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Nr. sty Zweites Blatt

GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 25. Mai 1,92'

Außenpolitische Umschau.

Aon Prof. Dr. Dito Hoetzsch, TL d. R.

Die große außenpolitische Debatte der letzten Woche im Reichstag tonnte naturgemäß nicht viel bringen, was nicht schon vorher wenigsten in großen Wmen durch die hebe des Kanzlers festgelegt war. -'inn kann und, nicht sagen, daß sich die gesamte ciiin- ion in der legten Woche geklärt oder gebessert habe. .Immer noch ist Köln besetzt und das deutsche Tenragsrcdji nicht gewahrt. Immer noch wartet Deutschland auf die Mitteilung der Kon« trollnote ,"id den endlichen Schluß mit dieser rn n zen Quälerei und Schikane. Immer noch ist eine vinlu vt aus die deutsche Bereitwilligkeit, an der Sicherheitserörterung teilzunehmen, non der aus der anderen Sei'e ja maßgebenden Stelle, nämlidj Frankreich, nicht erfolg,. Nachdrücklich war im ''teiltet.", festzustellen, daß für Deutschland in die fen Verhandlungen schon die Reihenfolge eine c »der e ist als sie arf der Gegenseite aujgeführt wird. (Es scheint doch, als wolle Brian d erst 2) c ti 1 f d) I n n b 5 (Eintritt in d e n Völker- du Nil hoben, ehe eine Sicherheitserörte- i unn in Kraft trete und als wolle er sich die (Ent- jcheidl'ng Frankreichs vorbehalten und sich nicht aus einen festen Termin fefilegen und binden. Für 2'cnt|d)l<inb ist die Reihenfolge umgekehrt. (Erst muß ' oin geräumt sein und Schluß mit der >.'? i l i t ä r k on t r o l l e gemacht iverden. Dann müssen wir Sicherheit haben, daß in der berühmt . n Völkerbundsmilitärkontrolle die geplan­ten ständigen (Elemente der Kontrolle nicht auf- treten, mit denen ja Frankreich seine Stellung am Rhein trotz alledem verewigen wurde. Dann erst komm, die Frage der Sicherheit unter der immer zu wiederholenden Voraussetzung, daß Deutschlands Lebensinteressen dabei gewahrt und Deutschland als gleichberechtigte Macht und der Gleichwertigkeit der Zugeständnisse von allen Seiten behandelt werde. Zuletzt der Völker­bund und die deutschen (Einwände nnb Voraus­setzungen, insonderheit Artikel 16. (Es kann feine Rede davon fein, daß sich Deutschland in den Völ kerbund hereinziehen ließe, ehe nicht alle unsere Bedenken gegen die damit drohenden gefährliche Bindung mi5 der Welt geschafft seien.

Sachlich wußte auch die Sozialdemo- d c m o t r a t i e gegen alles dieses nichts zu sagen. Wenn sie trotzdem |o entschieden für Völkerbund und Garantiepakt cintritt, so tut sie das in der be­kannten verhängnisvollen Vermischung von äuße­re, und innerer Politik, wobei unter der letzteren gleich die Parteipolitik verstanden wird. Man sucht die Parteisuppe zu kochen an Fragen, in denen das deutsche Volk im ganzen einig sein mußte und in denen, wie die ganze Reichstagsdebatte bod) dem Unbefangenen zeigte, bei einigermaßen gutem Wil­len eine (Einigkeit auch hergestellt werden l a n n.

Auf der anderen Seite aber nichts Neues, mit Ausnahme der amerikanischen Schulden note, in der die Schuldnerstaaten, also nament(id) Frankreich, recht energisch jetzt dazu gedrängt wer­den. an die Fundierung der Kriegsschulden zu gehen. Sonst immer noch dieses fortwährende Hm und f)cr von Pressemeldungen, auf die es sid) nicht lohnt einzugehen.

Das Weitere hängt davon ab, wie die immer wieder angefiinbigte große Note Briands über den Sicherheitspakt ausgehen wird und ob nun endlich (England und Frankreich sich in ber (Entwaffnungsfrage unb ber Kölner Ange­legenheit einigen. Diesen Dingen hat Deutsd)lanb nut Reserve zuzusehen, denn es hat bas Seine gc- tar und es muß nur immer wieder und so einig unb geschloßen und nachdrücklich wie möglid) das ! in eiende Unrecht betonen, das in ber ganzen Bc Handlung der Stontrollfragc unb ber Kölner Zone ruht.

Cm VIIlare st und Moskau Hal auch bie Su.:erhciisfrage eine Rolle gespielt, dort bei der a s den Kongressen Sowjet« R. >1 , die alljährlich ftattfinben. Dr. Benesch

glaubt in diese Sicherheitserörterung die A n - schlußfrc, ge beschlossen, sieht schon Oester- rcidi mit Deutschland vereinigt und macht dagegen manu V r ficht Libei gtgen Windmühlen unb sieht nur, daß es für ihn ungemein schwierig ist, wenn Musik mit Dierteltönen.

Von Willy Möllendorsf.

Am Dienstag, dem 26. b. TL, wirb Herr Komponist Willy Möllenborfs einen Vortrag am bichromatischen Harmonium über die Musik in Vierteltönen halten. Wir haben deshalb den Erfinder gebeten, etwas über fein neues Instrument unb seine Möglichkeiten zu sagen. Die Rebaktion.

Seil dem Beginn der Entwicklung unserer abendländischen Musik, also seit rund tausend Iah- ren, hat sich am S y st e m ihrer Töne nichts ge­ändert Die niclen großen Umwälzungen, die die Tonkunst seitdem erlebte, lagen auf anderen (Ge­bieten, und zwar auf dem der Harmonie, des Kontra- punktes, bei Melodie, ber Form, ber Farbe ufw. Nach allen diesen Richtungen gab es eben mehr als reichlich zu tun, unb daraus erklärt es sid) denn zur Genüge, daß in früheren Zeiten niemand darauf ver­fiel. an der Basis der Musik, am System ihrer Töne, auch nur im geringsten zu rütteln. Ader ich meine: Heute hat sid) die Musik auf allen diesen anderen Gebieten nun wirklich soweit entwickelt, daß wir cnMid) auch an eine Ausgestaltung ihres Unterbaues, an eine Bereicherung ihres Tonmaterials denken dürfen. Dies der äußere Grund für die Einführung non B i e r t e l t ö n e n.

Aber gewichtiger noch spricht eine innere Not- wenoigkcn dafür. Diese heißt: Steigerung der musi- fakidien Ausdruckspotenz durch Weiterentwicklung de. harmonischen Elementes! Denn dies ist das huupmmdidie Ausdrucksmittel der Tonkunst. Eine solche Weiterentwicklung scheint nämlich auf der Basis i- alten zwölfstusigen Systems kaum mehr möglid) Vielmehr türmt sich die alte Basis schon lange allem , ort schreiten auf dieser Straße als hem- menber Häuserbloch entgegen. So ist es gekommen, daß unsere l ebe Frau Musika heute in ber Sack­gasse der melodie verarmten Ueber-5)armonie fest­sitz: Damit sich ihr nun das Dunkel dieser Sackgasse zur freien Vahn mr wusend unb abertausend Jahre ihre: Wege-' e'h. Ile. menben wir dasselbe Mine, an, das wir j 1 c m a I anroenben, wenn ein alter Häuserblock am nbe einer Sackgasse uns nicht länger Lust und Lid.: nehmen nicht länger ein Fortschreiten in d'r eii:ncfd?lagtnen Richtung unmöglich machen soll: Wir legen umad: eine neue Straße mitte i bi.rch den a.ten Block hii'durd;! Verdoppeln wir al(o

er bie kleine Entente zu einem aggressiven Zweck zusammenbringen will, bies burchzusegen. Denn die Interessen der einzelnen Teilnehmer gehen eben recht ausetnanber. In Jugoslawien interessiert man sich für ben Kamps gegen ben Boi j d) e ro i 5 m u s , aber in Bukarest hat man nichts bagegen gesagt. Denesch ist erfüllt von der Angst, Oeftereid) wurde sich mit Deutschland ver­einen können. Das interessiert wiederum in Jugo­slawien wenig, in Bukarest gar nicht. Und wenn die Großmächte über die Sicherheitssrage sprechen, fühlt bie kleine (Entente sich beiseite geschoben und sie fühlen, baß sie von ben Großmächten nur pa- pierne Äunbgebungen zu erwarten hat.

Die Reben in M o s k o u über bies Thema haben ganz große weltpolitische Aussichten gezcid) net, wie englisch-russischer Gegensatz über ganz Asien hin unb begleichen mehr, werden ziemlich beutüd) um Frankreich unb hatten eine kritische Spitze gegen D e u t sch I a n b. wenigstens, wenn es die Sicherheitserörterung weiterführe und in den Völkerbund eintrete. Dann würben sid;, sagt Tschitscherin, bie Beziehungen zwischen Deutschlanb unb Roßlanb burchaus ändern. W a r- u m eigcntlid)? Davon ist doch feine Rebe, was man in Moskau an die Wand malt, daß sid) Deutschland in eine antibolschewistische Koalition hereinziehen unb von der (Entente gegen Rußland ausspielen ließe. Und der Widerspruch gegen den Artikel 16 ber Völkerdunbsakte geht von Deutsch­lanb ja bod) vor allem von ber Rücksicht auf seine Beziehungen mit Riißlanb aus und auf die Gefahr, in einen russisch-polnischen Konflikt hineingeriffen zu werben. Das Programm ber deutsch-russischen Beziehungen liegt im 'Vertrag von Rapallo' fest: davon abzuweichen, wäre gegen die Lebensinteressen Deutschlands, aber auch Rußland.. Unb davon ist heute feine Rede, daß für Deutschland nur eine Orientierung nach Westen oder nach Südoslen in Frage käme. Wir müssen bie Lage nutzen, wie sie ist unb wir müssen Freiheit für bie beutsche Politik nach außen haben. In Mos­kau aber kann man barüber ganz ruhig fein, daß in Deutschlanb niemand baran denkt, sid) in eine Front gegen Rußland hineinziehen zu lassen unb kann überzeugt fein, daß überhaupt eine große antirus fische Koalition bei ben Verschie­denheiten ber Großmächte unb nach allen Erfah­rungen ber letzten Jahre eine vollkommene Utopie ist. Kriegen es bod) nicht einmal bie Staaten ber kleinen (Entente, die einander so nahe- lirgen, fertig, sich in eine antibolschewistische Front zufammenzusinden. Aber denen, die in Deutsch- land so begeistert und vorbehaltlos für Sicherheit nnb Völkerbund sind, denen soll allerdings auch ge­sagt sein, baß die Erwägung darüber auch ständig im Blick auf die deutsch-russischen Beziehun­gen unb uebenbe/ gesagt auch auf bie deutsch- ameri konischen Beziehungen angestellt unb weitergeführt werben müssen. Das gehört auch zu den Lebensinteressen des Deutschen Reiches. Schließ­lich liegt bie Gefahr einer russisch-französischen An­näherung mit ihren selbstverständlichen gefährlichen Folgerungen für uns doch nicht ganz außer aller Möglichkeit.

Das heißt also im ganzen, woraus vor allem sitzt hingewiesen wirb: Nicht nur Reserve unb Zu­rückhaltung ist bie Pflicht der deutschen Politik, son­dern and, Selbständigkeit sie hat immer auf der Hut zu fein, nicht unvermutet in irgendein ganz anberartiges Interesse herein zu geraten. Sie fall immer in allererster Linie fragen, was ber eigene Nutzen unb das eigene Interesse gebietet. Kaum je seit dem Kriege war diese Ver­pflichtung der Außenpolitik selbständig zu halten, so groß wie heute. Trotz unserer schwierigen Lage hat Deutsd)land bann die Möglichkeit, aus dieser aktiven Politik Vorteile zu ziehen. Und wenn aus dem Nebel der aegenwärtigeu Besprechungen sich zeigt, daß man Deutschland nicht als gleichberech­tigte Macht mit gleichmcrtiacn Ansprüchen und Zu­geständnissen behandeln will, bann muß die Selb­ständigkeit der deutschen Politik auch zu der Ent­schlossenheit führen, die Verhandlungen scheitern zu lassen!

die Zahl der Tonstufen! Alles Dunkel und alles Enge muß bann auch hin fdurinben, denn wir gewinnen so die neue helle unb drecke Straße des vierund- z w a n z i g ft u f i g e n Svsteu.s. und damit läge bie Bahn frei für eine ui.gch'mm.e Weiterentwicklung ber Harmonie. des hauptsächlichen Ausdrucksmittels ber Tonkunst, unb bmiif ber Musik, ber Ausbrucks- kunst selbst

Zur Steigerung der Ausdriicksfähigkeit ber Melodie verwenden wir ja schon heute (beim Portamento unb Tremolanbo) nicht im System vor- haiibeiii. Töne, als" kleinere als Halbtonschritte, und deshalb ist eigentlich kaum baran zu zweifeln, daß auch die Harmonie bind. Verwenbung solch kleinerer Zwischenstufen an Ausdruckspotenz gewinnen wirb. Daß mir nun ferche zwölf neue Stufen einfchalten, unb baß wir diese gerade im Viertel tonabftanb zwischen die allen legen, erklärt sich aus der Not­wendigkeit, bie Symmetrie des ganzen Systems nicht zu störe»,» Diese mürbe nun allerbings auch durch bie (Einfügung von Achteltönen aufrechterhalten blei­ben, aber bie Vierteltöne haben da bod) wohl den Vortritt Vielleicht wirb ber musikalische Teil ber Menschheit in abermals taufenb Jahren an Achteltöne denken müssen. Ich weiß es nicht. Dor- löufig, d. h. für viele Jahre ber Entwicklung, dürften die Visrteltöne genügen.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: In der neuen oierunbzwanzigsiufigen, also d i ch r o m a - tischen Skala, bleibt unser altes Halbtonsystem völlig unangetastet, der Komponist ist infolge des bloßen Vorhandenseins von Vierteltönen somit keinesfalls gezwungen, diese nun unaufhörlich zu verwenden. Denn so wenig wie das heutige Chroma die heutige Diatonik unmöglich gemacht hat, so wenig darf das zukünftige Bichroma die heutige Ehromatik unmöglich machen. Diatonik, Ehromatik und Bichromatik mögen vielmehr friedlich im Ge­hege des neben Tonparks beieinander wohnen. Kei­nesfalls will ja auch die Bichromatik alles von Grund auf zerstören, sondern ganz im Gegenteil nur alles Don Grund auf höher entwickeln. Soviel in gedrängter Kürze über das Theoretische der Sache.

Ich stehe nun aber allen Theorien, somit auch meinen eigenen, sehr skeptisch gegenüber. An die Möglichkeit eines Musizierens mit Dierteltönen kann auch ich deshalb so recht er ft glauben, seitdem ich in ber glücklichen Lage bin, mir solche Musik mit Hilfe meines bichromatiichen Klaviers ((Erbauer: P. Strobel

Die Straßenbahnfrage Gießen Wieseck.

In Nr. 96 vom 2.5. April haben mir einen Artikel unseres Wieseckcr Mitarbeiters veröffentlicht, in bem über ben bamaligen Stand der S t r a ß c n- bahn frage G i e ß e n W i e s e cl berichtet wurde. Rach diesen Mitteilungen durfte man einigen Optimismus hegen hinsichtlich eines baldigen, bei- berfeits bc-riebigcnben Abschlußes der Verhand­lungen. Unser Gewährsmann kleidete die allge­meine Auffassung unb Hoffnung Wiesecks in ben immerhin vorsichtigen, ober trotzdem im Grunde hoffnungsvollen Satz: ..Treten keine neuen odjroie. rigfeiten ein unb wird bie Vorlage in Bälde ver­abschiedet, so ist zu hoffen, daß bie Bahn noch in diesem Herbst in Benutzung genommen werden fann. Dieselbe Stimmung, die damals in Wieseck herrschend war, erfüllte auch weite Kreise unserer Gießener Bürgerschaft, namentüch Angehörige der Geschäftswelt, wie uns aus Zuschriften unb mfinb- lichen Aeußerungen bekannt ist.

Wer nach jenem Bericht unb auf Grund ber Tagesorbnung für bie jüngste nichtöffentliche Stadt­verordneten Sitzung auf einen raschen Fortgang der Verhandlungen gerechnet hatte, wohlgemerkt im Interesse beider Gemeinwesen!, der wird jetzt eine gewisse Enttäuschung empfinden. In jener Stadtverordneten «itzung tarn nämlich bie Vorlage ber Verwaltung überhaupt nicht zur Beratung, son­dern sie wurde zurückgestellt: aus welchen "Önin- ben unb auf wie lange, entzieht sich unserer Kennt­nis. In Wieseck, wo man noch am gleichen Abenb von ber unerwarteten Wenbung erfuhr, machte sich alsbalb ein gewisser Stimmungsiimschmung gcltcnb, der uns für bas förbernsroertc Projekt selbst unb aud) für sehr gewichtige Belange unserer Stabt Gießen bebenklich erscheint, unb auf besten even­tuelle Auswirkungsmöglichkeiten vffentlid) hinzu- roeifen wir als unsere publizistische Pflicht ansehen. Man kann unb muß es vorstehen, baß eine so große Gemeinbe wie Wieseck mit allen Kräften, auch unter Uebemaßme beträchtlicher Gelbopser, bonach strebt, aus ber jetzigen Verkehrsmittel-Kalamität her- auszukommen. Die Eisenbahnlinien führen beiber- feits weit an bem Ort vorbei, Postautowagen, deren Dienst braußen in ber Provinz weit kleine­ren Orten zur Verfügung steht, fehlen, die Gießener elektrische Straßenbahn aber bietet eine nicht bie einzige! Möglichkeit, bem Verkehrsmittel- mangel abzuhelsen. Kein Wunber, baß sich bie Augen ber Wiesecker zunächst auf diese Möglich­keit richten, die zu nützen man in der Nachbarge, meinbe entschlossen ist, selbst unter erheblichen Opfern unb unter Uebernaßme eines zweifellos weitgehenden Risikos. Soweit das Wiesecker Inter­esse. Auf ber andern Seite sind aber aud) die Gie­ßener Interessen an einem Ausbau unserer Stra­ßenbahn nndj Wieseck unb später barüber hinaus recht beträchtlich. Unserer Gefd)ästswelt werden dar­aus zweifellos mancherlei Belebungsmöglichkeiten erstehen, unb bie Straßenbahnlinie in ber Mar­burger Straße bürste gleichfalls eine erhöhte Fre­quenz erfahren, wenn ben Wieseckern Gelegenheit gegeben ift, mittels ber Straßenbahn bie ganze Wegstrecke von ihrem Heimatort bis nach Gießen unb zurück fahren zu können. Dazu kommen bie weitreichenden kommunalwirtschaftlichen Expan- sionsmöglichkeiten, die Gießen nach Wieseck zu unb darüber hinaus für bie Zukunft nffenftehen, wenn es sich denWegnicht selb st verbaut. Der Ausbau unserer Straßenbahn, jetzt nad; Wieseck, später barüber hinaus nach Alten-Buseck, Beuern und Bersrod ist bas Mittel, Gießen ben Weg nach dort ftäbtepolitifd) offen zu halten unb ihm eine aufwärtsgerichtete Zukunft vorzubereiten. Das finb, in großen Umriffen gezeichnet, die großen nnb höchst bcbeutungsDolIen Gießener Interessen an biefer An­gelegenheit, bie jetzt klar erkannt unb entschlossen verfolgt werden müssen.

Es sieht nun leider so aus, als ob dieses klare Erkennen einer Notwendigkeit aud) für (Hießen und bie wagemutige Entschlossenheit zum Einnehmen eines wichtigen Gießener Zukunstssprungdretts in den zur Entscheibung berufenen Gießener Kreisen noch nicht allgemein finb unb daß aus diesem Um- stand ein gewisses Festfahren ber Sache heroor- gegangen ist. Aus diesem Zaudern befürchten wir

Nachteile für untere Stabt in boppdicr Hinsicht i. deren Heraufbeschwörung wir dringend war, . möchten. Einmal befürchten .. .

Gelegenheit, zum andern, wenn da Straßen. al)ii- Projekt jetzt wieder, unb damit wohl für alle Zeit, scheitert, das Erscheinen von Derkehrseinrichtung n von Wieseck her in unserer Stabt, die uns auf Die Dauer sehr unangenehm werben könnten Wir ver raten kein Geheimnis, wenn wir barauf Hinweisen, daß ber Wiesecker (Remeinberat, falls über bas Stra ßenbabnprojekt keine Einigung zwischen ben beiden Körperschaften zustande kommt, allen Ernste die Einrichtung einer H u t o Dm nibusoerbin- düng zwischen Wieseck und dem Gieße n e r Bahnhof mit folgender Ausdehnung nach Alten-Buseck, später vielleicht auch über Gießen nad) Krofdorf ins Auge gefaßt und nad) dieser Richtung Hin schon Eisen ins Feuer gelegt Hat. Wie uns von Wiesecker eingeweihten Personen ausdrücklich betont wirb, soll barin nicht etwa ein Druckmittel gegen Gießen zu erblicken sein, sondern man will sich damit für den Fall bes Scheiterns des Straßenbahnprojekts nur eine anbere Möglichkeit offen Halten, die gestattet, unter allen Umftänben aus der jetzigen Verkehr Misere herauszukommen unb dem Unternehmen bi Rentabilität zu sichern. Diele Bestrebungen lann m . der Nachbargemeinde wohl kaum verdenken. für G-- ßen aber wäre es zu bedauern, wenn diese Einrich hmg zur Tat würbe. Diese Wagen, die natürlid sch: großes Ausmaß und entsprechendes Gcivic.: hat.en, könnten ihren Weg wohl nur durch die Oft anlage, Sübanlage, Franks. Straße, zum Bahnhof, bzw. über bie Norbanlage und Robheimec Straß' nehmen, sie würben dabei leider gerade Straß berühren, bie mit ihren schönen Anlagen vielen Mii bürgern eine Erholung finb. Was das Erscheinen solcher Ungetüme in früher Morgenstunde |üi r etraßenanlie(jcr, im Verlauf des Tages noch da.', i in trockener Sommerzeit als wenig angenehm Zuwachs zu dem ohnehin red)t starken Autovcrke in icncn Straßen für die übrige Einwohnerschaft zu bedeuten hätte, brauchen wir nicht nod) aus einanderzufetzen. Unb baß diese Wagen unser Sira ßenpflaftcr gar halb ruinieren unb ber Stabt dadurch erhebliche Mehrkosten für die Straßenunterhaltung aufzwingen würben, bas wäre eine weitere sehr üble Folge. Die Rechtslage ist aber heute noch jo. daß Gießen gegen diese Benutzung seine- Straßen keine Handhabe besitzt, baß wir allostillhalten" müßten. Darüber hinaus würde natürlich eine Wie secker Autolinie, bis Alten-Buseck bzw. Krofdorf ge führt unb geschickt betrieben, uns auch die Möglich­keit beschneiden, später un ere Str ßcnl Ueberlandbahn dorthin ausjiibanen. Dos sind Aus­sichten unb Tatsachen, bie man in Gießen bei der Behandlung ber Straßenbahnfrage nicht unbeachtet lassen kann. Wer Gelegenheit hatte, mit führenden Wiesecker Personen über diese Angelegenheit zu sprechen, konnte die hier niebergeschriebenen Ge

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in Frankenhausen, Kyffh.) und Harmoniums ad au res zu demonstrieren. Dies zweite Instrument hat mir bie Harmoniumbauanstalt Straube (Otto Pappe­ln Berlin innerhalb weniger Monate angefertigt, nachdem zuvornatürlich" viele andere erste Fabriken bie Ausführbarkeit meiner Pläne bezweifelt, wo nicht geradezu alstechnisch unmöglich" erklärt hatten.

Die van mir erfundene Klaviatur (D.R.P.) unterscheidet sich von ber gebräuchlichen vor allem durch bie (Einfügung brauner Tasten, die zum Spielen ber Vierteltöne dienen. Die schwarzen Tasten sind schmäler geworden; die neuen braunen Tasten finb nur halb so hoch wie bie schwarzen, außerbem verschwinden sie streckenweise unter den weißen. Durch diese zum Teilunterirbifdje" Führung ber braunen Tasten stehen bie weißen fast ihrer ganzen Länge nach bem Spieler zur Verfügung, was noch wie vor unbedingt nötig ist. Aus aUerbringenbftcn Gründen ber Praxis habe ich bie Klaviatur fo ge­staltet, baß sich nicht bloß jeber Spieler von Tasten­instrumenten sofort barauf zurechtfinbet, fonbern baß man auch Musik ohne Dierteltöne im wesent­lichen wie bisher barauf spielen kann. Damit beim Spielen von vierteltonloser Musik bie neuen Tasten nun aber nod) weniger stören, hat bas Harmonium noch einen Registerzug, burch ben bie neuen Tasten völlig munbtot gemacht werben können. Wenn also ihr Reben vielleicht Silber ist, so ist ihr Schweigen ganz gewiß reinstes Golb!

Ob nun die neuenHoch"- undTief"-Zeichen nach oben oder unten gewendet finb, ist babei gleich­gültig; bas hängt nur von dem jeweils zur Ver- fügung stehenden Platz ab. (Man denke an bas Notenkopfgebränge bei eng liegenben Akkorben!) Außerbem Alle Versetzungszeichen, bie alten und bie beiben neuen, lasten wir in Zukunft nicht mehr für ben ganzen Takt, fonbern immer nur für bie einzelne Note gelten. Daburch wirb nämlich auch jedes weitere neue Zeichen für bie Aufhebung einer bichromatiichen Veränberung überflüssig. Also: Um Biertelmusik lesen zu können', braucht man nur Zwei neue Zeichen zu lernen unb bazu ein altes (ben Auflöser, bas Ouabrat) zu vergeßen' Das wäre bie ganze Hexerei'

Nun noch einiges Wenige vom lebenbigen Klang ber neuen Musik. Zunächst: Die Dierteltonleiter. Wer sie noch nie gehört hat, ber stellt sie sich wohl als eine Tonreihe vor, deren einzelne ©lieber sich nur mit. Mühe voneinander Unterscheiden lassen, der erwartet Intervalle, bie sozusagen aneinanber Heben. Nichts

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dergleichen ist der Fall. Wohl aber, zum Gluck, das gerade Gegenteil. Jedenfalls gab es bei all den Hunderten von Fachleuten, denen ich Li her mein Instrument vorführte, privatim in iBeriv unb ent lid) bei meinen 6-iden Vortragen in Wien, am 20. Januar im Tonkunstlervercni, am 3'). Januar im Oelterceichucheu M lsikpäk.....

hierüber nur eine Stimme. Da nun aud) r.c-J nie wand gesunden hat. daß der v lerteltonschritt höflich ober aud, nur seltsam Hingt, fo waren wir der schlimmsten Sorgen ledig und können getrost sd>on einige Harmonieoerbinbungen mit bem neuen .Jia- tcritil wagen.

Die ästhetische Wirkung fold)cr Uebergänge ist natürlich grunbverschiedeii von der Wirlung ber bisherigen Art. Die alte Modulation klingt nämlich im Vergleich zu der neuen fast grobkörnig, plump, während bie bichromcitische ganz mt'iibcrjam weich,verschleiert" anmukt. So meinte jedenfalls unlängst Walten Dahms in der Kreuzztg". Unb Julius Bittner geht (in ber Wiener -Neuen Freien Presse") sogar soweit, von der D'chromatik ganz allgemein eine Abschwächung ber Diffcnanjwirfurg z-i eiw.-ricn

Natürlich wirken nun aber nicht alle Vierteltonoerbinbungen gleich gut. (Ei hängt auch hier alles vor; Tonsetzer ab. Auf Einzel- ijeiten einzugehen, verbietet mir jedoch leibe-r der ver­fügbare Raum. Deshalb möchte ich nur rasch noch der Hoffnung Ausdruck geben, daß sid) recht viele Komponisten von Geschick unb Geschmack bem neuen Tonsystem zuwenden mögen, und ebenso rasch nur noch bemerken, baß man für einen Mißbrauch des Systems, fei es, welcher es fei, doch auf keinen Fall das betreffende arme System verantwortlich machen kann. Wer sich eingehender mit der zweifellos brennenden Viertelton-Frage betasten möchte, ben oerweifc ich auf mein BüchleinMusik mit Liertel- tönen", welches gleichzeitig mit einigen kleinen Kom­positionen für bas bichromatische Harmonium dem­nächst bei F. E. E. Leuckart in Leipzig erscheinen wird.

Oberhessischer Kunstberein.

Die Plastik .Stehendes Mädchen", die gegen­wärtig im Turmhaus am Brand ausgefmll' ist, ist Berichtigung der Berichtigung - rklich und endgültig von Bildhauer Erich Haas geschaffen.