Hietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 45 Zweites Blatt
Die Barmatuntersuchung
Berlin. 20. Sehr. (Wolff 3m Reichs- tagsuntersuchung-auefchuh in Sachen Barmat- Ä u t i 6 f c r bekundete heute der frühere Gesandte im Haag v. Rosen zu seinem Schreiben nom 12. März 1918 an den damaligen Reichs- longfet Grasen Hcrtling, in dem Barmat als ein uns vorteilhaft bekannter Rune gcldy.bm wurde, dieser vorteilhaslc Eindruck BarmatS sei darauf zurückzufuhren, dah er sich bemühte, zu verhindern, dah die zahlreich in Holland Jt$ auf- haltenden Russen in die Deutschland feindlichen Heere cinträlen. Dann kam aber eine Prr.ode, in der Barmat sich ernstlich bemühte. D e r g u n • siigungen bei Einreiseerlaubnissen «ach Deutschland zu erlangen, und zu diesem ,-ieitpunkl war Darmat der Gesandtschaft schon als ziemlich g c w i f f c n I 0 f c r Ge- lchäftsmann bekannt. D»e Gesandtschaft halte zuverlässig gehört, dah Barmat zu jener großen Kategorie von Leuten gehörte, die in trüben Zeiten es hervorragend verstanden, ihren Privatprofit zu machen. Deshalb habe die Gesandtschaft bei verschiedenen Gelegenheiten oor ihm gewarnt. Aus Fragen von Breit- scheid erklärt der Zeuge r>. Rosen, dah Darmat bei der Gesandtschaft fortwährend um Sonder- Vergünstigungen nachgesucht habe; z. D. habe er auch um Grenzempfehlungen gebeten. Der frühere Reichskanzler Hermann Müller <Soz.» sagt aus. er habe Darmot zum ersten Male am 29. oder 30. April in Amsterdam bei der Internationalen sozialistischen Konferenz kennen gelernt. Darmat sei ihm von HuhSmans vorgestellt worden.
Wenn ich mir den Eindruck von damals zurück- rufe, fo muh ich sagen, dah ich Darmat mindestens für einen Guldenmillionär hielt.
Der Vorsitzende verliest aus den Akten einen Brief Heilmanns an Müller vom 24 6. 1919, in dem es beibt; Ich muh Sie schon wieder mit einer Ditte belästigen im Interesse des Hauses Darmat. Müller wird um die Beschaffung der Einreiseerlaubnis für Darmatsche Familienmitglieder aus Lodz gebeten. Müller erklärt daraus, dah er auf diesen Dries wie in .allen anderen Fällen nur die Formel an einen untergestellten Beamten schrieb ..wenn keine besonderen Bedenken bestehen". Auf Fragen Dr. Rosenbergs (Komm.) erwidert Zeuge Müller, bei den Derwendungen Hellmanns für die Bar» matS habe eS sich immer nur um Familienangelegenheiten gehandelt. Geschäftlich habe er nie mit Barmat zu tun gehabt. Auf weiteres Befragen durch Dr. Rosenberg erklärt der Zeuge, er habe niemals ein Konto bei der Merkurbank ober einer anderen Barmat. Bank besessen. Der Dorsihende Sänger bemerkt, das Wesentliche im Kapitel Ba r m a t - R e i ch s- Präsident sei die Frage, ob der Rei )prä- »ident, wissend, dah Barmat übel beleumundet, ihn dennoch begünstigt habe. Diese Frage sei nach seiner persönlichen Ueberzeugung genügend geprüft In einer längeren Geschäftsordnungsdebatte wird vom Zentrum, den Demokraten und den Sozialdemokraten diesem Antrag zugestimmt Der Avg. S p a h n - Zentrum erklärt dabei, die Beweiserhebung habe nichts dafür ergeben, bah der Reichspräsibent sich irgendwie, auch nur in einer Satt frage, vergangen habe Auch der Abg. Becke r-D. 2. P. will äußerlich diese Etappe abgeschlossen haben, wendet sich aber gegen einen formalen Beschluh des Ausschusses. Aach weiterer Erörterung wird der Antrag des Vor- fitzenden in folgender Form angenommen: Der Fragenkomplex Darmat - Reichspräsident wird verlassen. Als nächstes nimmt dec Ausfchuh den Fragenkomplex ReichSfettsteNe in Angriff.
Grenzkonflikt zwischen Aegypten und Italien.
Kairo, 21. Sehr. (Radio ) Der italienische Botschafter hat dem Ministerpräsidenten im Auftrage seiner Regierung mitgeteilt, dah Aegypten sofort die an der westägyptischen Grenze gelegene Oase Djarab 0 b an Italien a bä u - treten habe. Der ägyptische Ministerpräsident gab seinem Befremden über den herrischen Ton Ausdruck, in dem die Mitteilung erfolge und
Die Oberwälder.
Roman von A l f r e d B 0 ck.
4. Fortsetzung. (Aachdruck verboten.)
Jeden Morgen pflegte er nachzusehen, ob die Kinder alles beisammen hatten, was sie für den Unterricht brauchten. Bei dieser Gelegenheit hatte sich die MargolfSmarie verleiten lassen, anstatt eineS Hefts, das sie vergessen, das ihrer Rachbarin vor sich hinzulegen, ohne dah er die Täuschung gewahrte. Aach der Schule trieb sie ihr erwachtes Gewissen, dah lie zu ihm kam und ihre Dergehung bekannte, ilnb sie war so erschüttert. dah ec davon Abstand nahm, sie zu bestrafen.
Am letzten Schultag hielt er an die Konfirmanden und Konfirmandinnen eine Ansprache. Den meisten konnte man's am Gesicht ablesen, dah sie sich herzlich freuten, der .Schlagmühle" bald lebig zu sein. Die Margolssmarie aber schluchzte, dah er Mühe hatte, sie zu beruhigen.
Aach ihrem Abgang von ber Schule sprach er sie fast jeben Tag. Ihre Mutter war nach langer Krankheit gestorben, und die Verantwortung für die Wirtschaft lag auf ihren jungen Schultern, wenn er sie ermahnte, sie solle sich nicht zuviel auflaben, sagte sie. ..was min gern tut. drückt ein’ net. Ich Hab s ja nct leicht, aber ich möcht s gar net anders haben. Die Arbeit gibt Kraft. Das spür' ich. 11 nb zum Arbeiten sein ich da." In ber Tat sah er. wie sich ihre Muskeln strafften, wie sie in Gesunbheit blühte. Aeben ihrer schweren Hantierung fanb sie doch noch Zeit, die Bücher zu lefen. die er ihr gab. Sie las sie nicht nur. lie sprach auch mit ihm darüber, wobei die unbekannte 'Welt, die sich ihr erschloß, auf ganz eigene weise aus dem Spiegel ihrer Seele widerstrahlte. ..So ein Buch." meinte sie einmal, „is akkurat wie ein Lehrer. Aur dah es nct sprechen kann. Eh ich muß jeb* Buch zweimal lesen Das erstemal fliht's an mit vorbei. Ich sein halt gar zu neugierig und will nur rasch erfahren, wie s Tauft. Das zweitemal tu' ich sacht. Und rtu merk' ich er ft. was da all' brinsteckt. ilnb kann mir mein' Ders draus machen."
Mit ihren Altersgenossinnen traf sie sich selten. Ein paarmal hatte sie die Svmnstube be-
fügte hinzu, baß. wenn die Frage einer Grenz- berichtigung zwischen Aegypten unb Italien überhaupt Gegenstand von Besprechungen zwischen Italien unb Aegypten bilden soll, der gegenwärtige Augenblick für d.efe Be'prechungen nicht geeignet sei Der ägyptische Gesandte in Rom hat A iwellung erhalten, sich mit Mussolini in Verbindung zu letzen.
(Ein allislamisches Kalifats-Komitee.
Konstantinopel. 21. Febr (XH.) DaS KalifatSkvmilee hat an den Wahabiten-Sultan Ibn Saud, an den Prinzen Omar Hussan von Aegypten einen Ausruf gerichtet, der sich scharf gegen bic femali ft Hebe Türkei wenbet. bic baS Kalifat abgeschafft hat und gegen den im Solde Englands stehenden König Huf sein von HedschaS. Der Aufruf schließt mit ber Qluffotbcrung. ein provisorisches Komitee zu bilbcn. an dem die Abgeordneten aller mohammedanischen Dölker teilnehmen sollen, um über bic Frage der Wiederaufrichtung deS Kalifats zu beraten. AIS Sih des Komitees wird Deutschland vorgeschlagen.
Aus der Provinz.
Landkreis Wicfccit.
• wieseck. 23. Febr. In einer Versammlung des Ziegenzuchtvereins beschäftigte man sich mit den Schäden der Zicgenhalter durch, die Leberegelseuche und mit der Entschädigung der geschädigten Mitglieder. Bis jeht hat der Dercin folgende Verluste erlitten 59 Ziegen sind verendet und mußten zum Teil abgcfchlachtet werden. Diele Fälle find zur Entlä)ädigung an- gemelbct. 10 Tiere sind abgeschlachtet wofür keine Entschädigung gefordert wurde szum Teil verwertet). Der Bestand eines Stalles. 4 Stuck, wurde in der letzten Woche abgeschlachtet. >k’bn kranke Tiere, die nicht mehr zu retten lind, wurden dem Verein gemeldet. Don 13 mit Distol behandelten Ziegen sind zwei verendet, zwei sind am Derenden unb müssen abgeschlachtet werben. Bestanb an Tieren am 19. 2. 25 90 Ziegen, die. wenn nicht cingegriffen wird, in einiger Zeit verseucht und in einigen Wochen verendet sind. Die Mitglieder, die schon weitgehend zur Zah> Lung berangejegen und gering bemittelte Leute sind, können zur Zahlung nicht mehr heran- gezogen werden, auch ist es ihnen zum größten Teile nicht möglich, ohne Entschädigung vom Verein sich Tiere zu verschaffen. Der Verein ist ohne jegliche Mittel unb sieht ber Zukunft bedenklich entgegen Der Vorsitzende erstattete Bericht, daß er nach dem Fall der achten Ziege, sofort dem Oberveterinäramt Gießen Meldungt erstattet, auch bei Gemeinde, Hess. Ministerium, Abteilung für Landwirtschaft, Lanbwirischafts- kammerausschuß unb Kreisamt Gießen um Mittel nachgefucht habe, aber abschlägig beschieden worden sei mit dem Bemerken, daß für derartige Zwecke keine Mittel zur Verfügung wären. Als letzte Instanz hat sich der Verein nun mit der Bitte um eine Beihilfe an den Hessischen Landtag in Darmstadt gewandt.
• Leihgestern, 21. Febr. Die gestrige Holzversteigerung im hiesigen Gemeinte- wald ergab folgende Durchschnittspreise: Eichen° ftämme 55 Mk. je Fstm., Eichen-Auhscheit 25 Mk., Eichen-Autzknüppel 23 Mk.. Eichrii-Drennscheit 16 Mk.. Eichen-Brennknüppel 12 Mk.. Eichenstöcke 8 Mk. je Rm.. Eichcn-Wcllen 34 Mk., Weichholz-Wellen 25 bis 26 Mk.. Kiefernwellen 28 Mark je 100 Wellen.
• Bellersheim, 21. Febr. Bei der heutigen Holzsubmission auf Kiesernstamrn- holz aus unserem Gemeindewald lag folgendes Höchstangebot vor: 3. Klasse 42.50 Mk.. 4 Klasse 35 Mk.. 5. Klasse 32 Mk. je Fstm. Höchst bietender war ber Holzhänbler Hermann Müller von hier, dem der Zuschlag erteilt wurde.
KrciS Friedberg.
vw. Butzbach, 21. Febr. Aus der jüngsten Stadtverordnetensitzung ist zu berichten: Dem Entwurf der Satzungen über Baudarlehen wird mit kleinen Abänderun
gen Genehmigung erteilt. - wegen Anlage deS Klärbeckens seitens der Bamag-Mc- g u i n an der Gießener Straße wird der von der Stadt erhobene Einspruch ausrcchtcrhal- ten. — Dem Gesuch des Anton Rogalla um Ankauf seines Hauses an der Hoch- weiselcr Straße wird insofern ftattgegeben, al« bic Stab! für 10 000 Mk. da- Ocbaubc unter der Bedingung erwirbt, dah Rogalla für diesa Summe ein neues Haus erbaut. Der Ankauf des wüstenhöferschen HauseS in ber Rohborngasse wird abgelehnt. Das Gesuch um Abgabe von werkh 0 lz an die Gewerbetreiben den wirb genehmigt Der Antrag auf Errichtung einer Eisfabrik im Anschluß an bas Elektrizitätswerk wirb bem technischen Ausschuß zur weiteren Bearbeitung überwiesen. Der Voranschlag für bic Ober- realschulc wirb gegen die Stimmen ber Linken genehmigt.
z< Dad-Aauheim, 21. Febr. Die unter bem Vorsitz von Pros. Dr. Weber stattgehabte 6. Hauptversammlung der hiesigen Ortsgruppe der Deutschnationalen DolkSpartei brachte neben dem üblichen geschäftlichen Teil einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag von Pfarrer D e r ck und als praktisches Ergebnis eine einmütig angenommene Entschließung. Diese gebt der Reichslagsfraktion ber Partei zu und ferbert u. a.: Aushebung des Gesetzes zum Schutze ber Republik und Aufhebung des Staats- gerichtshofes: Säuberung des öffentlichen Lebens von unsauberen Elementen. Ausbau der Schule zu einer Erziehungsanstalt in christlich-nationalem Sinne: Wiedereinführung der steuerlichen Selbständigkeit der Länder und Gemeinden sowie ilmgcttaltung unb Vereinfachung des gesamten Steuersystems in sozialem Sinne. Lösung der wertungssrage im Sinne des Destschcn Entwurfes.
' Helden bergen, 22. Febr. Der hiesige Gesangverein . 2 u p h r 0 s i n e" feierten den Tagen des 13., 14. und 15. Juni das Fest seines 85jährigen Bestehens. Mit der Feier ist die weihe einer neuen Fahne unb die Abhaltung eines großzügig angelegten Gesangswettstreites vervunden.
KreiS Schotten.
' Frei en sc en, 19. Febr. (Verspätet ein- gegangen.) Am Montag stand die garyc Ge meinbe im Zeichen ber bi amantenen Hochzeit des früheren Kirchendieners Heinrich Jung l. Ilm 2 Uhr fanb bic kirchliche Feier statt. Das ganze Dorf, die Vereine geschlossen, nahm teil. Das geräumige Gotteshaus faßte kaum die Menge. Das Jubelpaar war von seinen Rachkommen. 6 Kinder. 16 Enkel, 2 Urenkel. umgeben Der Geistliche gab einen lieber- blick über die 87 bzw. 79 Lebensjahre des Jubelpaares. über die 35jährige Dienstzeit des Man- neß. der auch hierin in feiner Frau eine treue Gehilfin gehabt, gedachte ber vier verstorbenen Kinder, des gefallenen Sohnes, erkannte das innige Familienleben, bas treue Kindesverhältnis unb das herzliche Zusammenhalten der Kinder an unb dankte Gott, ber bem Ehepaar nach Zeiten vieler Arbeit und Korgen nun eia geruhiges unb sorgenloses Alter unb eine auffallende geistige und selbst körperliche Frische erhalten hat. Zum Schluß verlas er ein Glück- unb Segenswunschschreiben des Landeskirchca- amles unb überreichte es nebst einem schönen Gesangbuch. Rach einem Gebet legte das Paar, wie vor 60 Jahren an gleicher Stelle, die Hände ineinander, unb bei Geistliche segnete es für Zeit unb Ewigkeit ein. Im Anschluß fangen zwei Enkel bas ergreifenbe .Herr, bleibe bei uns". Mit aDterunser, Segen und Schlußvers des „Lobe den Herrn" schloß die Feier. Rach dem Gottesdienst wurden zahlreiche Geschenke übergeben. Bürgermeister unb Geistlicher überreichten im Rarnen der Kirchengerneindc einen Thrrwaldschen „Segnenden Christus" in großer Gestalt unter Ansprache des Geistlichen, ber sodann ein ehrendes Schreiben des Geheirnerats B ö ck m a n n . Kreisdirektors zu Schotten, verlas, der für das Pfeifchen des Alten ein seines und stattliches Kraut stiftete nebst einer.Ehrengabe des Kreisausschusses. Am Rachrnittag herrschte bis tief in die Rächt ein frohes Treiben im Dorf.
sucht. Als ihr Vater sie dort abholte, war über sic gespöttelt worden. Darauf war sie ganz fort- geblieben.
Mehr unb mehr beschäftigte weilandt ber Gedanke, Wie er sich dies tüchtige unb gescheite Mäbchen zur Frau gewinne, wenn er sein Ziel erreichen wollte, hatte er mit ihrem Vater einen schweren Kampf zu kämpfen. In ben Augen des Peter Margolf war ber Lehrer weiter nichts als ein Mensch, ber der Gemeinde Kosten auferlegte. Im Dorf — das brachte er gern aufs Tapet — hatte vor vielen Jahren ein Schuster nebenher das Amt des Schulmeisters innegehabt, ilnb die Kinder waren auch groß geworden. Dazumal wuchsen die Würste auf den Bäumen, und die gebratenen Tauben flogen den Leuten ins Maul. Jetzt wurde dem jungen Doll allerlei unnützes Zeug eingetrichtert, und die Zeit machte ein finstres Gesicht dazu. In Heiratsangelegenheiten huldigte er dem Grundsatz: „Reich bei Reich und Bettel bei Bettel." Vis er. ber wohlhabcnbc, sich entschließen würbe, seine Tochter einem „Schulschleicher aus Hungersburg" zu geben, mußte noch viel Wasser ben Vogelsberg hinunter- laufen. Daß der Eigennutz die Spindel am Rocken des Mannes war, hatte er, der Lehrer, bei besonderer Gelegenheit erfahren. Als teilweise Vergütung für sein Orgelfbiel in der Kirche war ihm von der Gemeinde die Grasnuhung des alten Friedhofs ^gebilligt worben. Hier stanb auf dem Grab eines Margolf. der vor siebzig Jahren gestorben war. eine mächtige Esche. Der Baum mit seinem weitverzweigten Wurzelwerk entzog bem Boden viel Kraft. Deshalb wurde er auf Wei- kandts Geheiß mit Bewilligung des Bürgermeisters niedergelegt. Run erhob ber Peter Mar- golf ein großes Geschrei, weilandt. im Glauben, es werbe ihm Pietätlosigkeit gegen einen Abgeschiedenen zum Vorwurf gemacht, besuchte den Bauer, fick zu rechtfertigen, unb, wenn es nötig fei. auch Abbitte zu tun. Es war ihm aber ball» klar, daß es der Peter lediglich auf das Holz der Efche abgesehen hatte, die er als Familieneigentum in Anspruch nahm, weilandt ließ ihm den Baum zusahren. worauf ber Friede bergest ellt War. Dem Margolf die Ohren zu kitzeln, sich um feine Gunst zu bewerben, verbot ihm fein Stolz. Die Marie War ihm zugetan. Da- ‘
für hatte er viele DeWeife. Wenn sie sich erst einmal ausgesprochen hatten, mußten sie alle Mittel aufbieten, bes Alten Widcrstanb zu brechen.
Weilandt legte feine Säge beifeite unb schritt auf die Margolfsmarie zu. die ihren Eimer unter die Röhre gestellt hatte.
..Was sagst du zu bem Wetter, Marie? Gestern mocht man keinen Hund vor bie Tür jagen, und heut ist's fo schön."
..Ich glaub nct, baß es Bestand hat, Herr Lehrer. Wir haben ilnterluft. Eh heißt's geschanzt. Wer beim schlechten Wetter zugucken will, muß beim guten schaffen."
„Bist heut schon fleißig gewesen?"
„Ich hab Salat gesät."
„Wo habt ihr den Sarnen her?"
„Früher haben Wir ihn von einem Träger aus Griesheim genommen. Da sein Wir ein paarmal angeführt worben. Etz hat ihn mein Vater aus Erfurt kommen lassen. Da Wilsen Wir, Was wir haben."
Sie fetzte ben überfaufenben Eimer beiseite unb banb ihre Schürze fest, die sich gelockert hatte.
„Herr L'hrer. ich muß Ihnen Was verzählen."
„Ja. Marie."
„Die Rächt hat mir Was Komisches geträumt."
„Und ich soll dir'S auslegen, gelt?“
• „Horchen Eie emal zu. 's war gegen Abend, ilnb ber Himmel War glühenbig rot. Ich pat- schelt drunten in der Hirtzlach herum, ilnd auf einem Molthüwel't stand uns' alter Pfarrer, ilnb der sprach Wider mich: „Marie, deine Fittich' find jetzt groß genug, schnätz dich in die Reih' und flieg!“ ilnb auf einmal gespürt ich, dah ich flog. Hui, wie hoch! Dis in bic Wolken hinauf. Dadrüber fein ich wach geworden. Ich hab ja schon mehr so närrisch' Zeug geträumt. Aber is das net kureos? Dielen Morgen is ein Brief von der Frau Pfarrer aus Darmstadt kommen."
..An dich?"
„Ja. Sie schreibt, ob ich mich net emal drauß' in der Welt urnlehen Wollt. Sie wüht
•) Erdhaufen.
Montag, 25. Sebruar 1925
Schotten, 21 Febr Rächstcn Donnerstag gelangt der ,.B e t h e 1 f i l m" hier zur Dor- fübrung. Diakon Deubel ein gebotener Su- dingshainer, ber in den Beihclschen Anstalten beschäftigt tft. wirb den Film erläutern. So ist zu hoffen, dah durch die Erklärungen eines bis ins kleinste vertrauten KemierS ber Bodelschwinghschcn Ansta 1 ten die Vorführung eine ganz besondere Weihe und Feierlichkeit erfahr' Die Beschaffung der für die MädchenfortbilbungSschule vorgesehenen Rähmaschinc stößt auf bart- nackigen Widerstand feiten* btt ländlichen Gemeindevertretungen. Sie haben sich weder mit der sommerlichen Fortbildungsschule. noch mit der Einführung der Mädchenfortbildungs'chule abgefunden unb erhoffen noch immer daS Rückgängigmachen dieser ber bäuerlichen Bevölkerimg lästigen Reuerungen. Man darf hoffen, dah Zett und Einsicht die Widerstände ausfressen, unb auch in ber ländlichen Bevölkerung der Gedanke sich Bahn bricht, bic geistige Förderung ihrer jdnilcnb- lassencn Söhne unb Töchter hoher zu werten. als den Ausfall lanbwirtfchaftlicher oder gewerblicher Arbeitsleistung Während einiger Wochenstunden.
Hrcis Biidinqcn
„?" Ridda. 21 Febr. Der als Redner in Versammlungen deS Reichsbanners „Sch w a r z - R 0 t - G 0 l d' bekannte Schriftsteller Mar Dor tu veröffentlichte vor kurzem in der „Oberh Volksztg." einen mit ..Raubgraf Berthold" überschriebenen A'.tikel In diesem behandelte er in sarkastische, Weise unser Gefallenendenkmal am Johanniter- t u r m und zog darin alle- in den Staub, was geeignet ist. bic Erinnerung an eine große Zeit und ein noch größeres Heldentum zu nergolbcn und wachzuhallcn Gegen diese V c r u n g l i in p - fung unseres Gefallene nmalS erhob sich in unterer Gemeinde ein Sturm der Entrüstung. der jeden mitriß, einerlei, welcher politischen Partei er angehörte In der fchärssten Zurückweisung dieser unerhörten, maßlosen 'Beschimpfung unseres Ehrenmals unb damit unsere« ganzen Städtchens gab es nur eine Stimme Auch das Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold" scheint inzwischen zur Einsicht gekommen zu sein, daß von diesem seinen Redner, der ben weg der Hemmungslosigkeit geht, keine Förderung zu erwarten sei Die Landesgruppe in Darmstadt ist von ihm abgerüd t und hat Anweisung gegeben, daß er in hessischen Ortsgruppen nicht mehr auftreten dürfe.
I! Büdingen. 22. Febr. Pers onal» Veränderung beim KreiSamt Bübin- gen. Regierungsrat Wolf vom hiesigen KreiSamt wurde durch Verfügung des Hessischen Ministeriums des Innern mit Wirkung vom 1. März 1925 an dasKreisamt Gießen versetzt. Mit Regierungsrat Wolf verliert das hiesige Amt einen seiner tüchtigsten und beliebtesten 'Beamten. Sowohl unter dem Kreisamtspersonal, wie bei allen Bevölkerungsschichten War Regicrungsrat Wolf wegen seiner Hilfsbereitschaft und Unparteilichkeit in hohem Mähe beliebt. Rur sehr ungern lieht man ihn daher von hier scheiden. — Für den am 1. Februar nach Alsfeld versetzten Verwaltungs-Oberseiretär Kn ei sei wirb Verwalt ungspraktikant Kredel von Darmstadt am 1. März seinen Dienst hier antreten.
Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt, 21. Febr. Verschieben* Bruderschaften des Iungdeutschcn Ordens veranstalteten auf ber Veste Otzberg unb auf der Burg Breuberg große vaterländische Kundgebungen, die außerordentlich stark besucht waren. Es würbe eine Entschließung angenommen, in der u. a. verlangt wirb, daß die gegenwärtig im Reichstag unb im Preußischen Landtag behandelten De rfeh- lun g cn ohne Ansehen ber Personen unnachsichtlich aufgebeeft und bestrast werben, daß alle Beamte. Parlamentarier, Minister, die irgendwie in solche Angelegenheiten verstrickt sind, sofort ihre Aernter niederlegen und sich nicht hinter ihre Immunität versinken. daß fein Parlamentarier aus der Stellung, bic ihm das eVrtrauen der Wähler gebracht hat, persönlichen Ratzen
ein’ Platz für mich, wo ich bic feinere Hausarbeit lernen könnt, ilnb 's Wär ein guter Platz. Beim Herrn Fabrikant Peters, ilnb ich sollt gleich Antwort schicken."
„Ja. willst bu denn fort?" fragte Weilandt betroffen
Sie senkte ben Kopf.
„Gucken . Sie. Herr Lehrer, Sonntags geh ich als auf ber Kreisstrah' spazieren. Da stehn bie Telegraphenstangen ilnb bet Wind singt in bem Drahtwerk, ilnb ba hör ich gar viel, ilnb das Drahtwerk is über die ganz' Well gespannt, ilnb manchmal is mir's, als tat eins rufen: „Du muht bem Glück entgegenmarschieren. Hier kannst bu dich nur mit einem Äug' freuen, draußen kannst du's mit zwei " Etz auf'n Stupp könnt ich ja net fort. Erst müht mein Vater eins für mich nehmen. Sie dürfen mich nct für Überecks halten, 's iS net wegen bete wunberbunten Welt 's gebenft mir auch, was bic Frau Pfarrer gesagt hat: „Wer in einem sremben Haus bient, lernt fein eigenes regieren.“
wie sie fo eifrig, ja entschloßen sprach, befiel weilandt eine Unruhe, die er nur mühsam verbarg Er hatte ihr bie Bücher gegeben, hatte vielleicht in ihr geweckt, was sie jetzt aus ber Enge ins weite drängte. Ob ihr Vater sie gehen lieh. War freilich zweifelhaft. Und doch, wenn sie ihren Kopf baraussetzte, wer wollte sie halten? Ein Mädchenherz War veränderlich. Hatte sie einmal die Heimat verlassen, dann, fürchtete er War sic ihm verloren
„Marie." sagte er mit gepreßter Stimme, wer Wandern will, muh seinen Weg auch kennen Kennst du ihn denn? Ich glaub's nicht. Hier gehst bu aufrecht durchs Dorf. Draußen mußt du dich bücken. Und Wer sich bückt, brr merkt erst. waS <*r trägt. Mit zwei Augen, svrichst du. willst du dich freuen. Ja, Freude und Freude ist zweierlei. Weiht bu denn, was sic bi drunten Freude nennen? Ich alaub's nicht. Marie. Ich weiß es. Ich Habs gesehen in was für Sorgen und Röten sie stecken. Unb wie sie sich hetzen, daß man akS- fort m"int der wild: Jäger tat vom Oberwald über bie Helaenäck'r fahren Unb wenn fie dann tollen unb sich luftieren, wollen fie bloß ver- berfcln. was in ihnen rabaftert und rumort.
(Fortsetzung folgt)


