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Wie eine Helle Fanfare klingt in diese dunkle Zeit des Kleinmuts der Ruf hinein, den Gustav Adolf auf sein Panier geschrieben Hot, der Ruf, der uns erinnert an die hehre Heldengestalt des Schwedcn- königs, an seinen Kampf für die Freiheit des Glau­bens, an seinen Tod auf dem Schlachtfeld von Lützen für Die große Menschheitsidee der Frei- Helt des menschlichen Gei st es: der Ruf, der uns im Hinblick auf das läuternde Vorbild trifft, auf die, die tagtäglich mit Widerständen zu kämpfen haben, um sich und den Ihren den kostbaren Schatz an religiösen Gütern zu erhalten, der tief in ihrem Herzen liegt.

Zur Hilfe für die in der Zerstreuung Leden- Len ruft uns der Geist Gustav Adolfs, ruft uns die Satzung der Gustav-Adolf-Stiftung: ein Werk idealster Art ist das Ziel der Gustav- Adolf-Stiftung. Was wir auch immer aus dem Vorbild Gustav Adolfs entnehmen, ist das mann­hafte, tapfere, bis zum Tode getreue Eintreten für die große Idee und für die in ihrer Freiheit gefährdeten Glaubensgenossen. Sie be­dürfen der Hilfe, die evangelischen deutschen Brü­der und Schwestern, die in der Zerstreuung leben, sie bedürfen tatkräftiger Hilfe mehr denn je. Ich denke dabei namentlich an die evangelischen Glaubensgenossen, die durch die politischen Ereig­nissen der letzten Jahre von dem Heimatboden losgetrennt und fremden Ländern zugeteilt wur­den, der Fürsorge durch die Kirche, der Heimat entzogen. Ihre Zahl ist groß und unter ihnen ist die Zahl der evangelischen Deutschen bei wei­tem am größten. Das Werk des Gustav-Adolf- Vereins ist ein Werk des Friedens. Die Gustav- Adolf-Arbeit trägt dazu bei, in der Welt des Gei st es die entzweiten Völker wieder zu verbinden. Sie soll die giftige Saat des Hasses und der Verleumdung aus­merzen, die im vergangenen Jahrzehnt über die Erde ausgestreut ift, und die sich im Ilebermah gerade das deutsche Volk zum Ziel gesetzt hatte. Der Ehristenmensch weiß, daß unter den Kräften, die das Leben des einzelnen bestimmen und die Welt bewegen, die geistigen Kräfte die stäicksten sind. Unter den geistigen Kräften ist die Macht der Religion am tiefsten und innerlichsten ins menschliche Herz eingebettet. Der Glaube der Heimat, in dem die Mutter ihr Kind schon im surren Alter unterwies und das erste Gebet in der Muttersprache gelehrt hat, ist ein kostbares Heiligtum, das den Menschen mit geheimnis­voller Schuhkraft begleitet, ein Urquell ewi­ger Kratt, die ihn innerlich läutert und aus­harren läßt im Kämpfen und Dulden, die ihn stählt zur Selbstüberwindung und zu frohem Schaffen für die Seinen und die Gesamtheit. Diesen kostbaren Schatz haben an sich auch unsere deutsch-evangelischen Brüder und Schwestern in der Fremde, und sie bedürfen seinen segenspendenden Kraft in besonderem Maße. Sie stehen allein im täglichen Ringen um ihr ideelles und wirtschaftliches Dasein. Sie dürsten nach seelischer Aufrichtung durch die Glau­bensgenossen der Heimatkirche, um gegenüber all den zermürbenden großen und kleinen Wider­ständen aufrecht zu bleiben, denen sie täglich ausgesetzt sind. Ihnen zu helfen ist das Ziel der Gustav-Adolf-Stiftung. Daß diesem edlen Werk auch fernerhin volles Gelingen beschießen sein möge, ist der aufrichtige, innige Wunsch der deutschen Reichsregierung. Möge die Tätigkeit der Gustav-Adolf-Stiftung unsere evangelischen Brüder und Schwestern erfüllen mit tapferem, freudigem evangelischen Geist, wie er uns aus den -machtvollen Akkorden des Liedes entgegen» klingt, mit denen der große deutsche Reformator die evangelischen Herzen noch heute auf das tiefste bewegt, mit dem Liede, das Gustav Adolf am Morgen der Schlacht bei Lützen seine Trup­pen anstimmen liefe:Ein' feste Burg ist unser ©ott, ein' gute Wehr und Waffen.'' Das walte Gott!

Der Vorsitzende Geh. Kirchenrat Prof. D. Rendtorff-Leipzig sprach dem Abgesandten der Reichsregierung in herzlichsten Worten unter leb­haftem Beifall der Versammlung den Dank des Vereins für die freundliche Begrüßung und die guten Wünsche aus, gab weiterhin Kenntnis von dem gestern bereits gemeldeten Begrüßungstele­gramm des Reichsaußenministers Dr. S t r e fe­rn a n n , der außerdem noch den Vortragenden Rat im Außenministerium Legationsrat Dr. S ö h ri n g als Vertreter entsandt hatte, und verlas schließlich Begrüßungsschreiben von Frhrn. v. Pechmann- München und Präses D. Wolff- Aachen.

Der Jahresbericht,

den der Generalsekretär D. Geißler- Leipzig er­stattete, berichtete von erfreulich fortgeschrittener MSV.'AMJj'uurzacTagjffii II im i u

Ium Gedächtnis

Georg Schwsinsurths.

Von Dr. F. Ern st.

Dis in die letzten Jahre konnte man in den Sitzungen der Berliner Gelehrten-Gesellschaften, der anthropologischen, ethnologischen und geo­graphischen besonders, einen beweglichen schlanken älteren Herrn beobachten, vornehm und weife­haarig, der etwas Internationales in seiner Haltung, seinen Gesten und im Zuschnitt seiner Kleidung hatte: er folgte den Vorträgen mit gespanntem Interesse, brachte oft in den Dis­kussionen ein kurzes, inhaltreiches Wort an und wurde mit ausgesuchter Ehrerbietung behandelt. Das war Georg Schweinfurth, und man hätte ihn vor ein paar Jahren auf fünfundsechzig Ibis höchstens siebzig geschätzt, während er in Wirklichkeit das achtzigste Jahr schon über­schritten hatte.

Georg Schw e i n f u r th, der uns am ^.Sep­tember verlassen hat. ist am 29. Dezember 1836 geboren: in ihm ist der letzte der grofeen Garde von Afrikaforschern gestorben, ein Meister der Forschung, sticht eines bestimmten Wissens­gebietes, sondern aller, die in Betracht kommen. Denn das war seine Eigenart und sein Wert, dafe er, wie etwa die grofeen englischen Naturforscher, wie Darvpiu und Hurley, universal arbeitete und alles beobachtete, was zu beobachten war und alles mit der gleichen Meisterschaft ergründete und verknüpfte. Wie Darwin in seinerReise eines Naturforschers um die Erde" Geologie, Zoologie, Botanik, aber auch Geographie. Ethno­logie, Oceanographie in gleicher Weise durch neuartige Beobachtungen fördert' und auf neue Geleise schob, fo auch für sein Forschungsgebiet, das östliche Afrika, Georz Schweins'rth. In Riga von deutschen Eltern geboren, trat schon bei dem hochbegabten Gymnasiasten die Forscherfreude ge­bietend hervor. Er durchstreifte auf weiten Wan­derungen seine Heimat und entfaltete eine rege Sammlertätigkeit. Auf deutschen Llniversitäten studierte er Botanik und verwandte Fächer, wurde

Wiederaufbauarbeit im Verein, wobei der H e s s i - sche Gustav-Adolf-Verein besonders rüh­mend hervorgehoben wurde, und gab frohgestimm­ten Hoffnungen auf weitere gute Aufwärtsentwick­lung des Vereins Ausdruck. D. Geißler wurde vom Vorsitzenden unter dem starken Beifall der Versammlung herzlichst bedankt und seine großen Verdienste um den Verein in schmeichelhafter Weise gefeiert.

Kirchenpräsident

v.Wehrenfennig-Gablonz berichtete anschließend in sehr fesselndem, rein auf das kirchliche Gebiet eingestellten Vortrag über die Deutsche evangelische Kirche in Böh­men, Mähren und Schlesien. Seine auf­schlußreichen Mitteilungen wurden mit gespann­testem Interesse verfolgt und machten auf die Ver­sammlung einen starken Eindruck, dec sich in leb­haftem Beifall äußerte. Nach dem Dankeswort des Vorsitzenden an den Redner wurde die Versamm­lung mit Gemeindegesang geschlossen.

Volkstümliche Versammlungen in den Kirchen

vereinigten am Abend große Massen der Glaubensgemeinde. Ansprachen von Vertretern der Diaspora gaben ein Bild von der Lage dev deutsch-evanaelischen Brüder und Schwestern im Auslande. Wir werden über diese Veranstaltun­gen morgen berichten.

Das hassende Polen.

Don A. Beu er mann. M. d. pr. L.

Das einzig greifbare Ergebnis der Veth- mannschen Kriegspolitik war die Wiederher- ft e II ung Polens, die Eintreibung eines Pfahles in den Leib Deutschlands. Das neue Polen überfiel die wehrlosen Provinzen West­preußen und Posen und schuf dadurch jene be­kanntefertige Tatsache". Leider verhinderte unsere Revolutionsregierung das Wehren der 1 200 000 Deutschen in diesen Gebieten. Darauf zerstückelte die Entente Deutschland weiter _ zu Polens Gunsten und schuf dadurch sowohl den unhaltbaren Danziger Korridor als die unerträglichen Verhältnisse in Oberschlesien. Durch den Raub an Deutschland also gewann dieses Staatswesen mit seinen 27 Millionen Ein­wohnern, von denen fast d i e H ä l s t e Nicht­polen sind, erst Leben. Bei der Abreißung von Westpreufeen und Posen ha> - sogar deutsche Soldatenräte, gelockt von gleißnerischen polnischen Versprechungen, mitgeholsen. Doch als der Pole sich stark genug fühlte, entledigte er sich dieser deutschen Helfer. Die meisten von ihnen liegen eingescharrt auf dem Kernwerk der Festung Pofen. Diese Art Dankbarkeit ist es, die der Pole bis zum heutigen Tage dem deut­schen Volk zeigt, das seinen Staat geschaffen und beftandsfähig gemacht hat. Innerhalb eines Jahr­fünfts hat dieses Polenvolk es vermocht, d i e größte Völkerwanderung aller Zei­le n zu vollziehen, indem es rund 1 Million Deutsche aus seinen Grenzen ver­trieb: doch hat das sogenannte Wellgewissen bis zum heutigen Tage von dem Notschrei der vertriebenen Deutschen keine Notiz genommen. Manchmal sogar schien es. wie es im Fälle ber. Briefkastensache in Danzig geschehen ist, als ob fast alle fremden Kuliurmächte sogar eine Bil­ligung dieser mittelalterlichen Rohheiten aus­sprachen.

Diese Stimmungslage gegen uns hatten wir selbst besonders wieder zu fühlen, als zum 1. August ds. Is. die mit nicht zu überbietender Rohheit ins Werk gesetzte Austreibung der deutschen Optanten aus Polen erfolgte. Es ist eine polnische Eigenheit, sich über die FrageWahrheit oder Lüge" nicht sehr aufzuregen. Auch in dieser Angelegenheit hatte man es in der geschicktesten Weise ver­standen, diese ganze Barbarei mit einem Lügen­gewebe zu umgeben, aus dem PolensRecht s- st a n d p u n k t" edel hervorleuchtete. Der Pol­nische Außenminister S k r z h n s k i war nach Amerika gefahren und hatte dort dargelegt, daß Polen gar nicht anders tun konnte, als dem Schiedsgerichtsspruch in der Optantenfrage Folge zu leisten. Leider ist dieser falschen Darlegung gegenüber die Einsetzung einer deutschen Gegen­propaganda in Amerika nicht bekannt geworden.

Die Sachlage war folgende: In dem Ver­sailler Vertrage ist die Optantenfrage klar aus­gesprochen. Danach hatten die Deutschen in Polen das Recht, sich für Deutschland oder Polen zu entscheiden, das heißt, zu Dr. Phil und bereiste dann fünf Jahre Europa, sich für seinen zukünftigen Beruf vorbereitend.

Da griff der Zufall schicksalbestimmend in sein Leben ein, ein Herbarium aus Afrika, das ein jungverstorbener Botaniker ziemlich ungeordnet zurückgelassen hatte, erregte seine Phantasie, und in den Jahren 1864 bis 66 sehen wir ihn als botanischen Forscher am Nil, der Küste des Roten Meeres und in Nubien. Die überreichen Ergebnisse, die er mitbrachte, sicherten ihm die Hilfe der Berliner Akademie, und er konnte 1868 seine berühmteste Forschungsreise antreten, die er später fo anschaulich in seinem WerkeI m Herzen von Afrika" beschrieben hat. Von Chartum aus erforschte er, dem weißen Nil folgend, die Länder der Bongo, Dinka und Niam- Niam, im Gebiete des Mangbattu entdeckte er den großen Nebenfluß des Kongo, den pl-älla. Am Hofe des Mangbattukönigs Mansu fand er auch Männer und Frauen jenes rätselhaften Volkes der Tikki-Tikki oder Akka, der Pygmäen, deren Schilderung durch Herodot man für ein Märchen gehalten hatte, niedrig stehende Zwergmenschen von kaum anderthalb 'Meter größter Höhe. And daneben vermittelte ihm diese Reise eine unend­liche Menge naturwissenschaftlicher, ethnologischer und kunstgeschichtlicher Kenntnisse, die ihm den Ruf eines universalen Forschers einbrachten: tat­sächlich kann man kein Spezialwerk über Ostafrika lesen, ohne oft auf Schweinfurths Namen als den eines Bahnbrechers zu stoßen. Lind Afrika wurde seine neue Wahlheimat, seit 1873 weilte er in Aegypten, forschend, aufbauend, gründete die ägyptische geographische Gesellschaft, wurde Prä­sident desInstitlcks" und der beste Kenner des alten Kemilandes, hochgeschätzt von den Eng­ländern, die schon damals wie grofee Schatten hinter dem Khediven standen.

Der Weltkrieg erst brachte auch ihn end­gültig nach Deutschland. In b efer langen Zeit, die seit 1888 wenigstens jeden Winter einen afrika­nischen Aufenthalt brachte, wuchs sein Ruhm ins Größte. Vor allem rufjt die Botanik Ostafrilas auf seinen Schultern, aber auch Zoologie, Geo­graphie, Anthropologie. Ethnologie, Linguistik,

optieren. Sie waren danach ganz selbstverständ­lich aber berechtigt, in jedem Falle der Ent­scheidung in Polen wohnen zu blei­ben. Polnische und französische Verdrehungs- künste in ber Auslegung dieser Bestimmungen brachten es aber fertig, daß man trotzdem in Streit über die Optantenfrage geriet. Die deutsche Regierung hat in der Lleberzeugung, daß bei dieser einfachen Sachlage, eine andere Entscheidung gar nicht möglich sei, eingewilligt, eine Schiedsgerichtsentscheidung her­beizuführen. Der Vorsitzende der Oberschlesi­schen Völkerbundskommission, ber holländische Rechtslehrer Kaekenbeck hatte diese Ent- scheibung zu geben. Am 30. August 1924 wurde sie in Wien verkündet. Herr Kaekenbeck nahm folgende erstaunliche Stellung ein: Jeder der beiden Staaten hat das Recht, gegebenenfalls alle Einwohner, die gegen ihn op­tieren, aus seinen Grenzen zu ver­weisen, aber die Ausweisung darf frühestens mit dem 1. August 1925 beginnen.

Der kluge Holländer hatte vermitteln wol­len und hatte geglaubt, daß niemals einer der beiden Staaten seine fleißigen Bürger in Massen zur Ausweisung bringen würde zum Schaden des eigenen Landes. Er hatte damit den Maß­stab von seinem eigenen Kulturvolle genommen, aber nicht bedacht, daß Polen eben kein Kulturvolk i ft. Der Pole war natürlich nach seiner ganzen nationalen Einstellung, ohne jede Rücksicht auf die wirtschaftliche Auswirkung auf fein Land, nur darauf bedacht, den deutschen Wohlstand in Polen zu vernichten oder an sich zu bringen. So begann für die deutsche Be­völkerung, eigentlich überraschend, jene beispiel­lose Austreibung zum 1. August. Zu Tau­senden. im ganzen waren es rund 40 000 Op­tanten, die ausgetrieben werden sollten, mußten diese Leute fas? über Nacht ihr Hab und Gut und Heimat verlassen und wurden über die Grenze getrieben. In wenigen Tagen waren 11 300 dieser Llnglücklichen, meist kleine Bauern. Kaufleute und Handwerker, in Schneidern ü hl zusammengeströmt. Sie suchten Obdach, Hilfe in ihrer Verzweiflung und Nahrung, und fanden leider eine Aufnahme, die jeder Beschreibung spottete.

Nicht nur die deutsche Oefsentlichkeit. son­dern auch die ganze Kulturwelt nahm entrüstet Anteil an diesem Zuge des Elends. Aber diese Entrüstung richtete sich leider nicht in erster Linie gegen das in mittelalterlicher Rohheit handelnde Polen, sondern gegen Deutsch­land. welches diese Vertriebenen so kläglich ausnahm. Wieweit ist dieser Vorwurf berech­tigt? Die Reichsregierung hatte schon im Januar und danach im März b. Is. mit der preußischen Regierung Fühlung genom­men, nm eine zweckmäßige Aufnahme und spä­tere Unterbringung der Optanten in Arbeits­stellen zu ermöglichen. In Preußen, dessen In­nenminister für diese Angelegenheit zuständig ist. war man der Anregung insofern gefolgt, als man der Regierung in Schneidemühl die Vorbereitung für die Unterbringung etwaiger Optanten zum 1. August aufgab. Das Flücht­lingslager bei Schneidemühl wurde dann langsam wieder hergerichtet. Diese ehe­maligen Riefenhallen der Albatroswerke waren am 1. August in der Lage, rund 3000 Flüchtlinge ordnungsgemäß aufzunehmen und im Notfall diese Zahl etwa bis auf das Doppelte zu stei­gern. Für einen Riesenandrang von nahezu 12 000 Menschen war man aber nicht eingerich­tet. Der preußische Innenminister hatte ein solches Zuströmen von Vertriebenen nicht erwar­tet, und wenn man einen Vorwurf erheben soll, so muß er der fein, daß man nicht recht­zeitig große Geldmittel gegeben hatte zur Ausgestaltung des Lagers, weil eben der Minister die hassende polnische Seele nicht in Rechnung gezogen hatte.

Wer das Elend in diesem Flüchtlingslager in Schneidemühl einmal selbst hat sehen können, wie ich das konnte, dein werden diese Ein­drücke durch das Leben folgen. Dabei war am 19. August, als ich das Lager sah, ber schlimmste Ansturm schon vorüber. Es waren nur noch 3000 Menschen im Lager, weil die Lagerdirektion und die Wohlfahrtsstelle in geschickter Zusammen­arbeit schon Tausende der Unglücklichen in ihre zukünftigen Arbeitsstellen gebracht hatten. Bei der Besichtigung der Lagerkojen sah man Elend und Jammer auf Schritt und Tritt. In einem Raum von vier Meter Länge und vier Meter Breite, mit Brettern ver­schlagen und mit Pappe überzogen, standen drei roh gezimmerte Lagerstätten, ein roh zugehauener

Kunstforschung. Geologie hat er entscheidend beein­flußt, es war ihm gegeben, in drei Sprachen sich meisterhaft auszudrücken, deutsch, englisch und lateinisch. Seine Kunst war es. alle Wissens­gebiete zu verknüpfen und sie gegenseitig zu be­fruchten. Wenn er bei den Niam-Niam zum Bei­spiel beobachtete, daß die dortige Wildkatze, die sogenannte Falbkahe, auffallend leicht sich zähmen lieh, so verknüpfte er das mit den Funden von Kahenmumien in Aegypten aus dem dritten Jahrtausend, stellte fest, daß diese Mumien ur­sprünglich echte Falbkahen waren, die in den Tempeln der Göttin Bast gezähmt wurden, daß um 1500 v. Ehr. diese Katzen aber schon unserer Hauskatze gleichen und brachte damit den Be­weis. daß unsere Kater von der innerafrikanischen Falbkahe abstammen. Dies nur ein Beispiel für tausende.

Seine ungeheure Arbeitskraft mag aus einer einzigen Zahl zu erkennen sein: die Menge seiner Arbeiten und Bücher, seiner größeren Aufsätze und Abhandlungen beträgt fünfhundert. Lind wenn er jetzt seine gediegene Gelehrtenwohnung in Berlin-Schöneberg verlassen wird, deren Wände in beredter Weise von seinem reichen Leben erzählten, so schlingt sich auf seinem Sarge um die Palme des grofeen Gelehrten der Lor­beer des Künstlers und des Menschen, der seine Jahre köstlich, nämlich in unermüdlicher frucht- reicher, tiefsinniger, gedankenstarker Arbeit voll­endet bat.

Japanische Anzeiqen-Pocsic.

Während bei uns in der Reklame der sachlich praktische Geist der Amerikaner sich immer mehr durchsetzt, lebt in dem Anzeigewesen der Japaner, deren Weltanschauung so viel mehr ästhetisch ein­gestellt ist, die blühende Phantaste und Poesie des Orients. So wird ein erfrischendes Konkett mit den poetischen Worten angeboten:Vom Süden weht der Wind: unter den grünen Schatten die Schön­heit der Natur. Kühle, von Menschen geschaffen. Selbervergeffen und verändert. Gelegentlich ein Stück ein Genuß." Ein anderer Text lautet:Cal- pie ist ein Orchester von Wohlgeschmack, ein Schluck

Tisch und ein Stapel von Reisekörben und Truhen. Zwischen diesem Hausgerät wohnten noch am 19. August zwei Familien mit zu­sammen dreizehn Köpfen. Wenn auch andere Wohnräume nur mit einer Familie belegt waren, und man schon den Eindruck gewann, als ob man sich beruhige und wohnlich einzurichten bemühe, so kann man sich doch leicht ausmalen, welch ein Jammerbild dieses Lager geboten hat in den ersten Tagen des August. Daß man es vermocht hat, in diesem Jammer lager den Ausbruch von Krankheitsepidemien zu verhindern, ist als an­erkennenswerte Leistung zu bewerten. Cs ist im Lager manches getan, das Elend zu lindern: aber die Verzweiflung über den Ver - l u st ihres Hab und Guts der Pole hat Bauern mit 50 Morgen Land abgefunden mit 3 bis 4000 entwerteten polnischen Gulden hat man den armen Vertriebenen so schnell nicht nehmen können. Es sind dort Fälle vorgelommen, wo aus dieser Verzweiflung der Flüchtlinge voller Wahnsinn geworden ist. Man hätte die amerikanischen und englischen Delegierten der Kirchenkonferenz in Stockholm, die da begeistert für den Völkerbund eintraten, in das Schneide- mühler Lager führen sollen. Sie würden gewiß bald erkannt haben, daß die, Worte unserer deutschen-DelegiertenDer Völkerbund könne von uns Deutschen nicht als religiöse Macht ein­geschätzt werden, sondern er sei für uns viel­mehr der Bürge für einen unerträglichen Zu­stand" selbst kirchlich als sanft und mild an* zufehen sein.

Was wir aber dem Herren Innenminister Severing im Parlament zu sagen haben werden, wird das sein, daß er endlich d i e Seele des Polenvolkes richtig werten und sich, frei von internationalen Verbrüderungsideen, nüchtern danach einstellen soll. W:nn er das tut, dann muß er unverzüglich und mit größten Mitteln das Flüchtlingslager in Schneidemühl so ausbauen lassen, daß die etwa für den Winter dadrin verbleibenden Vertriebenen eine menschen­würdige Wohnstätte haben und daß die zum 1. November schon zu erwartenden nächsten Zuzüge unserer unglücklichen Volks- genossen dort ein Heim finden, welches ihnen das Gefühl gibt, unter ihren Vollsbrüdern und in ihrem Heimatland zu sein. Die Reichs- regierung muß aber gebeten werden, in dem gleichzeitig von Polen leichtfertig gegen Deutsch­land vom Zaune gebrochenen Zollkriege durchzuhalten und hart zu sein. Polen hat diesen Streit gesucht, um das verhaßte Deutsch)land zu schädigen, obwohl es wußte, daß es sich selbst schwere Wirtschaftsschäden zufügen würde. Nun ist es notwendig, da wir die Stärkeren find, den Polen die Wirtschaftswunden in diesem Kampfe fo schmerzhaft wie möglich >n niachen. Das allein kann die größenwahnsinnigen Führer I dieses polnischen Wackelstaates bekehren und in der Furcht vor der deutschen Kraft von späteren ilnfinnigfeiten und Barbareien abl: asten.

Gesundheit und Arb.it.

Von Dipl.-Jng. Mangold.

Nachdruck verboten.

Von Mitte bis Ende September findet in Essen zugleich mit der zweiten Jahreshauptversammlung für Gewerbehygiene eine Fachausstellung statt, welche zwar nicht mit großen Schaustücken aus dem Gebiete der Technik aufwarten kann, aber doch wegen ihres alle Kreise aufs lebhafteste interessie­renden Inhalts einen großen Besuch haben wird. Es ist die erste deutsche F a chw e r k a u s st e l - lang für Gewerbehygiene und Unfall­verhütung.

Wir alle wissen ja und lesen es täglich in den Zeitungen, wie viele Opfer die Stätte der indu­striellen und gewerblichen Arbeit täglich fordert. Dazu kommen noch die vielen Krankheiten, die durch die berufliche Tätigkeit verursacht oder be­günstigt werden. Dadurch werden nicht nur große Lasten der Wirtschaft aufgebürdet, sondern, was nach viel mehr ist, kostbare Menschenleben frühzeitig vernichtet und ihre Arbeitskraft der Familie und der Allgemeinheit viel zu früh entzogen. Es ist des­halb begreiflich, daß von Behörden. Arbeitgebern und Arbeitnehmern alles mögliche getan wird, um diese Gefahren auf ein Mindestmaß zu beschränken. Es ist dies aber nur dann mit Erfolg möglich, wenn alle beteiligten Kreise, vor allen Dingen die An­gestellten und Arbeiter selbst die natürlichen Ge­fahren ihres Betriebes und die Mittel zu ihrer Ver- , Hütung und Unschädlichmachung in weitgehendstem Maße kennen. So ist denn hier in Essen unter der Mitwirkung der maßgebenden fachlichen und indu- ,

als Probe, und die Zunge beginnt zu tanzen." Ober:Dem würdigen Hausherrn sei ein Glas emp­fohlen : et gibt ihm Energie. Der lieben Frau fei ein Glas empfohlen und es gibt Frieden." Eine große Rolle spielen in der japanischen An­zeige die Jahreszeiten und die einzelnen Monate, deren Kult sich das Volk von Nippon von alters- her hingibt. Die Kirschen-und Pflaumenblüte wird . ebenso verwendet wie die schneebedeckte Kiefer zur Neujahrszeit und der rinnende Regen im Juni. , Wie gefchult der Blick des Japaners für bildliche s Andeutungen ist, beweist die Anzeige einer Par- , fümhandlung, auf der eine Schnecke an einem | Bambuszweig in die Höhe kriecht: sie verkörpert | die Regenzeit und macht den Betrachter mit einem I Schlage den Sinn der Anzeige offenbar: Das Par- I füm wirkt so erfrischend, wie Geist und Körper durch < die Regenzeit frisch werden, und steigert die Lei­stungsfähigkeit so, wie die des Bambuszweiges, wenn er ausschlägt. Neben den Jahresfesten, auf die in ! den Anzeigen Bezug genommen wird, verwertet man auch sofort außergewöhnliche Ereigniffe. Eo erschien nach dem großen Erdbeben im vergange­nen Jahr eine Anzeige der Kao-Seife:Für die, die sich mit dem Mut der ausgehenden Sonne dem gro­ßen Werk des Wiederaufbaus widmen Kao-Seife. Sie erfrischt morgens und verleiht abends freudige Belebung." Eine Firma brachteErdbeben-Pillen" ' gegen Kopfschmerzen und Fieber heraus, und die be­kannte Firma Maruzen zeigte an:LlnfereFabrik ist ' glücklich der Katastrophe entronnen und bemüht sich wie immer, erstklassige Tuschen und Tinten her­zustellen. In jeder Schreibwaren- und Buchhand- 1 lung zu beziehen."

Das größte Glockenspiel der Welt.

I. E. Rockeseller jun. hat zum Andenken l an seine Mutter einer Baptistengeme.nde in 1 Neuhort ein Glockenspiel von 53 Glocken ge- I schenkt, das dieser Sage zum ersten Male ge- I spielt wurde. EL ist das größte Glockenspiel ber 1 Welt und hat 60 020 Dollar gekostet. Die größte | Glocke wiegt 9/» Tonnen, d'e kleinste nur zwölf ; Pfund. Das Gesamtgewicht der in England ge­gossenen Glocken beträgt 50 Tonnen.

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