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OteHung eines srellveUretendrn Chefs des Over» stenKriegsrates einzustehmen.

Die Parteiführer beim Reichskanzler.

Umbildung des Kabinetts Luther.

Berlin. 20. M>v. (IlL) Reichskanzler Dr. Luther empfing Henks die Vertreter fämlliHer Reichs- kagsfrakiionen mit Ausnahme der Völkischen und Kommunisten. Bei diesen Besprechungen wurde die Frage einer Umbildung oder Reubildung der Reichs- reglerung nicht berührt. Die Erörterungen drehten sich ansschliehlich um die Erledigung der Locarnogesehe. Der Reichskanzler ließ durch­blicken. dah nach der Unkerzeichnung des Vertrages in London das Reichskabinctt demissionieren wird.

Wie das Rachrichtenbureau des Vereins Deut­scher ZeitungLverlcgcr dazu aus parlamentarischen Kreisen fjürt dürste diese Absicht des Reichskanzlers bestehen, jedoch würde die gesamte Demission nur eine formale Bedeutung haben, da Herr Luther vom Reichspräsidenten wiederum den Auftrag zur Bfldung der Regierung erhalten würde. Der Reichskanzler denkt dabei an eine Zu­sammensetzung der Regierung aus den Vertretern derjenigen Parteien, die auf dem Boden der Locarnopolitik stehen und daher für die Durchführung des Vertragswerkes die geeigneten Persönlichkeiten stellen könnten. Diese Auffassung stimmt mit derjenigen überein, die das Zentrum auf seinem Parteitag zum Ausdruck gebracht hak, daß die Zentrumspartei in einer Regierung nur mit denjenigen Parteien Zusammenarbeiten könnte, die die Locarnopolitik mit Ueberzeugung durchzuführen willens feien.

Ein so geartetes Kabinett liehe sich aus der Deutschen Volkspartei, der Bayeri­schen Volkspartei, dem Zentrum und den Demokraten bilden. Diese Koalition würde allerdings eine Rlinderheiksregierung darfkellen, die nur über 171 Stimmen im Reichstage verfügt. Aber es wird mit einem neutralen Verhalten der Sozialdemokraten gerechnet werden können. Diese selbst denkt nicht an den Eintritt in eine solche sogenannte Koalition, obwohl sie die Durchführung des Locarnsv-rtrags unterstützen werde, und sie könne dafür sicherlich taktische Gründe haben.

Es wäre erklärlich, wenn die Sozialdemokraten für die bei der außerordentlichen Ungunst der Wirt- schäft in dem bevorstehenden Winter möglicherweise zu erwartenden großen wirtschaftlichen Auseinandersetzungen frei? Hand gegen­über etwaigen kommnnistischen Anstürmen behalten wolle, obne durch Teilnahme an der Reßiernng in bestimmter Richttmg gebunden zu sein. Daß bei der Reubildung der Regierung neben dem Posten des Reichskanzlers auch derjenige des Reichs- auhenministers in denselben Händen bleibt, wie bisher, ist wohl anzunehmen.

FraKtionsbeschlüffe.

Berlin, 21. Rov. Die demokratis che Reichstagsfraktion Hut gestern nachmittag eine mehrstündige Sitzung abgehalten, in der allgemein zum Ausdruck kam, daß die Fraktion nach wie vor eine Koalition der Mitte als Lösung der gegenwärtigen Krise als unerträglich ansehen müsse. Eine andere Lösung als die Bildung einer Regierung auf der Basis der großen Koolltion sei nicht möglich. Die Bayerische Volkspartei und die Wirt- schaftspartei, die ebenfalls FraktionSsihun- gen abhielten, wollen sich erst entschließen, wenn daZ Locarnogefeh wirklich vorliegt, das vvraus- l sichtlich heute veröffentlicht werden soll.

, Die Svzlaldemokrali'che ReichSlagSfrakiion. gab am Schluß ihrer Sitzung folgendes Commu-

. niqu6 aus: Die Reichsregierung verlangt zu­gleich mit der Entscheidung über die Locarno- vertrage vom Reichstag die Entscheidung über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Die Sozialdemokratie wird, ent­sprechend ihren faireren Forderungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund stimmen. Sie wird, um die'es Fiel zu erreichen, den Lycarnoverträgen, deren sachlicher Sn* halt auf der Linie der sozialdemokratischen Außenpolitik steht und für die die Regierung in der gleichen Frage die Zustimmung verlangt, zustimmen. Sie stehe dabei in Uebereinstim- nrung mit den Londoner Beschlüssen der Sozial- demok. arischen Arbeiterirrteancüionale vorn^S. Ro- vember 1925. Die Frage der Regierungs­bildung ist an die Fraktion, wie wir weiten hören, bisher noch nicht herangetreten. Die Fraktion hat sich daher heute mit diesen Frage noch nicht befaßt.

Die Reichstagsfrak.irn Deutschen Do'kSpartel. trat ebenfalls gestern nachmittag zusammen, um über den Vertrag von Socarno zu beraten. Wie wir erfahren, nahm sie den Bericht des Frak-< tionsvorstandes und des Reichsaußenminftters entgegen, durch die der bisher bekanntgewordene Tatbestand ergänzt und einzelne in der Oeffent- lichkeit aufgetauchte Zweifel beseitigt wurden. Rach kurzer Aussprache beschloß die Fraktion einstimmig, der Regierungsvorlage ihre Zu- st immun g zu geben

Die Richtlinien.

Berlin, 21. Rov. (Wolff.) DieTägliche Rundschau" schreibt: Die Mitteilungen, die der Reichskanzler gestern den Parteiführern gemacht hat, lassen erfernten, daß das Kabinett durchaus bereit ist, die innere Politik wieder zu ihrem Recht kommen zu lassen, wenn die außenpoli­tische Frage ihre Lösung gefunden hat. Vielleicht werde in unverbindlichen Besprechungen der Deden im Parlament auch innrrpolitisch jetzt schon etwas sondiert. Eine Entscheidung werde aber vor der Abstimmung über Locarno von keiner Partei gesucht. Ueber daS vermutliche Abstimmungsergebnis schreibt daS Blatt, daß außer den Deutschnationalen, den Völkischen und den Kommunisten alle Fraktionen voraus­sichtlich ohne Ausnahme für den Vertrag von Locamo stimmen werden. Im Laufe des heutigen Vormittags werde btr Reichskanzler die Partei­führer empfangen, um ihnen die Richtlinien vorzulegen, die daS Kabinett den deutschrn Dele­gierten mit auf den Weg nach Locarno gegeben hat. Wie das Blatt wissen will, sind die Richt­linien in allen Punkten von den Dele­gierten mit vollem Erfolg eingehal­ten worden mit Ausnahme der Saarfrage und der Frage der Lu f t s ch if f ah r t. Lieber die Frage der Lustschiffahrt schweben zur Zeit Verhandlungen, bei benen Deutschland völlige Gleichberechtigung genießt, und die eine

I unseren Zuteressea v.rtsprLch:ndc Neurege­lung erwarten lassen. Hinsichtlich der Saar- frage soll auf eigenen WunschderSaar- länber erst die Frage der Räumungs- f r i st e n geregelt werden. Auch in diesen beiden Punkten schließen also die Verhandlungen keines­wegs mit einem Minus ab. 3n allen übrigen Punkten sei daS Programm aber eingehalten worden, ein Programm, das, w.e das Batt aus­drücklich hervoichebt, unter Mitwirkung und Billigung der d e u t s ch n a t i o na- Ien Minister aufgestellt worden ist.

Verschiebung der Paklunter- zeichnung?

Paris, 20. Rod. DerIntran-- fapant gibt eine Notiz wieder, wonach we­gen deö Ablebens der Königin- Mutter Alexandria von England die Anter-eichnn^g deS Vertrages von Locarno um 10 bis 14 Lcigr hinausgefchoben werden wird, da bekanntlich aus Anlaß der Anterzeich- nung große Festlichkeiten vorgesehen sind.

Der deuLjch-itallemsche Handelsvertrag.

Deutscher Re chstag.

Berlin, 20. Nov. Prä^dent Lobe eröffnet die erste Sitzung nach den Serien mit einer An­sprache, in der er der fünf verstorbenen Abgeord» neten Dr. Beusch, Dr. Spahn, Helling, Laufköttern und Frau Bartels mit ehrenden Worten gedenkt. Er würdigte dabei besonders das 41 Fahre währende parlamentarische Wirken des Seniors des Reichs­tags, Dr. Spahn. Präsident Lobe widmete weiter einen Nachruf dem verstorbenen Reichsminister P r e u ß. Dr. Preuß, der Schöpfer der Weimarer Verfassung, habe in den schwersten Tagen mit festen Händen zugegrisfen, um das Fundament zu legen, auf dem das neue Staatsgebäude errichtet werden konnte. Die Abgeordneten ehren das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Der Präsident macht dann dem Hause offiziell von dem Rücktritt der Reichsminister v. Schlie- b e n , Schiele und Neuhaus Mitteilung.

Auf der Tagesordnung steht die erste und zweite Beratung des deutsch-italienischen Handelsvertrages.

Rcichsauhenminikler Dr. Strrsemann

führt zur Begründung der Vorlage folgendes aus: Es handelt sich hier um den ersten großen Ver­trag, der nach Inkrafttreten der Zolltanfnooelle ab- geschlosien worden ist. Bei den l a n d w i r t s ch a f t- lichen Tarifen ist es gelungen, eine zu weitaehende Senkung der Zölle, die die einheimische Produktion schützen sollen, zu verhindern. Dem Schutzbedürfnis des notleidenden deutschen Weinbaues ist Rech­nung getragen worden. Auf industriellem Ge­biet sind die weitergehenden Wünsche der Gegen- feite abgewehrl worden. Deutschland erhält durch den neuen Vertrag alle Zollerleichterunyen, die Ita­lien in früheren Verträgen anderen Ländern zuge­standen hat. Der neue Vertrag ist geeignet, die oeut- sche Außenhandelsbilanz zu verbessern und uns die kommenden Handelsvertragsverhandlungen mit anderen Staaten zu erleichtern. Wir bitten um eine möglichst beschleunigte Verabschiedung des Ver­trages.

Abg. Dr. Hilferding (Soz.): Die deutsche Außenhandelspolitik müsse endlich in eine verfas­sungsmäßige Form gebracht werden. Spanien war während des Weltkrieges eines der wenigen Länder, das für Deutschland Sympathie zeigte. Diesem Lande erklärt man zum Schaden der deut­schen Wirtschaft den Zollkrieg nur aus dem Grunde, weil die Deutschnationalen mit ihrer Wahl­demagogie den Weinbauern unerfüllbare Verspre­chungen gemacht hatten. Der Wert der gesamten deutschen Weinproduktion erreicht dabei kaum den Betrag, um den die deutsche Fertigwarenindustrie durch die Kündigung geschädigt worden ist. Die Re­gierung Luther ließ sich leiten von der verfluchten Angst vor der deutschnalionalen Wahldemagogie. Nun hat diese Handelspolitik eine TOeberlage er­litten, fast ebenso schwer, wie Deutschlands Nieder­lage im Weltkriege. Der Redner kritisiert dann die Einzelheiten des deutsch-italienischen Handelsver­trags, der auch unter dem Diktat deutschnationaler Demagogie errichtet worden sei.

Das von Mussolini angewandte System der brutalen Unterdrückung beeinträchtige auch den Derk wirtschaftlicher verträte mit dieser Reaie- rnng. vom Regime Mussolinis werden unsere derrffchen Brüder in Südtirol In unerhörter Weise drangsaliert und ihrer Sprache beraubt, im Widerspruch ;v den feierlichen Verspre­chungen, die Italien früher gemacht hat.

Wir protestieren dagegen, daß hier ein Vertrag ab­geschlossen wird mit einer Regierung, deren vor­nehmste Sorge die Unterdrückung der Freiheit jedes Volkes ist.

Abg. Dr. L r j e u n e - Yung (Dn.): Die Inter­essen der Landwirtschaft und des Weinbaues feien offenbar durch manche Vertragsbestimmungen stark beeinträchtigt worden. Der Vertrag enthalte leider auch keine Sicherungen gegen eine D a - l u t a s e n k u n g. 5m Ausschuß werde die Regie­rung auch mit Rücksicht auf die kommenden Ver­handlungen mit anderen valutaschwachen Ländern erklären müssen, welche Maßnahmen sie ins Auge gefaßt hat, um Deutschland gegen eine Valutasen­kung zu schützen.

Mg. Lammers (Ztr.) erklärt die Zustim­mung her Zentrumsfraktion zum dentsch-italien!» fchrn Handelsvertrag. Auf industriellem Gebiete seien vielleicht etwas zu weitgehende Konzessivnen gemacht worden.

Die Bedeutung des deutschen Weinbaues bürfc man nicht, wie Dr. Hilferding sagt, rein zahlenmäßig abschähe.r. 3m deutschen Weinbau steckten so große ideelle und volkSkulturrlle Werte, L> man nicht daran vorübergehen darf. Bei der Entstehungsgeschichte des drutsch-spanlschen Han­delsvertrages habe Dr. Hilferding gegen die Re­gierung zu harte Vorwürfe gerichtet. Ader in der Beurteilung dcS Ausganges dieser miß­lichen Angelegenheit form» man ihm zustimmen.

Abg. Dr. Schneider (D. Vp.) sieht in dem deutsch-italienischen Handelsvertrag dcn Be­weis dafür, daß sich d'.e an die Annahme der jetzigen Zolltarffnovelle geknüpften Befürchtungen nicht bestätigt haben.

Abg. 27keher (Dem.) ist im Gegensatz zum Vorredner derMeinung, dah sich bei öenHandrls- Vertragsverhandlungen gezeigt habe, w'.e bedenk­lich die Zolltarifrwvelle wirke. Zu begrüben sei die im vorliegenden Handelsvertrag auf allen Ge­bieten durchgesehte Meistbegünstigung und die Senkung der autonomen Zölle für die Produkte, QIG-er das unangenehme Gefühl bleibe bestehen beim Vertragsabschluß mit einer Regierung, die

die deutscyen Eigentumsrechte im Lrentino verletze und das deutsche Volk in Sudtirol unterdrücke. Ehe dieses System nicht geändert werde, sei eine An­näherung zwischen Deutschland und Italien nicht möglich.

Die wettere Aussprache über den Handels­vertrag wird hieraus auf Samstag vertagt.

Kleine politische Nachrichten.

Der Chefredakteur des ^Frank­furter Generalanzeigers", Dr. Er­win S t e i n i tz e r, ist gestern abend nach kur­zem, aber schwerem und qualvollem Leiden im Aller von 41 Jahren gelt orben. Der Ver­storbene, der in Budapest geboren war, studierte in Wien und München, war während des Krie­ges in verantwortlichen Stellungen im Aus­wärtigen Amt, im Reichsamt des Innern und in der Reichskanzlei tätig und trat dann nach der Revolution in die Redaktion derVossischen Zeitung" ein. Am 1. April 1923 hat er die Chefreoaktion desFrankfurter Generalanzei­gers" übernommen. Seine menschlichen und jour­nalistischen Qualitäten haben ihm überall auf­richtige Hochschähung verschafft.

Der bayrische Gesandte Dr. Ritter v. P r e - g er hat zu Ehren des Herrn Reichspräsi­denten in der bäurischen Gesandtschaft in An­wesenheit des bayrischen Ministerpräsidenten Dr. Held ein Abendessen veranstaltet, woran ne­ben dem preußischen Ministerpräsidenten Braun auch der Reichstagspräsident L ö b e die meisten Reichsminister sowie eine Reihe hö­herer Würdenträger und Mitglieder des Reichs­rats teilnahmen.

Die Verhandlungen wegen der großen Koalition in Baden sind gescheitert. Die drei Parteien der Weimarer Koalition haben die Kritik der Fraktion der Deutschen Volkspartei an den Maßnahmen des Innen­ministers und des Staatsministeriums anläßlich des Besuch; des Reichspräsidenten zum Anlaß genommen, die große Koalition in Baden fallen zu lassen. >

Die Königin-Mutter Alexandra von England ist am Freitag in den Abend­stunden verschieden. Die ganze königliche Fa­milie war. am Sterbelager versammelt. Königin Alexandra, die Witwe Eduards VH., war eine Tochter König Christians IX. von Dänemark, Schwester König Frederiks VIII. von Däne­mark, König Georgs I. von Griechenland, der in Kopenhagen lebenden Kaiserin-Witwe Maria Fecdorowna (Dagmar) von Rußland und der Herzogin Tßyea von Cumberland (Braunschweig- Lüncburg). Königin Alexandra hätte am 1. De­zember das 8d. Lebensjahr vollendet. 1863 hei­ratete sie den 1910 verstorbLwrn König Eduard. Gleich ihrer Schwester Dagmar galt sie als Seele der deutschfeinolichen Partei an den Höfen von Kopenhagen. Petersburg und 2oitbon.

Die französische Kammer hat in einer Nachtsitzung durch Handaufheben Schluß der Generaldebatte des Finanzsanierungsent­wurfs der Regierung mit 294 gegen 250 Stimmen beschloßen, nachdem vorher die sozialistische Kam­mergruppe sich mit 38 gegen 15 Stimmen für den Uebergang zur Spezialberatung des Regierungs­entwurfs ausgesprochen hatte. Die Abstimmung be­deutet ein Vertrauensvotum für Painlevö.

*

Die Verhandlungen der polnischen Parteien haben tatsächlich am achten Tage der Regierungs­krise zu einem praktischen Ergebnis geführt: Mi­nister Graf S k r z y n s k i bildet ein parlamen­tarisches Koalitionskabiffett, in das Vertreter der größten polnischen Parteien mit Aus­nahme der radikalen Bauernpartei Wyzlowenje Vertreter entsenden werden.

2lus aller Welt.

ToöeSsturz eines Sportslkrgers.

Bei der Rückkehr von der Beisetzung Man­fred von Richthofens stürzte das Flugzeug D 295 der Sportflug G. m.b. H. S1 a ak,en, das von dem Freiherrn von Knobelsdorff geführt wurde, ab. Durch Ueberziehen in der Kurve verlor der Pilot dir Gewalt über das Flugzeug, das auf ein HauS in Staaken nieder­stürzte. Der Motor des Flugzeuges brach ab, Tragflächen und Rumpf blieben auf dem Dach des Hauses liegen. Freiherr von Knobelsdorfs hatte das Rückgrat gebrochen und war sofort tot.

Ford femmt nach Deutschland.

Die verlautet, wird Henry Ford im nächsten Jahre eine längere Reise nach Deutschland zum Studium des deutschen Flugwesens antreten, da er das amerikanische Passagierflugzeug­wesen nach deutschem Vorbild zu organisieren wünscht. Außerdem will Ford das Deutsche Mu­seum in München besuchen.

©in Dombenattentat in Dublin.

Das Lichtspieltheater in Dublin, in dem der englische KriegssilmBpern" gezeigt wurde, ist durch eine Bombe in die Luft gesprengt worden. Im Zusammenhang mit der Tat sind zwei Mann festgenommen worden. Die Explosion wurde in der ganzen Stadt ver­nommen. In den benachbarten Läden sind alle Schaufensterscheiben zertrümmert. Die in den Fenstern ausgestellten Waren wurden auf die Straße geschleudert und die in den hinteren Straßen wohnende Bevölkerung begann die Läden zu plündern.

Tine mexikanisch« Stabt durch Sturmflut zerstört.

Rach Meldungen aus dem mexikanischen Staate Guerrero ist die Hafenstadt Zihuata- nejo durch eine 12 Meter hohe Meeres­welle, die vermutlich durch ein Seebeben im Stillen Ozean hrrvorgerufen war, z e r st ö r t worden.

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Geringer Rachtfrost, milder und meist trübe. Uebergang zu Riedersch-ägen.

Der hohe Druck in Deutschland wird von Rvrden und Rordosten her weiter abgebaut. Gleichzeitig wird die östliche Luftströmung von nördlicher bis westlicher abgelöst, so daß in Rord- deutschland stellenweise schon Regenfälle ein- getreten sind. Mit Ausnahme des Südens liegen öie heutigen Morgentemperaiuren in Deutsch­land wieder über oder nahe um dem Gefrierpunkt.

Gestrige Tagesiempe.a uren: Maximum 2,2, Minimum 3,3 Grad Ce.,üls. Heutige Morgen­temperatur: 0,1 Grad Celsius.

Unser neuer Roman

mit dessen Abdruck wir heule beginnen, entstammt der Feder der auch in unserem Leserkreise seit langem beliebten Schriftstellerin Lisbet Dill.

Franziska

ist der Karne der Titelheldin, deren erschütterndes Schicksal sich in der welk der kulisien abspielt, gehütet und geleitet von der starken Liebe eise^ IHannes. Der Zauber des Theaters mit seinen In­trigen um die Rolle, die Kritik, der Widerhall in der Gesellschaft, Freundschaften und Zerwürfnisse folgen in buntem Wirbel bis zu dem schmerzvoll- versöhnlichen Ausklang.

Kus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 21. Rovember 1925.

Totensonntags

Aur sehr wenigen der Menschenhaie in öie Lage kommen, größere Reifen zu machen, sind die Friedhöfe ein Wanderziel. Man sieht sich die Baudenkmäler aus alter Zeit, die großen, freien Plätze, die Parkanlagen, die Geschäfts­häuser und die Industriepaläste an, aber die Friedhöfe meidet man. Dennoch ist es lehrreich und gewinnbringend, zwischen den Gräbern ein* herzuwandeln und die Grabinschriften zu lesen. Freilich, man stößt dabei auf sehr viel Banales und RichtSsagendes, auch auf Heuchelei und lln- wahrhaftigkeit,- denn die Beteuerung, dah der Tote unvergeßlich sei und daß die Liebe zu ihm nimmer aushöre, hält in der Wirklichkeit nicht immer stand, aber gerade auf deutschen Kirch­höfen lieft man manches eigenartige, fromme, ernste, aus der Tiefe drs Gemütes quellende Wort. Auf dem Friedhof im Friedrichshain zu Berlin, wo die Opfer der Märzunruhen des Jahres 1848 und die des 9. Rovember 1918 begraben sind, steht auf einem Grabe:Hier ruht in Gott Frau Ottilie Paul, geboren 1876. Sie wurde unschuldig durch eine Mine am 9. Ro­vember 1918 getötet. Den Ratschluß Gottes wer­den wir verstehen, wenn wir dereinst uns Wieder­sehen." Eigenartiger und volkstümlicher ist eine Inschrift, Die man in dem Städtischen Museum zu Leipzig findet. Im Jahre 1805 war der Leipziger Fuhrmann Johann Leonhard Rottel­berger mit feinen drei Söhnen dem österreichischen Heere nachgezogen, das an der Donau gegen die Franzosen kämpfte. Dort wurde er mit feinen Söhnen durch eine Granate getötet, alle vier wrrrden auf einem Augsburger Fr'.edhofe bei» gesetzt. Als dieser später modernen Strahenzügen Platz machen muhte, wurde der Grabstein mich Leipzig gebracht. Auf ihn ist zu lesen:

Eine Reife ist das Leben, Jenseits ist das Vaterland. Wer wird vor dem Tode beben? Fromme ruhen in Gottes Hand, Eltern, Kinder, Freunde, Brüder Finden dort in Gott sich wieder."

Diese beiden Grabinschriften enthalten in kurzer Form die Trostgedanken, die allein im­stande sind, am Totensonntage und überhaupt, so oft man der Toten gedenkt, Ruhe und Zuver­sicht in das Herz zu senken. Unsagbar hart und bitter ist es, einen lieben Menschen im Tode dahinsinken zu sehen, namentlich wenn er in jungen Jahren, im rüstigen Aller dahmscheidrl, lange bevor das Atter ihm genaht ist. Auf die Frage nach dem warum schweigt da alles mensch­liche Wissen, hier tröstet nur der Glaube, dah in einem jenseitigen Leben der Ratschluh Gottes, in dessen Hand die Menschenschicksale ruhen, offenbar wird und dah dort die einanber Wieder­sehen, die hier in Schmerz und Traurigkeit von­einander geschieden sind. Ist eine Menschenseele gewiß geworden, dah in Jesus Gottes unermeß­liche Vaterliebe offenbar geworden ist, so erstarkt in ihr auch der Glaube, daß Gott nimmermehr tnfere Gemeinschaft mit den Lieben, die wir sterben sehen, zerstören wird.

Die meisten Menschen bangen, wenn sie drS eigenen Todes gedenken, obwohl mit ihrem Denken ein Erdenleben, das kein Ende erreicht, unvereinbar ist. Ein Menschenleben ist nur denk­bar, wenn es sich aus Kindheit, Jugend, Dem reifen Alter und dem Greisenalter zusammenseht, wenn eS die Fähigkeit behalt, immer neue Ein­drücke in sich aufzunehmen und mit dem all­gemeinen Fortschreiten weiterzuschreiten. Sterben ist Ralurgebot, das wissen einfache 'Raturmenschrn oft besser, als die, die ein kompliziertes Geistes­leben aufweisen. Cs ist eine Tatsache, dah weder der geistvolle Philosoph noch der originale Dichter eine Waffe gegen die Todesfurcht schmie­den kann. Diese Furcht ist nur da abgetan, wo der Mensch mit dem lebendigen Gott Verbindung hat und in sich die Hoffnung auf ein ewiges, seliges Leben trägt. Auf dem Dorotheenstädti* scheu Friedhof in Berlin steht auf einem Grab das WortWas muh ich tun, dah ich selig werde?" auf einem anderen:Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe!" Die, die diese Bibelworte auf die Grabsteine der Ihren haben fetzen lassen, standen auf einer bemerkenswerten Höhe der christlichen Erienntnis und Lebensreife. Der Mensch, dessen höchstes Verlangen es ist. selig zu werden und in der Liebe Gott anzuhangen, hat die Sterbenssurcht überwunden und sieht feiner leiblichen Auflösung mit derselben Ruhe ent­gegen, wie der, der eine Reise in ein anderes Land antritt oder wie einer, der am Abend sich ruhig zum Schlafen niedergelegt. H. D.

* Gefalle nen-Gedenkfeiern fin­den morgen nachmittag auf dem Reuen Friedhof statt. Die erste Feier wird vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen veranstaltet, die andere vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Die Deutsche Demokrattsche Partei fordert in einer Anzeige ihre Mitglieder auf, an der Feier des Reichsbanners teil­zunehmen. Heber den Beginn der Ehrungen geben die Anzeigen Auskunft.

Falschgeld im .Umlauf. In Frank­furt a. M. befinden sich ,falsche Zweimarkstücke, MünzzeichenG", im Umlauf. Die Falschstücke haben mattes Aussehen und einen dumpfen Klang. Die Umrandung ist sehr mangelhaft aus- gesührt. Auch befinden sich immer noch falsche Dreimarkstücke, MünZ?-eichenD" im Umlauf, deren Umrandung an 6.eile des WortesEinig" daZ Wort®inkT tragt.

Verbot der Geflügeleinfuhü aus dem Ausland. Das hessische Mio»