ur. zvs Erstes Blaff
175. Jahrgang
Montag, 21. Dezember 1925
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Hessischer Landtag.
Darmstab l, 19. Dez. Präsident Adelung erffönef die Sitzung um 91/2 ilbr.
Auf eine Kleine Anfrage der Demokraten, ob es der Regierung bekannt sei, bah in zu- uetzmen-em Mähe Waffenscheine für K l e i n la l i b e r - G e lo e h r e erteilt würden (Heiterfeit auf der Rechten des Hauses), erwidert Ministerialrat Spam er, baß die Kleinkaliber- Gewehre für den Schießsport verwendet würden, und zwar von den Schiehsportvereinen, die unpolitisch seien und gegen die Rachteiliges nicht besannt geworden sei. Die Waffen wäreit zumeist auf den Sportplätzen, wenn sie über die Straße befördert würoen, sei ein Waffenschein erforderlich. Wie in andercii Ländern, habe man auch in Hessen keinen Anlaß, gegen das Kleinkalibrr- Schießen vorzugehen.
Auf der Tagesordnung steht die Regierungsvorlage, Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Ausführungsgesetzes zum
Finanzausgleichgeseh.
Hierzu liegen folgende Anträge der Abgg. Dr. R i e p o t h und H a u r y (D. Vp.) vor:
1. Wir beantragen: Art. I § 5 erhält folgende Fassung ..Artikel 11 erhält mit Wirlung vom 1. April 1925 folgende Fassung: Das dem Lande zustehende A.flammen an Kraftfahrzeug st euer wird den Gemeindeverbändcn, denen die Wegeunterhaltung obliegt, zum Zwecke der Wegeunlerhaltung überwiesen. Das Ministerium des Innern wird ermächtigt, die Vorschriften über die weiters Verteilung des Aufkommens unter die Gemeindeveraände zu erlassen.
2. Wir beantragen: 3n § 7 sind die Worte: ..3n den 'fiskalischen selbständigen Gemarkungen bleiben die Steuern vom Wertzuwachs uncrhoben" zu streichen.
3. Wir beantragen: § 8 ist zu streichen.
Abg. Dr. Riepoth (D. Vp.) wendet sich zunächst gegen § 7 der Vorlage, in der fiskalische Gcmarlungen von der Erhebung einer Wertzuwachssteuer ausgenommen werden. Der Abgeordnete äußert mehrere Bedenken gegen § 8 der Vorlage und bemerkt dazu, daß feine Partei die ganze Vorlage ablehne, wenn § 8 nicht falle.
Abg. Dr. Leuchtgens (Ldb.) und Kindl 15>nll.) äußern ebenfalls Bedenken gegen § 8. Abg. Lux (Soz.) tritt für dessen Aufrechterhaltung ein. Finanzminister Henrich hält die Bestimmungen des § 8 nicht für wesentlich.
Die Regierungsvorlage wird dann in erster und zweiter Lesung nach den Ausschußanträgen angenommen: der tz 8 ist damit gefallen.
Hierauf werden die Vorstellungen des Bäckerzweigvcrbandes Hessen und des Bäcker- Innungsvcrbandes Rhein-Main-Rahc (Sitz Mainz) über den
Arbeitsbeginn in Den Bäckereien im Winterhalbjahr beraten.
Abg. Schaub teilt als Berichterstatter mit, daß der Ausschuß beschlossen habe, versuchs- tveile den Arbeitsbeginn um 5 Tlhr (statt bisher 6 Uhr) zu erlauben. (Bisher bestand ein Verbot.)
Abg. Dr. Müller (Landbund) weist darauf hin. daß seine Partei das schon früher verlangt habe, jetzt habe man (zu den Sozialdemokraten gewendet! ben wirtschaftlichen Rotwendigteiten nachgegeben. Der Redner weist auf den starken Wcizenmehlverbrauch hin: dadurch bliebe der deutsche Roggen unverkäuflich und gewaltige Geldsummen wanderten unnötiger Weise nach dem Ausland. Di Reegierung tollte auf die Bäckereien einwirten, daß mehr Roggenmehl verwendet und mehr Roggenbrot oder ein Mischbrot aus Weizen- und Roggenmehl hergestellt wird.
Minister Raab erwidert: Alle Staaten an Hessens Grenzen hätten den Arbeitsbeginn um 5 älhr eingeführt, daher könne Hessen ohne Rachteil keine Ausnahme machen. Wenn das Haus den 5-Llhr-Arbeitsbcginn beschließe, würde er sich nicht widersetzen.
Abg. Weber (Soz.) spricht gegen ben früheren Arbeitsbeginn, benn der Grunbiah des Achtstundentages würbe damit durchbrochen.
Abg. Galm (Komm.): Minister Raab Hut soeben erklärt, er würde den Beschlich des Landtags durchführen, obwohl er gegen ein Reichsgesetz verstoße. Vor einigen Tagen hat der Finanzininister sich anders verhalten.
2ll>g. Dr. Werner erklärt, seine Partei trete sozictipolitisch nicht nur für die älnselbstän- btgen, sondern auch für die Selbständigen, die Handwerlcr. Landwirte und andere Berufe ein. Das erst fei wahre Sozialpolitik. Es sei notwendig. M i t t e l st a n b s p o l i t i k zu treiben und dem Handwerk zu helfen, darum fei seine Partei für ben Ausschußantrag.
Abg. Heinstadt (Z.) spricht für ben 5 Llhr- Arbeitsbeginn: Hessen allein könne keine Ausnahme machen.
Rach weiterer Debatte wirb ber Ausschußantrag a n g e n o m m e n. Daggen stimmt die Linke des Hauses und ein Zentrumsabgeorbneter.
Abg. Dr. Müller (Hess.) Landbunb) verlangt Auskunft über die Verwendung von Krediten, namentlich von Postkrediten. Minister Raab antwortet, daß die hessische Regierung bei der Verteilung dieser Kredite nicht mitgewirkt habe. Hierauf wird über
die Anträge zur Polizeifrage abgestimmt. Die Ausschuhanträge werden (zumeist gegen die Stimmen der Rechten) a n g e - n o m m e n. Die Mehrzahl ber Anträge werden durch Regierungsantworten nach diesen Aus- schußbcschlussen für erledigt erklärt. Der Antrag Delp, ber eine Reuorganisation des Polizeiwesens mit dem Ziele einer erheblichen Verminderung des Polizeibedarfs will, ferner mit
Rußlands Außenpolitik.
Moskau, 20. Dez. (Telegraphenagentur ber Sowjetunion.) 3n seinem f nfstündigeu, für das Zentralkomitee ber Kommunisti chen Partei Rußlands erstatteten Bericht über die politische Lage führte ber Generalsekretär ber Partei Stalin auf dem Moskauer Parteitag u. a. aus: Die gegenwärtige vorübergehende Stabilisierung des europäischen Kapitalismus, welche b'.e Schwierigkeiten ber RachkriegZzeit in großem Umfange überwunden hat, ist hauptsächlich um ben Preis feiner finanziellenUnterorbnung unter Amerika erreicht worden, wohin sich bas Zentrum ber finanziellen Macht verschoben hat. Der europäische Kapitalismus sucht einen Ausweg in verstärkter Besteuerung und Ausbeutung ber Arbtitersch'.ft sowie durch verstärkte Ausbeutung der Kolonien un'> der sonst abhängigen Länder, wo infolg'd ss n die rev lutionär n Bewegungen an Boden gewinnen. Darin und nicht in ben angeblichen bolschewistischen Umtrieben liegt ber Grund bet Kolonialkrisen. Die Leute, welche die Bolschewisten beschulbigen. in den Kolonien und Halbkolonien eine Emanzipationsbewegung zu organisieren, tun ihnen zu viel Ehre an. Amerika, welches die Zahlungsfähigkeit Deutschlanbs zu steigern beabsichtige, indem es ihm die Sowjet- Märkte zur Ausbeutung überlasse, mache die Rechnung ohne den Wirt, denn
die Sowjetunion wünsche auch nicht, um Deutschlands Willen ein Agrarland zu werden, sondern gehe Wege der industriellen Entwicklung.
Der Dawesplan berge revolutionäre Krisen in Deutschland in sich und der Locarno-Vertrag ben Krieg in Europa. Locarno bedeute nur die Befestigung des durch den Versailler Vertrag geschaffenen Zustandes, mit dem ein erstarkendes Deutschland sich niemals abfinben wirb. Locarno wird zwangsläufig das Schicksal des französisch-preußischen Vertrages teilen, welcher den Keim zum Kriege von 1914 enthielt. Der pazifistische Lärm um Locarno erinnert an die Lage nach 1871, als Bismarck und das besiegte Frank- rich sich aus die Erhaltung des Statusquo verstän- bigten und Bismarcks Pazifismus allgemein gepriesen wurde, während Deutschland und Oesterreich im Jahre 1879 und Rußland und Frankreich 1898 äußerlich friedlich erscheinende Derrräge abschlossen, die ungeachtet aller pazifistischen Dekorationen wie die Haager Konferenz im Jahre 1899 zur Grundlage des Weltkrieges von 1914 werden sollten. Stalin betonte
das Heranreifen von Gegensätzen zwischen den Siegerstaaten, beten ungeheuerliche Rüstungen natürlich nicht dem abgerüfteten Deutschland gelten. Hinter dem Zusammengehen Amerikas und E n g l a auf ber Grundlage gemeinsamer Gegn gegen den Erlaß ber interag ierten Schulden man einen englisch-amerikanischen Welttam,. < um das Raphtha und ein Aufeinanderprallen der englisch-amerikanischen Interessen in China nicht vergessen, wo Amerikas biegsamere Politik auf die brutalen Kolonialmethoden der.englischen Diplomatie stoße. Stalin erwähnte die Reibungsflächen zwischen Frankreich und England, insbesondere Marokko und Serien und die amerikanisch-japanischen Gegensätze int Stillen Ozean und zog daraus den Schluß, bah zwischen den sogenannten Alliierten nicht ein freundschaftlicher Friede, sondern ein bewaffneter, Kriegsgefahr bergender Friede herrscht.
Das friedliche Zusammenleben Rußlands mit den kapitalistischen Ländern sei auf Wunsch Amerikas zurückzuführen, in Europa, wo seine Milliarden untergebracht sind, einen Krieg zu vermeiden, und ferner auf die für den Kapitalismus bestehende Lebensnotwendigkeit, die Sowjetunion der Weltwirtschaft zu erschließen. Dieses Jahr habe zum erstenmal wirklich eine bedeutende Entwicklung des Außenhandels der Sowjetunion gebracht, an welchem besonders Amerika durch Baumwollexport und Deutschland und E n g l a n d^, d u r ch Getreideimport interessiert esien. Stalin gab ber vollen Sympathie der kommunistischen Partei Rußlands für den
einer Revision ber Gehälter ber Staatsbeamten einen neuen Besolbungsplan für -bic Polizeibeamten. Gendarmerie und Strafanstaltsb warnten, ist angenommen. Wenn bas Reich eine Reuregelung ablehne, sollen bic Länder von sich aus eine neue Besolbungsordnung schaffen. Rach Prüfung ber Verhältnisse solle notleibenden Beamten unb Staatsarbeitern eine Winterbeihilfe gewährt werben.
Der Antrag Dingelbey über die Auszahlung ber Strafanteile wirb an ben Geseh- gebungsausschuß zurückverwiesen.
Dem Hause ist ein Antrag Hein stabt- Schül (Z.) zugegangen, ber 1. eine
Beihilfe für Beamte der Gruppe 1 bis 6
fordert, wie sie ben Aeichsbeamten durch ben Reichstag bewilligt worden ist. 2. Die Regierung veranlassen will, be iber Reichsriegerung die Mittel hierfür anzuforbem. 3. Den Beamten ber Gruppe 7 1 , bes Ianuargehaltes vor Weihnachten ausbezahlen lassen will.
Wie Abgeordneter Reiber als Berichterstatter mitteilt, hat sich die Reg crung die Stellungnahme za dem Antrag bis nach dem Beschluß des Landtags Vorbehalten. Während ber Beratungen im Ausschuß sei noch ein kommunistischer Antrag gestellt worben, auch ben Staatsarbeitern eine Beihilfe zu gewähren. Der Ausschuß empfehle die beiden ersten
Befreiungskampf des chinesischen Volkes unb der Bereinigung Chinas zu einem einheitlichen Reich Ausdruck. Er erklärte, die Politiker des Ostens und des Westens, welche die Große der in der Entfalutng begriffenen revolutionären Kräfte Chinas verkennen und nicht verstehen, daß China in einem Einigungsprozeß bestehl, wie ihn Nordamerika, Deutschland und Italien durchgemacht haben, würden sich durch diese Verkennung der Sachlage großen Nachteilen aussetzen. Stalin hofft, daß Japan in dieser Hinsicht Verständnis zeigen wird. Jeder Machthaber in der Mandschurei, welcher seine Politik auf bic Untergrabung der russischjapanischen Beziehungen einstelle, werde unver- meidli chscheitern. Rußland sei nicht an der Zuspitzung seiner Beziehungen zu Japan, sondern an größtmöglicher Annnäherung an Japan interessiert. Stalin schloß den außenpolitischen Teil seines Referates mit den Worten: Weiterer konsequenter Kamps um die Erhaltuüg des Friedens, Bloßstellung ber unter pazifistischer Flagge segelnden, den Weltfrieden bedrohenden Vorgänge, wie Locarno, Bloßstellung der Organisationen, welche wie der Völkerbund, der Unterdrückung schwächerer Völker durch stärkere dienen, Erweiterung unseres Außenhandels auf der Grundlage konsequenter Durchführung des Sowjetmonopcüs, Annäherung an die durch den Weltkrieg am meisten benachteiligten kapitalistischen Länder, Festigung der Freundschaft zu den Völkern und abhängigen Staaten unb Kolonien sin ddie Aufgaben der internationalen Politik der Sowjetunion.
Sowjetrutzland und die Abrüstungskonferenz.
Moskau, 20. Dez. (WTB.) Die Ein- labung des Völkerbunds rotes zur Teilnahme an ben Arbeiten des Rates auf der zum 15. Februar nach Genf einberufenen Kommission zur Vorbereitung der Abrüstungs- k o n f e r e n z ist beim Auhenkommissariat eingegangen. Das Schreiben weist darauf hin, daß der Völkerbundsrat angesichts der großen Bedeutung der Sowjetunion in der Abrüstungsfrage die Anwesenheit Rußlands nicht nur auf der Konferenz, sondern auch in dem die Konferenz vorbereitenden Kommissionen große Wichtigkeit beimesse. Zu dieser Einladung des Völkerbundsrates schreibt die offiziöse „I s w e st i j a", daß die Sowjetunion trotz ihrer skeptischen Einstellung gegenüber den Abrüstungsmöglichkeiten der bürgerlichen Staaten sich niemals geweigert hat, an den Abrüstungsverhanblungen teilzunehmen unb in den meisten Fällen die Initiative zu berartigen Verhandlungen ergriffen habe. Die Friedensliebe der Sowjetunion beruhe auf dem dringenden Bedürfnis nach Frieden, der zur Wiederherstellung der Wirtschaft notwendig sei. Die Sowjetregierung sei auch jetzt bereit, an der bevorstehenden Abrüstungskonferenz teilzunehmen, ungeachtet dessen, daß die Einladung an Rußland bereits zum Gegenstand-eines diplomatischen Spiels geworden sei. welches bezwecke, Rußland zum Verzicht auf die Teilnahme an der Konferenz zu zwingen. Ein derartiger Verzicht wäre Wasser auf bic Mühle Englands, denn er würde genügen, um Rußland vor den breiten Massen als Friedensstörer erscheinen zu lassen. Besonders charakteristisch sei die Wahl Genfs als Konferenzort, wohin Rußland mit Rücksicht auf seine T. > ehuggen zur Schweiz nicht gehen könne. Das ist dem Völkerbund bekannt und er hat auch 1924 die Tagung der Kommission für die Marinerüstungen wegen der Weigerung ber S:wjetbelcgation, in die Schweiz zu reisen, nach Genf verlegt. Die Sowjetregierung betont von neuem ihre Bereitschaft, an der bevorstehenden Abrüftungskon erenz teilzunehmen, wird jedoch alle Maßnahmen treffen, um vor der öffentlichen Meinung aller.. Länder bic Versuche zu enthüllen, die darauf ausgehen, die Konferenz mit Bedingungen zu umkleiden, welche für die Sowjetunion unannehmbar sind, um dadurch deren Teilnahme an der Konferenz unmöglich zu machen.
Forderungen des Antrags Heinstadt-Schül anzunehmen. Zur dritten Forderung habe der Finanzminister im Ausschuß erklärt, keines der Länder gewähre eine Vorauszahlung: darum habe ber Ausschuß beschlossen, die dritte Forderung des Zentr: mLantrages abzulehnen.
Es wird dann noch ein sozialdemokratischer Zusatzantrag (Antrag Kaul- mi {geteilt, in Dem eine Beihilfe in Höhe eines Wochenlohnes für Staats a r b e i te r verlangt wird. Der Antrag der Kommunisten (Antrag Galm) verlangt eine Wirtichastsbei- Hilfe von 50 Mk.
Abg. Dr. Leucht gen s iHess. Landbunb) weist auf bic finanzielle Bedeutung der Anträge hin unb fragt, wie ber Finanzminister sich zur Aufbringung ber Mittel stelle?
Finanzminister Henrich macht längere Ausführungen, die schließlich auf den nur persönlich erteilten guten Rat h nauslaufen, die Anträge abzulehnen. (Lebhafte Bewegung im Hause.)
Aba. Ding eldeh (D.Dp.) g:bt im Rainen seiner Partei die Erklärung ab, baß sie den Anträgen Heinstadt unb Kaul zustimmen werbe. Der Rebner erklärt bann, seine Verwunderung darüber aussprechen zu müssen, bah die Regierung noch keine Stellung zu dieser Angelegenheit genommen hätte: sie fei ja nicht erst gestern davorgeskeltt worden, sondern sie habe
genau gewußt, daß die Frage Im Reichstag behandelt würde, und sie hat ihren Vertret: o im Reichsrat instruieren müssen über d se Frage. Sie wußte ganz genau, daß der Beschluß des Reichstags Rückwirkungen aus die hessischen Staatsbeamten hat. Wir müssen unser Befremden über das Verhalten der Regierung erklären. Die Reg rang w ll nur b n Landtag vor die Beschlußfassung fteile.i; bi:f;ibc Regierung, die am Tage vorher stark genug war, ihre Autorität vor dem Landtag za betonen.
Abg. Schül (Ztr.) bittet um Annahme seines Antrages, insbcscn cre auch der Bestimmung über die Vorauszahlung des Gehaltes.
Abg. Dr. Werner (Dntl.) bedauert, daß es nicht möglich sei, die höheren Gehaltsgruppen zu bedenken: auch diese Gruppen, namentlich bic zahlreiche Gruppe 7. litten Rot. Der Redner befürwortet eben alls ‘oft Vorauszahlung auf das Ianuargchalt. Die Deutsch- nationalen würden ben Anträgen Heinstabt unb Kaul zustimmen.
Abg. Dr. Leuchtgens (Hess, ßanbbunb) kritisierte bas Verhalten ber Regierung, bic schon seit Wochen vor bleie Frage gestellt sei. Man könne barauf gespannt fein, was bic Regierung nach dem Beschluß des Landtags tun werbe. Rachbem der Finanzminister erllärt hätte, für bic Anträge seien keine Mittel vorhanden, müsse seine Partei dagegen sein.
Abg. Dr. Keller (D. Vp.) macht den Finanzminister darauf aufmerksam, daß eine moralische Verpflichtung bestehe, den hessischen Beamten dieselben Bezüge, wie den Reichsbeamten zu gewähren. Der Redner fordert, auch der Altpensionärc zu gedenkcn
Finanzminister Henrich bemerkt zu dem letzten Punkte, daß die Altpensionäre in Bayern nicht annders behandelt würden als wie in Hessen.
Rach weiteren Auseinandersetzungen werben die Anträge zur Abstimmung aufgerufen. Abg. Galm fordert, daß sein Antrag als der weitestgehende zuerst zur Abstimmung gestellt wirb. Es wird dagegen Widerspruch erhoben und es entspinnt sich über diese Frage eine längere Geschäftsorbnungsbebatte, die schließlich in Lärm- zsenen zwischen den Sozialdemokraten und den Kommunisten ausartet. Bei dieser Gelegenheit fallen die Schimpfworte Verräter, Lausbub und Schweinehund.
Der Präsident läßt darüber abstimmen, ob ber Antrag Galm zuerst zur Abstimmung gestellt werden soll. Di fer Antrag wird gegen bic Stimmen ber Kommunisten abgelehnt.
Hierauf erfolgt die Abstimmung über den Antrag Heinstabt-Schül: die Absätze 1 und 2 werden in älebereinstimmung mit den Ausschuh- anträgen von der Mehrheit des Hauses angenommen. Auch der dritte Absatz wird angenommen, obgleich der Ausschuß Ablehnung beantragt hat.
Der Antrag Kaul wird gegen die Stimmen des Bauernbundes angenommen.
Der Antrag Galm wird gegen die (Stimmen der Kommunisten abgelehnt.
Finanzminister Henrich erklärt, der Antrag Heinstadt könne nicht burchgeführt werden, weil die Mittel fehlten unb auch bic Zeit zur Auszahlung zu kurz sei.
Abg. Galm (Kom.) wirb nachträglich zur Ordnung gerufen, weil er die Ausdrücke Verräter und Schweinehund gebraucht hat. Der Abg. Widmann (Soz.) wird zur Ordnung gerufen, weil er bas Schimpfwort LLausbub gebraucht hat.
Gegen 2 ülhr schließt ber Präsident die Beratungen und beraum tbie nächste Sitzung auf den 12. Januar an. Auf ber Tagcsorbnung steht u. a. bas Finanzexpose des Finanzministers. Der Präsident wünscht den Abgeordneten gesegnete Feiertage.
Durchführung des Feldbereinigungsverfahrens in Hessen.
Darm st a d t, 19. Dez. Wegen ber Durchführung des Fel5b^reinigungversährens wurde im Landtag folgende Anfrage der drei Rechtsparteien eingebracht: „Sic Durchführung ber Feldbereinigungsverfihren und brr Meliorationen, unzweifelhaft Arbeiten produktiver Ratur, drohen zum Stillstanb zu tommen. to^nn es nicht gelingt, alsbald größere Mittel flüffig zu machen. Wir fragen an: Ist die Regierung bereit, alle Möglichkeiten zur Aufnahme einer Anleihe von 1 bis 2 Millionen Reichsmark auszunühen unb die eingehenden Beträge ohne Zinsaufschlag den Feldbrreinigungsge-s.llschaften darlehensweise zur Verfügung zu stellen?"
Gemeinden und W rtschaftskrisis
Köln, 19. Dez. (TU.) In ber Kölner Stadtverordnetenversammlung sprach Oberbürgermeister Dr. Adena u e r über die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Besonders im Westen des Reiches und in Köln fei die wirtschaftliche Lage außerordentlich schwierig. Eine der Hauptursachen sei unsere passive Handelsbilanz. Dazu komme die allen volkswirtschaftlichen Grundsätzen widersprechende Politik der Reichsregierung. So habe z. B. Köln eine Auslandanleihe von 20 Mill. Mark zum Ausbau ihres Bahnnetzes nickt bewilligt erhalten, ferner eine Anleihe von 10 Mill. Mark für die Errichtung einer Mülloerbrennungsanstalt. Dadurch waren aber 2930 Mann für ein ganzes Jahr beschäftigt gewesen. Derartige Anleihen würden die Gemeinden in die Lage versetzt, wieder bei der Wirtschaft zu bestellen. Der Kern der E r • werbslosenfür sorge liege darin, daß man die Arbeitslosen wieder, an ihre eigentlichen Ar-


