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Februar 1925. ollftreckmigsabl.).

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llr. Erstes Blatt

175. Jahrgang

Dienstag, 24. Februar 1925

Erscheint täglich, außer 5owru und Feiertags.

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2 (Botbmark u. 20 Gold- Pfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Der- lagundGelchosl^slellebl. Anschrift für Drohtnach- richten: LnzelaerOletze».

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GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und 5letndruckerei H. Lange in Gietzen. 5chriftleltung und Geschäftrflelle: Zchulftratze 7.

Annahme von Nnzeloen für bi, lagetnnmmtr Dis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerdtndltchbeit.

Prell für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite vrtlichü, auswärts 10 Doldpfennig; für Ne. Klame-Anzeigen v 70 nm Breite 35 Goldpfennig, Playvorschrift 20' .Aus­schlag. - Verantwortlich für Politib u. Feuilleton: Dr.Friedr. Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Llumschein;sür den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Die Räumungskonferenz.

Frankreich fordert den Ausschluß Deutschlands.

Die Beharrlichkeit, mit der der britische Ge­neralstab den Bericht der interalliier­ten Mllitärkontrollkommlsflon prüft, hat beinahe etwas Rührendes. Gin Mitglied dieser ÄommtHlon, der britische General Mor- g a n . konnte bereits Im Oktober vorigen Jahres über einen wichtigen Teil des Berichtes einen eingehenden Zeitungsartikel verfassen; vier Mo­nate später brütet der britische Generalstab im­mer noch über den vermeintlichen Feststellungen. Dre Ileberreichung der Kontrollnote wird von Woche zu Woche hinauSgezögert, und um die öffentlich« Meinung der Welt et­was au beschwichtigen, teilt man jetzt mit, daß das Entwaffnungsproblem auf einer Konfe­renz des britischen Außenministers Chamberlain mit Dem französischen Ministerpräsidenten und Außenminister Herriot in den ersten Märztagen besprochen werden soll.

Don dieser Konferenz steht allerdings noch gar nicht fest, ob sie überhaupt sbattsinden wird. In London möchte man gern, und auch in "Bari- ist man nicht abgeneigt; ein französischer Kabinettsches findet jedoch bekanntlich immer Gründe, wenn er einer peinlichen Unterredung ausweichen will. lieber die Reise Her - riots nach London, über die vor einigen Wochen als ziemlich feststehend berichtet wurde, ist es ganz still geworden. Herriot zieht es vor, den Sturz deS Franken in Paris zu beob­achten. anstatt bei einer Reise nach London selbst die Gefahr des Sturzes auf sich zu nehmen. B r i a n d wurde gestürzt, alS er im Januar 1922 auf der Reparationskonferenz zu Cannes weilte. Lloyd Georges Stellung ist untergraben worden, als der damalige britische Ministerpräsi­dent die Genueser Finanz- und Wirtschaftslonse- renz leitete, unD es hätte nicht viel gefehlt, daß Herriot während der Londoner Reparations­konferenz im letzten Sommer als Privatmann nach Paris zurückgekehrt wäre. Destigia terrent!

Die Bereitschaft HerriotS, zusammen mit seinem Kollegen Clemente! vom Finanzmini­sterium nach London zu reifen, sollte in aller­erster Linie der Beruhigung der öffent­lichen Meinung In England und deS bri­tischen Schatzsekretärs Churchill dienen, ent­sprang also nicht dem leidenschaftlichen Wunsche der französischen StaatSlenker, daS heikle Schul­denproblem einer schnellen Lösung zuzu- führen. Run wird Chamberlain auf der Reise nach Gens (zur Bölkerbundsratssihung) ohnehin durch Paris reisen, und so haben Herriot und seine Mitarbeiter erst einmal zehn bis vierzehn Tage Zeit, sich taktisch neu zu orientieren.

Sine spätere Geschichtsschreibung wird einmal feststellen müssen, dah man bei der Behandlung der großen aktuellen Probleme in der Rachkriegs­zeit n t e das Raheliegende und Vernünftige getan hat. Wenn schon die interalliierte Militärwntroll- kommtssion darauf verzichtet«, sich vor jeber ^Fest­stellung" genau bei deutschen Behörden zu erkun­digen, Ux wäre eS wenigstens notwendig gewesen, daß die alliierten Regierungen mit der Reich« regierung Fühlung genom­men hätten, ehe sie aus dem Militärkontroll­bericht praktische politische Schlüsse zogen. Die Zurückhaltung, ja, man kann sagen Zaghaftigkeit der alliierten Regierungen bei der Behandlung des angeblich so belastenden Kontrollberichts zeigt deutlic^r aL6 alles andere, auf wie schwa­chen Füßen die meisten der ausgestellten Be­hauptungen stehen müssen.

Die Retchsregierung Hit die Melkung, daß von Berlin aus amtlich eine Beteiligung Deutschlands an der bevorstehenden alliierten Kontrollkonferenz bean­tragt worden sei. dementiert. Gs war nicht ge­nau festzustellen, ob die Reichsregierung den britischen Botschafter in Berlin, Lord 6216 er- non. einen entsprechenden Wunsch übermittelt hat, oder ob lediglich der deutsche Botschafter in London. Dr. St Hamer, beauftragt worden ist. im britischen Auswärtigen Amt zu sondieren, ob ein entsprechender förmlicher Antrag Deutsch­lands Aussicht auf Berücksichtigung habe. Wahr­scheinlich sind beide Wege beschritten wor­den. 2llle Deutschen. soweit ste sich durch die Gewaltpolitik der Entente in den letzten sechs Jahren nicht die Fähigkeit zu kaltblütiger Kal- tulation haben austreiben lassen, werden darin übereinstimmen, daß es nicht nur dem Inter­esse. sondern auch der Würde des deutschen Dolles entspricht, wenn Die Reichsregierung eine Beteiligung an solchen Konferenzen für sich fordert.

Der amerikanische General Allen hat es in seinem Rheinland-Tagebuch rucks chtslvs auS- fesprochen. daß alle Welt einfchl. der hohen ranzösischen Militärs sich über die ef­fektive Entwaffnung des deutschen Volkes klar sei. und daß die .Entdeckungen" gewaltsam ausgebauschle Bagatel­len darstellen. 5Xe Londoner Regierung hat der 'Fortführung der Besetzung im Kölner 216- schnitt unter Hinweis auf deutsche Verfehlun­gen in Der Erlwaf fnungsfrage zugestimmt und Die Räumung in Aussicht gestellt, so- bald die Verfehlungen gutgemacht toirDcn seien. Sobald sich die Behauptungen des Kontrollberichts als Schwindel Herausstel­len, entfällt wenigstens für England Der Vorwand, die Besetzung der Kölner Zone ^ufrechtzuerhalten. Deshalb arbeitet man in Pa­

ris fieberhaft an neuen Formeln, mit denen die Fortführung der Besetzung motiviert wer­den soll.

In Amerika scheint man volles 2krftänb- nis dafür zu haben, daß über das Wesen und den Ilm fang der angeblichen deutschen Verfehlungen in der Entwaffnungsfrage im Beisein deut­scher Vertreter verhandelt werden soll. In Paris besteht.man Darauf, dah man zunächst einmal im engsten Freundeskreise über den Kontrollbericht und über die darauf zu gründende Rote berät. Der Zweck dieser ver­traulichen Aussprache ist zweifellos der, in der Entwaffnungsfrage neue Wolken blauen D u n st e S zu produzieren und Deutschland noch einige Zeit um seine vertraglichen Rechte zu prellen.

Verständigung zwischen Paris und Brüssel.

Paris, 24. Sebr. (TU.) Halbamtlich ver­lautet, daß das Militärkomitee in Ver­sailles daS Gutachten über den General­bericht Ende der Woche dem Dotschaf- ter rat übergeben wird. Wie der ..Temps" auS Brüsseler Kreisen erfährt, haben sich Bel­gien und Frankreich in der Frage der Ab­rüstung und der Räumung Kölns bereits ver­ständigt und beschlossen, mit Deutschland kein Kompromiß zu schließen und in die Räumung des Kölner Gebiets er st nach voll­ständiger Erfüllung der Abrü­

stungsbestimmungen dcS Friedensver­trags einzuwilligen. Die Brüsseler politischen Kreise sind der Ansicht, daß Deutschland sechs bis achtzehn Monate brauche, um die Ab­rüstungsklauseln zur Zufriedenheit der Kontroll­kommission auszusühren. Auf jeden Fall wird angenommen, daß die Räumung der Kölner Zone nicht vor dem 1. September eri­ssigen kann. Unabhängig davon würde das Ruhrgebiet, wenn Deutschland gewissenhaft den DaweSplan auSführt, am 15. August geräumt werden.

Die Presse veröffentlicht gleichlautende, an­scheinend osfiziöse Mitteilungen, nach denen die französische Regierung trotz aller britischen Vor­stellungen eine Zulassung Deutsch­lands zu der geplanten interalliierten Kon­ferenz entschieden ablehnt und sich auch einer Anhörung deutscher Delegierten nach den zwischen den verbündeten Mächten unter sich er­zielten Beschlüsse zur Festsetzung der AuSfüh- rungSmodalitäten widersetzen wird. Rach dem »Petit Parisien" undL'Oeuvre" steht die französische Regierung auf dem Standpunkte, daß die Abrüstungsklausel sich unzweideutig aus dem Friedensvertrage ergäbe und von Deutschland daher ohne Widerrede zu erfüllen sei. Dagegen müßte Deutschland zu Verhandlungen außerhalb des Vertrages, besonders zu den Garantievertragsverhandlungen, zugezogen werden. Am Quai d'Orsay wird er­klärt. daß mit einer Zusammenkunft zwi­schen Herriot und Chamberlain am 17. März bestimmt gerechnet werden kann.

Eine Kanzlerrede.

Auf dem Bankett der deutschen Presse.

durch Deutschland gemacht habe, ist auch für den, der sein Vaterland kennt, in diesem Sinne immer wieder lehrreich. Man fühlt

die Gegensätze und Zusammenhänge

Berlin, 24. Febr. CEU.i Der Einladung deS ReichSverbandeS der deutschen Presse zum ersten Bankett Der deutschen Presse im Hotel Esplanade waren gestern neben Dem Reichs­kanzler Dr. Luther die Reichsminister Schiele, Dr. F r e n k e n , Dr. R e u h a u s , Dr. von Schlieben und Stingl sowie in Vertretung des auf Urlaub befindlichen Reichs­arbeitsministers Dr. Brauns Staatssekretär G e i b und Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft O e f c r gefolgt. Unter Den Repräsentanten Der Cinzelstaaten sah man Den badischen Staatspräsidenten Dr. B e l l p a ch unD den württembergischen Gesandten Boßler. Dorn diplomatischen Korps waren die Ge­sandten von 14 verschiedenen Staaten erschienen. Zahlreich waren die Konsulate vertreten. Wissenschaft und Kunst, Handel ünD Industrie hatten zahlreiche Dertteter entsandt. Die Presse selbst war durch eine Anzahl prominenter Ver­leger und zahlreicher Journalisten aus Berlin und dem ganzen Reich sowie durch die Berliner Korrespondenten der ausländischen Presse vertreten. Zur Begrüßung der Gäste ergriff

Der Vorsitzende deS ReichSverbandeS der deutschen Presse, Paul Bäcker, das Wort: Das Bankett der Presse verfolge einen Doppelten Zweck. Sein primärer Zweck sei, Dem IcitenDen Staatsmann Des Rei­ches Gelegenheit zu geben, sich in freierer, Darum vielleicht auch in universellerer Weile zu äußern, als es vor den parlamentarischen Körperschaften unter dem Zwange bestimmter Tagesordnungen mit konkreten Gegenständen der Gesetzgebung oder Verwaltung geschehen kann, und zwar über Fragen. Deren Behandlung vor Der breitesten Öffentlichkeit, vielleicht vor Der ganzen Welt, er nicht für zulässig halte. Als BegleitumstanD Des wichtigen unD primären Zweckes Dieser Ver­anstaltung bezeichnete der Redner Die Gelegenheit zu näherer, persönlicher Berührung und Verständigung zwischen den Vertretern Der Regierung auf Der einen und Der Presse auf der anDercn Seite. Es sei zu wünschen, Daß Dieser Abend und diese Einrichtung des Reichsver­bandes der deutschen Presse auch dazu beitragen möchte, eine einheitliche Zielrichtung der deut­schen Presse in den großen nationalen Fragen zu schaffen.

Re.chskanzler Dr. Luther sprach den Dank aller Gäste aus. Herr Bäcker habe gemeint, ein Harmonium sei die deutsche Presse nicht. Der Kanzler möchte dem aber ent­gegenhalten, daß sie eine gut instrumentierte Symphonie fei. freilich eine Symphonie moderner Art Obwohl wir mchl immer in jedem einzelnen Falle mit allem voll zufrieden sind, was die Presse tut und sagt, so tragen wir doch alle, wenn wir ehrlich gegen uns sind, eine stille Liebe zur Preste im Herzen. (Bravo.) Herr Bäcker bat mir die Erlaubnis gegeben, hier tn freierer Weise zu sprechen alÄ tm Reichstag. Ich bitte, mir es freundlich nachzusehen, wenn ich dabei etwas unter den Strich gerate. Bei Dem, was ich zu sagen habe, gehe ich von Dem Standpunkt Der Regierung aus: Regieren kann man ja nur, wenn man regieren will. (Sehr richtig.) Die Regierung hat zwei Wege, um Die Ver­bindung mit Dem Doll zu finden, um Dessen Willen sie ja allein Da ist: Der eine ist Der juristische Weg. Ebenso wichtig aber ist Der andere Weg: der Der ganz unmittelbaren Berührung mit Der Wirklichkeit in Volk und Land. Sine solche Rundreise, wie ich sie in den letzten Wochen

Ich bin in derselben Woche im Kölner Dom gewesen und in der Marienburg, habe auf einer Höhe bei München gestanden, wo ich Die Alpenke11e vor mir sah und im Abendglühen hat aus Deutfchösterreich Der Groß-Denediger zu mir herübergegrüßt. Dann sah ich Die deutsche Weichsel, Die deutsche Weichsel- wunde. Die eine beton Dore Belastung unseres deutschen Schicksals Darftell!. Ich sah die Eilen- bahnbrücke von Marienwert-er, ein Meisterwerk Der Technik, auf dem kein Zug mehr fährt. Ich habe Den einen Zugang gesehen. Den die Bevölkerung auf einer Strecke von 49 Klm. allein noch zur Weichsel hat. wenige Meter breit. Ich habe Den Deich gesehen, über Den Die deutsch- prlnische Grenze achtmal herausschneidend hin- unD herläuft. Ich habe Den ZustanD Der Buhnen gesehen, wie sfe einstmals von Deutsche.' Hand angelegt waren und wie sie jetzt verfallen unD Der Weichselniederung nicht mehr Den nötigen Schuh gewähren können. Dann habe ich in Ma­rienwerder im Dom gestanden und ist von Der Orgel heruntergeklungen in wunDervollen Vari­ationen:Deutschland. Deutschland über alles". Mit einer solchen Reise aber kann man das ganze deutsche Vaterland aber nicht erfassen. So sehe ich für diese meine Rundreise einen Abschluß und eine Krönung in dem heutigen Abend. Da die Prelle Die große Mittlerin ist, um Die rechten Beziehungen zwischen Regierung und Volk aufzubauen, ist es auch gerechtfertigt. Daß ich bei dieser Gelegenheit nach dem ge­fragt werde,

waS Die Regierung eigentlich will.

Sie wissen, daß an die Spitze Der Erklärung, die die jetzige Regierung im Reichstag abgegeben hat, das Wort geftellt worden ist, daß wir sach­liche Politik treiben wollen. Ich bin gelegent­lich gefragt worden: Was versteht ihr eigentlich unter Politik? Ein Standpunkt, nur Heber- Parteilichkeit sei sachlich, wäre gerade in meinem Munde, der ich ja keiner Partei angehöre. Doch eine gefährliche Heberheblichkeit, die ich mir nicht zu eigen machen will. Cs gibt auch nicht so ein Ding an sich, das hinter aller Polittk vorhanden wäre, sondern ich glaube mit den Worten ,sachlicher Politik' ist nichts anderes ge­sagt als: Wir wollen als Regierung den pflicht- mäßigen Starrdpunkt jeder Regierung. Die ohne irgendwelche Ablenkung nur auf das Ganze sieht, mit aller Kraft durchzuführen versuchen. Gewiß ist hier ein Gegensatz, wenn Sie wollen, zur Parteipolitik, aber ein in der Ratur Der Sache gegebener. IeDe Partei sieht die Dinge selbstverständlich unter dem Gesichtspunkte DeS Bevölkerungsteils, Der hinter ihr steht.

Die Regierung soll Das Ganze ohne Rücksicht auf Diese Parteistellung sehen. Das soll nun nicht etwa eine Politik Der faulen Kompromisse sein, aber wohl eine Politik Der Synthese, Der Zusammenfassung unD Damit Der Gewinnung eines neuen StanDpunkteS zum weiteren Doran­schreiten Des Volkes.

ES gibt Dinge, die man säst ohne sachliche Gegensätze erledigen kann, in jener unmittelbar an den Dingen dranstehenden Politik, wie sie Die Kommunen treiben können. Das ist ein Grund, warum in der Kommunalpolitik, warum in der Selbstverwaltung so viel innerer Frieden

im Schaffen für daS ganze deutsche Volk liegt. Aber andere Dinge sind voll Gegensätze. Gegen­sätze teilS scheinbar, teilS geschichtlich geworden, teils füi alle Zeiten aus gewissen Weltanschauun­gen, die man nie beseitigen wird. Geschickt! ch ist nun einmal daS Reich auS Ländern zusammen- 07seht. Wir wollen alS Endziel daS einige DeutJk Vaterland, gesund und stark nach innen ur.t nach außen. Wir müllen eS ausbauen und wir wollen cS aufbauen unter Berücksichtigung, unter Begründung auf die geschichtlich gegebenen Tat­sachen. auS denen das deutsche Volk zusamme i- gewachsen ist. Lassen Sie mich einen andern Gegen­satz nennen: Individualismus Sozia­lismus. SS gibt keinen Sozialisten, der nicht die starken Kräfte deS Individualismus antoenben will, der nicht den Tüchtigen an die Stelle führen will, wo er wirken kann. SS gibt keinen Individualismus, der nicht weiß, daß groß: Bande, die der sozialistifchen Denkform ent­springen, im StaatSganzen lebendig werden nmssen.

Jene Zeit vor Dem Kriege, wo die ganze Grund« läge unsere« Staates auf einem InDidiDualisti- schrn Volksschaffen ausgebaut war, hat unS Den« noch Die großen Staatsunternehmungcn, Die großen Kolonialunternehmungen, jene Kräfte staatssozialistischer Kräftezusammensallung ge­geben, Die ein Pseiler Des alten Deutschen Reich« waren.

Oder lassen Sie unS an die großen Gegensatz» denken, Die unser deutsches Vaterland In den Fragen Der Weltanschauung durchsetzen. Hier handelt es sich um ein Rebeneinanderleben. hier muß die Politik die Aufgabe erfüllen, daß aus diesem Rebeneinander kein Gegenein­ander wird. Hier müssen Sie dafür sorgen Daß Die Weltanschauungen miteinander i ir Frieden ringen können, jeder um Die innere Reise. Die er sucht. Hier muß insbesondere iw Wettbewerb zwischen Den beiden christlichen Kon« fessionen Dafür gesorgt werden, Daß Die ge­meinsamen großen Gedanken Des Christentums, die die beiden christlichen Kon­fessionen verbinden, zu starker Auswirkung kom­men. Unter Volk Darf an solchen Gegensähen nicht zerbrechen. Auch diese Gegensätze müssen durch eine kluge Politik überwunden werden, so daß im Endziel ttne Stärkung deS deutschen Volles daraus entsteht. 3m Wesen deS Den­kens liegt eS. dah Gegensätze. Die an sich in Der Ratur vorhanden sind, als Polaritäten hin- genommen werden. UnD nun. meine Herren, werde ich Sie fragen: Wo sind die großen Aus­blicke. wo sind die großen Ziele? Ich meine, die großen Ausblicke und Die großen Ziele liegen immer darin, daß ein Leben wie unser jetziges uns ununterbrochen vor neue Aufgaben stellt. Die Aufgaben, die uns da­durch gestellt sind, daß der Fortschritt Der Tech­nik eine ganz anDete Gestaltung Des sozialen Lebens Hervorrufen, sind ja ungeheuer. Die sozialen Aufgaben werden immer neu sein und wenn wir sie noch so oft im Einzel­falle gemeistert zu haben glauben Aus den andern Problemen, die die Technik hervorge­rufen hat, erwachsen die großen Fragen, die uns heute durch Die Entwicklung des Ver­kehrs vorgesetzt werden. Wir wissen ja noch gar nicht, wie nach dieser Richtung die Welt in 10 Jahren aussieht. Wir wissen noch gar nicht, was daS Flugwesen uns für technische Überraschungen bereitet, -die dte tiefste Rück­wirkung aus die politische Gestaltung nicht nur Deutschlands, nicht nur Europas, viellei--t Der ganzen Welt haben werden. So sorgt das Leben selbst Dafür, daß immer neue Ausgaben gestellt werden.

Wer sich an diese Aufgaben mit innerer Demut und Sachlichkeit heranmacht, wer dabei immer daL beste Ziel tm Auge hat, voranschreitet, der wird, glaube ich. soweit das in Menschenkrall überhaupt liegt, das Schicksal seines Dolket fördern helfen.

Aber im Mittelpunkt all unseres Denkens steht ja Die große Aufgabe, die uns nun einmal durch Den unglücklichen Ausgang des Weltkrieges ge­worden ist, Die uns dadurch geworden ist. dah wir auf ganz neuen Wegen einen Wiederauf­stieg unseres Volkes durchfuhren müssen. Hier sind wir alle im Ziel einig: Wir wollen ein starkes, wir wollen ein gesundes Deutschland, wir wollen ein Deutschland haben, das seinen Platz wieder in voller Gleich­berechtigung und in voller Anerkennung dessen, was es darstellt, im Kreise Der Völker einnimmt. (Lebhafter Beifall.) Wir kennen nur Die eine Losung: Deutschland!

Wenn man einen schweren steilen Gipfel ersteigen will, Dann Darf man nicht immer auf den Gipfel schauen, sondern man muß sehen, daß man festen Tritt und festen Griff be­hält, um die nächsten Schritte mit Sicherheit aus­zuführen. Dann muh man auch, unD gar nicht so selten, zurückblicken, und man muß sehen, welch Stück Wegs man zurückgelegt hat. Durch solches Verfahren stärkt man sich innerlich und findet die Kraft, schließlich ans Ziel zu kommen und schließlich auf Den Gipfel, auf Den wir unser deutsches Volk führen wollen. So will auch ich versuchen, soweit ich es vermag, wie Sie alle meine sehr verehrten Herren, jeder von feinem Puntt aus Regierender oder als Mann Der Presse, jeder unter Gesamtinteresse fördernd un­entwegt und unermüdlich voranschreiten für unser deutsches Volk, für unser deutsches Vaterland- Ich darf Sie bitten, mit mir zu rufen; linier deutsches Voll, unser deutsches Vaterland, es lebe hoch! Die Versammlung ftimmte be­geistert ein und sang stehend das DeutschlandlieD.