Ausgabe 
23.3.1925
 
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flr. 6 / Swettes Blatt

Streik und Fafzismus.

Von unserem römischen rb.-Korrefpondenten.

Rom, Mitte Mürz.

Mit der finkenden Valuta steigen die Lebens hiitfdpreife, die Teuerung bedingt eine Erhöhung der Lo, ne, die Lohnsteigerungen bewirken höhere Warenpreise, den Warenpreisen folgen die Lebens mittelpreise, die Teuerung ufro. Der circulus vi» kiosus ist heute jedem Kind geläufig, aber ihn zu sprengen. Haden die Weisen noch nicht fertigge- bracht. Die Faszisten glaubten einmal, die stören­den Sandkörner in der sozialen Maschinerie mit den Streiks entdeckt zu haben, entfernten daher kurz entschlossen diese Hemmungen durch Verbote und streiken nun selber. Mehr. Sie gehen dabei auf die nämliche Weise wie die Roten, durch dieselben Annäherungsgräben gegen die Front der Arbeitgeber vor, die auch Faszisten sind. Hier stößt man auf den ftern des faschistischen Problems und erkennt wieder einmal, wie vernünftig das oberste Gesetz der Natur ist, die Ungleichheit. Es blieb der mit Recht so gepriesenen menschlichen Vernunft Vorbehalten, ihr das eminent soziale Prin- zip der Gleichheit gegenüberzuftellen und sich einzubilden, die Natur werde den Kürzeren ziehen.

Der Fafzismus wird nun, sofern er einen mel­ieren Blick hat als die oben kommunistischen Gleich, wacher, einsehen, daß er indem gleichem Augen­blick, wo er sein Ziel, die Faszisierung aller, er­reicht hätte, sterben müßte. Er glaubte zwar im ersten Augenblick, die lombardische Schlacht ge­wonnen zu haben, aber es war ein Pyrrhussieg. Es lohnt sich dicht, auf Einzelheiten einzuge' en, die in wenigen Tagen schon überholt fein werden, um so bedeutsamer ist alsSymptom, was sich in den letzten Tagen in Norditalien abfpielte. Symptom einer Krank! eit, ohne Zweifel, die Meinungen gehen mir noch darüber auseinander, ob das Gewächs, im wahrsten Sinne des Wortes eine Neubildung, gutartig oder bösartig ist. Die einen sagen, das syndikalistische System des Fafzismus habe sich be mährt feine Feuerprobe glänzend bestanden, denn nicht nur hätten die Arbeitermassen im schwarzen Hemd, unter Führung des Rechtsradikalen F o - r i n a c c i, des zweiten Duce, den Sieg über die Arbeitgeber davongetragen, der Fafzismus sei nicht nur wie üblich Draufgänger gewesen, sondern habe nun auch die zweifelnde Welt von seiner sozialen »enbung überzeugt. Die anbern finden, ben Zn- dustriekapitänen ein Ultimatum zu stellen unb im Falle ber Ablehnung ben General st reik anzu­drohen, sei nichts anderes als Bolschewismus, ber Fafzismus habe sich bamit selber dementiert.

Tatsächlich ist im Fafzismus eine schwere Weltanschauungskrisis ausgebrochen unb nichts könnte bas verhängnisvolle Aufeinander- platzen non Meinungen, die übrigens so alt sind wie die Geschichte, besser illustrieren als die vermit­telnde unb beschwörenbe Stellung, bie Mussolini 'm Streik ber Metallarbeiter einnahm. Er wollte die Arbeitgeber, beren Kapital doch schließlich erst die praktische Verwendung ber faszistischen Ideale ermöglichte, nicht vor ben Kopf stoßen, konnte aber nicht ben sadistisch organisierten Arbeitern leere Hönde zeigen, Denn auf bie breite Masse muß sich ber Fafzismus stützen, wenn er feine Stoß­kraft beibe'ölten will. Es schien daher die denk­bar glücklichste Lösung, als sich ber Streik durch beiderseitiges Entgegenkommen beilegen ließ.

In diesem Augenblick aber griffen mit bemer» kenswertem strategischen Geschick die in berFiom" zusammengeschlossenen roten Or ganisatio« neu ein. Sie gingen zunächst ruhig mit ben feiern­den Schwarzhemben Schulter an Schulter, lenkten aber bie Bewegung plötzlich auf politisches Gebiet, inbem sie unerfüllbare Forberungen auf­stellten. So mußte mit dem Nein der Arbeitgeber die Führung des Streiks automatisch von der fa­szistischen in sozialistische Hand übergehen, ge­rade das, was sowohl Mussolini durch seinen Ap­pell zur Mäßigung wie Farinacci durch schärfsten Druck auf bie Fabrikbesitzer oermelben wollten.

Beibe sehen sich nun gezwungen, gegen bie rot organfierten Arbeiter mobil zu machen und sie mit ben wirksamsten faszistischen Waffen zu bekämp­fen, obwohl sie ihnen gestern noch Recht gaben. Ein böses Dilemma. Gewiß, in Rom finbet man mit ber Erklärung, ber Fafzismus unterstütze eben gerechte, verwerfe überspannte Forderungen, leicht einen oratorifdicn Ausweg, aber hart im Raume, auf dem Streikboden selber, stoßen sich die Sachen. Mit ber EntschuldigungEpisode" läßt sich die Tat­sache, daß bie Faszisten selber bie von ihnen ver­femte Streikwafse anroenbeten, nicht abtun, benn zu weiterer Anwenbung zwingt sie nicht nur der kontinuierliche Wille ber Roten, fonbern auch bie Teuerung.

Gießener Konzertverein.

Professor Joseph Szigeti.

Kommt, folgt mir in das Reich der Musik. Hier ist daS Gitter, das Irdisches vom Ewigen trennt. Habt Ihr die Fes­seln gelöst und abgeworfen? Run kommt. Es ist nicht so, als wir früher ein frem­des Land betraten; bald lernten wir dort alles kennen, und nichts überrascMk uns mehr. Hier wird des Staunens fein Ende, und wir fühlen uns doch von An­fang an heimisch." (F. Busoni, Rachlaß.)

Das Leben rechnet mit realen Wirklichkeiten, für die Kunst sind die Realitäten des Lebens nur Symbole, sie ist Leben in gesteigerter Form. Wirklichkeiten sind im Alttag gegeben, die Kunst gibt diese Wirklichkeiten in Vergeistigung, und so stellt die Kunst die Hohe geistiger Kraft dar. Der Künstler erlebt die Welt im Spiegel dieser Vergeistigung, er sieht das Leben von der Höhe. Er erschaut aber auch die Welten, die dem Alltagsmenschen verschloßen sind und meist ver­schlossen bleiben; er wird zum Künder der gei­stigen Welt. Diese geistige Welt ist frei von allem Widrigen,alle Menschen werden Brü­der ..." In der Kunst sammeln sich darum die Geister aller, soweit sie zu einem symbolischen Wellerleben fähig sind.

Die Musik als primärste Spvecherin des ver­geistigten Erlebens ist nicht an bestimmte Worte, Bilder als Aeußerungssormen gebunden, sie gibt daS Gefühl in unmittelbarer Form, durch die Aeuherung deS wiedergebenden Künstlers. Der Künstler aber erlebt alles stärker, lebhafter, und die Kraft seiner Aeußerung erregt den Hörer, I itni>, wenn er die nötige Kraft hat, zwingt er |

Eieyener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhessen)

Montag 23. Marz 1925

Aus der Provinz.

Landkreis Rieften.

f Grünberg, 22. Mörz. Bor ungefähr zwei Jahren wurde hier ein Stenographen» Verein ins Leben gerufen. Troy aller Be­mühungen konnte dieser Verein zu einem Sm- porblühen nicht gelangen. ReuerdingS haben sich nun mehrere Persönlichkeiten dafür einge'etjt, den Verein zur Erlernung der neuen Reichs- kurzschrift zu fördern. Gegenwärtig betei­ligen sich an dem Kursus 30 M tglieder; man hofft, daß sich diese Zahl in nächster Zeit min­destens verdoppeln wird. Eisenbahnastistent S ch r einer hat den Unterricht und Herr A. Trinkaus den Vorsitz übernommen. Man rei- nct auf die Unterstützung der Behörden, und zwar zunächst von feiten der Stadtverwaltung durch die Derellstellung eine8 geeigneten Unter­richtszimmers.

' Lich, 22. März. Der hiesige Turn­verein beabsichtigt, seine in den Jahren 1884 85 erbaute Turnhalle zu vergrößern, um den un Laufe der Jahre stetig gewachsenen An­forderungen Rechnung zu tragen. Er ist eiier der ältesten Vereine in Lich. und infolgedessen ver­knüpfen ihn innige Daode mit ber hiesigen Dürgcrschatt. 3m Hinblick auf das ideale Ziel der körperlichen Ertüchtigung, die insbesondere der Licher Iuged zugute kommt, hofft der Verein, daß die Einwohnerschaft von Lich b e auSvageben- ben Schuldverschi eibungen. die den Erw iterungs- bau finanziell ermöglichen fo len, ausgiebig zeich­nen wird. Die Weitbeständigkeit ber mit 15 Prvz. verzinslichen Papiere wirb garantiert Bon dem Kapital sollen jährlich 2 Prozent durch Aus­losung von Schuldverschreibungen g'tilgt werben. Die gezeichneten D'träge kann man in einer Summe, ober vier Raten mit je ' , im April, Juli. Oktober 1925 und Januar 1923 bezahlen. Der Zinsenbienst bei Ratenzahlung'n soll am 1. Sevtember 1925 bogt men. D r Gemein' erat ber Stadt Lich ist gebeten worden, bie -Garantie für die Zinsendeckung und Tilgung zu überneh­men. Die Turnhalle, die ben Licher gern einen Saal mit einer neuzeitlich cingenchte en Dühne zur Verfügung stellen soll, wird allen Kreisen ber Bevölkerung zugute kommen

Mrcie irticith'ra.

sf. Friebberg. 21. Mirz Die diesjährige erste, sehr gut besuchte Versammlung des O b ft - unb Gartenbauvereins fab gestern A enb im Ratskeller statt; sie würbe Dm dem Bwsin.enben. Garten auinfbef or Rentsch ge­leitet. Der Jahresbericht für 1921 ergab, daß sich die Mit.licderzahl auf 23) be traft. Der Jahres­beitrag würbe auf 3,50 M. festgesetzt Der V?r- ein war auch im abgelaufenen Jahre sehr rührig unb veranstaltete eine größere Zahl vm Ver­sammlungen, in benen durch Vorträge A iregung unb Belehrung gegeben wurde A rschließend sprach Herr R e n t s ch über die Pflanzung von Kohlrabi, Karotten und Roterüben auf Grund ber im Versuchsgarten angestellten Anbauver­suche unb empfahl als bewährteste Frühsorten bie Pflanzung von Wiener Glaskohlra! en, Pa­riser Karotten unb ägyptischen Roterüben. Wie in der Vorkriegszeit, soll auch in diesem Jahre eine Prämiierung der schönsten Vor­gärten. sowie Balkon- unb Fenster- schmucks stattfinden. Für bie Prämiierung kommen nur Mitglieder in Betracht, zu Preis­richtern wurden drei Frauen und zwei Herren aus ber Versammlung bestimmt. Auch ben Schü­lerinnen ber oberen Mädchenschulllassen sollen wieder Dlumenpflanzen in Pflege gegeben unb ben Besitzerinnen der am besten gepflegte Pflan­zen Prämien gewährt werden Den Schluß bildete eine Verlesung von Gemüse ämereien. bei ber jebes Mitglied mit einer Zusammenstellung von erprobten ©artenfärne-eien b . dacht tourbe. In einer stark besuchten Versammlung der Frauen­gruppe ber Deutschen Volkspartei sprach gestern abenb Fräulein Pfnor, die Dor- fihenoe des Hessischen Lande ckehrerinnen-Dereins überWichtige Schul» unb Lehrerfragen". In umfaffenber Weise behanbelte bie Reonerin die wichtigen, schwebenden Fragen, besonders die Grundschule mit ihren Vorteilen urtb Rachteilen, ben Unterricht an Mädchenschulen im 9 und 10. Schuljahre, ben Haus wirtschaftlichen Unter­richt unb das Wesen ber Fortbildungs- und Ge­werbeschulen. Eine besondere Betrachtung wid­mete sie sodann noch der Besonderheit ber neu­errichteten Aufbauschule und ber durch die Auf­hebung der sellherigen Lehrerseminare neu ge­regelten Dildungsgrenze der Vo kschlullehrer. Die Ablehnung ber Errichtung einer Studien- anftalt für Gießen erregte in der ganzen Versammlung lebhaftes Bedauern. In

einer anknüpfenden Diskussion gab die Rednerin noch auf manche Fragen erschöpfende Auskunft. Der gründliche und interessante Vortrag wurde mit allgemeinem Beisack ausgenommen.

2$ Friedberg. 22. März. Aus Veran­lassung des Landesamtes für das Dlldungswesen sand in ben letzten Wochen hier ein Kursus zur Einführung in die CinheitSkurz- i ch r i f t statt, ber jetzt beendet wurde. Es nah­men 52 Beamt*, vor allem zahlreiche Lehrer ber verschrobensten Schulgattungen aus dem Kreise Friedberg, daran teil. Leiter war der bekannte Vorkämpfer für die Einheitsstenographie und langjährige Vorsitzende des Deutschn Steno- graphenbundeS Gabelsberger. Oberftubi nlireftor Prof. Pfaff (Darmstadt). ber an Hand bes von ihm verfaßten Lehrbuches in 12 äußerst an­regenden Unterri chtSstuirden in das Einheits­system sehr anschaulich einführte. Die Teilnehmer, teils GabelSbergianer. teils Stolze-Schreyianer. zum Teil aber auch der Kurzschrift noch völlig mrfunbig. folgten dem Vortragenden mit g-ößter Aufmerksamkeit unb waren am Schluß bes Kursus so weit, daß sie größeren Diktaten folgen unb sich von ber Brauchbarkeit der neuen Reichs- kurzschri't überzeugen konnten. Sehr interessant waren die methodischen Hinweise und bie Mit­teilungen des Kursuslellers, ber selbst jahrelang in dem vom Reich eingesetzten Ausschuß zur Schaffung einer Einheitskurzschrift mitgearbeitet bat. über bie Geschichte der Reichskurzschrift. Wie der Redner mitteilte unb wie durch eine Verfügung bereits bekannt geworden ist, wird die Einheitsstenographie ab Ostern an den höheren Schulen Hessens einge­führt. Prof. Psasf hegt die Hock iung. daß auch an ben Völls- unb Fortbildungsschulen bald mit dem Unterricht in ber Kurzschrift begonnen wird.

Dad-Rauheim. 22. März. Durch Studienrat Dr. Dotter (Darmstadt) wurde den hi figen Schulen, sowie e nigrn Schulklassen ber Umgebung der Lehrfilm ..Das Tierleben ber Rorbsee" vorgo üb. t. Lichtbild unb Vor­trag waren von sehr anschaulicher Wirkung unb wurden von der Jugend begeistert au'gmommen. 3m Dienste leichtsaßlicher Belehrung stand auch ein weiterer Film. be~ an die norwegische Küste und von dort nach Spitzbergen führte. Rach- dem der hessische V^gelforscher W. Sunkel (Marburg). Vorsitzender ber Biologischen Ver­einigung für Hessen, kürzlich in der Oberreal­schule einen sehr lehrreichen Lichtbildervor- 11 a g über .D a s Vogelleben unserer Heimat" gehalten hat. sprach er dieser Tage mit großem Erfolge ü3er daS gleiche Thema vor den Schülern ber Stadtschule.

Strcie Alsfeld.

er. Homberg a d. Ohm, 21. März. Dio vom Vorstand des Gewerbevereins ein» berufene Baugenossenschaft tagte bei Gastwirt Helm drhier. S o wählte ben Vor­stand, bestehend aus dem Dorsitzerrden. dem Schriftführer und dem Rechner, sowie den auS neun Mitgliedern bestehender Geschäftsau S- s ch u ß. Die gezeichneten Anteilscheine, lautend auf je 200 Mk., sollen ratenweise ein» gezahlt werden, und zwar derxrrt. daß dreimal jeden Monat 20 Mk. und der Rest In monatlichen Teilzahlungen von je 10 Mk. beglichen wird. Es ist eine große Zahl von Baulustigen vorhanden. Rachdem bie Baugenossenschaft sich konstituiert hat, soll, damit die Sache im Fluß bleibt, nächsten Montag abend eine weitere Versammlung ftatt- finben.

Groh- Felda. 22. März. Die für das Feldatal und die angrenzenden Gebiete wichtigen Fe 1 daer Märkte, die seit 1914 eingestellt waren, sollen von nun ab wieder abgehallen werden. Die Wiederaufnahme hat ber OrtS- getoerbeberein in Gemeinschaft mit dem Bürger­meister unb dem Gemeinderat in bie Wege ge­leitet Von der Landwirtschaft wird gewünscht, dem Schweinemarkt einen Grohvi^>markt anzu» gliebern. Am 3. Oft erlag soll ber erste Vieh- und Krämermarkt ftattfinben.

Lireis Büdingen.

ch Wenings. 20. März. Ein sonderbares Ereignis, bas zur Vorsicht mahnt, beschäftigt in diesen Tagen hier lebhaft die Gemüter. Ein hiesiger, in ben 30er Jahren stehender Ernwohner b.fanb sich auf dem Heimwege zw schon ben Orten 0 i b b e r g unb Hirzenhain, alS er von e itrnn Auto eingeholt wurde. Die Insassen hielten an und luden den Mann zur Mitfahrt ein. Dieser lehnte daS Anerbieten dankend ab unb erklärte, seinen Weg zu Friß fortsehen zu wollen. Darauf­hin boten ihm bie Insassen Obstschrrihen, von benen sie gerade selbst welche verzehrten, unb

Zigaretten an. die von ihm angenommen tmnbcn. Ahnungslos verabfolgte bei Mann nach feiner Heimkunft b.e 3 garetten seinem Knechte, ber lie rauchte, baraul aber in einen zweitägi­gen Schlaf verfiel, job?nfalls infolge eines Rarkolrlu ms. bas die Zigaretten enthielten. (Drelleicht handelt es sich hier um Werder für die französische Fremdenlegion!)

Älvcie Scholten.

ch Gedern. 21 März. (Aus dem (Se­mei nb erat.) Anläßlich der 25jähngen Zu­gehörigkeit deS Herrn Ehristian Guth wurde ihm von Bürgermeister Müller nach einer ehrenden Ansprache ein Diplom überreicht. In ber vorletzten Gemeinden alssiyung gedachte ber Bürgermeister des verstorbenen Reichspräsi- benten Ebert in einer GebächmiSansprache. welche die hohen D rbienste des Dahingegangenen um bas deutsche Volk würdigte.

Hcffcn-Naffau

T Aus dem Kreise.Biedenkopf, 22. März. Da wir früher bekanntlich zum Groh- herzogtum Hessen-Darmstadt gehörten, waren Kirchen - unb Schulamt bei unS organisch verbunden. Durch Beschluß des Konsisw- riums zu Wiesbaden ist vom 1. April aber die Verbindung g e l ö ft. Damit ist ein jahre­langes Bestreben ber Kreislehrerschaft mit Er­folg gefront.

# Königsberg (Kreis Biedenkopf). 20. März Gestern stürzte auf dem hiesigen Bergwerk ber Bergmann H. Geller im Mafchinenschacht ab unb fiel einige Meter tief. Der Verunglückte zog sich außer leichteren Kopf­verletzungen einen Schlüsselbeur'veuch zu .- Von vielen Landwirten wirb lebhaft Klage geführt über ben schlechten 0 t an b ber Winter­frucht. Die Deute haben »um größten Teil ihr eigenes, beregnetes Getreide als Saatgut ver- toenbet, drs nur mangelhaft gekeimt hat. Das zum Teil aus Rorbdeutschland bezogene Saatgut steht üb. r ill recht g ;t. trotz des großen SchneckenfraßeS im Herbst. Viele mit Roggen bestellte Aecker müssen umgeackert werben.

bl. Dillenburg, 21. März. Im Winter wurden in der Gemarkung Dillenburg eine ganze Anzahl von Rotstandsarbeiten durchgesührt, Sie durch das Hochwasser unbe­dingt erforderlich waren. So befestigte man Bach­ufer ,legte Wasserläufe frei unb sorgte an be­sonders bedrohten Stellen bafür, daß in Zu­kunft den Wassermasien Einhall geboten wird. Die bei den Arbeiten beschäftigten Erwerbslosen hallen fast den ganzen Winter über zu tun.

*2 Limburg. 21. März. Der Massen­mörder A n g e r ft e i n ist jetzt aus der Klinik in Marburg, wohin er zur Beobachtung seines Geisteszustandes verbracht worden war, wieder in das hiesige Gerichtsgefängnis überführt worben.

Frankfurt a. M, 21. März (Wolff.) Bei dem Transport eines Untersuchungsgefange- nen, des bekannten Einbrechers Haas, nach dem Gerichtsgebäude versuchte dieser zu ent­fliehen Der begleitende Beamte gab meh­rere Schü ss e auf den Fliehenden ab, von denen einer einen gerade vorübergehenden Kaufmann in die Brust traf, während Haas durch einen Schuh m die rechte Wade ver­wundet wurde unb darauf stehen blieb. Die Verletzungen des Kaufmanns finb glücklicherweise nur leichter Statur.

AMM der staöt Mtzen 1925

Dom alphabetischen Einwohner- und Firmenverzeichnis liegen die Buchstaben

A bis einschließlich D vom Montag, dem 23. März, an drei Tag- lang zu jedermanns Einsichtnahme offen.

Wir bitten dringend um Nachprüfung auf Richtigkeit und Vollständigkeit der Einträge und um Einzeichnung etwa er­forderlicher Aenderungenund Ergänzungen WailsdeOe öes MeWAerlMs

Schulstrahe 7

ben Hörer, ihm zu folgen. Jeder Künstler will wirken; aber die Kraft ber Gaben ist nicht gleich. Richts liegt aber dem Menschen näher, als seine Kräfte zu überschätzen, und was das Innere nicht vermag, um die Umwelt zu überzeugen, daS soll dann oft das Aeußere ersehen. Der Große macht sich unabhängig von seiner Umwelt, er dient der Kunst, er erlebt sie, er äußert das Erlebnis, un­bekümmert um irgendwelche Rebenzwecke: er streift alle Eitelkeiten unb Kleinlichkeiten mensch­lichen Zusammenlebens ab: er steht über allem, geadelt. Er fühlt sich als überweltlicher Künder von all dem. was fern über allem Menschlichen liegt.

Und am reinsten unb stärksten wirb er wirken und die Menichen barmen, wenn er bas Mittel wählt, das der menschlichen Empfindung und Ratur am nächsten kommt: bie menschliche Stimme unb das Instrument. daS ihr als Ausdruckswert am nächsten steht, die Geige. Sie ist das Symbol klanglichen Erlebens für die bjlbenbe Kunst ge­worden, fo auch für Döcklin.

Und an bieses Bild mußte ich immer wieder denken, als ich Szigett auf dem Podium sah. Ganz in sich hineinversunken, die Augen ge­schlossen, nur nach seinem Inneren hörend, sich nicht an die Umwelt kehrend, nur Ruhe, Samm­lung und Willen zum Miterleben von ben Hö­rern fordernd. Und nun beginnt er das Menschliche schwindet, die Welt des Klang- erlebens eröffnet sich. Breite Arpeggien, prä­ludierend, sammelnd, umrahmt von melodischen Linien: Das Abagio von Dachs Q-Moll-Sonate. Aus dem Adagio heraus läßt er die Fuge sich herauskristallisieren, die unter seinem Spiel bis ins Ungemessene wächst. In dem beschaullchen Siziliano schwelgt er förmlich im Klange, jeder Ton strahlt. Und wieder erwacht die Energie

im rhythmisch gespannten Presto. Stärkstes per­sönliches Erleben: alles war sofort durch Szigeti gesammelt und in Dann geschlagen.

In Drahms O-Moll-8onate wird die Aus- drucksmögllchkell durch Hinzutreten des Klaviers (Herr Paul Meyer-Frankfurt) gesteigert. Und nun breiten die beiden Künstler, einer mit dem andern schaffend, die herbe Drahmssche Klang­welt vor uns aus. Im Allegro tritt das erste Thema zwar zunächst sotto voce auf, aber voll innerer, wenn auch noch gehaltener Erregung: durch das Ringen der Durchführung gelangt es zum Durchbruch seines eigensten Wesens und im Forte der Wiederkehr gibt es von der ge­fundenen Kraft Ausdruck Ein kontemplatives Adagio, daS erste Thema, zunächst sonor auf der Q-Saite: gewinnt immer mehr an Klang­freude und das zweite Thema singt in Doppel­griffen: ein leises 21nflingen des ersten Themas schließt den Gesang. In dem Un poco ptesto e consentimento ersteht vor und im Scherzofah im echt Drahmsschen Geiste. Im Schlußsatz (Presto agitato s^/^-Taktj) steigert sich das Klang­liche im dramatischen Erleben bis zum Elementar- Gigantischen. Wer diese Sonate so einmal ge­hört hat, für den werden die Urteile derer, bie Drahms unter die Formalisten stellen wollen, durchaus entfräftigt.

LaloS Symphonie Espagnole (im Original für Violine unb Orchester) ist unter seinen vier Violin­konzerten dasjenige, bas ihn überdauert hat. Zwar ist er von Geburt Franzose, aber doch wirkt sich in diesem Werk voll rassigem Feuer das Dlut feiner spanischen Vorfahren aus. Während die ersten drei Sähe ben Titel deS Werkes recht- fertigen, gibt der letzte in einem Rondo dem Virtuosen Gelegenheit für sein musikalisch-tech­nisches Können. Ein Geiger darf nicht in seinem

Studium an ber romanischen Literatur vorüber- gehen: sie geben feinem Spiele eine charakteristische Leichtigkeit. Und wie wurde Szigeti dem gerecht! Von Virtuosentum bei ihm zu sprechen, hieße ungerecht sein. Er ist bie große musikalische Potenz, die in ihrer Offenbarung keine Grenzer kennt, die in allem Technischen nur ein Mitte) musikalischer Aeußerung sieht, die ben Höret dieses Technische, meist ein Zugeständnis an die Eitelleit, als Musik erleben läßt. Ich habe diese Symphonie verschiedentllch schon von Romaner gehört: und trotz ber Wiedergabe ohne Orchester bewährte auch hier wieder Szigeti seine hohen geigerischen Qualitäten. Der Begleiter entschä- oigte für bie fehlende Orchrsterfarbe durch feinftt Charakterisierung.

Der letzte Programmteil brachte kleine Solo« stücke von Deracini (Largo), Dvorak-Kreisler (slaw. Tanzweise, L-Woll), E. Paganini (Caprice Rr. 24). Wie eindringlich gestaltete da Szigeti Ton für Ton der musikalischen Linie in Veracinis Largo, und welche Innigkeit sprach au3 dieser slawischen Tanzweise!

Im Capriccio von Paganini bestätigte sich sein eminentes Können als Musllet. Denn, was sonst an technische Spielerei erinnern konnte, wurde bei ihm musikalisches Erlebnis. Soll man überhaupt von Technik bei ihm sprechen? Der- Dogen schien ohne Ende schier uirbegrenzt in ber Steigerung^- und Ausdruckskraft sein Ton und voller Wärme. Was man an Fingertechnik, Ter zerr-. Oktav- und Dezimengängen, an 51a- geoletspiel bei ihm hörte, steht einzig da. Und doch alles getragen von edelster Musikalität.

Herr Paul Meyer-Frankfurt bestätigte auf- neue seinen Aus als Begleiter, der, wo es gilt, voller eigener Initiative nachschafft und nirgends einen Wunsch offen läßt -in-