Ausgabe 
21.8.1925
 
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.öen zu geben. Wären sie schon so kleinmütig ge­wesen. wie dieVerständigen" es uns raten, wir wären alle nicht aus der Welt.

Gewiß, damals hatte man nicht soviel Bedürf­nisse. Ein neues Kleidungsstück oder Möbel war ein Ereignis fürs ganze Jahr. Kino-- und Gasthaus- besuch gab es nicht. Aber ginge es nicht auch heute so? Hängt davon reicher Geist und tiefe Seele ab?

Im engsten Kreise der Familie läßt sich mit ein­fachen Mitteln das schönste Innenleben entfalten. Ist die Innigkeit hier nicht weit wertvoller als alles Glänzen draußen unter Fremden und das Ucbermaß lärmender Zerstreuungen in der Groß­stadt? Allerdings, die wahre, naturgemäße Familie muß es sein: die kinderreiche. In ihr wird Eltern und Kindern Hingabefreudigkeit gewohnt und selbst­verständlich. Diese aber ist das Wertvollste im Wesen eines jeden Menschen und am beglückend- ften auch für ihn selbst.

Jedes große Ziel ist nicht ohne Mühe und Ent­sagung zu erringen, so auch das Ideal vom Kinder- re'ichtiim. Dafür gewährt es uns das reinste und dauerhafteste und unendlich wachsende Glück. Und es steht im Einklang mit dem Wesen jedes gesun­den Lebens überhaupt. Leben will: Sich steigern! Nach innen wie nach außen: Wachsen an Reichtum der Seele, Wachsen in Raum und Zeit bis in die Unendlichkeit.

Ein Ideal auf solchem Grunde verbürgt Glück und Sieg!

Das Deutschtum in Ungarn.

Budapest. 20. Aug. (WB.) Der vor einem Jahr gegründete, unter dem Präsidium des früheren Ministers des Aeußern Gustav G r a tz stehende deutsch-ungarische Vo 1 ksbiI- d u n g s v e r e i n hat unter zahlreicher Beteili­gung von Mitgliedern aus allen von Deutschen bewohnten Gemeinden seine erstmalige General­versammlung abgehalten. Aus dem nach Eröff­nung der Versammlung verlesenen Rechenschafts­bericht ist zu entnehmen, daß der Verein schon im ersten Jahre seines Bestehens 46 Ortsgruppen gegründet hat und etwa 8000 Mitglieder in 200 rtschaften besitzt. Sodann gelangte ein Schreiben des aus -Urlaub befindlichen Präsi­denten zur Verlesung, in dem es u. a. heißt: Das ungarische Deutschtum ist Fleisch vom Fleische des ungarischen Volkes und wird als ein Teil des Volkes in Zukunft bestehen oder untergehen. Das ungarische Deutschtum will feine Muttersprache behalten und sein eigenes Volkstum prägen. Aber im Rahmen des ungarischen Staates hat es keine Ziele, die sich diesem Rahmen nicht einfügen lassen! Das ist das nationale Glaubens­bekenntnis der ungarischen Deutschen und nach diesem wollen sie beurteilt werden in ihrem Lande und außerhalb dessen Grenzen." Rach Erledi­gung der Tagesordnung beschloß die Veramm- lung unter stürmischem Beifall auf den Antrag des Siebenbürger Abgeordneten G ü n d i s ch die Absendung von Begrüßungstelegrammen an den Ministerpräsidenten Graf Bethlen und an den Präsidenten des Vereins G r a tz. Am Abend fand ein Festbankett statt, an dem der Abgeord­nete der Rationalversammlung Dr. Franz Frei­berger. der Präsident des Deutschen Schutz­bundes Karl L o e s ch - Berlin und der toürttem- bergische Abgeordnete Dr. Hoelscher teilnah- men .die in ihren Ansprachen die ungarisch- deutsche Freundschaft feierten.

Die Deutschen in der spanischen Fremdenlegion

Seit Jahren bilden die Verhältnisse, unter denen die Deutschen in der spanischen Fremden­legion zu dienen haben. Gegenstand lebhafter Er­örterung. 2n erster Linie richtete sich die auf Grund der nach Deutschland gelangten Meldun­gen über die menschenunwürdige Behandlung der deutschen Legionäre entstandene Bewegung gegen den im Hamburg amtierenden spani­schen Konsul, dem es gelungen wax. das Hauptkontingent der Deutschen in der spanischen Fremdenlegion zu werben. Roch ehe die deutsche Regierung Gelegenheit nahm, bei der spanischen Regierung wegen der unzulässigen Werbetätig­keit ihres Hamburger Konsuls vorstellig zu wer­den, verschwand dieser spurlos. Tatsächlich £)at man auch über eine weitere spanische Werbe­tätigkeit in Deutschland nichts mehr gehört. Da über die Zahl der in der spanischen Legion be­findlichen Deutschen übertriebene Rachrichten ver­breitet werden, hat sich die Reichsregierung mit Spanien in Verbindung gesetzt und festgestellt, daß insgesamt 7 0 0 Deutsche in di e Legion eingetreten waren, von denen in­zwischen 120 gefallen, mehr als 100 deser­tiert sind. An der Front befinden sich augen­blicklich weniger als 200 Deutsche. Cs sind Ver­handlungen im Gange, die die Zurück- ziehung aller D . utschen aus der Front und möglichst baldige Entlassung aus der Legion zum Ziele haben. Wie uns mit» geteilt wird, nehmen die Verhandlungen einen günstigen Verlauf, wenn auch angesichts der Ma­rokkokämpfe viele Schwierigkeiten zu Überbrüden sind.

Die Marokkooffensive.

Französische Siegesbotschaften.

Paris. 20- Aug. (ALI.) Rach dem amtlichen Heeresbericht breiten sich Die französischen Er­folge auf der ganzen Front aus- Die Stämme der Masmuda Alscheris und Beni Mesgilha wollen sich unterwerfen und haben deswegen Verhandlungen aufgenommen. Von allen Seiten bedrängt, wollen sich die feindlichen Truppen im Gebiet von Tsouls ergehen. Die französischen Bedingungen zur älebergabe sind bereits ange­nommen. Die französischen Truppen besetzten das Hochland von Dschehel Amessef bis zur äußersten Rordgrenze. Auch hier haben zahlreiche feindliche Truppen die Waffen nie­dergelegt. Der große Stamm der Branes hat ebenfalls um Verhandlungen gebeten . Rach einer Havasmeldung aus Tanger find die fran­zösischen und spanischen Diplomaten, die sich feit einigen Wochen ständig in Melilla und Tan­ger in Erwartung der Abgesandten Ahd el Krims aufhielten, abberuf en worden. Lieber die Pläne des französischen Oberkommandos in MaroKo erfährt der3ntranfigeant, daß man nicht in das Innere des Rifgebietes eindringen, sondern sich nach einigen wirksamen Vorstößen mit dem Ausbau der jetzigen Befesti­gungen begnügen wolle. Für die französische Armee, die sich auf 130 000 Mann beläuft, werden befestigte Winterlager angelegt. Rördlich von Fez begannen gestern die Artil­

lerievorbereitungen zum General­angriff.

Die Vereinigung der fxanzö fi­schen und der spanischen Truppen ist jetzt völlig durchgeführt. Im Abschnitt von Larache werden spanische und französische Trup­pen gemeinsame Operationen durchführen. Rach den letzten Meldungen soll Abh el Krim starke Truppen bei Ouezzan zusammengezogen ha­ben. Die Kahylen heben an der ganzen Front Schützengräben aus und richten sich zur Ver­teidigung ein. Die französischen Truppen haben ihre Vorbereitungen für die große Offensive bei Taza beendet.

Der Aufstand in Syrien.

Eiu deutscher Korrespondent im Hauptquartier der Drusen.

Einem Korrespondenten dervossischen Zeitung" ist es gelungen, nach Redje 1. dem Hauptquartier der Drusen, zu gelangen. Der Führer des drusischen Aufstandes. Sultan Atrasch Pascha, erklärte dem Korrespondenten, der französische Druck auf das Drusenvolk fei ganz unerträglich geworden. Ge­neral $ a r r a i 1 habe sich nicht einmal bereitfinden lassen, die drusischen Abgesandten zu empfangen und die Beschwerden gegen den Gouverneur LarbiI - I e t entgegenzunehmen. Gleichzeitig mit dem Be­richterstatter trafen in Redjel die französischen Parlamentäre ein, die die französischen j r i e- densbedingungen dem Sultan übergaben. Die Drusen sollen danach 15 000 Pfund Kriegs­entschädigung zahlen, alle geschädigten Kauf­leute voll entschädigen und die bei den Kampfhand­lungen erbeuteten Waffen an die Franzosen zurück- geben. Sultan Atrasch erklärte diese Forderungen für unannehmbar. Freiwillig werde er die er­beuteten Waffen an die Franzosen nicht zurück- geben. Er verlange mit seinem ganzen Volke nicht nur die Autonomie des drusischen Gebietes, sondern die völlige Unabhän­gigkeit ganz Syriens, und zwar ein freies Parlament, eine nationale Regierung, einen König oder Präsidenten als Lhef des Staates und ein eigenes Heer. Die Franzosen sollten sich damit begnügen, ähnlich wie die Engländer im Irak, nur als Berater zu fungieren. Wenn Frankreich es wagen sollte, das Drusenvolk anzugreifen, erklärte der Sultan, werde in ganz Syrien ein Aufstand aus- brechen. Die Stadt $ u e i b a , wohin der Korre­spondent sich ebenfalls begeben hat, ist mit Aus­nahme der Kaserne, in der eine französische Truppe belagert wird, vollkommen in der Hand der Drusen. Der Berichterstatter saht seinen Gesamt­eindruck dahin zusammen, daß die Lage als sehr e r n ft auftusasfen sei, weil oer Sultan von zahl­reichen syrischen Abgesandten zu weiterem Wider­stand ermutigt werde.

Frankreichs englische Schulden.

Caillaux bietet 13 Millionen Pfund Jahreszahlung an.

Paris. 21. Aug CSU.) Finanzminister Caillaur wird sich zur Besprechung des fran­zösisch-englischen Schuldenproblems in den näch­sten Tagen nach L on don begeben. Lieber den Vorschlag, den Caillaux zur Abtragung der fran­zösischen Kriegsschulden machen wird, erfährt die Liberte" von einer hohen Persönlichkeit der Finanzwelt folgendes: Der Finanzminister wird unter Berufung auf die finanziellen Schwierig­keiten Frankreichs den Vorschlag machen, daß Frankreich jährlich 18 Millionen Pfund Sterling zahle, anstatt der 30 Millionen, die die englische Regierung verlangt. Caillaux wird außerdem die englische Regierung ersuchen, die Schätzung der Einkünfte aus dem Dawesplyn einer Rachprüfung zu unterziehen, die ergeben werde, daß England aus dem Dawesplan nicht 10. sondern 1 5 Millionen Pfund zu- geflossen seien, und diesfalls eine weitere Herabsetzung der Annuitäten um öMillionen verlangen, so daß also Frankreich 13 Mil­lionen Pfund jährlich zu zavlea hätte.

Amerika und China.

Senator Borah für Aufhebung der Exterritorialität.

Paris, 21. Aug (TU.) DerReuyopk Herald" veröffentlicht einen Brief des Senators Borah, des Präsidenten der Senats- Kommission für auswärtige Ange- legenheiten, in dem er die Abschaffung der Exterritorialität befürwortet. Er weist aber darauf hin, daß es sich selbstverständlich nicht darum handele, die Exterritorialität unver­züglich ohne jeden Äebergang aufzugeben, Sache der Großmächte sei es, China so viel Vertrauen: entgegenzubringen, daß eine neue Lage ent? stehe, die die Abschaffung der Konzessionen er­mögliche. Die Politik, die die Mächte zur Zeit China gegenüber befolgen, lasse jedoch darauf schließen, daß sie dieses Ziel nicht im Auge hätten. In dem Briefe heißt es weiter:Die aus­wärtigen Jnteressentengruppen beuten das Menschenmaterial in China aus. in einer Weife, die jeder Beschreibung spottet. Kann man China einen Vorwurf daraus machen, wenn es selbständig zu Reformmaßnahmen seine Zu­flucht nehmen muß?" Senator Borah gibt seiner Lieberzeugung Ausdruck, daß, wenn die Mächte ihre Politik ändern würden, sich China gemeinsam mit den Mächten zur Ausarbeitung eines Reform Programms bereiterklären würde.

Bolschewistische Propaganda in Schanghai.

Schanghai, 20. Aug. (WB.) Zwei' rus­sische Flugzeuge sind von Moskau über Ranking kommend heute mittag hier eingetroffen. Sie wurden von einer zahlreichen Men­schenmenge, unter der sich sehr viele Stu­denten und Russen befanden, lebhaft be­grüßt. Die Menge führten Banner mit sich, von denen eines die Aufschrift trug:Rieder mit den ungerechten Verträgen!"

Wie Deuter meldet, sind ein e nglischer Bischof, seine Frau und sechs weitere Mission nare, darunter vier Frauen, von Tschoeng in der Provinz Szetschwan von Briganten ent­führt worden.

Die Ueberreichung der französischen Antwortnote.

Berlin, 20. Aug. (TA.) Entgegen der Mitteilung etne.3 Berliner Abendblattes u* fahren wir an Berliner zuständiger Stelle, daß eine Mitteilung des französischen Botschafters über den Zeitpunkt der Aeberreichung der französischen Antwortnote bisher nicht er­folgt ist. Sollte die Mitteilung desPetit Varlsien", daß die Rote am Dienstag ver­öffentlicht werden würde, zuireffen, dann ist kaum anzunehmen, daß sie vor Montag in Berlin überreicht wird. Andererseits ist ein Grund für die lange Hinauszöge­rung nicht ersichtlich, da die Rote Ende dieser Woche übergeben werben sollte, nachdem die Aeußerungen aus Brüssel und Rom in Paris bereits vorliegen.

DieAbWanLerung der polnischen Optanten im Ruhrgebiet.

Gelsenkirchen, 21. Aug. Rach einer zu­verlässigen Information betrug die Zahl der bis 1. August 1925 abwanderungspflichti­gen polnischen Optanten und ihrer dem Abwanderungszwang unterliegenden Familien­angehörigen im Düsseldorfer Regierungsbezirk insgesamt rund 1350. Den Abwanderungsauf­forderungen waren bis Anfang August mit Ein­schluß der Familienangehörigen noch nicht nachgekommen 110 bis 120 Personen. So­weit diese nicht inzwischen freiwillig abgewandert sind, ist wegen der alsbaldigen zwangswei­sen Abschiebung nach Polen seitens der Behörden das Erforderliche in die Wege ge­leitet worden.

Eine Schlichtungskommission ür internationale Streitigkeiten

Genf, 21. Aug. (T. U.) Der Antrag der düni - chen Regierung beim Völkerbund auf Grün­dung einer Schlichtungskommission für internatio­nale Streitigkeiten beim Haager Schicds- g e r i d) l s I) o f geht davon aus, daß viele Staaten beim Abschluß von Schiedsverträgen bereits ein Schlichtungsverfahren vorgesehen haben. Da es nicht wünschenswert sei, für jeden Streitfall ein neues Schttchtungsorgon einzusetzen, regt die dänische Regierung die Gründung einer ständigen «chlichtungskommissjon aus drei Mitgliedern an. Der Vorsitzende soll vom Haager Gerichtshof, die beiden anderen von Fall zu Fall von den beiden treitenden Parteien ernannt werden. Es fei zu Hof­en, daß die streitenden Parteien eher geneigt sein werden, einen Streitfall vor den Haager Schieds­gerichtshof zu bringen, wenn der Fall zuerst von der Schlichtungskommission vertraulich und un­verbindlich behandelt worden ist.

Kleine politische Nachrichten.

Der R e i ch s r a t erklärte sich mit dem vom Reichstag beschlossenen Gesetzentwurf cinver- Ignöcn, wonach, wenn das Aufkommen aus Lohnsteuern Dom Oktober 1925 bis 31. März 1926 oder später 600 Millionen Mark über» t e i g t, die Regierung einen Gesetzentwurf vor­legen muß, der eine Erhöhung der Abzüge für kinderreiche Familien und des steuerfreien Lohnbetrages herbeiführt. Der Reichsrat behylt sich jedoch vor, daß er auch die finanziellen Rotwendigkeiten des Reiches, der Länder und der Gemeinden zu berücksichtigen habe.

DerVorwärts" weiß zu melden, daß das Reichskabinett dieser Tage den Gesetzentwurf zur Schaffung einer Ärbeitslosenversiche- r u n g, der sich auf dem Gedanken der Selbst­verwaltung aufbaut, angenommen habe. Die Ver­öffentlichung des Entwurfs dürfte in 8 bis 10 Tagen erfolgen.

Ter Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hat beschlossen, am 29. August die Gesamtaussperrung in ganz Deutschland in Kraft treten zu lassen. Das RLichsarbeitsministeriunt hat zwar die Parteien nochmals geladen, doch besteht wenig Aussicht auf eine Verständigung.

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Am Donnerstag traf der preußische Minister des Innern Scvering in Essen ein. Der Minister begrüßte die P o 1 i z e i b e a m t e n im Hofe der Schupolaserne in der Lührmannstraße und hatte im Anschluß daran eine Besprechung mit den Vertretern der Polizeibeamtenschaft über die Frage der Llebernahme der Ersatzpolizei auf die Schutzpolizei. Rach der Konferenz ftgttete der Minister dem Oberbürgermeister Bracht auf dem Rathause einen kurzen Besuch ab,

Kardinal Frühwirt feiert seinen 80. Ge­burtstag in Rom. Der Kardinal war her Vor­gänger Msgr. Paceklis in der Münchener Runtiatur. Die Mitglieder des diplomatischen Korps beim Heiligen Stuhl und die höchsten kirchlichen Würdenträger der ganzen Welt haben dem Prälaten ihre Glückwünsche aussprechen lassen und ihm zahlreiche Geschenke gesandt, dar? iunter ein kostbares Andenken des bayrischen Staates.

Der Schriftsteller Johannes R. B e ch e r , der in letzter Zeit durch Veröffentlichungen repolutfonären Inhalts hervorgetreten ist, wurde während seines Aufenthaltes in Württemberg verhaftet, auf Grund eines Haftbefehls des Oberreichsanwalts, der in den Schriften Bechers Vorbereitung zum Hoch­verrat, Aufreizung zum Klassenhaß und Gottes? läfterung erblickt.

Im Warschauer Koinmuniftenpro- zeß wurd.n die drei Angeklagten, Hübner, K n i j e w s k i und L u r o w s k i, zum Tode ver­urteilt. Das Begnadigungsgesuch dec Verteidiger wurde vom Präsidenten der Republik a b g e ? lehnt. Der sowjetrussische Gesandte W o j k o ersuchte den Außenminister Skrzynski iin Ramen der Sowjetregierung, die Urteilsvollstreckung zu verschieben. Skrzynski lehnte es ab, darüber zu verhandeln. Das Urteil wird Freitag um 4 Ahr morgens vollstreckt werden.

llus aller Welt.

Zeppelin-Jubiläum in Friedrichshafen

Friedrichshafen, 21. Aug. (T.U. Zum Zeppelin-Jubiläum sind eine Anzahl opfl Glück­wunschtelegrammen eingegangen. Das Telegramm desReichskflnzlersDr. lautes:Per

Schiffbau-Zeppelin-GeskUichaft sende ich zum heutu gen Gedenktag des 25jährigen B e st e h e n s der Zeppelin-Luftschiffahrt herzliche Grüße und Glückwünsche. Das Kulturwerk, dos der unvergeßliche Gras Zeppelin und seine bewährten Mitarbeiter schufen, hat bei uns und in der ganzen Wett berechtigte Anerkennung gefunden. Ich wünsche und hosfe, daß es gelingt, dieses völkerverbindende Werk im Sinne einer friedlichen Entwicklung der Nationen fortzuführen. Glückab!"

Dx. Krupp von Bohlen und Haiback telegraphierte:Zum 25jährigen Bestehen sende ich herzliche Glückwünsche. Mögen dem Unternehmen viele weitere glänzende Erfolge trotz jetzt fast un­überwindlich scheinenden Schwierigkeiten" beschieden ein und der Name des unvergeßlichen Begründers auf seinen Luftschifen dufrch die ganze Welt ge­tragen werden."

Sven Hedin sandte folgenden Glückwunsch: Denkt stolz an die ruhmreichen Jahre, die hinter Euch liegen, zurück und vorwärts zu neuen Taten lenkt schafefnsfreudig den Blick, und baut ein Schiff, das führe zum Pol den Namen Zeppelin. So wünscht es Euch am Ehrentage in Freundschaft Sven Hedin."

3»ui Breslauer Doppelmord.

Die Verhaftung der Standkeschen Ehe­leute ist erfolgt, weil ihr A l i b i n a ch w e i s lückenhaft war und sie sich in Widersprüche ver­wickelten. Die Polizei hat ermittelt, daß das Ehe­paar in Ostpreußen erheblich später eingetroffen ist als vermutet wurde und nimmt daher an, daß es von Breslau möglicherweise später abge- reist ist, als es angegeben hat. Das Ehepaar er­klärt weiterhin, von der Tat nichts gewußt zu haben. Die Polizei nimmt an, daß Frau Staubte der Mitwisserschaft mehr verdächtig ist als ihr Niann. Die Angehörigen Standkes haben ich übrigens, wie verlautet, seinerzeit der Ehe mit der Adoptivtochter Rosens widersetzt. Am Mittwoch nachmittag hat eine eingehende Besichtigung der Villa in Bischofswalde durch das Gericht und die Kriminalpolizei stattgefunden. Neue Momente sind dabei jedoch nicht zutage getreten. Gegen die Haus­dame Neumann ist das gerichtliche Versah- r e n eröffnet worden. Ebenso wird in einigen Ta­gen das Verfahren gegen das Ehepaar Standke ein­geleitet werden.

Derhafteter Dvppekmörder.

In Köln wurde der Fabrikarbeiter Hom­bach, der in der Rächt zum 21. Oktober 1918 den Schuhmann Karnap bei Ausübung seines Berufes in Kalk hinterrücks niederge- schossen hatte, erneut fe ft genommen. Horn­bach war seinerzeit bei der Revolution aus d e in Gefängnis befreit worden und war nach Holland geflohen. Er wird auch von der Polizei in Essen wegen der Riederschiehung eines dortigen Schutzmannes gesucht.

Typhuserkrankungen in Aelzen

2ln mehreren Stellen wurde in LI e l z e n (Hannover) Paratyphus festgestellt. Rach kreisärztlichen Guachen ist die Erkrankung auf den Genuß roher Milch zurückzuführen. Llmfassende Vorkehrungen sind getroffen.

Ein Haifisch geboren.

München, 21. Aug. (WTB. Funkspruch.) Im Aauarium der Verkehr saus st el- lung ist nach einer Entwicklungsdauer von sechs Monaten ein Haifisch zur Welt gekommen. Es soll feit etwa 16 Jahren nicht mehr vorgekommen fein, daß in der Gefangenschaft ein Hai lebend zur Welt kam. Der junge Haifisch ist 12 Zentimeter lang und ist in einem besonderen Behälter unter­gebracht worden.

Wettervoraussage.

Rach vorübergehender Aufheiterung wieder zunehmende Bewölkung, vorwiegend südliche Winde, mäßig warm, langsam einsetzende Rieder­schläge, Morgennebel.

Der Durchgang eines Teiltiefs brachte uns gestern vielfach leichte Gewitterregen. Heute lie­gen wir auf der Vorderseite eines neuen von England herankommenden Tiefs. Rach kurzer Aufklärung werden daher erneute Bewölkungen und Riederschläge auftreten.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximuni 22,0 Grad Celsius, Minimum 13,2 Grad Celsius. Riederschläge 2,4 Millimeter.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 21. August 1925.

Lenkung der Umsatzsteuer.

Das Gesetz zur Änderung der Verkehrs- steuern und des Verfahrens und das Gesetz über Z.olländerun.^.n sehen folgende Milderungen auf dem Gebiet Vor Umsatzsteuer vor.

1. Mit Wirkung vom 1. Januar 1925 sind Privatgelehrte, Künstler und Schriftsteller von der Umsatzsteuer befreit, sofern die steuerpflichtigen Umsätze im Kalender­jahre den Betxag von 6000 R.-M. nickt über­steigen. Vom gleichen Zeitpunkt ab sind ferner von der Llmsatzsteuer befreit Handl ungs? Agenten und Makler, sofern die steuer­pflichtigen Umsätze im Kalenderjahr den Betrag von 6000 R-M. nicht übersteigen.

2. Mit Wirkung vom 1. 21 ug u ft 1 925 wird die Beherbergungssteuer aufgehoben. Die bisher diesen erhöhten Steuern unterliegenden Leistungen sind vom 1. August 1925 ab nach den Sätzen der allgemeinen Umsatzsteuer steuer­pflichtig.

3. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1925 wird der Sah der allgemeinen Umsatz­steuer von einundeinhalb vom Hundert auf ein vom Hundert, und der Satz der Her­steller- und Kleinhgndelssteuer von zehn vom Hundert auf siebenundeinhalb vom Hundert herabgesetzt. Die auf ein und siebenundeinhalb vom Hundert gesenkten Sätze der allgemeinen Umsatzsteuer und der Hersteller? und Kleinhandelssteuer haben die Monatszahler erstmals bei den Umsatzsteuerporaus Kühlungen im? Ropemher 1925, die Vierteljahrzahler erstmals bei den Umsatzsteuervorauszahlungen im Januar 1926 der Umsatzsteuer zugrunde zu legen. Bei den i m August, September und Oktober 1925 zu leistenden Umsatzsteuervorauszahlungen haben die Monats- und Vierteljahrszahler die Steuer in Höhe von einundeinhalb vom Hundert und von zehn vom Hundert zu entrichten.

4. In den Uebergangsbestimmun-- g c n wird in entsprechender Weise wie bei den Ermäßigungen ber Umsatzsteuer im Jahre 1924 ein zivilrechtlicher Anspruch auf Preis­nachlaß in Höhe der Steuerminderung für Lei­stungen aus Verträgen gewährt werden, die vor dem 15. August abgeschlossen worden sind, aber erst nach dem 30. September 1925 ausgeführt 1 werden.