Ausgabe 
23.12.1925
 
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Mittwoch. 25. Dezember <925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 300 Drittes Blatt

QluSboucä von Singa-

von

Copyright 1925 by A. Scherl G.rn.b.H., Berlin.

Nachdruck verboten.

23. Fortsetzung.

Pore gab:

Die Regierung ist

Das Erwachen des Südslawentums und der Panslawismus.

Nach der bosnischen Krise.

Zuiunftsirieg im fernen Osten Don unserem militärpolitischen Mitarbeiter.

nicht nur für die briti- auch draußen für die

Pelzmärtel.

«in Nürnberger Spielzeugroman.

Rach dem Italienischen der Teresah erzählt Gustav W. Eberlein.

3nt ganzen britischen Reich biS weit in die Dominions liegt seit einem Jahr in allen öffent­lichen Bibliotheken. Beim Zahnarzt, beim Friseur, in den Wartesälen, in den Lesezimmern der großen HotelS und Schisse eine kleine Flugschrift auf mit dem Titel ..Der Krieg der Zukunft in der chinesischen See". Sie schildert in drama­tischer Weise das Ende der englischen Oftafien- flotte in einem Krieg zwischen Amerika und England einerseits und Iapcm. bei dem Versuch, die Insel Guam bis zum Eintreffen der amerika­nischen Flotte bei den Philippinen zu halten. Der britische Marineminister, ein pazifistischer Poli­tiker kleineren Formates, und der Befehlshaber d^r Ostaiienflotte unterhalten sich aus dem unter- ganggeweihten Flaggschiff über die Ursachen des Krieges. Der Admiral beweist, wie nur infolge der Fehler der britischen Politiker und Diplo­maten teuere englische Kreuzer und todesmutige Besatzungen nutzlos zugrunde gehen, weil diese die Schaffung von Flottenstützpunkten in Oft- asien versäumt und in der Konferenz von Washington ebenso darauf verzichtet haben, wie auf die Modernisierung der Flotte.

In Wirtlichkeit ist die Gefahr für die eng­lische Machtstellung in Oftafien heute schon einigermaßen abgewehrt. Der gesunde politische Instinkt der englischen Volksvertretung hat vor einiger Zeit den Ausbau von Singapore zu einem Flottenstützpunkt ersten Ranges auf Vorschlag der Regierung genehmigt, und damit die englische Stellung im Pazifik erheblich gefertigt, gleich­zeitig Japan den Weg nach Indien versperrt. Be° zeichnend für die englische Auffassung der Lage in ostasiatischen Fragen ist die Antwort, die ein Regierungsvertreter auf eine Interpellation über die Dringlichkeit des

Die in der Gründung begriffene Slawische Zentralbank, die in allen slawischen Zentren Filia­len zu errichten beabsichtigt, wird das ihrige dazu beitragen, um die Slawen von der deutschen Hege­monie zu befreien.

Was die Geldmittel betrifft, die für die Kriegs­bereitschaft der slawischen Balkonstaaten erforder­lich sind, so wird Nutzland ihnen diese entweder direkt zur Verfügung stellen oder mit Hilfe Frank­reichs und Englands beschaffen.

Sicher wird in längstens zwei bis drei Jahren die Zeit gekommen fein, wo die Stawenwelt unter der Führung Rußlands den großen Streich füh­ren muy."

die Anschuldigung nahe. Peter Tand stehe im Bunde mit dem Bösen und treibe Hexerei.

Wa- fangen wir nur an? fragte jeden Abend Gevatterin Cornelia ihren Mann.

Da ist guter Rat teuer, antwortete Ge­vatter Franz kopfschüttelnd.

Am Ende kam Gevatterin Cornelia jedesmal zu dem gleichen Schluß: Solange wir un« still verhalten, hat's keine Gesahr. Hnb sie verhielten sich still, und die Tage gingen dahm. aber vor Kummer und Gram verzehrten sie sich geradeso wie der arme Puppenpeter in ferner ©efangnts- zelle. Jede Rächt ereignete sich daS gleiche: Es klopfte an die Tür. und überzeugt, daß es die heimkehrenden Kinder seien, waren fte mit einem Satz aus dem Bett und rannten im Finstern die Stiege hinab. Mer vor der Haustür war kein Mensch zu sehen, kein Laut unterbrach die drückende Stille. Wieder nichts! Traurtg kehrten sie um und legten sich wieder zu Bett, ohne Schlaf zu finden. Manchmal nickten sie beim Morgengrauen ein und dann hatten sie jedesmal den gleichen seltsamen Traum. Sie sahen Otto und Liefe! fröhlich in einem wunderschönen ©ar­ten spielen, wobei ihnen drei ganz m Pompadour- seide gekleidete Damen Gesellschaft leisteten. Die­ser Traum tröstete sie, wenn sie darin auch nur den Gruß der verschollenen Kinder erblickten und nicht auf den Gedanken kamen, es könne Wahres daran sein. Hrtb das war gut so. denn andernfalls möchte es ihnen schwer gefallen sein zu schweigen. Sie würden jeder Gefahr getrotzt haben, nur um jenen wunderschönen Garten zu finden.

So standen die Dinge, als Fifi, die Guimn'.- katze, der einsamen Dächerpromenaden über­drüssig wurde und sich überlegte, waS sie nun anderes anfangen könne. Wer weiß, was die anderen alle« erleben, dachte sie voll Rech. Gleich darauf warf sie sich aber m dieBrust: waS die können, bas kann ich auch! Und sie beschloß, etwas Großes zu unternehmen und die Lage von Grund auS zu ändern und sich selber damit womöglich unsterblich zu machen.

Fisi. die Gummikatze ihr werdet sie doch nicht vergessen haben? Als wir ihr das letztemal

Vertretung ihrer Interessen sich zusammengesun* deu haben. Gehen diese drei Rlächle zusammenr scheint die llebcrlegenbcit ihrer Flotten so un­geheuer gegenüber der japanischen, daß ein Zweisel an ihrem Sieg überhaupt nicht entstehen: kamt. Run liegt aber die Stärke einer Seemacht in ihren großen Schlachtschiffen. die einen be­traueren, aut die sie sich auch bei_ geringen schränkten Aktionsradius besitzen und StühpinMe Beschädigung zurückziehen formen. Zur Zett be­findet sich der nächste Flottenstützpunkt für Droh- tampfschiffe auf Malta, also 10 000 Seemeilen von Hongkong entfernt. Der nächste amerifanildK Flottenstützpunkt Pearl-Harbour liegt 3330 See­meilen ab von den Philippinen. Der Oelvorrat: eines Schiffes reicht für 3000 Seemeilen au*. Es ist ebenso unmöglich, eine Flotte, deren Oel- vorrätc zum größten Teil erschöpft sind, für eine Operation einzusetzen, wie angesichts des Femdes sie mit Oel aus den begleitenden Schissen zu versorgen. Daher hat England im fernen Osten nur 10 000-Tonnen°Kreuzer mit 20-Ztm.-Ge- schützen stehen, die natürlich gegenüber ben japa­nischen Schlachtkreuzern mit 32-Ztm.-De>chuhen: und Linienschiffen mit. 42-Zttn.-Kalibern macht­los sind. Der japanische Kriegshasen Iokvsuka ist mir 1360 Meilen von Guam entfernt, das ja der Schlüssel zum westlichen Teil des Stillen Ozeans ist und die Philippinen völlig beherrscht. Zahl­reiche Stützpunkte in den japanischen Kolonien sind noch näher an die amerikanischen 3Mit3uu * gen herangcschoben, fo liegt Formosa nur 500 See­meilen nördlich der Philippinen. Japans Stel­lung im Fernen Osten ist also durch eine natür­liche Lage mächtig begünstigt. Es hat sich aber auch schon lange darauf eingestellt, daß für die äußerste Verteidigung feiner Interessen nur ein Seekrieg unter riesigen (Sntf cm trugen in Betracht kommen wird. Seine Seestreitkräfte vereinigen, mit größter Schnelligkeit einen außerordentlich großen Aktionsradius, während z. B. die Mehr­zahl der englischen leichten Kreuzer, für die Rordsee bestimmt und im Krieg erbaut, für einen Kampf im Fernen Osten natürlich weniger geeig­net linb. Durch das neuerliche Zusammengehen mit Rußland hat Japan auch aus dem asiatischen. Festlande eine neue Kampfbasis erhalten, die die Bedeutung Hongkongs für England erheblich vermindert. Im Kriegsfälle wird Hongkongs Los nicht besser sein als das von Tsingtau.

Obwohl die Konferenz von Washington die Reuanlage von Befestigungen in einer gewissen Zone im Pazifik untersagt hat, sind die Aus gaben der beteiligten Mächte fürHeberhvlung der Befestigungen ganz gewaltig^ Das amerika­nische Marinedepartement will 'bis 1942 nicht weniger als 155 Millionen Dollar für Befesti­gungen auswerfen. Japan hat noch vor Abschluß des Washingtoner Abkommens im Jahre 1921 in Tag und Rächt durchlaufender Arbeit die Donin- inseln verstärk und ausgebaut und gibt auch beute' beträchtliche Summen für derartige Zwecke aus Selbst Holland hat nahezu 300 Millionen Mark bis 1928 für Befestigungen seiner indi­schen Kolonien in den Haushalt eingesetzt. Gine enge Zusammenarbeit mit der englischen Flotte wird sich für Holland im Falle von Verwick­lungen im Fernen Osten naturgemäß ergeben, ba Japan der gemeinsame Feind ist. Japan hat ohne Zweifel die besten Aussichten, iw Falle eineS Krieges zunächst Alleinherrscher hn Fernen Osten zu werden. Auch wenn die amerika­nische Flotte sofort mit Kriegs beginn auSlaufen würde, käme sie erst 5 Tage später als die japa­nische vor Guam an, dessen Oelvorräte sie in japanischen Besitz oder zerstört vorfinden würde. Sie wäre ohne Oel verloren. Daher bleibt für Amerika keine aribere Möglichkeit, als langsam mtt einem riesigen Aufwand von Transport- und Dorratsschiffen nach Westen vorzudringen und dabei alle kleinen Inseln als Zwischenstütz- pu-ntte einzurichten. Mindestens ein halbes Jahr müßten sie die Japaner im unbestrittenen Besitze GuamS und der Philippinen lassen, eine Zeit, die genügen würde, um aus diesen beiden Inseln eine japanische Festung zu machen. Dies zu ver­hindern ist eine wichtige Sorge der englischen und amerikanischen Marinesachverständigen und Politiker. Ein Blick auf eine Vorkriegslarie von Amerika zeigt, daß Oie Masse der amerikani­schen Befestigungen biS Kriegsende an der Oft- küste lag. Jetzt wird nur noch auf der vazifisti-

pälschen Hochfinanz von der Gewährnua der zum arofjen Teil zu kriegerischen Rüstungen bestimmten serbischen Anleihe abrät und Serbien unter War- nung von chauvinistischen Aspirationen aus die Un­vereinbarkeit seiner Rüstungspläne mit den an Oesterreich-Ungarn gemachten Zusicherungen hin-

schen Inseln, sondern , Tochterstaaten in jedem Teile der Welt, mcht zum wenigsten im Fernen Osten, verantwortlich Hin­sichtlich des neuen Flottenstützpunktes denkt die Regierung an die Zukunft. Wie freundschaftlich man auch mtt dem (Nachbar in jenen Gegenden sichen möge, es ist undenkbar, wenn die Regie­rung als die Hüterin der Reichssicherhett davauS den Schluß ziehen wolle, daß wir dauernd mtt jedermann auf freundfchaftlichem Fuße stehen

ihr Ginfiedlerruhm zu verblassen anfing, denn Scharen von Katzen, die sich auch nicht schlecht aufs lautlose Klettern verstanden, wählten wie alle Jahre die Dächer zu ihrem Tummelplatz. Fifi fand es unter ihrer Würde, kratzend und schnuppernd an den Erkerfenstern zu erscheinen, trenn das gewöhnliche Katzenvolk dasselbe machen konnte. Als elegante und vornehme, in geheimen Künsten erfahrene Katze betrachtete sie jene haus­backenen Miezen und Mirmis aus Fleisch und Blut, die sich von Hühnereingeweiden und Käse­krusten nährten, mit jener angeborenen Hebet* legenheit, die sie schon bestimmt hatte, der Ge- sellschaft der Spielsachen zu entfliehen. Dafür hatte sie nun ihre melancholischen Stunden, wo sie unter ihrer Einsamkeit litt.

Diese zwiespältige Gemütsverfassung findet man nicht selten bei Gummikatzen. Sie ver­leitet sie sogar oft zu Selbstmordgedanken. Aber das Schicksal will, daß ihnen der Tod niemals gelingt, denn ist es schon für Katzen aus Fleisch und Blut schwierig, bei einem Sprung vom dritten Stock herunter ums Leben zu kommen, so geradezu unmöglich für Gummikatzen. Sie schürfen sich dabei noch nicht einmal das Fell ab. Rachdem sich Fifi selber davon überzeugt hatte, beschloß fic mutig, weiterzuleben. Jedoch, sagte sie zu sich selber, ist es nicht mehr wie billig, daß ich für diesen heroischen Entschluß, die Langeweile weiter zu ertragen, entschädigt werde. Run sagt einmal selber, gibt es etwas Lustigeres, als dem lieben Rächsten einen Streich zu spielen? Gewiß, wohlerzogene Personen tun das nicht, und fo werde ich mich schön hüten, euch dazu anzustiften. Aber Fisi hatte keinerlei Erziehung genoffen. Sie war ohne Familie, strömte nach Belieben, sie war egoistisch wie alle Katzen. Ich finde, bah es unter diesen Umständen schon sehr anständig von ihr war, wenn sie sich vornahm, die ehrlichen und arbeitsamen Bürger ungeschoren zu lassen und sich bloß diesen Abra­ham Schloß aufs Korn zu nehmen, den fle aus verschiedenen Gründen haßte, vor allem deshalb, weil er an ihrer Einsamkeit schuld war.

Fisi fetzte sich also in den Kops, den Abra* Ham Schloß das Leben gründlich zu versalzen.

(Fortsetzung folgt.)

material zu vervollständigen, und wie empfindlich sie gegenüber dem Versuche ist, ihr hier Schwierig­keiten in den Weg zu legen, beweist ein dieser Tage erschienener Artikel des osfiztösenOdjek", der sich Seinen kürzlich in der LondonerFinancial erschienenen Aufsatz wendet, der der euro­päischen Hochfinanz von der Gewährnua der zum aronen Teil zu kriegerischen Rüstungen bestimmten

ES mag sonderbar erscheinen, daß unter so vielen vernünftigen und unvernünftigen Ansichten und Vermutungen, die man hören konnte, nicht eine den Fall Peter Tand mtt den rätsel­haften Vorgängen in Zusammenhang brachte. Und doch war nichts Sonderbares dabei. Denn Peter Tand war ein armer Teufel und deshalb, wie eS in solchen Fällen geht, schnell vergessen worden. Er tag hn Gefängnis, wie es sich für einen Dieb gehörte, tote sollte da jemand auf den Gedanken kommen, einen so alttaglichen Fall ander« als alltäglich zu betrachten. Auch cm die Kinder des Puppenpeters erinnerte man »ich kaum mehr oder wollte sich nicht ernmern. Es hatte ja zwar geheißen daß es der kleine Otto gewesen sei. der mit seinem bösen Wort die Rache des Pelzmäriels herausgefordert ha^, aber diese Begründung schien den wenigsten stich­haltig. Wie könnte sich eine Persönlichkeit vom Range deS Pelzmäriels durch einen kleinen Spitz­buben, den Sohn eines Diebes beleidigt fühlen!

So urteilten alle mit der üblichen Un­gerechtigkeit und sprachen auch von Otto nicht mehr. Rur Gevatter Franz und Gevatterin Eor- nelia dachten sorgenvoll Tag irnd Rächt an die zwei Kinder. WaS mochte nut auS ihnen ge­worden fein? Jede Befürchtung über ihr dunkks Schickfal fdjten gerechtfertigt, und doch durfte man sich nicht einmal den besten Bekannten an- vertrauen. Den Rachbarn hatten fte erzählt, sie hätten die Kinder aufs Land zu Verwandten geschickt, zitterten aber bei dem Gedanken, die Bürgerschaft könne Verdacht schöpfen. Und diese Angst war nicht unberechtigt, denn wenn einmal Öa« Verschwinden der Spieuoaren und des unter­irdischen Ganges mit dem Verschwinden von Kindern in Zusammenhang gebracht wurde, fo lag

weist.

Nimmt man zu diesen Symptomen, die auch von dem Kaiserlichen Botschafter in Wien gemeldeten, von Rußland teils inspirierten teils unterstützten eifrigen Bemühungen der hiesigen Regierung zwecks Herbeiführung eines engen Zusammenschlusses mit Bulgarien und Montenegro, die Wiederaufnahme des Prozesses gegen den angeblichen Spion Müller, sowie die lebhaften Bemühungen Serbiens, sich vom österreichisch-ungarischen Markte unabhängig zu machen ... so wird man sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß politisch wie wirtschaft- lich Serbien für Oesterreichs auswärtige Politik vorläufig wenigstens einen wunden Punkt hü­bet, dessen Behandlung an die Klugheit und die Vorsicht unseres Bundesgenoffen große Anforde­rungen stellt, zumal die Tripelentente, namentlich Rußland und England, in pflichtmäßigem Eifer be­strebt sind und bleiben werden, die Wunde offen zu halten und zu verfchlimmern, um den Dreibund und vor allem das Oesterreich-Ungarn am enaften befreundete Deutschland zu schädigen und zu schwä­chen und dadurch der angeblichendeutschen Ge­fahr' wirksam entgegenzuarbeiten.

Reichenau.

Die grohserbtsche Bewegung wurde durch die allgemeine russische Unterstützung ermutigt, allen momentanen Rückschlägen zum Trotz bis zur Stunde der Erfüllung auszuharren. Wenn sich auch die Regierung in Petersburg noch

)Die Gr o ß e Politik der Europäi- jchen Kabinette 18711914." Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amts ßerausgcgeben von Johannes Lepsius, Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Thimme. Fünfte Reihe. Erste Abteilung:Weltpolitische Komplikateionen". Band 2629 (6 Teile). Im Berlage der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W 8.______________

im Laufe dieser Geschichte begegneten, hatte sie gerade Händel mtt Krachaus.

5hi willst auf die Dächer auskneifen, hatte er geschrien.

Und du willst dich Wiesenstelz an den Schwanz hängen, hatte sie zurückgegeben.

And beide hatten damit, wie wir gesehen haben. daS Richtige erraten. Rachdem es Fift geglückt war die Aufmerksamkett des Pelzmärirls abzulenken und auf das nächstbeste Dach zu ent­wischen, führte sie ein fröhliches Vagabunden­leben. Das war einmal etwas fo ganz nach ihrem Gefchmack. GS war ja jetzt zwar Winter, aber waS kümmerte sie der Schnee! Sie hatte Gummi- vfötchen. Frei und ungebunden streifte fte nach Herzenslust auf den abenteuerlichen Giebel­dächern herum, schlief, wo es ihr paßte, steckte überall die Rase hinein, stöberte hier etwas auf, schnüffelte dort ettvaS auS, spionierte, wo e« erwas zu spionieren gab. Keinen Wunsch brauchte sie sich zu versagen. Immer die Ohren gespitzt und den Schwanz wachsam gegen den Wind gestellt, war sie über alle«, was in der Stadt vorfiel, auf dem kaufenden. Riemand ge­lang cs. sie zu fangen. Von Haus zu Haus sprach sich's herum, daß eine schöngetigerte Katze mit einer Geschicklichkett ohnegleichen lautlos aus den Dächern herumspaziere und wie ein Schatten von Sims zu Sims gleite. Richt selten erschien sie kratzend und schnuppernd an einem Erker­fenster, aber sowie sich eine Hand herausstreckte, um sie beim Wickel zu kriegen, war sie tote ein Spuk verschwunden. Zu verwimbern gab es da ftetlich nichts, denn Fift war ja aus Gummi und hatte zudem nicht nur immer gespitzte Ohren und einen wett erkundigen Schwanz, sondern auch eine Feder im Bauch, die ihr blitzariige Sprünge ermögllchte. Äur^ es war eine mit übernatürlichen Fähigkeiten auSgeftattete Fisi, eine magische Katze.

Hnd doch, der Lag kam, wo ihr bas Herum- treiben verleidet war. wo sie sich nach Gesellschaft sehnte. Sie ertappte sich immer öfters dabei, wie sie von einem hohen Karnin au« nach den Störchen Ausschau hielt, nach Liesel und Otto und ihren Spielgefährten. Dazu kam noch, daß mit dem Fortschreiten der schönen Jahreszeit

zurückhielt, so redeten die Kundgebungen der immer mächtiger werdenden Panslawisten eine um so deut­lichere Sprache. Wie weit bereits im Sommer 1909 die letzten Gedanken dieser Kreise, deren Bedeutung für die Entstehung der Atmosphäre, aus der 1914 das Attentat von Serajeroo und schließlich der Weltkrieg hervarging, kaum unterschätz, wer­den kann, gingen, betont das folgende Zirkular, das zur Kenntnis des deutschen Botschafters in Wien gelangte:

Der Geschäftsträger in Wien Gras Brotfborff- Rantzau an den Reichskanzler von Bethmcmn- yollweg.

, Ausfertigung.

Wien, den 2d. Juli 1909.

Der Gewährsmann der Kaiserlichen Botschaft hat vermöge feiner vielseitigen Beziehungen von einer Stelle, die er für durchaus zuverlässig hält, Einsicht in ein geheimes Zirkular erhalten, das von dem Exekutivkomitee der vor kurzem in St. Petersburg beendeten Slawenkonferenz an alle slawischen Organisationen in den slawischen Län­dern und an sämtliche slawischen Regierungen auf der Balkanhalbinfel gerichtet worden ift

lieber den Inhalt dieses nicht unintereffanten Aktenstückes teilt der Gewährsmann mir nach­stehendes mit:

Rußland ist im Begriffe, die Mängel feiner militärischen Organisation, die der japanische Krieg enthüllt hat, sowie die Unzulänglichkeit feiner inne­ren Verwaltung, die durch die freiheitliche Be­wegung aufgedeckt worden ist, durch eine gründliche Refonntätigkeit zu sanieren.

Bis dieses doppelte Werk der Konsolidierung vollendet ist, müffen die slawischen Völker Geduld haben imd m ihrem Vertrauen auf Rußland aus­harren.

Die Delegierten der slawischen Völker, die an­läßlich der lüngsten Slawenkonferenz in Peters­burg und Moskau waren, haben sich an Ort und Stelle überzeugen können, daß alle Schichten der rufsischen Gesellschaft von dem Wunsche beseelt sind, Rußland möge seine Mission als Schutzmncht der Slawenwelt kräftig in die Hand nehmen.

Serbien und Montenegro müffen sich bereit hatten, um durch Okkupation des Sandschaks von Rowibasar ihre Vereinigung zu vollziehen und nach Bosnien und der Herzegowina einzudringen.

Gleichzeitig muß sich Bulgarien daraus oorbe- reiten, die Grenzen einzunehmen, die ihm der Frie­den von San Stefano zugestanden hat, und sich bis vor die Tore von Konstantinopel auszu- dehnen.

Rußland mit seinem Militärbudget von nahezu zwei Milliarden Frank und seinem Friedensstande von etwa anderthalb Millionen Mann repräsentiert eine Militärmacht, der der Austro-Germanlsmus nicht Ebenbürtiges entgegenzustellen vermag. Die 100 000 Mann, die Rußland auf den Schlachtfeldern der Mandschurei verloren hat, fallen gegenüber seinem jährlichen Bevölkerungszuwachs von nmb drei Millionen Seelen nicht ins Gewicht.

Da» jungtürkische Regime wird sich nicht lange behaupten können, und die Liauidierung der Türkei ist viel näher als man glaubt Dann wird der Moment gekommen fein, wo Rußland im Ver­eine mit den übrigen Slawenvölkern in Aktion treten muß, um die flämischen Ideale zu verwirk­lichen und um zu verhüten, daß der Auftro-Ger- inanismus die Liguidation der Türkei zu seinem Vorteile ausnützt.

Die jüngste Eroberung der Stadt Konstanti­nopel durch die Jungtürken hat gezeigt, wie spie­lend leicht man sich der türkischen Hauptstadt be­mächtigen kann, wenn ein konzentrischer Angriff vom Schwarzen Meere und von der Balkanhalb­infel aus erfolgt.

Inzwischen müssen alle slawischen Volker sich solidarisch aneinanderschliehen und sich insbeson- bere auch wirtschaftlich zu kräftigen trachten. Sie müffen den deutschen Handel und die deutsche In­dustrie durch einen radikalen Boykott aus ihren Gebieten herausdrängen.

würden."

Richt weniger ritt eres sunt ist die örtoi Ge­rung, die ihm Der japanische Außenminister auf diese Worte erteilte:

Japan hat sich mtt England über Singa­pore nicht verständigt Der Plan läßt sich durch das Erlöschen des englisch-japanischen Bündnisses rechtfertigen. Er widerstreitet in vielen Beziehun­gen dem Geist de« Washingtoner Vertrages. Wer das ist eine innere Angelegenheit Eng­lands. Japan hat daher nichts zu sagen. In den englisch-japanischen Beziehungen ist nichts, was einen derartig weitreichenden Plan nötig macht

Diese beiden Aeuherimgen beleuchten grell die Situation im Fernen Osten. Die Washing­toner Konferenz hat bis zum Jahre 1932 den Besitzstand an Grohkampfschifien für England, Amerika und Japan festgelegt im Verhältnis 5:5:3. Da die ganzen Probleme des Pazifik in erster Linie durch den naturnotwendigen, niemals zu unterdrückenden AusdchnungSLrang Japans entstehen, ist es selbstverständlich, daß diejenigen Mächte, die wertvollen, aus der Ferne schwer zu schützenden Besitz in Oftafien haben, nämlich England, Amerika und Holland zur gemeinsamen

DGV. Die Hoffnung Oesterreichs, durch die An­nexion Bosniens und der Herzegowina die serbische Agitation in der Wurzel zu treffen, erfüllte sich nicht Die folgenden Dokumente, die wir dem in Kürze erscheinenden 26. Bande der Großen Akten­publikation des Auswärtigen Amis*) entnehmen, zeigen die inneren Vorbehalte, mit denen die ser­bische Regierung ihren Rückzug in der bosnischen Frage vollzog, sowie das Fortdauern der irreben- tisnschen, den Bestand der Donaumonarchie be­drohenden graßserbifchen Bewegung.

Der Gesandte In Belgrad, von Reichenau, an den Reichskanzler Fürsten von Bülow.

Ausfertigung.

Belgrad, den 22. Juli 1909.

Je mehr ich durch Beobachtung der serbischen Preße sowie durch Gespräche mit Kollegen und hier ansässigen, die Verhältnisse kennenden Personen versus, mir ein Bild von der hiesigen Lage zu machen, desto mehr werde ich in der Ansicht be­stärkt, daß Oestereich-Ungarn in seinem Verhältnis zu Serbien nicht am Ende, sondern oielmeyr erst am Ansang der Schwierigkeiten steht. Man . . . kann und will sich hier in gekränkter Nationaleitel­keit nicht damit bescheiden, daß die Vernichtung der Aspirattonen auf Bosnien und die Herzegowina eine unverrückbare geschichtliche Tatsache geworden ift, das heißt mit anderen Worten auf Schädigung Oesterreich-Ungarns erwachsen sei . . .

Die Regierung selbst ist, wie ich bereits zu mel­den die Ehre hatte, ernstlich bestrebt, ihr Kriegs-