, trotz der anderslautenden Rede des Ministers Straßburger auf der letzten Völker- bundstagung in Rom Fortgang zu nehmen.

Die Deutschenverfolgung in Böhmen.

Prag, 24. Febr. (Wolff.) In der gestrigen Vollversammlung der Bereinigung der tschechi­schen Studentenschaft kam die Auflösung der

Deuifajen Techni? cyen Hocyschute t n Brünn bzw. ihre Zusammenlegung mit der deutschen Technischen Hochschule in Prag zur Sprache. Mehrere Redner, darunter auch der Direktor der Brünner tschechischen Technischen Hochschule, sprachen sich entschieden gegen diese Absicht der Regierung aus, da die Auslosung der deutschen Hochschule eine unnötige Erregung unter der deutschen Bevölkerung zur Folge haben würde und die deutsche Technische Hochschule zur Zeit mehr Hörer zähle als die tsche­chische.

Die Krise in Südsiawien.

Belgrad, 23. Febr. (Wolff.) In der Frage der 'Freilassung der internierten kroatischen Abgeordneten beschloß die Regierung, die Internierung solange aufrechtzu erhalten, bis die Polizei auf Grund des neuen Anklage­materials die neuerliche Verhaftung ver­fügt. Die Erllärung der Regierung, daß sie die erforderliche Mehrheit erhielt und daher zur Durchführung ihres Programms schreiten werde, wird in politischen Kreisen dahin ausgelegt, daß die Regierung demnach keinen Grund zu einer Verständi- gungsaktion mit der Opposition zu haben glaube. In oppositionellen Kreisen wird diesem Standpunkte der Regierung entgegenge­halten, daß die Regierungsmajorität sich fast aus­schließlich auf die Stimmen serbischer Wähler stütze und daß im Interesse einer Kons olidie- r u n g Südslawiens auch den Forderungen Rech­nung getragen werden muh, die von der über­wiegenden Mehrheit der Kroaten und Sla­we n e n an die Staatsverwaltung gestellt werden.

Aus aller Welt.

Metallarbeiterstreik In Dielefeld.

Die Arbeiter der Dürkopp-Werke, Goericke-Werke und der Firma Baer L Rempel find in den Lohnstreik getreten. Tte Arbeiter der Heineren Betriebe sind von der Streikleitung angewiesen, die Arbeit erst dann niederzulegen, wenn sie von der Gewerk­schaft dazu aufgefordert werden. Es befinden sich zur Zeit etwa 12 000 Arbeiter im Ausstand.

Ein Eisenbahnunglück in Oberhaufen.

Am Montag entgleiste beim Bahnhof Oberhausen-West der Cisenbahndirektion Essen ein Güterzug aus unbekannter Arsache in einer Weiche. Der Heizer des Zuges und ein Schaffner wurden fofort getötet.

Mit dem Auto in die Gastwirtschaft.

Am Samstag fuhr in Koblenz ein ß a fl­au t o in die Spiegelscheibe einer Wirt­schaft und erfaßte mehrere auf dem Bürgersteig befindliche Personen, die unter die Räder kamen und teilweise schrecklich zugerichtet wurden. Ein Familienvater ist feinen Verletzungen erlegen.

Grubenunfall.

Auf der GrubeElisabethsglück" bei Senften­berg wurden zwei Arbeiter durch das Platzen eines Dampfrohres schwer verbrüht. Der eine war sofort tot, der andere starb kurz darauf im Krankenhaus.

Die deutsche Kolonie in Kopenhagen.

Die deutsche evangelisch-luthe­rische Gemeinde in Kopenhagen be­ging in der festlich geschmückten St. Petrikivcbe die Feier ihres 350jährigen Bestehens. Die Kirche war überfüllt. Zugegen waren u. a. das dänische Königspaar der dänische Kirchenminister Dahl, der deutsche Gesandte sowie zahlreiche Vertreter der dänischen Geistlichkeit, ber däni­schen Behörden und des dänischen Geisteslebens. Hauptpastor Lampe hielt die Festrede, in der er einen Aeberblick über die Geschichte der Ge­meinde gab. Darauf hielt Bischof O st e n f e l d auf dänisch eine kurze Ansprache, in der er es als die Aufgabe der Kirche bezeichnete, für den Ausgleich nationaler und sozialer Gegensätze zu arbeiten. Die Feier schloß mit dem ChoralEin' feste Burg ist unser Gott", der von den An­wesenden stehend mitgefungen wurde.

Der Zeppelinflug nach den Bermudas.

Presse und Sachverständige sind mit dem Ergebnis des Zeppelinfluges sehr zu­frieden. Der Flug habe bewiesen, daß das Schift bei jedem Wetter fliegen könne. Das Luftschiff landete glücklich 11 Ahr abends in der Halle von L a k e h u r st, nachdem es eine Stunde über dem Flugplatz gekreuzt hatte. Kurz vor der Sichtung des Luftschiffes traf eine Radiobotschaft vom Schiffe ein, die nach dem Wege fragte, da schlechtes Wetter die Erkundung erschwerte.

Blutiger Kampf mit chinesischen Jlußpiralen.

Daily Telegraph" berichtet aus Kanton, daß der portugiesische DampferDog o la" auf der Höhe von Macao von achtzig chinesischen Piraten überfallen wurde. Rach langem er­bittertem Kampfe mutzten sich die Piraten zurück­ziehen. Die Verluste waren hoch. Sie be­trugen auf beiden Seiten 79 Wann, von denen 40, die nur leicht verletzt wurden, den Tod durch Ertrinken fanden.

Amerikanische Dersicherungsschwindler.

Die Hamburger Polizet verhaftete den 31jährigen Amerikaner Mac Millan und den 29jährigen Amerikaner George Hansen wegen Teilnahme an einem Heber fall, den sie im vergangenen Jahre gemeinschaftlich mit einer Reihe anderer Banditen auf das Motorschiff Veronika" an der Küste von Long Island unternommen hatten. Der Bande waren bei dem Heberfall rund 20000 Kisten Spirituo - sen im Werte von 680 000 Dollar in die Hände gefallen. Der Heberfall war unternommen wor­den, um die Versicherungssumme von der Süd­deutschen Versicherungsgesellschaft zu erlangen. Der Führer der Bande, der aus Plauen i. V. gebürtige Kaufmann Hartmann, konnte bis­her nicht festgenommen werden.

Eine Stadt nledergebrannt.

Aus Kairo wird gemeldet: Die Stadt Rah­man i e h in der Rähe von Damanhur wurde fast vollständig durch Feuer zerstört. 30 Personen wurden getötet, 38 schwer verletzt. 500 Häuser find nledergebrannt.

Wetter Voraussage.

Wolkig bis bedeckt, Winde aus südlicher Richtung, vereinzelt leichte Riederschläge, milder.

Der Einfluß der britischen Tief-Ausläufer hat sich in unferm Bezirk noch kaum bemerkbar gemacht, doch bleibt die Aussicht bestehen, daß wir mit dem baldigen Zuströmen wärmerer Luft mit wenigstens vorläufiger Milderung der Tem­peraturen und Abschwächung des Frostes zu rechnen haben-

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Februar 1925.

Zur Verhütung beä Keuchhustens.

Die Zeit des ausgehenden Winters und beginnenden Frühlings mehrt erfahrungsgemäß auch die Keuchhusten-Gefahr. Manche Leute sehen zwar auf diese Gefahr etwas von oben herab und meinen:Ach was, nur ein Keuchhusten! Den muh jedes Kind einmal durch­machen!' Diese Leute irren schwer. Erstens ist der Keuchhusten, wie ein berühmter Kinder­arzt ihn bezeichnet, eine der schlimmsten Kinder­krankheiten, die sowohl das Leben, als die völlige Wiederherstellung der Gesund­heit schwer gefährden kann. Am Keuchhusten ft erben im Jahre durchschnittlich weit mehr Kin^ der, als an Scharlach oder an Masern! And die Folgekrankheiten des Keuchhustens in Form von akuten Bronchialkatarrhen und akuten ka- tarrhlichen Lungenentzündungen, der in Form von Rerven- und Gehirnstörungen, oft lebens länglicher Art, sind häufig und gefürchtet.

Gründe genug, alles daran zu setzen, auch denungefährlichen" Keuchhusten bereits vorher von den Kindern fernzuhalten. Denn entgegen der obigen Meinung derLeute" kann man ge­trost sagen: Fast ein jeder vonuns hat es in der Hand, von seinen Kindern 'den Keuch­husten rechtzeitig abzuwehren. Das ge­schieht vor allem durch zweckmäßige Er­nährung. Fleisch und Fleischerzeugnisse in jeg- licher Form, Bohnenkaffee, chinesischer Tee sind für Kinder von 16 Jahren (und das ist eigent­lich das gefährliche Zeitalter für den Keuchhusten) Gifte. Dagegen find Obst, Gemüse, Kartoffeln. Milch und Butter geradezu Vorbeugungsmittel gegenüber dem Keuchhusten. In hervorragendem Maße gilt dies auch vom echten Bienenhonig der ja auch als Hellmittel gegen Husten und Luft­röhrenentzündungen aller Art seit uralten Zetten angewandt wird.

Ferner hat man beobachtet, daß Kinder, die an Stuhlverstopfung leiden, auch be= scnders stark vom Keuchhusten befallen werden. Stuhlverstopfung bekämpft man am wirftamsten gleichfalls durch Beachtung obiger Grnährungs- grundsätze, wozu noch die Verabreichung eine­gut durchgebackenen und niemals frischen B o II» brotes treten muh. Ferner allmähliche Ge­wöhnung des Kindes an regelmäßigen Stuhl­gang zu einer bestimmten Tagesstunde. Endlich durch reichliche Bewegung in frischer Lust.

Damit kommen wir auf das Gebiet der Ab­härtung. Diese muß eine doppelte fein: Ein­mal die der gesamten äußeren Körperhaut. Da? Mittel dazu ist ein tägliches Luftbad, des Som­mers im Freien, des Winters im Zimmer. Da­zu eine tägliche Hautabreibung, entweder trocken oder nach einer Waschung. Letztere muß stets einen kühlen Schluhakt haben! Die zweite Form der Abhärtung ist die der Schleimhäute des Atmungssystems, von der Rase angefangen bis zur Lunge. Das kann nur geschehen durch Gewöhnung an das tägliche Einatmen von kühler Luft. Darum müssen des Nachts auch die Kin­der, zwar in einem mäßig toa rmen Zimmer, aber doch bei offenem Fenster schlafen. Endlich soll jedes Kind mindestens täglich zweimal mit Salzwasser den Mund ausspülen und so früh als möglich gurgeln lernen. Eine Messerspitze Koch­salz m ein Glas Wasser getan gibt das bill ligste Mundwasser.

Wer seine Kinder so hält und gewöhnt unt sie natürlich auch vor Ansteckung nach Möglich, teil hütet, der wird ihnen entweder den KeuA husten ganz ersparen oder diese schlimmste Krank» hell in ihren Auswirkungen unvergleichlich ab» schwächen!

Gießener Wockenmarkivreise

am 24. Februar 1925 (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 200 Pf., Matte 35, Käse 70, Wirsing 20, Weißkraut 15, Rotkraut 20, gelbe Rüben 10, rote Rüben 12, Spinat 40, Anter-Kohlrabi 78, Grünkohl 2025. Rosen­kohl 4050, Feldsalat 100, Tomaten 150. Zwie­beln 1520, Kartoffeln 5, Aepfel 1525, Bir­nen 10, Honig 35, junge Hahnen 120, Suppen­hühner 110, Endivien 100, Eier Stück 10. Blu­menkohl 40150, Salat 50, Lauch 520, Selleris 20-50 Pf.

Bornotizen s

TageSkalender für Dienstag, Stadttheater. 71/2 Ahr:Mein Better Eduard. Männer- und Frauen-Bereinigung der Mat- thäusgemeinde 8 Ahr, Gcmeindefaal: Hauptver- fammlung. MSB.Liedertafel", 8 Ayr,Stadt Kassel": Karneval. Familienabend.

Hausbesitzer-Berein. Kommende« Donnerstag abend im Kath. Bereinshaus Haupt­versammlung. Räheres im heutigen Anzeigenteil.

** Das Festhalle-Projekt. Nachdem der Bauausfchuß unter dem Vorsitz deS Bürger­meisters Krenzien in den letzten Tagen die Ausschreibung des Wettbewerbs unter den Gie­ßener Architekten festgelegt hatte, traten gestern abend im Stadwerordneten-Sihungssaale der Fi­nanzausschuß und der Gründungsausschuh unter dem Vorsitz von Bürgermeister Krenzien zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in der die großen Linien der organisatorischen Grundlage des beabsichtigten Bauvereins gezogen wurden. Ein Richtlinien-Cntwurf, an Hand dessen die Sat­zungen ausgearbeitet werden sollen, wurde gründ­lich durchgesprochen und schließlich einstimmig als brauchbares Instrument für den Aufbau der Ver- einssahungen anerkannt. Der Sahungsentwurs soll nun von einer Anterkommifsion auSgearbeitet werden, die sich wie folgt zufammenfetzt: Bei­geordneter Dr. Selb (Vorsitzender). Rechtsan­walt Dr. Katz. Bücherrevisor Hermann Will, Direktor Zeller und Stadtv. Kirchner. Fer­ner wurde der Vorstand des Finanzausschusses wie folgt gewählt: Direktor Otto Bergen (Vor­sitzender), Drogist Otto Wint erhoff, stellv, Vorsitzender. Verwaltungsdirektor Kolb. Schrift­führer. Verwattungsamtmann Martin, stellv. Schriftführer. Zum Schluß wurde noch das Wett­bewerbs- Ausschrei den an die Architekten zur Er­langung von Entwürfen eingehend erörtert und einstimmig in der vom Bauausschuh gegebenen Fassung gutgeheihen. Das Ausschreiben ist im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes enthalten.

** Die Planierungsarbeiten auf dem Trieb zur Herrichtung der neuen, großen Sportplatzanlage unserer Stadt machen gu e Fort­schritte. Eine erhebliche Fläche des Platzes ist bereits geebnet, stellenweile beginnt man schon mit den Aufräumungsarbeiten an der Spielplatz­grenze. Zahlreiche Arbeiter finden bei diesem gemeinnützigen Unternehmen eine langersehnte Arbeitsgelegenheit