Ausgabe 
23.2.1925
 
Einzelbild herunterladen

Einvernehmen uns ständiges Zusammenarbeiten zwischen den Generalstäben beider Länder.

Die beides Regierungen wahren aber für den Fall einer europäischen Krfte ihre völlige Ent- schließungsfreiheit. Die geplante Ab­machung dürfte aber entgegen der 1912 bestande­nen nicht geheiing ehalten werden. Cs sei sogar von großer Wichtigkeit, daß Deutschland davon Kenntnis erhalte. Die Abmachung sei fast so wirksam wie ein förmlicher Vertrag, dec besten Falles im gegebenen Augenblick durch eine Ab­stimmung im Parlament außer Kraft gesetzt wer­den könnte. Ein regelrechter Vertrag würde in­sofern einen gewaltigen Rachteil bedeuten, als er nur eine deutsche Offensive gegen die fran­zösische und belgische Grenze vorsehe und von Berlin als eine Zusicherung der Straffreiheit für den Fall eines Krieges gegen Polen und die Tschechoslowalei ousgelegt werden könne. Dieser Hebelstand falle bei der losen Abmachung zwischen den Generalstäben fort. Zudem bleibe der fran­zösisch-polnische Vertrag, falls die ge­plante Lösung gefunden werde, auch weiterhin be­stehen. Andere Umstände, denen Grohbritanien -auf dem Gebiete seiner Aussenpolitik Rechnung tragen müsse, sprechen weiterhin für die Lösung.

Diese Grundsätze sind zweifacher Art:

a) die Rotwendigkeit, dre Meinung der Do­minions vor jedem Eintritt in den Krieg zu befragen und die Möglichkeit, sie in einen Kon­flikt hineinzuführen, der für das Imperium nicht unmittelbare Bedeutung habe.

b) Die Verpflichtung, sich gegen alle Ueber- raschungen zu sichern, insbesondere gegen einen He ber f a il auf den Suez-Kanal. AeTagung desvölkerbundzrates Das Programm der nächsten Sitzung.

Genf, 21. Febr. ($11.) Das vom Volker- bundsrat veröffentlichte Programm für die Ta­gung des Dölkerbundsrates, die am 9. März beginnt, enthält unter ariderem folgende Punkte:

1. Die Behandlung und Beantwortung der von Deutschland an den Völkerbund ge­richteten Rote, in der Deutschland die Voraus­setzungen für seinen Eintritt in den Völ­kerbund erörtert.

2. Die Reuwahl der Mitglieder der Saar- regierungs-Kommissiow

3. Eine Reihe von Danziger Fragen, darunter den Streitfall in der bekannten Bries- k a st e n a f f ä r e, die Ernennung des Danziger Hafenchefs, die Anwendung der polnischen Zoll- bestimmungen und die Danziger Anleihe.

4. Die Frage der Militärkvntrolls in Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Bul­garien und die Einrichtung von ständigen Kon­trollstationen in der neutralen Rheinzone.

5. Der Bericht der Derbindungskommission über die private Herstellungvon Waffen, Munition und Kriegsmaterial.

6. Der Streitfall über die Ausweisung des griechischen Patriarchen in Kon­stantinopel.

Die Beratung des Genfer Protokolls wird vermutlich auf Antrag der englischen Regierung zum zweite Male von der Tages­ordnung abgesetzt werden.

Die Wirtschastsnot im Saarland.

Eine Denkschrift des Saarlandes an den Völkerbund.

Saarbrücken, 22. Febr. ($11.) Die Lan- Vesratfraktionen des Saargebietes (Zentrum und Deutsch-saarländische Dolkspartei) haben eine Denkschrift an den Völkerbund gerichtet, in der sie auf die unhaltbare wirtschaftliche Lage hin- wqjsen, die nach der Zollabschnürung des Saargebietes eingetreten ist. Seit dieser Ab­schnürung haben die saarländischen Fabriken be­reis 30 bis 50 Prozent ihres Absatzes, ciipge noch mehr, verloren. Ein Versuch dec V^irtschaftskreise des Saargebietes in Benehmen mit der Regierungskommission und dem franzö­sischen Handelsminister, die deutsch-französischen Zellverhandlungen entsprechen den Landesinter- essen des Saargebietes zu beeinflussen, ist ge­scheitert. Die passive Haltung des Präsidenten der Regierungskommission, A a u l t, sei unver­ständlich. Die Denkschrift wendet sich an den Hauptrat des Völkerbundes mit der Bitte zur Abwendung der tatsächlich vorliegenden Wirt- f chaftskatastrophe.

die Saarregierung zu veranlassen, der zollfreien Einfuhr deutscher Erzeugnisse zum örtlichen Ge­brauch und Verbrauch keine Schwierigkeiten zu machen und mit Deutschland in Verhandlungen darüber einzutreten, daß Deutschland auch die

Waren deö SaargebietS zollfrei zuläßt.

Die trüben Erfahrungen, die die deutsche Saar­bevölkerung mit dem Präsidenten Rault gemacht hat, gaben Veranlassung, erneut zu Bitten, daß bei der bevorstehenden Reuernennung der Mit­glieder der Regierungskommissivn dasiir gesorgt wird, daß das französische Mitglied der Re­gierungskommission keine gröberen Macht­befugnisse erhält als irgendeins der übrigen Mitglieder, dah die Präsidentenschaft und die bisher dem französischen Mitgliede unterstellten Verwaltungszweige einem anderen Mitgliede übertragen werden und dah endlich die gewähl­ten Vertreter der Saarbevölkerung in den Sitzungen des groben Rates des Völker­bundes offiziell gehört werden.

Die Kreis- und Gemeinde­wahlen in Thüringen.

Weimar. 23. Febr. (WB.) Die Gemeinde- «nd Kreisratswahlen im Lande Thüringen sind gestern ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung war geringer als bei den Reichstagswahlen. Sie dürfte im Durchschnitt kaum mehr als 60 % betragen haben.

Es liegen folgende Ergebnisse vor:

Gera: Gewählt 18 Bürgerliche, 14 So­zialdemokraten, 3 Kommunisten. Bisher gehörten dem Stadtrat an: 14 Sozialdemokraten, 17 Bür­gerliche und 4 Kommunisten.

Gotha: Kommunisten 10, Völkische 3, So-? zialdemokraten 2, Demokraten 2, Dürgerbund 17 Mandate. Die bürgerlichen Parteien haben einen Sitz gewonnen.

Jena: Sozialdemokraten 10, Kommunisten 6, Demokraten 5, Dürgerbund 10 Mandate. Die Zusammensetzung des Stadtrats bleibt unver­ändert.

Arnstadt: Bürgerliche 16 Sitze (wie bis­her), Sozialdemokraten 11 Sitze (bisher 10), Kom­munisten 4 (bisher 5)<

Weimar: Abgegeben wurden für die Städtische Vereinigung 5380 Stimmen, Sozial­demokraten 3832, Kommunisten 1157, Sparerbund 1776, Vereinigung für Volkswohlfahrt 1480 Stimmen. Rationalsozialisten 786 Stimmen.

Eisenach: Es entfielen auf die Demo­kraten 1277, U.S.P. 462, Kommunisten 1375, So­zialdemokraten 6363, Aufwertungsliste 630, Ein­heitsliste 7720 Stimmen. Die bürgerlichen Par­teien erhalten voraussichtlich etwa 19, die Links­parteien etwa 16 Sitze.

Mein ingen: Die Kommunisten erhielten 469 Stimmen. Beamten 850, Wirtschaftspartei 833, Rationalsozialisten 269. Vereinigung dec Ge­meinde Meiningen 287, Sozialdemokraten 1002, Deutschnationale 981, Demokraten 1249 Stimmen. Die Lage der deutschen

Landwirtschaft.

Eine Rede

des Reichsernährunasminifters.

Berlin, 21. Febr. (WTD.) Auf der Hauptversammlung der Deutschen Land­wirtschafts-Gesellschaft, mit der die grobe landwirtschaftliche Woche ihren Abschluß fand, wies der Vorsitzende in seinen Cröffnungsworten auf die überaus schwere, für die gesamte Volkswirtschaft kritische Zeit hin. durch die besonders die Landwirtschaft hart bc= troffen sei. Gerade von dec Stärkung der Land­wirtschaft hänge das Wohl unserer gesamten hei­mischen Wirtschaft ab. Reichsminister Graf Kanitz überbrachte die Grübe der Reichsregie­rung. Der Minister wies auf die gegenwärtige Rotlage der Landwirtschaft hin, die einen krisenhaften Charakter angenommen habe und vor allem im Steuerdruck, int P reisdruck der Produktionsmittel und in der M i b e r n t c des vorigen Jahres zum Ausdruck komme. Es sei falsch zu sagen, daß der Landwirtschaft nur durch Kredit ge­holfen werden könne. Kredite könnten niemals die Produktionsbedingungen verbessern. Es sei Zeit, dab die Parlamente endlich an die Er­ledigung der Gesetze herangingen, die der Landwirtschaft wieder nötigen Spielraum geben sollen. Mit Rücksicht auf die Erschöpfung der Währungskredite und der Ausschöpfung des inneren Geldmarktes entstehe die ernsthafte Frage, das Ausland wie an der deutschen Industrie so auch an der deutschen Landwirt­schaft zu interessieren. Relativ günstige Vorverhandlungen seien im Gange, die aber untrennbar seien einmal von der Lösung des Aufwertungsproblems, das nicht über­trieben werden Dürfe und dann von der Schaffung der Rentenbank-Kreditanstalt. Sehr wichtig seien die schwebenden kommenden Han­delsvertragsverhandlungen. Die bal­dige Erledigung der Z o l l f r a g e sei für die Landwirtschaft eine unerläbliche Forderung.

Registrierung öffentlicher Anleihen.

Berlin, 21. Febr. (WB.) Unter dem Titel Registrierung der öffentlichen Anleihen" ver­öffentlicht in Der Presse eine an amtlicher Stelle nicht bekannte sogenannteT r e u h a n d st e l l e für die Anmeldung der öffentlichen Anleihen" eine Aufforderung an das Publi­kum zum Zwecke der Registrierung der noch im Verkehr umlaufendsen öffentlichen Anleihen die Stücke bei dieser Treuhandstelle anzumelden. Die Rotiz könnte den Anschein erwecken, als ob diese Anmeldung von amtlicher Seite angeregt oder ge­wünscht worden fei. Es wird so dargestellt, als fei die Höhe der im Verkehr befindlichen öffent­lichen Anleihen nicht bekannt. Weder das eine, noch das andere ist der Fall. Es sei viel­mehr ausdrücklich festgestellt, dab die Registrie­rung von Anleihen zum Zwecke dec Feststellung der Höhe des Umlaufs solcher Stücke im Verkehr umlaufenden öffentlichen Anleihen die Verwaltung genau über den Umlauf unterrich­tet ist.

Der Aomlnumfiemufstand in Bulgarien.

Sofia, 22- Febr. (Dulgar. Telegraphen­agentur.) Eine fünfzehn Mann starke agrar- kommunistische Bande griff vom süd­slawischen Gebiet her das Dorf Barlojiha bei Slivnitza, 15 Kilometer von dec Grenze ent­fernt, an. Rach einem Gefecht mit einer Abteilung, die die Bande verfolgte, wurden der Führer dec Bande, Ricolas C h r i ft o f f, früher Polizei­kommissar unter der Bauernregierung, und einige andere Mitglieder der Bande fest genommen. Die Bande selbst wurde zerstreut, zwei Banditen wurden im Gefecht getötet. Ministerpräsident Zankofs beriet mit den auf dem Boden des Gesetzes stehenden Oppofitionsparteien über die zur Bekämpfung der kommunistischen Gefahr zu treffenden Maßnahmen. Die Rachforschungen der Behörden führten zur Entdeckung einer kom­munistischen Tscheka, die ihren Sitz in Sofia hat, und deren Todesurteile durch Terro­risten vollstreckt wurden. Der Präsident der Tscheka, sowie die Buchhändler P e t k o uno Rapetofs, die geheime Beziehungen zu einer Organisation ausgewanderter Agrarkommunisten im Auslande unterhielten, wurden verhaftet. Sie legten ein umfassendes Geständnis ab. Der Gerichtshof von Burgas hat die Führer der Kommunistenbanden Georgi I a n t s ch e f f und Theodor G r u d o s f zum Tode und die anderen Mitglieder der Banden, die sich selbst ergeben haben, zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Sofioter Polizei soll eine gegen die Regierung gerichtete Offiziersverschwö­rung entdeckt haben. Rund 80 Offiziere, dar­unter der ehemalige Generalissimus Iekofs, feien kompromittiert, und 40 seien verhaftet worden unter der Beschuldigung, den gewalt­samen Sturz der Regierung versucht zu haben.

Die Arbeitspflicht in Bulgarien wird durch ein besonderes Gesetz neu geregelt werden. Aach der neuen Ordnung wird eine Direktion für die Arbeitsdienstpflicht in Bulgarien nun ge­schaffen. Das Gesetz will die Produktion in allen Wirtschaftszweigen im ganzen Lande fördern, sowie das Doll an kollektive Arbeit und Fleth gewöhnen und insbesondere zum Bau von Landstraßen. Eisenbahnen, Kanälen, Wasserleitungen. Entwässerungsanlagen usw. erziehen. Außer der zeitlichen Arbeits­dienstpflicht. die jeder Bürger des Landes vom 20. bis 40. Lebensjahre ausüben muß, ist

eine ordentliche Dienstpflicht für die­jenigen jungen Leute vorgesehen, die nicht in der Armee gedient haben.

Amerikanische Auswertungswünsche.

R e u h o r k. 23. Febr. Das Reuyorker Bank­haus Zimmermann u. Forsbay. größter Händler in deutschen Werten, hat eine Denkschrift an den Aufwertungsausschuh des Reichstags und an die deutsche Regierung gerichtet, in dec cs bittet, daß die amerikanischen Investoren berück­sichtigt würden. Das Bankhaus wendet sich gegen den Glauben, dah Spekulanten die Mehr­zahl der deutschen Werte besäßen und betont, daß die Spekulatiork heute höchstens noch eine Million Dollar in Händen habe. Dagegen be­säßen die ursprünglichen Zeichner heute noch ungefähr 50 Millionen Dollar Kriegsanleihe und 50 Millionen Dollar seien weiter nach Frie- densschluh in städtisch en und privaten Anleihen ausgenommen worden, so dah der aufzuwertende Betrag bescheiden sei. In der Denkschrift wird dringend um Berücksichtigung ge­beten.

Das allgemeine Wahlrecht in Japan.

Tokio. 21. Febr. (WB) Der Gesetzentwurf der Regierung über das allgemeine Wahlrecht, der dem Parlament vorgelegt wird, würde zehn Millionen Menschen das Wahlrecht verleihen. In dem Entwurf wird vor- geschlagen. allen Männern über 25 Jahre mit Ausnahme der Oberhäupter adliger Familien, der aktiven Offiziere des Heeres und der Ma­rine. der Regierungsbeamten, der Schwachsinni­gen und Insolventen, der Empfänger öffentlicher oder privater Unterstützungsgelder und der mit mehr als sechs Jahren Gefängnis Vorbestraften das Wahlrecht zu geben. Alle Männer über dreißig Jahre werden mit einigen Ausnahmen zum Parlament wählbar.

Kleine politische Nachrichten.

Der deutschnationale Dertvetertag wählte ein­stimmig durch Zuruf den Abg. Dc. Winckler zum Vorsitzenden der Partei.

*

Der Lippische Landtag wählte zum neuen Landespräsidium mit 18 Stimmen von insgesamt 21 Abgeordneten: Landgerichtspräsi­denten Dr. jur. Rudolf Müller, Geh Ober­finanzrat August Böhmer und Schrifisteller Heinrich Drake. Die gewählten Herren leisteten darauf den Amtseid.

Im Reichstag ist ein Antrag Dr. Matz (D. Dp.) eingegangen, dahingehend, daß zur För­derung der Iugendwanderungen die Eisenbahntarife zur Fahrt der Schulen und der Vereinigungen von Jugendlichen auf ein Viertel des Tarifpreises ermäßigt werden.

Aus aller Welt.

Ein Riesenschwindelunternehmen aufgedeckt.

Einer Gaunergesellschaft ist es monatelang gelungen, einer ganzen Anzahl hie­sigen und auswärtigen Fabrikanten und Kauf­leuten große Beträge abzuschwindeln. Die Schwindler gaben sich als Bevollmächtigte der zuständigen ausländischen Behörden aus und legten den Opfern gefälschte Dokumente über Aufträge für große Reparationsl ie- ferungen vor, die sie zu vergeben hätten. So­weit bisher bekannt, belaufen sich diese Aufträge auf viele Millionen. Die Schwindler vec- eiinbartem Provisionen von lOo/o-für sich, v,cn denen sie sofort größere Barzahlungen verlangten und teilweise erhielten. Als schließlich ein Geschädig­ter persönlich in Wiesbaden bei der zuständigen Stelle sich informierte, ergab sich, daß alle Doku­mente gefälscht und die Aufträge fingiert waren. Die sofortigen Ermittlungen ergaben, dah als Haupttäter der von der hiesigen Kriminal­polizei auch wegen anderer Straftaten gesuchte Kaufmann Joseph Oferath aus Düsseldorf in Frage kommt. Dieser ließ sich durch einen Hel­fershelfer bei den Geschädigten als Beauftragter der französischen Repcwationsabteilung in Wies­baden unter falschem Ramen vorstellen. Als Mittäter wurden festgenommen die Kaufleute Mebus und Debeaux. die die Geschäfte anbahnten und die Wege ebneten. Ferner wurde ein hiesiger Werkmeister festgenommen. Oferath gelang es, sich in Sicherheit zu bringen.

Der Berliner Aktendiebftahl.

Wegen jahrelang fortgesetzter Archivdiebstähle wurde vor vier Wochen der Privatgelehrte Dr. Karl Hauck und mit ihm fein Freund, der frü­here Zuschneider Karl Maria von Hohen- l o ch e v in Berlin verhaftet. Schon bei ihrer Verhaftung wurde eine große Menge Material aus vielen Archiven, zu denen Hauck als Ver­fasser eines großen Werkes über die deutsche Kultur Zutritt gehabt hatte, beschlagnahmt. In der Behausung Hohenlochers, der unter falschem Ramen hauptsächlich als Verkäufer aufgetreten ist, sand man die Schlüssel z u zwei'Tre- s o r e n einer hiesigen Großbank. Man öffnete die Tresors und fand sie mit weiterem gestohle­nen Material ungefüllt. Run ergab sich, daß auch Hauck über einen Tresor verfügte. Auch hier fand man wertvolles Material aller Art, u. a. eigenhändige Briefe der Hohen- 8 ol lern, von Friedrich dem Großen bis zu Wilhelm II. Das Material stammt aus Wien, Darmstadt, Bayreuth und anderen Städten. Es befinden sich darunter eine Krönungsurkunde aus dem 11. Jahrhundert, eine eigenhändige Aus­rechnung der Königin Luise über ihre Haus­haltung und Briefschaften von Bismarck, so­gar ein Federkiel, mit dem Fri edri ch der Große geschrieben hat. Die Ermittelungen über die Herkunft der einzelnen Sachen erstrecken sich u. a. auch auf das Brttische Museum in L o n d o n und das Vatikanische Archiv in Rom.

Z R. III über den Bermudas.

Der Flug deS LustschifiesLos Angelos" nach den Bermudasinseln ist durchaus progrannnähib verlaufen. Bei einer Durch­schnittsgeschwindigkeit von 55 bis 60 Knoten konnte das Schiff die lange Strecke störungsfrei zurücklegen und noch vier Stunden über der Insel kreuzen. Während seines Aufenthaltes sollte es dauernd am Ankermast derPotok a" sest-

geiegt werden. Infolge der Wetterlage tonnt« das aber nicht durchgeführt' werden Samstag vormittag 10.10 Uhr. stieg das Schift nach Ueber- nahme von Post und einigen Passagieren zur Rückreise nach Lakehurst auf, wo feine An­kunft in den späten Rachmittagsstunden erwartet wurde.

Vier Arbeiter bom Zuge getötet.

Zwischen Werdohl und Altena i. Wests wur­den vier Rottenarbeiter von einen? Eifenbahnzuge ersaht und getötet.

Große Schneefälle im Riescngebirge.

Im Riesengebirge sind lang anbauerrtbe Schneefälle niedergegangen. Die Schneedecke ist 1 - -1 Meter hoch. Heber 1000 Meter herrscht durchweg 67 Grad Kälte. Ski - und Rodel­bahnen sind in bester Verfassung.

Tödlicher Ausgang einer Feuerwehrübung.

Im Eisenwerk Ganzen bei Sargans (Schweiz) kam bei einer Feuerwehrübung mit neuem Feuerwehrmaterial die Leiter mit der Stark st romleitung in Berührung. Vier Feuerwehrleute wurden sofort getötet, ein fünfter leicht verletzt.

Banditenüberfall auf ein Dauerngehöft.

In einem D?ls« n der Rahe von Caltani«- f e t t a auf Sizilien versuchte eine Räuber­bande einen Bauernhof zu st ü r mc n unk sich einet Horde Viehs zu bemächtigen. Es kam zu einem regelrechten Gefecht, wobei die u - 6er einen Toten und die Verteidiger zwei Tote hatten. Schließlich muhten die Räuber unter Zurücklassung von zwec Pferden wieder ab­ziehen.

Kunst und Wiffenschast.

Eine (Autenberqbibel in Mainz.

Die Mainzer Stadtbibliothek ist wieder in den Besitz eines Exemplars der 42zei- ligen Bibel Gutenbergs gekommen. Dor geladenen Gästen verbreitete sich derDireltor der Städtischer Bibliothek und des Gutenberg-Museums gelegent­lich einer Besichtigung des Werkes über den Erwerb der Bibel und die Vorzüge und Bedeu­tung derselben. Der Druck erfolgte in Mainz in ber zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in der Zeit, da Gutenberg und Fust in Geschäftsverbin­dung standen. Den Ramen42zeiligc Bibel" trägt sie deshalb, weil sich auf jeder Seite 4? Druckzeilen befinden. Gedruckt von dem Werk« sind im ganzen 185 Exemplare, davon 150 auf Papier und 35 auf Pergament. Hiervon dürften noch 45 Stück existieren, die sich zumeist im Besitze öffentlicher Bibliotheken befinden.

Großer Erfolg Ballirrgs in Rom

Der deutsche Musikdirektor Michael Bal- l i n g vom Staatsth^ater Darmstadt hatte in dem großen römischen Konzertsaal Augusteum einen gewaltigen Erfolg bei der Inter­pretation von Wagner und Beethoven. Das Haus war vollbesetzt, und das Publikum brachte dem deutschen Künstler wiederholt stürmische Ovationen dar.

Wettervoraussage»

Milder, wolkig, stellenweise leiste Rieder- schläge.

Das Zuströmen kalter nördlicher Luft und verstärkte Wärme-Ausstrahlung bei schwach be- wölftem Himmel hat die nächtlichen Tempera­turen bis zum Gefrierpunkt und einige Grade darunter sinken lassen, doch sind Aussichten auf den Eintritt einer längeren Frostperiode noch nicht gegeben. Heber den britischen Inseln liegt ein Gebiet wärmerer Luft, das ostwärts an Raum gewinnt und jedenfalls eine Verstärkung des Frostes verhindern dürfte.

Nus Stadt und Land.

Gießen, den 23. Februar 1925.

Richtige und falsche Wohltätigkeit.

Vom städtischen Wohlsahrtsamt wird, uns geschrieben:

Schweres Leid und schwere wirtschaftliche Rot hat das Grubenunglück in Dortmund über zahlreiche, brave und ordentliche Dergmanns- samilien gebracht. UeberaK in Deutschland regt sich Hilfsbereitschaft. Auch in Gießen fini> einzelne namhafte Spenden bereits eingegangen, über die die Gießener Winternothilfe 1923 als Ortsstelle der Deutschen Rothilfe öffentlich Emp­fangsbekenntnis erteilen wird. Indessen ist das Echo, das der Aufruf gefunden hat, bisher nicht allxu groß gewesen. Spenden werden auf der Geschäftsstelle der Gießener Winternot­hilfe. Gart en st raße Rr. 2, Zimmer Rr. 13, und bei der Mitteldeutschen Credit -- bank, Filiale Gießen, auf das Konto der Gie­ßener Winternothilfe entgegengenommen.

Um so schmerzlicher berührt es, wenn man sehen muh, wieviel Geld in Form von Almosen an Bettler gegeben wird, die größtenteils ar­beitsscheue Schmarotzer an der Wohltätigkeit ihrer Mitmenschen sind und diese Almosen in SchnapS und Zigaretten anlegen. Wieviel Rot könnte ge­lindert werden, sei es im Dortmunder Unglücks­gebiet, sei es in Gießen selbst, wenn man auch nur das zur Verfügung hätte, was in einer Woche hier in Form solcher Almosen an Leute verschwendet wird, die der Hilfe weder bedürftig noch würdig sind! Wohltätigkeit üben ist gut und ist eine sittliche Pflicht für alle, die, die dazu in der Lage find. Aber dieser sittlichen Pflicht wird keineswegs genügt wenn man Geld ver­teilt, ohne im minbeften zu prüfen, ob man da­durch wirklich Rotleidenoen hilft. Es ist aber jeder in der Lage, feine Spenden in einer Form zu geben, in welcher er dessen sicher sein kann, daß sie zur Linderung wirklicher Rot dienen. Er braucht nur an Stelle von Geld den 'Bettlern Schecks des Städtischen Wohlsahrtsscheckdienstes zu geben. Wo er diese erhält, ergibt sich aus der Bekanntmachung im heutigen amtlichen Teil die­ses Blattes. Dem wirllich Hilfsbedürftigen wird auf den Scheck hin ausreichende Hilfe zuteil, weit über den Betrag hinaus, der für den ein­zelnen Scheck bezahlt worden ist. Wer aber nicht hilfsbedürftig ist, wer zu den Landstreichern und Tagedieben gehört, erhält nichts. Die gewerbs­mäßigen Landstreicher wissen das. Sie umgehen in weitem Bogen die Städte, in denen der Wvhl- fahrtsscheckdienst eingeführt ist. Doch genügt die amtliche Einführung nicht. Die Einwohnerschaft muß sich seiner auch rege bedienen. Rur bann wird die Stadt von der Dettlerplage befreit.

Reuerdings wird in Gießen wieder über die Zunahme des Dettlerunwesens geklagt. Der Bett-