Ausgabe 
21.3.1925
 
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Ur. 68 (Elftes Blatt

175. Jahrgang

Samstag, 2f. März 1925

fraeffirt a. M. 11886.

Pari«. 21. Wär-. ($M.) Die Kammer

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will man da abirar Partei der kj.jvc .

haltig werden zu lassen? Sind das nicht Aus­flüchte, für die man bei dem hess'schen Volk in seiner überwiegenden Mehrhe't kein Verständ- nis erwarten darf. Die Entsche düng ist von den Parteien der Weimarer Koalition selbst Der- tagt worden. Sie wird fallen im Volksent­scheid, in der freien Meinungsäußerung des Dolles selber, das sich in d esen Krisenmonaten darüber klar geworden sein dürfte, wer seine In­teressen zum Spielball engstirniger Parteipolitik mißbraucht hat.

3m ^Interhause sprach Premierminister Baldwin sein tiefstes Bedauern über den Tod Curzons aus und sagte, daß er am Montag eine Resolution darüber einbrinqen werde Der Arbeiterführer Thomas übermittelte die Sym­pathie der Opposition an den Premier- Minister und seine Kollegen.

wurde mit 375 gegen 48 Stimmen gutge­he i h e n. Der Aufruf der Kardinale wurde Mit 330 gegen 30 Stimmen verurteilt. Der Regierung wurde darauf erneut mit 325 gegen 226 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen.

Der Kulturkampf in Frankreich

Prügelszenen in der französischen Kammer.

Annahme een Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerdindlichkeit.

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Französische Schiebungen im besetzten Gebiet.

Derli n. 2l. März. ($11.) DieVoss. 3tg.ü meldet aus Paris von einem neuen großen Skandal im besetzten Gebiete. Der frühere Ehef des Militär-Wohnungsamtes im *211 a i n g, Oberst Marullier, Hat seine Stel­lung in Mainz dazu ausgenutzt, um sich von seinem Freunde, dem Zollinspektor Pinnad, verschiedene Warenbestände, die aus von der französischen Zollverwaltung beschlag­nahmten Dorräten herrühren, zu billigen Preisen geben zu lassen. Die Waren wurden dann an dir Kaufleute Bier und Hoffmann weiter verschoben. So hat der Oberst Waren für 50 000 Franks gekauft, deren Wert das Vielfache dieses Betrages ausgemacht haben soll. Die Be­trügereien sind bei einer Kontrolle en deckt unf die Schuldigen verhaftet worden.

tagsbefchluh von den bisherigen Koalitions­parteien aus sehr durchsichtigen Gründen ab­gelehnt wurde.

Angesichts der drohenden Berufung an das Bolk hat man sich im Läger der Weimarer Koa­lition w.edrr z'ifammengefunden. Die Sozialdemo­kraten haben ihre kühl ablehnende Haltung auf» gegeben und die noch vor wenig Wochen ihnen unerfüllbar dünkenden, sehr weitgehenden For­derungen des Zentrums bewilligt Es farm mit den Zugeständnissen, die bei dem Kuh- dandel für die Partei herausgesprungen sind, zu­frieden fein: je eine katholische P h i l o -- sophiepröfessur an den beiden Hoch­schulen des Landes und Fortbestehen der konfessionellen Privatschulen, das ftnb Dinge, um d e sich das Falschen lohnte, be­sonders dt sie für Demokraten und Sozialisten o?n Verzicht auf grundlegende, zäh verteidigte Punkte ihr s Programms bedeut ten. 3m übrigen bat sich das Zentrum nach te:ncr Richtung h n fest gelegt, vermutlich im Hinblick auf den kom­menden Volksentscheid, bei dem auch die Zen­tra mswäh'er von der Partei Rechenschaft fordern werden. Ramentlich in dem kitzligen Punkt der St euer frage, bei der b:e Regierungskr-fis toenigsteTls ihren Anfang nahm, hat Kch das Zentrum alles Vorbehalten.

Der Kompromißformel ist stolz das Zuge­ständnis der Sozialdemokratie voran- gestellt, daß sie ihren grundsätzlichen W drrstand gegen die große Koalition ausgebe. Das dürfte vorläufig wohl nur platonische Bedeutung baden. Denn was soll es heißen, man werde die desinitwe Entscheidung in d r Frage der Re­gierungsumbildung von der Entwicklung der Deutschen Dollspartei im Reich und in Preußen abhängig mach'n? Will man der Dollspartei etwa eine Piül-ng?-?^ rvfcn'caen und in einen: Er am'n fest ne i' od sie nunmehr sür die große Koalition und die Mit- verantwort:ng an den R^'.er n s Geschäften reis pi? 3m Reich sowohl wie in Preuß e l-e: die Dolisparte, i\t 3:j-ct zum Besten des Voiks- ganzen tätigsten Anteil an der Reaierung ge­nommen. 3m Reich w c in den m eisten Ländern tft eine Regierung ohne d c Volks'ort i seit

der Reglerullg gestern abend mit 327 gegen 95 Stitarnen daS Dcitrau.n ausgesprochen. Es gelangte folgende Tagesordnung zur Annahme: Sie Kammer verurteilt jeden Äg-rationsbersuch, der die Grundsätze der Gesellschaft des modernen Staatswesens gefährdet und spricht der Regie­rung ihr Vertrauen dafür aus. daß sie den öffentlichen Frieden durch die Ach. tung vor den Gesehen und bie Ge­wissensfreiheit sichern will, ebenso daß fie die Re tralltat des Schulunterrichts und die Aufrechterhaltung aller Laien-Ge. fetze der Republik verteidigt. Sie lehnt jede Zusaherklärung ab und geht zur Tagesordnung über. Die Aufrechterhaltung der Trennung zwischen Kirche und Staat

Aus dem Landtag.

Darmstadt, 20. Marz. (Eia. Der.) Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hält am Mon­tag eine Sitzung ab. um zur politischen Lage Stellung zu nehmen. Die Beratungen werden von besonderer Bedeutung sein, weil die Stel­lungnahme der Partei zur Staalsvräfidenten- wahl und zur Regierungsbildung belvrochen wird. Auf der Tagesordnung der am nächsten Dienstag, dem 24. März. stattfindenden Sitzung stehen als wichtigste Punkte auf der Tagesordnung die Wahl des Staatspräsidenten, die Be­stimmung der Mitgliederzehl des Kabinetts und die Bestätigung der Mitglieder des Gesamtmini­steriums.

Der Finanz a.u sschuß des Landtags be­rget gestern über die Regierungsvorlage zum Ausbau der Wölfersheimer ftaat- lieben Betriebe Don den Deutschnationalen wurde die Vorlegung einer Rentabilitäts­berechnung verlangt, bevor sie zu der An­gelegenheit endgültig Stellung nehmen tonnten. Der Finanzminifter befürwortete die Vorlage; so wie bisher, fei es unmöglich, den Betrieb weiter fortzusenen Ein Vertreter bei Sozialdemokratie beantragte, ein Sachverständigengut­achten über die Wölfersheimer Betriebe ein» zuh^len Der A 's'chuß stimmte dem zu. auch beschloß er. die Wölfersheimer Betriebe einmal zu besichtige n Für not rend-ge Herstellungen von Schaltanlagen wurden 375 00? Ml bewilligt. Ein Antrag des Abgeordnete' Eberle über dir Einbeziehung der Provinz Rheinhessen in das landwirtschaftliche Retgebiet. um ihr steuerliche Erleichterungen - > ver hafca. wu.de der Rrgie- rgng Material übe.wicscn

Laufe der 3ahrhunderte zu einem politi­schen Faktor entfaltet habe Er schiebt die Schuld an der Revolution von 1838 den geist­lichen Orden zu. Ein Abgeordneter der Rechten ruft dazwischen: Was Sie sagen, ist ja alles Blödsinn.

Ein anderer rechtsstehender Abgeordneter stürzt plötzlich auf die Rednertribüne los und be­schwört seine Parteifreunde, sich nicht länger mehr die Beschimpfungen des Ministerpräsidenten gefallen zu lassen.

Der Lärm wird ohrenbetäubend. Abg. de la Ferron atz fordert Herriot unentwegt mit schreiender Stimme auf. vor der Kammer Abbitte z u le i st en. Herriot wird das Weiterreben fast unmöglich gemacht. Darauf be­antragt Painlevä die Verhängung der Zensur und die Ausschließung des Ab­geordneten. Der Abgeordnete de la 5er- ronay erhält das Wort zu einer kurzen Recht­fertigung, in der er sagte, er schätze sich glücklich, daß die Zensur gegen ihn ausgesprochen werde, wenn er nur den Ministerpräsidenten erneut auf­fordern könne, wegen Beschimpfung sämtlicher Katholiken Abbitte zu leisten. Die Kammer be­schließt daraus die Ausschließung des Ab­geordneten. Die Rechte beginnt, den Saal geschlossen zu verlassen. Abg. de la Ferronah besinnt sich jedoch und erklärt, e r werde nur der Gewalt weichen. Der Lärm steigert sich. Painleoö hebt daraus die Sitzung zum zweitenmal auf. Die Deputierten mit Ausnahme de la Ferronays und seiner Partei­freunde verlassen langsam den Saal. Kurz daraus bringt eine Abteil ungderRevublikani- scheu Garde herein und ein Unteroffizier legt dem Abgeordneten die Hand auf die Schulter rmd führt ibn ab. Die Opposition stimmt darauf stehend die Marseillaise an.

Vertrauensvotum für Herriot.

Paris. 21. März. (TU.) 3n der Kammer tarn es gestern nachmittag zu noch nie dage» Tumultszenen, als Herriot in feiner atebe über die Laiengesehe und den Brief der Kardinäle sagte.Das ßnpntum bestreitet nicht Mitwirkung deS Eh i!e ckums an der Zivllisation, besonders in seiner Form der ur­sprünglichen Reinheit. alS es noch nicht das Christentum der Bankiers, sondern daS Christentum der Katakomben war." Die Abgeord­neten der Mehrheit erhoben sich von ihren Sitzen und bringen Herriot eine langanhaltende Ovation bar. Aus der Rechten werden heftige Pro­te st r u f e laut, die in dem wachsenden Lärm Der- loten gehen. Herriot tann nicht weitersprechen. Die f oz i al i st i s ch en Abgeordneten springen auf und stürzen mit geballten Fäustenaus dieOpposition.

Trotz des raschen Eingreifens der Saaldiener kommt es zu einem Handgemenge. Mehrere Ab- geordnete bilden einen wüsten Knäuel. Zeit­weise läßt der Kampf nach, um dann wieder mit doppelter Wut einzusehen.

Die Saaldiener versuchen vergeblich, die Kämpfenden zu trennen. Der Tumult bauert ungefähr 20 Minuten, während Herriot nicht von bet Tribüne weicht. Schließlich hebt Painleve die Sitzung aus. Die Abgevrbneten verlassen den Saar mit aufgeregten Gesichtern und teil­weise mit zersetzten Kragen und Krawatten.

3n seiner Rede begründete Herriot erneut die Aufhebung der Vertretung beim Vatikan und stellt fest, daß die Maßnahme von rein politischen Erwägungen dik­tiert sei, da die Regierung mit der Religion nichts zu schaffen habe. Herriot geht dann aus den 3nhalt des Brieses der Kardinäle ein. Die Behauptung, daß die G e w i s s e n s s r e i- beit der Beamtens ch^a s t beeinträchtigt werde, fei unwahr. Herriot spricht bann gegen die über bandnehmende Hetze der Geistlich- f e i t. 3n Thanon wur den die jungen Katho­liken ausgesordert, folgenden Schwur zu leisten: OBü schwören, die Vertreibung der Ortsgeist- lichen mit sämtlichen Mitteln, evtl, sogar durch Blutvergießen zu verändern." 1

Besonders scharf wendet sich Herriot gegen de« Rat im Brief der Kardinale, auf die Regierung mit Hilfe der angesehensten Persönlichkeiten von Handel und Industrie einen Druck auszuübeu. QDo bleibt da 3esus, der die Kaufleute aus dem Tempel vertrieb? sagte Herrin Cs kommt dann zu den oben erwähnten Zwischenfällen.

Herriot kann nach Wiederaufnahme der Kam­mersitzung. durch Zwischenrufe behindert, nur mühsam weiterreden. 3m Qlamen der Rechten fordert ein Abgeordneter vorn Ministerpräsiden­ten im gebieterischen Ton, die gegen die katho- liebe Kirche ausgesprochenen B.-schimpftmgen zu» rückzunehmen. Ohne diese Aufforderung zu beachten, seht Herriot seine Rede fort. Er sucht auf geschichtlicher Grundlage nachzuweisen, daß Wc Kirche in ihren Anfängen eine Zufluchtstätte für Beladene und Bedrückte war und sich im

Die vertagte Krisis.

Wie das Reich und Preußen und überhaupt lebe« Land was auf sich halt, hat auch unser Hessen seine Regterungskrisis gehabt. Mit an- erfennenÄtoet fern Eifer rangen Preußen und Hessen um den zweifelhaften Ruhm, wer am längsten kriseln könne: Preußen hat die Palme davongetragen, dort weiß man noch heute nicht ganz, was man will. 3n Hessen haben die Krisen» machen Angst bekommen und es vvrgezogen. sich in beschleunigten Verhandlungen auf eine Rück­kehr zum guten Alten zu einigen. Mdn hat sich dazu fast vier Monate Zeit gelassen. Monate, in denen sich da- nun zurückkehrende Kabinett al- geschäft-führende- Ministerium keine Zügel anlegte, bis die Drohung mit dem Volksbegehren die schmollenden Brüder der Weimarer Koa­lition wieder zusammen führte.

Da- jetzt wieder erneuerte Bündnis von Zen­trum. Sozialdemokraten und Demokraten stammt au- dem Jahre 1919, e- verfügte im ersten nach, revolutionären Landtag über 57 von insgesamt 70 Sitzen. Die Reuwahlen von 1921 brachten: Sozialdemokraten und Demokraten zwar starke Verluste, die alte Koalition hatte aber auch im neuen Landtag mit 42 Sitzen immer noch eine sichere Mehrheit. 3nnerhalb der Koalition hatte sich indessen da- Kräfteverhältnis wesentlich ver­schoben. Da- Zentrum hatte feine 13 Man­date behauptet, hatte jedoch infolge des starken Mandat-zuwachses der rechten Gruppen jeder­zeit die Möglichkeit, zusammen mit der Oppo­sition die beiden KoalllionSparteien zu über» stimmen. Grund genug, daß das Zentrum keiner­lei Reigung verspürte, durch eine Verbreiterung der Regierungsbasis ober gar durch Bildung einer bürgerlichen Regierung eine Situation zu gefährden, in der es unumstritten das Heft in der Hand hatte. Da- wurde anders, als die Wahlen vom 7. Dezember 1924 zwar eine Stär­kung der Weimarer Koalition um ein Mandat brachten, da- Kräfteverhältnis innerhalb der Re­gierungsparteien sich aber infofern verschob, al­bte Demokraten ein Mandat, die Sozialdemo­kraten sogar zwei Mandate gewannen, das Zen­trum jedoch vermutlich durch die starke Verstim­mung feiner bäuerlichen Wähler, zwei Mandate verlor. Da gleichzeitig auch die Rechte zwei Mandate eingebüht hatte, atng die Vormacht ftellung innerhalb der Koalition vom Zentrinn auf die Sozialdemokraten über.

Riemand erkannte klarer und schneller bte veränderte Situation al« das Zentrum selbst. GS weigerte sich, mit den allen Bundesgenossen ein Verhältnis einzugehen, das sich für seine Partei so wesentlich verschlechtert hatte, sondern forderte Verbreiterung der Regie- rungSbasiS durch Hineinbeziehen der Deut­schen Dolkspartei und des Bauernbundes. Es durste annehmen, daß seine kulturpolitischen For­derungen sowohl alS feine Wünsche auf dem Ge­biet der Steuergesetzgebung sich in manchen Punk­ten mit demProgramm der Rechten decken würden.

Bei den alten Freunden von links sand eS aber für diese Gedankengänge fein Verständnis. Die Sozialdemokraten lehnten schroff jede Koalition mit einer Rechtspartei ab und hielten bn Bewußtsein ihrer Macht die ganze Krisis hindurch diesen Standpunkt konsequent aufrecht. Bei den Demokraten machte man anfangs Vermittlungsversuche, bald aber gewann der Flügel wieder die Oberhand, der eine bemofra- Usche Politik nur im sozialistischen Fahrwasser für möglich hält. Man beschränkte sich auch hier barauf, in stoischer Ruhe abzuwarten, bis die 6tunZ)e für die Rückkehr des Zentrums in den Schoß der alten Koalition reifen werde.

verschlungenen Pfade der sich Monate hinziehenden, recht unerquicklichen Verhandlun­gen aufzuzeichnen, muß einer beruf eueren Feder Vorbehalten bleiben. Soviel schnnt jedenfalls fest- 8uflehen, daß bas Zentrum sich wenigstens in den ersten Monaten der Krisis ernstlich bemühte feine Forderung auf Erweiterung der Regierung nach rechts bei seinen alten Koalitionsgenvssert, besonders bei den Demokraten, durchzusetzen Die Regierungskrifis wurde für das Zentrum zur Prestigefrage, als es in Herrn v. Bren­tano einen eigenen Kandidaten für das Amt de- Staatspräsidenten aufstellle. der von der ge­samten Rechnen unterstützt wurde Aber die De­mokraten haben sich in völliger Deickennung ber tatsächlichen Volksstimmung den Bemühun­gen des Zentrums um eine ilmbilbung der Re­gierung versagt. Sie haben damit eine Entwick­lung verhindert, die im Reich sowohl wie in einer Veihe von Einzelländern feit langem bei Einfluß der Sozialdemokratie aut die Staatsgeschäfte auf ba« Maß zurückgeführt hat. das der wahren Bedeutung der Sozialdemokratie heute tatsäch- "och entspricht. Die hessischen Demokraten ya^n damit aufs neue darge'.an. daß lie nur noq) em Wurmfortsatz der Sozialdenwllatje f:nb au' eine eigene, den veränderten Verhält- d^m Dolkswillen Rechnung tragende Politik verzichten.

Als das Zentrum erkannte, daß es bei feinen Versuchen auf Schwierigkeiten stieß, denen es ftcb Nicht gewaAen fühlte, suchte es seine Zu­stimmung zur Rückkehr der alten Koa-

J® £CUC1k?1C 'Möglich zu verkaufen. Den ? s Ou öu den beschleunigten Derhand ungen in dieser Richtung gab offenbar das Verlangen der b°s aSoIfäentfoKiM eine Auslösung des e.a n a g « damit eine Klärung b:- Laie und 2rne_ CBeen bi a n n g d ?ses unhnltbucn und mtoutbigen Zustandes einer Dauerte si -. l> -- -j-

Me Lchte mußte delem len.en I i *Denfo unistandlichea w:e traubenb' * All cl peifen, da eine Landtagsauflösu.iq durch £.-.nb= I

Lord Curzon f.

London, 20. März. (Wolff.) Lord 6 u t z o n ist heute früh 6 Ahr gestorben.

Gorge Rathaniel Earl Eurzon of Kedlestan wurde am 11 3anuar 1859 in Kedleston als Schn des Geistlichen Alfred Curzon, Lord Scans- bale geboren. Er begann feine politische Lauf­bahn 183b als UnteryauSmitglied auf den Bän­ken der Konservativen. Don 1891 bis 1892 war er Unterstaatssekretär für 3nbien und 1895 bis 1893 Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Auf Grund seiner überaus umfassenden und gründlichen Kenntnis der Länder des Fenken Ostens, die er durch seine Reisen in orientalischen Ländern, speziell in Persien und 3ndien. noch erweiterte, wurde er 1899. ungewöhnlich jung, zum indischen Vizekönig ernannt Aks solcher begann er eine intensive Reformtätigkeit auf fast allen Gebieten des indischen öffentlichen Lebens, die allerdings mit der Teilung Bengalens auch ungeheure Erregung unter den Bengalen verursachte und wohl auch den ersten Anlaß gab zum Drang nach Unabhängigkeit und Freiheit, der England heute so viel zu schassen macht Ein ernster Kamps mit Lord Kitchener um den Oberbesehl der indischen Armee, der zu weit­gehenden Vollmachten für sich in Anspruch nahm, führte zur Abberufung Lord Curzons aus 3ndien.

Rach seinem indischen Aufenthalt wurde er einer der Führer der Konservativen im Ober­haus. Mit Beginn des Weltkrieges trat er als einer der heftigsten Verteidiger einer rück­sichtslosen Kriegspolitik hervor und sprach im Oberhaus, in dem er seit 1914 als Geheim­siegelbewahrer. also als Vertreter bet Regie­rung. fungierte, das berühmt geworbene Wort von den siegreichen Ghurkas. die sich mit den Kosaken des Zaren unter dem Brandenburger Tor treffen sollten. Während der Pariser Friedenskonferenz vertrat er in London den auf der Konferenz befindlichen Minister des Auswärtigen. Rachher trat er im Kabinett Lloyd George, mit dem er jedoch stets auf gespanntem Fuß stand, an dessen Stelle. Rach Lloyd Georges Rücktritt war er auch im Kabinett Bonar Cato und in dem daraus folgenden Kabinett Baldwin Minister des Auswärtigen. Als nach dem Rücktritt der ßabourregierunq im Oktober 1924 Baldwin wieder ein tvnserva'ioes Kabinett bildete, wurde Curzon diesmal nicht zum Außenminister, sondern zum Lordpräsi- Renten des Geheimen Rate- ernannt Als solcher hielt er noch am 3 März eine längere politische Rede, in der er aus die 3ungfemrebe Lord Asquith- antwortete Zwei Tage später erlitt er einen schweren Blut stürz, der eine gefähr­liche Operation nötig machte.

3n Lord Curzon hat Großbritannien einen feiner hervorragendsten Diplomaten ber alten Schule verloren Die letzten Jahre feinet diplo­matischen Tätigkeit interessieren Deutschland in­sofern. als er z u Poincare in scharfem Gegensatz stand und während der Rubrbe- setzunq auf Grund des Gutachtens ber briti'chen, Kronjuristen den grundsätzlichen Standvnnkt Eng­lands in einer Rote dahin formulierte, daß die Ruhrbesetzung im Widerspruch zum 93er- failkr Vertrag und zum Völkerbund stehe. 3hm ist auch die Entsendung d-s Generalkonsuls Clive wahrend der separatistischen Bewegung in ber Pfalz zu verdanken, ebenso die Verhinderung französischer Maßregelungen aus Anlaß der Rück­kehr des Kronprinzen nach Deutschland Stets tr^f Frankrrnch «ogenüber für eine maßvolle Politik gegen Deutschland auf. Er war aber den Franzosen auch in anderer Hinlicht ein störendes Hindernis. Als Griechenland im Kample gegen die Türkei unterlag, gab er das Zeichen zum Sturze ber Regierung Lloyd Georges. Während feiner Amtszeit rückte er barm scharf an die Türkei heran, so daß Frankreich im Orient ziem­lich lange ausgeschaltet war Als dann das Kabinett Baldwin auf Grund des Sieges der Arbeiterpartei Aurüdtreten muhte, bekämpfte er auf das entschiedenste die Regierung Macdonalds

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dratf ewtOerlefl: viM'lch« UniBtrfit8ts.Be*. und Steindrucke«! R. fangt In Sieben. Schristleitung und «eschästsfielle: S*ulftrafie 7.