Ausgabe 
24.1.1925
 
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Jan. 1925.

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Samstag, ZDanuat 1925

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für DberWen)

IU.20 Zweites Blatt

R. Lange

Fernsprecher 51

Die

Kirche und Schule.

Tagung deS hessischen Kirchenparlaments.

Leiden suchte, sondern die es voll über sich hin» Weggehen lieh, hat diese Bilder geschaffen, in einem Äugenblick, der unmittelbar nach dem Er­lebnis kam. noch vor dem Dewuhtwerden lie­

gend.

Sv ist es gleichgültig, ob wir seine Mönche, Madonnen. Mütter. Blinde oder Kranke sehen: es ist überall dasselbe: Biel Leid, viel Liebe. Ober mit einem Wort: Läuterung. Oder anders: Reinheit.

Diese Zellen entstehen, indem mein Bleck Halt findet an der Kreuzabnahme (1919), unter den Äugen der weinenden Maria. 216er man braucht nicht dieses Bild anzusehen, in dem noch viel Pose, manche llnwahrhaftigkell liegt (bie Sünderin zu den Füßen und der kalte Döfewicht zu Häupten des Christus): säst alle die 31 Tafeln des Merkes reden dieselbe Sprache. Dis 1916/17 etwa herrscht die barocke Geste vor (Tafel I-7-6. auch noch 9). dann, ganz deutlich, wird alles war­mer. innerlicher: er hat jetzt die gotische Gebärde. Farbe, Linie und Modellierung werden straffer und lassen deutlicher die innere Haltung der st alten (oder des Künstlers, was dasselbe ist) hervortreten. Mas diese Männergestalten mit ihren großen Augen erwarten, was diese Min­den unter den hochgezogenen Brauen erforschen, was diese Tauben mit Öen Schläfen erlauschen, was aus den Blicken der Mütter und Madonnen erfüllungssicher heraus bricht, das ist ihnen un Grunde schon bekannt. Sie sind nicht unvorberei­tet auf das. was kommt. ilnb es bleibt für sie doch irgendwie noch verhüllt: es bleibt: das Münder.

So ist alles aus einer Sphäre geschaffen. I in der, wie im Wunder, kein Gut und Böse gilt

Aaturgemäß wird ein Mensch, dessen Fun­damente so lief im Göttlichen liegen, aUeä lieben, waS mit Gott irgendwie verwandt ist. Richt nur ein Dogma, sondern das Leben, alle Mesen in Gott als Brüder umfassend. Auch die Dösen, auch die Guten, lind da stößt er auf Dostojewski.

Sechzehnhundert Sellen schrieb dieser große Russe. Rannte sie:D i e D r ü d e r K a ra m a » soff" ynd glaubte einen Roman geschrieben zu haben. Als er fertig war, merkte er. daß er noch gar nicht angefan^jen hatte. Es war ihm erst der Prolog zu einem großen Roman, der noch kommen sollte. 3n diesen über anderthalb­tausend Sellen singt er das Hohelied seines Volkes. Mit echt russischer Frömmigkeit. Men­schen sind da. die Taufende von Rubeln ver-

Anzeigenpreise:----

Diertelfeitige Anzeige 25 Mark Halbseitige Anzeige.. 45 Mark Ganzseitige Anzeige.. 80 Mark

* Der Landeskirchentag tritt am 11. Februar in Darmstadt zusammen. Beson- ders wichtige Punkte der Tagesordnung sind: 1. Vorlage der Kirchenregierung, den Boran- schlag über die Einnahme und Ausgabe der

Besondere Vorteile:

Die Adressen der Anzeigenbesteller werden in sämtlichen Verzeichnissen des Adreßbuches ohne besondere Kosten durch auffälligen Fettdruck und unter Hinweis auf ihre Anzeigen hervorgehoben r außerdem erfolgt die kostenlose Einfügung unter zwei Gruppen des Geschäfts- Verzeichnisses. Diese Vorteile find nur den Anzeigenbestellern Vorbehalten.

Bestellungen nimmt entgegen

Adreßbuch der Stadt Gießen 1925 mit Geschäftsverzeichnis und Anzeigen - Anhang

Eine wirksame und andauernde Lmpsehlungs- gelegenheit für Handel, Industrie und Gewerbe

3 n Vorbereitung

Gv. Landeskirche in Hessen für daS Rj. 1924 betreffend, 2. Aufteilung de« Kirch­spiels Londorf im 2. Kirchspiele, 3. De- ridjt des LandeSkirchenamtS über die Verhält­nisse und Zustände der So. Landeskirche in der Landeskirchentagsperiode 1920 22, 4. Dorlage der Kirchenregierung, die Verlegung des Pre­digerseminars nach Darmstadt betr. Die 3 Gruppen deS LandeSkirchentags treten be­reits Montag. 9. Februar, zu besonderen Be- sprechungen zusammen.

Brühl'sche Universitäts-Buch- u. Steindruckerei

Adreßbuchverlag Schulstraße 7

dustrie- und Handelskammern hat, wie wir hören, folgende Anträge dem ReichSsinanzmini- fterium unterbreitet:

1. 3n allen Angelegenheiten, die Einkommen­oder Körperschaftssteuervorauszahlungen be­treffen, ist das Berusungsverfahren wieder herzu st ellen: insbesondere ist für alle diese Angelegenhellen die weitere Beschwerde an den Reichsfinanzhos zuzulassen.

2. Die Einschränkung der Zuständigkeit des Fi­nanzgerichts in §47 der 3. Steuemotverord- nung ist zu beseitigen: desgleichen die Befug­nis der Berufungsinstanz, nach freiem Er­messen zu entscheiden.

3. Die Kostenvorschriften in § 50 und 51 der 3. Steuernotverordnung sind zu streichen.

4. Für das Steuerstreitversahren _ ist eine An­passung der Gebühren an die Sähe des preuß. Derwaltungsstreitverfahrens vorzunehmen.

5. Die Erstattungspslicht der Aufwendungen für die Zuziehung eines Bevollmächtigten ist vor» behalt los auszusprechen.

schwenden und um eine einzige Kopeke schreien, Freunde, die ihre Geheimnisse, ihre Geliebten, chre geweihten Kreuze auf der Brust miteinander tauschen und gleich darauf sich auflauem und töten. Verkommene Säufer, die sich vollaufen lassen voll jämmerlichsten Fusels, plötzlich tote Heilige reden und in ein Kloster gehen, Dauern die sich gut vertragen und plötzlich, unvermutet der eine den andern wegen einer silbernen Ta­schenuhr wie einen Hammel abschlachtet, wöbet er sich im Stillen bekreuzigt und leise betet: .Verzeih mir, Herr, um Christi willen!" Bei all ichren Lastern find diese Karamasoffs doppel­gesichtig, gut und böse, gläubig und skeptisch, herrisch und knechtisch, sensioel und brutal, Schöp­fer und Mörder.

Diese Karamasoffs al« Brüder Gotte« hat Dietz-Edzard, selbst einer der ihren, gezeichnet, radiert. Ähre Ianusköpse füllen die Wände der Ausstellung zu einem breiten Teil.

Gogol hat er auch gefunden. Ich las erst kürzlich wieder seinen IugendromanTares CB uIba. Wie der Vater seine nach langem Fernsein heimkehrenden Söhne empfängt, sich so­fort mit ihnen prügelt und sie dann gleich wie­der lachend in die Arme schließt. Es sind alles lächerlich gute Menschen! Die russischen Men­schen auch des Gogol mall, zeichnet Dietz-Ebzard. Ilnb wenn ich vorhin von ihm sagte, n sei ein Bruder Gottes, so möchte ich das noch er­weitern ihn mit seiner Kunst Über geographische und rassige Grenzen hinweghebend ins allgemein Menschliche tragen, hin auf den gewaltigen Teil unterer Mutter Erde, von dem ein junger deut­scher Dichter gesagt hat: Rußland grenzt an fein Land, Rußland grenzt an Gott ....

gaben sind bezeichnet mit der ernstlichen ©tof- kung der deutsch-französischen Wirtschallsverhand­lungen und der (etwa für Ende Februar zu er­wartenden) Militärkontrollnote, dem Fortgang des Räumungskonfliktes, 5er Handelsvertrags­verhandlungen. der Völkerbundsfrage. Der gi ohe Rahmen, in dem diese Ausgaben zu sehen sind, ist im Augenblick mit Dawes-Plan und Pariser Konserenz und nordamerikanischer Europapolitik deutlich genug gezogen. Run heißt es, mit Ein­sicht und Ruhe, mit Willenskraft und Ent- schlossenhell an das Werk zu gehen an das VZerk einer wirklich nationalen Außen­politik einer gefestigten, bürgerlichen, von Rechts bestimmten deutschen RegierungI

Ein Sonntagsbrief.

Tehr geehrte Redakion.

Ihr lietoe Leut', des lot! nu c Minter fei der nach dem Mondial en ner so um Mei nachte ctum sei Aaiang nemmc sollt, aich glaab« nach baal daß sich de Erd erumgedreht Hoti wäi meiijt Frihi sei Dobdch unncr de Marllaube. wenn däi ZozzelSgässer. Hondsgässer un Drrihäufergäffer Duwe c Mettschbiel odder c Dornier ausfechte tun, wäi es in de Schbortschbroach haaße tut. O^her haale deS de Leut vor e Minter, wenn früh um drei däi Gikkler krähe un däi Hinkil gakkere un kreische, wenn se e Ei gelegt hawe un dann uffm Wochemark däi Sier kerbweis au6- gebotte wem, nadierlich för 18 Penning des Schtick. billiger tuns nu aarnol däi owerhessische Hinkel nett und däi Hocke un Hännler aach nett mit ihre selbstgelegte Eijer auS Iballe. 3n de Dreihäusergasi' schbiele scho im Januar däi Micke und uff der sogenannte EiSwiS in de Molke» schtrvah bliehn de Masserrose un der schee glatt Masferschbiggel bringt aan uss de Gedanke, deh do de schennst Rehgadda abgehalte werde kennt. Dodruss schoo heut e heftig .Hibb Hi^b Hurrah". Mei Fritzi, dem die Lehrerin in der bieblische GeschichtSstund vum See Ieneezerett verzehlt hott, freql mich letzt, ob der aach so grüß wär wäi der Missedeich an der M^lkeschtroaß. 3n meim Rachbei Sdeward sein grüße Goarte, der sich von der Dreihaufergaff bi« zur Sonneschtroah hinzieht, knosbe schoo däi Kwedschebeem un wenn des fo fortgiebt, kenne mer zwische Ostern urx Pingste de schennst Kwedschekuche backe, wo sich tnei Kadrinche un aach de« Fritzi heut schoo druff freue. Däi Gäißer Ofebutzer kenne sich pennsiomre losse. denn wo kaa Ofc raacht. giebts aach nix zu bozze. un woas däi Kohlehännler un Holz- hännler betrifft, so trage se sich alle mit de Ab­sicht, däi Geschäftsusssicht beim Amtsgericht aazc- melde un däi Schonnschtaaseeger kenne getrost weise Kondiderscherze un Jacke aazäihe. se komme unne geroad so weiß eraus. wäi se obc crarin- gekrawelt sein. Lieberhaupt wenn des mll de Widberung fo fort giebt, verllopp aich mei Oese I odder bring se zur Versteigerung dein Benner in I de Drandgass'. Sell es Widder Wanne Kuhlasch un wanne Märfchtche am Reue Megk gibt, braucht mei Kadrinche fo wie so nett ze koche, aber mei Wagelche voll Holz hol aich mer desweg» doch jede Mittwoch im Waald. mer faim däi schieß Klehger Schbäh und Aest doch nett leihe un däi Dannebbel nett verfaule losse, 's is jo meglich. fcefj mer im Avril un Mai e Keltewell triebe, wäi schun emool im Ioahr 91 odder 92. wo am 1 und 2. Pingstfeiertag e Schneewetter gehaust hott detz mer nor mll Schafteschtiwele sich uff de Gass' wage könnt. Vorsicht kann nix schadde un Wer sei Hvlzvorrät usfwerte kann soll« mache.

3n 4 Moche hawwe mer nach de 175jahrige Mandkalenner des ©icffer Anzeiger Fassenacht. Angekündigt hott sich däi Fassenacht ia fchun längst dorch däi grüß Auswahl von Krebbe^ in I de Decker un Kondiderläde, dorch däi AuSschtel- j I lung von Kappe, Rase un was sonst noch zur5 I richtige FasienachtSsrier gehört in de Dalwier» I schausenster un dorch de Drezzelhetnerich W de Wertschaffte. Ma« de Fastebrezzele betrifft fo fein aach für sie däi gute aale Zeile voribber.' aich noch e junger Dorsch war hott fo e Faste» brezzel aan Kreutzer gekost nor mit dem Unner- schied deh fle viel größer war wäi ewwe und wenn aich SamStoags otoenM auSgange bin in« Lotze odder ins Fuhrerfch in de Löwegass. wo ebbe der Schobbeschmitt zabbt obber in de Dolwermihl, sein aich mit 4 Kreutzer auSkomme, zwaa för de Fastebrezzel un zwaa för en Schobbe Dier. Daß I gegenüber den Dterigten Ioahren hessisch Re­gierung Widder so e bisse FassenachtSzoreS ge­stattet hott, getoiffermaaben mllberne Um« schtänd wallte läßt un nix dagege hott, wann e Kappesihung odder e llaa Maskebällche abgc* haale werd, find aich ganz in de Ordnung. 3rt der ganze Welt in der Dolledick, in de Parle- I mende unb aach in de Gemaarät, besonnerschl aber bei unsere gute Freund un Rachbarn mit bene mer uns im Kriege erumgebisse hawe wem Fassenachtsbosie un Affeschtraich geliewert, not deh mer do drüber nett lache kann, sondern heule mecht. Des wolle mer aber doch bleiwe losse. Aich I un. mei Kadrinche gehe in de Kabbesitzung, aich sein Mitglied vun cm GesangvereinDäi Rvte- köbb" un aach Vorschtandsmllglied vom Raach- Nub Blauewolke", dem nor Drcihäusergässer aa- gehöre, bei bene ihre Festlichkelle is es immer gemietlich un schee. un an Humohr tutS nett fehle, däi Drcihäusergässer sein de beste Schbahmächer in de ganze Schtoadt. bo läßt sich nix drahn blbbe un mei Rachber Ebeward, der mich letzt mit em Goldschtikkelche angcbunne hott es e richtiger I Schoode un toenn mei Freund Iuhl In de Dütt 1 schteiht kennt mer blähe vor Lache. Mer hawe im

gerin des AbschluhgedankcnS, der Monrvelehre. des Hochschutzzolles, ihren Staat so wieder i n bie Meltp 0 litik hercinführt: hier über den Dawes-Plan und die kommende Weltwirt- schas11iche Konferenz, bie Dorah fordert, dort über bie Abrüstungskonferenz, bk Coolidge will, dort wieder über die Aner­kennung Ruhlands und den Anschluh an den Meltfchiedsgericht-Hos im Haag.

Das ber große Rahmen der wieder werden­den Weltpolittk. in dem sich für den sorgfältigen Deschauer die Möglichkeiten für Deutschland Hai abzeichnen, üblich ist daS neue Kabi­nett da! Roch ist es nur eine Uebergang«- lösung, aber wir hassen, bah die innere Kraft des Zuges nach rechts daraus eine wirklich ft a- hileRegierungber staatsbürgerlichen Kräfte von Dauer machen wird. 3hre konkreten Auf»

Rechtsschutz in Steuersachen.

O Sie Industrie» und Handels­kammer Frankfurt a. M.H a n a u als Dorort deS Verbandes Hessen-Rassäuischer 3n»

Auhenpolitische Umschau-

Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch. M. d. R.

Die Pariser Konferenz, der Rücktritt des Staatssekretär Hughes und bie Bildung der deutschen Regierung sind die wichtigsten Erctg» nisie der letzten Woche. Dazu kommt der Wie­derbeginn der Arbeit der sranzösischen Kammer, der für Herr lot Schwierigkeiten, namen tsich in Sachen der Finanzen, bringen wird.

Die Pariser Konferenz hat bie Schultenfragc nicht geregelt Aber sie hat eine Annäherung der beiden Fmanzminlster gebracht Frankreich unb Belgien werkwi die Ko­sten der illegalen Besetzung des Ruhrgebiets vergütet daS heißt aus bem Raub aus dem Ruhrgebiet ungerechnet. Immerhin liegt barm eine verschleierte Anerkennung der Ruhrbe- seyung durch England. Nordamerika tritt mit Der Pariser Konferenz materiell in Den DaweS-Plan ein. Sowohl seine Defatzunaskosten tote seine Kriegsschäbenerfatzansprüche sollen aus den Dawes-Plan-Zahlungen gebeckt werden. Sieht auch diese Regelung erst auf dem Papier, well Zahlung.n erst vom 1. 9. 1926 an Amerika erfolgen sollen, so ist Rorbamerika mit biefem Beschluß nun auch materiell am DaweS-Plan beteiligt

Da« ist bas wichtigste an der Pariser Kon- serenz, die einmal bie Entente zwischen Eng­land und Frankreich weiter festigte, andererseits Rortamcrika noch weiter nach Europa herein- sührte als bisher. Frankreich und Deutsch­land erwarten von der letzteren Tatsache ver schietencS. Ersteres hofft natürlich, daß Rord- amerita ihm ein Helfer sein werde für einen Druck 'aus Deutschland, Zwang gegen Deutsch­land. kurz für seine Sanktionenpolitik, zu der sich Frankreich in seinem Herzen ja immer noch daS Recht vorbehält. Deutsch land aber er­wartet selbstverständlich von dieser nunmehr auch materiellen Beteiligung der Vereinigten Staa­ten einen Druck in der Richtung de« Verstän­de«. der wirtschaftlich vernünftigen Behandlung der ReparationSsrage. unb es hat auch allen Grund, anzunehmen, daß feine Erwartung die begründetere und richtigere ift. Rorbamerika denkt nicht daran, sich in Sani tionSabenteuer herein ziehen zu lassen, toenn ee> selber sich so an dieser Regelung interessier: ES bleibt unabhängig und frei, und Eu ropa kann nur wünschen, bah die weitere Ent­wicklung schneller gehe, daß den Konferenzen von London und nunmehr Paris die dritte von Washington folge. Die dritte nämlich und notwendige, die endlich mit der Kriegsschul- benfragc der Alliierten aufräumt und so überhaupt erst einmal wirklich Lust macht in dem Streit um die Reparationen, aus bem Dawes-Plan unb Londoner Konferenz ja voll­ständig gar nicht heraus führen konnten.

3n die Pariser Konferenz platzte die Rach- richt bah Hughes am 4. März, dem Tage deS Antritt« für den neugewählten Präsidenten und Kongreh. durch den bisherigen Botschafter in London, Kellog, ersetzt werde. Mll Hughes tritt ein Staatsmann großen Stils von der Bühne ab. Gr war Me eigentlich bewegende unb entscheidenbe Kraft für den Dawes-Plan und für die Rückwendung der Vereinigten Staa­ten nach Europa, bie immer mehr als wichtig­ste« weltpolitisches Ereignis Der letzten zwei Zähre hervortritt. Er war überhaupt bie weit­blickende, vorwärtstreibende Kraft ber ameri­kanischen Politik. Zetzt aber brängte hinter ihm ein gleichfalls Energischer hervor, Senator B 0 rah . ber nunmehr Vorsitzender des Aus­wärtigen Ausschusses im Senat ist.

Seine Auffassung weicht in manchen Punk­ten von der von Hughes ab. Andererseits will nun wohl Präsident Coolidge in seinem eigentlichemlernt" selbständiger und persönlicher regieren, als es bisher möglich war. Er wird sich der Übermächtigen Persönlichkeit entziehen wollen, und darin sehen wir den Hauptgrund für den Wechsel. Ein Wechsel der großen Richt­linien kann das nicht sein und wird es nicht fein. Paiserr Konferenz unb Isolierung Rord» amerikas von Europa passen ebensowenig zu­sammen. wie Isolierung Amerikas unb Ab­rüstungskonferenz. oder schließlich Dawes-Plan und Sanktionenpolitik. Diese Zusammenhänge, die immer enger werden und dadurch immer stärker das weltpolitische System wieder schaffen, diese übersieht sicherlich Dvrah ebenso wie Coolidge. Unb ihre Meinung, im Gegensatz zu Hughes, daß auch Rußlanb hereinzuziehen und des­halb anzuerkennen sei, paßt gleichfalls herein. Cs ist seltsam und interessant, aber jetzt einfach zwangsläufig, bah die Republikanische Partei Rorbamerikas, an sich die Trä-

Dietz-Edzard.

Von Ehrharb EverS.

Der Oberhessische Kunstverein stellt ge.' dentoärtig eine Anzahl von Bildern bes Münchener Künstlers im Turmhaus am Dranb aus. Obwohl wir schon kürzlich ein­mal über bie Ausstellung gesprochen haben, nehmen wir noch einmal zu ihm Stellung, diesmal einen größeren Abschnitt seines Schassens umfassend.

Da ist ein Selbstbildnis aus bem Jahre 1919. Mit großen, rocitgeöffnelen Augen und leicht offe­nem Mund. Dieser Kopf sieht nicht, er schaut. Ohne alle intellektuelle Hemmungen. Mit Aus­schluß aller Definition oder Reflexton. Dazu ein sehr nervöser Rasenflügel unb scharfe Dacken- knochen.

Rimm und lies: Fetnnervigcr Mensch, faytg, bis zur vollen Selbstentäuherung an die Dinge heran Antreten nein, sich in ihnen aufzulösen. Dazu die Kraft, sich wiederzufinden und schaffend sich zu erlösen: Künstler.

Da ist ein Buch im Ernst-Rowohlt-Derlag. .Dietz-Edzard", von Lev Balet. (Sin schlech­tes übrigens, was den Textteil anlang*..) Unb in diesem Buch ist Gelegenheit, mehr von bem Merk des Künstlers zu sehen. Menn man will, sogar eine Entwickelung obwohl ich Leber die Konstante in ber Entwickelung als diese selbst auf- zeigen möchte.

Entwickelung ist (19121920) im Kolo­ristischen wie nn Formalen eine Wandlung von barocken Gesten zu gotischen Gebärden. Die in­nere Haltung ist dieselbe. Gleich, ob es sich um einfachstes Menschentum, gesteigertes Dvtt- fvchen ober um das Göttliche selbst handelt.

Eine gewisse Resignation, die nicht Kampf unb I im Sinn moralischer Wertung, un£

Liden suchte, sondern die es voll über sich hin- Menschsiches. ,bes " DottnaheS wtd GottferneS steht hter auf gleicher Ebene betemanber. unb in der Hingebung an da« Seiende, tote es nun einmal ift, klingt eine Harmvme auS all dem Leid, erwachsen aus Miterleiben. auf geblüht zu Verstehen. Vergeben, zu Liebe. Selbst bas Grau­sige wirkt so nicht mehr abschreckend, benn e« gibt ja Tränen, bie den Schmerz lösen. (Be­weinung. 1919.) Die Aermsten, denen das Ge­schick irgendein Glied nahm, denen irgmdein Sinn mangelt, sie sind nicht allein tn ihrem Schmerz, selbst wenn sie bis an die Grenzen des Tieres oder be« nur noch Ding-sein« ge­langen: ber Raum, in dem sie nach des Künst­lers Willen stehen, nimmt sich ihrer an; sie sind nicht beziehungslos zu ihm. Irgendwo ift doch noch ein Kontakt vorhanden, und fet es in ber letzten Etappe, der vollsten Verblödung Wunschlosigkeit. Ruhe m sich.