Ausgabe 
21.3.1925
 
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geschädigten Schuleir Förder-

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Felix Rachfahl t-

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stellt sich die Beschluhunfähigkeit Hauses heraus. Schluß 4 Hhr,

Frage.

Sie sei zu verschwommen. Er s p r e ch u n g dieser Erklärung des Ministerpräsidenten.

(Ministerpräsident Marx

Die Anträge werden angenommen.

Es folgt die zweite Beratung der Anträge der Sozialdemokraten, Kommunisten, Deutschna- tionalen und der Deutschen Volkspartei über den Abbau von Wahlbeamten.

Heber den Antrag Hirsch (Soz.), wonach ein Abbau auch bei den Wahlbeamten nur unter der Voraussetzung des § 21 der Preußischen Ab- bauverordnung zulässig ist, wird auf Antrag Eberbach (Dntl.) namentlich abgestimmt. Dabei

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Abänderung der Gewerbeordnung.

Q Berlin, 20. März. (Ptiv.-Tel.) Reichsrate ist ein Antrag Sachsens zur

Der Antrag auf Besprechung der Erklärung des Ministerpräsidenten über die Befugnis eines Geschästsministeriums scheiterte, da Widerspruch erhoben wird.

Hierauf wird die Besprechung über die BorgängeinHalle fortgesetzt. Das Haus leert sich

2I5g. Herrmann- Breslau (Dem.) erklärt, die rasche Unterdrückung der Vorgänge sei sehr zu begrüßen, damit einer Legendenbildung ent­gegen getreten werde.

A g Lodendorff < Wirkt. Vgg.) erklärt, die Veranstalter hätten sich den Anoronungen der Polizei nicht gefügt, deshalb seien sie verantwort­lich für die Vorgänge. (Zurufe bei den Kommu­nisten) Wohin soll es führen, wenn fortgesetzt den Organen des Staates Widerstand geleistet würde-

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Der Bayerische Bauernbund für Dr. Held.

München. 21. März. (TH.) Der Bayrische Dauern-- und Mittelstandsbund hat beschlossen, seinen Mitgliedern und Anhängern zu empfehlen, im ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl für den bayrischen Ministerpräfi- deuten Dr. Held einzutreten.

Die Katholische Vereinigung für nationale Politik für Jarres.

Berlin, 21. März. (TH.) Die Katholische Vereinigung für nationale Politik fordert in einem Ausruf alle vaterländisch gesinnten Ka­tholiken im Reiche auf, am nächsten Sonntag die Frühmessen zu besuchen, Zentrums-Flug­blätter und Flugschriften zurückzuweisen und keine vaterländische Kundgebung für den Sammel­kandidaten Jarres zu versäumen.

die Anfänge und das Ende seiner akademischen Studien fallen nach Breslau. Rachsahl gehörte nicht zu den akademischen Lehrern, die durch ein starkes Temperament und eine geistreich schillernde Dik­tion zu fesseln suchen. Sein Vorbild war die Ranke- jd)c Sachlichkeit. Die Gabe einer scharf prüfenden Kritik war ihm in hohem Grade eigen. Gerade sie brachte ihn aber nicht selten in lebhafte polemische Auseinandersetzungen mit Fachgenossen. Mit Tröltzsch, Max Weber und Sombart geriet er in einen langen, von beiden Setten zähe geführten Disput über den Ursprung des modernen Kapitalis­mus. Neben seinem Lehramt, in dem er sich die Verehrung feeiner Schüler erwarb, war er mit bewundernswertem Fleiß in zahlreichen Veröffent­lichungen wissenschaftlich-literarischer Art tätig. Seine letzten größeren Arbeiten galten der Bis- marckschen Bundespolitik und der deutschen Welt­politik überhaupt. Im besonderen lag ihm daran, nachzuweisen, wie wenig Bismarck seine Friedens­politik auf Rußland allein abgeftellt hatte und wie er gerade bemüht gewesen war, Anschluß an Eng­land zu finden. Sein früheres großes Werk über Wilhelm von Oranten hat die Zeitperiode dieses Fürsten, den Abfall der Niederlande ufro. erschöp­fend behandelt.

änfcerung der Reichsgewerbeordnung zugegangen, der folgenden Inhalt hat:Die Gewerbeordnung findet Anwendung auf Betriebe, die nicht der Beförderung von Personen, Gütern oder Nach» richten oder der Aufbewahrung von Sachen die- n en, aber auf dem Geländevon Eisen­bahnunternehmungen gelegen sin d." Veranlassung hierzu gab die Tatsache, daß die Reichsbahngesellschaft in letzter Zeit Geschäfte aller Art, z. D. Friseur-, Textilwaren-, Blumen-, Schvkoladegeschäste usw. eingerichtet hat und ihren Pächtern gestattet, daß sie die Geschäfte auch zu Zeiten, in denen Läden auf Grttnd gewerbe- polizeilicher Vorschriften geschlossen sein müssen, insbesondere an Sonn -und Feiertagen, g e ö f f - n e t halten. Hierdurch werden nicht nur die In­haber gleicher, in der Rähe der Bahnhöfe ge­legener Geschäfte zugunsten der auf Bahn areal gelegenen Privatgeschäfte schwer geschädigt, son­dern es wird durch die Aufrechterhaltung der so­zialen Arbeitnehmerschuhbestimmungen gefährdet.

(Wutgescyret Det den Kommunisten.) 3d) freue mich, daß meine Darstellung geeignet ist, die Kommunisten vor ohnmächtiger Wut aufheulen zu lassen. Das Blutbad jn Halle hätte vermie­den werden können, wenn nicht die Polizeibearn- ten den Kops verloren hätten. Sicherlich waren auch Provokateure am Werk, denn es ist Mu­nition gesunden worden, mit der die Po­lizei nichts zu tun hatte. Den Kommu­nisten sind aber die Taten gut genug, um Wahl­agitation treiben.

Der Redner hält bann ehre große Anklage­rede gegen die Kommunisten, die im Blute waten und die die Arbeiter ins Zuchthaus bringen. (Die Kommunisten springen von den Plätzen auf und antworten mit wilden Schmährufen.) Der Red- ner nennt sie unter dem Beifall seiner Partei­freunde Lügner und Ar beiter Verführer, gewissen­lose Menschen, die mit dem klassenbewuhten Pro­letariat nichts zu tun hätten.

Reichsminister des Innern Schiele stellt fest, daß nach der Reichsverfassung die Wahl­freiheit gewährleistet ist. Es liege kein un­mittelbarer Anlaß vor, die Landesregierungen nochmals besonders darauf hinzuweisen. Dazu konnne, daß der Reichstag erst vor ungefähr acht Tagen einen Antrag angenommen habe, der jede Beschränkung der Wahlxreiheit untersagt. Die zuständigen Verwaltungsbehörden haben alle Maßnahmen zum Schutz der Wahl getroffen. Freie Meinungsäußerung ist in keiner Weise gefährdet; dieses Recht gilt aber nur für Deutsche, nicht für Ausländer. 3n Halle seien zwei Schüsse von der Galerie auf die Polizeimannschaft abge­geben worden. Riemand föime verlangen, daß die Polizei abwarten solle, bis sie angegriffen werde. Jeder, der die Polizei angreift, müsse wissen, was das zu bedeuten habe. Sobald jeder sich darüber Har sei, werden derartige bedauer­liche Vorkommnisse von selbst aufhören.

Das Haus vertagt sich auf Samstag

Preußischer Landtag.

Die Opposition gegen Marx.

Berlin, 20. März. Dor der Tagesordnung beantragt zur Geschäftsordnung Abg. v. d. Osten (Dntl.) die Vorwegnahme des Antrages seiner Fraktion über den begriff eines Ge­schäftsministeriums und speziell den De- griffLaufende Geschäfte". Das gegenwär­tige, das Vertrauen des Landtags nicht besitzende Ministerium dürfe keine politischen Entscheidungen treffen, weil dadurch die Verfassung gefährdet werde. Die Deutschnationalen seien der Ansicht, daß das preußische Volk dieses Spieles recht herzlich müde sei. (Große Hnruhe in der Mitte und links.)

Abg. Pieck (Komm): Wir verlangen, daß auch unser Antrag auf Auflösung d es Landtages und auf Reuwahl ant 26. April vorweg genommen wird. Durch die fortgesetzte Regierungskrise hat sich nur die Hnfähigkeit dieses Landtages erwiesen, die Interessen der werktätigen Massen wahrzunehmen

Aög. Wtnckler (Dntl.): Wir haben einen Antrag auf Auf lös ung des Landtages mit sofortiger Wirkung vorgelegt. (Stürmischer Deifall rechts.) Dem Ministerium fehlt jede ver­fassungsmäßige ©runblage. Es will sich aber künstlich an der Macht erhalten. (Fort­dauernd großer Lärm tn der Mitte und links.) Auch das tst ein verfassungswidriges Spiel. Wenn dtese Regierung sich befugt hält, Verordnungen zu erlassen, so ist das mit den elementarsten De- griffen des politischen Anstandes n.cht vereinbar. (Andauernder Lärm in der Mitte und links.) Der Ministerpräsident Dr. Marx hat sofort hier- herzukommeu und um seines Namens willen zu erklären, ob er sich zu solchen Handlungen für befugt hält oder nicht!

(Stürmischer Deifall rechts. Fortdauernder to­sender Lärm im übrigen Hause.)

Dorn Regierungstische ergeht die Erklärung, Ministerpräsident Marx werde sofort hier er­scheinen.

Abg. Riedel (Dem.): Die Mehrheit, die am 20. 2. das Ministerium Draun gestützt hat, ist seitdem nicht in der Lage gewesen, aus ihren Reihen ein Ministerium zu bilden. Diese Mehr­heit wird für die jetzigen Zustände verantwortlich fein. (Großer Lärm rechts.)

Abg. Schlange -Schöningen (Dntl.): Herr Riedel ist in diesem Hause der Allerungeeignetste, über Verantwortung zu sprechen. Wochenlang haben wir dem Spiel ruhig zugesehen. Wenn die Weimarer Koalition es so weiter treibt, wird sie eines Tages als die Vernichlerin der Ver- sassung dastehen. In Hebereinstimmung mit den Parteien, mit denen wir zusammenwirken, wer­dest wir es nicht weiter ruhig mit ansehen, daß mit ihrer Hilfe die Gesellschaft der Kutisker und Dannat den Sieg davonträgt.

(Die letzten Sähe der Rede gehen in dem anbauernben wüsten Lärm völlig verloren.)

Ministerpräsident Marx ist inzwischen im Hause erschienen. Er erklärt, daß nach Art. 59 der Verfassung das geschäftsführende Ministeiium die laufenden Geschäfte zu erledigen habe. Er habe battr zu sor­gen. daß der preußische Staat und das preußische Volk keinen Schaben erleide. (Deifall in der Mitte. Hnruhe rechts.)

Abg. Dr. Winckler (Dntl.) erklärt unter anhaltendem Lärm, die Erklärung des Minister­präsidenten sei

überhaupt keine Antwort auf eine präzise gestellte

Freiburg i. Dr. ist Prof. Felix Rach* fahl, Ordinarius für neuere Geschichte, nach län­gerer Krankheit gestorben.

Seit elf Jahren lehrte der Serftorbene an der Universität Freiburg. Kurz vor dem Kriege hatte er als Nachfolger M e i n e ck e s den Ruf dorthin bekommen. Vorher war er an den Hochschulen in Kiel, noch früher in Gießen, Königsberg, Halle. Seine Wiege hat in Schlesien gestanden. In Bres­lau besuchte er das Matthias-Gymnasium, und auch

Der Mrantrag Pieck wird gegen die Antrag­steller abgelehnt.

Der Hrantrag des Zentrums über die Neu­ordnung des höheren Schulwesens hat der Hnterrichts aus schuh in folgender Fassung angenommen: Das Staalsrninisteriurn wolle die Ausführung der Neuordnung des höheren Schul­wesens für das besetzte Gebiet und das beseht gewesene Gebiet durch Annahme von Hebergangsmaßnahmen erleichtern.

Darauf liegt ein gemeinsamer Hrantrag sämt­licher Parteien mit Ausnahme bet Nationalsozia­listen und Kommunisten folgenden Inhalts vor: Das Staatsministerium zu ersuchen, bei der Durch­führung der Schulreform im besetzten Gebiete und im besetzt gewesenen Gebiete festzuhalten a) an den bisherigen Vorschriften Über die Klassenstärke, b) an der bisherigen Pflicht stundenzahl der Lehrkräfte, c) an der Einrechnung des wahlfreien Hn­terrichts in die Pflichtstundenzahl. Weiter sind

Nach dem Sturm.

Nettungsarbeiten. Neue Zahle». Pcstgefahr.

Die Rettungsarbeiten in dem vorn Tornado heimgesuchten Gebiet sind in vollem Gange. Nach den letzten Nachrichten wurden 15 Ortschaften in Illinois vom Sturme heim- gesucht, je 5 in Indiana, Missouri und Kentucky, sowie eine in Tenesse. Die Gesamtzahl der Toten nach den letzten Zusammenstellungen beträgt 848. Sie verteilt sich wie folgt: Illinois 695, Indiana 89. Mßsouri und Tenesse je 27 und Kentucky 10. Verletzt wurden 2909 Personen, viele davon schwer. In Murphisboro, wo 469 Menschen um* tarnen, sind 8000 Personen obdachlos. Es mürben 50 Häuserblocks zerstört. Der Sachschaden wird dort auf 3 Millionen Dollars geschätzt. Der Gesamtschaden tn Illinois soll 6 Millionen Doll« betragen.

Diele Einwohner entgingen dem Tode la wunder­barer Weise.

Ein Bankier in De Goto fühlte das Bankgebäude einstürzen. Er kroch in das Geldgewöloe. Ein Mann hiell seine Frau fest, als unter furcht­barem Zischen drei Wände ihres Heims davow- fLogen. Eine andere im Bett liegende Frau bfieb dadurch unverletzt, daß die berabfaQen&en Dach­balken sich quer über die Dettpfvsten legten. Vielfach wurden Automobile zerstört, deren In­sassen jedoch unverletzt Miefren. In einem Ortfl des Katastrophengebietes wurde eine Frau durch vier Zimmer ihrer Wohnung tn den Garten ge­schleudert, wo sie einen Da umzweig ergriff und mit einigen Verrenkungen davonkam. In Mur- physboro zerstörte der oturm drei Quadratmellen tm Geschäfts- und Wohnbezirk. Die Kraft deS Sturmes war so groß, daß elf Lokomotiven ver­nichtet wurden. Da befürchtet wird, daß Krank­heiten. besonders Tetanus, ausbrechen konn­ten, hat das Rote Kreuz schon 600 Tuben Anti­tetanus-Serum angeforbert, welche mittels Flug­zeug in den Distrikt Murphysborv gebracht wer­den sollen.

Die Gefahr ist um so größer, well die Rot- Hospitale nicht ausreichend sind. Die ersten Anzeichen der Pest sind von den Aerzten einwandfrei f e st g e st e l l t worden. Züge mit ausreichendem Desinfektions- und sanitärem Material mit pestsachverständigen Aerzten sollen an die Hnglücksstätte abgehen.

Beileidstelegramm von Dr. Simons.

Der Stellvertreter des Reichspräsidenten, Dr. Simons, hat anläßlich der Unwetterkatastrophe in den Vereinigten Staaten an Präsident (Loo* lidge folgendes Telegramm gerichtet: Die Nach- richten von der furchtbaren Katastrophe, die über weite Teile der Vereinigten Staaten hereingebrachen ist und viele Menschenleben vernichtet hat, wecken in

ruckten und zu sachlicher und ernster Arbeit Übergängen.

Zu bedauern ist allerdings, daß Belgien von einer sofortigen Meistbegünstigung nichts wissen wollte, wodurch eigentlich das Abkommen mehr den Charakter eines zwischenzeitlichen, eines provisorischen erhält, da erst nach Jah­resfrist die gegenseitige Meistbegünsti- aung ohne Einschränkung in ihre Rechte tritt Man darf wohl bestimmt damit rechnen, daß die belgische Regierung ebenso wie das Parlament feinerlei Schwierigkeiten mehr bereiten werden - sind doch beide fortlaufend über den Gang der Verhandlungen und die angestrebten Ziele ver­ständigt worben, so daß binnen kurzem die Hnterzeichnung des Handelsvertrages vor sich gehen kann.

Mit Belgien ist man also schneller zu Rande gekommen, als man dachte. Frankreich da­gegen, mit dem zu gleicher Zell tm vorigen Jahr die WirtschastSverhandkungen ausgenommen wur­den, tritt beute noch immer auf der Stelle, ohne sich entschließen zu können, seinem Handelsver­kehr mit Deutschland eine gesetzliche Grundlage zu geben. Man darf gespannt sein, welches Echo der Abschluß des deutsch-belgischen Abkommens in französischen Wirtschaftskreisen finden wlld, und ob die französischen Hnterhändler nunmehr endlich Dampf aufsehen werden.

Öle Aufwertung im Reichstag.

Berlin, 20. März. Am Regierungstische: Reichsinnenminister Schiele. Auf der Tages­ordnung steht zunächst die dritte ßefung des Rotetats.

Abg. D i t t m a n n (Soz.) gibt eine Erklä­rung ab, in der es heißt: Die sozialdemokratische Fraktion ist nicht in der Lage, Dem vorläufigen Haushaltsentwurf für 1925 ihre Zustimmung zu geben. Hntoiberlegt sind unsere Beschwerden über die spezielle Hergabe von 7 15 Millionen Mark an die Ruhrindu­striellen, die in dem Notetat enthalten fein werden, während die Ansprüche der Sparer und Gläubiger auf Aufwertung, die Forderun­gen der Ausländsdeutschen unö der Ruhropfer, der Rentenbezieher und Gehaltsempfänger, zum größten Teil wieder unerfüllt geblieben sind. Die Finanzpolitik des Kabinetts Luther richtet sich, je länger je mehr, gegen die Interessen der werk- tätigen Bevölkerung Aus diesen Gründen lehnt die sozialdemokratische Fraktion den Notetat ab.

Abg. Koch- Weser (Dem.) erkennt die N o t- wendigkeit des Notetats an und stimmt i h in zu Das Mißtrauensvotum der Kommu­nisten lehne er ab, ba bi« Demokraten sich ihre politische Haltung nicht von den Konmrunisten vorschreiben llehen. (Lachen bei den Kommu­nisten.)

Der Notetat wird darauf in Dritter Lesung endgültig gegen Sozialdemokraten und Kommu­nisten angenommen.

Das kommunistische Mißtrauens­votum wird in einfacher Abstimmung gegen So­zialdemokraten und Kommunisten abgelehnt.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetz­entwurfs über

die Verlängerung der Frist der Dritten Steuer* Notverordnung

in bezug auf die Aufwertung, die am 31. März ablaufen sollte, bis zum 30. Juni d. I.

Abg. Dr. Schotter (Ztr.) berichtet über die Verhandlungen des Aufwertungsausschusses. Die Fristverlängerung sei notwendig geworden, weil das neue Aufwertungsgesetz nicht vor dem 1. April erledigt werden könne.

Reichsminister Dr. Franken gibt dann namens der Reichsregierung folgende Erklärung: Das Reichskabinett hat hinsichtlich des Qluftoer» tungsgefehes inzwischen entscheidende De­ich lusse gefaßt. Der Gesetzentwurf wird noch vor der Reichs Präsidentenwahl im Laufe der nächsten Woche Den gesetz­gebenden Körperschaften vorgelegt werden. Die Reichsregierung wird von sich aus in allernächster Zeit eine eingehende Darlegung Der wichtigsten und grundlegenden Bestimmungen des Entwurfs der Oeffentlichkeit unterbreiten.

Staatssekretär Joel e hebt Bedenken gegen den vom Ausschuß neueingeführten Artikel, der zur Kreditsperre fuhren würde. Auch bas Reichsbankdirektorium habe gegen Die Ein­fügung dieses Artikels die allerschwersten Be­denken erhoben, weil diese Maßnahmen für das in- und ausländische Kreditgeschäft geradezu > ruinös wirken würden. Der Staatssekretär er­klärte, daß daher Die Reichsregierung diesen Artikel unter keinen Hm ständen an­nehmen könne. Wenn der Gedanke weiter ver­folgt werden solle, so könne das nur durch ein neues Gesetz geschehen. Der Artikel müsse daher an Den Ausschuß zurückver­wiesen toerDen.

Abg. Koch-Weser (Dem.) legt eine Ent­schließung vor, wonach der Reichstag bedauert, Laß die Reichsregierung ihrem Versprechen, den Gesetzentwurf über die Aufwertung bis Anfang März vvrzulegen, bis heute noch nicht nach- kommen sei.

Abg. Keil (Soz.) ist der Ansicht, daß die Absicht der Regierung anscheinend weit zurück­bleiben werde hinter Den deutschnationalsn Wahlversprechungen. Die Regierung habe Angst vor der Entrüstung der Sparer unb Gläubiger. Hinter dem Bestächen Entwurf stünden nur 16 Mitglieder der deutschnationalen Fraktion.

Abg. Hol lein (Kom.) wirst den Sozial­demokraten vor, sie veranstalteten mit den Deutschnationalen ein Wettrennen um die De­magogie.

Abg. Hergt (Dntl.) bedauert, daß Die Re­gierung heute nicht Näheres über die Aufwer­tungsfrage gesagt habe. Das ganze Volk be» schäftigt sich bereits mit dieser Angelegenheit. (Zuruf: Besonders die Spekulanten!) Der Redner Mäfiert bann die Stellungnahme des Reichs- banidirektoriums, das schon immer zu einseittg gewisse Wirtschaftsinteressen im Auge zu haben scheine. Er hält es für lernt» zeichnend, daß sich die Sozialdemokraten plötzlich für die Auswertung erklärten. Aber man müsse bis Hilfe nehmen, woher sie komme.

Abg. Koch-Weser (Dem.) bewunbert bie schlangenmenschenartige Fähigkeit, mit bet der Aög. Hergt vorgehe, sich aus den Schlingen zu befreien, in die fein? Partei durch ihr verant­wortungsloses, unsachliches und zügelloses Wahl­versprechen gelangt sei. Die Verantwortung für die Hnruhe im Volke trage Die Regierung unD bie Partei, Die ihr Wahlversprechen nicht ge­halten haben.

Abg. Dr. Wunderlich (D. Dp.) hält es für bringend notwendig, daß für bie kleinen Sparer etwas geschieht. Die Sache dürfe aber nicht übers Knie gebrochen werden.

Die taktischen Manöver zwischen rechts und links wirkten allmählich langwellig. Not­wendig sei ruh-ge unö sachliche Arbeit.

Abg. Dr. De st (Dntl.) hält es für notwendig, der Eintragung von aufzuwertenden Hypotheken mit zweifelhafter Grundlage vorzubeugen.

Der QIcL 3 wird an Den Aufwertungs- ausfchuß zurücküberwiesen. Der Gesetzentwurf wirb darauf in zweiter und dritter Lesung gegen Die Stimmen Der Kommunisten angenommen.

Die Demokratische E.llschließung wird ab- gelehnt. Cs folgt dann die Beratung der so­zialdemokratisch en und kommunistischen Anträge auf Sicher st ellung der Wahlfreiheit.

Abg. Koehnen (Konrm.) bespricht Die Vor­fälle bet Der kommunistischen Versamm- [ung in Halle und bie Verhaftung von Kom» muniften in Stuttgart. In Halle habe man die Wahlfreiheit in Dlut ersäuft. Der Polizeiangrifs sei beabsichtigt und vorbereitet gt?» wesen. (Widerspruch.) Die Verhafteten seien von der Polizei grausam behandelt worden. Während Der Rede kommt es verschiedentlich zu Zwischen­fällen, weil der Redner sich lustig macht nicht nur gegen Die Rechte, fonDetn sich auch besonders gegen die Sozialdemokraten wendet.

Abg. Cr i s p i e n (Soz.) nimmt 0 et> er t n g gegen. Die kommunistischen Angriffe in Schutz.

vor der Unterzeichnung des deutsch-belg scheu Handelsvertrages

Nach langwierigen Verhandlungen ist nun endlich auch der deutsch-belgische Handelsvertrag zustande gekommen. Er weist zwar mancherlei Schönheitsfehler auf, vor allem fehlt die gegen­seitige uneingeschränkte Meistbegünstigung, an Deren Stelle für bie Dauer bis zu fedyS und zwölf Monaten eine von beiden Seiten auszu- ubende differenzierte Behandlung her Waren tritt; dafür ist aber ein weiterer Schritt auf dem Wege der Anbahnung freundnachbar­licher Verhältnisse durch den Ausbau Des Konsulatswesens getan. Wohl hat es Zeiten gegeben, da man auf beiden Seiten mit einem ergebnislosen Aneinander gehen rechnete, immer wieder gelang es den deutschen Hnterhänd- lern, die Belgier am Verhandlungstisch festzu­halten, was nicht Konzessionen irgendwelcher Art zu verdanken ist, vielmehr der deutschen Taktik und nicht zuletzt der Einsicht der Belgier selbst, die ja ursprünglich noch alle Seitensprünge und Extratouren ihrer französischen Bundesge­nossen mllmachten, dann aber doch merklich ab­

Rothardt-Prozeh.

Magdeburg', 21. März. (TH,) 3m Rot- hardt-Prozeh erklärte der Mechaniker Kiefert, der Streik sei aus sich selbst entstanden wegen der schlechten Lebensmittellage. Heber die Treptower Versammlung bekundet der Zeuge, Ebert habe gesagt, im Ausland werde gearbeitet und in Deutschland streike man. Des sei ein unmög­licher Zu st and. Eberts Rebe hab« an einer Stelle einen großen Tumult hervorgerufen, in bessen Verlauf Beschimpfungen gegen ben Red­ner gerichtet würben. Der Zeuge Kindler gibt an, Ebert habe erklärt:Wir dürfen unsere im Felde stehenden Arbeitsbrüder nicht im Stiche lassen, fonbem müssen sie mit Munition versorgen". Er warnte auch vor Hnbesonnenheiten. Die meisten Versammlungs­tellnehmer waren darüber ungehalten, lärmten und riefen:Verräter!"HallunkeI" Derwal- tungdamtmann Lorenz gibt an, Ebert habe sehr gemäßigt gesprochen und laute Hnwittensäuße- rungen der Versammelten hervorgerufen. Das­selbe bestätigten Zeuge Maler Budde sowie Redakteur F e ch n e r. Zeuge Schaf gibt an, Ebert habe nicht zum Streikabbruch gemahnt. Er habe sich aus den Boden der Streikenden ge­stellt. Zeuge Schriftsteller L e h n h o f bekundet, daß Ebert in Der Treptow-Versammlung teil­weise lauten Widerspruch gefunden habe.

Eine neue Machte-Gruppierung auf dem Balkan?

Paris, 21. März. (TH.)Watin" erfährt aus Dclgrad, daß auf Der Konferenz Der Kleinen Entente bet serbisch-griechische Ver­trag in erster Linie Gegenstand einer Aus­sprache bilden werde. Man rechnet Damit, daß Griechenland ein neues Dünbnis Vorschlägen werde, daS Iugoslavien, Rumänien und Griechenland umsaht und Die Frage deS Status quo auf dem Balkan zum Ziele haben werde