Ausgabe 
21.10.1925
 
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non Locarno eingehend erörtert wurde. Graf Westarp hielt ein Referat über die politische Lage . Der Sitzung wohnte auch Reichs Minister Schiel e bei. Wie verlau­tet, wurde von verschiedenen Römern eine authentische Auslegung mehrerer Stel­len des Sicherheitspattes verlangt. Ferner wurde eingehend die Frage der sogenanntenR ü_d - Wirkungen" erörtert. Bindende Beschlüsse wurden nicht gefaßt, sie sind vielmehr der heute vormittag 10 Llhr vormittags stattfindenden Fraktionssitzung Vorbehalten.

Chamberlains Rückkehr nach London.

London, 20. Oh. (WTB) Chamberlain wurde btt seiner Ankunft Dienstag abend be­geistert begrüßt. Zu dem Empfang hatten sich u. a. eingesunden die Botschafter Deutsch­lands, Frankreichs, Belgiens und Italiens, sowie Vertreter des diplomatischen Korps, und in Vertretung des Königs Lord C r o m e r, alle in London anwesenden Mitglieder des Kabinetts und fast der gesamte Stab des Foreign Office. Als Chamberlain, der an die anwesenden Zei­tungsvertreter eine kurze Ansprache hielt, den Bahnhof verließ, wurde er von der Menge mit wiederholten Hochrufen empfangen. Morgen früh wird Chamberlain die Ergebnisse von Locarno dem Kabinett vortragen . Sogleich nach dem Zusammenttitt des Parlamentes am 16. Rovem- ber wird sich das Lln ter Haus mit dem Ver­trag von Locarno befassen. Es gibt keinen Zwei­fel. daß das Parlament dem Vertrag zustimmen wird.

Frankreichs Finanzkrisis

Caillaux' Bericht im Minifterrat.

Paris. 21. Oft. (Sil.) Der gestern vor­mittag abgehaltene französische Ministerrat wurde von dem Präsidenten d er Republik mit Be^tühungsworten an Driand eröffnet. Briand wses in seiner Erwiderung darauf hin, daß die Ermutigungen, die ihm stets von dem Minister­präsidenten und der Regierung zuteil geworden sind, aus den glücklichen Ausgang der Konferenz Einfluß gehabt hätten. Painlevs erstattete dann Bericht über die Lage in Marokko und Syrien. Den weitaus größten Teil der Sitzung nahm ein Expose C a i l l a u x' über die Finanz­lage ein. Der Finanzminister gab in großen Ufttriffen ein neues Programm bekannt, stieß aber, wie die Blätter melden, bei den übrigen Kabinettsmitgliedern auf Widerstand. Um 10,50 Hpt mußte Cailtaur die Sitzung plötzlich ver­lassen und kehrte nach einer Viertelstunde mit wichtigen Unterlagen aus dem Finanzministerium zurück.

Die französische Finanziriiis Hai einen neuen Höhepunkt erreicht. Das Pfund Sterling notierte bei Börsenschluß 100,45, der Dollar 22,61. Zn Pariser Finanzkreisen macht man sich für die nächsten Tage auf eine neue Devisenhausse gefaßt.

Denn die Araulenbaisse bis vor kurzem tatsächlich auf die Spekulation ausländischer Börsenplätze zurückgeführt werben konnte, so entspringt sie seht einer neu einsehenden Vertrauenskrise,

die namentlich leit Öen ungenauen Erklärungen Eaillaur' auf dem Kongreß in Rizza deutlich in die Erscheinung tritt. Die erregte Aussprache im gestrigen Ministerrat unb die dabei zutage ge­tretenen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Finanzminister und einem Teil feiner Kabinetts­kollegen hat den ungünstigen Eindruck nur ver­stärkt. 3n den Wandelgängen ter Kammer wurde gestern nachmittag durch Abgeordnete, die dem Finanzministerium nahe stehen, das Gerücht ver­breitet, bah Caillaux im Ministerrat die Er­mächtigung zu einer Emission von 10 Mil­liarden Franks nachgesucht habe, wodurch, wie die Betreffenden hinzufügten,der W c der Inflation" be'chritten wird. Das dürf­tige Ergeins der Anleihe läßt den Schritt des Finanzministers wahrscheinlich erscheinen. Cail- laux soll sich ferner für eine Besteuerung der Dividenden in Höhe von 35 Prozent bei französischen und von 50 Prozent bei aus­ländischen Werten entschlossen haben.

Damaskus von den Drusen erobert?

Beirut, 20. Off. (Hovos.) Die in dos süd­liche viertel von Damaskus eingebrungenen Dru­sen, von deren Einfall gestern bereits berichtet wurde, haben in dem islamitischen Viertel Barri­kaden errichtet und einige Magazine unb Hauser unter Feuer genommen. Die Franzosen sind Herren der privaten und öffentlichen Gebäude «blieben, die die Aufständischen beschossen. Als Repressalie hatte die Artillerie Tag und Rächt die aufständischen viertel bombardiert. Tanks wurden mit beträchtlicher Wirkung eingesetzt.

Entgegen dieser havasmeldung weih dieVoss. Ztg." aus London zu melden, daß Damaskus durch Verrat der Einheimischen ge­fallen sei und die Garnison sich ergeben Hobe. Der Draht von Damaskus nach Beirut sei gestört.

Ungeklärte Lage in China.

Peking. 20. Ott. iHavas.) Die Posten des Generals Zang Tu Ting haben sich infolge der Besetzung von Schanghai durch den Gouver­neur von T s ch e k i a n g nach 3u Schu zurück­gezogen. Die Cisendahnstrecke Schanghai-Aan- king ist unterbrochen. Die Feindseligkeiten haben jedoch noch nicht begonnen. Die provisorische Re- gierustg hat in einem Aufruf den Gouverneur von Tschrkiang gebeten, seine Truppen auf ihre Ausgangsstellungen zurückzuziehen und ihn aufgefordert, nicht in einen Konflikt mit den Truppen von Mukden, die im Rückzüge begriffen sind, zu geraten. Eine Konferenz der Parteiführer hat in Hangkau stattgefunden. General W u P e i F u ist an die Spitze berufen, worden. Dieser wird die Truppen von Honan. Hup und Hu-Ran mit- bringen. Die Haltung Fvng Jus bleibt ab­wartend. Man glaubt, daß er einen Druck auf den Gouverneur bon Schansi ausüben werde, um ihn daran zu verhindern, für die Truppen von Muk­den Porter zu ergreifen. General Wu Pei Fu werde das Oberkommando der mittleren Pro­vinzen von China übernehmen und eine unab­hängige Zentralverwaltung in Hang­kau für das zwischen verschiedenen Provinzen ab­geschlossene Bündnis Vorschlägen. Die Truppen von Mukden sind von den Soldaten Kaiangtfus entwaffnet worden. Die Provinz Honan hat sich bisher nicht der Allianz angeschlossen. Mehrere

Kriegsschiffe begeben sich nach Jangtse. Man glaubt, daß sie sich Wu Pei Fu zur Verfügung stellen werden.

Memels Bekenntnis zum Deutschtum.

Das Ergebnis der Landtagswahlen im Mcmelgebtet.

Memel. 20. Ott. (WB.) Die Wahlen des Memelgebietes haben mit einem überwältigen­den Sieg der drei in der Einheitsfront zusammen- geschlvsfenen Parteien der Memelländer ge­endet. Das Ergebnis hat alle Erwartungen weit übertroffen. Von etwa 77 500 Wahlberechtigten haben 85 Prozent ihr Wahlrecht ausgeübt. Zn der Einheitsfront auf der einen Seite die memel- länder Landwirtfchaftsparlei. auf der anderen Seite die Sozialdemokratie, die dazwischen liegenden Berufskreise und Volks­schichten hatten sich zur M e m e l l ä n d i s ch e n Volkspartei zusammengefchlossen. In der Stadt Memel ist das vorläufige Ergebnis der Wahlen folgendes: Dolkspartei 12 195, Land­wirtschaftspartei 208, Sozialdemokratie 2949 Stim­men. Splitterparteien: Autonomiebund 14 h, Kommunisten 943 Stimmen. Von den drei L a n d l r e i s e n liegen die Ergebnisse aus 46 von insgesamt 67 Wahlbezirken vor. Die ab­gegebenen Stimmen verteilen sich wie folgt: Volkspartei 9378, Landwirtschaftspartei 16 234, Sozialdemokratie 5175, Splitterparteien: Auto- nomiebund 285, Kommunisten 253 Stimmen. Lieber die Verteilung der Mandate läßt sich Zu­verlässiges bis jetzt noch nicht errechnen.

Italieniscl-e Gerichtssprache in Südtirol.

Rom. 21. Oft. (WTB. Funkspruch.) Me saggero" veröffentlicht lei Wortlaut der An­ordnung des italienischen Justizministers, die den Gebrauch der italienischen Sprache bei allen Gerichts Vorgängen in den neuen Provinzen zur Pflicht macht. Danach sind irgendwelche Aktenstücke in anderen Sprachen ungültig. Geschworene, die die italienische Sprache nicht verstehen, dürfen nicht auf die Geschworenenliste kommen. Gegen Zuwiderhan­delnde werden Strafen bis zu 5000 Lire verhängt. Zuwiderhandelnde Beamte werben für wenigstens 3 Monate ihrer Stellung enthoben, erhalten kein Gehalt und werden strafversetzt. Rur für Fiume bleiben die durch die internationalen Verträge gewährleisteten Bestimmungen in Kraft.

Der Fall Höfle.

Preußischer Landtag.

Berlin, 20. Ott. Das Haus fetzt die zweite Beratung des Justizhaushaltes mit der Erörte­rung des Falls Höste fort.

Abg. Kuttner (Soz.) hält die Beschlüsfc des Ausschusses für sachlich richtig. Eine Lin- summe von Verwechslungen habe beigetragen zu dem traurigen Ausgong. Der Gefängnisarzk Dr. Thiele hatte nicht pflichtgemäß gehandelt. Dazu komme der Mißbrauch von Rarkotika, der Erlaß des Wohlfahrtsministers, die Stellung des Untersuchungsrichters Rothmann. die Zaghaftig­keit des Justizministeriums, das nicht früher ein­gegriffen habe. Wir stehen unter dem Eindruck den Folgen eines Terrors/der ausgeübt wurde auf Grund einer öffentlich betriebenen Hetze. Dr. Höfle ist ein Opfer der Hetze und Verleum­dung. Solange es in Deutschland üblich bleibt, baß sachliche Gegensätze mit persönlicher Hetze und Verleumdung ausgetragcn werden, solange werde es in Deutschland auch weitere Fälle geben, wie diesen Fall Höfle.

Abg. Dr. Böhm (Dtsch. Vpt.) Parteipoli­tische Einstellung irgendwelcher Art hoben mit den, Schicksal Dr. Höfles nichts zu tun. Dem Vorredner gegenüber möchte ich ebenfalls be­tonen, daß noch dem Ergebnis der Verhandlun­gen des Bormat-Ausschufscs int Reichstage Staatsanwaltschaft und .Unterfu- chungSrichter ihre Pflicht getan haben, als sic zur Verhaftung schritten. Die Kernfrage ist eine ärztl iche Frage. Ein schwerer Fehler war es. daß Höfle nicht wenigstens am Tage seiner letzten schweren Krankheit in ein Kranken­haus verbracht wurde. Die seelischen Einwir­kungen, die Höfle durch die Haft und die nach­weisbaren Fehler im Rechtsvorgehen gegen ihn zu erleiden hatte, nahmen einen gewissen Anteil on dem Tode. Eine beabsichtigte Delbsttötung kann weder behauptet noch mit Sicherheit aus­geschlossen werden. Man muß den beteiligten Beamten zugeben, daß die Fehler, die sie etwa begangen haben, schließlich ihrer Pflicht­erfüllung und ihrer Staatsgesinnung ent­sprungen sind.

Abg. Wachhorst dc Wcntc (Dem.) Von Locarno aus sind jetzt die Friedenstauben in alle Welt geflogen. Sollte es nicht auch möglich sein, in der nationalistischen Atmo­sphäre eine Entgiftung vorzunehmen? Sehr zu bedauern ist, daß man mit der par­lamentarischen Untersuchung nicht mehr dem le­benden Dr. Höfle zu Hilfe kommen konnte. Die ganze Sache wäre anders verlaufen, wenn die Strafkammer öffentlich verhandelte. Die Llnter- fuchung hat gerade in mittelalterliche Zustände hkneingeleuchtet. Die Abhilfe muh auf dem Weg der Gesetzgebung erfolgen, dann wird auch ter Tod eines ehemaligen Reichsministers nicht ver­geblich gewesen sein. (Beifall.)

Abg. Schwenk (Wirt. Ver.). Im Falle Höfle sind wir der Auffassung, baß sein Verhal­ten mit der Würde eines hohen Reichsbeamten sich nicht vereinbaren läßt. Er hat an eine Ver­urteilung nicht gedacht, denn er hat ja auf seine Immunität verzichtet. Diese Tatsache bringt uns dazu, das Verholten und Verfahren der Staats­anwaltschaft und des Untersuchungsrichters, wie der Gefängnisleitung gegen Dr. Höfle und auH gegen seine Frau zu verurteilen. Im Unter­suchungsgefängnis ist es zugegangen, wie in einer Folterkammer.

Abg. Dr. Körner (D. Völk.) verliest eine eidesstattlich« Versicherung eines Gefangenen in Fürstenwalde, der zwei Jahre lang nicht ärztlich untersucht, worden sei, trotzdem er eines Tages ohnmächtig in der Zelle aufgefunden worden sei.

Abg. Quaet - Faslen (Dn.) betont, die im Falle Höfle vorgekommenen Fehler und Här­ten seien vielleicht einer zu großen Korrektheit der Beamten entsprungen. (Lachen links und im Zentrum.) Jede Behebung der gerügten Miß­stände würden die Deutfchnationalen unterstützen.

Abg. Wester lZ ): Die Frage, ob das Leben Höfles im Rahmen der betreffenden Ge­setze und Verhandlungen hätte gerettet werden

können, muß unbedingt bejaht werden. Jeder Bürger des Staates sei geschädigt durch die Zu­stände, die in der Justizverwaltung bestanden haben und teilweise noch bestehen. Man habe daher ein Interesse daran, mit allen Parteien einheitlich in dem für diesen Zweck gebildeten Ausschuß zusammenzuarbeiten und Sorge dafür zu tragen, daß der Geist, den Volk und Parla­ment einhellig verlangen, in der Justizverwaltung endlich Allgemeingut wird.

Die Weiterbrratung des Haushaltes der Justizverwaltung wird auf Mittwoch vertagt.

Finanzlage und Gemeinden.

Eine Mahnung des Reichsftnanzminifters zur Sparsamkeit

Berlin, 20. Oft. (WB.) Den Vorständen der Gemeinten und Gemeinteverbänden teilte Reichsfinanzminister v. Schließen in offener Aussprache die Aussichten auf steuerlichem Gebiet für die nächste und spätere Zukunft mit. Der Minister gab dann eine eingehende Darlegung der finanziellen Lage. Im Hinblick auf die Steuergesetze warnte er dringend vor der An­nahme, daß mit einem M« h r o u f ko m m en von rund 400 Millionen Mark, das sich bekannt­lich in der ersten Hülste des laufenden Rech­nungsjahres gegenüber dem Voranschlag ergeben hat und zum größten Teil den Ländern und Gemeinden zugute gekommen ist, auch

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Rönnen nur bis Freitag vormittags verbindlich angenommen werden.

Zwecks wirksamer Satzausstattung erfolgen Bestellungen zweckmäßig bereits im Laufe des Donnerstags

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in der zweiten Hälfte des Rechnungsjahres ge­rechnet' werden tonne. Reich Länder und Gc- meinten, die in ernster Rotgenreinschaft mitein­ander verbunden seien, mußten durch st r e n g ste Sparsamkeit den sachlichen und persönlichen Ausgabenbedarf so stark wie möglich ein- schränken.

Der Vizepräsident der Reichsbaick, Kauff­mann. wies auf die Rotwendigkeit der Ein­schränkung der Aufnahme von Aus­landanleihen durch Gemeinden hin. Von den Vertretern der Gemeinden und Gemeiudever- bänden wurden sodann eingehend die Möglich­keiten der Ausgabenersparung erörtert.

Parlamentarisches aus Hessen.

D a r m st a d t, 20. Oft. Abg Fenchel (Bbd.) hot über die Errichtung eines geburts­hilflichen Instituts an der Veterinär- f t i n i t der Landesuniversität Gießen eine Anfrage im Landtag eingebracht. Zur Begrün­dung wird u.a. erklärt:Im August 1923 hatten die Abg. Brauer und Genossen an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob im Staatsvoranschlag für 1924 die Mittel für die Errichtung eines ge­burtshilflichen Instituts bei der Veterinarklinik der Landesiininersitöt eingestellt werben solle. Ein sol­ches Institut bestehe an den anderen tierärztlichen Hochschulen und Fakultäten bereits, seine Errich­tung werde in Gießen schon seit 20 Jahren angestrebt. Es wurde weiter daraus hingewie- fen, ivelche Bedeutung ein solches Institut bei her gesteigerten Wichtigkeit der Pflege unserer Vieh­bestände in wirtschaftlicher Hiüsicht und für die Volksernährung hat. Es war damals in der Zeit der Inflation. Die Verhältnisse, welche die Not­wendigkeit des Instituts bringen, haben sich ver­schärft. Der Ausbau gleicher Einrichtungen an anderen Hochschulen wurde gefördert, so daß Gie­ßen ernstlich ins Hintertreffen gerät, wenn es nicht folgt. Die Schwierigkeit der Beschaffung des Unter: richtsmateriols ist durch die Einrichtung des ll n i- o e i j U ä 19 g u t s beseitigt. Das allgemein natio­nalökonomische sowie das landwirtschaftliche Inter­esse erfordern, daß endlich der Durchführung des Projekts nähergetreten wird. Sollte die Bereitstel­lung der Mittel in einem Etatsjahr Schwierigkeiten machen, so konnten sie vielleicht in zwei Raten, deren erste schon für das Rechnungsjahr 1925 vor- zusehen wäre, bereitgestellt werden. Unter Berück­sichtigung dieser Umstände frage ich an, ob in dem Staatsvoranschlag die notwendigen Mittel vor­gesehen werden sollen?!

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empsing heute den Direttor des Botanischen Gar­tens in Asuncion (Paraguay) Dr. Fiebrig- Gerh, der dem Reichspräsidenten ein eigenes Handschreiben des Präsidenten der Republik Paraguay, Eligio Agola, über­reichte.

Reichspräsident von Hindenburg wird seinen bereits angekündigten Besuch bei der württembergischen Regierung gegen Mitte Rovember abstatten.

Großadmiral Hans von Koester, ter Lehrmeister und Erzieher der deutschen Flotte, feierte int 81. Lebensjahre seine goldene Hochzeit.

Die südafrikanische Regierung hat fünf J u n- kersflugzeuge zur Errichtung einer Flug­linie in Südafrika bestellt, die unter An­leitung von deutschen Piloten von südafrikani­schen Fliegern unb Mechanikern im nächsten Jahr in den Dienst gestellt werden sollen.

Die diplomatischen Vertreter aller Balkan­staaten sollen mit ter türkischen Regierung über die Einberufung einer Balkankonferenz zur Regelung aller Streitfragen in Sudeuropa einig geworden sein.

*

Der kürzlich vom französischen Militarpolizei- gericht wegen Einreichung einer zu hohen Scha- denersatzsumme für ein repariertes Schloß zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte Bürger­meister von Alzey, Phil. Hill, ist heute vom Berufungsgericht freigesprochen worben.

Aus der Provinzialhauptstadt.

'Gießen, den 21. Oktober 1925.

AusstellungMutterund Kind".

!'! Jin Ausstellungsraum der Reuen Aula in ter Universität sprach am Montag abend Frau Dr. Marx über dos ThemaW e i b u n d Mutterschaf t. Eine außerordentlich große Hörerschaft folgte dem Vortrag mit großem Interesse. Die Rednerin ging zuerst auf den ungeheuren Geburtenrückgang ein. Heute beträgt die Zahl der Geburten auf 1000 Einwohner nur 10 Reugeborene, gegen 20 im Jahre 1900. Es fei eine trübe Erscheinung, ja fast einer Seuche vergleichbar, daß man nun auch in Deutschland das Ein- und ZDeikindersystem immer mehr einführe. Aber gerade bei diesen Kindern werde der Egoismus großgezogen, sie würden ver­wöhnt, cs wäre viel besser, wenn die Kinder in dem Toben und Treiben einer größeren Fa­milie aufgezogen würden. Untere gegenwär­tigen wirtschaftlichen Verhältnisse hätten vielfach die Schuld daran, daß die Frau ihrem Veruf als Mutter nicht voll nachkommen könne, die Rot zwinge sie, den geringen Verdienst des Mannes durch eigene Arbeit zu ergänzen zu helfen, fie muffe in die Fabrik gehen. Von furcht­baren Folgen fei auch dos Wohnungselend. Die Arbeit in Fabriken sei absolut schädigend für eine hoffende Frau, besonders, wenn 'die Tä­tigkeit im Stehen ausgeführt werden müsse. Das Wochenhilfsgeseh greift hier fchützend ein und bestimmt, daß den werdenden Müttern vier Wochen vor der Geburt eine Beihilfe in Höhe des Krankengeldes gewährt wird, das am Tag der Geburt fällig ist. Rednerin appellierte an die Mütter, dafür sorgen zu wollen, daß unter Volk einen genügend zahlreichen und körperlich tüchtigen Rachwuchs erhält. Der Staat ist ge­willt, den kinderreichen Familien durch Ge­währung von Zulagen und Ermäßigung der Steuern entgegenzulommen. Ein zweites Liebel fei die Abtreibungsseuche, die gegenwärtig in bedenklicher Weise nm sich greife. Gerade hier­durch gehen alljährlich mehr Fpauen zugrunde als an schweren Geburten. Die Mütter sind zu ermahnen, ihre Kinder von Jugend auf in freier Luft spielen und sich taumeln zu lassen, und sie später zu Turnen und Sport anzuhalten. Mädchen sollen von klein auf mit Puppen spielen. Der sehr volkstümlich gehaltene Vortrag fand dankbare Aufnahme bei den über tausend Zu­hörern.

Herr August Weigel sprach bann über den tiefen Zusammenhang von Mutter und Kind: darin liege das Glück der Familie. Anschließend trug er ein sinniges Gedicht vor, das mit leb­haftem Beifall ausgenommen wurde.

Beig. Dr. 6 ei b als stellv. Vorsitzender des örtlichen AuSstellungsausschusfes richtete an die Versammlung die ernste Mahnung, übet den Zweck ter Ausstellung nachzudenten: besonders dürftet: die Mütter ihre natürliche Bestimmung nicht vernachlässigen, sondern müßten dafür Sorge tragen, daß unserem Volke ein starker unb tüch, tiger Rachwuchs zuteil werte. In warmen Wor­ten dankte er dem Kreise Gießen, der Stadt, der Ortskrankenkasse Gießen-Stadt. der Presse, den Aerzten und Schwestern, die sich all« in uneigennütziger Weise in den Dienst der edlen Sache gestellt hatten. Er ermahnte dis Besuchst ter Ausstellung, im LebenSinteressc von Volk und Vaterland alles daS zu beherzigen, woS sie hier gesehen und gehört hätten.

Der Leiter der Ausstellung, Regierungsrat Göthe, betonte, daß die Anregung zur Aus­stellung mit in erster Linie das 'Verdienst des Guttemplervttens sei. Auch er wandte sich mit Dantesworten an die Stadl, die Llniversitä!, die Presse und alle, die sich um die Ausstellung verdient gemocht hoben. Kaum in einer anderen deutschen Stadt hotte die Ausstellung eine so herzliche Aufnahme gefunden, wie gerate in Gießen. Eine ganze Anzahl hiesiger Firmen hätten sich beteiligt und durch ihre zur Schau gestellten Gegenstände manches Ergänzende zu der Ausstellung beigefügt; dafür gebühre ihnen Donk und Anerkennung. Die Ausstellung habe die riesige Zahl von rund 9000 Besuchern er­reicht und siedele nunmehr mit den besten Hoff­nungen nach WormS über.

In unserem Bericht vom Samstag über den Vortrag des Oberarztes Dr. Hofmann über das ThemaErnährung des Säug­ling 6l: ist an einer Stelle eine irrtümliche Wiedergabe der Ausführungen des Refercnteit enthalten. Richtig muh cs dort heißen:Leider stillen viele Mütter, auch wenn fie dazu in der Lage wären, ihre Kinder nur ein bis zwei Mo­nate voll. Rur bann, wenn mit allen Mitteln er­wiesen ist, haß die Brust nicht ausreicht, sollte künstliche Rohrung zugsfüttert werten."

** Der neue Superintendent für b i c Provinz Oberhessen, Oberkir- ch e n r a t Wagner, hat jetzt mit feiner Familie ständigen Wohnsitz in Gießen genommen. Aus diesem Anlaß schreibt man uns aus bet' Pelrusgemcinde z u Darmstadt:Zu einer schlichten, aber eindrucksvollen unb erhe­benden Feier hatten sich am Dienstag abend im großen Saale des G-emeindebauses in der Eich' wiefenstraße der Kirchen-Gesangverein Dessungen (Petrusgemeinde) und die Evangelische Männer- Vereinigung um die Person ihres feitbc eigen Pfarrers, des jetzigen Oberkirchenrats unb Su­perintendenten für die Provinz Oberhesfen, Herrn Karl Wagner, rerfammelt. Galt es doch, dem nunmehr endgültig aus feiner Gemeinde Scheibendeü der Herr Obertirchenrat verlegt in den nochstett Tagen feinen Wohnsitz aus dem traulichen Pfarrhaus bei der Bessunger Kirch« nach der Hauptstadt seines Sprengeis, Gießen in Der Abschiedsstunde noch einmal die Liebe unb Verehrung zu zeigen, die er sich durch fein treues, seelsorgerisches Wirken, sowohl wie auch durch sein schlichtes, leutseliges, herzgewinnendes Wesen innerhalb ter Gemeinde erworben hot Einen äußeren Ausdruck erhalten diese Gefühle der Gemeinde, die in den beiten genannten Vereinen besonders lebendig sind, dadurch, daß der Herr Oberkitch-rnrat in entsprechenden, seine Verdienste um die beiden Vereine hcnvorhebenten Anspra­chen gebeten wurde, vom Kirchen-Gesangverein die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden, von der Männer-Vereinigung zum Ehren-Mitgliede an­zunehmen. Sichtlich gerührt von ter ihm ent­gegengebrachten Liebe nahm ter Herr O6er- kirchenrat die beihen künstlerisch ausgesührten Llr- kunden über die Ernennung bibliophile Kunst­werke des Herrn Cawall entgegen und &£ifi,ntc in feinen Dankesworten, daß er ger-J ^ent